XII
7s
Gasthäuser in diesem abgeschiedenen Theile des Königreichs Baiern.Bereits erging ich mich in bitteren Klagen über unsere Uebereiltheit,als der Kirchthurm von Dürkheim unter den Weinbergen auftauchte;denn gegen den Fuß des Gebirges hin wirb das Land westenförmigund bietet der Kultur des Weines günstigen Boden. Der Ortschien uns beim Näherkommen nur wenig zu versprechen; aber derPostillon hatte uns versichert, daß die Post ein Gasthaus sey, indem ein König logiren könne, und der Wein — nein, für diesenwußte er keinen höheren Lobspruch, als ein Schwenken seinerPeitsche, ein sehr beredter Ausdruck des Wohlbehagens für einenMenschen seiner Klasse. Wir verhandelten zweifelnd die Frage, obwir weiter reisen oder Halt machen sollten, bis zu dem Augenblicke,als der Wagen vor dem Schilde deS Ochsen anfuhr. Ein wohl-habend auSsehendcr Bürger trat in die Thüre, um uns zu em-pfangen. Die Beleibtheit des Mannes, welche kein übles Abbildin dem WirthshauSzeichen hatte, schien uns Bürgschaft zu leistenfür eine gute Labung, und der biderbe Charakter seiner Gastfreund-lichkeit beseitigte aste Besorgniß vor der Stunde der Rechnung.Wenn ein Reisender auch an Menschenkenntniß gewinnt, so verlierter zuverlässig an der wohlwollenden Gesinnung, welche das Lebenversüßt. Der beständige Verkehr mit Leuten, welche an fremdeGesichter gewöhnt sind, durch ihre Dienstleistungen nur mit Per-sonen in Berührung kommen, von denen sie wahrscheinlich nie wiederbehelligt werden, und durch die Noth des Augenblicks aller Ver-antwortlichkeit einer dauernden Kundschaft enthoben bleiben, ent-wickelt die Selbstsucht unseres Wesens in ihrer aller unanziehendstenForm. Die Klugheit kann zwar dem Gesichte eine geschmeidige Hüllegeben, um den gewöhnlichen Anschlag aus die Tasche des Fremdenzu bemänteln; aber es liegt in der Natur der Sache, daß der An-