Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
273
Einzelbild herunterladen
 

Denen, welche in Beobachtung ihrer Gelübde besonders eifrigwaren, konnte eine derartige Verwendung ihrer Zeit später zumTröste werden, denn schon bereiteten sich Ereignisse vor, die einenbleibenden Einfluß nicht nur auf ihr eigenes Geschick, sondern auchans das der ganzen Gegend, in welcher sie wohnten, üben sollten.

Die Akkorde der letzten Hymne erhoben sich zu dem Gewölbeüber dem Chor, und inmitten der Ruhe, welche eine schöne Stimmehervorzurnfen nie versäumt, ließ sich ein gedämpftes Rauschen ver-nehmen, das man für das Gemurmel des Windes, oder auch fürdas unterdrückte Summen von hundert Stimmen halten konnte.Als dieses Geräusch zum ersten Mal laut wurde und unter dengerippten Bogen der Kapelle verhallte, erhob sich der Kuhhirte vonseinen Knieen und verschwand in dem Schatten der Kirche. DieMönche drehten sich, wie in Folge eines, gemeinsamen Antriebs, umzu lauschen, kehrten aber schnell wieder zu ernster Aufmerksamkeitauf die gottesdienstliche Handlung zurück. Allerdings schien Boni-facius einige Unruhe zu empfinden, übrigens in einer Weise, vonder er sich selbst keine Rechenschaft zu geben vermochte. Seinegrauen Augen schweiften über das Düster, das unter den fernenSäulen der Kirche herrschte, und kehrten dann zerstreut zu denprächtigen Altar-Geräihschaften zurück. Die Hymne wurde fortge-setzt und ihre beschwichtigende Gewalt schien alle Gemüther zu be-ruhigen, bis endlich das Geräusch an dem großen Thore und ander äußeren Mauer zu deutlich und bestimmt wurde, um einen wei-tern Zweifel zuzulaffen. Die ganze Brüderschaft erhob sich wieEin Mann und die Stimme des Sängers verstummte. Ulrikarang schmerzlich ihre Hände, während ob der Rohheit der Unter-brechung sogar Odo von Nitterstein seinen Kummer vergaß.

Die Heidemnaucr,

18