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20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
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Mann, dessen Haare zu ergrauen begannen, und dessen kräftigeGestalt auf gute Gesundheit und ein gemächliches Leben hindeute-ten, war zu Pferde angelangt, denn zu der Zeit, von welcher wirschreiben, führte ein Zügelpfad bis an das Portal von Limburg.Seine Begleitung bestand aus einer Frauensperson, die seine Gat-tin zu seyn schien und auf einem zierlichen Zelter ritt. Auf derKruppe des letzteren saß eine Alte, die sich mit der nachlässigenVertraulichkeit eines Lieblingsdienstboten, aber doch wie eine Per-son, die an einen derartigen Sitz nicht gewöhnt ist, an ihrer Ge-bieterin festhielt, während ein blondhaariges rosiges Mädchen dasSattelkiffen des Vaters einnahm und ein Diener in einer Art amt-licher Livree die Cavalkade schloß.

Mehrere von den wohlhabenderen Bürgern Dürkheims eiltenherzu, um die kleine Gesellschaft zu empfangen, denn die Personen,die sich so unerwartet bei dem Hochamt in Limburg eingestellt hatten,waren der Bürgermeister Heinrich Frei, seine Tochter Meta, ihreMutter und die alte Ilse. Der vornehme Bürger wurde nach jenemTheile der Kirche oder Kapelle geführt, wo besondere Stühle fürdie gelegentlichen Besuche benachbarter Würdenträger oder Adeliger,welche der Zufall oder ihre Andacht nach den Altären der Abtei führenmochte angebracht waren.

Heinrich Frei war ein stämmiger, gesunder, starrköpsiger, derberBürger, in welchem das Wohlwollen durch den Reichthum ein we-nig abgekühlt worden war, obschon er, wenn er den Verlockungenseines Amtes und dem steten Rückblick auf seine glänzende Laufbahnhätte entgehen können, wahrscheinlich als ein bescheidener, menschen-freundlicher Mann durch'S Leben gewandelt wäre. Mit einem Worte,er war in verjüngtem Maßstabe eines von den Pröbchen des Ueber-tritteS aus den Reihen der Menschheit zu dem auserlesenen Corpsder Glücklichen, dergleichen wir so häufig unter der Klaffe derBegüterten treffen. Als Jüngling war er nicht ohne Mitgefühlfür die Leiden und Bedrängnisse der Unglücklichen gewesen; aber-

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