XIV
konnte. Mit solchen Verlockungen vor den Angen nahmen wir »nsvor. zu bleiben, und säumten nicht lange, dem ehrlichen Bürgerunsere Absicht kund zu thun. Unsere Mitlheiluug wurde mit großerHöflichkeit entgegen genommen, und ungleich dem unsterblichen Fallstaffbegann ich mich der Aussicht zu erfreuen, „ich werde mir'S inmeinem WirthshauS gemächlich machen können," ohne befürchtenzu müssen, daß man mir dafür die Tasche bemause.
Der Wagen war bald unter Dach und das Gepäck auf dieZimmer gebracht. Die Leute im Hanse sprachen zwar bescheiden,aber doch mit Zuversicht von dem Zustande ihrer Speisekammer;gleichwohl dauerte es mehrere Stunden, bis das Mittagessen servirtwurde — eine Zögerung, die sich recht gut mit unfern Gewohn-heiten vertrug, obschon wir häusig zu der Bemerkung Gelegenheitgefunden hatten, daß in Deutschland eine Mahlzeit nie zur Unzeitkommt. Ohne Rücksicht auf die Winke, welche eher durch dieMenschenfreundlichkeit, als durch Gewinnsucht an die Hand gegebenzu seyn schienen, wurde unsere gewohnte Tafelstunde namhaft gemacht,worauf ich, um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, dieFrage stellte:
„Habe ich, als wir zum Dorfe hereinfuhren, aus dem nahenBerge nicht einige Ruinen gesehen?"
„Wir nennen Dürkheim eine Stadt, mein Herr," ent-gcgnetc der Ochienwirth, „und obschon sie nicht gerade unter diegrößten gehört, ist sie doch zu ihrer Zeit eine Hauptstadt gewesen!"
Bei diesen Worten nagte der würdige Bürger kichernd anseiner Pfeifenspitze, denn er war ein Mann, der auch von Orten,wie London, Paris, Pecking, Neapel, St. Petersburg oder vielleichtgar auch von unserer Bundesstadt gehört hatte.