des Dichters Jakob Balde. 233
Gedicht, das ohne stolzen Aufwand gclebrt, ohneSchminke geputzt, geglättet ohne Ziererei, auf derWaage des Witzes und gefunden Unheils richtig ab-gewogen — daß ein solches Gedicht, wenn cs ausdem angenehmen Dunkel tiefer Empfin-dungen anmuthig emp ersteigt, eine nichtso gar leichte Sache sey. Durch feine anscheinendeLeichtigkeit reizt cs zur Nachahmung und tauscht denNachahmer mit vergeblicher Mühe; in gemeinenWorten sagt und bedeutet cs mehr, als ein anderesin den ungewöhnlichsten Worten sagen könnte. Noth-wendig aber muß man, um es hecvorzubringen, imStyl geübt seyn: denn hättest du alle Poeten innc,und Dir aus ihnen eine Menge von Worten ge-sammlet, kenntest aber die Gewalt, die Ordnung,den Genius, die Abwechselung und Mischung derverschiednen Gattungen des Styls nicht, wüßtestsie auch nicht Deiner Materie, der Natur der Dinge,der Zeit, den Personen, dir selbst und jcdxm Affektdes andern anzumeffen; so wird immer ein Chaosaus deiner Schöpfung werden. Du wirst dem Ei-thcrschläger gleichen, der sich für einen Orpheusausgab, und sein Instrument wicht zu stimmenwußte."
,,Laß uns z. B. von Horaz reden. SeineOden gelten als Muster aus dem verehrten Alter-thumc, und von allen Gelehrten wird ihr glanzen-der Ausdruck, ihr Salz, ihre Scherze, ihre mannig-faltige Anmuth und Zierde empfohlen; sie fließensanft ins Ohr, in ungesuchter Grazie, in Mühelo-ser Lieblichkeit und Schönheit. Auch wo sie an-stoßen , thun sie es mit einer liebenswürdigen, ge»