Lyrische Gedichte.
ö6
Und umkcanzte die Göttin mit Waldesblumen , mitBlüthen
Der Linde, die sie ihr erkohr.
Ach, und wünschcteost ein Zweig zu werden der Linde,
Ein Blümchen in der Göttin Kranz ,
Eins der Veilchen, der Narben. — „Und wenn Mirdieses versagt ist,
So, sprach sie, Hilst mir Frömmigkeit.Eine Dienerin bin ich der Göttin." — Sie bauteden Pilgern
Laubhütten zur Erquickung. SieHolte dem Durstenden Wasser der Quelle. Sie lab-te den Fremdling
Mit Waldesfrüchken, kübleteKranke; sie war dem MattcN die duftende Blüthedes Baumes;
Und streute süßen WohlgeruchVor dem Zuge der Jauchzenden, die Zum Tempelder Jungfrau
In vollen Strömen wallcteN. —
Fünfzehn kurze Jahre verlebt' ein blühendes Leben
Das Mädchen also; und der TodStand vor ihr. „O Göttin, so bat sie, rcineste Göttin,
Auch mit dem Staube unvermahltMöcht ich bleiben!" — Sie starb, und im Augen-blicke des Scheidens,
(Ein süßes Wunder!) sprossekeNicht zum Lorbeer empor die heilige Daphne;zur Linde,
Zu dieser Linde sproßte sie.
Thut sie nicht noch, was sie lebend gethan? Sie die-net der Göttin,