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20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
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Dies ist freilich ein schrecklicher Augenblick für den Un-gläubigen," fuhr der Mönch fort.Der Moment ist nahe, derunfern Altären Rache bringen soll. Nein, weiche nicht zurück,dreister Graf harret aus bis zum Ende, ihr zügellosen und ver-lornen Anhänger des Lasterhaften; denn vergebens hofft ihr demGericht zu entrinnen."

In der Miene und in dem Glauben des Pater Johann lagso viel ruhige Begeisterung, daß Neugierde sowohl als religiöse ScheuJeden, trotz des allgemeinen Wunsches ferne von den Reliquien zubleiben an die Stelle gebannt hielt; und die Herzen schlugen schneller,als der Münch fortfuhr, mit der Miene tiefster Ehrfurcht die hei-ligen Knochen, die Kleiderüberrestc, die berühmten Nägel des wahrenKreuzes, Splitter vom Holze desselben und ähnliche Erinnerungs-zeichen an heilige Ereignisse oder Märtyrer zur Schau zu stellen.Nicht Einer war im Stande, vom Platze zu Weichen. NachdemPater Johann unter feierlichem Schweigen Alles auf dem von demBrande glutroth erhellten Schreine auSgelegt hatte, bekreuzte er sichund wandte dann sein Antlitz wieder der Menge zu.

Was in dieser Noth der Wille des Himmels seyn mag, weißich nicht," sagte er;aber die Hand soll erlahmen und für immerdie Seele dessen verflucht seyn, der sich erdreistet, diesen heiligenDenkmalen des christlichen Glaubens Gewalt anzuthun."

Nachdem der Benediktiner diese bedeutungsvollen Worte aus-gesprochen hatte, wandte er sich nach dem Crucifir um und knieetein stummem Gebete nieder. Die nun folgende Minute war furcht-bar inhaltsschwer für die Sache der Eindringlinge. Die Blickesuchten sich zweifelnd; der Eine sah nach den Verzierungen desGewölbes auf und ein Anderer blickte scheu nach dem sprechendenBilde der Jungfrau, als fürchteten sic insgesammt irgend eine mi-rakelhafte Kundgebung des göttlichen Zorns. Wer weiß, wie dieSache überhaupt ausgefallen seyn würde, wenn nicht das Küh-horn des Hirten abermals in einem gelegenen Augenblicke dem