Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
209
Einzelbild herunterladen
 

209

sie unter dem instinktartigen Gefühle der Schicklichkeit ihre Handzurückzog,und das, wovon Ihr sprecht, gehört einer früher» Zeitan. Doch wenn Ihr in Wahrheit eine so gute Meinung von meinemVerstände unterhaltet, so kann ich Euch dagegen versichern, daß ichEuch gleichfalls stets nur Ehrenhaftes nachsagtc. Es waren außer-dem neben dem Willen des hochseligen Grasen noch andere Gründevorhanden, die mich hinderten, auf Eure Bewerbung zu hören, undsie sind Euch damals mitgethcilt worden; denn kein Mensch ist Herrüber jene Gesinnungen, die so sehr von Geschmack oder vom Zu-falle abhängen.

Bei den eilftansend Jungfrauen zu Cöln! Heinrich Frei wardoch kaum ein Bursche, um dem Erben meines Stamms und meinesNamens diese Schmach anzuthun!"

Heinrich Frei erhielt mein Mort, wie die edle Irmengardedas Eurige, Graf von Hartenburg," antwortete Ulrika mit einerRuhe, welche bekundete, daß ihre Gefühle bei der erwähnten Zu-rückweisung nie ins Spiel kamen, und mit der Würde einer Frau,welcher die Ehre ihres Gatten theuer ist.Durch die Gnade desHimmels fühlen wir beide uns glücklicher, als wenn wir uns überoder unter unseren Aussichten verheirathet hätten. Aber wenn Ihrauf dieses Kleinod denn dafür hieltet Ihr in Eurer jugendlichenSchwärmerei meine Hand dem irdischen Vater zu Gefallen ver-zichten konntet, wollt Ihr dem himmlischen Trotz bieten, um einVerlangen zu befriedigen, das noch weit weniger zu rechtfertigen ist?"

Geh, Ulrika, Du bedrängst mich ohne Grund. Weiß ich dochselbst nicht einmal gewiß, ob ich überhaupt über den Planen brüte,die Du meinst."

Oder mit anderen Worten, Ihr seyd noch nicht fchlüßig, obIhr die Kirchenschändung wirklich begehen wollt. Ehe Ihr aberdie Hand zu dem unwiederbringlichen Schlage erhebt, Herr Graf,hört auf ein Geschöpf, das Ihr in Eurer Jugend zu lieben vor-Dlc Heiden maucr.