„Wir haben eine hohe Gewährleistung für diesen Glauben,edler Graf."
„Ja, wohl ist's eine hohe Gewährleistung, die so weit insAlterthum zurückragt — die dem Drange unseres Innern so ganzentspricht — die von den Vätern auf uns übertragen wurde."
„Und die durch so viele Beweise aus der heiligen — und ausder Profan-Geschichte unterstützt wird."
„Du hast eine gute Schule genossen, lieber Berchtbold,"versetzte der Graf, indem er seinem Begleiter angelegentlich insGesteht sah.
„Als mir der Himmel meinen Vater entriß, ließ er mir einefromme, zärtliche Mutter."
Emich fuhr fort, sich auf Berchtholds Schulter zu stützen,während sein Auge, in welchem finstere Entschlossenheit sonderbarmit dem Schwanken des Zweifels gemischt war, sich nie von der Be-trachtung des Altars abwandte. Ueber dem mit vergoldetem Schnitz-werk gezierten Tabernakel, welcher die Hostie enthielt, befand sichein kleines Bild der Mutter Christi, in dem milden und anziehendenColorit gehalten, in welchem der Pinsel Josephs jungfräuliche Gattindarzustellen pflegt. Ihr Auge schien mit Trauer aus EmichS Antlitzzu haften, und man konnte leicht den sanften Ausdruck ihrer Zügeals einen Vorwurf wegen der Kirchenschändung deuten.
„Diese Benedictiner sind uun endlich obdachlos," fuhr er fort,indem er vergeblich versuchte, seinen Blick von dem milden aberausdrucksvollen Gemälde abzuwenden. „Sie haben viel zu langeLeute mit Füßen getreten, die besser waren als sie."
Berchthold verbeugte sich.
„Fällt Dir nichts auf an jenem Bilde der Maria, Jüngling?"
„Es ist ein kunstreich ausgeführtes Gemälde und ein Gesicht,gar lieblich anzuschauen, Herr Graf."
„Mich dünkt, sie sehe mit zürnendem Blicke aus diese Ge-waltthat nieder."