Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
351
Einzelbild herunterladen
 

Feind und bitteren Tadler unter dem Geschlechts gefunden hatte, welchesbisweilen ebenso schwer daran kommt, zu Gewalt und Widerstandzu reizen, als eS in anderen Fällen gedankenlos und vorschnell ist.

Dreiimdzwanzigstes Kapitel.

Welch' wohl bestallter Führer naht uns hier?

König Heinrich IV.

Mas Sendschreiben der Mönche war in lateinischer Spracheabgcfaßt. In jener Periode konnten außer den Gelehrten nurWenige schreiben, und jeder Edelmann oder jede Stabt sah sichgenöthigt, einen Studirten zu halten, der verrichten mußte, washeutzutage zu den gewöhnlichen Borkommnissen des Verkehrs gehört.Der Stadtschreiber von Dürkheim war für die Kirche erzogen wordenund hatte es sogar bis zur Tonsur gebracht; aber einige Unregel,Mäßigkeiten im Leben, die, wie es schien, nicht in den Schrankender kirchlichen Vorrechte blieben oder um ihrer Oeffentlichkeit willenSchande über den geistlichen Stand brachten, hatten ihn genöthigt,seinem Lebenslaufe eine neue Richtung zu geben. Wie eS bei denmeisten Menschen zu ergehen pflegt, die viele Zeit und Mühe auf-gewendet haben, um sich für einen bestimmten Beruf zu befähigenund unerwarteter Weise davon abgehen müssen, so war eS auchdieser Person, welche Ludwig hieß und im gewöhnlichen geselligenVerkehr oft den Spottnamen Pater Ludwig erhielt, nie gelungen,den Übeln Eindruck, welchen sein erster Fehltritt gemacht hatte,völlig wieder zu verwischen. Seine Kenntnisse verschafften ihm zwareinen gewissen Grad von Ansehen; aber da man seine etwas freieLebensweise kannte und noch außerdem wußte, daß er, als die Kir-chenspaltung in Deutschland um sich griff, namentlich gegen dieHauptunterscheidungslehren der katholischen Kirche als ein kühner