bene Ordnung der Natur, welche das Schlußglied der Schöpfungin zwei große Klaffen theilie, damit sie sich wechselseitig trösten undbeglücken sollten — wenn man das Wesen, welches zur Trösterin undGefährtin des Mannes, zu seiner Führerin in moralischer Finsternißund zur Theilnehmerin an seinen Freuden und Leiden geschaffen ist,zu einem weltlichen Mitbewerber machen will und seine Liebe undsein Vertrauen in Zwist und Eifersucht umwandrlt.
Hätte sich die Frau des Bürgermeisters erhoben und in ge-wählten Ausdrücken sich an das Mitgefühl der Männer gewendet,für Erreichung ihres Zweckes die Kraft ihrer Rede mit dem Nach-druck der Gebcrde unterstützend, so hätte man sie begriffen, wieetwa der AlltagSlescr alle derartigen Bilder des weiblichen Charak-ters versteht; aber sie saß da, stumm, leidend und sanftmüthig, sodaß sie für das Fassungsvermögen ihrer Gefährten ein völligesRäthsel war. Ihr Auge leuchtete nicht, denn ein langer, geduldigerGehorsam hatte sie gelehrt, sich den Mißdeutungen ihres Galtenzu unterwerfen; auch erhöhte sich kaum das matte Roth ihrerWange, denn die Last, welche ihr Herz bedrückte, kämpfte an gegendie natürlichen Gefühle des Stolzes und der Empfindlichkeit.
„Ich glaube, Herr Graf," sagte sie, „wenn ein unschuldigesMädchenherz sich einer Gewalt hingibt, die von Natur aus vielleichtunwiderstehlich ist, so verdient sie wenigstens schonsame Behandlung.Meta birgt wenig von den Launen, deren Ihr Erwähnung thnt,und Ihre Neigung ist nur die natürliche Folge häufigen Umgangsund eines hohen WerthcS auf Seiten des jungen Mannes, obschonihr ohne Zweifel dieses Gefühl in einem Colorit erscheint, in wel-chem die Jugend, die noch so gar nichts von den Wahrheiten desLebens erfahren hat, sich gerne ergeht."
„ES wird immer deutlicher, Herr Graf," bemerkte HeinrichFrei mit Nachdruck, „und man muß Einsicht von der Sache neh-men. Willst Du so gut seyn, Ulrica, mir den Jüngling, den Dumeinst, namhaft zu machen?"