muthung gekommen seyn, Laß wir, ihrer Unverschämtheit und ihrerErpressungen müde, uns ernstlich über die Mittel bedacht haben,ihnen die Bescheidenheit beizubringen, die ihrem frommen Berufeziemt und ihre Ansprüche besser rechtfertigen dürste."
Emich hielt inne und betrachtete angelegentlich das Gesichtseiner ruhigen Zuhörerin. Ohne cS zu wissen, hatte er gerade denGegenstand berührt, welcher die Bürgermeisterin vorzugsweise be-wogen hatte, sich in die geheime Verhandlung der Verschwörer einzu-drängcn. Die Absichten der Männer waren ihr längst verdächtiggewesen, und obschon sie um Meta'S künftiges Geschick zu ange-legentliche Sorge trug, um nicht mit Freuden jede günstige Ge-legenheit zu benützen, durch welche einer Sache, die doch früheroder später ans Licht treten mußte, Bahn gebrochen werden konnte,so war doch ihre Hauptabsicht gewesen, Heinrich vor den wahr-scheinlichen Folgen des Complotts zu warnen. Sie hörte daherdie Worte des Grafen mit geheimem Vergnügen an und bereitetesich zu einer Antwort vor, über die sic längst mit sich zu Rathegegangen war.
„Was Ihr da sagt, Herr Graf," antwortete sie, „ist mirschon mehr als einmal ausgefallen, und ich habe mich tief darübergegrämt, daß diejenigen, welche ich so sehr liebe und ehre, Anschlägeschmieden mögen zum Umsturz der Altäre Gottes, und über ver-zweifelte Plane sinnen, um das Lob des Höchsten zu unterbrechen."
„Wie, meinst Du, das Geheul dieser Schurken diene zu etwasAnderem als zum Lob ihrer eigenen Heuchelei?" unterbrach sieEmich. „Verleitet uns nicht vornämlich ihr Beispiel zu unserenmeisten Sünden — und sind sie nicht die Urheber eines jeden Zwistes,der die Gegend beunruhigt? Bedenke doch, gute Ulrica, daß derHimmel kein Stall ist, in welchen die Seelen blindlings getriebenwerden, sondern daß wir, die Heerde, nach Maßgabe unsererMittel, das Recht haben, wenigstens ein Urtheil darüber abzugeben,ob die Hirten für ihr Amt paffen oder nicht."