Druckschrift 
4 (1853) Die Prairie : eine Erzählung
Entstehung
Seite
198
Einzelbild herunterladen
 

198

Falten verkrochen und sich fest an sic schmiegten. Sie versuchtesich eines der Beispiele weiblichen Muthes in das Gedächtnis; zurufen, wovon sie erzählen gehört hatte, und deren die Geschichteder westliche» Gränze so manche erwähnt. Hier war von einemeinzigen Manne, im Beistände von drei oder vier Frauen, ein Pfahl-werk mehrere Tage hindurch gegen einhundert Feinde tapfer ver-theidiget worden. Dort hatten Weiber allein den Muth gehabt,die Kinder und das zurückgelassene Eigenthnm ihrer Männer zubeschützen. Eine dritte Geschichte erzählte von einem einzelnenentschlossenen Frauenzimmer, welches, schon gefangen, ihre schla-fenden Wächter ermordete, und sich mit einem Häufchen kleiner,hilfloser Kinder in Freiheit setzte. Letzteres war ungefähr derFall und die Lage, worin sich Ellen mit den Kleinen befand. Mitfeurigen Wangen und flammenden Angen sprach sie sich selbst Mnthein, und begann nachzndenken, daß und wie sie sich zu vcrthci-digen habe.

Sie stellte die größeren unter den Mädchen an die Unterlagen,welche den Felsstücken zur Haltung dienten, um sie auf gegebenesZeichen wegznziehen, und die Stücke Herabrollen zu lassen. DieSchwächeren wurden mehr dazu bestimmt, sich zu zeigen, alsdaß man wirkliche Dienste von ihnen hätte erwarten können. Sieselbst, der Leiter nnd.Anführer des Ganzen, machte cs wie Andereihresgleichen, und stellte sich als Anordner, Befehlshaber, Ober-anfseher und Ermuthiger der Uebrigen auf. Nachdem alle An-stalten getroffen waren, gab sie sich das Ansehen der Ruhe, welcheden Erfolg unerschrocken abwartet, damit sie auch ihren Unter-gebenen Mnth mache und Vertrauen cinflöße.

Obschon Ellen in Hinsicht des Geistes, der sich ans moralischeEigenschaften gründet, einen großen Vorsprung statte, so kam sieauf einer andern Seite, keineswegs den beiden ältesten Töchternin Etwas bei, was ein eben so nothwendigcs Erforderniß imKriege betrifft, nämlich in der Gleichgültigkeit gegen die Gefahr.