XXII
jedoch weiter innen ein verfallenes Schloß, das auf einer natürlichenTerrasse oder vielmehr auf einem Felsenvorsprung an der Seiteeines der nächsten Berge lag. Der Weg führte unmittelbar unterfeinen Mauern vorbei und konnte von den Zinnen aus mit Pfeilenbestrichen werden, — also augenscheinlich eine Oertlichkeit, welchedie Erbauer nur in der Absicht gewählt hatten, um die Landstraßeam besten beherrschen zu können. Ich bedurfte der Erklärung desFührers nicht, um in dieser Ruine das Schloß Hartenburg zu er-kennen. Es stand noch massenhafter da, als die lleberrcste derAbtei, und war aus demselben Material, obschon augenscheinlich inverschiedenen Jahrhunderten gebaut: der eine Theil sah nämlichunregelmäßig und roh aus, wie die meisten Bauten des Mittel-alters, während noch außerdem zierlichere Thürme mit Schießschar-ten zum Gebrauch der Artillerie vorhanden waren. Eine der Ka-nonen konnte vielleicht unter einem Winkel ihre Kugeln nach derPlatform des Abteihügels werfen, obschon nur mit wenig Gefahrfür die jetzt zertrümmerten Mauern.
Nachdem ich di- verschiedenen Punkte dieser neuen und bezau-bernden Landschaft wohl eine Stunde studirt hatte, bat ich denFührer um Auskunft über die Heidenmauer und den Teufelsstein.Beive befanden sich auf dem Gebirg jenseits des ehrgeizigen kleinenSees und in guter Musketenschußweite von der Abtei. Es warsogar möglich, von unserem gegenwärtigen Standorte aus einenTheil der ersteren zu unterscheiden, und der verwirrte Bericht desSchneiders weckte nur den Wunsch, noch mehr zu sehen. Wirhatten unsere Reise nicht ohne einen gehörigen Vorrath von Weg-weisern und Karten angetreten, und einer der erster« befand sichzufälligerweise in meiner Tasche, obschon wir in diesem nur seltenbesuchten Striche so wenige Merkwürdigkeiten erwarteten, daß ich