325
der Annahme von Wundern ssaltfinden mag, so werden doch Allezugeben, daß der Geist, welcher zu dem Glauben an ihre fortgehendeMöglichkeit erzogen wurde, Welt weniger vorbereitet ist, diesemEinfluß zu widerstehen, als wenn er durch irgend ein andere»Werkzeug angegriffen würde, weil in jenem Falle die mensch-liche llnmacht in unmittelbaren und augenfälligen Gegensatz zuder göttlichen Allgewalt tritt. Gegen eine solche Kraftentfaltungbietet die Natur keine Widerstandsmittel, und das nnfichtbare, gc-heimnißvolle Walten, das einem Wunder zu Grunde liegt, wirkteben so sehr aus die Einbildungskraft, als auf die angeboreneFurcht vor dem Allmächtigen, die allen Sterblichen inne wohnt.
„ES wäre gut, wenn die Sache nicht weiter ginge," sagteEmich in unruhigem Flüstern zu seinen Hauptleuten.
„Nicht doch, Herr Graf," versetzte Berchthold gelassen; „ichhalte es für gut, wenn man in dieser Sache das Wahre erfährt.Haben wir den Himmel nicht auf unserer Seite, so mag es unszu unsrem Besten kund werden; find aber die Benediktiner bloßeAugenverblender, so wird sich unser Gewissen nur um so leichterfühlen."
„Du bist dreist, Knabe — Niemand kann wissen, auf was e»hinaus laufen mag! — Herr Heinrich, Du bist ja ganz verstummt."
„Was verlangt Ihr von einem armen Bürgermeister, edlerEmich? Ich gestehe, daß ich der Ansicht bin, es sey für Dürkheimweit vortheilhafter, wenn die Sache jetzt abgebrochen würde."
„Du hörst es, Benediktiner!" rief der Graf, indem er dieSpitze seines in der Scheide steckenden SchwerdteS auf den reichverzierten und viel verehrten Schrein setzte, dessen Klampen derMönch bereits geöffnet hatte. „Nicht weiter mehr!"
„Nimm Deine Waffe hinweg, Emich von Lciningen," sagtePater Johann mit Würde.
Der Graf gehorchte, obschon er sich den Grund selbst kaumanzugeben wußte.