94 Lyrische Gedichte.
Der vor dem Heilgen Tempel grünt.
Nicht entwachsen ist Er der gemeinen Wurzel desWaldes;
Er war ein Mädchen. Höret Mich!
Eine Elsaßcrin sie, in Zabern war sie geboren,
Schön- daß auch Paris ihr vielleicht,
Hatte sie es begehrt, den Apfel ertheilet. Sie wollte
Den Apfel nicht. Es herrschetePallas in ihrer Brust, eine höhere Pallas. Undobwohl
In aller Musen Künsten sieMutter und Vater erzogen, die Rosalinde sieNannten -
So blieb sie doch Ihr selbst getreu,
Eine der heili gen Musen. Und sprach zu derRede des Vaters:
,-O Tochter, Willi du dann uns NichtEinett Enkel geben?" und sprach zur Rede der Mut-ter :
„ O Tochter - Willi du dich nicht baldFroh vermählen?" ein sittsames Nein. — Und floh,eine Daphne,
Sie floh der Haine viel hindurch -Und stand hier vor dem Bilde der Göttin. Strah-len des Ausgangs
Umglanzten die H iM m l isc he.
Also flehte sie ihr: „Auch soll kein wilder OrkanMich
" Von dir abtcißcN, Liebliche!
Gönne mir Zuflucht! Hier will ich leben und ster-ben." — Mit Zittern
Thal sie dctt hcilgen, süßen Schwur.