88
ließ sich nun sogar aus dem Pflaster des äußeren Hofes vernehmen;denn um seinen Gästen Ehre zu erweisen, hatte der Graf aus-drücklich den Befehl ecthcilt, an dem Thore, dem Fallgitter oderder Brücke jedes Hinderniß wegzuräumen.
„Ich heiße Dich willkommen und bezeuge Deinem kirchlichenAmte meine Ehrfurcht, heiliger Abt!" rief Emich, von dessenLippen eben erst die Verwünschung getönt hatte,, indem er dienst-eifrig vvrtrat, um dem Prälaten abstcigen zu helfen. „Auch euchmeinen Willkomm, ihr frommen Brüder, würdige Begleiter euresgeachteten und verehrten Oberhaupts." Die Mönche stiegen unterdem Beistände der Hartenburger Dienerschaft ab und wurden vondem Grafen selbst, wie von dessen Freunden scheinbar mit großenEhren empfangen. Sobald sie auf ihren eigenen Beinen standen,erwiederten sie höflich die Begrüßung.
„Der Friede sey mit Dir, mein Sohn, mit diesem Ritter undmit diesem Diener der Kirche," begann Pater BonifaciuS mit jenerraschen Handbcwegung, mit welcher die katholischen Priester ihreBcnedictionen austhcilen. „Sanct Benedict und die heilige Jungfraumögen euch in ihre heilige Obhut nehmen. Hoffentlich haben wirdurch unsere kleine Zögerung Dir nicht Anlaß zum Verdrußgegeben, edler Emich?"
„Du kömmst nie zur Unrechten Stunde, Vater, sey es amMorgen oder am Abend. Die Hartenburg ist hoch geehrt, wennDein ehrwürdiges Haupt unter ihrem Thor durchzieht."
„Wir haben uns danach gesehnt, mein Sohn, Dich zu um-armen, aber gewisse kirchliche Verrichtungen, die nicht vernachläßigtwerden durften, haben uns so lange von diesem Genüsse fern ge-halten. Laß uns übrigens eintretcn, denn ich fürchte, die Abend-luft möchte denen schaden, die ohne Mäntel sind."
Nach dieser rücksichtsvollen Andeutung führte Emich unter derMaske großer Hochachtung seine Gäste nach dem Raume, den erkürzlich erst verlassen halte, und nun begann der verschmitzte und