„Was soll dies?" fragte er. „Es ist bas Bild eines jungenMannes in rohen Umriffen."
„ES bedeutet, Vater," entgegnete Ulrika mit halbem Flüstern»„daß das Herz, welches ihn liebte, jetzt Gott gehört!"
Der Abt verbeugte sich und winkte hastig seinen Untergebenen,die Gabe in Empfang zu nehmen; dann trat er bei Seite, um eineThräne zu verbergen, die ihm in'S Auge gedrungen war. Metasank im gleichen Augenblicke an die Brust ihrer Mutter und wurdestumm aus der Sakristei fortgetragen.
Die Männer folgten nach, mit Ausnahme der zwei Aebte unddes Schatzmeisters, welche zurückblieben.
„Bringst Du gleichfalls ein Opfer, gute Frau," fragte Letz-terer die Weibsperson, welche sich den Weggehenden nicht ange-schlossen hatte.
„Ob ich ein Opfer bringe, Vater? Meint Ihr, ich werdeso weit Herkommen mit teeren Händen? Ich bin Ilse, Frau Frei'SDienerin, und Dürkheim hat mich auf diese Wallfahrt geschickt,die an sich selbst ein Opfer ist; denn so kann ich's wohl nennen beimeinen gebrechlichen Knochen und einem Alter von mehr als sechzig.Wir sind nur armes Stadtvolk aus der Pfalz, wissen aber doch,was im Nothfalle recht ist. Es sind viele Gründe vorhanden,warum ich kommen mußte, wie Ihr sogleich hören sollt. Erstlich warich in der Limburger Kirche, als die That be-"
„Wie, konnte eine Person von Deinen Jahren auch an einemsolchen Zuge Theil nehmen?"
„Ja, und an vielen anderen Zügen. Erstlich begleitete ich denalten Bürgermeister, Frau Nlrikas Vater, als er Hülfstruppen nachMannheim brachte; zweitens war ich von unseren Bergen aus Zeugedes Kampfes zwischen den Churfürstlichen und den Anhängerndes-"
„Dienst Du der Mutter jenes weinenden Mädchens?" fragteder Abt, die Geschichte von Ilsens Feldzügen kurz abschneidend.
Die Heidenmauer. 28