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inne hatte, es ist aber für diejenigen unmöglich, welche nachher kamenund die Dinge nehmen mußten, wie sie waren, indem eS ihnen nurbelassen blieb, sie so vortheilhaft als möglich zu benützen."
„Bruder und fürstlicher Abt, Du hast Dich in dem Dilemmaselbst gefangen. Könnten wir in den Besitz dieses schönen Erbesgesetzt werden, um ungebunden von früheren thcuren Interessensogleich nur die Wahrheit zu sehen, so wäre nichts leichter, als die Praxismit der Theorie i» Einklang zu bringen; da wir aber aus Priesternund Adel, Heiligen und Sündern, Philosophen und Weltleuten be-stehen, so siehst Du wohl, daß die Theorie gezwungen ist, sich demZwange der Praxis anzupaffen. Das Dogma kann also im bestenFalle nur eine wandelbare Autorität bilden. Als Benedictiner undAnhänger Roms möchte ich wünschen, Luther hätte sich mit bloßenVeränderungen in den Gebräuchen begnügt, denn diese lassensich nach Himmelsstrichen und Vorurtheilen einrichten; aber wenndie Schleusen der Erörterung einmal aufgethan find, kann Nie-mand sagen, in welcher Ausdehnung oder nach welcher Richtungder Strom sich ergießen wird."
„Du setzest, wie es scheint, wenig Vertrauen in die Kraft derVernunft."
Bonifacius betrachtete seinen Gefährten einen Augenblick mitübel verhehltem Spotte.
„In der That, heiliger Rüdiger," entgegnete er mit Ernst, „Duhast wohl Deine Leute nicht gar lange geleitet, um mir diese Fragevorlegen zu können, denn wenn Du statt der Vernunft die Leiden-schaft genannt hättest, so könnten wir am schnellsten zu einem Einverneh-men kommen. Die Folgesätze — soweit unsere thicrische Natur in Fragekommt — fließen vernunftgemäß genug aus dem Vordersätze; aber wennwir von den sichtbaren Scheidelinien unseres Wesens abgehen, um unsdem Meere der Spekulation hinzugeben, so überlassen wir uns,gleich dem Seemann, der seinem Magnet vertraut, einer unbekanntenUrsache. Der Hungrige will essen, und wer Schmerz empfindet.