100
besseren Dienst könnten wir auch verlangen, als zu Graf Emichs Ehreund Vvrtheil seinen Keller zu leeren?"
Der Burgherr nahm jedoch die Sache — wie ste auch zwischenden streitenden Partieen wirklich verstanden war — als eine Frage,von welcher für alle Zukunft ein bedeutender EiukommenStheil ab-hing. Die Wette hatte sich in einem jener wilden Kämpfe um rohekörperliche Ueberlegenheit erhoben, welche in dem Charakter vonPerioden und Ländern liegen, die sich nur einer unvollkommenen Civi-lisation erfreuen; denn nach den Waffenthaten und anderen männli-chen klebungen, als da waren Reiten und Jagen — galt eS für gleichehrenvoll, das Nebermaß einer schwelgerischen Tafel ungestraft zuerstehen. Auch darf es nicht überraschen, daß sich Diener der Kirchein derartige Kämpfe einließen; denn abgesehen davon, daß wir voneinem Zeitalter schreiben, in welchem die Geistlichkeit sogar !m Har-nische aufzog. finden wir ja auch in unfern Zeiten noch zureichendeBelege dafür, daß die Kutte nicht ganz von derartigen groben Mißbräu-chen reinigt. NeberdieS war BonifaciuS von Limburg, vbschon sonstein Mann von ausgedehnter Gelehrsamkeit und vielem Verstände,gerade in dieser Beziehung mit einer besondern Schwäche behaftet,die sich vielleicht aus seiner Constitution erklären ließ. Er war vonkräftigem Bau und phlegmatischem Temperamente, weßhalb er einerstarken körperlichen Aufregung bedurfte, um sich des höchsten GradesVon physischem Wohlbehagen zu erfreuen, und weder die Beispiele seinerUmgebung, noch seine eigenen Ansichten lehrten ihn eine Schwächemeiden, die auf seine Sinne so angenehm wirkte. Mit diesem ernstenHinblick auf einen Wettstreit, zu dem sich wohl keine der Partieenhergegeben haben würde, wenn nicht jede sich für einen erprobtenKämpen gehalten hätte, verlangten nun Emich und der Abt, daßdie Instrumente laut vorgelesen werden sollten. Die Erfüllung diesesDienstes wurde Monsieur Latouche übertragen, der sich sofort an-schickte, durch einen Strom unverständlicher Ausdrücke zu waten,die in der Dunkelheit des Mittelalters zum Besten der Starken