Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
64
Einzelbild herunterladen
 

64

Stelle des Wegs erreicht hatten, wo besondere Vorsicht nöthig war,so hörte die Unterhaltung so ziemlich auf.

Wer heutzutage Dürkheim besucht, wird noch hinreichende Merk-male finden, welche den Beweis liefern, daß sich die Stadt früherweiter gegen den Fuß des Gebirges hin erstreckte, als aus ihrergegenwärtigen Lage zu entnehmen ist. Man trifft in den unterenWeinbergen noch Ueberreste von Mauern und Thürmcn; auch sprichtdie Sage von Festungswerken, die seitdem längst verschwunden sind,weil sie durch dieselben Verbesserungen in der Kriegskunst, welchemanchem andern festen Platze seine Bedeutsamkeit raubten, nutzloswurden. Jede höher liegende Häusergruppe war damals mehr oderweniger ein VertheidigungSwerk; aber die Einführung des Schieß-pulvers und deS schwere» Geschützes hat schon seit Jahrhundertendergleichen Schutzmittel dem Verfalle preisgegebcn, und wer jetzteine Citadelle der alten Zeit suchen wollte, dürfte darauf zählen, siein irgend einer Ebene oder in einem Moraste begraben zu finden.Jetzt sieht die Welt einer neuen CristS von Verbesserungen entgegen,denn die Einführung des Dampfes wird wahrscheinlich das ganzeWehrsystem zu Wasser wie zu Land ändern. Doch wie sich auch dieZukunft gestalten mag, so war doch die Geschicklichkeit des Baumeistersin der Periode unserer Erzählung noch nicht so weit fortgeschritten,um Meta und ihre Begleiterin von dem Eintritte in den Kreis alter-thümlicher Mauern abzuhalten, welche in ihrer Plumpheit eben denAnforderungen entsprachen, die man bei dem unvollkommenen Zu-stande der damaligen Kunst machen konnte. Da es noch sehrfrüh war, so wurde eS ihnen nicht schwer, das Haus des Bürger-meisters zu erreichen, ohne daß sie überhaupt eines MenschenAufmerksamkeit auf sich zogen.