Nachschrift.
353
klar, daß unsre Alcäen, wo sie nicht hoch austö-ncn sollen, bei jenem cinförmig-bcobachteten Ah-schnitt insonderheit in längeren Oden sehr eintönigwerden, und daß bei sanfteren und vertraulicherenWildern der unerwartete Ucbergang aus Einer Re-gion in die andre nicht nur dem Zusammenhängedes Bildes vortheilhaft sey, sondern in der Decla-mation auch unser Ohr gleichsam sanft hinübertau-sche. So ist auch unser Sapphische Vers in derAbwechslung die ihm Klopft ock z. B. in seinerElarissa und sonst gegeben, der Versart seinerErfinderin vielleicht näher, als der Römische selbst.Uebcrbaupt hat der Geist des Dichters auf die vonihm angewandten Sylbenmaße einen unaussprechli-chen Einfluß. Wie er diesen Vers hier brauchte,kann er ihn anderswo vielleicht nicht brauchen; Em-pfindung und Inhalt geben ihm dort einen andernTritt und Ton. Der lyrische Hexameter z. B. istdurchaus nicht der Hexameter Virgils oder Tibulls,ja auch in seiner Gattung ist er nicht allenthalbenDerselbe. Der kleine Vers nämlich oder die paarkleinen Verse, die auf ihn folgen, und zu ihm ge-hören , bestimmen ihn hier so eigenthümlich, als derPentameter ihn bei der Elegie bestimmte: denn beideSylbenmaße bilden dem Ohr und Gemüth nur EinGanzes. Wer von diesen Dingen kein Gefühlund in ihnen keine Ucbung hat, sondern die Verseblos nach dem — ^ ^ an den Fingern abzählt,oder mit dem Fuß herklopfet, der ist kaum einerandern als einer Eentauren-Musik und Kritik fähig.
Aber warum so viel von Sylbenmaße»? Weilwir Deutsche sie noch so wenig im Ohr haben, undHerders W.Lit.u.Kunst. XIV. A