XIII
schlag vorhanden ist. Die Sucht nach Gewinn steigert sich, wiealle andern Leidenschaften, durch die Gewohnheit, und so finden wirdiejenigen, welche an wohlbesuchten Straßen wohnen, weit habgie-riger, als diejenigen, bei welchen die Begierde aus Mangel anGelegenheit zur Anwendung noch im Schlummer befangen ist.
Das ehrliche Gesicht, die unabhängige Miene und das freieWesen unseres Dürkheimer WirthS flößte uns das Vertrauen ein,daß er erhaben sey über die gewöhnlichen feilen Kniffe seiner Be-rufSgenoffen, welche, weil sie an wenig besuchten Orten wohnen,sich am Glücke zu rächen suchen, indem sie zeigen, daß sie jedenPostwagen für eine besondere Gottesschickung ansehen. Er hatteeinen Garten, nach welchem er uns für die Dauer des Pferde-wechstls einlud, und dies noch obendrein in einer Weise that, welchezeigte, daß er bloß wohlwollend zu seyn wünsche und sich wenigdarum kümmere, ob wir eine Stunde oder eine Woche blieben.Kurz, sein Benehmen war sorglos, freundlich, natürlich und gewin-nend, so daß wir uns unwillkührlich an die Heimaih erinnert fühltenund ohne Weiteres zu dem Manne jenes wohlthuende Vertrauenfaßten, das von unschätzbarer moralischer Wirkung ist. Obschonwir zu viel von der Welt gesehen haben, um blindlings auf einesogenannte National-Charakteristik zu bauen, so gefiel uns doch inseinem Aeußern der Ausdruck deutscher Redlichkeit, noch mehr aberin seinem Hauswesen das Gepräge der Ordnung und der Gemäch-lichkeit, welches man allenthalben traf, ohne dabei durch die reno-mistische Anmaßung verletzt zu werden, welche dieselben Eigenschaftenbei abgeschliffeneren Leuten wieder zu nichte macht. Das Gasthauswar keine Bier- und Nauchkneipe, wie so viele WirthShäuser jenerGegend, sondern hatte im Garten abgeschiedene Pavillons, wo sichder müde Wanderer im eigentlichen Sinne des Wortes auSruhen
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