Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

98

fuhr der Abt fort,findet wirklich zwischen ihm und »nS DienernGottes eine offene Streitfrage statt, die übrigens von so gering-fügiger Natur ist, daß zwischen ein paar so liebevollen Nachbarngar nicht die Rede davon sehn sollte. Die Grafen von Leiningenhaben sich seit langer Zeit ein Vergnügen daraus gemacht, derKirche ihre Geneigtheit zu erweisen, und in diesem pflichtmäßigenund löblichen Geiste wurde nun schon seit fünfzig Jahren am Schluffejeder Weinlese ohne Rücksicht auf Witterung oder Erndte (denn diewackeren Grafen änderten ihre Gewohnheiten nicht mit dem Wetter)an unser Kloster eine Abgabe entrichtet"

Ein Geschenk gemacht, Priester!"

Wenn Du so willst, edler Emich, ein Geschenk gemachtfünfzig Fässer des edlen Saftes betragend, der eben jetzt unsereHerzen mit gegenseitiger brüderlicher und lobenSwerthcr Zuneigungerfüllt. Um nun für die Zukunft alle Zwistigkeiten zu vermeidenund entweder unsere Keller noch reichlicher zu bedenken oder dasHauS Hartenburg für künftighin ganz und gar zu entbinden, sindwir mit einander einig geworden, daß diese Nacht entschieden wer-den solle, ob der Tribut hinfort aus hundert Fässern oder ans nichtsbestehen solle."

Bei unserer lieben Frau, eine höchst wichtige Verhandlung,wenn man so mit einemmale reich oder arm werden kann," rief derRitter von RhoduS.

Dies ist auch unsere Ansicht," fuhr der Abt fort;wir habendeshalb die Entbindungsurkunden mit allen gebührenden Förmlich-keiten und Siegeln durch einen gelehrten Heidelberger Juristen auS-sertigcn lassen. Dieser gehörig ausgefertigte Entlastungsbrief," fuhrer fort, indem er die fraglichen Dokumente hervorzog,überträgtan den Grafen Emich alle Rechte der Abtei an die strittigen Wein-berge und dieses Instrument bedarf nur seiner edlen Unterschriftund seines SigillS, um die gegenwärtige Abgabe zu verdoppeln."

Halt!" rief der Ritter des Kreuzes, dessen geistige Fähigkeiten

.-<d.'