„Ja und nein. Ich bedaure, sagen zu müssen, daß das ganzeJägerthal nicht am besten auf die Mönche zu sprechen ist, und daßder Kuhhirte Gottlob, Berchtholds Milchbruder, die Flamme auchin meinem Sohne anzufachen sich müht."
„Diese Flamme hat nicht in dem Hirten, sondern in dessen Ge-bieter ihren Ursprung. Alles, was Gottlob sagt, ist nicht bloS eineflüchtige Andeutung des Grafen."
„Aber doch hat erst gestern Nacht zwischen dem Abt und demGrafen in der Veste droben ein Zechgelag stattgefunden."
„Dein tugendhafter Sinn ist zu blind gegen das, was vorDeinen Augen vorgeht, theures Lottchen. Der Graf von Harten-inrg schmiedet Anschläge zum Umsturz der Abtei-Altäre und hatmir erst heute betheucrt, wenn ich meine» Gatten für seine Wünschegewinnen wolle, so werde er allem seinem Einflüsse aufbieten, umBerchthold und Meta glücklich zu machen."
Lottchen vernahm diese Eröffnung mit dem stummen Erstaunender arglosen Sanftmuth, wenn sie zum erstcnmale von den kühnenAnschlägen wagehalsigen Ehrgeizes Kunde erhält.
„Das wäre ja Kirchenschändung!" rief sic mit Nachdruck.
«Und wir müßten die Altäre Gottes entweihen, um unsereWünsche zu fördern."
Es trat eine Pause ein. Lottchen erhob sich jetzt mit einerLeichtigkeit von ihrem Stuhle, daß es ihrer aufgeregten Freundinvorkam, als sey ihre Gestalt durch übernatürliche Mittel gewachsen,erhob ihre Arme und ergoß sich in folgende Worte:
„Ulrika, Du kennst mein Herz — Du, wenn auch nichtdem Blute, so doch der Liebe nach meine Schwester — Du, vorder ich keinen kindischen Gedanken verbarg, kein mädchenhaftes Ge-fühl geheim hielt — Du, gegen die mein Geist nur ein SpiegelDeines eigenen war, in dem sich alle Deine Wünsche und Empfin-dungen zurückwarfen — Du weißt auch recht gut, wie theucr mirBerchthold ist, und kannst mir da« Zeugniß geben, daß, als der