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20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
210
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gabt, und baZ noch immer mit dankbarem Herzen auf diese Aus-zeichnung zurückblickt."

Du bist als Frau nachsichtiger, denn als Mädchen! Ich ver-nehme jetzt aus Deinem Munde das erste Wort des Mitleids mitdem vielen Leide, das Du meiner Jugend bereitet hast."

Mitleid ist ein Ausdruck, der Nlrika Hailtzinger dem Grafenvon Leiningen gegenüber übel ziemen würde. Ich sprach von Dank-barkeit, Herr Emich, denn das Weib, welches sich an stellt, als bergees keine derartige Gesinnung gegen den ehrenhaften Jüngling, dersie allen andern ihres Geschlechtes vorgezogen hat, macht ihremeigenen Herzen ein schlechtes Compliment. Ich habe nie in Abredegezogen, daß mir Eure Bewerbung zugleich Freude und Schmerzbereitete Freude darüber, daß ein Mann von Euren Aussichtengenug in mir finden konnte, um mich zum Gegenstände seiner Wahlzu machen, Schmerz, weil Ihr Euch mit Hoffnungen trugt, die niein Erfüllung gehen konnten."

Und wäre unsre Herkunft gleicher gewesen, meine sanfteUlrika hättest Du Dich gleich mir edler Ahnen zu rühmen ge-habt, oder wäre ich wie Du aus einer niedrigeren Familie ent-sprungen, hättest Du wirklich in Deinem Herzen Anlaß zu einerandern Antwort gefunden?"

Wir sind hier, um andere Dinge zu besprechen, Graf vonHartenburg, als die Rückerinnerungen au kindische Gefühle."

Gott behüte mich! Nennst Du den Schmerz einer getäuschtenNeigung einen kindischen Gram? Du warst stets von ruhiger Ge-müthSart und nur zu sehr geneigt, bei jedem Aufwallen des Herzens,über die kalten Pflichten der Familien-Rücksichten hinaus, gleich-giltig zu bleiben."

Dieß ist vielleicht ein Fehler an mir, wenn Ihr so wollt,Graf Emich, obschon ich cS für einen Bortheil halte, da am stärk-sten zu fühlen, wo die Neigungen am meisten unter der Leitungder Pflicht stehen."