Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
335
Einzelbild herunterladen
 

derselben hohen Quelle fließt, bewahrt es dennoch, selbst inmittenderartiger feindlicher Einwirkungen, die Spuren seines göttlichenUrhebers. Wir betrachten diesen unermüdlichen Mahner als einenUeberrest der hohen Stellung, aus welcher unser Geschlecht ge-fallen ist, und finden es unzweifelhaft, dass der Mensch genau indemselben Verhältnisse, in welchem er seinen Einfluß fühlt und zu-läßt, sich dem ursprünglichen Stande der Unschuld wieder nähertoder von demselben zurückweicht.

Auf die Zerstörung der Abtei folgten die meisten jener An-zeichen, welche in Abstufungen, die den vorausgehenden Gewohn-heiten entsprechen, jeder Akt der Gewaltthat unausbleiblich nachsich zieht. Sogar diejenigen, welche sich bei Führung des lang-erwogenen Schlages am thätigsten erwiesen hatten, begannen nun-mehr vor den Folgen zu zittern, und nur Wenige in der Pfalzhörten von der That, ohne den Athen» an sich zu halten, als er-warteten sie, der Himmel werde für die Kirchenschändung furchtbareRache nehmen. Um jedoch den Faden unserer Erzählung nicht zuunterbrechen, müssen »vir den Lauf der Ereignisse in der geeignetenOrdnung wieder aufnehmen, und lassen deßhalb die Zeit nach demBrande nur um einige Tage vorrücken.

Der Leser muß sich nunmehr von dem Jägerthalc ein anderesBild machen. Es war zwar noch immer dieselbe lächelnde Sonne,die nämliche wohlwollende Jahreszeit; die Forsten prangten in deingleichen wallenden Grün, die Wiesen in ihrem sanften, dunkelnGewände die Bergseiten standen noch unter demselben lieblichenSpiele von Licht und Schatten, und der murmelnde Bach rieselte soklar und schnell dahin, wie zur Zeit, als er aus diesen Blätternzuin erstenmale sich dem geistigen Blicke vergegenwärtigte. Wederin den Dörfern noch an den Wegen war eine Hütte oder ein Hausanders geworden, und die Veste Hartenburg blickte noch immer instolzer Lehensgewalt und ritterlichem Prunke düster und massenhaftauf den wohlbekannten Bergpfad herunter. Aber der Hügel von