562
jenes absprechenden Wesens, welches selbst seinem gewöhnlichen Be-nehmen den Anschein gab, als ob er alles um sich her verachte,war verschwunden, und sein Acnßeres erschien gedankenvoll, wennnicht gedrückt.
„Der Tod, meine Herren," begann er, als er nahe genug ge-kommen war, „ist, von der besten Seite betrachtet, ei» traurigesDing. Da ist nun Sergeant Dunham — ohne Zweifel ein sehrguter Soldat — im Begriff, sein Kabel laufen zu lassen, und dochhält er sich an dem besseren Ende desselben, als ob er entschlossenseh, es für immer in der Klüse znrückzuhalten—und das nur aus Liebezn seiner Tochter, wie mir scheint. Was mich aubelangt, so wünscheich stets, wenn ein Freund in die Nothwcndigkeit versetzt wird, einelange Reise anzntreten, daß er gut und glücklich fortkömmt."
„Ihr werdet doch den Sergeanten nicht vor seiner Zeit unterder Erde haben wollen?" antwortete Pfadfinder vorwurfsvoll.„Das Leben ist süß, auch für den Betagten, und ich habe in dieserHinficht Leute gekannt, welchen es am theucrste» zu sehn schien,wo es gerade am wenigsten Werth mehr hatte."
Nichts war Caps Gedanken ferner gewesen, als der Wunsch,seines Schwagers Ende beschleunigt zu sehen. Er fühlte sich durchdie Pflicht, die letzten Stunden des Sterbenden zn erleichtern, inVerlegenheit gesetzt und wollte einfach blos seine Sehnsucht aus-drücken, daß der Sergeant glücklich aller Zweifel und Leiden enthobensehn möchte. Die falsche Deutung seiner Worte berührte ihn da-her etwas unangenehm, und er erwiedertc mit einem Anflug seinereigenthümlichen Rauheit, obgleich ihm sein Gewissen den Vorwurfmachte, daß er seinen eigenen Wünschen kein Genüge g eleistct habe: —
„Ihr sehd zu alt und zu verständig, Pfadfinder," sagte er, „Je-mandenmiteinerWelleeinznholen, wenn er, sozusagen, seineGedankenauf eine trübselige Weise auskramt. Sergeant Dunham ist meinSchwager und mein Freund — das heißt ein so inniger Freund,als ein Soldat gegen einen Seemann sehn kann — und ich achte