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„Hat das Bleichgesicht den Häuptling meines Stammes gesehen ?"
„Niemals. Es ist nicht mehr mit mir, wie vor vierzig Jah-ren, als Krieg und Blutvergießen mein Theil, mein Beruf undmeine Gabe mar!"
Ein lautloser Ausruf des sonst so sorglosen Paul unterbrach hierdas Gespräch. In demselben Augenblick trat er vor, einen indianischenKriegsrenner ans einem Theil des Dickichts nach sich ziehend.
„Hier," sprach er, „ist ein Pferd, für die gespreizten Beineeiner Rothhant!" Zugleich schnalzte er mit der Zunge, um dasThier wilder vorschreiten zu lassen, und fuhr fort: „In ganz Ken-tucky kann sich kein Brigadier eines so schneckenglattcn, wohlgebautenKleppers rühmen. Dazu ein spanischer Sattel, dessen sich keinmexikanischer Grande zu schämen hätte! Schaut die Mähne undden Schweif, geflochten und belegt mit kleinen Silberkngeln, alshätte Ellen selbst ihr schönes, glattes Haar zum Feste und fröhlichenReigen geschmückt! Alter Wildsteller, ist das nicht ein prächtigerTraber, zu prächtig, um aus der Krippe eines Wilden zu fressen?"
„Gemach, Junge, gemach! Die Loups sind bekannt und be-rühmt durch ihre Pferde. Nicht selten sieht man einen Krieger derPrairien besser beritten, als ein Kongreßmitglied in den Nieder-lassungen. Ich muß aber gestehen, dieß Pferd verdient einen Häupt-ling, sonst keinen, zu tragen. Der Sattel, wie Ihr richtig bemerkthabt, hat gewiß einem großen spanischen Feldhanptmann gehört,der ihn — und zugleich das Leben — in einer der Schlachten ver-loren, welche die Indianer oft in den südlichen Provinzen liefern.Ich zweifle keinen Angenblick, dieser junge Mann hier ist der Sohneines Häuptlings, vielleicht der Sohn des mächtigen Hart-Herz selbst!"
Während dieser rohen Unterbrechung des Gesprächs mit demIndianer hatte der junge Pawnee kein Zeichen, weder der Ungeduldnoch des Mißvergnügens, gegeben; nur als er fand, daß sein Thierlange genug der Gegenstand der Besprechung gewesen war, nahmer kaltblütig, und wie Einer, der gewohnt ist, seinen Willen ohne