Lyrische Gedichte.
180
Jener will in Vielem, in Allem groß seyn;
Diesem bleibt, von Erfahrung fest beschränket,
Stets ein nüchterner Sinn; im Kleinsten sucht erDauernde Große —
Wer die Wogen der Brust, und Glücks und Un-glücks
Stürme tapfer beherrscht und weise lenket,
Weiß, daß was die Schickung gewahrt, sie uns auchKönne versagen.
Verschwiegenheit.
Beym Wein, so sagt man, zeiget die Seele sichWie Glas durchsichtig. Freunde, das sey sie nie!Dem edleren Gemüthc wurden
Fenster der Brust nicht umsonst versaget.
Verhüllen muß die Wolke des Schweigens unsDes Herzens Tiefen. Was der Senat beschloß,Darf nicht der Pobel wissen. Dein istSicher das Wort, das die Zunge wahret;
Dein ist cs nicht mehr, wenn cs der Lipp' entfloh.Auf Reden folgen Reden; ein Mundgefecht! —Entflieh ihm, Freund, die Waffen klingen;
Rufe die Zunge zurück bey Zeiten.
' ' '' ^ '