Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
140
Einzelbild herunterladen
 

140

und war von den besten Malern des Landes mit Darstellungen bib-lischer Scenen decorirt worden. Der Hochaltar bestand aus reichmit Achat auSgelegtcnr Marmor und hatte als Gemälde ein schönesBild der gebenedeiten Jungfrau und ihres göttlichen Kindes. Einreich vergoldetes und kunstreich gearbeitetes Gitter schloß den klnge-weihten von dieser heiligen Stätte ab, die, außer ihrem gewöhn-lichen Zugehör, jetzt mit Gefäffen von Gold und kostbaren Steinenfür die beginnende Feier der Messe verziert war. Die Opferpriestertrugen steife Gewänder mit Goldbrokat, während die untergeord-neteren Gehülfen wie gewöhnlich weiß gekleidet waren und purpurneSchärpen Überhängen hatten.

Während dieser Scene des ausgesuchtesten und prachtvollstenGlanzes, in welchem die edle Architektur sich mit den kleineren Vor-bereitungen zum Gottesdienste verband, um den Geist zu heiligenderBetrachtung zu erheben, sprachen die Accorde der Orgel und derGesang der Mönche tief und ergreifend an die Seele. Durch dieUebung eines ganzen Lebens hatten es die Ordensleute zu so hoherVirtuosität gebracht, daß kaum eine Note unter den Gewölben lautwurde, welche nicht die gewünschte Wirkung übte. Posaunen,Fagotte und Violinen halfen mit, uni die feierliche Melodie derkräftigen Männerstimmen zu heben, welche sich so innig mit denOrgeltöncn mengten, daß sie nur wie eine tiefe, großartige, feier-liche Lobhymne klangen. Graf Emich drehte sich auf seinem Sitzeund umfaßte mit der Hand den Griff seines SchwerdteS, als klängeder Schall der kriegerischen Trompete in seinen Ohren; dann be-gegnete sein unruhiger Blick dem des Abtes, und er ließ das Kinnauf die Hand nicdersinken. Im Verlaufe des Gottesdienstes schiensich der Eifer der Mönche zu erhöhen, und man sprach noch langedavon, daß keine Messe in Limburg je einen so gewaltigen undaufregenden Einfluß geübt habe, als die bei der genannten Gelegen-heit, obschon die Musik deS Klosters stets in gutem Rufe stand.Eine Stimme übertönte die andere in einer Weise, die man