Unter der Regierung des erlauchten und kriegerischen Carolus Magnus»der über Gallien, einen großen Theil von Deutschland und dasLand der Franken herrschte, lebte ein Jüngling aus der altenFamilie Hohenzollern, deren Zweige noch immer Fürstenthümerund Markgrafenschaften im Reiche besitzen. Der Name dieses ge-lehrten und frommen Jünglings war Menrad. Frühe der Eitel-keiten des Lebens überdrüssig, wählte er sich eine Einsiedelei, näherals diese dort an den Ufern des SeeS gelegen, über den wir erstkürzlich bei Napperschwyl setzten. Die Zahl der Neugierigen undFrommen, welche seine Zelle-besuchten, belästigten übrigens denheiligen Mann bald so sehr, daß er sich nach sieben Jahren de-GebetS an eine klare Quelle zurückzog, die noch in der Nähe jenerKirche fließen muß, und hier wurde auf ausdrückliches GeheißHildegardenS, einer Dame aus königlichem Geschlecht, welcheAebtissin eines Klosters in der Stadt Zürich war, für ihn eineKlause und eine Kapelle erbaut. Da lebte nun Menrad undstarb, von Gnade erfüllt und reichlich durch gottselige Uebungengesegnet."
„Vater, nahm er in dieser wilden Gegend ein ruhiges undglückliches Ende?"
„Geistig gesprochen hätte es nicht wünschenswertster seyn können,vbschon eS, vom weltlichen Standpunkte aus betrachtet, so schlimmals möglich war. Er starb durch die Hand schändlicher Meu-chelmörder, denen er Gastfreundschaft erwiesen hatte. Die Un-that wurde durch zwei Raben enthüllt, welche den Mördern nachZürich folgten, wo sie ergriffen und hingerichtet wurden — so sagtwenigstens die Uebcrliekerung. In späterer Zeit wurde der frommeMenrad durch Benedict VIII. heilig gesprochen, und fast ein halbesJahrhundert blieb seine Zelle, obgleich sie viele fromme Seelenzum Gebet herbeizog, ohne Bewohner. Zu Ende dieser Periodeaber ließ Bruno, ein Chorherr aus dem Hause Burgund, welche»damals den größten Theil des Landes nah und fern beherrschte.