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20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
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waren, nur wenig Aehnlichkeit. Wenn BonifaciuS gelehrter undgeisteskräftiger war, so besaß dagegen der gefürstete Abt von Einstedclumehr von jenen sanften gewinnenden Begabungen, welche einemchristlichen Leben zur schönsten Zierde gereichen. Vielleicht war beikeinem von Beiden tiefe, demüthige Frömmigkeit zu finden, da einesolche Stimmung nicht leicht Wurzel fassen konnte bei Männern,die von so vielen Lockungen umgeben waren, welche angeborenenSchwächen schmeichelten; aber Beide achteten aus Gewohnheit dieäußeren Gebräuche ihrer Kirche und glaubten im Verhältniß derSchärfe und des Umfangs ihrer Erkenntnis an die Kraft ihresgeistlichen Amtes.

Nachdem sie die Sakristei verlassen hatten, begaben sie sichdurch den Kreuzgang nach der Wohnung des Abtes, wo sie sicheinschloßen, um ihre weiteren Schritte zu berathen.

Dein Sitz war also in der Nachbarschaft dieses kühnen Edlen,Bruder BonifaciuS?" begann der Vorstand des Klosters unsererlieben Frau von Einsiedeln.

Du kannst Dir dies nach den letzten Ereignissen vorstellen.Sein Schloß und unsere unglücklichen Mauern lagen nur einigePfeilschüffe von einander."

Seyd ihr früher gut mit einander ausgekommen, oder ist derkürzliche Vorgang eine Folge lange bestandener Zwistigkeiten?"

Du kannst von Glück sagen, frommer Rüdiger, daß Du unterEis und Bergen eingeschloffen und so ganz außerdem Bereiche adeligerHände sowohl, als adeligen Ehrgeizes bist. Limburg und die hab-gierigen Grafen haben seit der Gründung unserer Abtei kaum jeden Frieden gekannt. Die unruhigen Ritter spielen unseren reli-giösen Gemeinschaften gegenüber dieselbe Rolle, welche der unruhigeGeist des Vaters der Sünde in der sittlichen Welt vertritt."

Und doch ist es mir zweifelhaft, ob nicht der schwerste Schlag,der uns bevorstcht, von einem aus unserer Mitte herrühren wird.Wenn Alles, was wir durch das Gerücht und aus den Hirtenbriefen