„Das Bild ist nur die Arbeit eines geschickten Künstlers,gnädiger Herr, und kann nicht anders blicken, als es immer ge-blickt hat."
„Meinst Du, Berchthold? Es gibt aber doch Viele, welchebehaupten, daß Bilder und Gemälde schon gesprochen hätten, wenncs der Himmel so wollte."
„Man erzählt sich freilich solche Sagen, gnädiger Herr; indeßsind dies Dinge, die Einen nicht sonderlich anzurühren Psiegcn,wenn man nicht dazu geneigt ist, sie zu sehen."
„Und doch glaubten meine Väter daran — meine Bäter, inderen Glauben ich erzogen wurde."
Berchthold schwieg, denn seine eigene Erziehung stand mehrim Einklänge mit den um sich greifenden Ansichten der Zeit.
„Wir können wenigstens glauben," fuhr Emich fort, „daßGott im Stande ist, den gewöhnlichen Gang der Natur, soferner einen Zweck damit verbindet, abzuändern."
„Glauben kann man dies wohl, Herr Graf; aber ist es auchnöthig? Gewiß kann sich der Schöpfer der Natur ihrer auch nachGefallen bedienen."
„Ha, so hältst Du also nichts auf Wunder, Knabe?"
„Ich selbst bin ein Wunder, dag mich jeden Augenblick aufdas Vorhandensetzn einer höheren Macht hinweist, deren Führungich mich bereitwillig unterwerfe. Indeß bin ich noch nie so glück-lich gewesen, ein Bild sprechen zu hören oder willkürliche Hand-langen vornehmen zu sehen."
„Bei den Gebeinen meiner Väter, Du bist dem pfiffigstenSpitzbuben, der nur je eine Kaputze getragen hat, gewachsen! Heda, mein tapferes Gefolge!" — er wandte sich dabei an seine Leute,„laßt keine Spur zurück von den Bübereien und Gräueln, die solange in diesen besteckten Mauern geübt wurden."
„Herr Graf!" rief Berchthold hastig, indem er sich zugleicherdreistete, Emichs Mantel zu berühren, „hier sind die Benediktiner!"