Druckschrift 
4 (1853) Die Prairie : eine Erzählung
Entstehung
Seite
315
Einzelbild herunterladen
 

315

Aber weßwegcn sollten sie diese Rache an mir üben?" fragteder Doktor, dessen Haar sich zn sträuben anfing, und an dessen Leibejede Fiber zuckte.Was Hab' ich den Lcnten zn Leide gethan?"

Gar Nichts; im Gegentheil wäre es ein Beweis ihres Wohl-wollens. Erfahren sie vollends erst, daß Ihr ein großer, berühmterMedicns seid, so nehmen sie Ench gar in ihren Stamm ans; einerihrer mächtigsten Oberhäupter gibt Euch seinen Namen, vielleichtauch seine Tochter, vielleicht auch gar eines oder zwei seiner ver-lassenen Weiber, mit denen er lange gelebt hat, und über derenEigenschaften er ans Erfahrung Richter ist."

Wolle mich der Regierer und Urheber der Natnrharmonie inseinen allcrgnädigsten Schutz nehmen!" rief der Doktor ans.Ichmag nicht einmal mit einem einzigen Exemplar eines Ehegespvnsesin Verbindung treten; weit weniger mit einem Duplikat, ja Tri-plikat der ganzen Klasse! Lieber will ich Alles versuchen, selbsteine dereinstige Flucht, als daß ich mich der Gefahr einer sogewaltsamen Conjnnetivn anssctze!"

Es liegt Vernunft in dem, was Ihr sagt. Flucht, ja doch,aber warum dereinstige, warum nicht augenblickliche?"

Der Naturforscher blickte um sich, als sei er wirklich bedacht,den verzweifelten Entschluß ans der Stelle ansznfnhren; dannaber sah er die dunkeln Gestalten, die um ihn ritten, in seinerPhantasie sich verdoppeln und verdreifachen, und die Nacht, welchesich schon über die Prairie hinzog, verwandelte sich in seinenAngen in den allerhellsten Mittag.

Die Flucht," sagte er,wäre zn voreilig und schlechterdingsvernunftwidrig. Ueberlaßt mich, ehrwürdiger Venator, dem Con-cilinm meiner Gedanken, und sobald meine Pläne hinreichend klas-sificirt sind, will ich Euch das Endresultat mittheilen."

Resultat? Endresultat?" wiederholte der alte Mann, seinHaupt eübas verächtlich schüttelnd, seinem Pferde den Zügel schießenund es in den Trupp der Wilden hinein lassend.Resolution