Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
334
Einzelbild herunterladen
 

liche Augen verweilen können. ES war ein Augenblick, in welchemfast jede Hand ein Gesicht verhüllte, und jedes Haupt blieb abgewendet.Die Aufregung dauerte jedoch nur einen Moment, und als dieMänner wieder nach dem Innern der Kirche hinsahcn, erschien siewie ein Fcuermeer. Der Altar stand noch immer, und Johannbehauptete, wie durch ein Wunder, seinen Posten auf den Sinsen,Berchthold aber war verschwunden. Die Geberden des Benedicti-nerS waren wilder als je und sein Gesicht trug den Ausdruck einesMenschen, den die Vernunft für immer verlassen hat. Er hielt sichnur noch einen Augenblick auf den Beinen und brach dann zusam-men. Man sah darauf seinen Leib wie eine grüne Ruthe sich win-den, die von den Flammen verzehrt wird.

Zweiundzwanzigstes Kapitel.

»Ihr Herren, geht nun mit euch selbst zu Rathe."

Sommernachtstraum.

Die beharrliche moralische Schildwache, die von Gott in jedeMenschenbrust gesetzt ist, obschon sie unter verschiedenen Umständenso verschieden handelt, versäumt vielleicht in keiner Lage der Herab-würdigung und Unwissenheit ihr Amt ganz und gar, und hat zu-verlässig nach dem Fehl die Reue zur Folge. Vergeblich sagt man,dieses inwohnende Gefühl der Wahrheit, das wir Gewissen nennen,sei das blose Ergebniß der Meinungen und der Gewohnheit, dennes spricht sich sogar augenfälliger in dem unschuldigen, unerzogenenKinde aus, als in dem erfahrensten Manne, und die Natur hat sodeutlich allem seinem Wirken ihren Stempel aufgcdrückt, daß manseine Identität mit dem geheimnißvollen Wesen, welches den unkör-perlichen Theil unseres DasehnS bildet, unmöglich verkennen kann.Wie alles andere Gute mag es sich schwächen, verderben oder insonstiger Weise mißbrauchen lassen; aber gleich Allem, das aus