Innen und das starke Licht, welches durch die Wandritzen drang,die Verstcherung gaben, daß der heilige Mann noch auf war. Siefaßte Mulh und pochte.
„Herein in Gottes Namen!" ließ sich eine Stimme von Innenvernehmen.
Die Thüre ging auf, und die Frau stand dem Einsiedler gegen-über. Der übergeschlagene Mantelkragen fiel ihr in Folge einesunwillkürlichen NiedersinlcnS ihrer Hände vom Kopfe, und beidesahen sich gegenseitig eine geraume Weile einst und vielleicht zwei-felnd an. Di- Frau, welche auf die Begegnung mehr vorbereitetwar, ergriff zuerst das Wort.
„Oeo!" sagte sie mit wehmüthigem Nachdruck.
„Ulrika!"
Die Blicke trafen sich foischend und mit jenem gespannten pein-liche» Ausdruck, mit welchem das Gedächtniß den Wechseln nach-spürt, welche Zeit und Leidenschaften in dem menschlichen Antlitzehervorbringen. 2n Ulrika's Gesichte sprach sich jedoch nicht vielmehr aus, als die reifere Entwickelung des Weibes zugleich mit jenenSchalten, welche tieferes Nachdenken und verminderte Hoffnungen zuzeichnen im Stande sind. Wäre sie übrigens nicht der Person dessen,welchen sie suchte, versichert gewesen, und hätte ihr Gedächtniß nichtdie Eindrücke der Vergangenheit so lebhaft bewahrt, so würde dieGattin Heinrich Frei'S in dem eingesunkenen, aber noch immer glü-henden Auge, in dem gräulichten Bart und in den abgezehrten, ob-schon kühnen Umrissen des Einsiedlers wohl kaum die Züge des leb-haftesten und schönsten CavalierS der Pfalz wieder erkannt haben.
„Du, Odo — und ein Büßer!" fügte Ulrika bei.
„Ein Mann mit zerknirschtem Herzen. Du siehst mich der Ka-steiung und der Buße durch ein heiliges Gelübde hingegebcn."
„Die Reue kommt nie zu spät. Du stützest Dich aus einenFels und Deine Seele wird aufrecht erhalten werden."
Der Einsiedler machte eine unbestimmte Geberde, welche seine