Zweifler auftrat, so blieb an seinem Rufe stets, etwas von jenemMakel kleben, der immer unbewußt an allen Renegaten haftet,mögen nun ihre Beweggründe mehr oder weniger verwerflich sehn.Da er übrigens als ein gut unterrichteter Mann bekannt war, solegte die Menge auf seinen Abfall mehr Gewicht, als wenn fünzigeinfältige Gläubige ihrer bisherigen Kirche den Rücken gekehrthätten; denn die Meisten glaubten, es gebe Mittel der Benrtheilung,die nur den Eingeweihten, nicht aber denen zugänglich sehen, wel-chen das Loos gefallen war, in den Vorhäfen anzubeten. Wirsehen täglich Beweise davon, daß diese Schwäche auch in die zeitlichenInteressen des Lebens ycreinrcicht und daß man Ansichten oft nurin dem Verhältnisse werthschätzt, in welchem man geheime Mittelder Belehrung voraussetzt, obgleich die Menschen selten etwas ver-h.hlen , von dem sie wissen, daß es offenbar werden könnte, und in derThat nur wenige Lust haben, „ihr Licht unter den Scheffel zu stellen."
Ludwig versäumte nicht, die Hebungsmittel der Betonung undder Emphase in Anwendung zu bringen, indem er die unverständlichenSätze des mönchischen Sendschreibens vortrug, und seine Zuhörerlauschten nur um so eifriger, weil sie keine Silbe von dem, waser sagte, verstanden; wie denn überhaupt die Aufmerksamkeit ge-wöhnlich im umgekehrten Verhältnisse zu dem Fassungsvermögenzu stehen scheint. Vielleicht schmeichelten sich einige der HähernWürdenträger, durch ihre achtsame Miene die Untergebenen zu demGlauben an ihre bessere Kenntniß bethören zu können — ein Um-stand, der zu Erhöhung ihres Einflusses dienen mußte; gibt esdoch keine» besseren Beweis von dem angeborenen Streben unseresgeistigen Wesens, als die allgemeine Achtung, welche dem Wissengezollt wird. Wir haben es gewagt, diese Muthmaßung auch auf diebürgerlichen Obrigkeiten Dürkheims anzuwenden, weil wir glauben,daß die Thatsache auf einem allgemeinen Principe des menschlichenEhrgeizes beruhe und weil wir uns aus eigener Erfahrung einesFalls erinnern, in welchem wir eine plattdeutsche Rede, die länger