Person in dergleichen Uebungen entweder ein Neuling ist, oder einelang hergebrachte Gewohnheit aufzugeben im Begriffe steht. Soaber fiel ihr nichts Außerordentliches auf, sondern fie nahm schwei-gend den Sitz ein, auf welchen der Einfiedler hindeutete, währender selbst auf einem anderen sich niederließ.
Abermals tauschten sie ernste, halb wehmüthige Blicke aus.Sie saßen weit von einander, und die Fackel warf ihr volles Lichtauf beide.
„Der Gram hat schwer auf dir gelastet, Odo," sagte Ulrika.„Du bist sehr verändert."
„Und Dich haben Unschuld und Glück zärtlich behandelt!Aber du hast diese Gunst wohl verdient, Ulrika."
„Führst Du schon lange diese Lebensweise — oder berühre ichmit meiner Frage einen Gegenstand, der Dir unangenehm ist?"
„Ich wüßte nicht, warum ich mich weigern sollte, mein Lebender Welt als Lehre vorzuhalten — weshalb sollte ich also wün-schen, gegen Dich gcheimnißvoll zu sehn?"
„Es sollte mich freuen, Dir Trost geben zu können, und jeden-falls liegt viel Beruhigung in der Theilnahme."
„Dein Mitleid ist mit der Liebe der Engel verwandt — aberwarum sprichst Du hievon? Du bist in der Hütte eines Einsied-lers, den sein eigenes Gewissen zu Reue und Entbehrung verur-theilt hat. Geh' hin in Deine glückliche Heimath und überlaßmich der feierlichen Pflicht, welche heute Nacht erfüllt werden muß."
Während er so sprach, schlug er den Kragen eines rauhenTuchmantels über den Kopf, denn er war augenscheinlich gerüstet,über Land zu gehen.
„Nein, Odo, ich kann Dich nicht in dieser Stimmung ver-lassen. Mein Anblick hat Deinen Kummer erhöht, und eS wäreunfreundlich — ja sogar lieblos, so von Dir zu scheiden."
„Was willst Du, Ulrika?"
„Deine Seele entlasten. Dieses abgeschiedene Leben hat eineDie Heidcnmauer.