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Such Menschen von festen Grundsätzen für einen Augenblick die Ge-rechtigkeit vergessen läßt — und Ulrika begriff vollkommen den Sinnihrer Worte. Der Unterschied in den GlückSverhältniffen, die Hoff-nungslosigkeit der armen Wittwe und die ganze Bitterkeit unverdienterSchmach und Armuth, die das herbe Nrtheil einer gedankenlosen Weltüber das Unglück auSgießt, traten in einem Srurme schmerzlicherErinnerungen, rasch auf einander folgend, vor LottchenS Seele.
„Ich will das Urtheil Dir selbst anheim geben, Lottchen," lautetedie ruhige Erwiederung, „und wenn Du mich angehört hast, so ver-lange ich von Dir eine unverhohlene Antwort; ja ich beschwöre Dichsogar bei unserer langen, treuen Freundschaft, die noch nie durcheine Wolke getrübt wurde, mir Deine Seele offen zu enthüllen, nichteinen einzigen Gedanken zu bemänteln und selbst den verborgenstenDeiner Wünsche mir ohne Schminke mitzuthcilen."
„Du brauchst nur zu sprechen."
„Hast Du nie Argwohn geschöpft, daß die kriegerischen Vor-bereitungen in der Veste und die Anwesenheit gewaffneten Volks inLimburg auf etwas Schlimmes abzielen?"
„Beides deutet auf Krieg; aber der Churfürst ist schwer be-drängt, und eS ist schon lange her, daß sich Deutschland eines völli-gen Friedens erfreuen darf."
„Ganz recht; aber Deine Muthmaßungen müssen sich doch überdiese allgemeine Ansicht hinaus erstreckt haben."
Die Miene der Ueberraschung in LottchenS Antlitze überzeugteUlrika, daß sie im Jrrthum befangen gewesen sey.
„Und Berchthold? Hat er nichts von den Absichten seines Ge-bieters gesagt?" fuhr die Letztere fort.
„Er spricht, wie die Meisten in seinen Jahren, von Schlachtenund Belagerungen; auch legt er oft den Harnisch seines Großvatersan, der in jenem Gemache rostet. Wir sind zwar nicht ritterlichenRanges, aber Du weißt, daß wir in unserer Familie Krieger hatten."
„Ist er nicht gegen Limburg erbittert?"