Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

Der junge Berchthold stand in der Ferne und sah der Unterhaltungmit Gefühlen zu, in denen sich Neid mit Eifersucht mischte.

Ich wünsche Euch schönen guten Morgen und tröstliche Er-bauung in der Messe, hochgeborner Emich!" rief der Gatte undVater mit Herzlichkeit, indem er die Mühe abnahm, als der Grafsich der Stelle näherte, wo der Bürger stand und nur noch dieseBegrüßung abwartete, ehe er seinen Fuß in den Bügel setzte.Ichhabe schon geglaubt, der Anblick Eures Familiengrabes könnte michum diese Ehre betrügen und mich ohne ein Wort von Eurer freund-lichen und hochgeschätzten Gnaden abziehen lassen."

Zwischen Dir und mir, Heinrich, kann eine solche Hintan-setzung nicht vorfallen," antwortete der Graf, indem er die Handdes Bürgermeisters mit der Herzlichkeit und Kraft eines KriegS-manneS drückte.Wie geht'S in dem guten Dürkheim, dieser Startmeiner Neigung um nicht zu sagen, meines Rechtes?"

Wie Ihr wünschen könnt, edler Grafp sie ist dem Hause Lei-ningcn wohl gewogen. In Allem, was sich auf die Liebe zu EuremNamen und zu Eurem Geschlechts bezieht, lassen wir'S an Nichtsfehlen."

Das ist schön, ehrlicher Heinrich, und kann noch besser kom-men. Du wirst mir doch an diesem Sommermorgen die Ehreanthun?"

Die Ehre ist meinerseits; Eure Gnaden hat nur zu befehlen,um in einem Manne, wie ich bin, einen gehorsamen Diener zu finden."

Hast Du auch alle diese Spitzbuben des Churfürsten da betrachtet,Heinrich? Ha sehen sie nicht ganz melancholisch und mißvergnügtaus, daß sie bei den Benediktinern eingestallt scyn sollen, währendes rührige Zeiten in der Pfalz gibt und ihr Gebieter genug zuschaffen hat, ,»NI in Heidelberg seine Hofhaltung fortzuführen.Bemerkst Du nichts der Ar! ?"

Emich hatte seine Stimme gedämpft, und der Bürgermeisterwar nicht der Mann dazu, um in einer Antwort mehr auSzudrücken,