Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

160

die hochgeborne Irmengard, Enre edle Hausfrau, im Schluß, sokonnte sich'S mein Frauenvolk zur Ehre schätzen, ihr die Aufwar-tung zu machen, aber in der Abwesenheit Eurer Gattin zweifle ich,ob sie nicht eher lästig als angenehm werden dürften."

Sprich nicht so, mein ehrenfester Heinrich, sondern überlaßdie Sache mir. Was jene Müßiggänger betrifft, so will ich, sind ^

wir einmal aus dem Sattel, schon Beschäftigung für sie finden;aber ich nehme auch von der Jüngsten deines Namens keine Aus-rede an."

Dem warmen, offenen Benehmen des Grafen war nicht zuwiderstehen, obschon die Einladung dem Bürgermeister nicht sonderlichgelegen kam; in jener Periode trat jedoch die Gastlichkeit stets sounverhohlen auf, daß man ein Erbieten derselben nicht leicht ohnezureichende Entschuldigung ablehnte. Emich machte nun den Frauensein Compliment. Nachdem er sich den Bart gestrichen, küßte ermit freimüthiger Wärme Frau Nlrica auf die Wangen und drücktedann, von dem Borrecht seiner Jahre und seines Ranges Gebrauchmachend, einen Kuß auf MetaS rosige Lippen. Das Mädchen er- >röthete lachend und knirte in ihrer Verwirrung, als wolle sie sichfür die hohe Gnade bedanken; der Bürgermeister aber sah nichtnur ohne Besorgniß, sondern sogar mit augenscheinlicher Zufrieden-heit zu, obschon ihm die gefallsüchtigen Zierereien der beiden fremdenGäste so gar nicht zusagten.

Schöne» Dank für die Ehre, edler Emich, die Ihr meinemFrauenvolke erweist," sagte er, indem er abermals seine Mützelüpfte.Meta ist an dergleichen Complimente nicht gewöhnt: sieweiß kaum recht, wie sie die hohe Gnade anerkennen soll, denn eskömmt in der That nicht oft vor. daß ihre Wange das Kitzeln einesBartes fühlt. Ich selbst bin kein Freund von Küssen, und in ,Dürlheim ist Niemand, der sich deß unterfangen dürfte."

St. Denis behüte mich!" ries der Abbe,welche schmählicheVernachlässigung haben wir uns zu Schulden kommen lassen!" Und ,