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„ES darf uns nicht befremden, wenn diejenigen, welche Gottlieben, in einer Sache, die Seiner Ehre gilt, gleich denken undsprechen. Ich habe weder Pater Arnolph noch irgend einem andernPater der Abtei etwas von euren Planen mitgetheilt, dennUlrica Frei wird nicht leicht vergessen, daß sie Gattin und Mutterist. Zndeß habe ich oft zu dem Herrn gebetet, Er möchte die Herzenderjenigen, welche über so gefährlicher Kirchenschändung brüten, er-weichen und sie um ihres eigenen Besten willen das Verbrecherischeihres ComplottcS einsehen lassen. Glaubt mir, Graf, das gefürch-tete Wesen, das man in Limburg verehrt, wird nicht vergessen,sich an denen zu rächen, welche seine Macht verachten."
„Du weißt wohl, Ulrica, daß Deine Ansichten Gewicht beimir haben, denn ich habe von Jugend aus Deine Weisheit gekanntund geachtet. Ja, wenn Du nicht der Ansprüche ermangeltest,welche nur durch Geburt verliehen werden können, so säßest Dujetzt in dieser Veste nicht als Gast, sondern als Herrin. Die Selbst-verläugnung, welche ich mir auserlegen mußte, um die Wünschemeines Vaters zu erfüllen, hat mich manches Schmerzensjahr ge-kostet, und ich errang meine Freiheit erst wieder ganz, als dieGeburt meines ältesten Sohnes meine Hoffnungen der Zukunst zu-wandte."
Selten hört ein Weib das Zugeständniß ihres EinsiuffcS aufdas stärkere Geschlecht ohne geheimes Vergnügen. Da in der Zu-neigung , auf welche der Gras anspicltc, nichts gelegen hatte, wasUlricas Grundsätze bedrohte, oder ihr Zartgefühl verletzte, so hörte siediese Hindeutung auf die Empfindungen und Vorfälle ihrer jüngerenTage mit einem Lächeln an, das auf ihre edlen Zügen eine Wir-kung übte, ähnlich jenem melancholischen Licht, welches die Kapelledes in Frage stehenden Klosters erhellte; ihr Antlitz war mild,ruhig und strahlte (wenn man uns einen so unbestimmten Ausdruckgestatten will) in den Tinten der Vergangenheit.
„Wir sind nicht mehr jung, Enrich," antwortete sie, indem