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20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
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In jedem Klostergebäude der alten Hemisphäre befindet sich '

ein innerer Hof, der mit niedrigen, zur Beschaulichkeit geeignetenArkaden umgeben ist und Kreuzgang heißt. Wenn dieser Theil desGebäudes, wie man es oft findet, mit den kunstreichen Ornamentendes gothischen Styls verziert ist, so läßt sich nicht leicht eine Um-gebung denken, die glücklicher darauf berechnet wäre, um Nach- ^

denken, Selbstprüsung und religiösen Frieden zu erwecken. Unshaben diese Kreuzgänge stets in hohem Grade die Poesie desMönchSlebcnS vergegenwärtigt, und obschon wir Protestanten sind,haben wir doch nie einen derartigen Platz betreten, ohne den Ein-fluß jener heiligen Allmacht zu fühlen, welcher in klösterlicher Ab-geschiedenheit dem Herzen so nahe tritt. In Italien, diesem Landedes Gedankenschwungs und der herrlichen Wirklichkeit, sind die Pinselder größten Meister ausgeboten worden, um diesen Kreuzgängeneine milde Anziehungskraft und jene inhaltsvolle Belehrung zu ver-leihen, welche mit ihrem Zwecke in so schönem Einklang stehen.

Man findet an derartigen Orten einige der schönsten GemäldeRaphaels, DominichinoS und Andrea del Sarto'S; wenn daher der >

Reisende die gefeiertsten Kunstüberrcste aussuchen will, so muß erdie gewölbten Gallerieu betreten, welche der Münch so lange ingläubiger Hoffnung durchwandelte.

Es wurde dem Unterthanen des Grafen Emich nicht schwer,sich nach dem fraglichen Platze zu finden, da wie gewöhnlich zwischendem Kreuzgang und der Kirche eine unmittelbare Verbindung statt-fand. Er trat in die letztere, begab sich nach einer Seitenthüre,welche nach der Sakristei führte und gelangte von hier aus nachden Arkaden, deren eindrucksvolle Abgeschiedenheit wir eben geschil-dert haben. An den Wänden befanden sich zu Ehren der verschie-denen Brüder, welche sich durch Frömmigkeit und Keuntniffe aus- »

gezeichnet hatten Tafeln und lateinische Inschriften, und da .oderdort stand in Elfenbein oder Stein das in katholischen Landen niefehlende Erinnerungszeichen, das Crucifir.