228
Ein sanfter Druck der Hände, die sich sodann losließen, wardie stumme Versicherung ihrer wechselseitigen Liebe.
„Du findest Meta blühend und glücklich?"
„Wie sie es verdient — und Berchthold — ich m«ne, er artean Gestalt und Kraft seinem Vater nach?"
„Er ist ganz, wie ich ihn nur wünschen kann — eine einzigeEigenschaft ausgenommen, meine Freundin, und Du weißt wohl,daß mir diese nur lieb wäre, um Heinrichs Bedenken durch siebeschwichtigen zu können."
„Auf die Eigenschaft, die Du meinst, hat mein armes Kindfreilich nicht zu rechnen, denn Berchthold besitzt eine viel zu edleGleichgiltigkeit gegen das Gold, um eS je anzuhäufeu, selbst wenner könnte. Aber welche Mittel hiezu stünden überhaupt einem gerin-gen Förster zu Gebot, dessen Geschäft einzig darin besteht, seinJagdgebiet zu durchstreifen, bei festlichen Anlässen in dem Gefolgeseines Herrn aufzuziehen, oder dessen Kriege mitzukämpfen?"
„Herr Emich schätzt Deinen Sohn und möchte sich ihm, wieich glaube, gerne huldvoll erweisen. Wenn er Heinrich ernstlicheVorstellungen machte, so wäre wohl noch nicht alle Hoffnung verloren."
Lottchen ließ ihren Blick aus die Arbeit sinken, mit welcher ihreNadel beschäftigt war, denn die Noth ist eine systematische Mahnerinzum Fleiße — und eS folgte eine lange Pause des Nachdenkens. Wäh-rend übrigens Ulrika die Aussicht erwog, ob es ihr je gelingendürste, über die Geldliebe und die weltlichen Plane ihres Gattenden Sieg davon zu tragen, vergegenwärtigte sich dem Geiste ihrerFreundin ein ganz anderes Bild. Die Augenlider der letzter» zitterten,und eine heiße Thräne fiel auf die Leinwand in ihrem Schooße nieder.
»Ich habe in letzter Zeit viel darüber nachgedacht, Ulrika,"ergriff sie endlich das Wort — „ob eS wohl recht ist. Dein Glückmit der Last unseres Mißgeschicks zu beschweren. Berchthold istjung und thätig; eS scheint daher eben so unnöthig, als unbillig,Dich und Meta in unsere Niedrigkeit herabzuziehen. Ich habe längst