Thier zeigt- nicht ganz den elastischen Sprung, die scheue und un-schlüssige Bewegung oder den unstäten Blick unseres Hirsches, waraber augenscheinlich ein Bewohner des Waldes, denn während esdem Schutz desselben einigermaßen vertraute, war es doch argwöh-nisch gegen die Gewalt des Menschen. Nachdem es seinen Durstgestillt hatte, lauschte es mit der Schärfe eines Instinktes, welchedurch die Umstände einer zufälligen Lage nicht zerstört werden konnte,stieg dann wieder den Abhang hinan und suchte mit schüchternenSchritten aufs Neue seinen Versteck. In demselben Augenblicke tauchteauf der entgegengesetzten Seite der Schlucht ein Windspiel aus demGehölze auf und begann in der wohlbekannten Weise seiner Race,wenn flchs nur um Bewegung und nicht um die heiße Anstrengungder Jagd handelt, auf dem Pfade hin und her zu rennen. EinPfeifen rief den Hund zurück und sein Herr trat in den Weg.
Eine Mütze von grünem Sammt, über deren Schilde einJagdhorn angebracht war, ein grober, aber zierlicher Ueberrock vonder gleichen Farbe, der mit demselben Dicnstabzeichen verziert war,das Instrument selbst, welches von der Schulter herunterhing, unddie für Leute dieser Elaste gewöhnlichen Waffen bekundeten einenFörster, oder einen Mann, dem die Obhut über das Jagdwesenund die Wald-Gerichtsbarkeit übertragen war — Funktionen, die vielzu sehr herabgewürdigt erscheinen würden, wenn man den gewöhn-lichen Ausdruck Wildhüter auf sie anwenden wollte.
Der Förster war ein junger, behender Mann und, ungeachtetseines groben Anzugs, von gewinnender Außenseite. Er lehnte seinGewehr gegen eine Baumwurzel, pfiff dem Hund, unterstützte denRuf vermittelst eines schrill tönenden Instrumentes, das er zu diesemZwecke bei sich führte, und brachte so das Thier bald an seine Seite.Dann koppelte er das Windspiel mit einem zweiten, das neben ihmherging, zusammen, machte den Riemen an seinem Leibe fest, nahmdas Horn auf und blies eine kurze, lebhafte Weise, die in weichen,melodischen Tönen durch das Thal klang. Darauf nahm der Jüngling