X I t Cojrper'e ^meHfanif^e Sfconwite, neu auö bent @ngtifd)en übertragen. ,$ tu e 1 1 e r a n i>. ©er 3}>fabf{nber« ®ritte Stuflage. Stuttgart. 33er lag t>on ©. ®. Siefebing 1846. ober ir rt 0 Binnenmeer. 35 ou 3. ©oopet. 3^us fcern (ßngltfdjen »an Dr. <&. £olb. ©ritte 91 u f l a g e. §iet fault bet Jtcbf SDiit Stufcen fitb uom .&erjen tneifen Iaffett, ltnb bet ®elei>rte lernen ohne feine äintfjer. (Soinpcr. Stuttgart. ©erlag von ©. ®. Äiefdjing. 1846. 1 d r tu i) r t. 2 >er 5ßtan ju tiefer ©rjälflutig tot fiel) beut Qlutor f(f)on Bor Sauren bar, obgleidf bte (Strt$etn^eiten inSgefammt Bon neuer Gsrfinbung finb. 3d) ttieilte einem 23erteger bie 3bee mit, (Seeleute ttnb SCÖilbe unter 9ßerljältniffen, loetcbe ben großen ©een eigentümlich mären, mit einember in aßerbinbung 511 bringen, uitb übernahm fotnit gemifferntafjen gegen benfelbeit bie Sßerlpflicbtung, feiner 3 e ü ba§ ©etitälbe augjufü^ren: eine Sßerpflidjtung, bereu id> midj nun f)iemit — freilich fyät unb unbollftänbig ■— enttebige. 3n bem Jpamptdjarafter biefer flioBellc mirb ber £efer einen alten ftreunb unter neuen Umftänben ftnben. Sollte eS ftclf ermeifen, bafj bie Sößieber = ©tnfül)rung biefeS alten SSefannten unter Beränberten aSerbältniffen ilin in ber ©unft VI ber Sefcwelt nicht fittfen lafjt, fo mirb biefi bent ©erfaffer ein um fo größeres ©ergnügen getonten, alä er an bev fraglichen ©erfon mannen Qlntheit nimmt, gleich alä hätte fte einmal unter ben fiebenben gemanbelt. (Sä ifl jeboch fein leichteä Unternehmen, benfelbett ßlmrafter mit ©eibchaltung ber bejeichnenben (Sigcnthüntlichfcit in toter ffierfeit burchju* führen, ohne @efat;r jtt laufen, ben Sefer bttrch @leicfuör= tnigfeit ju ermüben, unb ber gegenwärtige ©erfuch ifl eben fo fef?r in ffolge berartiger ©eforgniffe, alä auä irgenb einem anbern ©runbe fo lange toerjögert morbett. gütlich, in bicfem, mic in jebent anbern Unternehmen, muh ö fl - (Sttbe baä SBerf frönen, ©er inbiantfche (Sharafter bietet fo menig ©ianntgfaU tigfeit bar, baf ich eä bei ber gegenmärtigen Gelegenheit «ermieb, allju lange babei ju toermeilen; auch fürchte ich, bie ©erbinbung beffelben mit bent beä ©eemannä wirb mehr neu alä intereffant erf^einett. ©ent ©ettling mag eä toieHeic^t alä ein Qlttachroniämuä auffaden, bag ich ftS StltareS SDuft, 3um Semitel wölben fttb beS Rimmels SRäume, !Eer £>t)ferraua& je') mir ber SBerge Suft, Xtitb mein ©lebet beä §erjen3 ftitte Sräume. SWootc. tritt jebetn Singe ttalje, in teeldj enger SetBinbmtg baS (SrljaBene mit bem Wnermeftitelt ließt. ®ie tiefjten, bie umfaf= fenbftett «nb »ielleicßt bie reinften ©ebaufen erfüllen bie Ißßautajte beb ©idjterS, toenn er in bie SSSeiten eines unBegreitjten DtaunteS fdjaut. «Selten erblidt man junt erftenmat bie ettblofe gtäcße beS DceanS mit ®leidjgiltig!eit, unb felbjt in ber ©unfelßeit ber Sladjt jtnbet bie Seele eine Ißaratlele jtt ber ®röfe, bie unjertrenntidj non Silbern ju feijn fdjeint, tbeldje bie Sinne nidjt in Stammen 5 « faffeit nermögen. 2Jtit folgen ©efitljlen ber Setouttberuitg unb (gßrfurdjt, ben Sbröjjlingen beS (Mjabenen, Blidten bie «erfdjiebenen Ißerfonen, mit loeldjen idj bie fjanblung biefer (Srjäßlung eröffnen mufj, auf bie »or ißren Slugeit liegenbe Scene, ©ie ©efellfdjaft beftanb aus jtoei Scannern unb jloei SßeiBent, Hielte, um eine freiere 9luSftd)t auf tßre Umgebung ju gemimten, einen Raufen Säume ju erfieigen oerfudjten, toeldje ber Sturm umgefiürjt ßatte. 3ftan nennt foldje Stellen in jetten ©egenbett SBinbgaffen, unb ba nur an foldjen bas 8 idjt ber Sonne in bie bunfeln, bunftigen SBäiber* grüttbe ju bringen »erntag, fo Silben fte eine 9lrt »on Dafen in ber feietlidjen ©mtfelßeit ber jungfräulichen SBätber StmerüaS. ©ie genannte Sßinbgaffe lag auf einer fünften Slnfteigung, Set iüfabftnber. 3. Stuft. 1 2 meld)e, obgteid) ße nur unbebeutenb mar, beut, ber ißrett ßödjßett ©nutt etßiegeu ßatte, eine meitßin reidjettbe StuSftdjt, bereu fiel) Sßattberer in ben Sffiätbern nur feiten erfreuen tonnen, bartot. Ser Umßattb, baß bie ©affe auf einem föitgcl tag, mtb bajj bie SBalbli'ttfe ßd) abmärt« jog, gemaßrte bem Singe ititgemöljntid)e ©ortljeile. Sie ©faßtet traten es bi« jeßt ltodj nid)t betmodjt, baS äßefen bet Jträfte ju ergrünbeit, meldje fo oft ©teilen auf bie befdjtiebene SBeife bermüßen, unb fie Mafien es Salb in ben SBirbelmiitben, meldje auf bem ©teere bie SBaßerfjofeu etjetigeit, halb in blöfslidjett mtb heftigen Sittdjjügen eteftrifdjer Strömungen ju flitben geglaubt. SEBie bem übrigens fei) — bie ©tfdjeiitung felbft ift eine in ben SBälbern moßlbefamtte Xljatfadje. Slnt oberen ©aitme ber genannten Sßalbtüde t)atte jener uußrfjtbare ©inßttß ©auitt auf ©amtt in einer SBeife aufgetßürmt, baß uid)t nur ber ntännlidje Sdjeil bet ©efel(fd)aft im ©taube mar, fid) etlua breißig guß über ben ©oben ju ergeben, foitbern baß aud) bie furdjtfatneren mciblidjen ©ettoßeti ßdj btttd) einige Stadjljülfe mtb ©rntutljtgung jur Sdjeilnaljitte beranlaffen ließen. Sie itngeßeuern ©tämnte, meldje bie ©etualt beö ©türme« jerbrod;eu unb fortgetrieben Jjatte, tagen Ittie ©trotjijalme unteretnanber gemengt, ittbeß bie 3meige mit ben bnfteitben, melteitbeu ©lättern ßdj untereinanber berßodjteit, unb ben Jpänbeu tjiureidjenbe Slntjaltöfntnfte boten, ©in ©aunt mar bollfommeti eittluurjelt unb baö untere ©ttbe ju oberß geteljrt, fo baß eS mit ber in ben ßButjetjmifdjetträmiteu beßnblidjeit ©rbe für nufere hier Slbentenrer, als ße bie gemitnfdjte öjöije erreicht fjatten, eine Slrt bott ©eriiße bilbete. Ser Sefer barf ßdj bei ber ißnt botgefitljrteit ©tußße teilte fjeute ben ©taub beuten. ©S luarett Stetfenbe in ber SBilbttiß, betten ntatt attdj unter anbertt ©ertjältnißeu aitgefefjett Ijabett mürbe, baß itjren früljern ©emoljitljeiteii mtb il;rer mtrtlidjen ge« feltfdjaftlidjen ©tellmtg bteleö bott ben ©ebürfttißett ber Ijötjern ©taube frentb geblieben mar. 3tt ber £fjat gehörten and) jmei »tm ber ©efettfdjaft, ein Vtann unb ein SBeib, 511 beit ciugeboriten (Sigentljümer be« SBobeitö; jte waren Snbianer an« bew befanntcn Stamme ber Subcarora«. Sa« brüte ©lieb ber @efet(fd)aft trug bie ©igcnfl)ünilid)feiten uitb 9 tbseid)eu eines ättaune«, ber feine Sage auf beut Dcean jugebtadjt fjatte unb, Wenn er anber« auf irgenb eine Stcttuug Stnfbrud) matten fonnte, feine »iet fjöljere, at« bie eine« gemeinen (Seemann« entnahm. Ser Weibtid)e ©es führte be« festeren war ein SJtäbdjen, au« einer uicfjt »iet l)öl)ern Ätaffe al« bie feiitige, obgteid) if;re Sugettb, ba« S(untutl;ige il)rcr ©efid)tebi(buug unb eine befdjeibeite, aber au«brucf«»ot(e Sftiene iljr beit Sf;arafter be« Verjlanbc« unb {euer Verfeinerung aufbrägten, wetdje fo »iet 511 ber Hebung weibtidjer Stcije Beiträgt. Vei ber gegenwärtigen ©etegentjeit leuchteten in ihrem »ölten Btaiten Stuge bie erhabenen ®efitl)te, Wetdje ba« großartige Sd^aufbiel in it)r etjeitgte, unb il)r angenehme« ©eftcht jeigte jenen Stuebrucf be« 9 tad)benfeit«, mit wetdjem eilte tiefen @emütl)«bewegnngcn, obgteid) gerabe fie ba« größte Vergnügen gewähren, bie @eftd)t«jüge geijis »etter unb gebaitfenreidjer V(wfoiten Befdjatten. Vtitb watjrtid), bie (Scene war Ijinreidjcnb geeignet, einen tiefen (Siitbntcf auf bie Vfiantajte be« VeoBactjter« ju ftBen. Sa« Stuge jtreifte gegen äöejien, in wetdjer Stidjtung allein bie 9 (u«jtd)t frei War, über ein Steer »01t Vtätfern, ba« in beitt herrlich Wed); fetnben, lebhaften ©ritit einer fräftigen Vegetation, befdjattet »onbeit itbbigeit Sinteit be« jtoeiunböierjigjleu Vreitegrabe« bangte. Sie Siüfter mit ifjren jiertidjen, tjängeitben 3 t»eigen, bie reichen Varietäten be« Stljorn«, am meifteit aber bie ebten ©d)eit ber anterifantfdjen Urs Wätbcr, mit beu breitbtättrigen Siitbeit, Wetdje man in biefeit ©es genbeit unter beut Vanten be« Vtntertjotje« fennt, bitbeten burd) bie Verfdjtiitgutig ihrer SEibfet einen breiten, eitbtofen Vtättertebbid), ber fid) gegen Stbenb Ijiitjog, bi« er ben ^orijont begränjte unb jid) mit ben tffiotfeit ntifdjte, ätjntid) ben SEBetten be« Dcean«, bie am Saume be« himntet«geWötbe« jtdj an bie tEoIfenutaffen reihen. 4 •§iit uttb tuieber geflattete eine butd) ©türme ober bttrd) bie Saune her Statut ergeugte Süde unter biefen riefeitßafteit SBalbcSgliebern einem untergeorbueten Saume aufwärts gu ßteBett gegen baS Sießt mtb fein BefdjeibeneS cfjaußt naße gu in ein gleicßeS Stioeau mit ber ißtt umgeBctibeit grünen Städte gu Bringen. Sott ber 3lrt War bie Sitfe, ein Sannt, ber in mtnber Begünftigten ©egettben feßott einige Sebeutung ßat, bie Sitterßaßßel, einige fräftige Stuf; Bäume uttb »erfeßiebette anbere, fo baß bas Uttebie mtb ©enteilte gang gufällig in bie ©efellfcßaft beS ©tattlidjcn ttub ©roßartigen geworfen git feßn festen. föie ttnb ba burdjboßrte ber ßoße gcrabe ©tamiit ber gießte bie ungeheure ©Bette, ßod) über fte megragenb, gleich einem großartigen ©entntal, WeldjeS bie jfrtnß auf einer grünen glädje errichtete. @S war bas ©iibtofe ber StuSßcßt, bie fafi ununterbrochene gläd)e beS ©rttitS, loaS bem ©attjett beit ©ßarafter bet ©röße aufßrägte. ®te ©dföitßeit beS Slttblids geigte ßcß jebod) in ben garten hinten, geßobett bureß ben SBecßfel beS Stcßts uttb beS ©cßattenS, ittbeß bie feierliche ©tille bie Seele mit heiliger ©eßeu erfüllte. „Dnfel," fagte baS fteubig erflaunte Sftäbdjen gu ißrent männtießen ©efäßrteit, beffett SlrmeS fte ßd; ttteßr loie eines Se= tüßtuitgSßuntteS, als einet ©tüße Bebiettte, ba fte felBji aufßdferen Süßen flanb, „toie feßr erinnert biefer SltiBlid an ben Dceatt, ber ©ueß fo tßeuer iß." ,,©o luel, als ßcß eben eilt uittoiffenbeS SJtäbcßen eittBtl; ben ntag, SOtagnet," (es loar bieS ein SlitSbrud ber 3ärtlid;!eit, beffen ftdj ber ©eentattit oft als einer Slnfpieluttg auf bie ßetfött; tiefjett SlngießungSlräfte feiner Stickte bebieitte) „aber nur ein jttitb tarnt eine Steßulidfleit gmifeßen biefer fßanbooll Slätter uttb bent Wirflidfett atlanttfcßenDcean ßnben. Stimm alle biefe Sattmwißfel gufammeit, ße Würben itid;ts Weiter, als einen ©trauß für SteßtunS Sacfe geben." 5 „3d) benfe, ©ure *ß^antafie »erjteigt ftd), Dnfet. ©djaut nur, l)ier i(i Steile an Steile,. ttnb bod) febjeit mir nid)tg alg Stcitter. 2Bag bann ung ein ©lief auf beit Dcean ntetjr geben?" „Stel)r?" ermieberte ber Dnfet, ttnb Berührte fte in ttttge: bttlbiger ©eWegitng mit bem ©llenbogeit, ba et bie 9(rme gefreujt uitb bie Jgänbe in bem ©ttfeit eineg roff)liitneitcit SBamfeg, Wie man eg barnalg trug, »erborgen hatte, „mel)r, Stagnet? Sage lieber, mag weniger? SBo jtitb bcntt bie fräitfeluben SMleit, bie blatten SDBaffer, bie OMlmogeit, bie ©raitbmtgeu, bie 2Ballfifd)e, bie äBajferl)ofeit, ttttb bie enbtofe ©emegtutg iit biefent 33igd)en SHSalbe ba, mein Ätitb?" „Itnb mo fiub bie ©attiitgibfel, bie feftlid)e ©tille, bie buftigen ©lätter auf bem Dceatt, Ditfel?" „9Beg bamit, Stagnet! 2Bemt btt etwag nun foldjeit ©titgeit uerftüitbett, fo wüßtejl btt, bafj grititeg SBaffer bem ©eetuaittt @ift ift. Äaunt eilten ®cünfd)itabel bann er Weniger leiben." „9lbcr grüne SSäume ftnb ganj aitbere ®iitge. horcht! ®iefer ®oit ift bag ©ättfeln beg SBinbeg in beit ©Xättern." „$a follteft btt einen Ötorbmeft fattfeit hören, Stäbchen; aber freilich, einen SBinb auf bem SBerbecfe fannft btt bir nie^t benben. ha, mo fittb bie Äüfilteit, bie Debatte, bie Saffat; ttnb Djlwiitbe itnb äl)ulid)e ©rfd)eiituitgeit auf biefem 3ßalbfleid)tett von milbett ®h' eral ' «tit betten mir äufammentreffeit tonnten, ttnb bod) haben mir nid;t fo viel gefel)en, alg ein ©ees falb erfcfjrecfett bönnte. 3iereii ftd) mit einem 9(equaforl)at) vergleichen laßt." 6 „iacfyt!" tief bieStidjte, meldje ftd) nteljr mit ber Söetrvirfjtintg beb cttblofcu SBalbeb, alb mit iljreb Ditfelb Slrgumcntationen £>e; fdjäftigte, „bort ringelt ftc^ Stauet) über beit ©ijifelit ber ©äunte. Stag ber moljl aub einem ■fjaufe fommen?" „ 3 a, ja; ’b ijt bab 9tubfet)cn »on ’mab Steitfrijlidjem in biefent Stand)ermieberte ber alte (Seemann, „mab meljr mertf) ijt, alb taufenb ©üitme. 3 d) ntufs il)it Slrromljeab* jeigett, tmr fchmm Stenneit moT)t an einem §afcn vorlieifaljrcn mürbe, oljuc iljit ju erlernten. SBo Stand) ijt, ba ntuf) and) maljrfdjeinlid) ein Jlüdjeu; raum feiin." 9tlb er aubgefprodjen, 50 g er bic tpatib aitb bem ffiufen, 6 e; ridjrte bcu Snbianer, meldjet in ber 9täl)e jiaub, teid)t an ber Sdjitltcr unb beutete auf eine biinne ©unftfciule, metdje ftd) in ber (Sittfernung von ungefähr einer Steile** laugfant aub ber ©lätter; milbnijj emborjtal)( unb in faft unmcrflid)eu Otcbcljireifeit in ber bebcitben 9ltmofbl)äre verlor. ®er ijttbcarora mar eine von jenen cbclit .ttricgergejtaltcn, mcldje mau unter beit Ureiitmoljnerit biefeb (Jontincntb vor einem Saljxljunbert l)äitjiger aittraf, alb biefeb gegen; märtig ber galt ijt, unb ob er glcid) oft genug mit beit jtolouiften in ©cridjtuitg geftattbeu l)attc, um mit itjrer Sf'radje trab iljrctt «Sitten vertraut jit feljit, fo l)atte er bod) menig ober gar uidjtb von ber mitten ©röjse unb ber einfadjcit Sffiitrbe eincb tpciubtlingb verloren. 3mifd)cn ifuit unb bent alten Seemann t)atte jmar eilt freunbfd)aftlid)cr, bodj etmab entfernter ©erfepr jtattgefunben, bemt ber Snbiattcr mar ju oft mit beit Ofjtcieren ber verfd)iebcnctt ntili; tärifdjeti ©ojteit jtifamnteugefommeti, um nid)t bie fubatternc «Stets luitg fciitcb gegcnmartigcit Stcifegefdprtcn ju fcitncn. 2 )te tul)tge 3urüdf)attung beb Üubcarora tjattc and) in ber $t)at ein fold)eb tlebcrgcmidjt auf Cfljarleb ßaf',*** beim fo mar ber Staute beb * tOFeilfpifee. ** (Sa finb burdi baS ganje SEBcrf immer engtifdbe Stetten gemeint. *** (Snv bebauet in ber ©bbijfsfvtadje tag biefe egotj an jebem ülbfa^ eines ÜJiaftcS, baS fogeitannte (Sfetityaupt. 7 (Seemanns, geübt, bajs le^terer feTbfl in feiner frül)tid)ftcn Saune ober in feinen bititfeloollfteit Slttgeitblicfen ftd) feine ffiertrautidffeit erlaubte, obfdjoit iljt tB.crfeljr Bereits über eine SBocfye anl;iett. ©er Slitblicf beS aufjieigenben Standes febod) hatte if)it Wie bie plöjs; lid)e (£rfd)einung eines ©egels auf ber See ergriffen, ltttb bas erftemat Wa()reitb iljreS 3ufammeitfet)tiS Wagte er es, beit .Krieger auf bie eben Bejeidfuetc SBetfe ju berühren. . ®aS frfjnelCe Singe beS SuScarora warf einen rafdjeu 93IicE auf beit Stand). ©amt erhob er ftd) leicht auf bie 3ehettfpij5eit unb ftanb eine rolle Minute mit erweiterten Stüftern ba, gleich beut Dtel), baS in ber Sttft ©efaljr Wittert, mit einem Silicf, ähnlich beut beS gut brefftrten ßti^itertjunbeS, ber auf ben Sffiiuf feines &errn lauert. ©anitfenfte er bie Werfe mit einem fdjwadjeit, faunt «erneljinbarcit SluSritf in ber fanfteit ©ottWeife, Welche einen fo eigentümlichen (Sontraft mit bein rauben .KriegSgefdfrei ber Snbiatter bilbet. ©eilte 3itge Waren ruhig, unb Jeiit fdjitelteS, buitfleS Slttge flog über bas SBlütterpaitorama, als ob er mit einem SBltcf jebett Umfianb, ber ihm SluSfttnft erteilen fonitte, erfaffett Wollte. ®te lange Steife, welche fte bttrd) ben breiten ©iirtel ber SBilbnip uit; ternoiitiiten Ratten, war, wie £>nfel ttitb Stidjte Wof;l wußten, notlj* Weitbig mit ©cfafir retbuitben, obgleich fte nicht gerabe befiimnten fonnten, ob bie (Spuren oon menfcf)tid)er 9tad)barfd)aft gute ober fcfjlimiite aSorjeicfjen fepen. „@S mitffen ©iteibaS ober ©uScaroraS in nuferer Stahe fehlt, Sltrowfieab," fagte (Sap, ittbem er ftd) mit ber gewöhnlichen Sie; iteititttttg an feilten iitbianiftpen ©efäljrten Wattbte. „SBirb es nicht gut fehlt, ©efellfcfiaft mit ihnen 51t machen, um ein behagliches Stacpttager in ihrem SBigWant 51t gewinnen?" ,,©ort fein äßtgwant," antwortete SlrroWfjeab itt feiner uit; beweglichen SBeife, „jtt »iet Saum." „Slber Snbiatter mitffen ba fepn; »ielleicht einige yon (Sureit alten .Kamerabeit, Meifier SlrroW^eab." 8 „.Rein ©ttScatota — fein Dtteiba — fein STioTjatuf — ©laf; geftcfdsfeuet." „®et ©ettfel ifl es! — 3 Bol;l, Sltagnet! ©aS üBetfleigt eine« ©eemannS *p^ifofo^t)ie. SÖBit alten ©eelfunbe fönuen »eben »on eines ©olbateit itnb eines ©dfiffetS ©abafsfaue, unb baS ©olbateit; gat »on bet J&ängtnatte eines Ranteraben nnte»fd;eiben, aber id; glaube nid;t, bajj be» ättejie Slbntital »on feine» SJtajeflät fflotte einen Wtttevfdfieb finbeit l»i»b gtoifdfeit bent Mauel; eines RöttigS unb bem eines Rol;leitg»äbetS." ©e» ©ebanfe, in biefetn SDiecr »on SBilbnijj ntenfd;tid;e SBefett jtt Stadjbatti 51t l;abeit, Tratte baS Stotl; auf ben blüfyenben Sßangen beS fel;önen ©efdföftfeS, i»elcl;eS il;nt jur ©eite ftanb, unb ben ©lanj iljte» Singen nod; e»l;öl;t. ®od; fd;nell fel;»te fte ben. übe»; »afd;ten Slicf 31t iljtem S 3 etl»aitbten, unb ba fte beibe jit oft bie Rettnttttffe, l»i» möchten fafi fagett, ben Sitfiinft beS ©uScatota betounbett Ratten, fo ftitad; fte mit Bögettt: „@in äBlaffgeftdftSfeue»? ©eiuifi, Dnfel, baS fatttt e» bod; nidft toiffen?" „ 3 ei;n®age frftl;et, Rittb, l»ü»be id; batattf gefdflootett l;aben; abe» jefct »weiß id; malftlid; nidjt, toaS id; glaubett foll. — 3 d; möchte mit bie gteiljeit neunten, 31t ftagett, l»a»uttt 31 ;» ©ud; eitt; bitbet, bafj be» Staudj, melden toi» felfen, be» eines S 3 lafigeftd;tS nnb nidjt bet eine» Stotljljaut ifl?" „genest ■öolä," ettoiebette bet Rtieger mit einet Stul;e, äl;itlid) be» eines Ißäbagogett, toeldfe» feinem ungelehrigen Zögling eine a»itljmetifd;e ©emonfltation fla» 31t ntadjen fud;t. „ 33 icl feud;t — »iel Stand;; »iel SBaffet — fd;l»a»je» Stand;." „Slbet, SSetgebung, ISteiflcr 9 t»rot»l;eab, be» Stand; ifi loebe» ft^watj, nod; ifl beffett »iel »orffaitbeit. ©0 »iel id; etfettnen fann, ifl es eitt fo lid;te» ttttb leid;te» Stauet, als tut» je eiltet aus eines Ra»itäitS ©Ijeefeffcl flieg, toenn gtint S 3 »ennmate»iat nid;ts attbereS als einige ©dfni^el »on ben SSallafiitnterlagen 31t ftttbett toatett." 9 „ 3 u siel SBaffcr," entgegitete Stwoto^eab mit einem leisten Äoyfniäen. „SuScarora 311 fdftau, als jit machen ffeuer mit Sßaffer; ffltaggeftdjt 31t »iet Sud;, uitb kennt atteS; »iet S 3 ud;— »wenig Sffliffen." „ißermmftig, id; geb’ es ju," fngte ®af>, bev eben fein ffremtb »on ffliidjettt t»ar, „baS ift ein Stidj auf beiit Sefen, SKagnet. ®er häufittiitg !)at nad) feiner Slöeife »erftänbige Stnfidjten »on beit Oingeit. Sffiie »weit aber, 9 lrrot»t;eab, entfernt uns (Sure 93 e; redjituitg nodj »on ber fßfü^e, ioetdje 3 t;r bett großen See nennt, unb auf bie mir nun fdjoit fo »iete Sage losjicuerit?" ®cr SttScatora btidte auf ben Seemann mit ruljiger lieber; tegenljeit unb fiirad): „Ontario gteid; bemhimntel; eine Sonne uitb ber gtojie 9 tci; fenbe »wirb es erfahren." „S 03 ot;t, tdj fanit’S nidjt täugneit, bafi id) ein groger Steifeitber geiuefen bin, aber »01t alten meinen Steifen »war biefe bie läitgfie, bie am loenigfieu einträgliche unb bie entferntejle auf bem Canbe. Sßenn biefet grifd;iuaferbef;älter fo italje uitb jtt gteidjer Seit bod) fo grojj fetyit fotf, 9 (trotoI)eab, fo fottte mau bod? glauben, bag ein tpaar gute Stitgen iljit aufjttfmben »erntödjten; beim eS Ijat ben Slttfdjeiit, als ob man altes, luaS innerhalb beS StaunteS »01t breigig ©teilen liegt, »01t biefent Sug;auS follte fel)cn fömien." „Siek" fagte 9 (rrol»t)eab, inbent er einen 9 (nit mit rut;igcr äßürbe »or ftd) auSjlretfte, „Ontario." „Onfet, il)r fev»b gcloöfint, 31t fd^reien, ,£anb ljo‘! aber nicht ,äßaffer fyo‘, unb fel)t es begljatb nidjt," rief bie Stifte mit Sad;eit, »wie bie ©täbdjeu über ifyre eigenen eitlen (Siufätle 31t ttjun bflegeit. „SGBie, ©tagitet! ®laubjt btt, bag tdj mein angeborenes (Slement nicht feititeit mürbe, »nenn idj es 31t ©eftcht befäme?" „Slber ber Ontario iji nicht (Suer angeborenes (Stemeitt, lieber Onfet, beim 3 k' fontntt »on bem Sal3»oajfer, ttnb biefeS SOBaffer i(i füg." 10 „®ad tonnte attcnfattd für einen jungen nfcl, inbejj ei ftcfj iitül;te, bettt leidet baijin fdjteitenben Sugcatoia auf bei geife jtt folgen. „9(uf mein äBott, SCnteiifa Witvbe nie cntbedt Worben fetjtt, toetttt Goluntbug nidjtg alg feine Safenlüdjei gehabt patte. jjieunb Sltiolofieab, pabt 3pt je eine (Safdfine, wie biefe Ijiei, gefeiten?" ©ei Snbianei biepte ftdj um, toaif einen Slicf auf bett Goitt; baf, Welcpen Gab auf eine SBeife piclt, bafj ei bie Stdftung ipteg 2 Begeg attjeigte, unb antwortete einjt: „Gin Slafjgefuptgatige. Set Sugcatoia (teilt in feinen Jlobf. Sag Saljloaff« (beim fo benannte bei Sitbianet feinen ©cfäfjiteit) nttit gaitj Sluge; feine Sunge." „Gi meint, Ditfel, baji mit llrfacpe Ratten, (lille 51 t feljit. SieKeidjt tiaut et ben (perfoiteit itiept, mit beneit mit jiifaittmen; jutieffen beabfüptigen." „Sldj, eä i(i bieg bie ©eloopitpeit eiiteg Sitbiaiteig, loemt et ftd) beWopitteu Ctuattieien näljett. Stt fiepft, baf ei bie (Pfanne feiiteg ©etoeptg uitteifucpt, ttitb eg loitb loopl gut fehlt, Wenn idj bei meinen (piftolen bag Gileidfe tpue." £>ptte bei biefeit Sotbetettungen Uittupe jtt oeiiatpeit, ba fte Wäpteitb iptet langen Seife btttd) bie SSSitbnifi an biefelbett geWöpnt looibett loat, pielt ftd) (Sabel mit einem Sdjiitt, fo leidet ttitb ela; ftifcp, alg bet beg Snbianetg, bidjt an ipte ©efcllfdjaftet. SEBä^rettb bet elften palben (Seile beobachteten fte, auf« einem tiefen Sdjwcigen, feine Weitete ffiotftdftgmaftegel. 9(lg fte ftd) abct mehr ber Stelle näherten, wo fie baö geltet finben mupteit, Würbe eine gröpete Sorgfalt nötl;ig. ©er UrWalb ftört unter ben Vnumfrotten gewöhnlich bie 9lu6- fxrfjt faji burd; nichtö aitbeteö, alö burd; bie fd;lanfctt, gerabeit Vaumftämme. Sille Vegetation ^atte ftrfj juni Sic^t entf'orgehoben unb unter bem SauWjimmcl ging man wie bittd; ein weiteö nalitt* lid;eö ®eWölbe, Weldjeö ftd; auf SJthriaben rotier Säulen fiitjjte. ©iefe Säulen ober S3äume bienen oft baju, ben Slbeitteurcr, ben Säger ober ben getnb ju »etbetgen, unb je mehr SlttoWlfeab mit fcfmelleu Stritten ftd; ber Stelle nal;te, Wo iljn feine geübten, unfehlbaren Sinne ben 3lufentl;alt ber Srembeit erwarten liefen, bcjto leidster Würben feilte dritte, bcflo Wachfaitter fein Singe, befto gröfer bie Sorgfalt, feine V^fott ju verbergen. „Sieh, ©flljWaffer," fgradj er tnuinhhttwnb, inbem er auf eine Deffnittig jWifd;en ben Säumen beutete, „Vlafgeftdjtöfeuer!" „Sei @ott, ber Vutfd;e h«t 9ted;t," brummte ©af). „®a finb jte, fieser genug, unb »erjehreu if;r 3Kal;l fo ruhig, alö ob fie fid; in ber Sajnte eiitcö ©reibederö befänben." „Slttowlfeab h«i nur h«l& 9ted;t," pjterte SOtabel, beim bort (iitb jwei Snbtanet unb nur ein SBeifcr." „Vlapgeftthter," fagte ber ©nöcarora, unb h<>6 jWei ginget-' in bie £öhe: „rotl;er ÜDtann," fuhr er fort, inbem er mit einem ginger jeigte. „®ut," erWieberte ©ap, „eö ijt fchlocr ju fageit, Hier 9ied;t ober Unrecht h«t- @inet ift gaitj loeip nnb ein feiner, aitflänbiget 33utfd;e, mit einem rcfpeftableu Sluöfeheu; ber anbere ift eine fo gute 9totI)haut, alö nur garben uitb Statur hetborjubringen »et* mögen; aber ber britte ötuitbe ift h«l& aufgetafelt unb Weber Vrigg ltod; Sdjoonct." „53lafgeftd;ter," wieberholte SlrroWl;eab, inbem er wieber jwei ginger erl;ob: „rott;er SDlanit," nur einen jeigenb. „@ö mitp Wal;r fehlt, Ontel, benn fein Singe fcheiut nie ju 14 irren. Slber ed ifl mm briitgcnb uötl;ig, ju wiffcn, 06 wir mit greunben ober geinben gufammentrejfen. @6 fönuten gran; jofen fegn." „Sine eittjige IBcgrüfung wirb und halb übet biefen Umfianb in’ö Jltave feiert," cntgcgitcte (Sag. „Stelle bidj hinter bicfcit Saunt, SJtagnet, bamit ftdf'd bie Sfugbuben uidjt in ben Äoff fegen, eine Sage ju geben, ope ju gartamentiren. 3d; lind halb erfaßten, unter Wad für einer glagge ffc fcgelu." ©er Dufcl gatte feine beiben ßäitbe in ber ®orm cined ©rottu ))eteubcri)crd an ben SDtitnb gefegt unb war baran, bie verheißene S3egntpuug j« geben, Tratte nid)t Slrrolpcab burd) eine rafd)e §anb= beWegung feine Slbjtdjt vereitelt, inbem er bad ertemfwrirtc Suftru; ment in Unorb nunc; bradjte. „Dietger äUattn, SKogifau," fagte ber ©udearora; „gut; Slaj5; gefickter, 3 )engeefe." „©ad ift eine ^innnetdfwji," ftüfterte DBabel, wcldfe au bet 9ludfid)t auf einen töbtlidjen Äambf in biefet abgelegenen Silbuifi wenig Oefdjmad fanb. „Sagt und mit eiitanber auf fie jugegeu, lieber Dnfet, unb und atd greunbe vorjteden." „@ut," fagte ber ©udearora, „rotger Staun, fatt unb fing; Slaggcftdjt, übereilt unb geuer. Saßt bie Squaw gegen." „2Bad!" rief Sag erftaunt, „beit Meinen Stagnet ald Sug^aud voranfdjtcfen, Wägreitb jwei faule Sdiliitgel, wie 3gr uiib idj, füll; liegen, um ju fegen, Wad fte für ein Sanb antgun wirb? (Sge iri) bad jugebc, will icg —" „@d ijt bad flügjie, Dufel," unterbrach igu bad goeggetjige Stäbegen, „unb ich gäbe nidjtd ju fürdjten. Äein (S^vifi wirb auf ein SfBeib, wetdjed er allein auf fid; gufomnten ftegt, Setter geben unb meine ©egenwart Wirb ald eine Sürgfcgaft friebliegcr @e|tn; nuugeu gelten. Saßt mich »orangegen, wie SlrroWgeab Wünfcgt, unb ed wirb alles gut werben. Sir ftnb bis fegt uitbemerft geblieben, unb Werben bie Srentbeit, ogtte Unruhe ju erregen-, überrafegen." 15 „®ut," erwiebctfe 9(rroWt)eab, welcher feinen Söeifalt über ätlabet« aJiiitl; ltidjt uertjetjtte. „®ie ©adje fielet fo gar ltidjt feeittänitifd) an«," antwortete (Sab, „aber ba wir rer in bettäßälbern fiitb, fo Weif ja 9tiemaitb barunt. 9Betiit bu gtanbft, 3)tabet —" „Oufet, idj »er|W)e. @« ifl fein ©runb »orljanben, für mid) Seforgitiffe gu liegen. Unb Wäre es and), 3f)r fei)b ja naf)e genug, mid) ju befdjüjseit." „®ut! aber nimm eine uott ben fßijiofen mit, beim —" „Siciti, idj oertaffe mid) beffer auf meine Sugeitb mtb meine ©djwädje," fagte ba« SMäbdjen tädjetnb, iitbep eine augeubiidtidje Stufregung bie garbe iljrer Sßaitgeit ertjötjte. „Unter djrifltidjeu SJtänncrn i(t itjr Stnfyrudj auf h r evreicfit. Sei ben graitjofen unb beit Wothhäufcn auf ber anbern ©eite beb gropeit ©ee’b hcifP ich La l° n g'* e Ca ~ rabine, bei ben Stopifanern, bereu Stamm, fo viel von ipitt noch übrig ip, ein gutgepnnter unb aufrichtiger ip, bin icf; hatofjepe, inbep bie ©rnpfien unb Seiger auf biefer ©eite beb SBafferb mich ptfabpnber nennen, iveil eb befamtt ip, bap ich nie bab eine (Snbe einer gäprte, mochte eb bie eineb Stingob ober bie eineb meiner .fjülfc Bedürftigen greunbeb fevjtt, »erlor, iventt ich bab anbetc get futiben ^atte." @r brachte bieb Slfteö nicht in btahlcrifchem Shtte, ivo^t aber mit bet treuherzigen 3it»erftcht eine« IDtanneb »or, ioelcher ivo!;I üntpte, bap et,, mochte er unter loab immer für einem Stauten befattnt fetyn, feine Urfadje Tratte, ftef; beffelbeit 51t fchänten. ®er ©nbrttcf aufSJtabet mar ein augenbltcfltcher. ©obalb fte ben festen Seinatnen gehört hatte, fchlug fie bie §änbe lebhaft jufammett «nb mieberf)oIte bab SBort — „fPfabftnber!" „@o nennt man mich, juttgeb gtauenjimmer, unb mancher grope §err ift ju einem Sitel gefontmen, ben er nicht fjatb fo gut »erbieitte; obgleich, loettn ich bie 3 BaI;rt;eit fagen foll, ich mir mef)t barauf eiubifbcn möchte, meinen SBeg ju ftnben, too fein 5 fJfab ijl, alb einen 51t fxnbeit, ber »or mir liegt. 916 er bie regulären Stubben nehmen eb nicht fo genau unb loiffen rneift feinen Unterfchieb ju machen jloifchen einem ffJfab unb einer führte, obgleich fte ben einen »or Singen haben, unb »01t ber aitbern toenig mehr alb ber ©erttch »orhanbeti ift." „@o fet)b 3 h* bet Wrettttb, ben mein Sater uttb entgegen 51t feitbett »erfbrochen hat?" „SBenn ©ie Sergeant ®unhantö Sochter finb, fo hat ber grope $robhet ber ®elal»aren nie ein mahreteb SBort ge; fbrochett." „ 3 ch Bin SOlabel, unb bort, hinter ben Säumen »erborgen, ift mein Dnfel Safs unb ein Subeatora, Stamenb Slrrotoheab. SBit hofften (Such erft in gtöperet Stätte beb ©ee’b 51t treffen." „Sch münfehte, ein beffet gejtnnter Snbiauer toure euer Rührer getoefen," fagte ber Ißfabftnber; „benn ich bin fein greunb ber Subcarorab, bie immer jn toeit toeg getoanbert ftub uott ben ®räbcrn ihrer Säter, um ftcl) beb gtopen ©eijteb noch 8 U erinnern, unb Slttoto; heab ift ein ehrgeiziger Häuptling. 3 jl ®eto of Suite bei ihm?" Set ÜJfabfitrter. 3 . 3[ u fj, 2 18 „©eiitSBcib Begleitet unö. ©ic ijl ein bcmütlfigeb unb faitfteb ®cfd;öf>f." „Unb ein treueb foetj oßenbrein, loab ntcl;t ijl, alb man Don 9 lrromt;eab rüpmett tatm, meint man it;u fennt. Otuit gut! mit ntüjfeii beit ®efäl;rten neunten, mie ilfit bic ffiorfcßtmg ttitb gibt, iitbep mit bet f$äl;tte beb Sebcttb folgen. 3d; glaube, bap man einen fcTjIecfjtevcn SBeglucifet ^ätte fittben tonnen, alb beit £ttbcarota, obgleich et ju »icl Stingoblut l;at fut einen Staun, bet ftctb in bet ©efellfcBaft bet ®elamareit lebt." ,,©b ijl oielteidft ein glücf(id;er 3ufall, bap mit gufamntens getroffen ftttb." „3n jebem galt teilt unglücflitf;cr; beim id; I;abc bem ©er* gcantcit nctfproößen, feilt Äiitb mol;tbet;alten in feine ©aritifoit 51t Bringen, unb menit id; barüber ju ©tuttbe gcl;ett ntüpte. 9 Bir l;offten, ettd; ju- treffen, eTje il;r bie aBaffctfälle erreicht, mo mit unfer eigetteb Gfaitoe gclaffeit Ifabctt; bod; mit badeten, il;r mürbet eud; nid;t barob grämen, metttt mir einige Steilen meitet f;craiiffänten, um im 9 totl;falle ju cuetit ©icitfleit ju fet;n. @b ift itbtigenb gut, bap mir cb traten, beim id; jloeifle, ob 9 ltroml;cab bet Staun ift, butd; bie Strömung 51t fahren." „ßiet tommt mciitOntel unb bet Subcatora; ttnfcre fßarttjicen tonnen ftd; bat;cr jefct oeteinigcit." 9 Kb Stabei gceitbct I;atte, tauten Saf» unb 9 (rtomt;eab uät;et, beim fte fabelt, bap bie $erl;anbluitg freimbfd;afttid; mar. ©iitige SBorte genügten, fte von bent, mab babStäbdjen 001t beit gtetnbcit erfaßten t;atte, injtenntnip 51t fejsett. ©obalb bieb gefcßeljen mar, begab ftd; bie ®efcllfd;aft 51t beit Smeieit, meldje rül;ig bei tt;rem tfeuer geblieben mareit. 19 3umtc« Äapitcl. ©o lange ltirtjt bcin .geiliglljum cnttoci&t Unb batmloä bir fein Opfer flreut, * Statut! ®ein ärmftcr ©ob«, 3fl er ein Siirfi, ber (frbe Segen 3ft auSgeftieut auf feinen Sßegen, ©ein ©i (5 ein SBolfeiUljroti. SSilfon. 3Pcr 2>JoT;tfcin fugt fort gtt cffcit; ber jWeite Weige SKauti jeboeg ergab ftef;, unb itagtit »or SPtabel ©Ungarn Ijöflicf; bie SDtiige ab. (SS iuat ein junger, gefmtber, fräfttger SDtann unb trug einen Slitjug, bev, obgleich Weniger ftarr geWerbSmägig als bei beut Dnfet, in igm beit ScgiffSmann iticgt »erlernten lieg. 3tt ber ©gat gub aueg bie Seeleute eine »on beit übrigen 3>tcufcgeit gaitj «er; ftgiebene «Klaffe. 3gte Sbeeit, igre gewögnlicge Sjmtcge, igr Slnjug, alles ift fo flrcitg bcjcicgiteitb für igteit fflentf, als SHeiitungeit, Sf'tacge uitb ©tatgt bejeitgiteitb ffitb für beit SWttfelmaitn. Dbgtcicg ber 5|}fabfinber fattin ntegr in ber ffilütgejeit beS SebcitS jiaitb, fo feglog fteg ©labet borg mit einer j$;e)ligfcit an tgn, Weltge Wogt bariit igteit ©rititb gabelt moegte, bag igre Slemtt auf biefe 3 tt; fantmenfunft »orbereitet Waren; aber Wenn igre Slttgen benett beS jungen ©laitites am freuet begegneten, fo fettfteit fte fteg »or bem ©liefe ber S3eWitnberuitg, mit Welcgent er, Wie fte fag ober jtt fegen glaubte, fte beobatgtete. 3 n bet ©gat füglteit aurg beibe eilt gegen; fettiges Sittereffe für eiitanber, WetcgeS bie Slegitlitgleit beS SllterS, ber Stellung uitb ber Steugeit igrer Sage bei jungen offenen ®e; inütgern Wogt jtt erWccfen geeignet War. „J&ier," fagte ber fpfabfinber mit einem egrltcgen Säcgelit 511 ©labet, „ffnb bie <$rcuttbe, Welcge 3gr Würbiger S3ater Sgnen entgegenfeitbet. ©ieS ift ein groger ©elaWare, ber ju feiner 3eit ein gocggeftellter ©lautt War, unb »iele ©efagren ttitb ©lügen 20 gefeßett ßat. (Sv ßat einen, für einen Häuptling ganj geeigneten, tnbiattifcßen Otaincn, beit aber eine unerfahrene 3nitge nur feiner au«}ttfpted)en »ermag, meßßalb mit ißtt and) in« (Sttglifdje über; tragen traten ititb ißn big Serpent * nennen, ©tauben ©ie aber ja itidjt, man motte bannt fageit, bajj er »errätßerifdj fei}, mie bie« bet beu Ototßßäuten jenfeit« be« @ee’« ber gemößitlidje galt ift, fonbent, baß et meife itnb fdjtait ift, mie e« einem .Stieger jientt. Slrromßeab meiß, maö id) meine." Sffiäßrettb *Pfabßitbet biefc ©orte fptadj, beobachteten ßdj bie beibeit 3nbiattet eine SBetfe mit fejien 33(tden. Saint trat ber !£tt«carora naher uitb rebete bett aitbent aitfcßeinenb mit freunbtidjen SBortett an. ,,3d) feße," ftißr ber tpfabßnbcr fort, „bie 33cgtitßung jireier tftotßßäute in bett SBätbern fo gerne, SOteijier ©ab, at« 3ßr bett ©ruß freunblicßet ©djiffe auf beut Dceatt. Stber tocit mir gerabe oont SBaffer fprcdjett — ei erinnert mid; bie« an meinen jungen grcitttb ba, bett 3a«pet SBcjlcnt, ber einige« oott fotdjen Singen »crjleßen muß, ba er feilte Stage auf bentDntario jugebradjt ßat." „greut und), (Sud; jtt fetten, greunb," fagte (Sap, ittbent er bem jungen ©itßmajferfcgtet ßcrjlid; bie §attb brüdte, „aber 3ßt mögt moßt nod) Sttandje« jtt lernen ßaben in ber ©djttle, in bie mau (Sud) fcßicftc. Sie« ift meine 9tid;te, SOtabel. 3d) ttemte jte JDtagnet, au« einem ©titnbe, »ott beut jte jtd) nidjt« träumen läßt, obgleich 3ßt »ictteidjt (Srjießnttg genug habt, e« ju erratßen; bettn td; vermittle, bap 3ßf bod; einigen Stnfprud) barauf maeßt, eilten ©ontpaß jtt berficßeit." „Ser ©runb ijt teidjt aitfjttßnben," fagte ber junge äJlamt, ittbent et babei ltnmittfüßtlid) feilt fdjarfc«, bunfte« Singe auf ba« errötßenbe SInttiß be« SKäbcpett« richtete, „uitb ich fußte ßeßer, baß ber ©djiffer, ber mit (Sutern tDtaguet ftcucrt, nie ein falfdjeö ßattb antßuit mirb." * ©tofic ©Stange. „911), 3l)r Bcbient Surf; einiger nuferer j?unfiau«btücean ijeruttt, Dttfel?" erluieberte SJtaguet fdjneli, benn fte fürdjtete eine uujeitige (Sntiotdiuitg be« bent alten ©eemantt eigentljümlidjeuSoginatiämu«, locutt man e« niefjt lieber jßebantcrie neunen loiii. „Wein, jfittb, e« iji nteljr ober toeniger 2)ieer um ba« fianb Ijetunt; ba« ifi«, toa« td) bent Uferootf fagen tuiii, junger Surfte. SWan lebt, fo gut e« gefielt totfi, mitten int ©teere, oT;ite e« ju tuiffen, eigeittiid) nur gebuibet, mödjte id) fagen, benn ba« SBajfer iji tnädjtiger ttttb in uiei größerer ©taffe vorljanben. Siiieüt ’« ifi be« Sitttfei« fein (Sttbe auf biefer SGBelt. (Sin JSerl, ber nie ©aij= tuaffer fat), bitbet jtd) oft eilt, er lotjfe nteljr ai« (Sitter, ber ba« (Saft Jöont umfegeit ijat. Weitt, nein, bie (Srbe ifi ineiter itidjt« at« eine jieittlidj grofje Sttfci, ttttb aiie« Uebrige, fatttt man mit 3Bai;ri)eit fagen, iji ©Baffer." Ser junge SDBejiern i;atte einen grofen Weffieft uor beu @ee= leutett be«£>ceait«, ttad) toeidjein er fid) oft gefeint; aber er Ijegte and; eine itatüriidje 3?erei)rung gegen bie breite Städte, auf ber er fein Sieben jugebradjt Ijatte, ttttb bie tu feinen Singen it)re eigenen Weije befafj. ,,3Ba« 3i)r fagt," antluortete er befdjeiben, „mag, loa« ba« atiait* iifdje ©teer anbelangt, lualjr fefitt; aber mir, Ijier oben, mit ben Dittario, »erei;reit ba« fianb." 22 „©ad inadjt, weil 3h* überall vom Saufe eiitgefdjfoffeu fepb," crWieberte Safe mit I;etjücf;em Sachen; „aber bort ijl feer $fab= fiiiber, Wie man tf;n nennt, mit einigen bainpfeitbeit ©djüffelit, feer und einläfet, am Staate Streit ju nehmen, ttttb id) will nur ge- flehen, baß einem auf feem Slteere ein 9Bitbbrateit nietjt gtt ©efidjt fommt. üDtcifter SBeftern, fejöfltdjfett gegen ©täbcbeit fommt in ©ureit Sagten fo teidjt ald fead ©dflajfwerben feer glaggeitfaKj Saue, unfe Wenn 3h* ein Singe haben wollt auf ihre 93eqitemlid)fett, Währeitb id; mich mit feem ipfabftitfeer unfe ©ureit infeiaitifd)ett greuttben gunt äUahle vereinige, fo jweifle id) itidjt, baß fte ed Sud; gebeuten toirfe." SKeifier ©ap t)atte mehr gcfprodjcit, old jit feiefer 3eit fing War. Sadper äBeftent achtete forgfant auf SKabetd ®efeürfittffe, unfe lange gebadete fte feem jungen Seemann feie garte unfe männliche Slufmertfamfeit, feie er it;r bei ©elegeitlieit feiefed erjten3ufamniens treffend feewiefett hatte. @r bereitete il;r and einem Saunt jiritnf einen @i£, beforgte ihr ein löfilidfed SBilbpretjtüclchen, holte Saffer von feer Quelle, unfe ba er il;r gang ital;e gegenüber faß, fo ge* Wann er burd) feie höflidfe aber freie -Manier, mit feer er feilte Sorgfalt an feen Sag legte, einen fefteit ffieg git ihrer Sichtung, grauen toüttfdfcit immer •SDitlfeigttng gtt empfangen; aber nie ijl fie ihnen fo angenehm unfe fd;meid)elt)aft, ald Wenn fte feen Sludbrucf einer iitäititlidjeit jpöflichfeit trägt unfe von einem jugenblichen Sltterd« geitoffeit bargebradjt wirb, ©er junge SBeflerit War, Wie feie Meißen, Wcldje it;re Seit fern von feer ©efeflfdjaft feed faitfteren ©efdftedftd gugebrad)t haben, entfl, einfach unb gart in feinen Slufmcrffamfeiten, feie eilten reichen ©rfajj für alte feie conventionelleu SSerfeinerungeit gewährten, Weldje Mabel vielleicht nicht einmal vermißte. ®od) wir Wolfen feie beifeeit unerfahrenen, arglofeit jttitgen Seute ihren ©efithlen übertaffen, bttrdj feie fte jtdj gegenwärtig Wollt elfer ald burdf Sorte, feem Slitdferitd feer ©efeaitfeit, befrcuitfeen fouittcn, unfe fchreit gtt feer ©nippe guriief, in Welcher-feer Ditfel, mit feer 23 aitntapeitben SJertrautidjfeit, Welche ihn nie ocrtiep, Bevettö eine 6®u))tf>erfon geworben Uhu. ®ie ©efetifctiaft Tratte ftd) um eine gttnt gemciitfchaftticheit ©eBtaitche aufgefleftte ©chitffel mit SiBifbbretflücfen niebergelajfeit, unb itatitrfich trug bie Unterhaltung baS ctjavaTterifiifch>e ©efwäge ber babei Befheiligten Snbisibiteit. 35ie Snbiaiter Waren |ii(t unb entftg; ber 3fßi(bi.'ret«9fbbettt bei - ureiitgeBorneit Stmerifaner fcfjieit itnftiüBar. ®ie gwei Weißen tDtänncr Waren mittt;eitcub unb ge« [brüchig, gefchwäpig fogar, unb Beibe ftarrjtnnig in ihrer 3Beife. ©a jebi'dj bie Unterhaltung, Welche fte führten, beit Seferit mit manchen $h a ^f at h c n Mannt machen faitit, Welche gitnt Beifern 33er« ftänbniß ber nachfolgeitben ©rjähtuitg Beitragen, fo wirb es geeignet fehlt, biefetBc nicht jtt ABergehen. „3aft tljren SSerftaitb in bte Klemme bringt. ©S ift loaljr, ber Sergeant ift ttt feinem SSeritf gcftiegcit, mtb man fagt, baff er ein bebeittenber Staun tut gort fei); aber fein armes SBeib IjatS nidjt erlebt, alt bas jit fel;cn, beim es tji nun fdjon an oierjel)it 3«t)re, baf fte tobt ift." ,,©eS Solbatcit Sentf tji ein etjteitloertljet S3entf, uoraitSgefeft, baf er nur auf ber Seite beS 9ted)tö fäntfift," cittgegitctc ber fßfabfinber, „itnb ba bie granjofeit immer fdjtcdjt ftitb, mtb Seilte geheiligte Stajcftät mtb biefe Kolonien immer red)t tjaitbetn, fo beraubte id), baf ber Sergeant ein eben fo gutes ©eloiffeit tjat. als et einen waderett (Stjarafter be(tjjt. 3d; fcfjHcf nie fußet, ats Weint id; einen .Stambf mit beit 2)tingoS auSgefodjten f;atte, oBglcicfj id; es mit gmn@rimbfa£ gentad;tt;abe, flets wie ein Weißet ©tarnt, unb nie Wie ein Snbiaiter gu fämbfen. ®et ©erbeut ba fjat feine @eWoT;itt;eitcn, unb id; bientcittigett; ttttb bod; t;abeit wir fo manche Satjrc ntiteiitaitbet ©eite an ©eite gefotzten, oI;tte baß einet beut entbeut feine SBeife »erbaefite. 3d; ergäßte tßtit, baß es, troß feinet Stabitionen, bod; itut einen fMtttmct utib eine Jpöffe gibt, obfd;oit bie Sffiege gu beiben vielfältig jtitb." „®aS ift vernünftig, unb er mufi Gsttd; glauben, obfdjon id; bettfe, baß bie Sßege gut testeten ntetfl auf bent trodenen Cattbc liegen. ®aS ©teer ift, Wie meine atme @d;Weßer gu feigen pflegte, ein OtetnigungSott, tutb ntait ift außer beit Stöegen bet ®erfud;uitg, Wenn man außer bet @id;t beö SaitbeS ift. 3d; gteeifte, ob man eben fo »iet gtt ©uitfteit Suter ©eeit ba oben fageu tarnt." „3d; Witt einrüumen, baß ©täbte uttb Siitßebelungeti gut ©ttttbe verleiten fönnen, aber ttitfere ©ceit fiitb von ben tlrwütberit begräitgt, ttttb man fiitbet jeben Sag eilte Stufforberung gut Seteßritng ©ötteö in einem fold;eit Sembct. grettid; muß itß gitgebeit, baß bie 33teit; fdjeit, aud; in bet Sffiitbitiß, nietjt immer btefefbeit ßnb, beim bet Uuterfdjteb eines Sttiugo unb eines ©elaWareit liegt fo auf ftaeßer •§attb, toic bet beS 2)toitbcS tutb bet ©oitite. ®od;, id; büt ftoß, gteuitb Sab, baß mit itttS getroffen ßabett, teäte es aud; nur beß; ßatb, bamit 3ßt bem S3ig ©erbeut ergäßtett föltut, baß es aud; ©eeit gibt, iit teetrtjeu fatgigeS äBajfer iß. 9Bir ßttb, fett wir uns lenneit, ftets giemtid; eines ©iititeS gewefen, unb Weint bet tDtoßifan nur ßatb fo vietfficrtraueit gu mit I;ätte, als id;gitit;nt, fo müßte er mir altes glauben, Was id; it;nt von ben ©eWoßitßeiteit itttb ötatur* gefeßeitber SÖeißeit ergäßtt t;abe. Slbct es t;at mit immer gefdjieiteit, als ob feine bet Stotßßäute bett Srgäßtungeit von ben großen ©atgfeeit unb ben aufwärts gcl;cnbeit ©ttümititgett bet gtü|fe eilten fo offenen ©tauben fdjeitft, wie es ein entließet 3Kaiut Wot;t I;abeit ntöd;te." „(Dab fommt bafycr," antmortctc (Saf' mit einem Ijcrablaffcitbcit Stiäcit, „bafi 31 jv in biefcit (Dingen ocrM;rter SBeife bab (ßfetb beim ©djmanj aufgeräumt Ijabt. 3 I)t I;abt (Surf; (Sure ©een ltitb ©tromfd;mettcit alb bab @d;iff, itnb bab ©teer mit feiner (Sbbe unb glitt!; nt« ein (Boot gebaut. SBeber Slrromljeab nod; bet ©er^ent I;at Utfadje, bab, mab 3§r bejüglidj bet beibeit genannten fünfte gefagt Tjabt, jtt bejmeifelit. 3dj imtft übrigens gefielen, bajj eb mir ©djmicrigfeit mar^t, bie (Stjäl;(uitg oon beit (Binnenmeeren fo gcrabejtt hinunter 511 fdjfncfcn, ttitb ltod) mct;r, baf eb Ijier eine ©ce mit frifdjcntäBajfer geben fof[. 3 dj Ijabc befiljalb meine Steife eben fo gut in bet Slbftdjt unternommen, meine eigenen Singen unb meinen (Saunten »on ber SBatjrljeit tiefer (Dinge 51t überzeugen, alb um bent ©ergeaitten unb ©tagitct gefällig jtt fetyit, obglcid; ber erjtc meiner ©djmefter ©tarnt loar, unb bie leistete mir mie ein cigciteb Äinb am ßerjeit liegt." „ 3 t;r Ijabt Unrecht, feljt Ituredjt, Steuitb CSaö, baß 3 fyr itt irgeitb einer @adje ber ©tad;t (Sotteb mißtraut," eittgegitetc tßfab; ftnber eritjt. „(Die, meldje iit ben Slnftebclmtgeit unb ©täbteit mol;neu, mögen moI;l 51t befdjräitften unb irrigen ©tciituitgeit über bie ©tadjt ©einer ßaitb fommeit; mir aber, btc mir ttnfere 3cit fo jtt fageit, iit ©einer maljrcn ©egenmart jitbringeit, feijcit bie ©adjeit anberb — id) meine iteljmlidj bie (Steifen. (Sine 9 tott;l)aut t;at mieber itjre eigenen (Begriffe, uitb eb iji redjt, bafj eb fo ift; loenit ftc and; nießt gattj fo ftitb, mie bie eiiteb SBcißen, fo batf unb bab nidjt befünimern. (Sb ftitb (Dinge, meld)e in bie meife Orbnmtg ber göttlidjeit Sßurfcßitng gehören, unb 51t biefen ftitb and; jene ©itfjj unb ©aljmaffcrfecn ju redjitcn. 3d) majje mit'nidjt an, fte erfläreit ju modelt, aber id) bettle, eb ift ©djuloigfeit eiiteb Sebeit, baratt ju glauben. SBab mid) anbelangt, fo fein icß einer 0011 betten, metdje beitfcit, baß btefelbe ßaitb, mcldie bab ©üfmaffer gentadjt ßat, and; ©aßmaffer fcßaffeit Tann." „ßalt ba, ©teifier Sßfabßitber," uitterbrarij ifjn (Safv nießt oßne 27 einige fiihe, „auf bem SBege eines gebührlichen ttttb tnämtficheit ©faubcnS Werbe ich feinem ben Ofücfett festen, fo fange ich flott bin. Obgleich ich mef)r baratt gewöhnt bin, anf bem SScrbccfe affcS veiit jn haften unb eilt fchöneS ©egef jit geigen, afs ju beten, wenn ber Dvfan fommt, fo Weip ich Woljf, bap mit gttr Seit nur fofe ©terbfiche ftttb, uttb ich h°ff e ' i. „Stuf b ent 5Dteerc affo, wenn 3h* fo woiit—maitd)e©efegenf)eiten haben, wefdje ttttS f)ier itt unferet Sßifbntf ttid)t aufjtojieu. ©einig, Wir feittten unfern föcrttf, betradjten if)it afb uttfere ttatiirfid)e S3e; fiiiitmttitg ttttb ftttb ltidjt bttrd) (Sitelfeit uub Ucftyigfeit berfef)rt. Sßeine ©aben befdjrättfett jtd) auf bett ©ebrattdj ber S3i'td)fe ttttb bab (Sr= feittten ber gäf)rte jitnt 3wede ber 3agb ttttb beb jtuitbfdjaftenb, ttttb obgfetd) id) attd) eitt Stnber fuhren ttttD bie ®abef f)attbf)aben fantt, fo barf td) mir Weitigfteitb tiid)tb barattf eiubifben. Stt biefer 93e= jtef)ttttg ifi ber junge Sabfer ba, ber ftd) mit beb Sergeanten ©odjter unterf)äft, ein gattj attbercr 93urfd)e, fo baff tttatt bott if)m fagett fantt, er atf)ute SLBajfer, Wie eitt gifd). ©ie Snbianet ttttb bie graitjofeit beb ttörbfid)cit Seettferb nennen if)u Wegen feinen ©aben (Sattsboucc. * (Sr berflef)t eb aber beffer, bab Stüber ttttb bab ©au f)anbjuf)abett, afb geuer auf einer gäf)rte aitjumadjett." „3nt ©ritttbe itittjj bod) etwab an bcn ©abett fct)n, bott betten 3h* fyredjt," fagte (Saf>. ,,3d) geftef)e, biefcb geuer hier hat mein ganjeb Seemanitbwijfen jtt Sdjattben gentaefft, 9frroWf)eab fagte, ber Stand) fomttte bon einem 93Iajjge(td)tbfeuer, uub bab neune ich mir ein Stüddjen 5pf)ifofof'f)ie, Wetdjeb bent Steuern au beut Staub einer Sanbbanf borbet bei finfirer 9tad)t itidjtb nadjgibt." „3(1 feitt grofeb ©eheimnifj, i(i fein grojjeb ©eheiutnifj," * affcv. 29 etmieberte bet ptfabßitber mit luftigem Saepcn, obgleicp er aus gcmopittct SSorpcpt ben alljulattteit SiuSbritep bcffelbeit unterbrüefte. „9ticpts iji für uns, bie mir uitfcre Beit in ber gropcit ©(pule ber SSorfepung jubtiitgeit, leieptcr, als ipre Slufgaben ju lernen. 9Bit märcit für bie Säprte mie für baß ©efepäft eines ähutbfepaftctS fo ltuploS, mie bie 2)Zuriiicltpierlein, menn mir uns niept fritp bie Äenntniß folcpcr Äleiitigfeiteu ju betfepaffen müßten. (Satubottcc, mie mir ipit nennen, iß ein fo großer $teuitb beS SßajferS, bap er ein ober jmei feuepte SjoljßücTe für nufer geucr auflas, obfcpoit soHfommcn troefcite neben ben feuchten im Hcberßüß umpctlagcit unb gicucptigfcit ntaept fepmarjcit 9tauep, maS meiner 2)tcinuug ttaep 3pt Herren ooit ber ©ee auep mijfen miipt. ’S ift feilt gropeS ©cpeimitiß, ’S ift fein gropeS ©epcimitiß, obfcpoit für fotepe, melcpe niept auf ben -&ctnt unb ©eine mäeptigen Sffiege, mit Sentitfp unb iDaufbarfeit aepteu, afteS gepcimnipoott ift." „Sltrompeab mup ein fcparfcS Singe paben, um einen fo uiu bebcutenbcn Itutcrfcpicb erfennen ju Tonnen!" „(Sr mär’ ein armer Sitbiaiter, meitu et baS niept fänntc. Stein, nein; es iß älticgSjeit, unb feine Stotppaut magt pep piitauS, menn pe niept im bofleit S3epp iprer Sinne ip. - 3ebe epaut pat ipre eigene Statur, unb jebe Statur pat ipre eigenen ©efepe, fo gut als ipre eigene föaut. (SS bauerte maitcpcS 3apr, bis iep mit alle biefe pöpeten Bmcige ber SBälberetjicpung angecignet patte; beim bie .Senntniffe ber Dtotppäute gepeit ber Statur einet ioeipeit -(baut niept fo leiept ein, als ntait ftep, mie iep betntutpe, bou bcnÄcnuts niffen ber SBeipeit einbitbet, obfepon iep boit leptcreit mcitig beppe, ba iep meine Beit meipcitS in beit SBälbcrn jugebraept pabc." „3pr fepb ein btaber ©cpitlcr getocfeit, SOteipcr ßSfabpitbcr, mie man aus Stirer genauen Äenntniß aller biefer 3Mnge merft. 3cp beitfe aber, cS müßte für einen orbentfiepenBögltng beS SttcercS niept fepmet fepit, biefe itlcinigfeiten ju lernen, menit er nur feilten -Stopf, fo mcit jufantmeitnepiitcit mill, um barauf Stept ju geben." 30 ,, 3 d) loctp bad nicht. ©er SBeipe ftitbet feine ©d)toicrigfeiteit, wenn er (Id) bie ^ertigfeiten bev 9tott)häute enteignen Witt, tote ber Snbianev, tocitu er bie 91'ege einer toetpeit fjaut gefjt. @3 liegt, toie id) meine, in ber Statur, baji feiltet »on bcibeit in bie SBeife bed attbern ooftfommeit entgehen fault." „llttb bocit feigen toir ©eefeute, bie toit gaitj mit bie SBeft herumfontnieit, cd gebe alfcnthafbcu mir eine -Statur, beim liefen biefefbe, toie bei bent ^oifänber. 3Bad mid) anbcfaitgt, fo fühle id) ntid) geneigt, baffetbe anjtmef)men; betttt id) Ijabe im 9((0 gemeinen gefmtben, bap affe Stationen ®otb nitb ©über lieben, ttttb bie mcijteu SStänncr ®efd)nmd an bettt £abad ftnbett." „©aitn fcuittSpr Seefahrer bie 9tott;f)änte toenig. öabt 3f)r je eilten oott Qsttettt (St)inefett gefetjen, ber fein ©terbelieb fingen foniite, todprcitb feilt gfeifri) mit Splittern jerriffen nitb mit SRefent jerfrfjuitteu tottrbe? todf)reitb bad fjeucr rttttb um feilten nadtcit .Körper toi'tfpcte, nitb ber Job i(;m iitd Sfttge ftarrtc? Könnt il;r mir einen Gjfjinefen ober irgeitb eilten SI;ri(ieuiitcitfd)eit ftttbett, ber biefcd fault? 3fw Werbet feinen ftttbett mit einer Stotfjfjautnatitr, mag er ttod) fo tapfer aitdfefjen, ober affe 93itd)er, bie je gebrndt worben ftttb, 51 t fefcit »erflehen." „Stur bie SBitbeit föititeit ciitanber fofd)c Ijödifdje @treid)e fpiefett, fügte (Sap, ittbent er feilten 93tid unbehaglich unter ben cttbloöfdjeiiteitbeit SEBölbttitgen bed j^orfted ttmherftreifen fiep. „Jtein lociper SÄauit iji je »erurtheift toorbett, fofd)e groben 51 t bejiehett." „Stein, ba habt ifjr mich toicber irrig »erjtanben, entgegitete ber fffabfiitber, ittbeut er jtd) ruhig nod) eilt federed ©htddjeit äBttb:= pret nfd banne bouclie audlad; „beult obgfeid) biefe Ditäfereieit nur jit ber Statur einer 9totffhaut gehören, fo utag bod) eilte locipe flaut jte eben fo gut 51 t ertragen »ermögeu, nitb toir hoben oft -ffieifpiefe baooit gehabt!" „3um ®fitd," fagte (Sap, inbent er feine Stimme ffar 51 t machen jtd) mühte, „wirb feiner 001 t ©einer Stajeflät Sttfiirteu 31 fitßcrit fctjit, fofdjc bcrbammlidjc ©raufamfeitcii an irgcttb einem Don feiner SRajeßät totalen ttntcrtfjaitcu 511 ocrfudjen. @b iß Wofjf Wafjr, id; fjabe nidjt lange in ber königlichen gfotte gebient; aber id; fjabe gebient mtb bab iß fd;on etwab, nnb an ben Haben jitgeit, an ber ß 3 efricgiiug beb geiitbeb in feinen ©djißcit nnb ©djtßöfabuitgeit fjabe id; boffcit Sfntfjcif genommen. Stbcr idj glaube, eb gibt feine fraitjößfdjcit äSifocu auf biefer ©eite beb ©ceb, mtb ioeuu id; nid;t irre, fo I;abt 3 f;r gefagt, baß ber Ontario eine breite SBaßcrßädje ift?" „ 3 a, er iß breit in unfern Singen," crwicbcrtc ber fßfabßuber, ofjnc ßdj SDliitjc 511 geben, bab Sädjcfit 51t bcrbcrgcit, baß feine fonnoerbrannten 3üge itbcrßog, bod; id; lociß nidjt, ob ifjit uid;t einige für fd;mal batten. 3'cbcnfattb iß er nidjt breit genug, beit geittb abjüfjattcit. Ser Ontario f;at jloci (Sitbcn, nnb ber geiitb, Wcfdjcr gu furdjtfam iß, über beitfelöen ju feijcit, lociß wofjf, baß er um if;it f;eruntgcf;en famt." „Sldj, bafjabcit wir’b ja, mit cuetuo—n grifdjwaßcrtcidjcit!" brummte Saß mit einem ©eufjer, ber laut genug loar, it;it fdjitctt feine Unoorftdjtigfeit bereuen jn faßen. „Hein fflicnfdj f;at je ge= I;ört, baß ein ßürat ober ein ©djiß gefdjluiitb um ein (Snbe beb atfaittifdjcu Oceanb f;crnmgefoinntcn wäre!" „ffiicffeidjt I;at ber Oceait feilte ©nbcit?" „greifidj f;at er nidjt; Weber Sitbeit, itod; ©eiten, itod; ©ruitb. ®ab S 3 off, loeldjcb feß an einer feiner Hüßcit oor Stufet liegt, f;at nidjtb jtt fürdjteit »01t beit fficWofjnetu ciiteb fenfeitigcit Sfitfct; ßtajjcb, mögen ße fo lotfb feijit, afb ße luoiictt, Wenn ßc nidjt bic Huttß beb ©djißöbaub bcß^eit. Dlciit, nein! Siebente, bieaitbcit Ufern beb atfantifdjcn SOtcercb loofjiteu, fjabcit Wenig für ifjre •§äute nnb ifjre ©cafßc jtt fürdjtcu. Sa faitn einer ßdj bod; •Jtadjtb mit ber Jpoßitung itieberfegett, am fDtorgeit feilt §aar itocfj auf bem Hoßf ju ßnbeit, Weint er nidjt eilte ßSeritde trägt." „§icr iß’b nidjt fo. Sod; id; mödjtc bab junge graucitjimmer 32 bort uidjt beunruhigen, unb id) loill bcsljalb tttdjt auf ©iujelnheitcn entgehen, obfdfon fic mir auf beit @att;boitce, lute mir il)it nennen, ju hören fdjeint. ^ebenfalls aber möchte, uljite bie @rjtet)ung, bie id) bent 9tufentl)att iit bett iffiälbern »erbaute, jc^t unter bett gegen; luärtigeit SScrhältniffen, eine Steife über ben jmifdjcn uitä unb ber ©antifoit liegeitbeit ®ruitb ein gefäl;rticf;eö Unternehmen feljit. (Si gibt auf biefer ©eite beS Ontario fo riete Srofefeit, als auf ber attbent. ©er «Sergeant hat affo feljr mot)l baratt gett;an, grettitb Sab, uns ettd) als Sßcglueifcr entgegen jtt fd)idcit." „9BaS? biirfeit bie @d)tivfeit fo nahe an beit Kanonen uoit einem ber SBcrfe ©einer 2)tajefiät Ircitjen?" „Ratten fiefj uid)t. bie Staben in ber Dtät)c eiiteS'Hirfdfgeribbeö auf, obglcid) ber SSogelfteller bei ber fjaitb ifi? ©ieJontmen eben, lucit es in ihrer Statur liegt. @3 gibt immer mehr ober lucnigcr SBcipe, meldje äluifdfeit beit Sotto mtb ben Sluftebclititgen luanbertt, unb fte ftnb> ihrer Währte ftdjer. ©er ©erbeut i(i auf ber einen unb id) auf ber attbent ©eite beS WfuffeS hrraufgcfommeit, unt biefe h«cmfftreitf)enben ©d)ttfte auSjittuubfdfaften, ittbcp SaS^er, ber ein fiihiter @d)tffet ijt, ben .Rahn heraitfbrad)te. ©er Sergeant hatte ihm mit ©brünett int Singe Silles uoit feinem Kinbe erzählt, luie fein §crj ttad) ihr »erlange, ttitb luie fauft unb gcljorfam fte fei), fo bap id) glaube, ber Sttitge hätte ftd) lieber ganj allein iit ein SDtiitgolagcr geftitrst, als bie ßSartie auSgefdjtagen." „SHUr banfen ihm —■ mir bauten il)in, ttitb luollett nun mit feiner ©ereitmilligfeit luilleit beffer Uoit ihm benfett, obfdfmt ich im ©ruttbe uermuthe, bajj er fich gerabe feiner großen ©efaljr unter; gogeit hat!" „ffilop ber ©efal)r, uoit einem Hinterhalt au« erfchoffett 51 t luerbeit, luäljrcnb er beit Kal)n burd) bie ©ttomengen bräitgte ober bei beit Krümmungen beS WtupcS mit auf bie SSirbel gerichtetem Singe eine SBenbititg ntad)te. S3on allen gefährlichen Steifen iß, ttad) meinem ©afürljalten, bie auf einem Wlttp, ber uotit ®ebttfd)e 33 *1 gefüumt ift, bie allergefäßtlicßfie, unfe eiltet fotzen ßat fteß 3aSßct unterjogen." „llitb warum, Beim ©eufcl, teranlaßte ntieß bet Sergeant, einen SBeg ton ßuitbett ttnb füitfjig Steilen in biefet auSlänbtftßett Staniet 511 ntaeßen ? ©eßt mit offene See unb beit Seitib ins ©efießt, unb icf) will eine Skriie mit ißm ntatßeit, naeß feinet eigenen Sßeife, fo lang als es ißm Beließt, auf 33uglänge obet ßiittet beit ©ntcrfcßotten; aßet erhoffen ju loetben wie eine Seßitbfröte im Scßlaf, baS ift nießt itacß meinem ©efeßntaef. SÖäre es nießt ttnt bet fleincit Staguet mitten, icß ginge augcttBliefltcß an 93otb, feßrte eilettbS itaeß fßotf jutücf unb liefe beit Ontario füt fteß felßet fotgen, mag er nun Saljitaffer ober ffrifeßwaffer ßaBett!" „®as mürbe bie Saeße nießt »iel tetBeffent, ffteitnb Seemann, ba bet Stüefmcg »iel länget unb faft eßeitfo gefäßrließ ift, als bet, beit mit ttoeß ju geßen ßaBett. ©oeß »erlaßt (Sueß barauf, mit mollcit @itcß mit ßeiler äöaut bureßßtiitgen, obet ttnfete Äoßfßäute terltereit." Saß trug einen fteifeit mit Slalßaut untwiefelten 3 oßf, inbeß bet Seßeitet feines ÄoßfeS faft faßt mar. Steeßanifeß fußt feine •§anb übet Beibe, als oB fte fteß »erfteßent motte, baß alles ttoeß an feinem geßörigcn Orte feß. Gsr mat im ©rttitbe ein Bratet Söianit, unb ßatte oft beut ©ob mit Stuße ins Singe gefeßen, jeboeß nie in bet futcßtßaren ©efiatt, in mcltßct et ißnt buteß baS jitat gebtängte aßet boeß feßt Bejeicßitenbe ©entälbe feines ©ifeßgettoffen »orgefüßrt mutbe. @S mat ju fpät jnnt Dtncfjug, unb fo entfeßlofj et fteß bentt, jum Büfett Sßiel gute Stielte ju macßeit, oßglcteß et fteß nießt entßreeßen fonnte, einige fflttcße üßet bie ©leteßgültigfeit mtb UitBefonneußeit in beit Start jtt Btuiitntcn, mit bet feilt Seßmas get, bet Sergeant, ißit in bieS ©ilemnta gefitßrt ßatte. „3<ß jlteifle nießt, Steiftet Sfabfiitbcr," ermiebettc er, als er mit feinen Sletraeßtungen jtt ©ltbe gefomtitett mar, „baf mit beit f?afcn moßlBeßalteit evteießett metben. SBie weit föntteit wir ttoeß tont ffort entfernt feßtt?" Sec Sfabfmber. 3. sjtufl. 3 34 „SBeitig mel)t als fünfje^tt Steilen, unb jluar fo fcbttellc Steilen, als fte bet Strom nur machen fann, meint uns) attbetö bie StingoS «ngeljinbett jieljcn laffeit." „Hub ich beute, baf? bie äBülbet ftch längs bent ©tcuerborb «nb SSactborb tjinjictjeu m erbat, mie Bisher ?" „2Bie?" ,,3cf) meine, bajj mit unfetu SEBcg butef) biefe Dermüufchten Saunte 31t fudjeit haben metbeu ?" „Stein, nein, 3hr merbet in beit Jtatjn gehen. ©et Dömcgo ijt burd) bie ©ruhbett ooit feinem ©teiW;olj geteinigt motben. Sßit metbeit fdjnell genug firontabmäriö tommen." „Uitb maS, junt ©cufel mitb biefe Stints, * ton beiten 3f)t fbrecht, abhalten, auf «itS jtt fließen, mcttit mir eilt Sotgebitge «ntfegetn ober bcfcl;äftigt ftttb, non beit Seifen abjujteuerit?" „©et fäett! — @t, bet fo oft Slnbern au« noch größeren ©chmierigfeitcn geholfen l)at. Dft ttttb Dielmal märe meinem ätof'f §aat, §aitt, ttnb Sille« abgefireift motben, meint bet §ett «id;t an meinet ©eite gefodfteu hätte. 3hre erfcitneit, unb nur eine Jtugel aus biefer meiner laugen S3üd;fe foititte bantals feine Äof>f§aut retten; beim fte Hafte bereit«, unb eine halbe JOtiitute fpäter märe es um feilte ätriegerlode gefdjeheit geioefen. SBeitit ntir mm ber 3)toI;ifait bie äjaitb briteft, unb mir gu berfeljeit gibt, td; hätte mid; ifynt in biefer ©adje als eilt Sreuitb ermiefeit, fo fage td) gn il;nt: Stein, es mar ber Jperr, ber mid) gu ber eiitgigcn ©teile führte, mo ihm biefeS Seib gefdjeJjen foitnte, unb bon mo aus ber auffeigeitbe Stand; mir feine Stotlj berrietf jfreitid; — als id; einmal meine Stellung genommen hatte, beeubigte id; bie ©ad;e auf eigene Sauf; beim ein Steunb unter beut !£oiitat;aml bringt einen gu einem rafdjett (Sittfdjtujj uitb gu ftfitellcr Sl;at, mie bicS bei mir ber galt mar: fottf mürbe jejät mol)l ©erjtents @cif in bent fcligeit Sanbe fcittcS SSolfeS jagen!" „Sta, na, fpfabfnbet, biefeS ©ernäfcf if fdfiiitmer, als bout S3orfcbeit bis gititt ©tern ffatfirt gu merbeit. Sffiir haben nur itod; mettige ©tuitbeit bis gutit Untergang ber ©onitc, unb es mirb befer feljit, uns Qntrer Strömung angubertrauen, fo lang eS nod) möglich if. S)tagitct, ©djä^tfeit, bif bu nidjt bereit, auf gubredjeit ?" SJtagnet fuhr auf, errötete über unb über, unb machte ihre S3orbcreitungeit gitr unmittelbaren SBeiterreife. @ie hatte boit ber. Unterhaltung ber beibett feilte ©tylbe gehört; beim ©ausbouce uns tcrtjielt it;r Dl;r mit einer S3efd;reibuitg beS gort«, loeldjeS baS Siel ihrer Steife mar, mit-Gsrgähluitgcit bon ihrem SSater, ben fe feit ifrer ätiitbheit nietet mehr gefeheit hatte, unb mit beit Sitten unb ©ebräudjeit berer, mcldje bie (Sräitggaritifoiten bemohnteit. Uitmiflführlith h»tt«t fcf ihre ©ebentfen gu fefjr in biefe (Segens fättbe bertieft, als baf bie ntiitber erfreulichen, metd;e bor ihren 9tad;barn beffirodjeit mürben, ifr £%' hätten erreichen föititen. ©er Särnt beS SlitfbruchS madjte biefer Unterhaltung ein @nbe, 36 unb in wenigen S)tinuteit war bie gattje ®efc(lfd;aft fammt bcnt wenigen ©ebäcfe bet Äunbfrfiaftct ober SBegWeifet juni SlBjuge Bereit. ®I;e fte jebod; bie ©teile »erliefen, faiitmelte fßfabfinbet, jut großen SctWitnbctuitg feinet ®efät;rten, eine Partie 3weige itnb Warf fte auf ben glintmenben Stejt beb geuetb. ®abei ttal;m et batauf 33ebad;t, einige feud;te holjftütfe batuntet ju mengen, um ben Stand; fo bunfet unb btdft alb nut möglich 51 t mad;en. „Sffienn 3I;r Sure gäl;rte »erbergctt fönnt, Sabfter," fagte et, „fo wirb bet Stand; auf bem Sagerblafs elfer Stuljen alb ©dfabcn Bringen. SBenn ein SDufcenb SJtingob ittnetlfalB jeljn SWetteit »ott uns ftd; Beftttbett, fo werben einige babott auf ben hälfen ober in ben Säumen ftd; aufifaltcn, uttb nad; Stand; umfet;en. (Srblidett fte biefett, fo mag et ilfiteit Wolfl Befommen; tutfete UeBetBleiBfel ftnb irrten gegönnt." „916er fantt er fte itidft »etattlaffett, ttnfete @futr jtt berfol; gen?" fragte Säblet, beffen Seforgttijfe übet bie ®efäffrlid;feit ilfrer Sage fett feinem 3ufammentrejfen mit SOtagnet Bebeutettb erlfölft worben Waren. „5ßit Baffen Bib juttt gtuff einen Breiten tPfab jutiicf." „3e Breitet, bejio Beffcr. SBctttt wir bort ftnb, fo Wirb cb üBcr bett ^orijont citteb liftigen SJtingob gelfen, 51 t fagcn, ob bet ölalfn aufwärtb ober aBwärtb gegangen ift. SEßaffcr ift bab einzige in ber Statur, wab bntdjaub jebe gälfrte »crmifdft, unb bod; tf;ut cb and; bab SBaffer nid;t immer, Wenn bie SBitterung fd;arf ift. @et;t 31ft ntdft, Sauüouce, baff bie SJtingob, wenn fte ttnfete ©Bur unterhalb ber gälte Bemerft IfaBen, ftd; gegen biefett Stand; I;eraufjiet;en uttb baraub ben natürlichen <3d;Iufi abteiten Werben, biefettigen, Weld;e ftromaufmärtb gegangen ftnb, Werben and; firomanfwärtb ihre gal;rt fortgefcjjt Tjabett? SBetttt fte etwab Wifi fen, fo wiffett fte nur, baff eine Partie bott bem gort attbgei gangen ift, unb ftdfer Wirb eb ben SEifs eitteb SJtingob überfieigen, fich jn betitelt, baff wir nur um einer Sujtyartie Willen, bett nämtidjcit ©ag Ijiefjev ttub mieber }itrücT — ltnfere JTobfhäute in ©cfahr gefegt h«ben." „jfreitidj," berfchte Setter, metdjer ftd) beifetts mit bent 5|3fabs ftttber befprad), mährettb fte it)te Stiftung gegen bie 9Bittbgajfe Itirt cinfdjtitgeit, „fte Tonnen tiidjts »ou beS Sergeanten Sottet miffen, bentt in Sejietjung gnf fte mürbe baS größte ©eljetntnig beobachtet." „Uttb hier fetten fte nichts erfahren," ermieberte tpfabftitber, in» bent er feinen ©efäljrten uerantafjte, forgfätttg in bie ©buten »on tbtabets fteiuein Süfje 51 t treten, „Wenn nicht biefer alte ©alsmaffers ftfeh feine Dtidjte in bet SBittbgaffe hentingefüht't f;at, mie eine alte .fjirfdjgais it)r ötiheben." „(Sin 33od, meint ihr, tDteifier tpfabftttber." „3ft er nicht ein Querfobf? 9tun, ich fatttt mohl Jbamerab= febaft machen mit einem ©djiffer, mie ihr fetyb, ©atubottce, uttb finbe nichts befottbers konträres in unfern ©abett, obgleich ftdj bie Smern mehr für bie ©een, uttb bie meinen für bie SBälbcr eignen; aber mit bicfcitt — t)ü*t/ 3 aSf>er," fuhr ber Öbitubfcbafier mit feinem gemotinten tontofen Sachen fort, „ich meine, mir fottten ihm bodj baS ©ernehr rüfttiren, ttttb ihn über bie jfätte fließen taffen?" „ttnb maS in ber 3mifdjeitjeit mit ber artigen DTidjte attfangeit?" „9titn, it;r braucht beßljatb Teilt Setb jtt miberfahren. ©ie muß jebenfatts auf bent ©ragemeg um bie gälte gehen. Slber 3 h* uttb ich Tünnen biefett attantifebeu DceaitSmenfcheit auf bie tfrobe fietten, uttb bann merbett fiel; mot)l alte tpartieen bejfer mit eins anber befrettttbeit. Stßir motten attsftnbtg machen, ob feilt ©tein geuer gibt, uttb er mag ctiuaS nett ben Streichen ber ©räujteute erfahren." ©er junge SaSper lächelte, bettn er mar einem ©djerje nicht abgeneigt, um fo mettiger, als ©aft’S Shtmaßnitg ihn unangenehm berührt hatte. Stber -Btabets fchöneS ütntlif}, Ifme leichte beljenbe ©cfiatt uttb ihr gcmiittteitbes Sächettt ftettte ftdj mie ein ©djilb jmifdjen ihren Dttfel uttb bett beabftdjtigten Sücrfttch. 38 „(ßielleidjt wirb cb beb Sergeanten ©odjter erfdjrcdeu," fagtc er. „®ewiß nidjt, wenn fte etWab oon beb Sergeanten ®eijl in jid) t;at. Sie ftetyt nid)t au«, alb ob fte ein jimpferlicfyeä ©ittg Wäre. Ober laßt ntid) allein machen, id) Will bie Sadjc fdjon burdj führen." „Stidjt 3l;t allein, ipfabjtnber; ißt würbet beibe mit einatt= ber ertrinfen. SBenn ber Jtaljn über bie Sülle geßt, muß id) babci fci)n." „®ut, fei) eb fo. (Sb bleibt alfo bei ber Uebereinfitnft." Sabber nidte läd)elub feine Suftimmung, itub ber ®egen(tanb War abgemadjt, alb bie ®efellfd)aft bei bem met)rerWäljnten Jta^nc aitlangte. SBeniger SBorte Ijatten fd;oit über wid)tigere ©titge jwifdjen ben Ißartieen cntfd)ieben. ®rittc$ Äapitcl. ®b’ tPfbug unb Jtarfl auf biefen Setberit galt, S(»Ü uatt jum SRanb beb Stromes äßeilc, Unb bur<§ ben frifc^en weiten ÜSate (ürflang ber SBaffer @($o bette; Ser SSalbfltom brauste, S8üIed;t gcljört itidjt ju meinen eigentlichen @aben. 3dj bin überjeugt, bafj be« ©ergeaittcn Sodßer mich nicht für einen foldjeu Stenben hält, ber feine Sufi an ©tenfdjeublut I)at!" 9tad) biefer fflemertung, metche I;atb fragenb gentadjt mürbe, btidte ber ßSfabßuber hinter ftth; unb obgleich fetbß ber barteiifdjße greunb feine fonnoerbrannten, garten Siige taum fdjön nennen fonnte, fo fanb bod) Sttabct fcinSächeln, feinen gefunben ffierßaub unb bie 9(ufrid)tigfeit, bie au« feinem ebrlidjcn ©eßdjt leuchtete, fcT;t anjiet;enb. „3d; glaube nicht, baß meinSSater einen Sßaitn, mie iljr ißu bejeichnet, au«gefd)iät l;ätte, feine Sodjter burdj bie Sffiitbniß jit ge; leiten," antmortete ba« 9Räbd;en, iubem ße fein Sädjeltt, fo freimütl;ig al« e« gegeben mürbe, nur mit ctma« meljr Stnmutß ermieberte. „(Sr hätte e« nicht, nein, er Ijätte eö nicht getßau. ©et ©ergeant iß ein SJtann »on ®efüßl, unb mir haben gufammen manchen ültarfd) gemacht unb manchen .Kampf au«gefod)ten — ©djultcr an ©djutter, mie er e« nennen mürbe — obgleich ich mir bie ©lieber immer frei gehalten habe, menn ein granjofe ober fDtingo in ber Oläße mar." „@o fei)b 3 h»' alfo ber junge jfreunb, »on bent mein SBater fo oft in feinen Sriefen gefprodjen hat?" „©ein junger greunb — ber Sergeant iß gegen mid) um breißig 3 al)te im Sßortßeil, ja, er iß breißig Saßre älter al« ich, unb nun eben fo lange mein ä?orgefe| 3 ter." „3n ben Singen bet Sodjter moßl nid)t, ffreuub ßSfabßubet," marfSaß ein, beffen 8 eben«geißer mieber rege gn merben begannen, 43 al« er SBaffet «nt ftd) ftiepen fap. „®te breijjig Sapte, beten 3 p't erwähnt, merbett »oti ben Singen eine« netinjcpnj|äprigen ätläbcpen« fetten a(« eilt S3ortr>eiI betraeptet." ättabef errötpete, mtb mäpreitb fte ipr ©eftept von beit int SBorbertpeit beö Jlapnc« beftitbficpen fßerfoncit abmenben moitte, Begegnete fte bem Betonnbernbeit Sßlicle be« litngen JDtanne« mit ©fern. 9(1« lepte 3ttffucpt fenfte fte nun ipr fanfte« bfatte«, au«* brttcf«»of(e« 9(ttge gegen bie 9Baffetffäcpe. ©etabe in biefem 9tugen* bttef ffpmebte burep bie öaunireipe ein matter, bitmpfcr ©on, ge* tragen vott einem leichten Shtftfirome, mefeper faitnt ein Äräufeftt auf bem SBaffer peroorbraepte. „Sa« fliitgt angenehm," fagte ©ap, mtb fpipte bie Dprctt gleicp einem fSititbe, ber entfernte« 93ef(eit pört. „©« ifl nur bet gtup, ber eine pafbe Steife unter tut« über einige Reifen fiiirjf." „3fi ein galt auf bem Strom?" fragte Stabef, iitbent fte ltocp pöpet errötl;ete. „SerSeufef! Steiftet ^ßfabftnber, ober 3pr, .§err ©au*bouce," (bettit fo Begann Grap Sa«pent in ber oertraufiepen SBeife ber ©rünj* teilte git nennen), fonntet 3pt bem Äapn feinen Befferit ©trief) geben unb (Sud) itäf)er an ba« Ufer galten? Siefe SBaffetfätte I)aBeit gemöpttfiip ©ttomfepnetteit über fiep, unb ebenfo gut föitnteit lvir int« bem Staelfiront * af« iprent ©äugen anoertrauen!" „SBertaft ©uep auf mt«, vertafft (Sucf) auf un«, grcititb ©ap," antmortete ber fpfabfinber; „mir ftnb jloar gtiffpmaffetfcpiffer, ttitb ifp barf mir iticpt einmal auf biefeS viel ju ©ute fpun; aber mir feinten bie Strömungen unb bie SBaffetfätte, unb mäprenb mir barüber gepeti, metbeit mir tut« Stiipe geben, nuferer ©rjiepung feine Uneptc 5 « ntaepen." „Saritbergepen!" rief ©ap. „ 3 unt Seufef, SDtenfcf;, 3 pt • Sin ®cer|lrubet jnjife^tn ben Aliopeit Storungen« in ber Stäbe ber Sclfenttifet -Btoäfoe. 44 Werbet’« (Such bod; nicht träumen (affen, über einen ©afferfatt jtt fahren in biefer 9tupfd)a(e ooit Sarfe?" „®cWiß, bcr ©eg gel;t über bte <$:ä((e, nnb eS ift ttiel (eidfter, über biefe wegjitfdfießeit, al« ben jfa(;n auSju(abctt, nnb ißn fammt feinem Sitßalt jn hanb eine ©eite ©cg« l^erumjutragen." ©abc( !e()tte ißr erblaßte« Stntlil^ gegen ben jungen ©aitn am (Sterne be« .RalfneS, beim gerabe je^t Tratte ein feifcfycr Sitft- ftrmn ba« ®etöfe bet §ä((e auf« Seite ju ißren £>l;rcit getragen. (Der Tun fonnte witllirf) Sprechen erregen, ba nunmehr feine Urs farfje bclannt War. ,,©it bauten, bie grauen nnb bie beibeu Sitbianet alt« Saitb ju fcjsen," bemerfte Saößer rußig, „tttbeß mir brei weißen ©äitner, bie wir an« ©affet gewännt finb, ba« Soot fußet barüber Weg= führen, benn wir jtitb fdjon oft über biefe gätte geftfjoffeit." „Uttb wir jäßten auf ©item Seijianb, $reuitb Seemann," fagte ber Sfabfütocr, inbem er 3a«t>etu über bie 5(d;fe( juwinfte, „benn 3ßr feßb be« ©eKeitjhtfje« gewohnt, unb Wenn itidjt einer auf bie Sabuitg 9(cßt I;at, fo möchten alle bie feinen Sachen ber (Eodjter be« Sergeanten in bcr gtußwäfdfe jit ®runbe gehen." Sah War oerwirrt. (Der ®ebanfe, übet bie 3ät(e j U fahren, erfeßien feinen Stngen oieKeicht ernfifjafter, als er beiten, Welche mit ber Rührung eine« Soote« gänjtich unbctauitt waren, oorfommen mochte; beim er fannte bie SJlacht be« ©lemcnte« unb bie 9lath= (oftgfeit be« ©citftfjeit, Wenn er ber ©utß beffelbeit auSgcfcßt ift. Sein Stolj emhörte ftd; aber gegen ben ®eban!en, ba« ffloot jit »erlaffen, a(« er faß, mit Welcher ffeftigteit unb 9tuße bie Stübern barauf beftanbeit, ben ©eg auf bie bejcicßitete ©eife fortjufeijen. Ungeachtet biefe« ®efüßl« unb feiner fowoßt angebonteit a(« erwors betten ffeftigleit in ©efaßreu, Würbe er übrigen« feilten ißoften Walfts fcf;eiitlitf; benitoch oerlaffcn (fabelt, Wenn feine fßßaittafte nicht oon ben Silbern ber auf Stalle laueritbeit Subianer fo gattj I;tnge»tffen ges Wefen Wäre, baß er beit ätaßn geWifferntaffen al« eilt Slfßt betrachtete. 45 „SBab fängt man aber mit Stcignet an?" fragte er, atb Me Zuneigung ju feiner SticpW neue 0etoiffenöfcrufpei in ipnt aiifjleigeit fiep. „3Bir föititcn fte botp iticpt aub Sani fcjseit, Wenn Snbianer in bet Stäpe ftub ?" „Stein, lein üDtingo wirb fiep bent SrageWcg nähern; beim bieb ift ein Drt, ber ju offen ijl für ipre Teufeleien antwortete pSfabfmbet jitocrftcptlicp. „Statur ift Statur, itnb eb gcpört jur Statur beb Sitbiancrb, fitp ba ftitbett ju taffen, wo er am Wcttigjiett erwartet wirb. Stuf befutpten ipfabeit fiat man ipit niipt 51 t fürchten, beim er wünfdjt immer unborbereitet ju überfallen, unb bie Scpnfte macpcn ftcpb pr Sprenfacpe, ipre (Segnet auf einem ober bent anbcnt Sffiegc 51 t täuftpeit. Strcicp ein, Savuboitce; wir Wollen beb (Sergeanten Socptcr am Silbe jeiteb Sknmfirunteb lanbeit, auf bent fte trottelten gupeb bab Ufer erteilen tanit." ®ie (Sinlcnfitug gefdjap, unb in Wenigen SDtinuten Ijatte bie gaitje ©efellfcpaft, mit-Sfubnapine beb Ißfabftnberb uttb ber beibeit Seeleute/ beit Äapn »erlajfcit. ttngeacptct beb Stoljeb auf feilt ©eWerbc Würbe jebocp ©ap freubig gefolgt fepn, wenn er ftcp niipt gcfcpeut pätte, in ©egenwart ber beiben grifipwafferfcpiffer eine fo unjWeibeuttge ScpWäipe an ben Sag. ju legen. „3cp rufe alle ju Seugeit an," fagte er, atb .bie ©etanbeten ftcp jttnt Slbjuge aitfcpicften, „bap id; biefe gaitje Sacpe für Weiter nid>tö anfepe, atb für eine Äapitfaprt in ben SBälbent. @b gilt teilte Seentannbfuitfi beim Jpinunterfiürjen über einen SBajfetfatf, uttb eb ift eine föetbentpat, bie ber unerfaptenfie Schlinget fo gut Wie ber ültefie SWatrofe befielen tarnt." „Stein, nein, 3pr pabt iticpt ttötpig, bie DbWegofälte ju »er* aepten, benit Wenn fte fcpoit feine Stiagarab, ober ©eneffecb, ober Ctapoob, ober ©lennb, ober fonflige gälte ©aitabab ftttb, fo fütb fie boep immer fiart genüg für einen. Steuling. Saft beb Sergeanten Socpter auf jenen gclfett fiepen, unb fte wirb fepen, wie Wir tut; Wijfenbe öiitterWälblcr über eine Scpwierigteit ptngepett, unter ber 46 Um* nidjt ivegfontmen lönnett. 9hm, (Sau=bonce, fcjle ßattb ttttb ftdjcte« 9(ttge, beim alte« Hegt auf (Sud;, ba, loie id; fc(;e, SJteifter (Saft für nicht« lueiter, al« für einen ©affagier jn rechnen ift." 9(1« er gceitbet Tratte, vertief ber .Kahn ba« Ufer. (Kabel erreichte mit fdmeltcnt mtb jitternbem Schritte beit ifr bejeidfiteteit Seifen tmb f»rad; mit ihrer (Begleiterin über bie @efal;r, iniuetcfe i(;t Dttfel ftd; fo uunütfiger SBeife begeben fatte, iubef il;r ©Hd nuvcrlvaubt auf ber bcfeubeit uitb träftigen ©eftalt von (Satuboitce ruljete, loeldjer aufrecht in beut ©tcrit be« leidsten ©oote« ftanb unb bie ©clueguitgcirbeffelben leitete. 9(1« fte febod; bie ©tette erreicht t;atte, lvo ftd; iljr bie 9(tt«fid;t über beit ©afferfaK öffnete, (tief fte einen unün([fül;rtid)en aber uuterbrüdten @d;rei au« uitb bebedte ftd; bie 9(ugett. 3ttt nüdfften 9(ugeubtid lief fte aber bie -föanbe (riebet füllen, unb nun'ftanb ba« fittgetiffeue 3)täbd)en ttn= bctneglid; toie eine ©tatitc tmb beobachtete mit »erhaltenem 9(t()em, lua« »erging. $te jlv»ci Snbiattcr festen ftd; theitnahmlo« auf einen ©aitmjiantm, latmt gegen ben Strom hiubltdeub, iubef 9(rrotot)cab’« SBeib ftd; (Kabel näherte unb auf bie ffletoegungett bc« jbaljitS mit bentfelbeti Sntcrcffe jit adften fdfiett, mit l»eld;em bie ©lide ber ölitiber beit ©»rttttgen eine« ©autler« folgen. 9((« ba« ©oot in ber Strömung luar, faul ©fabftttber auf bie Öbttiee uitb fttl)r fort jtt ntbetn. (Sr tl)at c« bod; nur (aitgfam unb itt einer SBetfe, locldfe bie ©entüt;ungen feine« ®efäl;rten nicht beeinträchtigte, fiefterer fiattb ttod; aufrecht, ltttb ba er fein 9(uge auf trgettb einen ©egcttfiaub jettfeit« be« Saite« gerichtet hielt, fo loar e« attgenfdfeiulid;, baf er forgfäUig bie für il;re ©affage ge= eiguetfte ©teile au«f»ühte. „(Keift Sfßefi, Sttttge! mehr Sißeft," brummte ©fabjütber; „ba (uo ihr ben äßafferfdfattm feft. ©ringt ben ©iffel ber tobten (Siche in eine Sittie mit bettt ©tantnt ber bürten ©chierliugötaune." (Satubottce gab feilte 9(nttoort; beim ber Äal)u (»ar itt ber (Kitte be« Stufte«, mit bent ©dfttabef gegen beit Sali gelehrt, uitb fing 47 . mm an, feine SBemegitngeu ju Befdjleunigett, ba bie ®ema(t bei; Strömung jtd) nteljrte. 3u biefent SlitgettBlicfe mürbe (Sab mit grettbeit auf alte ruhmvollen 9lttfbrüd)e, bie er Bei biefer Unter; nctjmung ertverben foititte, verjid)tet l)aBeit, meutt er nur mit heiler 6 aut hätte baS Ufer erringen fömten. (Sr l)örte baS ®etäufdj beS SBajfcrS mte ein entferntes Sönnern, mcldjeS immer lauter nitb bcutlidjer mürbe, unb vor ftd) fafj er eine Sinie beu 2Batb burd); fdjitcibeit, in melier baS erjüntte grüne ©(erneut ftd) 51 t meitett unb jit leuchten fd)tcn, als oB es eBeit im 93egrtff fei), bie (Slemetitc feines 3ufammeit'()angS 511 jerftören. „hinunter mit (Surem Steuer, hinunter mit (Surem Steuer, 2 )teufdj!" rief er aus, unfähig feine ©eängftigung länger ju unter; brüdeit, als ber jtal)ii auf beu Staub beS galleS loöglitt. „ 6 a l;a, hinunter get)t es, fidjer genug," antmortete ^fabjinber, iitbeut er einen Slugeitblicf mit feinem ftillcu, muntern Satten hinter ftrf> Blictte, „hinunter gelten mir, ftdferlidj! fhtbf ben Stern, Sitttge, Beffer auf mit bem Stern!" SaS UeBrige ging mit ber Sdjitelligfeit beS SBittbeS. (Sau; bouce gaB mit bem Dtuber beit erforbettid)eit Sdjmttttg, ber Äaljn fdfoß in baS gahrmaffer, unb auf einige SlttgeuBltde mar es (Sab, als fei) er in eilten öboriffeffel geftoßen. (Sr füllte bie Äa^ttfgi^e ftd) Biegen, fal; baS milb Bemegte, fdjaumige SBaffer iit tollem Sffiogett an feiner Seite tanjeit unb Bemerfte, baß baS leiste gat)r; jettg, in meldjent er fdjmatnnt, mie eine Dtupfd^ile um'()ergeftoßen mürbe. Saun entbedte er 51 t feiner eben fo großen greubc als UcBerrafd)itng, baß es unter 3aSf'erS ftdjernt 9tuberfd)tagc quer bitrd) baS ruhige SBajferBecfcu glitt, meldjeS jtd) unter bem gälte Befattb. Ser Ipfabßnber ful)r fort jit lad)ett, crt)ob jtd) von feinen äbnteeit, Brad)tc eine jinnerne .Kanne neBft einem 6 ontlöffcl hervor unb ftttg an, Bebädjtig baS SBaffer, meldfeö mäl)teitb if)rer UeBcr; fal)tt in ben Äaljn gebriutgeit mar, 51 t nteffen. „SSier}el)n Söffet »oll, ®att;bouce; »ierje^n motjlgemejfene 48 Söffet »oft. 3pr müpt jttgebett, bap icp (Sud; mit Hop jepit pabc iiberfepett fcpeit." „tttieiper ©ap lepitte fo part gegen beit ©front," entgegnete Saöpet ernp, „bap tep 2Jtüpe patte, bent Ötapit bie gehörige 9ticp* titng ju geben. „@ö mag feijn, eö ntng fepit; nnb icfj jWeifte itiipt, bap ti Wirfticp fo iß, weit 3pt eö fagt. Stier tep Weip, bap 3pr fonfl Hop mit jepnett überfaprt." Sap ntaepte fiep burep ein erfepiitternbeö Stüttfpern Suft, griff ttaep feinem 3opf, atö ob er ftep oerpcperit Wottte, bap fiep berfetbe noep Woptbepaltcn an feiner ©tette bepnbe, nnb Hicfte bann juniet, um bie ®efapr ju ertneffett, Wetcpe er eben erflaitbeit patte; bentt bap pc »ori'tber war, Würbe iptn fcpnetC Har. ®ie gröpte Sföaffer* ntaffe beö Stromes patte einen fenfreepten galt 001 t itngefäpr jepit biö jWötf güpeit; aber ntept gegen bie tDlitte piit Würbe bie ©elnalt ber ©trömung fo tnäepiig, bap baö SBaffer unter einem SBinfet oon ungefaßt' füttfünboierjig ©rabeu abpiep tntb bafetbp eine fcpmale ßkffage über ben ffetfen eröffitcte. ®er Jtapn War über biefcit fißtiepen SBeg mitten burep jerbrocpcite ftelfeuftücte, bie ©trübet nnb bie ©töpe beö empörten (Elementes, Wetcpe febett Unfuttbigett bie unöermeibticpc 3etßöriiiig eiiteö fo jerbreeptiepen fjaprjeugä be* forgeu ließen, gegangen, ©eine gropc Seicptigteit patte bie lieber* faprt begüupigf; bemt getragen oont Äantme beö SB a ff erd , itttb geleitet »oit einem fepett Singe nnb einem fräftigeu Stritt tanjte er mit ber Seicptigteit einer Jeber oon einer ©epaumfpipe jttr attbertt, fo bap taum feine Haute ©eite beiteßt Würbe, ©ö Waren einige gelöbtöcte ju oernteiben, Wetcpe eine ättperp genaue ffüprttug for* bertett; baö übrige gefepap burep bie ®ewatt ber ©trömung.* SBottte. man fagett, bap ©ap erpaimt gewefeit fep, fo Würbe * 35er Sefer patte biefe ©djiloetung liidjt für btofe giftion, beim ber 33er« faffer »erjit&ert, einen gnmuitbbrtijiigbfünber gefepen ju pabeit, bet glüiflicp über btefeI6en gälte geführt worben ift. 49 mau uid;t f;alb [eine ©cfütjte aubbritden. ©r mar mit ©Ifrfurdft erfüllt, beim ber gelualtige 9tcft)eft, beit bte meifiert Seeleute »or Seifen t;al>en, tarn nodf feiner ®emuitberititg für bie Äiilfitlfeit ju §itfe, mit meldfer biefcb SJtanöoer aubgefülftt murbeit mar. @r mar jebodf liiert geneigt, alte feilte ©inüftitbuitgett an ben Sag 51t legen, ttiit nidft ju riet 51t ©unfteit ber Srifdfmajfer; unb fBinuenfdfijffalfrt einjtt^ räumen. Sludf Härte er feilte Äclfle nidft elfer bttrdf bas obeitge; nannte Stäufbern, alb bib feine Bunge ftdf miebet in bent gewöhn; lidfeit Buge ber Ueberlegeitlfeit befaitb. „3df Ifabc nictjtö gegen ©ure jtenntntjj ber Strontfalfrt eilt; jumenbett, SDieiflcr ©ambouce (beim biefe ^Benennung Ifielt er gläubig für Sabfterb Bnitamen), unb allem nadf ift bie ätemttnijj beb 55al>rtiaaffevä an einem fotdfcit ftSlafse bie fjaubtfadfe. Beb Ifabe eb mit Sdfaluf.'bcnfttlfretit 51t Hfun gehabt, bie Ifier and) Ifätten Iferunterfalfren fömten, lueitn fte bab ^a^rmaffev* gelaunt Ratten." „Sb ift nidft genug, bab Salfrluaffer gu leinten, Smetutb See* mann," fagte fttfabftnber; „eb braucht itraft unb ©efdfidlidffeit, ben Äalftt aufredft gu Ratten ttitb ilfn Har »on ben Seifen abgtt* fiettertt. ©b ift auper ©ambouce in ber gangen ©egeitb fein fflootbntaitn, ber bett Dbmegofall mit Sidferlfeit gu ftafjfren int Staube märe, obfdfott bin unb luiber einer burdfgetaftbt ift. 3df famtb attdf nidft, lueitn nidft mit ©otteb ffilfe: unb man 6raud;t Sabfterb §anb unb Sabftetb Shtge, lueittt man bte ^aftrt trudelt unb ftdfer madfen luill. SBierjeftn Süffel »oll ftttb tut ©rtmbe and; nidft viel, obgleidf id; geluüttfdft l;ätte, eb luäreit nur gelftt ge* lucfcn, lueil beb Sergeanten üodfter gugefelfen ftat." „Uitb bodf fanntet 3l;r bie Sülfrttug beb Äaftnb, unb fagtet iftut, luie er leiten unb ftrcid;en fülle." „ÜDtenfdfltdfe Sdfmadflfeit, SWeifter Seemann; ’b ift etluab »on ber SBeipl; aut* Statur. SBüre ber Serpent tit biefent Soot geluefeu, fo mürbe er fein QBort geftmodfen unb feinem ©ebanfcit Saut gegeben Ifaben. ©in Snbianer lueip, mie er feine Bunge gu ®ct gjfttfmter. 3. Slufl. 4 50 mcijlcrn hat, aber wir Weipcä SBotf bilbeit itnä immer ein, wir fet)en ftiiger, atä nufere öbamcrabeti. 3dj bin jWar wittenä, mid) seit biefer ©djwäche jit curircn, aber eü braitdjt Beit, ein ttnfraut auäjurotten, baä fdjoit mehr atä breipig Satire gewuchert hat." ,,3d) hatte Wenig, ober, aufrichtig ju rebeit, gar nirijtä rott ber gaitjcn @efdlid)te. Gä I;anbeft ftd) bei einem Sffiegfdjiepcn unter ber Soitboncr ©rüde nur um eine flcine ©dtattntwäfdje, uub -fjunberte »oit 9Jtcnfd)en, ja fetbji bie cmbftnbtidjiicit »ornehnten ©antcit tljun eä täglirfj. ©ctbft beä ötöittgä tDtajcjfät hat in hädjjleigeucr Sßcrz fon bie galjrt gemacht." „2Bof)t, wir braudjett feine vornehmen ©amen ober Äöniglictje tDtajcjläten (®ott fegue fte) für unfern Äaf)u, Wenn er über biefe gatte gef)t, benn eine fflootäbrcite auf irgenb eine SBcife gefehlt, möchte teiept au« ihnen erfäufte Seichname ntadjen. Gauzbouce, loir werben beä Sergeanten ©djwager mofjt ttodj über ben Stiagara führen müffen, um ihm ju geigen, waä wir ©räitjfeute ju teifleit vermögen." „Bunt ©cufet, 2)tcijicr Sfsfabfinbcr, 3h* feyb gegenwärtig fetjr fbaßhaft. @id;er ijt eä unmöglich, in einem ©irfetdahit über jenen mächtigen aBaffcrfiurj ju fehett." „Sh* in Gurent Sebcn nie in einem großem Srrthunt getbefen, SWeijter Gab- Stidjtä ijt Icidßer atä bicä, uttb ich habe manchen Äahn mit meinen eigenen Stugcn hinunter rntfdjcn fehen. SBenn wir beibe leben, fo hbffe idj Gudj bon ber SJBahrheit ju übetjeugen. 3dj, für meinen ©heit, beide, baä größte (schiff, baä je auf bem Dceait gefegett hat, müßte ba hinunter geführt Werben, fobatb eä einmal in beit ©trontfdjncttcu ijt." Gab benterfte ben 2Binf nicht, Weldjen ber Xßfabfxitbcr mit Ganz bouce wedj feite, unb blieb eine SBeite jtitt; benn in ber ©hat, er hatte nie an bie SJtögtidjfcit gebadet, ben 9tiagara hinuiitcrjidontnteit, fo fchr fte and) jebent Stilbern iit bie ütugett fbrittgeit mußte, Wähtenb bodj, Wenn man bie ©ad;e beim Stdjt bctrad)tet, bie ©djwierigz teit eigenttidj nur in bem ^inauffommcit liegt. 51 Itntcrbeffcn f)atte bie ©cfettfdjaft He ©teile errcidjt, Wo Soziier feilten eigenen jfaljit gelajfcit unb im ©ebitfdj verftedt tjatte. @ie fdjiffteu ftd) l)icr auf« Oteue ein; Qfaf», Sabber unb bie Stidjte in beut einen, fßfabfiiiber, StrroWtjeab mtb ba« Sßeib be« Se^tcreit in bent aitbertt 33oote. ©er äRotjifan war bereits 5 U Saitb an ben Ilfcvn be« gtuffe« weiter gegangen, inbeiit er vorftdjtig unb mit ber ©eWaubttjeit feilte« S3otfe« auf bie Beidjcn eine« geittbc« adjtetc. tOtaBct« Sffiaitgen fingen evft wieber an jit BIüt;cu, al« ber Äafyit ftd) in ber Strömung Bcfanb, auf Wctdjcr er fanft, nur getegenttidj von SaSf'er« Stüber angetrieben, abwärts glitt. Sie fyatte beit UcBergang über ben SBafferfalt mit einem ©djredeu aitgefdjeit, ber il;re Bunge gcBuitbcn fyiett. ©odj War iljrc gurdjt itidft fo groß gewefen, bafi fie ber ©ewunberung (Siittrag gctljait Jjätte, Welrfje ftc ber gefligfeit be« güngttng«, ber bie ^Bewegungen leitete, jotten muffte. 3 it ber S'fyat Wären and) bie ©efütfte eine« Weit weniger emf'fäugtidjen SKäbdjcn« burd) bie Befoititcne unb Brave Haltung, mit wetdjer er ba« äßagefliid auSfiiljrte, erWedt Worben. @r war aufredft geblieben, oljugeadftet be« ©turje«, unb biejeitigeit, weldje ftd) am Ilfer Befanbeii, vermodjten bcuttidj ju uutcrfdfcibeit, bafi nur burdj bie jeitige StnWenbung feiner Jtraft unb ©eWaubttjeit ber ötatjn ben itötljtgen ©djwttitg Befam, um von einem getfeit flar aBjufaljreit, über Wctdjen ba« fyrubctnbe äBajfer fid) in ©trauten Brad), unb Batb ba« Braune ©cficiii ftdjtBar wer; ben ließ, batb e« mit einem burdjjtdjtigcn SDBogenguß überfdjiittete, at« ob ein füitfitidje« ©riebwerf biefc« ©picl be« (Slenients heran; laßte. ©ie Bunge vermag uidjt immer auSjubrüden, wa« ba« Stuge fdjaut; aber Sltabet fall, fclbjt in jenem StugenBlide be« ©d)redcn«, genug, um iljrem ©eifie für immer bie S3ilber be« tjerabfiürjenben ■Sfatjit« mtb be« unbewegten Steuermann« einjufwägeit. Sie buf; bete biefe verräftjerifdjcu ©efüljte, Wetdje ba« SBeiB fo eng an ben SKanit fetten, unb beiten ftdj noäj ber Sinbrud ber ©idjertjeit, Wetd)e il;r fein ©djufj verffwadj, Beintifdjte. ©ie füllte fid) in bet 1 52 gerbred)tid)en Söatfe, in loeldfet fic ftdf befattb, bab crfie Stat wieber, feit fie gort Staitwir bettaffen Ijatte, fo tretet leictjt unb (jelfagtidf. ©er anbere jtalfn rubevte gang ttalfe an bem irrigen, unb ba ber Sfabfiubcr gerabe il;r gegenüber fajj, fo fanb »orgugbWeife gwifdfctt ilfnen betben bie Vtnterrebung Statt. Sabber ftavacl; fetten, trenn er niefit attgerebet würbe, unb oerwanbte fortwälftenb eine Sorgfalt auf bie gütjrmtg feines Sooteb, loeldfe wotft Sebent, ber an feine fonftige guoerjtdftltdfe unb forglofe Steife gewöhnt War, tfätte aufs faßen muffen, Wenn ein foldfer SBeobadfter gegenwärtig gewefett Wäre. „StBir fernten gu gut bie Oabett ber grauen, um baran gu bettfeit, beb Sergeanten 3wd)ter über bie gälte gu fütjren," fagte ber ipfabfinber mit einem Sölief auf Stabet gu bem Ditfet, „obgleich td) ntattdie i^reS ©efdfledjtb in biefett ©egeitben gefanut t;abe, welche ftdj Wenig aub einer fold;ett galfit tttadfen Würben." „Stabet ift gaglfaft wie it;re Stutter," entgegnete Saft, „unb 31fr tratet wolff, gteuttb, if;ver Sdfwädfe gu fdfonen. 31fr Werbet Sudf erinnern, bafj bab ötinb nie auf ber See gewefett ift." „Stein, nein, bab War teiefjt gu entbeden; bortf bei Stirer eigenen gurdfttoftgfeit Ifätte wolft Scber felfett föntten, Wie Wenig 31fr Sudf aub ber Sadfe madjtet. Sdj fulfr eiitmat mit einem uugefd)idtett 93urfd;en tfinunter, ber aub bem Äalfn fftrang, gerabe atb er bett Saum berührte, unb 31fr mögt urtlfeiten, Wab für eine Seit er bagu gewählt t)atte." „Stab würbe aub bem armen Äerl?" fragte Saft, Wetdfer nidft Wujjte, wie er beb attberu SfBeife gu neunten Ifatte, bettit fte War fo trodeit unb cinfad), bajj ein Stenfdj, ber nur ein biöd;eit weniger ftumpf, atb bet atte Seemann war, tlfre Slufridftigteit berbädftig gefutibeit Ifätte. „StBer biefe Stelle bafjtrt Jfat, weift, Wie eb ilfm gu Stutze fetytt ntodfte." „Sb War ein armer Äerl, Wie 31fr fagt, unb ein armer ©rängmanit bagu, obgleidf er eb nur tlfat, um unb unwiffenbett Leuten feine ©efdficftidffeit gu geigen. Stab aub ilfm Würbe? Si 53 er ging Höfling« bie ftätte hinunter, wie c« bei einem Sattblau« ober jfort attd) gegangen Wäre" — „SBentt fie au« einem .Stapn fbringeit Würben," mtterbradj ipn 3a«|>er tädjetnb, obgteidj er pdjttidj Weit geneigter War , at« fein $reunb, bie gaprt über bie Sßafferfätte in ffiergeffenpeit jit.bringen. „®er Suitge pat Steefjt," erwieberte ptfabpnber mit einem Sachen gegen ÜDtabet, Wetdjer er pd) fo Weit genähert patte, bap bie JCäpne fiefj part berührten; „er pat fief)cv 9ted)t. Stber Sie traben tut« itod) niefrt gefagt, Wa« Sie Bott beut Sape Tratten, ben Wir ba gemacht haben?" „(Sr War gefäprtidj unb fiihn," fagte ©labet, „uitb al« id) jttfap, hätte id) wopt gewünfd)t, bap er nidjt serfuept Worben Wäre, obfdjoit id) jept, ba er uorttber ifi, bie dtüpnpeit unb gepigfeit mit ber er gemacht Würbe, heWunbent ntup." „(Stauben Sic übrigen« ja nid)t, bap wir e« tljaten, um un« in beit Stugen eine« ffraueitjimmer« petBorjupeben. @« mag jWar jungen Ccitten angenehm fci)n, burd) föaitbluitgeit, Wetdjefüpn uitb lobenswert!) crfd)eiucu, pdj bei aitbern in eine gute ©teiititng jtt fepen, aber Weber (Sambottce ttod) id) fetbjt bin von biefer Sorte. ©teilte Statur, obgfeid) »ietfeictjt Serpeitt ein belfere« 3eug* nip abtegen föititte, t)at pd) hierin itidjt geäitbert; pe ip eine gerabe Statur uitb Würbe nicht geeignet fei)n, ntid) 5 U einer berartigen, ungebüt)rtid)eit (Siteffeit jit werleiteit. Stöa« bett 3 n«per anbetaitgt, fo Würbe er über bie D«Wego;jfätte lieber opne einen Suppauer gcpeit, al« Bor punbert Stugeitpaaren. 3dj fenne benSuitgeit au« tanger dtamcrabfdjaft, unb bitt pdjer, bap er fein ©Srapter unb eitler ©roptpuer ip." SDtabet btidte ben Äuitbfd)after mit einem Säcpetit au, Wetcpe« (ßerantaffung gab, bte Ääpitc noep eine Söeite tanger beifantmen jit patten; bemt ber Stttblid Bott Sttgenb unb Sdjönpeit War fo fetten an biefer entfernten ©ränje, bap bie eben getabetten unb unterbrüdten ©efüpte biefe« ffiaitberer« in ben Stßälbent bttrep 54 He Bfüljcnbe SicBcuSmürbigfeit beS ®tübd)cns cmbftubtidj Bcriüjrt mttrbcn. „ffiir Igelten eS fitr’ä 93ejte," fu()t (pfabjtuber fort, „uttb cs mar aud) baS ffiefte. hätten mir ben jbatjit ju ßattb mciter gebracht, fo märe viel Seit »ertöten gegangen, uttb nichts ift fo lojibat, als 3ett, meint man jtcf) »ot beit SDlittgoS tu 9ld)t ju neunten I;at." „9(6« mir föituctt nun mettig ntcljt ju fütdjteit ijaBeit. ®ic •ßälfiie fahren fdjttctt, uttb jtoet ©tutibcn mcrben uttb, teteS^t ge* fagt I;a6t, ttacf; beut Sort bringen." „©6 muß ein fdjlatter Srofefe fct)tt, bcv Seiten and) nur ein £>aar SfyreS .öaubteS Befdjäbigett mitt; beim l)ict (faBett jtdj 9(((e beut Sergeanten uttb bte mctjlett, bettle id), gegen ©te fetBfi »crb(lid)tet, jcbeS Ungentarij »on31)nen ferne ju Ijaltcn. Jöa 1 ©au^bouce, maS ift bas an beut gtujj? bort, an bcr untern Umbiegung, ituterljatB beS ®e6itfd)cS — maS ftelft bort an beut Seifen?" ’S ift 33ig ©erbeut, tpfabjinber; er ntadjt tttts Beiden, bic id) nid)t verfiele." „’S ift bcr ©erfcnt, fo matjr id) ein SBeijjer bin, uttb et miutfd)t, baß mir ttttS ntc()r feinem Ufer näl)crtt. @S ift Unzeit um beit 5®eg, foitft mürbe ein (Dtanit »ott feiner 93ebäd)tigfeit uttb Seftigfcit nie biefe ©töruitg »crauiajfen. Tori) tötutt)! SBir jtttb SJtämtcr, uttb ntüffett uns Bei einer Teufelei Benehmen, mie es uttfctcr Sarbe ttnb unferem (Berufe jieint. 541)! id) '£)ab nie etwas (Sutes attS beut @roßtI)im fommcit fei) eit; ttnb Ijtcr, gcrabc ba id) mid) nuferer ©td)erf)cit tül)ittc, fommt bte ®cfa()r, bic mtd) Sügett ftraft." 55 93iertc« Äapttd. £ter Mietet bet Statur bie Äutifl b(e 2Bette Unb fdbafft in feiner grünen *Brac6t ben 33aum; Um feinen «Stamm fcfjttnqt fic$ be3 (Spfjeu'S .Rette, Unb milbe SRofen gtüJ)n in intern Saum. Spinfer. Unter ben ffätten bcSDSioego ift bie Strömung reipenber unb ungleicher als oberhalb berfclben. ©S gibt (Stetten, too ber glup mit ber ftiflcn 0iuhe bcS tiefen SBafferS htnftiept, aber auch siele Saubbäitte unb ©tromfchncllcn, unb batttals, als noch SttteS in feinem Utaturjitjianbe ftch befanb, toar bie ©urchfahrt fiellentoeife nicht ohne ©efahr. 3 i«ar tourbe im Stttgemeincn nnr loettig 9tn= ftrengung »on ©eite bet .Rahnfithter erforbert; an Stetten aber, ioo bie ©chnettigteit bet Strömung nnb bie «orhanbenen Reifen SDorftcht «erlangten, bebnrfte es in ber Sh“* nicht btop ber SBach- famfeit, foitbern auch ber gröpten Scfonnenheit, ©chnettigteit nnb fräftiger Sinne, um bie ©efahr ju «etmeiben. Stuf alles biefeS hatte ber SWohifatt geachtet, unb mit llmficht eilte ©telfe geloälilt, loo ber fftup ruhig genug flop, um bie Wählte anhafteu unb bie ölommunifation für biejenigen, loetche er jtt fyrechen loünfchte, ge; faljtloS cinteiten ju tonnen. ©obatb ber ipfabfinber bie ©efialt feines votiert ffteunbeS ertannt hatte» ruberte er mit fräftigen Schlägen bein Ufer jtt unb «crantapte SaS^ern, ihm ju folgen. 3 n einer SUtinute loarcit beibe Stählte in bent äSercidje beS überhängenben ©ebüfdfeS. @S I^crrfehtc tiefes ©tittfchiocigen, loetcheS bie ©inen aus ffurcht, bie Slnbertt aus gelohnter ffiorjtcht beobachteten. Slls bie Steifenbcn ftch bent 3ttbiatter näherten, »eranlapte er fte burch ein Seichen, ftitt 5 « halten, ttttb hielt bann mit bem tpfabfittber eine ftttje aber ernfte Söefprechttng in ber ©brache ber ©elatoaren. „©er §äithtltttg ift nicht ber SJtattn, ber einen tobten ©tatmn 56 für einen Seinb attfief/t," benterfte ber mcifte *DZattn gegen feinen rotpeit aßerbüttbefen, „marunt iäfit er uns attfiaiten?" „SJlingoS finb in-beit SBdfbertt." „®aS fjaben irir in biefeit jtrei Sagen rermutfjet. 2Bci|j ber •öäuptiiitg baren?" ©er 3Jfoififan Ijielt rtttyig einen fleinenten ißfeifenfopf in bie .§6<)e. „@r lag auf einer frifdjett (fäfjrte, toeidje gegen bie®aruifon Ifinfüprt" — fo mürben nämfid) rott ben ®ränjieuten bie mifitdri? fdjett SBcrfc, modjteit fte SWannfdfaft ijabett ober nidjt, genannt. „®ag fann ein fpfeifenfofjf feptt, ber einem ©otbaten gehört. ■SBiete bcbieiteit ftd) ber pfeifen ber Stotljijäute." „©ielj," fagte 93ig ©erbeut, uitb Ificit auf’s Dteue ben gefun; benen ©egcitjfanb feinem greunbe rer Singen. ©er ifSfeifcttfopf mar mit grofjer Sorgfalt utib ©efdjicfiidjfeit ans ©eifenftein gefefmitten. 3« ber SDlitte Befanb ftd) ein Heines lateinifdjeS Jfrettj, baS mit einer ©enauigfeit gefertigt mar, loeldje feinen Streifet über feine fflcbcutuug gejtattete. ,,©aS propfyeäeit Unheil uitb Seufeiei, fagte ber ffSfabffnber, meldfcr ben baittals in ben englifdfctt ißrorinjen gemöfyitiidjen Sibfdjeu gegen biefeS Ijeiiige ©pittbol ti;eitte; nub ba man leicht ©adjen mit ipetfonen rermedjfett, fo fjatte ftd) biefeS ©rauen fo mit ben SSorurtljeiten ber Seute rerffod)ten itnb einen fo mädftigen ©inbritcf auf baS ntoraiifdje ®efüf)l beS SBoifeS geübt, bafj man bie ©puren beffelben nod) heutigen Sage« ctfemten fann. „ffeinSnbiaiter, ber itidjt bttrdj bie fdfiatten fprieftcr ©anaba’S rerfetjrt i(l, mürbe ftd)’S einfaiieit laffeit, ein ©ittg mie biefeS auf feine fPfeife ju fdjtteibcn. 3d) mette, ber©pij}bube betet jebeSmal ju biefem fflifb, menn er mit einem Unfd)ulbigcn jufaiiimen treffen uitb feine @d)uftigfcit an ifjtn aitSübeit mili. 3fi fte and) frifdj, (Sfjingatpgoof?" „©er Sabacf mar nod; breunettb, als irij fte fattb." ,,©aS mirb tüdftige Sirbeit geben, .&äupt(ing. Sffio ifi bie ©pur?" 57 Ser ffltohifauer beutete auf eine ©teile, toekße feine ßunbert SKeu »on feinem ©tanbfnmft entfernt itiar. Sie @acße begann nun ein ernftereä Stuäfehen 51 t gewinnen. Sie jtoei-föaußtfüßrer befßratf^en ftdj einige fDtinuten beifeite, fliegen bann am Ufer Ijinauf, näherten ftdj bem bejeidjneten Drte unb unterfudjten bie Säßrfe mit ber grüßten ©orgfalt. 9ßä itjve Stad); forfdjuitgen ungefähr eine Sßiertelflunbe gebauert Ratten, feßrte ber toeiße äßann allein juriicf, unb fein rotßer ^rcitttb berfeßwanb in bem Söalbe. ©oitft trug baä ©eftcßt beä Ipfabfinberä ein ©eßräge ber ©in; fadfßeit, Stecßtfdjaffenheit unb Slufricßtigfett, gemifcßt mit ber 9Uieue beä ©etbftoertraueuä, toeldjeä geioößuliciß Sillen, bie ftcß unter feiner §ut befanben, Buberfidjt eiuflüßte; aber nun toarf ber Sluäbrucf ber ©arge einen ©chatten über feine ehrlichen Büge, loelcßer bie ganje ©efetlfdjaft beunruhigte. „ 2 öaä gibtä, SMcifter 5|8fabfinbet?" fragte Sab, iitbent feine getooßnte tiefe, flarfe unb guberftdjtlidje ©timme 5 U einem fdjeueu glüflcrn ftdj ermäßigte, toelcße ftd) atlerbingä mehr für bie ®e; fahren ber SBitbuiß eignete. „§at fid; bex - ^einb jünfdjen unä unb unfern .föafen gelegt?" „9®ie?" „ßaben einige »an biefen bemalten ©djatfänarreu Sinter ge; loorfen »er bem ßafeit, auf toeldjeutoir loäfteueru, in ber Hoffnung, und bie Sinfaßrt absitfdfneiben?" „Sä mag fetyn toie Bßr fast» Sreunb Saß, aber id; bin bureß Sure SBorte um fein .&aar meifer geioorben, unb in fißlidjen Bett; wmflänben toirb man um fo leichter oerftanben, je beutfießer man fein Snglifdj macht. 3cß lueiß nießtä bon ßafen unb SInfer, aber eä liegt eine beüitgftigeitbe äUtngofäßrte in ber Stöße boit hebert (Elfen, unb fo frifdj toie SBilbßret oßtte ©als. SBenn Siner boit biefen argen Seufeln botübergefontmen ifl, fo finb eä and) ein Sußenb; unb loaä baä fdjlimmfle ifl, fte finb ablbärtä gegen bie 58 ©arnifoit jtt gegangen, mtb feine Seele famt um bie 8 id;tttng umfoiitmeit, oIjite bajj ntan einigen iljrer butdjboijteitbcn Singen in beit SBeg fäine. Sann mirbb ftrffer Engeln geben." „.Kann nic^t bab befagte gort eine Sage geben unb Slileb innerhalb beb ©eteidjb feiner .Stufen megfegeit?" „Stein, bie ffottb ftitb bei mtb itidjt mie bie ffortb in ben Sinjtebefmtgeit, ttttb jinci ober brei leichte .Kanonen ftitb Sitieb, mab ftc ba itittcit an bet SOtnitbung beb gittjfeb fabelt. tteberifanbt Ifiefie mtd; ein Sagerfeiter auf ein Sit|enb Ijerumfireifeitbet 9)tingob geben, bie ftd; Ijinter Samitjiämmeit nnb int SBalbc »erbergen foulten, feilt 5)M»er verfefjineitbeit. SBir f;aben nur eilten, unb jmat einen fcf;t fifsiidfeit SBeg. SBir ftitb einmal I;ier; beibe Ääfnte fittb butdj bab fjotje Xlfer unb bab ©ebitfd; »or Sliier Singen «erborgen, menit unb nidjt einer »oit jenen ©traitdfbiebeit gerabe gegenüber in ben SBeg fontmt. ^picr motten mir aifo bleiben, oi;ne unb ber jjurdji ju übetiaffeit. Siber mie bringen lotr bie blutbürfligen Senfei loiebet über ben ©front Ijiitaitf? — §a, id; I;ab’ eb ■— id; I;ab’ cb. SBettit eb ciitcfi itidjfb nitf;t, fo famt eb bed; nidjtb fdfaben. @ef;t 3 Ijr beit breitmiffeiigett .ßafianienbamit bort, 3 abficr, an ber lebten ©froinmeitbung ? Stuf (Snrer ©eite, meine id;." „Sen bei ber geftürjten gierte?" „Senfebben. Stemmt ©feilt unb Wcuerjeug, friedjt am Ufer I;itt unb ntadft ein Reiter auf biefe ©teiie. .Samt fetyn, baff fte ber Stand; ba ijinaufiodt. SJtittierloeiic bringen mir »ieiieidft mit bet gehörigen ffiorftdjt bie Jbäi)ite meiter hinunter unb ftitbeit einen anbetit ©djitis. Sßufdjmetf fabelt mir genug, mtb ein SSerfted ijt ieidjt in biefer ©egeitb 511 ftttben, mab nnb bie »ieleu Hinterhalte bemeifeit föittten." „3d; miti’b tl;mt, fftfabfinber," fagte Sabber unb ffmaitg attb Ufer. „3n jefnt SHitiuteit fofi bab gener brennen." „Unb, ©aiuboitce, nehmt biebmat orbentiid; feudjteb hotj bajtt," ffüjtcrte ber Sinbere mit feinem eigentlfümtidjen Iferjfidjcn 59 Sad)en. „äBcittt eb an Dtaucf; fefdt, fo muß SBaffet t)etfen, ißtt 51t »erbitten." ©et junge'Statut, Weidjet ju tooljt beit SCBertf) feiner Stufgabe Fnmite, mit fte mtitöf()ig ju magern, eilte rafd) beut bejeidjitetcu fünfte ju. Stabet Wagte einen leichten Gsitttoutf Wegen ber ®efal;t, Weidjet aber ntdjt Beachtet Würbe, unb bie ©efettfdjaft Bereitete ftd; »or, it)re gegenwärtige ©tetfmtg «nüerjitgKc^ 51t »erättbern, ba fte »01t bent Orte aub, Wo Sabbat' bab jfeuer anjttjüitben beabfidjttgte, gefcljcit werben tonnten. ©ie Söetueguitg forberte feine (Site unb nntrbe mit Sthtße unb ffiorftdjt aubgefiUjrt. ©ie ätäßite fuhren um bie ©ebiifdje tjerum mtb glitten mit bet ©trömmtg fort, Bib fte eine ©tettc erreicht tjatten, an Wetdjer fte «01t bettt ätaftantcnbamn aub itidjt ttteljr erbticft toerbcn tonnten. §ter gelten'fte ntt, unb alter Stugcii ridjteten ftd) nun auf bett jitrücfgebttebetten Stbcnteurer. „®a fteigt ber 9 tatid;i auf," rief bet tpfabfinber, alb eitt leichter äßiubftoß eine fteiite ©mtftfäulc oont Sattb aub itt bie JEjölje wirbelte uttb fte in fbitalförmtgen äßettbuitgcn über bab ©ette beb j$tttffcb tjintrieb. „(Stit guter ©teilt, ein ©tüdd^ctt ©tafjt mtb eilt Raufen bittrer ©lütter titadjeit ein fdjnetteb geltet. 3d) tyoffe, (Satuboucc wirb fo »icl Gsinftdjt fabelt, ftd) an bab feudjtc ^pofj jtt erinnern, wenn unb bie 8ift 51t frommen fommett fott." „ 3 u »iet Staurij — 51t »tel .Sttugtjcit," fagte Strrowtjeab itt feiner fcntentiöfeit Steife. „©ab Wäre fo waljt atb bie ©ibef, ©ubcatota, Wenn bie Stingob nidjt wüßten, baß eb ©otbaten in ber 9 iäf>e gißt. ©ie ©otbateu bettfcit aber att einem Stafiortc gemetnigtiri) eifriger auf iljte SOiafifjeit, atb au bab, Wab ftug ift unb fte gegen ®efatjr fcfjüt^cn tonnte. Stein, nein! Stag ber Suttge imntettjiu feilte üöoljftöße attfßänfen, baß eb eilten tüdjttgen Stand) fejst; fte Werben eb ber ©ummljcit einiger irtfdjet uttb fdjottifdjer ©öft'et jufdjteiben, Wetdje nteljt an itjre .fjafergtüjje mtb iljte .Kartoffeln beuten, atb an ein 3«fammcntrefen mit Subinitcru uttb iubiaittfdjen ©üdjfen." 60 „SJtan foffte aber bod), nad) a((em mad id) hierüber in ben (Stabten getfört I)abe, glauben, baß bie ©otbaten an biefer ©rän^e an bie jtuttflgriffe ifiret ffeittbe gemölfnt uitb faft fo liftig gemorben fctyett, ald bie rotljen SOtenfdfen feibfl," ermieberte ffltabet. „Sticht biefe, nidjt tiefe. @rfa))ruitg mad)t fte ratf mettig Hüget, ttnb fte bidcutiren bott iftrett ©ettbuttgen, iljtett ffMotond ttttb ffiataiffoitd tjiev in ben ©albern fo befyagtid) , atd mären fte jtt .föaufe in il)ten fßfcrdjen. Sine 3tot()()aut t)at tnefir @d)faitf)eit in il)rer Statur, atd ein gattjed Regiment bon ber attbetit ©eite bed aBaffevö. 3d) nenne bad äEBälberfdjfaufjeit. — 9(ber auf mein SBort, nun ifi’ö genug Stand), unb mir merbett b effer tfjuu, und einen anbent ffierftecf attfjitfitdfen. ©er Sttttge f)at ben ganzen ffffuß in fein Setter gemorfcn, unb ed ift jtt beforgett, baß bie IDtingod glauben, ed ift ein gattjed Stegimcnt um ben ©eg." ©älfrenb er fo fjtrad), trieb ber fßfabfmbcr bon bem Sttfdje meg, an bem er bidtjer angelegt I)atte, unb in einigen ffltinuten Verbarg iljtten bie ^Biegung bed Shtffed ben Stand) unb ben Saum. @titcHid)cr Söcifc jcigte ftd) and; an bem Ufer, mettige ®(ctt bon bem fßunft, an bem fte eben botbeifufjten, eine Heine £8ud)t, in meld)c bie Ädljne unter bem (StnfTuß ber Stüber eintenften. ®ie Steifenbcn Ratten mol)I feinen gefd)idteren ißta^ für iffre 9fbjid)t auffinben füttneit. ©ad ®ebü r d) mar btcf unb l)iug gegen bad SBaffer ffitt, fo baß ed einen boliftänbigen Stätterbatbarijin bitbete. 3nt ©ruttbe ber fteinen Sud)t befaitb ftd) ein fdjmalcr ftcftger ©trattb, mo bie 3>tel)rjai)f ber ®efet(fd)aft ju it)rer größeren Se= guemlidjfeit an’d Cant ging. 9fttd) fonnten fte btof; bon ber gerate entgegengefe^ten ©eite bed gtuffed and bemerft metbett. 93on biefer ©eite l)et mar jebori) bie ®efat)r ber (Sntbecfung gering, ba bad ©eflräud) f;ier bid)ter atd gemöfinlid) unb bad fianb fcnfeitd beffetben fo naß ttttb fimtfiftg mar, baß man nid)t oi)ite große ©d)mietigfeiten butdffommcn fottnte. „®ad ift ein guter ©djlttpfminfef," fagte ber fßfabfütber, aid 61 er feine Stellung mit betn 93lide eines jfeitnetS unterfud)t ßatte, „aber es ift nöfßig, tßn itod) ftrfjerev ju madfen. SOieiftev Sab, id) »erlange itidjts »du Sud), als Stitlfdjweigen unb ein Stußem laffeit aller jener @abeu, bie 3ßt Sud) auf bem SWeere erworben ßabt, wäßreitb ber SuScatora unb id) nufere aSorfeßtuitgeit für bie Stuitbe ber ©efaßr treffen." ©er güßter ging nun mit bem Snbianer etwas Weiter in baS ©ebüfd), Wo fie bie (tarieren Stämme mehrerer Srleti unb auberer Sträudjcr abfdjnitten, babci aber bie größte Sorgfalt auWanbten, um teilt ©cräufcß ju »erurfad)en. ©ie Snbcn biefer fteinen ©äume, beim baS Waren fie in ber Sßat, Würben, ba bas SBaffet nur eine geringe itiefe f)atte, an ber äußern Seite ber Ääßne in bctt Sdjtamm gefiedt unb im Verläufe »on jetjn Sdtinuten War ein feßr täufdjenber Scßirnt jwifdjctt ißncit unb bem Orte, woßcr bie l)auj)tfäd)lid)fte ©efaßt ju bcfiird)ten War, errichtet, ©ie beibctt Slrbeiter Ratten »iel ©djarfjinn unb ®efd)idlid)feit bei biefer eins facßen Slnorbnung entwtrfelt, wobei fie butd) bie gorm beS Ufers, feine Sinbud)tung, bie Seidjtiglcit beS SfBaffetS unb bie Slrt, mit Welcher biefe @ebüfd)»etäWeigttngen gegen baS SBaffer Übergängen, Wefentlid) bcgünfiigt Würben, ©er ffSfabßuber faf) babei »otjitglidj auf getrümmte Stämme, Wcldje an einem £>rte, wie biefer, leid)t aufjußnbeu Waren, unb ba er fie in einiget Snts fernuug unter ber ^Biegung abfd)nitt unb bie leitete baS Sföaffer berühren ließ, fo I;atte baS lünfllicße ©idießt gWar nid^t baS Sht; feßen eines fold)en, WelcßeS in bem Strome gewacßfen War, Was Wol)l ßätte SBerbadjt erregen mögen, aber bod) mod)te es jeber, ber an il;m »orbei laut, für ein ©ebüfd) l)alten, baS ivagrecßt »om Ufer ausging, eße es fidj aufwärts gegen baS Sidjt ricßtete. Äurj, ber Sd)irm War fo fdjarfjinnig aitgcorbnet unb fo lunftreicß gufammettgcfeßt, baß nur ein uitgewößnltd) tnißtrauifd)eS Singe ßier ein äktfied ßätte aßneit mögen. ,,©aS ift ber befie Sd)lufwinlel, in bem tcß je gejtedt ßabe," 62 fagte ber pffabpnbct mit feinem rupigen Sadfeit, narifbent er pdj bie Stupcufcitc betradftet I;atte. „$>ie SMätter unferer neuen 93äutue beriiprcn aufs genauepc bie bcS ©ebi'tfdfeS gu unfcrcit ^läuptcn, unb fctbp ber fötaler, meldet ftcf) fiirgtidf in ber ©atuifon befanb, Knute nidft fügen, was picr bas ©erf bev SBotfepung unb WaS bas nufere iji. -6p! bort fomutt @au=bouce gewatet. ©aS er bod) für ein vcrpäitbiger Suitge ip, feine gäprte bem ©aper gu über; taffen! 9tun mit werben batb fepcu, ob nufer SBerficcf gu etwas gut ift, ober nid;t." SaSpcr war Wirffid) von feiner 33evricptung gurücfgefeprt, unb ba er bie ätäpne vermipte, fo fotgerte er, bap fie pdf unter ber nätppeit ©eubitug beS WtuPcS verborgen patten, in bet jte von bem $eucr aus itidft bemertt werben tonnten, ©eine gewohnte SBorftcfjt patte ipit veranlaßt, im ©aper fortgugepen, um niept eine SSerbinbuug ber ©puren, welepe von ber ©efettfrffaft am Ufer gurüdgebticbeu Waren, unb beS fptaßeS, wo er ipreu neuen 3njJu(pt«s rrt »crmutpetc, erfemten gu taffen. ©ütbcit bann bie Gfanabas3iu bianer auf iprer eigenen Wäprte gurürttepren, unb bie ©puren, wetdjc ber fßfabpnber unb ©erpent bei ©etegenpeit iprer tBcfprctpung unb Unterfucpung pintertaffeu patten, bemerfen, fo mupten pe beu ©dflüpet gu biefen ^Bewegungen vertieren, ba feine Wuppapfcn pdf bem ©aper aufbrüefen. £et junge ©amt war bespatb von biefem fpunft aus fnictief im ©aßet gewatet, unb maepte nun langfant feinen ©eg am Staube bcs ©tromcS abwärts, um bie ©tettc gu fudjen, wo bie äläpite verborgen tagen. ©enu biejenigeu, Weldfe pdf piuter beut ©ebüfdfe bcfaitbcn, ipre Stugen näper gegen bie fBIättcr Bradjten, fo founten pe ntaudfe ©tetfeu pubcu, wctd^c ipnett einen SMttdfMicf gepatteten, inbep biefer SBortpcit in einiger ©ntfernung wieber Verloren ging. fötodfte bann auep ein Stuge auf einige fotdger Dehnungen falten, fo Würbe bodf burd) bas Ufer unb beu ©dritten beS ©etüifdfeS vermittelt, bap bie ©epatten unb Umriffe unferer gtüdfftinge feiner ©nfbctfuitg 63 auSgefcht waren. Uttfere ©efellfdjaft, bie ftd) mm itt bic Jlätjnc Begeben Tratte unb aus intern ffierftecf h«twr Sabbers ©eWcgitttgen beobachtete, ertaunte balb, bap ihm bic ©teile, wo Ipfabfiuber ftd) »erborgen, entging. Sllb er um bie .Krümmung beb btferS gefommett War mtb bie SlttSjldjt nadj bem geuer tjin »erlot, hielt ber junge SDtanu an, unb Begann bas Ufer mit SBebadjt unb SBorficht ju unterfud;eit. ©elegeutlid) ging er wieber adjt Big jetju ©djritte Weiter, unb hielt bann einmal an, um fein ©ttd)cn ju er= neuern. 25ab SBaffer war »iel feister alb geWötjitlid;, unb er ging an ber ©eite beffelben hin, um ftch feinen ©bajiergattg ju erleichtern, wobei er ber tünfilidjcn Plantage fo nahe !am, bap er fte mit feinen häitbeti hätte erreidjett föitnen. Slber er eutbedte nichts, mtb war eben baran, feinen 2Bcg weiter fortäufefecn, alb ber fJJfabftnbcr eine Deffmtttg in bie 3Wcige madjte, trab il;n mit gebäntbfter ©timme ciutreten l;iep. „@S ijt gauj gut fo," fagte bet fpfabftttber ladjcttb, „obgleich bie Singen eines ©lapgejtdjtb son betten einer Dlothhit etloab Brnt ©erbeut gehört traben, ©idjere ©efaugeufdjaft ober geloiffet ©ob »uürben He jfoige fe»)n. SBeitn fo ein jarteb @d;maltf;ierd»cn twie bab Stäbdjen, locfdjeb »Bit juv Wradjt f;aScit, jtd) butd; bie SBäfber ftnben fömtte, »Bie ein atiet jöirfd;, fo mödjte eb afterbiugb angeln, bie jtäfjne ju Bettaifcn, beim auf einem Umlueg fönntcu »Bit bie ©atitifon ltod; oor Slitbrnd; beb Storgenb etretdjcit." „©atut tf;ut eb," fagte Stabei, rafd; nutet bem üfökfidjcn Situ ffuß eriuecftet Sitetgie auffpringeitb. „3d; Bin jung, Bctjcub, au Siuflrenguitg ge»t>ü^nt, uub möchte eb feidjt meinem tieBen Ditfel juoortfiun. 3d; »ottt burdjattb fein jöiuberitiß fe»)n unb föitnte eb nidjt efttagen, baß Suer aitet SeBcn um nteinetioiiien gefäf;rbet fe»;u foftte." „Stein, nein, guteb Äinb! mit galten Sie feinebmegb fiit ein ßtnbetniß obet eine ©efäjligung, unb mürben gerne unb noef» einmal biefet ©efaf;t unterjießen, um 3f;neit unb bem »uaefent @et5 geanten einen ©ieitjt ju teifien. 3ft bab »tidjt aud; (Sitte Steinung, Satt;bouce?" „3^t eilten ©teuft 51t Iciften?" tief Sabfiet mit Stadjbrucf. „9tid;tb fofi »nid; Beluegen, -Stabet ©uitljam ju Betlaffen, Bib icß fte ftcfjet in if;teb SSatcrb Sinnen loeiß!" „SBoljl geff»rod;en, Sunge; Brau uub ef;renf;aft gefproefjett, unb id; fiintme Bei mit föer j unb Jpaitb. Stein, nein, @ie ftnb nießt bie etfle Sflteb ®cfd;Ied;tb, meidje id; butd; bte SSätbet ge* leitet fjabe, unb feine fjat babei je Schaben genommen mit 9(ub= nannte eiltet einzigen, ©ab »nat freiiid; ein trübet ©ag; aber feiiteb ®feid;e»t mitb mof;i nidjt loiebet fommeit." Stabei bfiefte Bott einem iijter Sefdjü^er auf ben Slnberit unb iijtc ftfjöiteit Singen fdjmaiitmen in ©I;täiteit. @te tetd;te jebent if;te §a»tb unb fjjfad;, obgieid; Sinfatigb mit etjiicfter ©tirnine: „3d; tijue Hnredjt, Sud; um meinetmiiien bet ®efaf;t aubju- fe&en. Stein tf;eittet SÖatet »wirb eb Sud; baitfen. Sind; id; baufeSudj— ©ott uergefte eb Sud;; aber faßt unb fjtet nid;t unnötljiger SBeife 65 t>ie ©efat;r erwarten. Sd; faitn Wotjt getjett, unb Bin oft in nt Sb* djentjafter Saune meilenweit gegangen. tffiarum fottte id; eb feist nidjt föttneit, ba eb mein Seien — nein, ba eb @uer fojibareb Seien gilt ?" „Sie i(t eine treue ©auie, Sanier," fagte ber ißfabftnber, tnbent er itjre fjattb fo lange fefHjiett, bib bab SÖtäbdjett fetijt au« angeborener 33efd;eibenf;eit bie ©etegentjeit erfal;, fte jutücfjujicljen: „uttb tottitberbar eintteljmenb! SBtr ftnb in ben SBälbern raut; unb bibioeiten atxcB tjartfjerjig geworben, -Utabet, aber ein Stnblicf, lote ber 3 I;rige, erloedt unfere jugenblict;eit ©efüljte loieber, unb tt;ut unb tuol;l für ben 9teft unferer©age. Sabber loirb baffetie fagett; bettn loie id; itt beit SBätbern, fo ftetjt Sabber auf bent Dntario loeitige Don Sljreb ©tetdjen, bie feilt fierj ju erloetd;eit unb itjn an bie Siebe feineb ©efdjtedjteb ju erinnern oerntödjten. Sjwedjt fetijt, Sabber, unb fagt, ob eb ttidjt fo ijl." „Sd; jtoeifle, ob riete loie Stabet ©untjarn irgenbloo gefunben loerbett föniten, entgegnete ber junge Statut artig unb mit einem SSticEe oott et;rtid;er Slufridjtigfeit, loetc^er tneljr atb feine Bunge aubs brücfte. „Sljr braucht nicht bie Seen unb SBätberljeraubjuforberu; id; ntödjte lieber bie Stabte unb Stnjtebetungen barum befragen." „Sffiir würben bejfer ftjun, bie ätäljne 5 U oertajfen," erloieberte Stabet fiafiig; „bentt id; füßte, eb ijl nidjt länger ftc^er hier." „S^r Tonnt nicht fort »on t;ier, in feinem galt. Sßir Ijätten einen Starfd; oott nte^r atb Jloanjig Steifen oor uttb, bttrd; ©idid;t uttb Sümbfe, unb nod; obeitbreitt in ber giitjiernip. Slud; gäbe unfere ©efeltfdjaft eine breite gäljrte, unb ioir bürften attent nadj unfern SBeg in bie ©arnifott erfämjifeit muffen. 9Bir lootten auf ben Stot;ifan loarten. Stad; biefer ©ntfd;eibung beb Stamteb, oon bem Sttte itt ber gegenwärtigen gefä^rtid;en Sage Statt; erwarteten, würbe nidjtb mehr über biefen ©egenjtanb gefjirodjen. ©ie ©efettfdjaft bitbete nun ©rujjjwn. 9trrowt;eab unb fein SBeib faßen abgefonbert unter bent $er SPfabftnber. 3. ülufl. 5 66 ©ebüfd)e unb Beßuadjen ftd) mit teifcr Stimme, bet SMamt mit Gruft, bab S03eib mit bet uutertljänigcn Sanftmutt), metdjc bie IferaBgcmütbigte Sage beb SffictBcb eines SBiibett Bejcid)itcte. Sßfa'bs finbct unb Gab t)attcu in einem bet Äätjnc iptaf) genommen unb fd)ma£tcn bon iljren betriebenen 9(6entcnetu jtt Sßajfer unb 51 t Sattb, t»ät)venb Sabber unb SJtaBel in beut anbcrn faßen, moBet it)tc äBertrauttdjfeit in einet Stunbc gröfsere gortfdjritte matfite, atb biefeb untet anbetit Umftäitben niefteicßt in einem Saljre bet galt gemcfett märe. Ungcad)tct iljrer Bebrätigteu Sage bctgiitg it)iten bie Seit fdjnett unb Befottberb bie jungen Scute loarcit nidjt menig »ettoimbett, alb it)itcn Gab mitttjeitte, mie tange fte ftd) in biefct Stßeife Befd)äftigt t)ättcn. „SSettn man taud;en Bannte, gtcitttb 5ßfabftnbev, fo möd)te iicfet Staunt Bctjaglidj genug fetjn; bcttn um audj bem©eufel fein Stedjt ioiebetfat)tcn ju lajfcn, Sfjr tjaBt bie Jtäljne tjübfdj einge; Bud)tet, unb itt eine Stfjebe geBrad)t, bie beut Spaffatminb trogen mürbe. ©ab eittjige tutBegueme ift, bajj man bott feinet pfeife fotl feinen ©ebrauep ntadjett föititeit." „©er ©aBacEbgerttdj mürbe unb bcrratljen, unb metd)en S3ots tlfeil t)ätten mit « 01 t adelt gegen bie Shtgen bet Sttingob gerid)teten aSorfidjtbmajiregeln, mettit Sonett it)te Stafe fagte, mo unfet äkrfted ju ftttbett ift? Stein, nein, uuterbrücft Gute Segierben, untetbrüdt fie, unb tentet eine ©ttgettb bon bet 9tott)t)aut, mctdje eine ganje SBodje beb Gjfenb bergeffett fann, um einen eiujigcn Sfalb jtt et; Beuten, gärtet 3f)t nidjtb, Sabber?" „©et Setbcnt fommt." „®attn laßt uitb feljett, oB bie Stugen beb SWoljtfanb Beffetr ftnb, atb bie eiiteb gemiffen Shttfdjett, ben fein ©emerbe auf’b SBajfet füljrt." ©er Sftoljifan folgte berfetBen Stidjtung, metd)e Sabber eins gcfd)Iagett Ijatte, um ftd) mit feinen greititben ju bereinigen: aber ftatt gerabe attb juge'tjen, brüdte et ftd) itt ber SBittbung beb gtuffeb,.. 67 melcße »crßinbertc, baß er »on ßößer gelegenen fünften gefeiten tourbc, bießt an bab Ufer, unb fudjte mit ber größten Sorgfalt eine Steifung in bent ©ebiifd), lueldfe ißnt ben SÄücFblid: geftattete, oßtte baß man ißit bentcrfcit Fonnte. „®er ©erbeut ftef;t bie Stßitftc \“ ßüßerte ber *)}fabßnber. ,,©o maßt idj ein (Jßriß uitb ein Söeißer bin, ße ßabcit angebiffen nnb beit Sltaucß umgingelt." Jpier unterSratß ein ßerglicßeb aber ßilleb Sacßcn feine SBorte, inbent er jugleid) mit bem (Mcubogeit Saß anßieß, nnb Silie »er: folgten mit gekannter SlnfmerFfamfeit bie lantlofen 33emegungen GßiitgadjgooF’b. Ser SltoßiFan blieb »olle geßn ältinuten fo mibe: meglicß alb ber gelb, an mcldjciit er ßattb; bann mar ißnt äugen: fißeinlitß ein ©egcitßanb »ou Sntcrcfie 31 t @eßd)t gefomnten, benu er ließ einen ättgßlicßeit nnb feßarfen S3licf längft beb ©trontranbeö ßingteiten, unb bciocgte ßdj fd)ite(l abiuärtb, ioobei er ©orge trug, baß er feine gäßrte bem fcidjtcu SEBaffcr überließ. ©r mar ßcßtlicß in großer föaft ttnb Unruhe, unb bliefte bals ßinter ßd), halb unterfueßte fein Siuge jebe ©teile beb Ufer«, mo er ßtß bie .Släßne »erborgen beuFcit ntod;tc. „9ittf ißit ßerciit," ßüßertc Sabßer, Faum fäßig, feine Unge: bulb gurütfgtißalten, „ruft tßtt ßerciit, eße cb gu fßüt iß. ©eßt, er Fomrnt eben an unb »orbei." „Stidjt boeß, itidjt bod), 3 «ngc; cb bringt nießt," entgegnete fein ©efäßrte, „fonß mürbe ber Serßcnt 31 t Frieden anfangen. IDer fberr ßelfe unb, unb leßtc unb SBeibßcit! Slber idj glaube gar, baß ©ßingadjgooF, befielt Singen fo guoerfäßtg ßitb, toie ber ©eutdj beb ßuitbcb, unb ilberßeßt unb itidjt aitfßnbet in ber Um: bitfdjitng, loeltßc mir gemadjt ßabeit!" £icfer Slubbrud) loar ungeitig, benn bie SGBorte mären Faum aubgcfßrodjcit, alb ber Sitbiancr, melcßer bereitb einige $uß über beit Fünßlidjcit SSerfbecf ßinaubgefdßritten mar, ßlößlidj attßiclt, eilten feßen unb fetjarfeu SBticf auf bie Siitßßanjuttg marf, fdßtell 68 einige ©cfjvitte rücflvürtb meiste, fid) beugte unb, nadjbcm er bei« ®ebüfdj »orßdjtig aubeiitanber gebogen tjatte, unter ber ©efetlfdjaft erfdjieit. „3Me »crßudjten üftiitgo’b!" fagte ipfabßitbcr, foüatb fein greuttb naße genug i»ar, um otjne ®efa!)t angerebet luerben ju fönitcn. „Srolcfcit," ertvieberte furj ber 3 nbianer. „®!eid)»iel, gteid)»iel; Srotefcn, teufet, ffllittgob, SUengtoeb ober gurieit — altcö tji beinahe bab üRdmlitße. 3 d) nenne alte ©djitrfett SDlingob. Äomm ßierßer, fjäuptting unb laß unb »er« nünftig mit einonber rebeu." Söeibe begaben ftdj auf bie ©eite unb befpradjett ßd) ernßßaft in ber ©pradje ber ©etaloaren. 9Ub ißr ©efprädj ju ©ttbe l»ar, trat ßSfabßttber luieber ju ben Uebrigeit, unb tßeitte ißtten Sttteb, tuab er eben erfahren tjatte, mit. ®er Stotjitan tjatte bie ©pur if;rer geiube eine ©treefe ioett gegen bab gort ßitt »erfolgt, Pib Seßtcre ben Stand) »oit Sabperb geuer ju ®eßdjt befameit, loorattf ßc atbbatb iljre ©djritte ans Rieften. ®a SI)titgad)goof ßiebttrdj in bie größte ®cfaljr, entbedt ju locrben, geriet!), fo toutbe eb für itjnnötßig, einen 93erßed aufs iußttbeit, l»o er ßdj »erbergeit fonute, bib ber Raufen »orüber t»ar. ©b t»ar »iet(eid)t eilt @tiid für ilju, baß bie SBitben ju fetjr auf biefe neue (Sntbeduitg adjtcten, um auf bie ©puren im SBatbc iljre gctoöljnftdje ?(ufnierffamfeit ju »ertvenben. Äurj, ße eiften, fünfjelju an ber 3 atjt, rafdj an ißnt »orüber, iitbem jeher in bie gußtapfeit beb anbern trat, unb fo l»utbe eb ©erpent uumögtid) gentadjt, l»ieber in it)r 33ereidj 51 t gelangen. 9(!b ße 511 ber ©tette gefomnten loarett, t»o bie ©puren beb Sßfabßnberb uttb beb SOtotjitanb ßd) mit itjrer eigenen gdtjrte »ermtfd)ten, jogett ßd) bie Srofefen gegen ben gtuß !)iit, unb erreidjteit biefeit, alb Sabper gerabe tjinter ber Sieguttg »erfd)l»uubett toar. ®ie 9tubßdjt itad) bem Staudj I)in l»ar nun frei, unb bie SBitben ßürjten ßd) tu bie SEßätbcr, um ftdj uitbeuterft bem geuer ju nütjern. S!)tttgad)gooI betagte biefe 69 ©elegenljeit, um ins ©affet ffinunter jit ffeigen unb gleidjfaltö bie gluffbiegitng ju gemimten, mcld;e iffn gegen (SntbecEung fdjüfcen follte. liebet bie SBcmeggrünbe bet Srofefen Tonnte bet Stoffitan nnt aus ifftcn Jpanblmtgen nrtljeilen. ©t termutffete, baff ffe bie Siff mit bent Seuet entbecft unb ft eff überjeugt ffatteu, e« fei) nur in bet Slbffdjt, ffe irre ju leiten, angejünbet motben; bemt nad) einet ffaffigeit Unterfudjung bet ©teile Tratten ffe ftdj 'getrennt, unb einige baten ffdj in bie ©älbet begeben, iubeff fecfjö ober adjt ben gujjtrittcn Saäbctg an beut Ufer ffin folgten unb fftoinabmärts gu bet ©teile tarnen, mo bie ätäffite gelanbet ffatten. ©eldjen ©eg ffe nun ton biefet ©teile meiter gemacht, tonnte nur ters mutffet tterben, bemt bie ©efaffr mar ju btängenb, als baff ©erbeut länget Ijätte jögerit [ollen, ffd) nad) feinen fffreunben umjufeffen. 9htS einigen Slnjeigen, bie et aus ifften ©ebetben entnehmen tonnte, ffielt er es für mafftfdjeinlid), baff bie geiitbe am Staube beS $tuffeS ffetitnterfommen mürben. @r tonnte bieff jeboeff niefft mit ©icffer= ffeit beffaufften. 9(lS bet ffjfabffitbet biefe Umffänbe feinen ©eföffrten mifgetljcitt ffatte, gemanuen bei ben jmei anberit meiffen Stännern bie ©efüffle iljres fflerufeS bie Dbetffaitb, xtnb bei ffietben entffftad) bie SBc= ffanblitng bet grage über bie Stittel beS ©ntrinnenS natürlich iffren Sefdjäftigungett. „Safft fdjuetl bie Ääffne frei;" fagte Salb« lebffaft, „bie ©trömung iff ftarf, unb menn mir tüdjtig ritbern, merbeit mit halb aus bem 93ereid; biefer @d)utfeu fetjn." „Unb biefe arme SBlitme, bie taum erff aufblüffte in beit Stdj* tmtgen, — foll ffe in bent ©albe rermclfeu?" entgegnete fein gremtb, mit einer fftoeffe, meldje er unmillfütjrlidj au6 feinem langen Umgang mit ben Selamaren gefdjöbft ffatte. ,,©it müffen alle einmal fferben," antmortete ber 3üitgling, in; bem ein tüljneS 3tott) feine ©angen färbte; „Stabet unb Slrromfieab’d 70 SBeib fonnett ftd; in freit Ääfjiteit itieberfegeit, inbeß nur aufrecht, Wie es Statutern jientt, nufere ?PfIic^t erfitffctt." „3«, 3f;r feijb ein geWaitbter Stafrercr, aber bie Sosfjeit eines Statgo ijl ttod; nie! geWaitbter. Sie tafjtte (Tnb fdjitefi, aber eine ©ttdjfenfitgef ijl fd)uef[er." „55a wir einem uertraucitben Sktcr nufer SBort gegeben fabelt, fo ijl es Stanncrfrffidjt, uns biefer ®efaf;r git ltitterjicljeit." — „Stber eS ijl nidjt unfere 5pfticf;t, bic Äfugtjeit aufer 9Id;t ä« taffen." „.fttugfjcit? Stau fann feilte Jtfugljeit aud; fo Weit treiben, freit Statt; barüber jit ocrgeffeit!" Sie ©ntppe jlaitb an freut ttaf;eit Ufer, frer ffSfabfinfrer auf feine SÖücfife gefefjitt, bereit (Schaft attf bent ÄteSgrttnbe ritzte, titbef er freit Sauf berfetbeit, Wetdjer bis jtt feinen ©djitftcrn reichte, mit betfreu ffrättben untfajjte. Stts SaSpcr friefett fdjWerett uitb unncr* bienten iPorWurf aitsftiejj, blieb baS tiefe Stoff; auf beut ©ejtrijte feines jtainerabeit uitperänbert, obgfeid; ber junge Statut bemerftc, baß feine fjäiibc bas Sifen fres @eWef;reS mit ber ^efligfcit eines ©djraitbjlocfeS ttntfajiten. SSeiter «erriet!; ftd; feine Bewegung. „3f;r feijb jung ttitfr Ijeifsföfrftg," erwieberte frer ipfabjtuber mit einer äöitrbe, wcftf;e frte 3uf;örer feine moratifefje Uebcr(egenf;ett bentiidj fügten tief, „aber mein Sieben war eilte Steif;e ppn ®efaf;ren, wie friefe, ltnb meine ®rfaf;rtutg ttnb meine ®abett ftnb poit ber 9(ri, frafj fte nidjt iwtfjig fjabeit, jtd; bttrdj bie Ilngebttfb eines Äitabett metjlent jtt (affen. SBaS freit Staff; aitbcfaitgt, SaSjier, fo wili id; fein frfiufcitbcS, befrettfttitgSfofeS SBort einem äf;it!id;eit ent; gegenfe^ett, bemt id; weif, bajji 3f;r treu auf Surent Sßoffeit feijb, fo gut 3f;r es eben pcr|lef;et; aber beadjtet freit Staff; eines Statutes, ber freit ÜtatgoS fdjon iit’S Singe fdjattfe, afs 3f;r itod) eilt Jltitb Wäret, uitb Wcijj, frafj matt if;re ©djfaufieit Wett cf;er bttrdj Äfug= Ijeit itmgcfjt, afs burdj £f;orf;ett itberfifiet." „3d; bitte Sud) um aSerjcifiung, tßfabfinber," fagte ber reuige f 71 3 a«fier, inbem er mit gcuer nah ber hanb be« anbetit griff, Weihe bicfer il;m überließ, „ih bitte aufiidjtig um SBerjeifyung. tgi war tpfidjt unb fcfytecfyt vott mir, einen SWattn jtt befhulbigen, von beut man Weiß, baß fein her} in einer guten ©adje fo feft ijt, at« bie Reifen am ©eeufer." 3um erftemnal vertiefte fth bie 9tött)e auf beit ©angeit beS 5|3fflbftuberä, unb bie feierliche SEBitrbe, bie er angenommen Ijatte, wih bent StuSbrurt ber ernjten (Einfachheit, Weihe alte feine ©efüljte burhbrattg. er, ’« ift gut," antwortete er tadjenb. „3h trage nichts? nah, unb mir fotl atth Stientanb ’Wa« nahtragen, ©eilte Statur ijt bie eine« ©eißen, unb bie befielt barin, feinen ©roll im herjen jtt liegen. @« mähte übrigen« ein lijslihe« ©erl geWefeit fetyn, bem ©erbeut ba nur halb foviel 31 t fagett, obfhon er ein Selaware ift; bemt jebe garbe Ijat ihre ©eife." — @iite33eritl;rung feiner ©hulter mähte ben ©frecher fhweigen. ©abet ftanb aufreetjt in bem Hal;ne unb il)re leichte, fhWettenbe ©efiatt beugte fth vorwärt« in eine Stellung be« anmutl;igften ©rnfle«, wäfjrenb fte bett ginger an bie Sieben legte, mit abge* Wanbtem haufite ihre att«bru(f«volleu Singen auf eine Deffititug im ©ebitfhe richtete, unb babei mit bem (Sttbe einer gifherruttje, Weihe fte in bem auägcjtrecften Sinne hielt, beit SfSfabftttber berührte. Scjjterer beugte feinen Hoff gegen eine Deffuttug, Weiher er abfthtlid) 'tafle geblieben War, unb flüfievte bann 3 a«fertt 31 t —■ „Sie verftuhten ©ingo«: ©reift 31 t eitern ©affen, ©ämter, aber verhaftet euh fo ntl;ig, Wie bie ©tänttite tobter Saunte!" 3a«fer eilte mit lantlofeit Stritten jum Haljtte, uitb verantajjte mit höflicher ©elvalt ©abet, eine Stellung angunefnitett, burh bie il;r ganger Härter verborgen Würbe, obfhon e« wal)tfheittlih über i 72 feine SRacht gegangen linke, baS äStäbdjen ju bewegen, ihren .Stopf fo itiebtig ju halten, baß fte nicht noch einen Stic! auf bie geiube l^ätte Werfen Wunen. @r ftellte ftd) bann in ihre Otätje unb brachte baS gefpannte ©erneut in Sütfdjlag. Slrroloheab unb Sf)ingacf;goof fronen jit bcm ©erflecf unb lauerten luie bie Schlangen, mit bereite gehaltenen Sfßaffen, Währeitb baS SSSeib beS elfteren ben .Stopf jloifcheit bie ähtte beugte, ihn mit ihrem Äattunfleibe bebecfte, unb ft(h ganj ruhig unb unbeweglich oerhiett. ©ap jog feilte beiben 5)tifto(en aus bem ©ürtcl, fchten aber ganj verlegen ju fepn, Wel; ehern iturs er folgen folle. ®er SJSfabftitber ftanb bewegungslos. @r hatte gleich im Slitfang eine Steifung eingenommen, tvefche if;m geftattete, mit gutem ©rfolge burch bie ®tätter ju jielcit, unb bie ^Bewegungen ber geinbe ju überlvathen. @r loar ju fiaitbhaft, um fief; burcf) biefen Tritifchen SKomeitt aus ber Raffung bringen ju taffen. @S loar in ber $h rt i e ' n beeitgenber Slugeitblicf. ©erabe, als ättabef bie Schütter ihres güljrerS berührt hatte, geigten ftd? brei Stofefen im SBaffer an ber fflieguug beS gluffeS, etloa h unbe rt ©Ken oon bem SBerfiecf, unb hielten an, unt ben Strom nach unten gu unterfuchen. Sie loaren nacht bis junt ©iirtef, für einen gelb; jug gegen ihre geinbe bewaffnet unb mit ihren jtriegSfarben bemalt. Sie fehienen über ben Sßeg, ben fte ju SSerfolgung ber gfüdftigen einjnfchlagen hätten, uuentfehieben ju fepn: benn ber eine beutete firontabloärtS, ber anbere aufwärts unb ber britte auf baS entgegen; gefegte Ufer, 3lw e 3weifel loaren fichtlid;. 73 Siinftc« Kapitel. ■©itr bet !Eob unb bori bet Sob UebctuU gtfcpäfttg btofit. ®f>cnci). mar ein athemtofer Slugeitbticf. ®ie ^flüchtigen tonnten bie Stbffchfeit ifjver Verfolger nur au« ihren (Sebcrben unb ben Seiten errathen, metdje ihnen in ber SButf; ber getäufe^ten @r; Inartung entfdjlüpften. ®aff eine Partie bereit« auf ihrer eigenen gä^rte ju Sanb jurüifgeteert mar, mar faft geimjj, unb atfo ber gauje S3ortf)cit, metcheit man non ient Kititjlgrtff mit bem gfeuet ermattet hatte, »ertöten. ®icfe ^Betrachtung mar jeboch int gegen; märtigeit Stugenblicf »on geringem tBetang, ba bie (Sefettfdjaft »ott ©eite berer, metche in bem SBaffer heruntertamen, mit augenbtief; liehet (Sittbccfung bebroht mar. Sitte biefe Untftänbe traten mie burch Stnfchauung »or bie ©eete be« tpfabfinber«, metcher bie -Kott); menbigfeit einer fchnetten (Sntfcheibung ertannte unb bie 93otbcret; tungeit jitm .Kampfe traf. (Sr minfte ben beiben Snbiauent unb 3 a«pent, nähet 511 tommen, unb tt;eitte ihnen ffüjletitb feine 9tn; fichten mit. » „Sffiir muffen fchtagfertig fepn, mir muffen bereit fepn," fagte er. ,,(S« ffitb nur brei »on biefett fcatptuffigcu f£eufetit, unb mir ffnb fünf, » 01 t beneit »ier at« bra»e .Krieger für foteff ein ©effar; mühet betrachtet merbeit tonnen. (Sau;bouce, nehmt 3h r beit fflurfeffen, ber mie ber ®ob bematt ijt, auf« Korn; bir, Shingacff; goot, gebe ich ben ©äuptting, ttnb St)*' Strromheab, ntüpt (Suet Stuge auf ben 3uitgen hatten. (S« barf fein Srrthunt ftattfinben; beitn jmei Jtugetit in ben nätntichen Körper mären eine fünbtiafte tBerfchmcnbung, menit man eine tßerfon mie be« ©ergeauten Tochter in ®cfahr mciff. Set) fctbft mitt bie Steferoe bitben, mettit etma fo ein »iertc« ©emürnt erfchiene, ober eine (Suter Jpänbe ffch at« ! 74 unftdfcr erprobte. ®ebt aber nid;t ffetter, Bis id; eg fage. 30Bir Bürfctt nur im äuperften Stotbfatt nufere Südjfcn braud;en, Ba Bie üBrigcn ffiöfewidfter Ben ätnatl hören Würben. Sflgper, Suttge, Wenn ftd) eine ^Bewegung lauter utig, »out Ufer tjer, hören läpt, fo »erlaffe id; ntid; auf @ud;, Baß 3l;t mit Beg ©ergeanten £od;tcr Beit Jta'^n auglattfen lapt unB in ®otteg Stauten, fo fd;nel£ 3I;r Knut, Ber ®arnifon 51 t treiBet." ®cr ipfaBjinbcr hatte faunt Biefe Slnweifungcn gegeben, alg Bie ?(mtäl)erung Ber f^cinbe Bag tieffte ©til(fd;Wcigen nötbig machte. 35ie fsrofefeu tarnen tangfam Ben ©trom herunter unB ^fetten fttfj in Bie Stätte Beg ®ebüfd;eg, Wetd;eg über Bag Sffiaffer ^»er^ing, iitbep Bag Staufeben Ber Slätter unb Bag Staffeln Ber BWeige eg BatB jttt ®eWipl;eit ntad;te, Bap ein jweiter Xtttpp fiel) läitgg Bern Ufer binbemegte uitB mit Benen im Sßajfct gleichen Schritt uttb gleiche 9tid;tung Ijielt. ®a Bag »on Ben glücfjtigcu füuftlid; an* gelegte ®ebüfd; in einiget Qsntfernung »ott Bern wahren Ufer lag, fo wtttBeit ftd; Bie BciBen Saufen gerabe au Bein gegenüber liegen; Ben f|Stmfteu anftdjtig. @ie hielten nun an, unb cg erfolgte eine ffiefprerfjtmg, ioeld;e fo 51 t fagett über Ben Häuptern Ber SScrbor; gettcit Weg geführt mürbe. Sit Ber SI;at würben attcb nufere Stei; fenBctt Bttrcb :tid;tg gefdjüht, nlg Bttrtb Bie BWcige ttnB SMätter il;rer fßflanjung, weld;e fo btegfant Waren, Bafj ftc jeBeitt Suftftrome nad;; gaben tttiB »on jcBcm tnel;r alg gcwöl;itltd;eu SBittBjiop weggeblnfett worBctt wären. ®lüdlid;erWctfe führte Bie ®ejtd;tglinie Bie Slttgett Ber SffiilBen, fowoljl Berer, Bie int Sßaffer fiauBett, alg Beter, Weld;e fiep am SattBe BefaitBett, über Bag ®cBiifd; Weg, Beffctt ©lättet Bicpt genug fd;iettctt, um jcBett 33erBart)t jtt befeitigen. ffiielteid;t verl;iuBertc blop Bie Jtithnl;eit Biefcg Stngwegg eine augenblidltd;e (SittBcdung. 3>ie 53efpted;uttg, Weldje nun ftattfanb, Wttrbc mit ®ntfi, febod; in gebäntpftent Sone gefiil;rt, alg ob Bie @pred;euBcu Bie Slufmcrffamfeit irgettB ciiteg Saitfd;crg »ercitcln wollten. @te gefcbal; in einem Sialeft, Weldjett fowohl Bie beiBcn iuBianifd;ett 75 .Rrtcgcr, atb aucp bet fpfabpitber uctpanb, obfcpoit Sabpent nur ein Speit beb ©cfpräcpeb beuttiep Würbe. „Sie gäprtc ip bittep bab Söaffcr weggewafcpcit," fagte einer »on unten, meteper bent fünfiltrfjcn (Berpcrf ber gtücptigen fo itapc paitb, bajj man ipit mit bent ©atmenfpieji, weteper in Sabperb itapitc tag, patte erreichen fönnen. „SfBaffet pat fic fo rein gemäßen, bap ber fjitnb eincb fflcitgccfe ipr niept ju folgen wüfitc." „Sie (Btcicpgcpcptcr pabcit bas ttfer in ipren jiäpnen Bertajfen," antwortete ber @precper am Ufer. „@3 fann ttiipt fcpit. Sie SBncpfen unferer Krieger unten pub ft eper." Ser fjjfabpnber Warf Sabperit eilten BcbcutnugbDotten 93K(f ju uitb Biß bie 3äpttc jufammen, um ben Son fetneb Sttpemb ju unfetbritefeu. „Saß meine jungen Scutc um pep Blicfeit, alb 06 ipre Stugeit Slbfcr fcpcit," fagte ber ättepe Ärtcger unter beiten, Weltpe tut 5 titß Wateten. — „Sffiir pnb eilten gaitjcn SDtonb auf bent Ätiegbpfab gcWefeit uitb paBeit nur eilten ©fatp gcptitbeit. (Sb ift ein SOiribcpeit unter ipttcit, uitb einige unferer Sapfent Brauepen SBeiBer." ©tücftirper (Steife gingen biefc SBorfe für SJtaBcl oerforeit: aber Sabpcrb ©time furepte pep tiefer unb feilt ©epept gtüpete. Sie äßifbcn Bracpen uuit ipre Vtnierpattung aB, uitb uitfere 9)crpecftcn pörten bie laitgfamen ttnb »orpcptigeit (Bewegungen iprer geiitbe aut Ufer unb bab Staffeln beb ©eBüfcpcb, Wetcpcb pe auf tprem Sfßcge Bcputfant auf bie ©eite Bogett. @ie waren attgeit; fcpcinticp fcpoit über ben (Berpect piuaub; aber bab Jpäuflciit int (Baffer piett itocp an unb prüfte bab Ufer mit Stugen, wetepe aub ipreit ÄricgbfarBeit wie bie ©http aub Hopfen peraub funfefteit. Otacp einer SfSaufc Bon jwei ober bret Spinnten fingen attep pe an, promaBwärtb ju gepcit, obgteiep nur ©epritt für ©epritt, Wte Sftcnfcßeit, wetepe eilten Bcrlornen ©egettpaub fmpen. Sit biefer Söeife fameit pe au bent fünptiepett ©eptrnte oorbei. 76 •unb bet ©fabßnbcr »ctjog feinen fWuitb ju bem tjcvjticfjeu aber tautlofen Sachen, metdjeö Statur unb ©ernoßiißeit ju einet ©igcit; tßümtidjfeit biefeß Stanucö gemalt ßatte. ©eilt iEriumf'f) tont jebodj Beteilig, benn bet teßte beö abjießenbeit fjäufteinö Warf ge; tabe in biefeni ©toment einen ©tief jurüef, unb Ijielt f'löijtid) an. Siefe Scmegung unb ein yorffctjtigeS Umfdjaueit Berrictl) itjnen auf einmal 51 t ißrent größten ©dfrcdeu, baji einige oernadjläßigtc ©itfdfe ben ©erbadft ertegt ßätten. @ö mar Bietteidft ein ®titcf für bic ©erbotgenen, baß bet .Stieget, mcldjer biefe erfdjtecEenbcn 3eid;eit eine« auftaudjenben ©erbadfteö fuitbgab, ein Süngling mar, bet etß Sldjtung ermerben mußte. (St mußte, mie midjtig ©efomtenßeit unb ©efdfeibcnßeit für einen 5Dtenfd)cit ton feinen SaJjren fei), unb fürchtete mef)t ats Stltcö baö Sädjcrtidje unb bie ©eradjtnng, bie bie gotgen eines falfdjen Samtens mateit. £>fjne baßer einen bet ©efäßtteit juriief; jurufen, feßrte er miebet jutiief, unb mäßtettb bie Stnbern in bem gluffc meitcr feßritten, näßette et ßdj Borßdjtig ben ©üfdjcn, auf bie et feine ©tiefe mie butd) einen Sauber gebannt ßiett. (Sinige Bon ben ©tattern, meldje bet ©onue am tneiften auSgcfcßt ge; blieben, maten octmelft, unb biefe teid;te Stbmcießung mon ben ge; mößittidjen ®efeßett bet Statur ßatte bas tafdjc Stuge beb Snbiauetb auf ßdj gezogen; benn bie Sinne bet SBitbeu metben butd) bie Hebung fo fdjarf, baß ißtten jumat auf ißrettt Äriegbßfabe oft bie anfdjeiuenb uubebcutenbßeit ®inge ben Baben 51 t ©erfotgung ißtcS Sieteb geben. Sie fdjeinbare ®eriugfitgigfcit bet fflcobad)tuug, meldje et gemadjt ßatte, mar ein niederer ®tunb für ben Säugling, ße feinen ©efäßttcn nid)t mitjutßeilen. Jpatte ße ißn mirftid) jn einet ©nt; bedung geleitet, fo mar fein Stußnt um fo größer, mcnit et beßetben ungctßeitt genoß; unb mar bieß uidjt bet Satt, fo burfte er ßoffen, bem ®etäd)ter ju entgegen, metdjeö bie jungen Snbianer fo feßr fdjeuen. > 6 iet broßte jebod) bie ®efaßr eine« .fjintcrßatts unb eine« 77 Uc&crfrtfCö, wctdje jcbcit, aucp beit feurigften Jtriegcr ber SBätber ju einer tangfamen intb oorpeptigeu Stnnäpcrung oeranlaft; unb in gotge ber au« ben eben genannten Umjtünben fitepenben 3 ögeruitg waren bie jwei Partien bereit« fitnfäig bi« fecCjjig ©Pen Weiter abwärt« gefommen, epe ber junge SfBifbe ber Slupftanjung ipfab* finber« fo nape gerüeft War, bap er pc mit bett §änbeu er* reichen tonnte. Ungeachtet iprer fri tippen Sage patte bie ganje ©cfetlfdjaft in bem ©erpeefe ipre Slugcn fejt auf ba« bewegte ©eftept be« jungen Srofefcn geridjtct, auf Welcpem fiep ber .Kampf feiner ©efiipte beuttiep jeiepnete. ©a« erjte war bie tebpafte Jpoffnuitg, einen ©rfotg ju erringen, Wo einige ber ©rfapreupcu feine« Stamme« bereit« irre gegangen waren, unb einen Dtupm ju erwerben, wie er fetten einem ©tarnte »on feinem Sitter, ober einem ©tutpigen auf bent erflen Krieg«pfabe 51 t Speit wirb: bann folgten 3tueifet, ba bi'e Welfen ©lätter fiep wieber ju erpebeit unb in ben Strömungen ber Suft aufjuteben fepienen; unb enbtiep lief ber SlrgWopn einer «ors panbenen ©efapr bie erregten ©efitpte in feinen 3 ügcn ipr berebte« Spiet treiben. ©ie butep bie §ipe peroorgebraepte ©eränberung be« ©ebüfepe«, beffeu Stämme im SBajfer (tauben, War nur fo teiept gewefen, bap ber Srofefe, at« er wirftiep bie .§anb an bie SÖIätter tegte, ju ber ffierntutpung tarn, er pabe p

eb fPfabftnberb Kaf)n lag jmtächfi ant Sanbe ttnb mujjte bephatb äitfejst bab Ufer »erfajfett. S'er ®efatoare fbrattg anb Sattb, mtb bertor ftct; in ben Sffiafb, ba er eb für feilte Sfttfgabc fjicft, ben geittb in biefer ©egcitb jtt übertoaehen, ittbep Sfrrotohcab feinen toeipen ®cfät;rten Beim gfottniaehen beb Kaffttc« unterftüfste — ttnt Sabbern fofgcit jtt föittteit. Sfffeb biefeb toar babSBerf eiitcb Sfttgem Bficfb; afb aber fpfabfittber bie Strömung an ber Sfuptoeitbimg erreicht hatte, fühlte er f'föfjficf; eilt S ei eh t er to erb eit beb ©eloichtcb, toefchcb er führte, mtb Bei einem SRücfBficf eittbecfte er, bap ber Sütbcarora mit feinem SBetb if;it »erfaffen hatte. S)er ©ebattfe an 79 Sßcrratf» blt^te in feiner Seele auf; aber eS war leine 3eit, anju: halten. ©er .Klageruf, ber jtdj Weiter unten im gtujj erhob, »er: füitbete, baf ber WeggefdjWcmmte Mürber beö jungen SnbiancrS bei feinen greunben angelaugt War. ©er .Knall einer Stinte folgte, uitb nun fal) ber SBegWeifer, baß Sauber, narijbcm er bie Stuf* beugung umrubert Ijatte, beu (Strom guer burrfjfchuitt unb Söeibe, 3a»ber aufrecht ftchenb im Stern beö .Kahnes, unb Sab am ©ug ftjjenb, bas teilte ffahrjcttg mit fräftigen 9tuberfd)lägeu »orWärtS trieben. Sin ©tief, cin@ebanfe, ein SluöfunftSmittct erfolgte rafrf) aufeinanber in ber Seele eines IDlanneS, ber fo fefyr au bie 2Bed)felfätte beö Oränjfriegö gewöhnt War. Sr fbraitg frf)netl in baS ßinbertheit fernes .Kahnes, brängte ilju mit einem fräftigen Stof in bie Strömung, unb fing gleichfalls an, ben Strom fo Weit unten jn frcujeit, baf feine ©erfoti eine Sielfcfjeibe für ben geinb abgeben mochte, iubent er Wohl Wußte, baf if)r eifriges ©er: langen, jtd) einer ätobfl;aut 31t »erftdjern, alle anberen Oefütffe überwältigen Würbe. „galtet Such ober ber Strömung, 3aSf>cr," rief ber hochher: jige Sührer, inbetn er baS äöaffer mit langen, fefien unb. fräftigen Stnbcrfchlägen beitfcfjte, „haltet Surf) Wol)l über ber Strömung unb treibt gegen baS Srtengebüfrf) auf ber auberit Seite ju. ©e: Wahret »ot Sltlem beS Sergeanten ©orf)ter unb überlaft biefe Schufte bou SKingoS mir unb bcitt ©erbeut." Saöfer fchwenfte fein Dtuber junt 3eirf)en, baf er if)n »er: fianben habe, unb nun ertönte Scfitf auf Srf)uf in rafcher {folge, baöon jeber auf ben einzelnen SDlanit in betn nächften .Kahne ge: richtet War. „£a, entlabet nur Sure ©üdjfen, it;r ©untmföbfe," fagte ber ©fabfttber, ber in ber Sinfamfcit ber Sffiälber, in Wetrf)er er fo »iete Seit jitbracfte, bie ®eWot)nheit angenommen hatte, mit jtrf) fetber 31t fbrerf)en, „feuert nur eure©üdjfen ab auf eilt un(irf)ereS 3ie£, unb laft mir Seit, auf beut Stuf eine Slle um bie aitbere 80 jtotfeßeit uns ju gewinnen. 3eß Will eucß nicßt fcßimtßen, tote ein ®elatoate ober ein ältoßifan, beim meine ®abett ftnb bie eines Weißen SDtaniteS uttb nicßt bie eines 3nbianerS, nnb bas ßkaßlen im jbnmbf ift nicßt bie ©aeße eines cßrifilicßeit ÄriegerS; «bet ieß !«nn ßier gattj «Kein mit felbjl fagen, baß ißt Wenig bejfct fei)b, «iS bie Scnte aus beit ©täbten, toeteße auf bie Stotßfelcßcn in ben Dbjlgärteit fcßießeit. 9tuit, baS toat gut gemeint" — et jog feinen Stoßf jttrücf, b« eine gliittenfitgel eine .fjaarlocfe von feinen ©eßlfifen abgeriffeit ßatte — „abet bas Siet, bas um einen Soll feßtt, iji eben fo nußloS, afs bas, toelcßeS jiets im gliutentauf bleibt. Stab getßait, SaSßcr! ®eS ©etgeanten fitßeS Äinb muß getettet Werben, uttb Wenn wir Sille unfete Äoßfßäute batübet vertieren füllten." SDtittlcrtoeile Wat bet SPfabftubet in bie SDtitte beS gluffeS uttb fafi an bie ©eite feiner geinbe gerubert, iitbeß bet anbete Äaßn, bott SaßS nnb 3aSßerS fräftigen Sinnen getrieben, bet ißitett bc* geicßiteten ©teile am -jenfeitigen llfer naße gefontmen War. ®et alte ©eemanti fßielte nun feine Stolle mäitnlitß, beult er War auf feinem eigenen ©lentent, liebte feine Sticßte aitfttcßtig, ßatte eine befoitbete SSeteßrung gegen feine eigene fßerfon, nnb Wat beS geuerS nitßt ungetooßnt, obglcicß feine (Stfaßrnng fteß auf eine gang anbete 9ltt beS ttriegfüßrcnS bejog. tSinige Stuberftreicße bratßten ben Äaßn in baS ©ebiifcß; 3)tabet eilte mit SaSßet aitSSaitb uttb für ben Slugenblitf Waten alle btei glücßtliitge gerettet. 9tid)t fo berßielt es fieß mit bent fßfabßnbet. ©eine mutßige ©elbftanfoßferung ßatte ißn in eine ungemein gefäßrtieße Sage ges braeßt, bie fteß no(ß babuteß berfcßlimmerte, baß, als et getabe junäeßft bent geinbe botbei trieb, bet am Saitbe beßnblicße Raufen am Ufer ßetuntet glitt, ititb fteß mit feinen in bent SBaffer fleßen* ben gteunbeit bereinigte. ®er DStoego Wat an biefer ©teile ungefaßt eine Äabellättge breit, unb bet in bet 5Dtitte beftnblicße Äaßtt nur ungefaßt ßunbert ©den ober eine Sielweite boit ben 81 (Büdffeit entfernt, Welcßc oßne Unterlaß gegen beitfelöen abgefeuert würben. 3n tiefer »ergWeifelteit Sage tßat bie ^cfltgfett uttb ©cfcßttfr lidjfeit bes (ßfabßitberö gute ®ienße. (Sr wußte, baß feine Sicßere ßcit nur »on einer fortbauernben (Bewegung abßtitg; bentv ein feß* ßeßeitbcr ©egenßanb Wäre in bicfcr (Entfernung faß mit fcbcm Stßuffe getroffen worben. (Bewegung attcin War aber nicßt jitrcicßenb; bemt feine geinbe, bie gcwößitt Waren, ben Jfjirfd) im Sprunge git tobten, wußten Waßrfdjeintid) ißr 3iel fo woßl ju nehmen, baß ße ißit getroffen ßabeit würben, Wenn bie (Bewegung eilte gleicßförmtge war. (Sr faß ftcß baßer oeraulaßt, ben Äurs beb JtaßiteS gu Wed;* feilt mtb fdfoß einen Slugenblicf mit ber Sdmelligfcit beS (Pfeiles ßrontabwärts: int nädjßen ßielt er in biefer Stiftung an, mtb fcßititt fdjräg in ben «Strom ein. ©lücflidjerWeife fonittcit bie Srofefeit ißre ©eweßre im Sffiaffer nicßt wieber laben, mtb baS ©ebitfcß, wclcßeö überall baS Ufer fäumte, ntadße es ßßwierig, beit glüdßltitg im ©eßdjt gtt beßalteit, wenn ße ans Saitb ßiegeit. Unter beut Sdjttße biefer Umßfinbe, mtb ba bie geiitbe alle ißre ©cWeßre auf ißit ab* gefeuert ßatten, ßatte ffSfabßitbet fdßtell, fowoßt abwärts als in bie £luere, eilte ßeßernbe (Entfernung gewonnen, als plößlid; eilte neue, Wenn aitdj ttidß imerwartetc ©efaßr auftautßte. Siefe beßaitb in ber (Srfdjeiituitg beS öaufeits, wcldjer Wetter unten im Sjiitterßalt gelegen ßatte, um ben Strom gu bewadjen, mtb beffeit bie Sffiilbeit iit beut oben aufgefüßrten furgeit ©efpräd) (SrWäßnuitg getßan. ®ie 3aßl beffelben betrug nießt weniger als geßit, mtb ba ißiteit alle (Bortßeile ißteS blutigen ©eWcrbeS befannt waren, fo ßatten ße ßd) an einer «Stelle aufgeßellt, Wo bas Sffiaffer gWiftßett ben gelfcitunb über bie Untiefen braubete: Stellen, bie malt in ber Spradfe biefer ©egeitb Stromengen nennt. (Der (ßfabßitber faß Woßl, baß er, Wenn er iit biefe (Sitge einltcfc, auf ben SPmtft gugetriebeit Würbe, Wo bie Srofefen ftd; aufgeßellt ßatten; beim bie Strömung War unwiberßeßtieß, bie Reifen geßattcteu feilten anberit «Der qSfabftr.ber. 3. >2luf(. 6 i jld)ern ^Durchgang, uub fo Waren £ob ober ®cfaugcnfd»aft bic ein; jigett Wahrfdfciitlidjen Stefultatc eines foldjen 33erfudfeS. ®r jlrcngte batier alte feine Jträfte an, um baS wefilidje Ufer ju erteilen, ba ftd) bie geittbe alte auf bev Djlfeite bcS glitffeö befanbett. Slber eilt folcheS Unternehmen überflieg bie Äraft eines eiujetnen 3ftew= fdjett, mtb ein SBcvfitd), bie Strömung ju überwinben, Würbe bie ^Bewegung bcS ÄahtteS auf einmal fo weit oermiubert haben, bajj baburd) einem fid;ercu 3 ietcn Oiauut gegeben worben wäre. 3 u btefer 9tott) tarn ber SBcgweifcr mit feiner gewohnten fdjncllett S3cfon? nenheit ju einem ®utfd)lup, für Welchen er atsbatb feine IBorbcrcu tungcit traf. Slnjtatt ftch 31 t bemühen, baS gahrwaffer jtt ge; wimtcu, jtcucrte er gegen bie fcicptcfic ©teile bcS Stroms, unb als er biefc erreicht hatte, ergriff er feine SBüdjfc unb fein S3ünbcl, fprattg ins äßaffcr mtb jtng an, ron gclfctt 51 t gelfett gu Waten, wobei er feine Dtichtnng gegen baS weftlidje Ufer eittfd;lug. 25er Äal)n wirbelte in ber wüthenben Strömung, rollte über einige fdjtüpfrige ©teilte, füftte unb teerte ftch wieber, unb erreichte ettbj tid) baS Ufer, einige (Sllctt oon ber ©tettc entfernt, Wo bie Sttbiancr ftd) aufgcfictit hatten. Sttbep War ber tpfabfittber itod) tauge nid)t ateper ©efahr. 3n bett erfteu 5Dtiuuteu erhielt bie äkwttnbcrung feiner ©djuclligs feit unb feines SJiutheS, biefer bei beit Snbiatteru fo t)od) gearteten Sugcnbctt, feilte SBcrfotgcr regungslos. StB er ber JDurjt ttad) 9tad;c ttttb bie ©ier ttad) beut fo hochgcf'riefenen SiegcSäcidjcu übermal* tigten batb biefeS oorübergeheube ©cfiiht uub Wedtcit fte aus ihrer Gsrfiarruttg. SMdjfc um 93üd;fe trachte, unb bie Äugeln fausten um bcS gtüdftttngS ^auftt, baf er fie burd) baS 33raufcn bes 2Baf* fcrS hören tonnte. Slber er fdjritt fort, gleich» einem, ber ein bttrd) 3aubcrtraft gefdfüijteS ScBen trägt, uub obwohl baö grobe ©ewattb beS ©reujtnanncS mehr als einmal bitrd;löd;crt Warb, fo Würbe bod) nicht einmal feine §aut gejireift. 25a ber fßfabfiuber einigemal genöthigt war, bis unter bic 83 9(rnte im SBafcr ju loaten, ivoBci er feine Südjfe fammt teilt ©djiep; bebarf übev bie loütpcitbe ©trömung erpob, fo lourbe er uou bcr Slitprengmtg halb erntübct, witb er loar erfreut, au einem gropcit ©teilte ober oielitiepr einem Keinen Seifen, meldjer fo porf) über bett SIup perborragte, bap feine obere Släcpe trodcit loar, .galt ntadjeit jtt föiittctt. 9(uf biefett ©teitt legte er fein pMoerpont ttttb fteltte fief; felöfi piitter bcnfelbctt, fo bap fein Äörper tpeil; toeife gebecSt lottrbc. ©ab toeplidje Ufer loar nur ttod) fiiufjig S«f entfernt, aber bie rupige, fdjitede, bitttKc ©trömung, bie jioifcpcit btttdj fdjop, »erfdjaffte ipitt bie Ueberjcugung, bap er pier locrbe fdjloimtiteit müjfett. ®ie Snbianer , loeldje nur eine SBcitc ipr Scuer auöfcjstcn, »erfantmclteit ftdj um beit geftranbeteit Äapit; ttttb ba pe babei bie Stüber faubett, fo fdjidtcit pc pdj att, über beit SIup ju fcjjeit. „plfabpitber!" rief eilte (Stimme aus bem ©ebüfepe beb loeftlidjcit Uferb an bcr ©teile, loetdje ber augcrebeteit picrfou am itädjpcu loar. „3Bab loollt 3pr, 3abpet?" ,,©epb guten SWutpb;— @b pitb-Stcuitbe bei ber Jöaitb, mtb fein Sülittgo fo(C über beit Stuf fepett, optte für feilte Äüpnpcit ju biipctt. SBürbct 3pr itidjt befer tpmt, Sure Stupfe auf beut Seifen ju laffen mtb perüber ju fdjlointntcn, epe bie Sepurfcu pdj fott litarfjcit föttiteit?" „(Sin braoer Säger täpt nie fein ©eloepr im ©tidj, fo lange er phdocr in feinem gortt mtb eilte Äuget in ber ©afdje pat. 3dj pabe peitte beit ©rüder itodj itidjt beritprt, mtb fümtte bett ©ebaufen ittdjt ertragen, mit btefent ©eloftrnt gufamnten gefontiucu gtt feijit, opite ipttt eilte ©riititermtg an meinen Stauten jurüefjutafeu. ©in bibdjett ffiafer loirb meinen Seinen nidjt fdjabcit, ttttb iri) fepe jenen Sumpenferf, beit SIrrolopeab, unter bett ©ttoldjett; idj mödjte ©ent loopl eilten Sopn, beit er fo reblid) oerbieitt pat, jufeitben. Spr pabt bodj poffcnttidj itidjt beb ©ergcanten £odjtcr mit per; unter ttttb iit bie ©djitplocitc iprer Äugeln gebradjt, Sabper?" „@ie iji in ©icgetgeit, menigften« für beit Slttgeitblid, obgleidj Stile« bouon aBtjäugt, bag mit beit ging jtotftgen tut« ttnb bcin getnbe «gatten. (Sie iititffcn jegt ttitfere ©djmäcge feinten, tttib tvcitn fte übetfegeit fottten, fo jmeiffe icg nic(;t, bog eilt Sgeil bauen auf ber aitbetn ©eite bleiben mitb." „©iefe Äagnfagrt betrifft @uere ©oben naget, nt« bie liteiitigcit, Sttitge, obgleich idj mein Stüber ganbgabcit luerbt, luie bet befte äfititgo, ber je einen ©«tut erlegte. SBeitit fte unterhalb ber ©troiiu enge frettjen, marittn fottten mir itidjt eben fo gut oberhalb beffetben über ba« ntt)ige SBaffer fetten, uitb fte btttd) bn« «piit ttnb £er, mie int SBotfffiet, junt S3eften ^ ab eit fönnett?" „SBett fte, mie id) gefagt gäbe, eine ffkrtic auf beut attbertt Ufer taffen merbeit; ttnb bann, fpfabftitber, möcgtet 3gt SMabel beit tSitdjfen ber 3 rofcfeit b(o«gebctt?" ,,©c« ©ergeanten 3Toct>tcr lmtg gerettet merbeit," eittgegncte ber SSegmeifcr mit ruhiger ©netgie. „3gt gabt 9tedjt, 3a«fet; fte got ititgt bie ©abc, igren SÄutg babtttd; 51 t bemägren, bog fte igt füge« ©effdjt ttnb igren" jarten Jtörficr einer fOtiitgobücgfe an«- fe|t. Sfßa« fönncit mir ftjitn? SBir ntüffett eben, menit e« möglid) ift, ba« Uebcrfcgcit ein ober jmei ©iititbeit uergiitbctit, tutb bann in ber ©nnfettjeit unfer Segtc« uerfitdjen." „ 3 dj fiimiite ©itd) bei, fpfobfiitber, menit e« bemerfjieftigt merbeit foitit. Stber ftttb mir and; fintf geling für biefe« SSorgabcn?" „®er «öetr ift mit tut«, 3mtge — ber jbett ift mit 111 t«; ttnb e« ift unuentünftig, jit glauben, bog eine fperfon mie bc« ©et* gcanten S’odjter in eiltet foftgen SSerfegeitgeit fo gaitj uoit ber Sorfeguitg fotttc uertojfcn merbeit. ©« ift, mie id; gemig meig, fern 93oot jmiftgett beit hätten ttnb ber ©arttifoit, ot« ttnfete bctbeit Äägne, ttnb id; beitfe, e« mirb über bie ©oben, einer Stotggant gegen, Stngcftdjt« jlueier Sitdjfeit, mie bie ©urige ttnb bie nteiitige, über bett ging jtt fegeit. 3 cg mitt niegt fragten, 3a«ger, ober mnit meig in atten ©ränjorten mögt, bog ber fMrfdfetöbtcr fetten fegtt." 85 '<1 „Sure ©efdjidiid)feit ifi ncifyc unb fern befannt, ipfabfinber, ater eine SBücIjfc Sraiicfjt 3eit, unt gelabeit 511 Werben; and) fet)b 3pr nidjt au beut Saitbe uitb burdj einen guten S3erfled gcfdjii^t, wen bein aus 3 h* (Sud) ©ttrer gewohnten ätovtficile bcbieiteit fönntet. äßenit 3t;v unfern Äaljn hättet, getrautet 3h* ©ud) Wölfl, mit trodeitem ©eWefir bas Vifer $tt erreichen?" „Äanit ein Slbler fliegen ?" erwieberte ber Siitbcre mit feinem gewohnten Sachen, inbent er im Sfiredjen ritdmärtö blidte. „Slbcr es Würbe unfiug fei)it, Such felbft auf bem Sßaffet auSjufefsen, benit biefe Sbifjbubeit fangen wieber an, ftcfj an iljr Untrer unb i(;re Äugeln ju erinnern." „@ö fault and), ohne bap id) mich in ©efaljr begebe, gcfdjeheit. •Btciftcr Sab iji nad) bem Äa^it t^iuaufgegangen unb lnirb beit 3weig eines SBaunteS in beit ^luft Werfen, um bie Strömung 51 t itiiterfudjeit, Wetd)e » 01 t jener obent Steife iit ber 9iid)tuitg ©ured jfeifen iauft. Set;t, ba fontmt er fdjoit, Wcittt er gut anlangt, fo bitrft 3fjt nur beit Sinn auöjiredeit, unb ber Äaf;it wirb folgen. SebenfaliS wirb ihn, Weint er alt ©ud; Vorbeigehen fotite, ber SBirbel ba unten mieber Ijevaitfbriugen, fo baff id) il)it wol;l er* reichen fantt." SBähreitb Sabber nod; fjn-ad) > fant ber fd)wimmenbe Sweig näher, ©r bcfd;lcitnigte feine @efri)winbigfeit mit ber jnnehnteitbctt Sd)uclle ber Strömung unb fdjWebte fthneii abwärts auf beit fJSfabs fiitbcr ju, welcher ihn rafd) ergriff unb als ein ©rfoig verfbrcdjeubeS Setdjen iit bie §öl)e hielt. Sab verjlattb baS Signal ttnb überließ beit Äat)it mit einer 93ehutfamfeit uitb Uutftdjt, 51 t bereit ffleobs achtung bie ©eWohnheit ben Seemann geeignet gemacht h«tte, bem Strome. Sr fchwamnt tu berfelbeit 9tid;tung, wie ber Sweig unb in einer 3Biitute Würbe er von bem fßfabßnber angehalten. ,«®as ifi mit ber ©inftdjt eiueö ©reitjmantteS auSgefiihrt, 3'aSbet," fagte ber 2BegWeifer lactjcnb. „SDod) ©ure ©aben eignen fid) für bas Sffiaffer, Wie bie meinigen für bie ®älbcr. 9luit lapt S6 bicfe fdjuftigen SDitugoö ilfre ^offnen fpanncit unb aufregen, beim bicjs ifl bab lefsteinal, baf fte im ©taube ftnb, auf einen SKaitit auperljatb ciiteb ©erftccfc« gu gielctt." „Schiebt beit Äaljit gegen bab Ufer, legt gegen bic Strömung ein, unb fpringt hinein, Wenn er abftüpt. SKan f)at Wenig SJortfjeit, Weint man ftdf ber ®efal)r aitbfefst." ,,3d) liebe eb, ©eflcfjt gegen @eftd)t Wie ein 99tamt meinen gchtben gegenüber gu fielen, wenn fte mir hierin bab Seifbiel geben," erwiebertc ber ©fabfittber flolg. „3dj bin feilte geborne Dtotlftfaut, unb eb gehört tnefjr gu beit ®abett eine« weiften SKaittteb, offen gu fedjten, alb iit einem Jöinterlfatt git liegen." „Uttb SOtabet?" „9tid)tig, Sttitge, 3t;r Ijabt rcd)t; beb ©ergcanteit Smdftcr Jititfs gerettet werben, mtb eine tfmridite Slubfejjung, Wie 3l)r fagt, giemt blop Jtitabcn. ®laubt 3f;r, bap 3f)t auf Gsurcnt ©taitbort ben jfaljit anffaitgcit Knut?" „Sarait ifi fetttSwcifcl, Weint 3 : l)r it;m eiltenfraftigcit Stop gebt." ©fabfiitber wanbte bie erforbcrlidfe Jtraft an; bie leidjte ©arte fdfop quer über beit treitttenbett Siattin, unb alb fte gegen bab Sanb fam, nuttbe fte sott 3abbcrtt ergriffen. ®a bie beibeit greuttbe nun beit ,Kal;it ju fidjern ttitb bie geeignete Stellung in einem ffierjlcd jtt neunten Igatteit, fo blieb iljneit nur ein Slttgettblid, um ftd) bic ,'öäitbe jtt bri'tcfen, Wab mit einer bgcrjlicdgfeit gefdfal), alb ob fte ftdj itad; langer Srcitmtitg ioieber jum etfieninal gefefjen Ratten. „Stuit, Sabfier, mir werben feifeit, ob einer sott biefett ffllittgob über ben Dbwego fe^cit fann, Wcittiiljiit ber Jf?irfd)etöbter bie Säljne Weibt. 3f;r fet)b gmar sielleidft gewaitbtcr in ber fjüljtung beb Siubcrb, alb iit beut ©ebrattd) ber ©itdjfe, aber 3fyr fyabt eilt tapfere« öerg unb eine ftdfere fjattb, mtb bab ftitb fdjou ®ittgc, bie bet einem .Kampf in Setradft fommeit." „SDtabel wirb midf gwifdfcit if>r uttb ifyreut geiitbett ftttbcu," fagte 3a«pet ruf;ig. ’? 87 „Sa, ja, bcS Sergeanten Sachter muff befdjübt werben. Sdj ttebe ©neff, Sunge, um ©ttret felbfl tollten; aber idf lieBe Such noch »iet mehr, toeit Sfto fo auf beit Sdfujs biefeS fchtoathen ®e; fchöfifs bebadjt feyb, in einem Stugenbticf, too fte ©ttrer gattgen Sltannheit bebarf. Scf;t, SaSfier, brei wn biefeit Sdjtttfcn finb * eben in ben Äaljn gejiiegen. Sie ntüffen glauben, toir fetjeit ge; flogen, fonfl Würben fte fo etwas ftd)er nicht-im 9(itgeftd;t beS •föirfdfetöbters getoagt haben." 2)ie Srofefeit fdjienen ftch nun gu einer jtreujung beS Stro; me« attgttfchtcfeit; bemt ba ber ißfabftnber unb feine jfreunbe ftch forgfättig »erfiedt hielten, fo fingen ihre jjeiitbe att gu glauben, bafi fte bie gluckt ergriffen hatten. ®iefen ÜlttStoeg Würben and; toofft bie liteijten SBeijjeit eingefdftagen haben; aber SMabet toar unter bent Schujse »oit Seiden, toetdfe ju fefjr ben Ärieg in ben SBätberu faitnten, um bie ©ertfyeibigung beS eiitjigeit UebergattgSfntnttcS, ■ ' ber it;re Sicherheit gefäf;rbeit tonnte, gtt »eritadfläpigen. 3®ie ber $fabftnber gejagt hatte, toareit brei Ärieger in beut Äaljit, »on beiten jtoei auf beit jbitieeit int Stnfdjtag tagen, um jebeit Stugeitbticf it;rer töbtlidjeit SBaffe eilt Siet geben gu Winten: ber britte flattb aitfredjt iit beut Stern unb tenfte baS Stüber. Sit biefer SBeife »ertiejjett fte bas Ufer, ltadjbem fte, elfe fte in beit Äat;u traten, tt;tt »orftchtig ftrontauftoärts gelitten Ratten, um in baS »ergteidjungStoeife fiitte SBaffer oberhalb ber Strontettge gu fomntett. SKait tonnte auf ben erften Stid fetfen, bafj ber SBilbe, toetdfer bas SBoot führte, feine Sadfe gut »erjiaitb, beitn unter feinem langen unb ftdjeren 9tuberfd;tag flog baS teidjte gat;rgeug mit ber Seir^tigfeit einer fjeber iit ber Sitft über bie gtängettbe $Iäd;e. ,<* „Soft id; fetter geben?" fragte SaSfier ftüflentb, unb gttternb »or fflegierbe, ben Äantfif gu beginnen. „Stoch nicht, Sunge, ttod; nidjit." ©S ftnb ihrer brei, unb Wenn fWetfier ©afi bort toetfj, tote er bie Schtüjfetbüchfen, bie iit 5 , i i 88 feinem ®ürtel (letten, ju getrauten I;at, fo füniten mir fte immer att’3 Sani fommcit lajfen. ©tt merbett bann ben Äaljn miebet Triegett." „Slber SDtabel?" — „jfürdjtct ttidjtä für beä Sergeanten JEodjter. Sie ifl ja, wie 3ljt fagt, ficf>cr in bettt Ijoljten 93aunt, beffen Deffnung 3ljt flttgetmeife burct) bie SBrontbeerflaube oerbarget. ©ettit ei maljt ift, mab 3^r mir über bie ©eife, mie 3f;r iljte füäljite »erbeclt Ijabt, erjagtet, fo tönnte bab füge ®efdjöf)f moljl einen -Mtoitat bort liegen, nitb alle SHittgoä att3lad;eit." ,,©ir firtb beffen nie geling unb idj mitnfdjte, mir Ijättcn fte «nfcrem eigenen Sßerfled neiget gebracht." „©atttm, @att*bouce? tun igten itteblirgett Heilten Äofif unb i(jr tlobfenbe« Joerj ben (liegeitbeu Äugeln auäjufe^ett? Stein, nein, fte bleibt beffer, mo fte i|i, toeil fte bort fixerer ifl." ,,©ir jtttb beffett nidjt geling. ©ir hielten uttO audj für firget hinter bent ®ebüfcg, unb bodj Tjabt 3gr felbjt gefegen, bag mit entbetft mürben —" „Unb ber junge Teufel »oit SKtttgo feine Steugierbe büfjett muptc, lote e6 mir alle biefe Scgufte tguit follett —" ©er $fabftnber unterbradj feine ©orte, beim in biefctn Singen* blitf fcglug ber Änalt einer fflücgfe an fein £>fjr. ©er Snbiatter int Sterne be$ Äagtteä fgraitg god) in bie Stift ttttb fiel mit bettt Stüber itt ber fjaub tttä ©affet. (Sin leidjteö Staudjmölfdjcu mir* beite aus einem ber ®ebüfc£?e auf bent öfllidjeit Ufer in bie Jöötje, unb »erlot ftdj halb itt bet Sltntofbgäte. ,,©a3 ifl Setgents Stfdjett!" rief ber $fabftnber, froljlocfenb. „(Sin fügnereä mtb treuercä föetj gat nie itt ber Snifl eine« ©ela* marett gefdjtagen. (S$ ifl mir jtoar leib, bag er gtg in bie Sacge gemifcgt gat; aber er fonnte ttufere Sage nidjt fentten, er fonnte nicgt miffen, mie mit flehen." Äautn gatte ber Äagn feinen 3ügrer ocrlotcn, fo mürbe er 89 »ott bett ©djitellen bet ©tromenge ergriffen, ©üttjlid) I)i£fIoS tticttcn bie jlttet ttt bemfelbett befinblid)en3nbiatter»ermirrtuntjtdj, »erntodjteit eg jebodj nid)t, ber Sftadjt beg Qstementeg SBiberjiattb cntgegenjufe^eu. @g mar »iel(eid;t ein ®lüeut, fo Wahr td) lebe," tief i|}fabftttbct, im beut et auf feinen ©efäf;tteit bticfte, unb babei bot Sßotttte übet bett gtücfficken Äunflgtijf tackte, bis ü)in bie $hränen in bie Slugett ttaten. „®r hat ©efträitd) um feinen jfof'f gebunbeit, um it)u ju »erbergett, unb bas ipittbedjotn an bie Sf'i|e gelängt, ©te gliitte liegt auf bent Stüdcheit (Stamm, bad et oor fid) tiettteibt unb et fömmt herüber, um jtd) mit feinen grettttben gu bereinigen. 9ld)! bie Seiten, bie Seiten, Wo et unb id) fotetje Sdjwänfe gemacht haben, red)t nutet ben Salinen bet ttad) Slut tobenben Sthtgod, bei bet großen ®itrd)fahrt um beit ©t) betitm." „@d tarnt, genau betrachtet, bod) nicht bet Serftettt fei>it, 5ßfabftJtberj ich tann feinen Sug entbeden, beffett id) mich erinnere." „SBad Sttg! Wer ftet)t auf bie Süge bei einem Snbianct? — Stein, nein 3>uitge, feine SDialetei iji ed, bie fftidjt, ttttb ttut ein ©elaware würbe biefe färben tragen . . ®iejt ftttb feine gatbett, 3ad:per> getabe toie ©itet gahrgettg auf bem See bad ©eorgettfrettg trägt, unb bie grattgofen ihre S£afeltüd)er in bem Sßittbe flattern laffctt mit alt ihren glecfett bott gifdjgräten unb SEBtlbf'tetftüdeit. Sh« feilt bod) bad Stitge, Suttge, ttttb ed iji bad Stuge eitted fääubt; fittgd. Slber, Sambouce, foitttgefHtmm ed im Üfainftfe unb fo gXäit= gettb ed unter ben SBtättern blidt" — l)’ er tegte bet fPfabfittber feinen ginget leidet, aber mit 9tad)brucE attf ben 9ltnt feitted @e= führten, „fo habe id) ed bod) gefel)en, lote ed ©Dränen gleidj bem Stegen betgofj. ©d ift eine Seele ttttb eilt fj erg unter bieferrothen £aitt, berlajit Sud) brattf, obgleich biefe Seele unb biefed föetg ©abett haben, bie bott bett ttnfrigen yetfdjicbett ftttb." „Stientanb, bet ben tpäitbtliitg fettitt, hol je hi ex ’ an gesivtetfeft." ,,3d) aber Weiß ed," erwieberte bet Slttbcte fiolg, „bentt id) War ittgteitbe ttttb 8eib fern ©efährte, ttttb f) a) te in bem einen il)tt atö einen SMaitit gefunbcit, tote fd;toer ev and; getroffen War, uitb in bet emberit atö einen fbäuptting, toetd;er tocip, bap fetbft bic SBeibet feiueö Stammes anjlärtbig pub in it;ter grötpidjfeit. ©od; fiiii! er, lvelcfjer in biefeut SlugenBticf bemerfte, bap ber ^änfstting Möfättdj bett fpfabftnber rertiep unb gegen beit Staub beä SBafferS ging, anfdjeittenb mit bet StBftdjt, mieber in ben ging 51t fleigen. „@r wirb bod; nidjt fo toll feptt, toieber an bas anbere Ufer juritcfjufc^ren, oietteidjt um einer Steinigfeit mitten, bie er »ergeffen t;at?" „Stein, gewip nidjt; er ifl im ©rttnbe fo ftug atd taftfev, oBgteidj er in feinem testen .fjinterljalt ftd) oergeffeu tjat. ^ört, Sabfier" — er führte ben anberit ein wenig auf bie ©eite, als man gerabe ben Sttbiauet itt bad SBaffer bringen tjörte: „f)ört, Suttge; (Sfjingadjgoof ifl fein Stjrifi, fein Weifet SJtauit, wie mir, fonbertt ein äRoljifanifdjcr •föäitbttiug, ber feiite eigenen ©aBett f;at nub ben UeBertteferuugen folgt, Wetdje if;nt bie Stidjtfdjnur feiner •fjaitbluugen ootfdjteiBett: mtb toer ftd) ju Scannern gefeilt, bie nidjt fo gattj »01t feiner Slrt ftnb, tijut gut, fle ber Seititng itjrer Statur unb @eWoI)iti)ett ju üBerlaffen. ©itt ©otbat beä Söttigd fludjt unb triuft, mtb ed mirb 001t geringem (Srfotg fetjtt, ed it;m aBgeWüljnen ju motten; ein ©enttentan liebt feine SecfetBiffeu, eine ©ante itjrett gebetfdjmucf, unb ed frudjtet nidjt riet, fldj bagegett «tjuflemnten. ©ajtt ftnb Statur unb ®aben eined Sttbiatterd meit tiefer geWurjelt, atd biefe ©eWoljntjeiten, ttttb idj jWciftc bep'tjatB nidjt, bap fte itjnt »01t bent Ferrit ju einem meifett 3 wccfe Bcfdjeert Würben, obgleich Weber 3t)f noct) ich feinen Stathfchlüffcn gu folgen »ermögen." „2BaO fo« baO bebeuteit? — -Seht, bet ®etatoare fchtointmt auf ben jbövber gu, bet bort an bern Reifen hängt. SBarum Begibt er fiel) in biefe ©efahr?" „Um bet @t;tc ttttb beä 9inf;me0 mitten; wie bie gtopett Setten itfte rußige §eimath jenfeito beO 3 )leeres »erlaffett, Wo, tote fte fagett, baS Scrg ißnen nichts gtt Wünfcßcn übrig ließ — bas ^eipt folcße Sergen, bie mit beit Sichtungen gttfriebeit fehlt föttnen — nnb reichet fonttucu, um »ott bet 3agb gu leben mtb gegen bie gratt; gofett gu fämfjfen." „3cß »erflehe (Such- Gntcr gteuttb ijl hittgegattgen, um fiel) beS ©tatfto gu »erjtcheru." ,,'e ijl feine ©abe, mtb er mag ftch berfetben freuen. 3Bir jtttb Weifte 3Jlinuer, nnb löttnen einen tobten getttb nicht »etflümmeln. Stber in ben Stugeit einer Slotßhaut erfdjeint biep als ehrenhaft. @0 mag Such fonberbar »orfommen, ©atubottce, aber ich tyolw toeipe SWännet »ott großem Flamen nnb (Shorattcr ebenfo inert* toürbige 3been »ott ©h re funbgeben fehett." „(Sin SBitber bleibt ein Sßifber, fpfabßnber, mag er in toaS immer für einer ©efeltfcßaft leben." „2Btr haben ba gut rebett, Sttttge; aber bie ®hre be$ SBeipen flet;t gleichfalls nicht immer int ©inttang mit ber 33ernunft ttttb bem Stßitten ©ottes. Set; h a t* e ben (litten SBätbern braupett manchen Stag itt ©ebanlett über biefe ©egenflättbc jugebracht, ttnb bin ttittt gu ber Ueberjeugttng gefontttten, bap bie SBorfehuttg, Welche atte ®tnge regelt, teilte ©aben ohne toetfen mtb »ernünftigeit Stoect ertheitt. SBären Snbiatter gtt StichtS nähe, fo Waren teine gefeßaffen worben, nnb ich glaube, bap am @nbe auch bie Stamme ber Sltiitgo'S gtt irgettb einem »ernünfttgeit ttnb eigentümlichen Bwecte »orhattbett fittb, obfehon ich befcittte, bap bie ©tfenittntß bejfetbeit über meine ©tnftcht geht." 97 „®et ©erbeut fe^t. ßd) Set fctcfcut. ©fafbßofeit bet größten ©cfaßr aus. (SS fantt mtS ben Sag rerfieren." „ffiie et eb betradjtet, nidjt, SaSber. ®icfer eiitjige ©falb gereidjt ißnt, itad) feinen Gegriffen wm .Stieg, ju einet größeren (Sßre, als ein gattjeö Selb boft (Srfdjfageiter, iuetefje ißre .ßaate auf bent Sobf ßabeit. Sa ßat bet feine junge .Rabitätt »ont ©ecßsjigßett bei bent testen ©efeefjt, bas Wir mit beit gtanjofen Ratten, fein Seien bent 33erfud) gcobfeiß, einett feinblidjeit Sreis bfüttbet ju neunten, wobei et ßdj and) ©ßte ju etWetben ßoffte; bann ßabe id) nod) einen jungen gflßnbtidj gefantti, bet ftd; in feine jfaßnc Wtdctte, um barin ben Mutigen SobcSfdßaf ju fdßafen. 3Jtod)te et ßdj Woßt einbiiben, baß et fo fanfter ruße, ats auf einet ©iißetößaut?" „3a, es ift eitt anetfaititteS ffietbienß, feine Sfagge nidjt nie- bet 31 t ßafen." „ffnb bieß ßnb ©ßiitgadigoof’S Farben — et Wirb ße auf; bewahren, um ße feinen Siitbeöftnberit ju jeigett." — ßier untere btadj ßdj ißfnbßnbcr, frijüttefte mefaitdjofifd) beit Soßf uitb fußt fort. „2öaS fage idj! Seilt ©btößfiitg iß bent alten Sßoßifaittfdjett ©tantine geblieben. (St ßat feine Siitber, bie-et mit feinett @iegeSäeid;en erfreuen fönute; feilten Stamm, bet feilte Sßateit breist. (St iß eilt einfamer äßattn in biefer ffieft, uitb bodj ßätt et treu an feinet (Stjießmtg nnb feinen ©oben! ©S liegt etwas (Sßrcuwertßcö ttttb StdßbareS ßierin, SaSßer, 3ßr müßt eSgugeben; ja, es liegt etwas Sfßütbiges batiit." •§>ier erßob ßd; unter ben 3'rofefeit ein geWaftigcS ©efdjret, Weitem fdjiteft bas Sttalteit ißter Südjfeit folgte. Sie geiubc Würben iit ißtem äSeiitüßett, ben SefaWateit boit feinem Dbfet jurüefjutreiben, fo ßißig, baß eilt Sußeitb betfefben in baS SBaßet ßütjteu, uitb einige faß auf ßunbert jfuß tu bet ßßäitnteitben Strömung »orbraitgen, als ob ße Wirftid; au eilten etitßKdjeit 9(usfaf( bäd)teit. 9(bet (SßiitgacßgooT maeßte rußig Weitet, ba et bou ®cr SJfatßntev. 3. 5lufl. 7 98 beit ©cfchojfeu uitocrlefjt geblieben mar, ttttb bccnbctc [eine Slufgabe mit bet: ©eioanbtfieit einet: langen Hebung. Sann fchmang ev fein tviefenbcö ©icgcSjcicfjen in ber Stift nnb lief) feinen @d)(ac()t= ruf in bett furd;tbarjlcit Sntouatioiteu ctfdjatlctt. (Sitte Stiuute lang ertönten tttttt bic fallen bed fdfmcigctibcit SBafbed ttttb ber tiefe, Don bettt Saufe bed ©troiued gebildete ISiitfdjuitt Don einem fdjvceflicfjen ©efdjrei toiebet, fo baß SJlabet in unuitterbrücfbaret gnvdjt if)r §aitf)t jtnfcit lieft, toäfyveitb if;r Ottfel einen Slngcnblict erttfWitf) auf Slmpt bebadft mar. „Sad überficigt Sllled, toad ttagen ijl." „Sd; meip bab nid)t, id) meip bab ttidjt. -SJiftcfjid)t ijl Stitcf; ftd;t, unb 3uneigung ijl Buiteiguitg, ob jte eine ®abe ber Statur ijl, ober ob jte aub bem eigenen Uftl)eil nttb einer fteimilligeit 9litl|ängtid)feit fliept. Sd; mill hier nid)t »on ©erbeut fbtedjen, ber für bie SBeibet feinen ©ittit mehr Ijat, mol)t aber »oit Sabber unb mir; mir jinb eben fo bereit, unb jmifd;cn beb ©ergattten Sechter unb bie -Dtingob jn jleCCett, alb eb t(;r eigener braoer fflater tfjun mürbe, ©ag’ id) nid)t bie 3Bal)rl)ett, Bunge?" „IDtabel famt bib 511m lebten Srobfcti 33littb auf mid) rechnen," fbrad) 3ab|)er, jtoar mit »erhaltenem Sone, aber mit tiefem Slttb; brucf beb ©efüljlb. „@ut, gut," crmiebcrte ber £>nfet, „mir mollcn über biefeit ©egenjlanb nid)t jlreiteit, ba alle bereit fd)eiitett, bem 2Jtübchcti jn bienen; uitb Shaten jinb beffer alb SEBorte. Stad) meinem ®utad)teu fönneit mir uid)tb aubereb tl)un, alb au beit 33orb beb Hahtteb gehen, fobalb eb bitufel genug ijl, bap uitb bie fciitblicfjen Slttblitger nicht feljeit föttiteit, ttnb gegen beit föafett rennen, fo fctutelC eb SBinb unb Beit erlaubt." „®ab ijl leicht gefagt, aber nid)t leid;t gett;ait;" entgegnete bet SEBegmcifer. „SBiv* merbeit iu bem jflttp meit mehr ®efahtett gubgefejst fehlt, alb meint mir unfern SBeg bmd) bie SBülbet »er; folgen, unb baitu ijl bie ©trontettge beb Dbmego »or uitb. 3d) glaube nicht, bap felbjl Sabber eilten Äaljii itt ber ®unfetl)eit mohtbchaltcit barüber megbriitgeit mirb. 2Bab fagt Sljv, Suttge, ba id) bab (Surem Urtl)eit nttb (Stirer ®efd)icflid)feit übertajfcu litttp ?" ,,3d) bin, bie S3euüj}itng beb BtaljiteS attlangettb, mit -Steiftet Gtab ©titer Sltciitnug. SOtabel ijl 51t jart, um in einer 9tad)t, lote 101 bicfe jit toerbcn fdjcinct, burch ©iintbfe unb unter fBaumlvurjcln jit gcljen, unb bann fü^fc id) mein 6crj immer fräfttgcr unb mein Singe treuer, loenii id) ntidj auf beut Sßaffer beftnbc." „.Kräftig mag (Suer 6erj immer fel)tt, Smtge, unb ©itcr Sluge erträglid) treu, locuigfteu« treu genug für einen, bcr fo oiel int gellen ©omtenfchetite unb fo loenig in ben Sßälbcrn gelebt Ijat. greilidj, ber Ontario I)at feine S3ättme, foitfi loitrbe er eine glädje fet)it, bie ba« .§crj eine« Säger« erfreuen föitnte. Slbcr Ina« ©ure' Steinung aubetangt, grcmtbe, fo f;at jte »ief für ftd) unb oiel gegen ftd). ©inmal ift e« richtig: ba« SBaffcr Ijtnterfäpt feine gäl)rte —" ,,9Ba« iji beim ba« .Kiefloaffcr aitber« ?" unterbrach if)it ber Ijaftnäeftge unb Überfluge ©af>. „SBie?" „Stadjt nur fort," fagte 3a«ber, „er bilbet ftd) ein, er fei) auf bent Siccre — SBaffer Ijmterläpt feine gälfrte —" „©« f)interläjit feine, @att«bouce, loenigfieit« bei utt« ttid)f, obgfeid) id) mir itid)t anntafie, ju fageit, loa« e« auf Sem ©teere f)interlüpt. (Sin Äafjit ift fd)itcll unb .bequem, loeitn er mit ber Strömung fd)loitnmt, unb ben jarten ©liebem ber Sergeanten« Sodjter loirb biefe Scloeguitg gut befontmen. Slnberer ©eit« aber I)at ber glttp feine Skrflecfe, af« bie SBolfeit bc« Rimmels. Oie ©tromeuge ift fogar bei Sage für einen JMjn ein fijjtidje« §®age« ftitef; unb bann ift e« ju SBaffer fediö loofdgemeffctte Steilen beit hier an bi« jur ©arnifon. ©ine Saubffmr bagegen ftnbet man in ber ®uufeff)ett nicf;t leid)t auf. @« beunruhigt ntid), 3a«ber, bettn loirflid) ijt Jiier guter Statt) tlfeuer." „SBcitit ber ^crf'eut unb id) in ben glup fd)loiov inElt lm j, {, ttr anbertt jM)it aufbriitgett föititten," etltiiebflfe ber junge ©dfiffer,- fo möd)te unfer ftdfcrjter SBeg ber ju SBaffcr fei)n." „Sa, locmt! — Unb bod) fiepe ftd)« oie(leid)t tf)Uit, ioenu e« erfi ein loenig bunflcr geloorben ift. @ut, gut, loeitn id) be« ©er« geauten Sodjter unb ihre ©aben f «trachte, fo loeip id) nicht, ob 102 es iticfyt bod) baö ffiefte fei)it mag. 3 a, loeitit cS Btop eine Partie »oit SUüniicrit toäre, fo möchte eö eilte luftige ha£ i»erbctt, luenit l»ir mit jenen fdfitftigcn tSurfcifeit ein toeitig SöerfiecJeitö fpielteit. SaSfer," fttl)r bet' SBcgtoetfer fort, iit beffeit Slfarafter feilte ©fitr »oit eitlem ©efräitge ober 33 üf;iteneffcft Staunt faiti, „i»of(t 3 f;t eö ntiterneljmeit, beit jtal;n aufjitBringen?" „ 3 d; lut CI SUleö unternehmen, luaö jtt STtaBetS ©iettfi uitb ©d)ttij bicitett faitit, ißfabfEnber." „®aö tft ein red;tfd)affeite 3 ©efüljl, trab id) bettfe, cd ifi Statur. $er ©erfient, bev Bereits faft entfteibet ifi, faitit (Such helfen. @o loirb biefeit Settfelit toeiiigjietts eines ber SOtittct aBgefdfnttten, mit beiten fie Unljeit fiifteit fömtteit." Sladfbem biefer loidjtige fpuitft im Steinen t»ar, Bereiteten ftch bie »erfd)tcbeitcit ©Heber ber ©efetlfdjaft »or, ifjtt jttr 9 tuSfüt;ruitg 51t Bringen. ®ie ©chatten beS SIBeitbö fielen bidft itBer beit gorft, uitb als es fo buitfct gcloorben l»ar, bap man uitmögltd; ntef;r bie ©cgenftäitbe ant jenfeitigen Ufer uittcrfdfeiben fonnte, luar alles 51t beut ©erfitdfe Bereit. ®ie 3 eit brängte; bemt bie inbiaitifdje ©dflait: heit fonnte fo maitd;cS ffltittct erfttttteit, mit üBer einen fo fdfntalen ©tront 51t fe^cit, fo bap ber ißfabftitbcr mit Uitgebutb barattf brattg, ben Ort 31t »erlaßen. SBcilfreitb SaSfier uitb feilt helfet', Btop mit SWeffcnt uitb bem S'omatfalof beS ©elaluarcit Beloaffitet, iit beit Strom gingen uitb bie gröpte Sorgfalt anluanbten, uni feilte ihrer S 3 etucguitgeit 31t »erratf;eit, fjolte ber SBegtueifer SStaBet aus il)rent Scrftccfe, fjiep fie uitb (Sah aut Ufer l;iit Bis au ben gup ber Strontfdfuellen gefielt, uitb Beflieg fetBjl beit attbent Äaljn, unt ihn an biefetBe ©telte hiitjuBriitgett. ©ief; loar leicht Bemerfjiettigt. ®er öiat;n nntrbe ait baS Ufer getrieBen uitb ®taBet uitb Sab fliegen ein, um ihre »origeit @i£e loieber einjutte^men. ©er ißfabftnber flaitb int Stent aufrecht, ttttb hielt Bet eittent ©eBitfdfe, um ju »erlitten, bap baS fdfitelle Stßajfer fie nicht in bie Strömung reiße. Sinige SHiititteit gekannter uitb 103 aa» I .W «tßemlofcr Slufmcrffamfett folgten, twä^veub Welrijer ße beit (Srfofg beS füllten aSevfitcfieS ifjrev Äatttcraben erwarteten. @3 muß bewerft werben, baß bic jU'ci Stßcntenvcv* ßdj ge* itötßigt faßen, über baS tiefe unb teißenbe gaßrwaßer 51 t fcßwiiitnteu, eße ße beit üßeil bei' Stromenge errcirtjcn foitntcit, weldfcr tßitctt bas SBatcit geßattctc. So Wett mar jeboeß bie Uittcrneßmung halb gebießeit, unb Saößcr ttitb Seffent erreicßtcit in bem gtcicßeit Slugcttbfid Seite an Seite beit ®runb. 3llS ße nun feßen ßhtß gewonnen ßaitcit, naßmeit ße ßcß gegcitfeitig bei ber fjanb uttb Wateten laitgfam ttitb mit ber äußcrßeit ffiorßdjt in ber SÄidjtuitg fort, iit Wetcßer ße beit ftaßu »crniutßcteit. 9(ber bie Xiefe ber $inßerniß brarßte ße jtt ber Ucbcrjcitgung, baß ißiteit ber ®eßcßts* ßnn ßier nur Wenige fbilfe gewäßre, ttitb baß ißr Sitcßcit burd) fette 9lrt »oit Sitßinft geleitet Werben mäße, Wcldje bic Säger iit beit Staub feßt, ißrcit Sffieg unter Umßänbeit 51 t ßnben,'Wo feine Sonne unb feilt Stent einen Seitfunft abgibt itnb Wo einem Sfeufittg iit beit Salnjriittßcit ber Itrwätber Stiles nur wie citt GißaoS crfcßeineit Würbe. Unter fold;cit Öcrßältuißcu ergab ßd) SaSfcr barein, ßtfj iwit bem SfelaWareit leiten 51 t faßen, beßeit ®eWoßußeitcu ißn aut eßeßeit geeignet ntadjten, bie gttßtititg jit überncßmcit. ®3 War jebod) feine flehte Shtfgabc, iit biefer Stunbe mitten burd; baS braufeitbe ©erneut jtt waten, unb affe Derttidffeiten bent ®eiße fo ciitjitfrägeit, baß ißneu bie nötßigc (Sriititeruitg baran blieb. 9113 ße ßdj in bet ffllitte bcS Stromes glaubten, Waren bic Ufer bfoß ltod) als bunffc SJlaßcit 51 t itnterfcßeibcit, bereit Umriße am ffintiitet faitnt bttrd; bie (Sinfdfitittc ber Sauntwiffel aitgebeittet Würben. (Stit ober jWetmaf «räuberten bie SBaitbcrer ißreit ©ttrS, Weil ße unerwartet in baS tiefe SBaßer gefontineit waren; beim ße wußten, baß ber äfaßit an bet fcidjteßcn Steife ber Stronteitge ßdj befanb. SMeß War aitd) übetßauft ißr eiitjigcr Seitfunft, ttitb Saöfer uttb fein ©efäßrte tafftcu nun fcßoit ttaßesu eine Sßiertelßunbe int SBaßcr ßerunt, eine Seit, Weldje bent jungen fBtanit gar feilt Ghtbc jit- u 104 nehmen festen, uitb boeß tonten fie fdjeinfcar bem ©egeitßanb ißteS (Suchen« nidjt itäßer, als fte es tut 9lnfang getoefen tonten, ©erabe, als bet ®etaiuarc anßalteu toollte, nm feinem Äameraben mitäu; tßcilen, baß fte beßet tßuit Würben, aitS Saitb jittücfjufeßteit uitb »on butt aus einen neuen SBerfitd) ju madfcit, faß et in eiltet ©ntfernuitg, bie et mit bem Sinne erteilen fointte, bie ©eftalt eines ©tenfdfen ßdj im SBaffer bewegen. SaSßer jiaitb neben Ser; f'eut, bem es mm anf einmal tlnt toutbc, baß bie Srofefeit bie gleiche Slbßdjt mit ißneit Ratten. „SWiitgo!" toifßerte et in Sauers Dßr — „33ig Serßcnt toitb feinem ©ruber jeigcit, Wie matt fdßatt ifi." ®er funge Sdjißct toatf in biefeitt- SDtomeut einen SBlicf auf bie ©cftalt, ttub bie ctfdfrcdenbe SBaßrßeit blißte and; in feiner Seele auf. ®a et bie ötoißtoeubigfeit ctfanute, ftd; ßier gaitj bent ®etatoarenßäußtling aitjuoertraueii, fo I>ie(t et ftd) jitvüdE, inbep fein gteuttb ßd; »orßdßtg in bet Stidjtung fottbetoegte, itt toeldfet bie frentbe ©eßalt »ctfcßtounbeit War. 3nt ltädfßeit Slugeit; blid tourbe fte toieber ftdftbar uitb bewegte ßdj augenblidlidj auf mtfere beiten Slbenteurer ju. ®ie SBaffer tobten in einer SBeifc, bap »Mt bem getoößnltdjeit ®oit bet (Stimme nichts ju befotgeu ßaitb; ber Subinttet toettbete baßer beit .Soßf tftcftoärts uitb fpradj ßaßig: „Ucberlafß biep bet Sdjlaußeit bet großen ©äjlauge." »J&ugß!" tief bet frembe SBitbe uitb fußt in bet Sßtadje, feines SSolteS fort — „bet Haßn iß gefuitben, aber es iß nientaitb ba, mir 311 ßelfen. Äoiittiit, laßt uns ißn »ont gelfeit lodmadjen." „®cnt," anttoortctc (Sßiugarfjgoof, toclcßet beit ®ia£eft »et; ßnnb, fußte uns, „toir wollen folgen." ®et gtembc, toeldjcr mitten in bem ©raufen ber SBaffer bie Stimme utib ben 9lccent ltidjt ju uittcrfdjeiben »etmodjfe, fitßrte ße iit ber etforberltdjeu ßtidjtuitg, toobei bie beibeit leisteten ßd) bidjt an feilte fterfe ßielteit, uitb fo ctreidßcit alte btei fdjttell ben Jbaßn. ®et Stofcfe ßiett an bem einen ©nbe, ©ßiitgacßgoof ßellte ßdj in 105 bet ®titte auf, ttub Sastyet Begab ftd) jtt bent anbetti, ba es von Sßidjtigfett War, baß bet grembe nicht bie SlnWefenhett eiiteö 33taßgeftd)t« gewahr Werbe, — eine Gnttbeduitg, bie eben fo gut burdj bie Öbteibungöftüde, ioetcftc bet junge SDtaitn ttod) tntg, al« bttrch ba« ©icßtü arm erben feine« JtofjfeS hätte herBeigefitfirt Werben mögen. „Süpft!" fagte berStofefe mit bet feinet Stace eigenthümlidjett Äütje, itnb mit geringer Slitfireuguitg machten fte ben Öba^it »ott bent jfelfett lo«, l;ie(teit ihn einen StugenBlicf in bet Sitft, um ihn attöjuleerett, ttub festen ifrn bann forgfältig in bet geeigneten Sage auf ba« ffiaffet. Sitte btei I)ietten feft, bantit er nidjt unter bent heftigen ©rängen bet Strömung ihren öpänbett eutfrfjtübfte, mdtjrenb bet Srofefe, Welcher ben @ut8 leitete ttttb ftcfj au bent Sitg be« Äahtte« Befanb, bie Sttdjtung ttadj bent öjilidjett Itfer, ober bem Drte, wo feine greunbe feine Stitdfe^r ermatteten, etttfddttg. ®a bet ©elaware ttttb Saöfter ait« bem Vtmftaitb, baß ihre eigene Erfcheiititng bent Sttbiatter fo gar ttidjt aufgcfatten War, aBnetjnteit fonnteit, baß jtch nod; mehrere Srolefctt in bet ©iront; enge Befattbett, fo füllten fte bie DtothWenbigfeit bet äußerfielt ©orftdjt. ffllüititet von Weniger 9 Hutf; uttb Gsmtfdjloffeuheit würben gitbiel ©efat;r 51t laufen gefürchtet h«Bett, Wenn fte jt biefet midjtigeit (Stiuetbung gu yerftcfjetit, jit fügten, ba fotdje auf bet einen ©eite gut ©etfotgung bet Seiitbe, auf bet auberit gut ©idgerung beS DtürtgugeS bienen fottte. Sicfct ButoadiS bet (SefetO fdjaft lvat jebod) fo imetioattct unb gab bem Seiube ein fo »otfe ftäitbigcS ttcbctgcluidft, bajj jid) fctbft bet @d)arffiitit unb bie @el»anbtl)cit beS ©etatoatett einige Stugenbtide in ffiertegentjeit befaitb. ©ic fünf Brofefeit, loctdje ben SBcttt) ifytet ©eubitng »oHfomnten etTaunten, brüngteit gegen it)t Ufet git, of;itc git eiltet 93 eff'tedjititg aujidfalteit; beim ifjte 9 (b|td)t ging in äßatjtljeit balgiit, bie -SRubcr, beten fie fid; botläuftg oetfidfett Ratten, git potcit, unb btei obet »iet .Stieget eiitgufdjiffen, fainint atten i^reu ffiitdgfeit unb iputuetlföriictn, beten ©langet affciit fie ncrijiubett patte, fo batb cS bitufet tont, übet ben Stuf git fd)ü.uiimicit. ©0 etrcidjtcn nun Steuitbc unb Seiitbe ntiteinanbet beit 9 taitb beS öfitidjcit S«l;tl»affets, 100, loie in bem ioefttidjen, baS SBaffcr gu tief luat, um bittdjioatct loctbcit git fömten. föiet etfotgte eine futjeipaufe, beim es loat nötpig, bie 9 (tt 51t beflimnten, loie mau bcit,Kal;n batitbet incgbringcit fotte. ©inet »011 bcninetcn, ioetrijet eben bei bent 93 oot aitgetangt ioat, toat ein ^äu^ttiug, unb ba bet 107 amerifaittfdje Sttbiatter beut ©erbicitjt, bet (Srfaftruitg mtb bem Stange 9(d)tititg jtt jotten gewöhnt ift, fo Betitelten ftdj affe übrigen jtiffe, big bet (5uf)vcr gefbrodjen Jjatte. ©ttrd) biefett fjalt tnutbe bie ®efaljr einet (Sntbetfung für Senket, obgteidj et jut ©orforge feine SM^e in beit .ftatjit ge; Worfelt Tratte, ttod) Bermeljrt. ©od) modfteit feine ttmriffe in ber ©unfettfcit, ba er Sade ttttb -!peiitb anggejogett tjatte, weniger Sfitfmerffiintfeit auf ftd) jicfjcn, ttttb feine «teffttng am öMntcrtljcite beg ÄaTjueg begünftigte gteidjfattg ein fficrborgenbteibeit, ba bie Sttbiancr titefjr BorWärtö Bficften. 9tid)t fo Berf)ictt ftcftä ntit ©I)itt; gadjgoof, wetdjer ftd) fmcfjfläbfid) mitten unter feilten töbtlid)fleu Reinheit Itefattb uitb ftd) fattttt bewegen tonnte, ofttte einen berfefbett jtt berühren. (Sr Berljictt ftd) jebod) rttljig, obgteidj affe feine ©itttte rege Waren ttttb er {eben Stugenblict bereit ftanb, jn citt; Wifdjett, ober im geeigneten iDioiitcitt eilten ©djlag jtt führen, ©ie ®cfaf)r einer (Sntbccfung Wttrbe ttod) babttrdj Bcrminbcrt, bafi er ftd) forgfäftig enthielt, auf bie, Wctdje Tjinter itjiit Waren, jurttef jtt bficfeit, ttttb fo Wartete er mit ber ttnüberwiitblidjeu ®ebttfb eine« Sttbiaitcrb auf beit Sittgettbfid, Wctd)er if)ttt jtt Tjaubcfit geftattete. „Sttögen affe meine jungen Seute attö Sattb geljeit ttttb itjre Sffiaffctt (joteit, big auf bie jWei an bett (Sitbett beg ©ootg. ©iefe mögen bett Äaljit über bie Strömung Wegbriitgen." ©te Sitbiaiter gef)ord)tcn ntftig' ttttb tiefen 3ag|ter an bem (Stent ttttb bett Sttbiatter, Wetdjer bcn.Satjn aufgcfttnben Tratte, an betn ©ttg beg feid)teit gal;rjeuges. Güjiitgadjgoot taud)te fo tief itt bett $tujs, bafj er oljne cutbedt ju Werben, an bett Sfnbcrn Borbci fotnineit foiutte. ®ag ©flätfd)ctit in bettt SBaffer, bag ©djtageit ber ?(rnte ttttb ber gegeitfcitigc Sttrttf Bcrfünbete halb, baf bie Bier, Weldje ftd; fpdter jtt ber ®efc((fd)aft gefuubcit, int (Schwimmen begriffen waren, ©obalb ber ©ctaware ftd) IjieBoit überjeugt tjatte, erf)ob er ftd), nat)nt feine frittjere ©teiinng Wteber citt uttb bad)tc tttttt auf ben Siitgeitblid beg Jganbetitg. 108 ©in SJlcmit «ott geringer«: Sclbfibcpcrrfcpnttg at« bev unfercS .Sriegcr« Würbe ioaprfepeiuttep jept feinen beabftcpttgteit Streich auSgefi'tprt paben. ?(ber ©pittgacpgoob loupte, bap tu>erö gehört Ratten, trat eilte tiefe Stifte ein, unb jeber taufefite aufmertfant in ber eitctu föoffnmtg, etwas gu oetitebmeit, Was über ben SfttSgattg beS frfjrert(icfjen ÄambfeS, Welcher im SBaffer ftattgefunben, ober noch fortbauerte, 9tuffcf)tujj geben tonnte. Stber man »ernaljm nichts burd) baS ©eräufeb beS braufctiben $luffeS, unb eS gehörte mit gu ber ißolitif ihrer getitbe auf bem eutgegengefe^ten Ufer, eine tobten: gleiche ©title gu beobachten. „Otehint biefeS SJtuber, Sagtet/' fngte ißfabfinber ruhig, ob: gteict) eS ben Uebrigeit büitfte, bafi feilte Stimme ntelancbofifcber a(S gewöhnlich tönte, „unb folgt mir mit ©nenn Äabtt. — ©S ift nicht räthtich, lange hier gu bleiben." „Slber ber ©erbeut?" „Sie grope Seetange ift iit ben späitbeit ihrer eigenen ®ott: heit, unb wir leben, ober fterben, je nach beit Slbftcbteit ber ffior: fthuug. Sffiir tonnen if;m nicht helfen tutb Würben guoict Wagen, Wenn Wir müfftg hier bleiben unb wie SBeibcr im Unglüct jammern Wollten. Siefe gttijiernip ijt toftbar." — 110 Sin lauter, tanger, bitrdjbtingeitber ©dfrei brang »out Ufer Verübet unb itnterbradj bie SEBortc beg SfficgWeiferg. „ 3 Bag bebeutct biefer Sarin, SKeifter pfabftnber ?" fragte Saß. Sr Hingt ja nteßr ltue bag 3 etergefdjrei bcr Teufel, alg wie £üite au« ben Hellen »ott ffitenfdjen unb Sßtifleit." „Sfjrijicn ßnb eg feine, geben ftd) and) für feine aug, mtb Wolfen feine fetytt; unb Wenn 3ßr fte Seufel nennt, fo f;abt Sßr fte fattitt unrcdft betitelt. ®iefer ©dfrei ift ein greitbentuf, Wie il;u bie ©feget ausftoßen. Sä ift fein 3 weifet, ber Äörber beg ©erßent ift tobt ober febenbig in iper ®eWaft." „Unb wir —," tief Sabber, Weidner ben ©djnterj einer eblcn Stcue füfjfte, beim bcr ©ebaufe »ergegenwärtigte ftd) feinem ©eijie, baß er Wof)t biefeg Ungfücf abjitwenben »ermod;t fjätte, Wenn er feinen Jtamerabeu itidß »erlaßen fjabeit Würbe. „SBir foulten bem föäuf'tliug nichts nüfjett, Sititge, ititb müffeit biefen ß3la| fo fdjnett alb niöglirtj »erlaßen." „©pte einen ffierfud) 51t feiner ^Befreiung? — ja offne jit wißen, ob er tobt ober tebenbig ift?" „Sabber ffat 9tedjt," fagte fBtabef, Wefdfe jwar 51 t fbtedjcit »ermodjte, jebod) nur mit fyeifdjet unb erftidter Stimme. ,,3d) ffabe feine gitrdjt, Ditfel, trab will fjier bleiben, big id) Weiß, Wag aitg unferem gteuitbe geworben ift." „®ag fcf)eint vernünftig, pfabßnbet," Warf Sab ein. „Sin redfter ©eetitattit famt nic^t wofjl feinen Jiameraben »erfaßen, unb eg freut mtd;, fo richtige ©runbfäjse unter biefent grifdjwaßers S3olf jit ßnbeit." „gort, fort bannt," erwieberte ber uitgebulbige SBegWeifer, itt= bem er jitgletd; beit Äafjn in ben ©front bräitgte. „3p wißt nidjtg, barmn fiirdjtet 3 l;r nid)tg. Slber Wenn Sud) Snerfiebeit wertlj iß, fo beitft barait, bie ©arnifoit 311 etreidfen unb überlaßt ben ©ela* Waren ben tjäitbeit ber fBorfeßitng. 9 ldj! ber .§itfd), ber 51t oft ju ber Stet gefjt, trip am Snbe bod) mit bem Säger jufammen!" 111 SicficnteS Änpitet. ®iejS — gjatroro — ifl bet Strom, batob 3n fityönem n>affreit ber Srofefcti iffre Steifung »erratffen. SUIeS bieß erffot uod) bie großartigen Gnubriicfe ber Sage beß Sftdbdtenß ttttb trug bagu tei, ben gegenwärtigen 9lugentlic£ gu bem aufregenbffeu gu matffeu, ber SDtatet je in tffrent furjen Seten »orgefomnten mar. 3ftutffig, »oll ©eltfloertraucu, mie fie mar, unb uod;) geffoten bureff» ben Stolg, melden ffe alß bie$od)tcr eiueß Solbateu füfflte, fonnte mau faunt Bott iffr fagett, baß Bütt eff t auf ffe cinWtrfc, ater iffr .§erg fefflug oft fdjtteder alß geWöffttlitf;, 112 it)r fd)i5itcä Stuge jtral/ltc, unbemcrft tu ber ginftcntip, mit beut Slitöbtud ber @ntfd;toffcnf;cit, ititb ifjvc belebten ®cfüt)te fleigcrteit ttod) bie (ärtfabewpeit tiefer Sceite tutb ber ©reigitiffe biefer Oladjt. „Sttabet," ftirad) 3a$t>er mit imtevbvücfter Stimme, als bie öldpite fo itatje bei eittanber fdjwantmcit, bap bie •ßcutb beS jungen SDtaitneö fte jufammentjatten fonute. „Sie tjabeu feilte ^urdjt uttb »erträum frcimütljig unferer Sorgfaft ttttb unfcnit guten äBtttcn Stjren Sdjttt; — nid;t Wafir?" „3d; bin eines Sotbaten Sbdjter, Wie 3t)r Wtpt, Saöfm' SBejicvit,- uttb ntüpte evvöttjen, wenn id; gurdjt befcnucit foltte." „93cvfii|Tcit Sie ftdj auf midj — auf ttttS Sitte. ©ttcv Ditfef, ber fßfabftnbev, bev ©elawarc, metttt ber arme ©nrfcT;c Ijicr Wate, — uttb id) fctbft Werben efycr altes wagen, ef;e 3l)itcn ein ScibeS jus ftopeii fott." ,,3d) glaube Sud), Saspcr," erwieberte baö SJlübdiett, inbein fte unwittfüljrtidj iljre ßattb in beut Sßaffer fbiclen tiep. ,,3d) Weip, bap mein £>itfct mid; fiebt ttttb nie au ftd; fetber benft, otfite jtterjl au ntid; gebadjt jtt fyabett; and; glaube idj, bap 3fw alte gvettttbe meineg ffiaterö fei)b uttb gente feinem Jtinbe beijtefft. Stber id; bin nidjt fo fdjWad; ttttb jagljaft, als 3l)r glauben mögt; betttt obgteid) tdt nur eilt Stabtntäbd;en ttttb, wie bic mciften sott biefer Öltaffe, ein Wenig geneigt bin, ®efaf;r ju fet;en, wo feilte i)l, fo »erfpredje id) @ttd; bod), 3aöf'er, bap feilte itföricfyte ftitrdjt »ott meinet: Seite bev Stugübuitg (Surer f)ljlid)t iu ben Sßcg treten fott." „©cö Sergeanten £od;ter f;at 9ted)t, tutb fie iji Wert!;, eilt Ölittb beS Wadern £l;omaö ©ttnljam ju fetyn," Warf ber tpfabpuber eitt. „Stdf, mein Ötinb, wie oft ff'äf;ete ober marfdjirte td) mit 3f;rent SSater att beit gtnufen ober ber Sftadjljut beS geiitbeö iu 9täd;tcn, bie bttnftcr Waren atS biefe, tutb $War unter Umftäitbcit Wo feiner totjfcit fonute, ob iljit itidft ber nädffte Shtgeitbltd iu eilten blutigen •öinterpatt fitpve. 3d) War att feiner Seite, atö er 113 in ber Stuftet terWitnbct Würbe, itnb bet Wadere Äametab Wirb, wenn wir ju iljnt fontmcit, 3I)neit erjäfden, wie wir’« anftellten, mit übet bett ging, bet un« im Stücfen lag, ju fe|en, uttb feinett ©falp ju retten." „@t fjat mit’« erjäljtt," fagte 2Jtabel mit meljr geuer, als ► in iljret gegenwärtigen Sage fing feljtt mochte. ,,3d) Ijabe Sriefc ton it)nt, in weldjen er ton Sittern biefem ©rwäljnttng tljut, unb idj banfe ©ttdj ton ©ruttb meine« .fjerjenS für Sure Sienfle. (Sott möge es (Sitd) tergetten, ipfabftnbet; unb es gibt feine @t5 fenntlidjfeit, bie 3f>r ton bet Xodjter fotbetn fonntet, Weldje fte itidjt mit gtenben für ifjre« 33ater« Seben teiftcn würbe." „ga, ba« ift fo bie SBeife tott @itdj fanften unb reinen ©es fdjöftfen. 3d) fjabe früher einige ton @udj fenneu gelernt, unb ton Slnbern gehört. Ser Sergeant felbft ^at mir ton feinen jüngcrn Sagen erjätjit, ton Sljter SOiutter, tott. ber Strt, wie et um fte freite unb -ton all ben Duerjlridjen unb wibrigen Sufälten, bi« er e« julejst burdjfefjte." *■ „SWeitte Sftutter lebte nictjt tauge genug, um lfm für alte« ju entfdjäbigeit, wa« er ttjat, fte ju gewinnen," ffwadj Sftabel mit bebenber Stbfe. ,,©o fagt er mir. Ser brate Sergeant tjat gegen mid) feinen Dtücftjalt, uttb ba er um mandjeS 3afjr älter ift at« idj, fo betrachtete er mid) auf unfern mannigfaltigen ©fäfjerjügeu al« fo eine Slrt tott ©ofjtt." „SSietleidjt, Ipfabftnber," bemerfte SaSiper mit einer Unftdjer« Ijeit ber ©tiinnte, Weldje ben beabfidjtigten ©djerj rerettelte, „Würbe er erfreut fetjn, itt ©ttdj wirflidj einen folcfjen ju beftijen?" „llttb Wenn er’« Wäre, ©au=bouce, läge etwa« Slrge« barin? „ t beftpc," fbtaef; er, „unb pabc nie gefügt, bafi iefj non bent 2)teere ttitb einer ©tpifffaprt etwa« verfiele. SBir ftcucrn auf unfern ©een ttatp beit ©fernen ttitb bent ©omf'ap, ittib faprcit »oit einem 33 or; gebitge 511111 aitbern, opite und ber gigureit unb ffierecfmitngeit ju bebieneit, bereit wir Wenig bebürfcit. 2 Bir bitrfett unb aber bent; ungeaeptet and) etwa« baraitf 51t ©nie tpuit, wie id) oft »oit fol; (fielt, Wetdje ftd; Satire lang auf bent Meere umgetrieben, gepört pabe. ©rffeitd pabeit wir überall bad Saitb mit SBorb ttitb oft att bent SegerWatl, unb biep niaefjt, wie idi päitjtg gehört pabe, fitpiic ©egter. Vtufere Stßinbc ftitb fitöplid) uttb peftig unb wir ftitb feilte ©tunbe ftcfjer, bap wir iticpt nad) einem ^afeit eilen niüffeit —" „ 3 f;r pabt (Sure Sotpe," unterbrad) ifnt 6af>. „Sie ftitb »du geringem Sftupeit unb Werben fetten audge; Worfelt." „®aä ®ieftotp —" „Sdi f;abe »on einem foldicn ®iitg gei;ßrt, mitp aber ge; flehen, bap icf) nie eines fatj." „O ! junt genfer!" rief ©af> mit ^eftigfett. „©in ©epiffer unb feilt ®icflotp! Suitge, 3pr föititt feinen Stnfprucp barauf madien, fo eilt ©titef »01t einem ©eentaittt ju fepit. 333 er, junt Teufel, pat je »01t einem ©cfjiffcr gepört opite fein Sieflotp ?" „ 3 d; ntaepe feinen Slnfprud) auf trgeitb eilte befonbere ©e; ftpidlicpfcit, Mciftcr Sap —" „®ad ©cpiepeit über bie pflc unb bie Stromengen audge; nominell, Sadpet," fagte ipfabpnber, ber ipm ju §ilfc tarn; „in biefent ©efdiäft niüpt aud; 3 pr, Meijter (Sap, ipnt einige ©eWaitbt; peit jugejlcpcit. 9 tad; meinem Urtpeil ntup jeber nad; feinen ©abcit gefdfüpt ober »entrtpcilt Werben; unb wenn Meificr (Sap bei bent J&inabfchiejjen über bie Dälvegoföttc 5 « nicht« ltttjje ijl, fo teilt idj mtr batait erinnern, baji er gute Ütienftc ju leijtcu vermag, teenu er ba« Sanb aitö beut ©efirfite verloren hat. 2Beitit nun 3aäfer and) für bie offene See nicht taugt, fo vergejfe ich baßei nicht, baff et ein treues Singe unb eine ftdjere §anb f;at, lvemt er über bie Säfte fe|}t." „Stber 3a0f'cr taugt teot)I — teütbe teoI)t für bie offene See taugen, fagte Stabet mit einer hebljaftigfeit in ihrer gelten unb fftfjeit Stimme, bafj Sitte mitten in ber Stifte biefer auferorbent; liehen Scene barübet erfchtaefen. „3ch meine, ein Staun, ber hier fo viel ju teijien vermag, fann bort nicht untaug(icl) fehlt, teemt er gleich nicht f° mit ben Schiffen vertraut ijl, at« mein Ditfel." „3a, ja, unterjlüfst Such nur gegenfettig in (Suter Ituteijfetu heit," erteieberte Sab mit höhitifehent fiächefn. SBir Seeleute hüben immer bie Siehtjahl gegen tut«, teemt teit am Ufer jtttb, nnb tonnen befhutb fetten ju unferent Stecht fomnten; aber lveitn e« bie S 8 er= theibigung gitt, ober bie Sühruitg v c g ^anbetb, ba jtnb teir bann hoch ber ©utgeuug!" „Stber, Dufet, oie fBeteohtter be« haitbc« fomnten nicht, mit unfere jhljlen aiijitgreifcn. (Sä treffen atfo bie Seetente nur mit Seeleuten jufamnten." „®a hat man teieber bie Sgnotaitj! — SBo jütb alte bie Seinbe, bie in biefer ©egeitb getaubet haben, Staitjofeit unb Sitg; täitber? 3 cf) teilt nur ba« fragen." „3it ber^hat, lvo jtnb jie?" rief jßfabfiitbet au«. „Stientanb faitit ba« bcjfer fageit, at« bie, toetchefich in ben SOBälbent aufhatten, Steiftet Saji. 3d) habe oft ihre Starfchtinie verfotgt nach ben ©e= heilten, bie im Stegen bleichten; ich I>abe 3ahre nachher ihteSbut bei ©räbertt gefmiben, itacbbem fte ttttb ifjr Stolj fange vetfchteunbeit teareit. ©eitevale mtb ©enteilte tagen butch ba« Saitb jerfireut, at« eben fo viete Seteetfe, teaä ber Steitfch ijl, lveitit il>it bet (S^vgetj uttb ber SBuitfeh, mehr jtt fehlt, a (6 feine Stebenmeitfchen, leitet." „3cf) muß fageti, Seifler ffcfabßnbcr, baß 3fft bismeilett 3Wet; mtitgen äußert, bie etmaS ntcrfmürbig Hingen aus bent Stunbe eines Samtes, ber ftets unter bent ©emeffr lebt unb fetten bie Suft anbers ats mit ffSuloerbanifff gemengt atffmet •— eines SJtauneS, ber taum feine Hängematte »erläßt, offne einem geinb ju Seite ju geffeit." „SBcnit 3ffr glaubt, baß idj mein Scben im einigen .Krieg gegen mein ©efrf>fect;t jubringe, fo fcnnt 3ffr meber mid) uocß meine ©cs fdjid)te. Ser Sllanu, bet in ben Sälbent uitb an beit ©ränjen lebt, muß fid) beit SBcdjfel ber Singe, bie iffit umgeben, gefallen taffen. 3cß bin nur ein einfacher, macßtlofcr Säger, Kunbfcffafter nnb äBegtocifcr, unb bafür nicßt »erantwortlicff. Stein wahrer ©eruf ifl jebocfj, für bie Slrntce auf bem Staffel) fomoffl, als in jfricbenSs jeiten, ju jagen; obgleich idj eigentlich im Sienftc eines ©fffjiers flehe, ber aber abmefcnb nnb in beit Slnftebefungeit ifl, moffin ich ihm nie folgen loerbe. Stein, nein; Sßlittburfl unb Krieg ftttb nicht meine eigentlichen ©abcit, fonbcrn Stitteib unb jfriebe. Sem gcittbe aber btict'e ich fo gut ats ein Slttberer in’S ©efufft, unb iuaS bie StiitgoS anbetrifft, fo betradjtc id> jebeit, lote man eine ©djtange betradftet — als ein ©efdjöfff, bas man unter bie ftcrfe tritt, fos halb ftd) eine güitftige ©elegeitheit baju barbietet." „Sofft, moffl; id) ffabe micff in (Surent Söcruf geirrt, ben id) für fo regelmäßig ftiegerifdj ffielt, als ben eines @d)iffS=(SoufiabelS. Sa ift nun and; mein @d)l»ager; er ifl »ou feinem fedjSjeffnten 3affr an ©otbat gemcfcit, unb betrachtet feilt ©eloerbe jcbcitfaUS als eben fo rcfffeftabel, mie bas eines ©eefaffrerS. SaS ifl timt freilich ein fßuntt, über ben es faunt ber Stüffe loertff ifl, mit iffm ju ftreiteu." „Statt ffat meinen SSater gelcffrt, baß es effrenoolt fei), bie Saffcit ju tragen," fagte Stabet, „bemt and) feilt Sater mar »or iffm ©olbat." „3a, ja," fnffr ber Scgloeifcr fort, „bie nteiflen ©abeit beS Sergeanten ftnb friegerifd), unb er betrachtet bie nteiflen Singe Üefer SGBeft nur über feinen Sföusfctcntaitf. ©o ifi’ä and) einet »oit feinen Stttfällen, eilt ÄoniglidjcS ©eWeljr einer regelmäßigen, langläufigen 93üd)fe mit bobbelteu SBiftr^uult »orjitjießen. 9lbet foldje begriffe fönneu woßl bttrdj lange ©ewoßnßcit auffommen, unb ffiorurtßeit ift vielleicht ber allgemeine gelter ber äUenfdfcn* natur." „91m fiattbe, bas geh’ idj ju," fagte Saß. „3d) fontute nie »oit einer Dtcife jtitücf, oßite biefelbe SBentcrfttug ju ntadjcit. 9lts id) bab lejttemal eiugclaufcn war, fanb idj in ganj 3)otf faitnt einen SDtauu, ber im 9(l(gemeineu übet bie Singe itnb ©egenflänbe badjte wie id). 3ebcr, mit bem idj jufammentraf, fcßieit feilte Sbecit gegen ben äßiitb aufgetaljet jit Ijabeu, itnb wenn er ein Wenig »oit feinen eiitfeitigeit 9[itßd)tcit abfiel, fo war eb gemeittig* lid), um auf bem Äiel furj untjitoiereit, unb fo bidjt alb möglich auf eilten attberit ©attg aitjttlegen." „93erßel)t 3l)r bieß, Sabber?" ßüßerte SJtabel mit £äd)eln beut jungen Sblautte ju, ber fein eigenes gaßrjeitg gatg bidjt att iljrer ©eite hielt. „Sb iji feilt fo großer Unterfdjieb jwifdjcn ©alj = tutb grifdj; Waffcr, baß Wir, bie wir nufere 3eit auf bcnfelbctt jubriitgett, unb nid)t gegenfettig feilten »crßeßeu fönucit. 3dj halte eb für feitt großes Serbiettß, 2)tabel, bie ©ßradje ttnfereb ©ewetbeb jtt uerßelictt.” „©elbfi bie ffteligioit," fußt Sab fort, „liegt nicht meljr au berfelbett ©teile »or 9!itfet, wie in meinen jungen Sagen. @ie »iereit unb ßoleit ße am Sattbe an, wie fie eb mit anberit Singen and; machen, nub eb tß fein aSunber, Wenn fie ßüt unb wieber feß $u ßijett foiituteit. 9l(leö fdjeint jttwed)felit, nur ber Somßaß nicht, unb and) ber ßat feine 9lbWeichuitgen." „9Bol)t," entgegnete ßlfabßnber, „id) Ijabe aber immer bab Gßrißentßunt unb ben Sontbaß für etwas jientlttß 93cßäitbigeb gehalten." „3a, Wenn ße auf betn SBleere ßnb, mit 9lnSitaf)ute ber 122 Stbioeidfungcn. ®ie Steligion auf beut SOiccvc ijt beute ttodf baffeibe, toab fte toar, alb id) gtttu erfieitmal meine öattb in ben 3f;eerfejfel tauchte. Dlicmattb l»itb mit bab beflreitcit, bet bic ©ottebfurdjt nidft aub ben Singen läßt. 3tf) fann an 53otb feinen Untcrfdfieb gtoifdien beut genügen Bujtanb bet Sfteligiott ttttb beut au« bet 3eit, ba id; itodj ein jttttgeb ffliirfdjletu toar, etfennen. @o ijt eb aber feiitcbtocgb am Ufer. 9te])mt mein SGBort bafiit, Steiftet Ißfabfütber cb ift fdftoet, einen Staun gu ftitben — id) meine auf bent gejls iaitbc — bejfen 9ln|trt)ten über biefett ©egettflanb ttod) genau bic- felbcu mären, ioie et fte »or »ietgig 3aljcctt ffatte." „Mttb bod) ifi ©ott un»eräitbert; ©eine Sßetfe ftnb un»erdit* bett; ©eitt l;etltgeb Sßort ifl uiiBeränbert ; eb mufj baffer aitd) Slltcb, mab gunt greife uttb gut (Sffte ©eitteb Stameitb bient, uitBetän* bert feyn." „Sttdft am Sattbe. (Sb ifl bab getabe bab Stiferabcljte »ott bent Sattbe, baß eb beflänbtg itt SBetoegitttg ifl, obgleid; eb fejl attbs fte^l. SBetttt 3))r einen 93aunt yflaitjt, il;n »erlaßt, uttb nad) einer breijäffrigeit Steife toieber gutücffomml, fo ftnbet ’Sfft ifftt ttidfl loieber, t»ie 3fft ilftt »eriaffett ffabt. ®ic ©labte »ergrößern ftd); neue ©trafen tlfttit ftd) auf, bie ,Rajen toerbett »eränbert; ttnb bie gange Dberjlädfe bet (Stbc erleibet einen Sfficdffel. (Sin ©d)iff aber, »ab »ott einer Sttbiettfalftl gurüdfommt, ifl ttod) gerabe fo, Wie eb aubfegeltc, l»etttt matt bett fefdeitbeit Slttjltid), bie Slbnitßtutg ber ©d)ipgerätf)fdfafteu uttb bie 3ufäl(tgf eiten ber galjrt abredfitet." „®ab ifl nur gu toalft, Steiftet (Saft, ttttb baffer um fo tneffr jtt beflogen. „9(df! bie ®tttge, toefdfe bie Seute äktbeprungeit nennen, bienen gu ttidftb, alb bab Sanb gn untergraben uttb gu »er* unflalten. ®ie ffcrrfidfett SBerfe ©otteb toerbett tägfid) nieberges morfett uttb gerftört, uttb bie fpanb beb Stcnfdfen fdfeiitt erhoben gn fetftt in aüetadfluitg ©cineb mädfiigctt SBiffettb. Statt fiat mir ge= fagt, eb fetfett ©dftedett erregettbe 3cicf;ett beffett, l»ab ttod) fotnnten 123 C- folle, in beut ©üben mtb äBefteit bet grofjeu ©ecit aitjutr effen; beim ich fclbft bin in biefett ©egeitbeit nod; nie gewefett." „ 3 Bab meint 3 I)t bantit, tpfabfinbev?" ftagte Sabber befdjeibeit. „Seil meine bie ©teilen, Weldfe bie Stacke beb .giiitinetb Bejetcfj= nete, ober bie jtch »ietmefjr alb feierliche Sßarnuugbjeichcn beut ©ebanfenlofeit ttttb Itef't'igen in beit 2Beg fietleu. Sltan nennt fte bie tßrairien, unb id) habe einen fo toaeferu $elawaren, alb ich nur je einen fanntc, erzählen hören, bie Jöanb ©otteb liege fo fd)Wer auf ihnen, bafj nicht ein Saum bort gebeilje. (Sin folche fjciiitfuchuitg ber unfdfulbigen Srbe mitji ©chett erregen unb tarnt nur bie Slbftdjt haben, ju geigen, jtt loelchett fdjrecflidfen folgen eine linbefottnene Scrftönmgbfitdft führen mag." „Hub bod; h a be ich Slitftcblcr gefeheit, toelche jtch »iel ooit biefen offenen ffSlägcit »erfbradfeit, weil fte ihnen bie 5 Kühe ber Sichtung erwarten. Stter Srob fdftnecft Sud), fßfabftttber; unb hoch fattit ber SEaijeit baju nicht im ©chatten reifen." „Slber ein reblicher SEBilfe, einfache äBüttfdfe unb bie Siebe ©otteb fönneit’b, Sabber, ©elbft Sfteifter Sab wirb Sud) fagett, baff eilte baitntlofe Sbeite einer oben Snfel gleichen mujj." „.Sann fehlt," Warf Sab ein; „ittbef hoben öbe Sitfeln auch ihren Stufen, beim fte bienen baju bie ,8itrbbered)iiuitgeu ju corri« gireit. SEenit eb auf meinen ®efd)iitact anfonintt, fo h“be ich nie etwab gegen eine Sbene Wegen il)teb SMaitgelb au Saunten einjtt; weitben. ®a einmal bie lltatur beut SKenfdjett Slugctt jttm Umher« btiefeu unb eine ©oniie 51111t Scheinen gegeben hat, fo fann id), weint eb nidjt Wegen beb ©djiffbaueb ober hin unb wieber wegen Srridjtung eiiteb fjaufeb Wäre, in einem aSaititt teilten befonbent 9tuj5eit etitbecteit, juinal, wenn feine Slffeit ober ffrüdjte auf beut« felbeit finb." Stuf biefe Sentetfuitg antwortete ffSfabfritber nur burd) einen leifeit £oit, weldjer bie Slbftdjt hotte, feine ®efäf)rten jum ©tili« fdjweigen 51t oetattlaffeit. SBähreub bie eben erwähnte Wedffelitbe 124 Untergattung mit gebäntbftct Stimme geführt Würbe, waren bte .Stählte unter beu tiefen ©chatten beb weftlidjen Ufers tangfant mit ber Strömung abwärts gegangen, opite baf man ftd; ber Stüber aitberS, alb um ihnen bie erforberlidje Stiftung unb bte geeignete Sage ju geben, bebiente. Die jtraft beb Stromes medffclte fo bebcutcnb, bap bab StBajfer fteiienweife gang fdll ju fielen fdjiett, inbef bie ©efdjwhtbigfcit bcffelbett au aitbcrtt Srten mehr atb jWei ober brei SDtetlen in ber Stuitbe betragen modjte. Söefoitberb brängte eb au beit Stromengen mit einer (Site »orwärts, Welche ein ungeübtes Stitge erfchrecfeit tonnte. Sabber War ber Stcinung, bap fte mit ber Strömung bie SDlüitbuitg beb glttffeS in jwei ©titnben, non ber 3eit ihrer ©iitfdjiffuug au gerechnet, erreichen bürften, uttb er unb Spfabftttbcr hatten eb für geeignet gehalten, bie .Stählte eine Seit lang, ober wenigftenS, bib fte über bte erjten ©efahrett ihres neuen GütrfuS hinaus waren, für jid) fehwintmen ju laffctt. Der Dialog war itt letfe gehaltenen Sötten geführt Worben; bentt obgleich eine tiefe einfatne Stuhe itt biefeni weiten unb faft ettblofctt gorfie herrfdjte, fo fprach bodj bie Statur mit taufenb Bungen tu bet berebteti Shradfe einer Stadjt itt beu SSälbertt. Die Suft feitfjte bttrd; SDttyrtabeit »on Saunten; bab SBaffer riefelte uttb brauf’te jtellenweife an bett Ufern; batttt hörte man hin uttb Wieber baS ätnarven eines BwcigeS ober eines Stammes, ber ftd; unter wogett= beu SBcbttitgeit an ähnlichen ©egenftänben ftiep. Slber alles Sebeit fdjwieg. Stur einmal glaubte Sßfabfinber bap®ehcitl eines entfernten SBolfeb, beren einige bttrd) btefe Sffiälber fireiftett, jtt »ernehmen: biefer Sott War jeboch fo öorübergei;ettb unb zweifelhaft, bap feilte Deutung wohl auf Dtechnuitg ber ©iubilbungfraft fontmen fontttc. 9llb er aber gegen feilte ©efäfjrten beitffiititfd; beb StiltfdjWeigenb in ber eben erwähnten Sßeife auSbrücfte, hatte feilt wadjfaincS Ol; 1 ' beit eigentümlichen Sott erfapt, ber btttd; bab 3erbred)ett eines trocfeitcit S3auutjWeigeS herborgebradjt wirb, unb ber, Wenn il)tt feine Sinne nicht täufd)ten, non beut wefttidjen Ufer herfant. Stßer 125 einen fotdjeu J'ott öftere gehört tjat, Weif, wie teid)t it;n baS £)1)r erfennt uttb ivie gut ber Stritt, Welcher beit SWeig jevt>ricf;t, »du jebent attbcvit ©eräufdj beS StöatbcS jtt uitterfdjeibcn ift. „@S ijt ber guftritt eines Statutes mit Ufer," fagte fpfabfittber jtt SaSfer mit einer (Stimme, bic jwar nidjt ftüfternb, jcbeitfatts aber nic^t (mit genug War, um in einiger ©ntfernung gehört ju Werben, „können bic »erftuchten Srofefett fchott mit ihren Staffen ttttb ohne ein 33oot über ben gtitf gefegt haben?" „@S fatttt ber ®etaware fet)tt. Stögtidj, baf er unfern ÖturS an beut Ufer abwärts »erfolgt, ba er Weif , Wo er ttttS 51 t ftttbett hat. Saft midj bidjter ans Ufer fahren uttb refogitoSäreit." „®et;t, Snttge, aber fetyb leiefjt mit betn Dtuber, uttb in feinem galt Wagt (Sud; aufs Unftcfere atts Vifer." „3ft bas ffttg?" fragte Stabet mit einer fjeftigfeit, Wetdjejte bie SBorftdjt, ifyrc füfe Stimme jtt bämffen, »ergeffett tief. „Sehr unftitg, meine Siebe, Wenn Ste fo taut ftreefen. 3dj liebe jwar Hfre fanfte uttb angenehme Stimme, nadjbent id) fo lange nur bie ber Slämter gehört I>abe; aber fie barf ftd; int gcgcnWärs tigen Stugcnbticf bod) itidjt 51 t »iet uttb jtt frei »ernennten taffen. 3^r 33ater, ber Wadere Sergeant, Wirb 3t)nen fagett, baf SdjWeigett auf einer Sät;rte eine boffette Srtgettb ijt. ®et)t, SaSfer, uttb benehmt (Sud; ftitg in ber Sadje." Beljn britdenbe Sttnuten folgten bent äöerfd;wiitbeit » 01 t SaSferS ÄaT;tt, Welcher » 01 t bettt beS ijßfabfiubet fo geräufdjtoS Weg gtitt, baf er in ber Süitfetfyeit »crfdjwunben War, et;e nod) Stabet glauben fonnte, ber junge Staun Werbe wirTtid; ein Unternehmen Wagen, Wetd)eS bie 5Phaittafte il;r mit fo gefährlichen garbett matte. SBährenb tiefer 3 eit fuhr bie ©efetffd;aft fort, mit ber Strömung jtt fdjWnumett, ohne einen Smtt, man mödjte faft fagett, ohne einen Stthentjug ftch jtt geflatten, um ja ben (eichtefiett 3ton, ber »ont Ufer h'rfänte, nid;t ju überhören. Slbcr es herrfdjte biefetbe feiertid;e ober »tetmehr erhabene Stifte, Wie früher. Stur 126 bas? ißlätfdjern beS SßajfcrS, wenn es gegen ein IcidjteS §iit; bernijj anjiieji, unb bas Scufgcn bet Säume unterbrad; beit Sdjlummcr beS jfotfteS. 9(nt ©nbe beS erwähnten 3citraumS Würbe baS ünadeu bürtet 3Weige Wiebet frfjwad; gehört, uitb cS Wat bem Sfabftttber, als ob et bcu Xoit gcbäntbfter Stimmen Vernäljme. „ffiielleidjt irre idj mid), betttt bie ©ebanfen malen einem gerne, ItaS baS Jjjetj wfinfdjt; aber id; glaube, biefe üöue gleidjcit bet gebämj'ftcu Stimme beS ©elaWarcit." „@el;eu bie SBilben and; int 3Wbe itod; untrer?" fragte Sab- „ 3 a, unb jagen bajit — in iljren glücflicfjeu Sagbgtiinben, aber ititgenbS anbcrS. 3,'iit einer Stotljljaut ifi’S auf bet Grtbe aus, fobalb bet leiste Sltljemjug iljrcn Seib »erlajfen f;at. (Ss ift feine non iljten ©aben, bei iljrer dritte 51 t Ivetten, Wenn il;re Staube verübet iji." 3d; fel;e einen ©egenftanb auf beut Sßajfct," jlüfterte 3MabeI, Weld;e iljte Singen itidjt »eit bet buitfeln §ül(e abgeleettbet Ijatte, feit SaSfiet itt iljr »erfdjwmtben War. ,,©S iji bet JM;n," ertoieberte Sfabflnbet mit grofjcr (Meid;; teruug. ,,©S mitfs altes gut fiel;en, fonfi Würben Wir von bem Sungeit geljert l;aben." 3n bet nädjjicit SJtiuute fdjWamnteit bie jWci ätäljue, wetdje beit güljrerit, erji als ftc jtd; n«I;et fanten, ftdjtbat Würben, Wiebet Seite an Seite, unb man erfannte 3aSbetS ©efialt in bem Stern feines SooteS. ®ie gigitt eines jweiten IDlanneS fajj in bem S3ttg, unb ba bet junge Sd;tjfer fein SÄuber in eiltet SQBeife regierte, baf baS ©efidjt feines ©efäl;rten bent Sfabfütbcr unb IDlabcln unter bie Singen trat, fo erfaititteit beibe beit ©elawaren. ,,©ljiitgad;goof— mein Sruber!" fagte ber tßfabjmber in ber Sßtadje beS Slnbent mit einem Seben in feiner Stimme, WeldjeS bie ©ewalt feiner ©efüljle »erriett; — „§äuf'tling ber 3>lol;ifaner! SMein §et 5 iji Ijorf) erfreut. £>ft jiub Wir mit einanbet bttrd; 127 SBlut uitb ©trcit gegangen! nie« id) I;abe gefürdjtet, ed Werbe nie Wiebet gefdjeljen." „JgiugTj! — ®ie ©ittgod ftnb SfBciBet! — ©rei »on Ufteit ©fallen Rängen an meinem ®ürtel. Sie Wiffett niefit bie grofie ©djlaitge bet ©efawarett ju treffen. Sfjte föerjett fallen fein S3lut unb tf)te ®ebaitfeit fiitb auf bent 3tüdweg übet bie ©affer bed grofien ©eed." „Söift ©n unter iljttcn geWcfett, Jpäufitliitg? unb Wad Würbe and bent Stieget, bet tut glufj Wat?" „(Sr ift junt gifdf geworben unb liegt auf bent ®tuube mit beit Slatcn. Sajt feine 33tübcr bie 9(ngeII)afen ttadf if)m audwerfcit. fPfabfiitbcr, id) I;abe bie geiitbe gejälflt unb if)re äSiidjfeu berührt." ,,9lf)! 3d) badjte, er Würbe Herwegen fel)tt," rief ber ©eg; Weifet in eitglifdfer @f'rad)e. „©et Wagbälftge SSutfdje ift mitten unter iljueit geWefeit, uitb bat mtö i^re gattje @cfd)idjte mitgebradjt. ©firid), ®I)iitgadjgoof, bantit id) unfern gteunben inittfieiteu fattit, Wad wir fetbfi wiffett." ©er ©elaware erjäl;ite nun in gefaffener unb erttjfcr ©eife bad ©efeittlidje ber (Stitbeditngen, Weldje er gemacht, feit wir if)n jufe^t int Sduffe mit bett Reinheit I;aben ringen fefiett. 3?on bent ©djieffat feitted ®egitetd ffiradj er niefjt mel)r, ba ed gegen bie ®eWofinf;eit eined Jbttegerd ift/ bei me^r itt’d (Sinjefne ge^ettben löeridfterftattuugen grofj 51 t ttjun. ©obafb er and biefent furdjt* baren dbaiitfife atd ©ieger beworgegattgen War, fdjWamm er gegen bad öftlidfe Ufer, flieg mit 33orftd)t att’d Saitb, unb na£;nt feilten ©eg unter bent ©ebu^e ber giitfteruifj uueittbedt unb im ©rttttbe and) uttbcargWobttt, mitten bttrd) bie Stofefeit. (Sinutal würbe er angerufen; ba er ftd) aber für 9ltoWf)eab audgab, fo Würben feine Weitern fragen an tf)it gentadft. Sind if)ren Sieben War ibm halb ffar geworben, bafi ber Raufen audbrüdlid) auf SOiabef unb ifjten Ditfet lauerte, über beffett Slang fte jebodj augenfcfjeinticfj im 3rr; tbum Waren. (Sr batte and) genug erfahren, um beit SSerbadft ju 128 rcdjtfertigeit, baß Slrrowpeab fic iprett geinbctt oerrafpeit pabe, obgfeid; ei« SeWeggruttb piejtt nid;t leicht aitfjuftitbctt War, ba er bie Selopttung für feine ©teufte ttod) nicpt empfangen patte. SPfabfittbcr tpeitte oott biefen 9tad;rid;ten feilten ©efäprtcn ttid;t ntept mit, atg er jtt Stitberung iprer Seforgniffe für itötpig erad)« tete, ittbem er jitgteid; nnbettteie, ba(j eg nun Beit feV), ipre .Kräfte ju Brauchen, epe bie Brofcfett ftd; Vwit ber SerWirntng erpott pütteit, in Wetcpe fte bttrd; ipre tßertufte geratpen waren. „Sßtr werben fte opne Btocifel au ber Stromenge Wieber ftnbctt," fupr er fort, „uttb bort initffen wir au tptten «orbet ober in ipre •§«nbe falten. ®ie ©ntfentung »ott ber ©aruifott ifi nur nod; ge* rittge, uttb id; palte Baratt gebad;t, mit 3Äabct ju tauben, fte auf einigen Seitenwegen Weiter ju geleiten uttb bie Ääptte tprent Sd;idfat in ben Stromfcpnetten jtt übertaffen." „@g wirb nid;t getingen, ipfabfinber," uitterbrad; iptt Sanfter tebpaft. „SltaBet ifi nid)t fiarf genug, tun in einer fotdfeit 9tad;t bttrep bie SBätber ju gepeit. Sept fte in meinen Kaptt, ttnb id; Witt mein SeBett verlieren, ober fte über bie Stromenge gtitdtid) Wegfüpren, fo btutfel eg and; feptt mag." „Bd; jWeifte itidjt, baß Bpr bag Werbet, Bunge; 9ltentaitb jWeifett an (Sttrent guten SBitteit, ber 3wd;ter beg Sergeanten einen ©iettfl ju teijictt; aber bag Slttge bor SBotfcpttug muff eg feptt ttttb nidjt bag ©urtge, Wetcpeg in einer 9tad)t, Wie biefe, (Sud; gtitdtid; über ben Stromfdjuß bcö DgWego Bringen fattn." „ilttb Wer Wirb fte beim ju Sattb gtitdtid) und) ber ©aruifott Bringen? Bft bie 9tad)t am Ufer nidjt fo buitfet, atg auf beut äBaffer? Ober glaubt Bpr, id) oerfiepe ntiep Weniger auf meinen SSerttf, atg Bpr ©ttd; auf ben ©urigen?" „Äüpn gefprodjett, Bunge; aber angenommen, id; »ertöre meinen 2ßeg in ber giufterniß — uttb id; glaube, eg fattn mir 9tientanb in SfBaprpcit nad;fagett, baß mir bag je begegnet ifi — angenommen, id; oertörc bett 2Beg, fo Würbe barattg feitt aitbereg UnglücE entfgringcit, als bag toir bie Dtacgt im SBatbe jubriitgen mügten; iitbeg eine fatfcge 9Beitbung beS Sftuberö ober ein breitere« ©treicgen beS ÄagnS (Sucg unb bas junge granenjintiner in beit ging loerfen fann, aus bent alter SBagrfcgcinticgfett nacg, beS ©e x- geanteit tfocgter iticgt ittegr tebeubtg fontnten toirb." „SBtr lootten bas Stabet felbft übertaffen; icg bin überjeugt, bag jte ftcg in bent Äagne fieserer füllten toirb." „3»9 altes von ber ©efchicflichfeit ber Äabnführer ab. ©entt Weint eilt gahrjeug auf eilten ffelfeit fließ, fo mußte es, Wenn es nicht jertrümmert Würbe, faß nothteenbig aufßben, mtb bann War matt nicht bloß beit fjufälleit beS Stromes, foitbent Sftabef auch ber ©ewißbeit auSgefeijt, in bie hänbe ihrer ©er; folger ju fallen. ©S war baher bie äufierfte Umftdjt nöthig, ttnb jeber blieb ju fcljr mit feinett eigenen ©ebaufen befdjäftigt, mit fleh geneigt ju fühlen, mehr ju äußern, als Was gerabe bie ©ring; liebfeit beS Slttgcitblicfs erforberte. ®ie Hähtte flahlett ßcfj ruhig »ortedrts ttnb baS ©raufen ber ©tromenge Würbe hörbar, ©af) mußte aller feiner ©aßferfeit aitfbieteit, 1111t ftd) auf feinem ©ijj 51t erhalten, inbeß jene beben; titngSbollen ©ölte immer näher fantett, Wobei bie ginfterniß famtt bie Untriffe beS Wattigen Ufers mtb baS barüber bängenbe btutfle himmelS;©eWölbe erfeittten ließ, ©er ©tubruef, Welchen bie SBaffer; fälle attf ihn gemacht hatten, arbeitete noch tn feiner ©eete, mtb feine iPbantafte War nicht mtthütig, bie ©efahreit ber ©tromenge 132 mit jenen bca jäfjcn Stbpurgeö, ben er burd;gentad;t t>atte, jidj gteid) 51 t benfett, meint nidjt ber Smeifcl uitb bie Uitgemifpeit pc gar ltod) fteigerte. fjicriit to.it jebod) bet alte (Seemann imSrrfljitm, benn bie Stronteitge bea Damego uitb feine Satte pitb in iprent (Stjaraf* ter mtb in iprer fbeftigfeit fet)r berfdjiebeit, ba bie erpete itidpa meitcr ata eine Stromfdjnette toar, metdje über Untiefen uitb fen getjt, iitbep bie festeren ben 9tamcn, ben fic trugen, mie mir eben gefeiten Ijabeit, in ber 2Btrftid)feit berbieuten. Stabet mod;te atterbinga Seftemmung uitb fjfurdjt fügten. Stber itjre gange Sage War fo neu, uitb baa ffiertraucit gu tprent giüjrer fo groji, bap fte jtd) iit einer Selbpbcperrfdjuitg erhielt, bereit jte mopt nidjt mädjtig getocfcit märe, meint pe ftcfj TjAtte ftarcrc 93orpeI(ititgeit ben ber SBatjrljeit madjen fönneu, ober bie föitftopgfcit bea Stcitfdjen, loettn ca ben .Kampf gegen bie Stadjt unb Stajepät ber Statur gilt, beifer gefanut fabelt mürbe. „3P baa bie Stctte, bereu 3f;r crmütjnt tjabt?" fagte pe gu Saaper, ata itjr baa ©erciufdj beö Stromfdjuffea gunt erpenntat frifdj uitb bcuttid) gu Dljrcit fant. „Sie ip ea; unb idj bitte Sic, Vertrauen 51 t mir gu tjaben. Uitfere Skfanutfdjaft ip gioar itod) jung, Stabet; aber mir tebeit t;ier in ber SBitbuip biete Stage iuSiitent, unb ca föntntt mir be; rcita bor, ata ob id; Sie fdjoit 3atjre lang gefanut tjätte." „Studj id; füllte gegen (Sud; nidjt, mie gegen eilten $rentbeu, Saöper. 3d) tjabe einigea ©erhalten 51 t (Surer ®efd;idtidjfcit fornolp, ata 511 (Sttrent guten PBitten, mir eilten 3Mcitp gu teipen." „SBir merbeit fetjeit, mir merben fetjeit. — ©fabpitber pcitfdjt bie Sdjnefteii gu nalje am Stittclpuuft bea gtuffea; baa SBafferbette ip gegen baa öptidje Ufer jit enger; aber idj famt titidj iijnt jcjjt nidjt bcrpäitbttd) inanen, galten Sie pdj fcp an ben Katjn uitb befürdpeit Sie itidjta." oic: Sp^nüdipen, Stugenbtid jtjatte bie, rafepe Strömung. Pe in beut' (^tronift^uj getrieben.' Sheijobe^npieinStinitten, fat; -bad nteljt tjoijr 133 ijciliger ©djeu als «du gurd)t ergriffene ältäbrfjcn ruttb um ftd) nidjts als bie ®iiffe glättjenben ©djauutcö uitb Ijörte ttidtts, als baS ffiraufett ber Söaffer. 3manjigittal fdjtctt bet .Satin non irgenb einer ftäufelnben, glättjenben SSelle, bie man fogar in ber ©unfefc Ijeit ber 9tad)t erteitneit Tonnte, überfdiüttet ju werben; unb eben fo oft gtitt er uitbefdjäbigt batait Borbci, getrieben burdj ben traf* tigen Sinn beffeit, ber feine Semegttngeu leitete, ©iitmaf, aber and) nur einmal, fdjiett SaSfter feine $errfd)aft über bie jerbredjlidje Starte ju »erlieren, in metdjem furjett Sütgenblid fte rttnb Ijerutit Wirbelte; aber burdj eilte «erjWeifelte Slnflrcitgnng bradjte er fte loieber in feine ®emalt, getoattu baö Bcrlorette gatirmaffer toieber unb füllte ftd) halb für alle feine 93eängftigungen baburdj belohnt, bajj er ben Safnt ruljig in beut tiefen Sßaffct unterhalb ber ©trom= fdjnellen bal;tit fdjmiiitmeit falj, ol)ne baft biefer «on bent ©erneute fo Biel eingenommen, als jtt einem Srttnfc t;ätte biettett föntten. „Stiles ijt oorüber," rief ber junge ©tarnt frettbig. „®ie ®efal;r ijt «orbei, unb ©ie bitrfett nun troffen, ttodj in biefer Stadjt Streit SSater ju umarmen." „®ott fet) geftriefen! fjaSbcr; ©td; Berbattlcn mir biefeS große ®litcf." „®er ipfabftttber tarnt einen guten Sljeit beS -üerbienfteS itt Slufpritd) neunten. Slber maö ift aus bem attbent Sal;it getoorben?" „Sdj felje ctmaS in ber Stätje auf bem SOaffer. 3ft eS ntd;t baö 93oot nuferer greuttbe ?" Sßenige Stitberfdjläge brauten Saöbcr an bie ©eite beS frag^ lidjett ®egcn|tanbeö. @0 lttar ber attbere Saljn, leer unb mit aufs märts gerüstetem .Siele. ©er junge SJtann Tratte fid) fautn über biefett Itmftanb ®emi|ll;eit Berfdjafft, als er anfing, ftdj nad) ben ©djmimnierit mnjufeljen, uitb ju feiner großen greube eutbedte er halb ©ab, melier mit ber Strömung abmäris trieb, ©er alte Seemann t)atte bie ®efatjr beb ©triitfens berjenigett, mit meldjer er beim Sattben Bott ben SBilben auö bebrofjt mar, Borgejogctt. 134 (Sr würbe, obfdjon itid;t opite ©cpwierigfcit, in beit Äapit gepolt, uttb bannt patte bab 9iad;forfd;cit ein (Sitbe. Sabpcr war uäntticp überjeugt, bap ber pifabpitber in bent feierten DBaffer anb Ufer lvatcit werbe, um feine geliebte fflitd;fe nid;t rerlajfcit 51 t muffen. ®er DleP ber ffaprt War furj, obgleid; fic mitten in ber ©mtfelpeit mtb Ungcwippcit gemacht würbe. Diacp einer ffeiueu SBeile tiep pd; ein bttmfifeö ©etöfe bcritepmen, Wetcpeb juweiten bent Dioden eines entfernten ©oitnerb unb bann wieber bem ©raufen ber äßaffer äpuelte. Sabber erflürtc feinen ©efäprten, bap pc nun bie Sraitbittig beb Sceb gärten. 93or iptten lagen niebrige ge= fritnnnte Sattbffupeu, boit beiten eilte eilte Sai bitbete. Jpier fitpr ber Äapn eilt unb fd;op gcräufdjlob an bab ftepge Ufer, ©iefer Uebergaug War fo rafd; unb ergreifettb erfolgt, bap ■SDiabel bie D’orgüitge fatttit faffen foitnte. 3m Saufe Weniger SÄinutcn fanteit pc an beit @d;ilbwad;eit rorbei; bab Spor Würbe geöffnet mtb bab bewegte D)iüöd;eit fattb pd; in beit Slrmcit ciitcb Siaterb, ber ipr fap eilt grentber geworben war. 3lcl)tcö Kapitel. ©in 8anb ber Sieb', ein Saitb ooIC ßid^t, aßo üHadjt unb ÜJtonb unb ©onne nic^tj 2Bu tebenb rafclj bie SLGetle fliefjt, ©in $immclgRra$t baS 8id)t ergieft. 3$ falj ba$ Sanb, unb ifi mir faum ^118 roar'8 ein cro'ger Ritter £raum. ®er ffomgiu (Srrofltftcn. 3Pie DM;e, Wcld;e ber Slnpreitguitg folgt, ip gewöpttlitp tief unb fitp, Wenn pe mit bent ©efttple ber ©ieperpeit rerbuitbcit ip. ©iep war and; bei DJiabel ber ffall, weld;e pd; erp roit iprer «tiitltd;eit pMifcpe— beim nur auf eilt foldjcb Säger foitnte eilte S; wego einer ber änperjten ©ränjf'ojteu bet britifdfen ©ejijjungcn auf biefem Kontinent. @0 war nod) ittäjt lange befe£t unb Ijatte in feiner ©arnifon ein Sktaillou eines urffitünglid) fdjottifdjen 9 te= giments, in baS aber, feit feinet Slnfunft in biefer ©egenb, »iele Slntetifaner aufgenommen worben luarcit. ©urdj biefc Steuerung Würbe es bem Sktcr Stabeis müglid) gemad)t, bie jwar unbebeu: tenbe aber bodj »erautwortlidje Stelle beS ältefteu Sergeanten ein* juttefinteu. (Ss befanbcit ftd> and) einige junge Dfiijieve, Weldje in ben Äolonieeu geboren waren, bei bent Sorf’S. ©aS gort fctbft War, wie bie meijten berartigen SBerfe, beffer geeignet, einem 9 ln= griff ber SBilbeit 51t wiberjtefjen, als eine regelmäpige ^Belagerung auSjufyalten; aber bie gtope Sdjwicrigfcit, weldje mit bem Stand: fjort ber ferneren Slrtitlerie unb anbercr (Srfotbcruiffc »erbuitben War, ntadjte bie leitete fo unwafjrfdjeinlidj, bap bie Ingenieure bei bem (Sntwurf ber S 3 etfljeibigungSWetfc auf eine folrfje gar feilten 93 cbad;t nehmen }u muffen glaubten. Statt Jjatte 33 ollwetfe »01t ©rbe unb ^oljjtämnien/ einen trocEenen ©raben, $al(ifaben, einen fparabcjilajs »on betrfidjttidjer SluSbeljnung unb eine Äaferne aus •öoljftämmcn, weldje ju bem bobf'eltcu Swccfc ber fflewoljming itnb ber Sefcfiigmtg biente, ©inige leidste gelbjtüde ftauben in bent Dtaunte beS gorts, um fdjnell baljitt, wo man tljrer beburfte, geführt Werben 511 fonncit, mtb ein ober gWci fdjwere eiferne 136 .Kanonen btirftcn aus bcn @(H(jen bcr borffmngcnben Sffiinfet, als eben fo biete ©rntahnungen an bcn ffietwegciteu, if)re SOtadft gu refpeTttren. StfS SKabet bic bequeme, aber bergtetd)imgSWeife einfame Sagevhiitte, in Wetdfcr it)r SSater fte unterbringen burftc, »crlaffcn hatte unb in bie reine 2)tovgeufuft trat, fanb fte fidf am täbd)cti fmbfte mit eben fo teilten Sitjjeit a(S leidstem §ergen bie graftge S(u^öf;e t;iuait, unb befaitb ftd) auf einmal auf einem fünfte, Weither it)v in wenigen Stidcn bie lleberitd)t über aiic äußeren ®ert;ättnijfe iljrer neuen Sage geftattete. ©egen (Silben tag ber äBatb, bttrd) wetdfeu fte fo biete cts mübeitbe Jage gelvanbert War, unb bev fte bic gange gütte feiner ©cfaßreit hatte entf'ßnben taffen, ©r War bott ben fßattifaben beS gorts bttrd) einen ©iirtet freien gctbcS getrennt, iuetcfjcS t|auf't= färijtid) beß))atb getid)tct worben mar, um beit friegerifdjen Sor; Jefirttitgen Staunt gu geben, ©iefeS ©tads, bettit als fotdjeS biente cS in bcr Jt^at für bcn .KricgSgwed, mochte ungefähr t;unbcvt SMorgen betragen; aber mit itjnt wid; aud) febe ©Vur bott ©ibiti* fatioit. geufeits mar Stiles SGlatb — fetter bidjte, ettblofe SBatb, Welchen SDtabel ftd) nun aus iljren ©rinnevungeu mit feinen ber; borgetten, gtängeitben Seen, feinem bttitfel rollcnben Strome unb feiner gangen SBett bott Statur, bentlid) bcr bie (Seele führen tonnte. 9ItS uttfere Jöetbiit ftd) bott biefettt Stubtid ablucttbcte, füllte fte auf it)rcit äBaitgcu baS gäd)e(tt eine« frifd)ctt unb angenehmen 8üftd)enS, ibie fte es, feit fie bie ferneJtü|lc bcrlaffcu, nidjtwieber cmvfunbcn hatte. Salb geigte fid) it)r ein neues Sdjaufvict, welches, obfri)ott es nidjt unerwartet tarn, fte bettnod) nid)t Wenig überrafd)tc, unb ein fd)mad)cr SCuStnf befunoete, mit Welcher Sufi tl)rc Singen bie bor ihnen liegenbett Steige bestätigen, ©egett Storbeit, Djlctt ttttb SBeften 137 in jebev Stiftung, ftttj über bie gaitje Hälfte beS neuen fPattoramaS lag eine Weite gtädje Wogenben SEßajferS. ®as ©lemcnt hatte Weber baS gtäitjeube ®ritn, WetdjeS im Sttfgemeinen bie anterifaui; fdjett ©ewäffer Bejcidjnet, ttod) baS tiefe Stau beö DceattS; cS War bott einer lidjten StntBrafarBe, Wcfdje fattnt feine ®urdjfid)tig= feit Beeinträchtigte. StirgeitbS £anb, mit StuSnahnte ber antiegenbcu Äiijte, wetdjc ftd) redjtä uitb linfö au einem ununterbrochenen ©auute bott SBdtbern ^itt;og, mit Weiten Sat)eu uttb ttiebrigen Sorfprüngeit ober ©bitten. 9tit bieten ©telten war baS Ufer fefftg, unb in ben Jööfiten beifetten rotlte ba$ träge 3Ba|fcr fjiit itttb Wieber in einem t;ot;(en Sötte, ber einem entfernten Äanoncit» bontter gtid). Äetu ©eget gtäujte auf ber DBeritädjc, fein 2Bat(* ftfdj ober fonftiger §ifd) ffüette auf btefer ©Bette unb fein 3eid)ett menfchtichen üf)tmö unb Treibens Belohnte ben an^atteubffen unb forgfättigften Slicf auf biefer enbtofen Stuöbetjnung. @S War eine ©cette, bie auf ber einen ©eite bie enbtofen Sffiätber, auf ber anbertt bie Weiten itnBegränjten SBaffer jeigte, uttb bie Statur fcffieit eine Sufi Baratt gefttnbeu jit traten, einen großartigen Gsffcft babttrd) fjerborjurufeit, bajj fte if;re teiben JfjauhtBeftanbtheite fühlt neben einanber ftd) I;eBett tiej?, ot)ite auf bereu ©injetit^eiten cittjitgeljen. ©aS Stttge flog mit Sttjl unb SeWuitbcruitg bott beut Breiten Stätten tebbtd; 51 t bein ttod; Bretteren äBajferfelbe, unb bott beut enbtofen, fattfteit SBetteufdjtag beö ©eeS jit ber Zeitigen 9tut)e, ber fwctifdjeu ©nfantfeit beä UrWatbeS jnrftcf. •SOtaBet War fern bott jeber UeBerBitbung, uttb ba fte fo empfänglich unb offen, wie nur irgenb ein Stäbdjeit mit Warmem fbetjen uttb reiner ©eete War, fo gebrach es if)r nicht gattj au bent ©ittite für bie fftoefte nuferer fdjöiteit ©rbe. DBgteid) mau itidjt fagett fmtttte, bafs fte überhaupt ®r}iet;ung gcnoffett —• betttt nur wenigen il)reö ©efdjtedftg Würbe itt jenen Stagen uttb in btefen ®egettben biet mehr als bie SfitfatigSgrünbe beS eitgtifdfen Unterrichts jtt Stt)cil— fo hatte fte bodj ein ?(nfet)ittid;eS Weiter gefeint, als Bei SDläbdfeit itjrer 138 Stciiuug gcmöl;niid; mar; unb in Gsinem 93ctvacf;tc meuigjtend mad;te fic il;tcnt Sctjrer feine lineare. £ie Sffiittme eined Dffijierä and bem Slcgimente, 51t meidjem ifjr S3ater gehörte, I>atte fid; itad; bem £obc iijter Mutter bed Mäbdjend angenommen; unter ber Sorgfalt biefer grau Tonnte MaBef einiger Maßen if;reu ©efdjmad aitdbitben unb (Id) ju Sbeeit ergeben, mcfdje if;r unter aitbcrn ttmfiänbcn moijf immer frentb gebiieben loären. 3f;re Steifung in ber gamifie mar elfer bie einer ©efcilfdjaftcriu aid bie eined ®icn(tbotcn gemefen, mad mau fd;on an ifjrcr ätfeibung , iijter Spraye, if;reit Meinungen unb iudbefoitbere au ifjren ©efiiljieu erfenneu Tonnte, obgieidj fie (id) viciicidjt nie ju ber tööf;e erhoben Ijattc, meidjc geeignet mar, eine grau non ©taube gu bejeid;neit. ©ie Ijatte bie rauheren unb menig verfeinerten ©cmoljnljeiten mtb Manieren iljrcrurfürüngtidjen Steifung verloren, offne jebod; gang ben fpunft erreicht 511 I;abcu, ber fie für jene Scbcndiage, meldje bie Sufäiligfeiten ber ©eburt unb bed ffietmogend if;r malfrfdjeinlid) aumiefcit, untaugtidj gemalt fabelt mürbe. . Sitte anbern Gs'igeuftjümtidjfeitcu gehörten iljrcm natürfidfeu ©tjarafter an. 9tad) fotdjeu Vorgängen mirb ftcfj ber Cefer nidft munbertt, menit er erfährt, baß Mabet bad vor ii;t tiegenbe neue ©djauftnet mit einem mcit tjöljeren ©enuffe bctrad;tetc, aid itjn eine gemötjit; iid;e Uebertafdjuitg 51t geben vermag, ©ie fünfte bie altgemeinen Sdfönljeiten, mie fie bie Meißen gefüllt (fabelt mürben; aber jie Ijatte and; einen ©inu für iljre ©rtjaücntjeit, für jene faitfte ©in; famfeit, jene rußige @röße unb für bie berebte Diuije, mctdje fidj immer über eine meite Studjidjt breitet, in ber bie STatur butdj bie Mütfeit uttb Sinftrcngungen bed Mcnfdjeu nidft geftört mirb. „SBie fdjöit!" rief fie, otjne ed felbjt g“ Beamten, ans, atd fie auf bem eiufamen S3offmerf ftaitb unb itjr bie Suft bed ©ecd entgcgcumetjtc, bie itfreit Härter unb itfreit ®cifi in gleicher Steife betebenb burd;; brang. „SSSie mai;ri;aft fdjöit! unb bod; fo ciitfad;!" (Diefe SBorte mtb bet ®ang il;rer ©ebaitfcn Würbe bittd; eine teilte Scrüßtung ißtet ©djulter unterbrochen, unb als fte ftd) uutbreßte, fanb Stabet, Wetdje ißreu S3ater ju feßeit erwartete, ben SPfabftitber an ißrer ©ette. (Sr lernte rußig an feinet taugen Q3üd;fe unb tad;te in feinet ftiileit StBeife, wäßrenb et mit auSgeftredtent Slrnt über baS gange SBaffer* unb Baiibfiaitorama ßtitfußr. „fjicr ßaben @ie uitfere beibett (Domänen," fagte et: „SaSftcrS nnb bie mehligen. Sßitt gehört bet ©ee, mit bie SLÖälber. (Der Suitge tßut Bisweilen groß mit bet (Breite feinet SBejtijungen; aber id; fagc ißut, baß meine Säume ein fo großes ©tuet fjtäcße auf biefer .(Srbe auSmad;cit, ats alt fein 2Baffet. 9tun, Stabet, ©ie ßaffeit wollt für beibe, beutt id; feße uießt, baß bie $urd;t not ben StingoS ober bie 9tad;tmärfcße 3ßre ßübfcßeit SUtgeit trüben Kulten." „3d; lerne ben fpfabfiitber in einem gang neuen (Sßarafter feinten, inbem er einem einfältigen Stäbd;eit (SomfVlimente fagt!" „Stießt einfältig Stabet; nein, nidjt im miitbefien einfältig. (Des Sergeanten !£od;ter würbe ißrem würbigen Sater ttneßre ntad;en, wenn fte etwas tßitu ober fageit würbe, Was man mit 9ted;t einfältig neunen Knute." „(Dann muß fte ftd; in Slcßt neunten unb trügerifdjen @d;mcid;elreben ttießt gu riet ©tauben fdfcitfeit. Slber, Sfabßitber. td; freue mid;, (Sud) wieber unter uns gu fetten, beim obgletd; ftd) SaSßer ittd;t riet barauS 51 t ntacßeit fd;ieit, fo War id) bod; beforgt, baß irgeitb ein Unfall (Sud) unb (Suern greuub in biefev fürd)tcr; tid)en ©tromeuge Betroffen ßabett möd;te." „(Der Suttge tannte uns Seibe, uitb Wußte Wot)t, baß Wir nid)t ertrinfen Würben; beim bieß tft fdjWerttd; eine non meinen ©abeit. (SS Wäre autfl waßrtid) uid)t gut fd)Wimmctt gewefeu mit einer laitglüuftgeit 93üd;fe in ber^anb; ititb Was biefen ©fiaß anbetangt, fo ifl ber fMrfcßtöbtcr unb id; git oft fd)on burd; (ffitlbe uitb graiu gofen gegangen, als baß id; mid) fo teid;t ßätte »on it;m trennen Kulten. Stein, nein, wir Wateten ait’S Ufer; bie (Sage war, mit SbttSnaßmc einiger ffeinen ©teilen, feiert genug bajtt — unb banbeten mit bcu SBaffcit in beu ^länbett. 3 dj gebe gmar ju, baß mir uns inn ber Srotefen mitten Seit ließen; aber fo batb biefe fd)beid)enbcit ©agabiinbcn bie Siebter erbbietten, mebdjc ber «Sergeant und) Sutern •Ratjit l)eruntcrfd)icftc, Hunten mit moljb, bajj fie ftcfj aus bent ©taub madjen Uu'irbeu, um einer atbcnfablftgeii ©iftte »oit ber ©untifoit aus 51 t entgegen. @0 fajjeit mir beitn ungefähr eine ©titnbe gcbutbtg auf beit ©teilten unb bie ©efab)t mar herüber, ©ebubb ijt für einen äBabbbcmofnter bie midjtigfte Sügetib." ,,3d) freue mid), baS ju bereit! beim fetbft bie SDtübigfeit fennte itttd) faum fdjlafen ntadjcit, ireuit id) bebaute, leas Sud) mödjte jttgeftoßcit feljtt." „$cr fjerr fegitc 3b)r cmbfinbfameS flciiteS Jpcrj, ©labet! aber baS ift fo bie SBcife fünfter jfraiteitjimuter. SßJaS mid) anbetangt fo loar id; frot), als id) bie fiaterneit auf baS Sföaffer jufomnteu fab), loeit id) barauS entnehmen fonittc, bajj ©ie in ©id)cr()cit loaren. 2Bir Säger unb SBeglocifcr ftitb jioar raitb)e ©tttfdje, aber mir ^aben itnfcre ©efüt)be unb nufere ©ebanfeit fo gut, ats ein ©enerai in ber Sfrntec. SBir beibe, SaSjtcr unb id), Ijätten uns liebet tobtfdjbagen baffen, et)e Sie t)ätteu ©d)abeit nct)meit foibcit — ja, bas I)ättcn mir.“ ,,Sd) baute Sttd), ©fabfütber, für SibleS, maS 3t)r für mid) gctßau I)abt; aus beut ©ruitbe meines fjctjcttS baute id) (Sud) unb »erlaßt Sud) b’rauf, baß es mein ©ater erfahren fotb. Sd) l)abe ib)iu fd)oit »ieb ergäbet, aber es bleibt mir in biefer ©ad)e liodj eine meitere ©erbjTidjtung." ,,5pab)! ©labet! ber Sergeant meiß, maS bie äöälbcr jtitb, unb tennt aitd) bie SBeife ber ädjteit 9tott)b)äutc. SS ift nidjt ttötb)ig, ib)iu biefe ®inge meitbäitffg ju erjabjbett. 9hm, ©ic ftitb ja jefct mit 3 l)tent ©ater jufuntmeitgetroffcit? ginbcit ©ie beit brauen alten ©obbatenats fo eine 9brt fßerfon, mie @te fte gufinben ermatteten?" „Sr iß mein tbjeurer ©ater, unb i)at utid) aufgcitommcit, mie 141 ein Sotbat itnb ©ater fein Ätnb mtfnel;men fott. Hciint 3t;r il;tt fd)on lange, tpfabpüber?" „9(l(erbiitgb, trenn mir mie bie Seute rechnen trotten. Sri) mar gerabe gtwijlf 3al)re att, alb bet (Sergeant utid) jtt meiner erjlen Späherftreife mitnahm, itnb bab ijl nun fdjott über breijjig Satire. SBir Ratten übrigens tange baratt ju batten, ttttb ba biefeb gefdjat), elfe Sie geboren mären, fo mürben Sie mol;! feinen ©ater gehabt haben, märe niefjt bie ©üdffe eilte bon meinen natürlichen ©abett gemefett." „(Srflärt Such bcutlidjer." „(Sb ift jtt einfach für biete ©Sorte. ©Sir iuaren in einen fnntcrhalt gefallen; ber Sergeant mürbe fchmer bcrmitubct ttttb mürbe moht feine Hopfhaut bertoren hobelt, hätte ich nicht te ©aben beb Sttttgett ftttb für bab SBaffer, mährenb bie meiitigeit für bie 3agb ttttb bie gäl)rte paffen. (Sr ijl bort, ttt ber ©urift, ftel)t nad) beit Hähnen unb oerioenbet fein ©uge bott feinem lieben flcinett Sohrjeitg. ..j(3n;-,imettteÜ3.^(tigett,,gibt. *?•, feinen üfdjmücfcren ©ttrfd)en-,ftt.ibie : fer ©egeuby! gib Sabper Sffieftern."nij umf ,gHwi« 142 Sa« erflemat, feit ftc ipr hintmet oertaffcit, Bticfte jc^t 2)tabet aBloärt«, um attd; eilten UeBerBtid fiter ben SSorbergrunb be« merfwürbigen ©entfitbc«, in ba« ftc ftd) mit fotdjer Sufi vertieft tfatte, 31 t gctoiitneit. Ser O«t«ego ergoß fein btinftc« SBaffer jirifetieu ctlua« erf)öf)tcit Sämmen, von beiten ber öfitidje ftd) ffiljiter crf)o 6 itub iveiter gegen 9forbctt tyeröorfpraitg, at« ber bveflticfje, in beit nnb nett, unb bie tauge geif eiförmige gtagge, toetrife e? trug, begeid)uete e? auf beit erjiett ©tief a(? ©igeuttjum be? Honig?, ©ein Dtante tour ber ©cub.* „Sa? ift atfo 3a?f'et? ©d;iff!" fagte ättabet, toeld)e ben $ül)ter be? fteinen ftatjrjeug? itatürtid) fcfmeH mit bem Hutter felbfi in ©etbiubuitg traute, „@ibt e? nod) biete aubete auf biefem @ee?" „Sie ffrangofett fabelt brei. (Siitcö baooit ift, toie id) mit fageit tief, ein loirftid)e? @d)iff, toie man ftd) it;rer auf bem SWcete bebient; ba? aitbete ift eilte 93rtgg, unb ba? britte ein Butter, toie bev ©otb tjier, unb feift ,ba? ®id)f;örnctycn‘ in itirer @brad)e. Siefer fdjeint einen natitrfid)eit §af gegen ttnfct jietttc^es ffloot gu l)abett, beim 3a?f'er get)t feiten au?, ofjite baf ba? ,®td)l)örnd)en‘ it)m auf bet fferfe ift." „ttnb ift 3a?fier bet Staun, bet «ot einem grangofeit baten get;t. Wenn et attd) in bet ©eftalt eine? @id)l)orn? erfdjeint, uttb nod; bagtt auf bem Sßaffer?" „SBogit nülst bie Safferfeit, locitu mau c? an ben Stitteln festen täft, il)r 9tad)brucf gu geben? 3a?f'er ift ein mutl)iget Suitgc, toie alte an biefet ©ränge tooljt ioiffeit; aber er I)at feilt ©efdjitl}, mit 9tu?ttal)me einer fteinen ^aubt^e, uitb bann beftetjt feine Stannfdjaft aufet itjnt nur nod) au? gtoci Ceutett unb einem @d)tff?juugen. 3d) loat einmal auf einet feiltet gafjrteit mit il)m, uitb ber S3utfd)e loagte genug, inbem er ttn? fo naf;e an beit ^eiitb bradjte, baf bte 93üd)fett gu foredjen anfingen; aber bie graitjofen f)aben Haitoneit uitb @efd)ü( 5 f>fo'-'ten unb geigelt il)r ®eftd)t nie aufert;atb grontenac, otyne ettictje unb gtoangig SMaitit am ®orb gu I)aben, guntal ba? @id)t)ötnd)en. Stein, nein; biefet ©cub ift für bett glug gebaut, unb ber SKafor fagt, et toolle ifjtt nid)t * Sie uom SZGinb gejagte Sßolfe. 144 btit'd; Semanitung uub Setoujfnung jitm 5cd;tcti geneigt machen, bamit er nid;t beim 2Bort genommen unb beut gahrgeitg bie gtiiget befdinittcu lucrbcit. 3d; verfiele mid; loeitig auf biefe Singe, bie mit meinen ©abeu in feiner tßejie^ung flehen, aber id; fet;e ber @ad;e auf ben ®runb — icf) fet;c il;r auf ben ©ritub, obgleich ba« 3a«f'cr nid;t ttjut." „SU;! ba fömmt mein Dnfef, ti'otyfgeimttt), trojj feiueö gcfirigeit ©dfüümnteti« — um biefen SBiititcnfce jn betrachten." SEirftid; crfdjien auch Saft, ber bereit« feine ?(nnäf)ctung burd; ein fffaar fräftige ,-6ent«‘ angefiinbigt Ijatte, auf ber 83afiei, luo er, itadjbem er feiner 9tid;te unb ihrem ©efeiifrijafter jitgenicft hatte, Bcbad;tfam feinen Stiel über bie vor it;m liegeitbc SBaffer« fläche hinftreifeu tiejj. Um ftd; ben Uebcrblicf ju ertcid;tcrn, flieg et auf eine ber alten cifernen -Kanonen, freujte feine Sinne über ber 33rufl, unb luiegtc fciiteu .Korber, a(« ob er bie Setuegititg eine« (Schiffe« fühle. SaBei, um ba« ©emäibe »olijiänbig ju ntartjen, hatte er eilte furje fPfeife in feinem fflhtitbe. „Dtuu, Sltcijler Saft," fragte ber 5)Jfabfinbcr in aiier Uitfd;uTb, beim er bemerfte nid;t ben 9(u«brucf ber äkradftung, metd;er ftd; alimählig auf ben 3ügeit be« üinberen lagerte; „ift ba« nicht eine fdjüne 2Bajferfiäd;e, bie man ganj fitgtid; ein 2Jtcer nennen fönitte ?" „Sa« ift’« aifo, loa« 3h* Suertt , inbem er wieber mit ber pfeife burd? bie Suft fuljr. „3dj möchte (Sud) bodj fragen, »ab beim große« barait ifl? föat nicfjt Sabfiet felbfl jugeftanben, baß er nur etiidfe unb jwaitjig ©tunbeit «oit einem Ufer juirc anbern ntipt?" „9tber, Ditfel," fiel Stabei ein; „ntanfießt bod) fein 8anb, afb Ijier au unferer Äitfle. SEfiir föittmt eb gerabe nüe ber Ocean oor." „(Dicfeb SibdfeitSeid) wie ber Dceait! (Si, Stagnet, bab ifl »on einem Stäbdjcit, Wetdjeb Wirffidje ©eelcute in ißrer gamitie gehabt ^at, ber Ifanbgrcifttdjjle Unjinit. SEBab ifl beim baran, tdj Bitte bid), bab and) nur einen 3ug »out Steere tjätte?" „Sinn, f)icr ifl äBaffet — äßaffer — Sffiaffer — ltiddb afb SBajfer, Steifen an Steilen — fo »eit bab Sfuge feßeit fattit." „Unb ifl nidft aucß SEaffer ■— SEaffer — SEaffer — nidjtb afb SEaffer, Steifen au Steifen, in beit glüßeit, auf beneit mir gefahren finb? — ja, unb fo »eit bab Sfttge feljeit famt, obenbreiit." „3a, Ottfcf, aber bie gtüße fjaben ißre Ufer, unb -Säume an ißren ©eiten Ijin; aud) finb fte fdjmal." „Unb ifl bab etwa fern Ufer, worauf wir flehen? Sennen eb bie ©oloatcn nid;t ben fDantm bebSeeb? ©ittb ffier itidft Säume ju fDaufeitbeit? unb finb nidjt jWattjig ©tuitbeit fdfmat genug, bet gutem ©ewiffen? SEer juntSDeufel fjat je »on ben (Dämmen beb Dceanb gehört, Wetttt eb nidjt etwa bie (Dämme unter bem SEaffer finb?" „Siber Dnfef, wir föttnen bod) nicßt über beit @ee hinüber« feljen, wie über einen gfuf?" „ge^f gefdjoffeit, SDlagnet. ©inb mißt ber Sfiitajonenffrom, ber Driitofo uitb ber SaSftfata audfgfüffe, unb fannft bu über ftc - ßinüberfeßen? fjört, Spfabßnber, idj bin itodj feßt imfjweifef, ob üefer ©treifeit SEaffer ßier attcß Wirfficß ein ©ee ifl, beult mir Ser Sßfatftnfcer. 3. »Haft. 10 146 ■ frfjeint et nur ein Stuf 51 t fetyn. 3 t;r fetyb hier oben in ben äßälberit feinebwegb befonberb bewandert iit eurer ©eograbhie, Ir'ie idjmcrfe." „©iejjntal hobt 3h* fehlgefd)o|fen, SÄcificr @af'. i|t ei« gtufj ba, unbgWar eindrähtiger, an jedem (Sitbe. Stbcr bab, Wab 3 ()r »ot (Sud) IjaBt, ift ber alte Dntario, uitb obgleid) eb nicht ju meinen ©aben gehört, auf einem ©ce 51 t leben, fo gibt eb doch, nadj meinem Itrtljeit, Wenig belfere, alb biefeit I)icr." „Unb, Dnfel, Wenn wir and) am ©tranb gu Stocfawad ftünben, was fänuten wir beim mehr feheit als? Ijier? (Sb ijl dort ein Ufer ober ein ®amm auf einer ©eite, unb Säume fo gut wie hier." „©ab i|t lauter ffier!ebrtl)cit, tDtagnet, uitb junge SDtäbchen foüten »on altem äBiberfbrud)bgeift Har abfteuent. (Srfteitb t)at ber Dcean lüften unb feilte ©äntme, mit 9(ubnaf)mc ber grofeit ©äntme, ber ®ranb Sanfb, fage irfj bir, bie man »om Sande aub gar nicht ftcljt, unb bu wirft doch itidjt bcfiaubteit Wollen, bafj biefer Damm auf er ©idjt beb Saitbeb, ober gar unter bem 38a|fer ift?" ©a aJtabel biefe abfdjweifenbe SJtcinung mit feinen befoitberb jiidjbdltigen ©ritnben itmguflofjett wufite, fo »erfolgte (Sab ben ©e; geit|ianb Weiter, Wobei fein ©eftdjt in bem ©riumbh eitieb glitcH lieben SSortfämf'ferb jn ftra^leit aitftitg. „Unb bann jtnb jene Säume mit biefeti Säumen gar nicht ju »ergleidjeit. ©ie öfttfien beb Dceaitb hoben SJteicrcien, ©täbte, Sanbft^e, unb in einigen ^heilen ber ffielt ©djlöifer, ällöficr unb Seuhtthürme — ja, ja — Scudjtljürme ßauj befoitberb; — lauter ©ittge, » 01 t beiten matt hier nicht ein einjigeb fleht. Stein, nein, fWciftcr 5|}fabjinber; id) höbe nie »on einem IKeere gehört, an betn nicht mehr ober weniger £eud)ttl)ütme'geWefeit Wären, währenb eb hier herum nid;t einmal eine geuerbafe gibt." „§ier gibt eb aber etWab Seffereb, etwab »iet Seffercb, einen Sodjwalb unb drädjtige Säume, einen »ollenbeten ©entfiel ©otteb." „3a, (Stier SjodjWalb mag Wohl gut fei)it für einen @ee, aber Woju Würbe bab SSSeltmeer trügen, Weint bie gange (Srbe 147 barum Sßalb märe? SJlau braudjte leine @d)ife, ba fidj bab ®aiu i)otj flojjen liefe, unb bann Ijätte cb ein Sitbe mit bem §anbel; mab Würbe aber eine SBelt oljne Jjöanbel fepn? 3dj bin ber 2Jtei; nung beb ißljilofobljen, melier fagt, bie menfdjtidje Statur fei) für ben 3mecl beb föanbelb etfuitben worben, ältagnet, id) bin erftaunt, bajj bn nur baran benlen laitufl, biefeb äßajfer fet)e aitb wie Sees maffer! (Sb ifi am Sitbe nid)t einmal fo ein Sbing wie einSBalls jifd) in (Surern ganjen See, älteifier fßfabjütber?" ,,3d) gefiele, baf id) nie von einem gehört l)abe. Slber id) »erflehe ittidf nidjt auf bie Siliere, bie im SBaffer leben, wenn cb nidjt bie gifdje in ben glüffeit unb Südjen finb." „jbein Storblaber ober etwa ein Slteerfdjmcin? Stidjt einmal fo ein armer Seufel von Jpapfifd)?" ,,3d) mill’b nid)t auf mid) ncl)iuen, git fagen, bafsirgenb einer bavon ba ifi. 3d) fage Sudj ja, SDleiftcr Sab, bafj meine ßiaben nid)t auf biefem SBege liegen." „Äeiit gering, fein Sturmvogel ober ein fliegeuber gifdj?" ful)r Sab fort, meldjer fein Singe fefl auf ben SBegmeifer richtete, um ju fcljen, wie Weit er gel)en bürfe. „Dtidjt einmal fo etmab wie eilt gifdj, ber fliegen fanti, l)e?" „Sin gifdj, ber fliegen tann? SJteifler Sab, SJteifter Sab, glaubt ja nid)t, baf mir, meil mir nur ©rünjleute ftnb, leine 33es griffe von ber Statur Ijätten, unb von bem, wab iljr ju fd)affcn beliebt l)abeit mag. 3d) meip jtvar, baf eb Sidjljörndjeit gibt, bie fliegen löuueu —" „Sin fliegeubeb Sidjljürndjen?— 3um Teufel, Söteiftcr Sßfab= finber, glaubt 3nfet," fagte ba« 3Päod)eu fdjnell, „unb ein fel)r jiertid)e« gal^rjeug, wie id) benfe. ®« hetft ,ber @ntb.‘" „3a, e« mag vielleicht für einen ©ee gut genug fetju; bod) will e« gcrabe nid)t viel befagen. ®et 3unge ba hat ein pel)enbe« (Bogfpriet, unb Wer f;at je vorher einen Hutter mit einem fichenben (Bogfpriet gcfeljen ?" „Slber mag ba« auf einem ©ee wie biefer, nicht feinen guten @runb haben, Dnfel?" „äßal)rfd)einlid) — man mup ftd) erinnern, bap biefe« nicht ba« (IPecr ip, obgleich» e« fo au«peht." „511), Cnfcl, bann fiept ber Dntario Slllem nad) bod) wie ba« 2Peer au«?" „3n beitten Singen, meine ich, unb in benen be« SPfabfcnber«; aber nid)t im minbepen in beit meinigen, (Dtagnet. 31 ) 1 ' fönntet mich bort in ber äPitte btefe« ©titddjeu SBeiper«, unb jWar in ber bunfelpcn (Pad)t, bie je vom Fimmel pel, unb in bem fleiitpen Hahne ausfepen — ich Wollte Such bod) fageit, bap e«' nur ein ©ee ip. SBa« ba« anbelangt, fo würbe e« bie ®orotl)h (ber (Paine feine«. @d)iffe«) fo fd)nelt Weg haben, al« ich felbp. 3d) glaube nid)t, bap bie (Brigg im äuperPen galt meljr al« ein paar furje ©treefungew uiadjcn bürfte, um bett llnterfdjicb jtotfdjcit bent Cittario unb bent alten atlanttfrijen Dceatt 31t fßürett. 3dj füßrte ße einmal Ijinab in eine von beit großen fübanterifanifdjcn ©ai)ett, unb fte bettaljm ftd) babei fo fiöcfifd), wie ein uitrnßiger ©ttbe in einer 3 Jletl)obijlein nerfantntlttitg. Unb Sadßer fegelt biefed ©oot? 3 dj muß mit bem jungen einen Jtrcujjug madjett, eße itf; ©itrf; oerlaffe, nur um bed Stanteitd biefed ©ittgd tvillen; beim es ginge bodj nidjt Woljf an, 311 fagett, idj fjätte biefeit ßBcißer gefeßen unb fei) fortgegangcit, oßtte einen 9 lbßcd)cr barattf gcmad)t 51t ßabett." „®ut, ba bürft 3 ßr nidjt lange barattf Warten," erWieberte fpfabftnber, „beim ber Sergeant iß im begriff, ftd) mit einer Partie eiitjufdfiffctt uitb einen fpoßett an bett £aufenb;3nfeltt aBjulöfen; unb ba id) i()n fagett ßötte, baff er ©labet mitneßmett wolle, fo fömtt and) 3 ßr (Sud) ber ©efellfdjaft anfdßießett. „3ß bad waßr, ©lagttet?" „ 3 dj glaube fo," antwortete bad SJlübdjett, mit einem fo leidjtctt (Srrötßen, baß cd ber ©eobadßitttg tßrer ®cfcllfd)after entging, „obgleidj irß fo wenig ®elegenßcit l)atte, mit meinem lieben ©ater 31t fprcdjeit, baß id) eg nidjt mit Sidjerßcit beßaußten fatttt. ©cd) ba förnmt er, unb 3f)r fömtt il)it fetber fragen." Ungeadjtet feines nicbcren Dlanged war bod) ettoad 9 (cßtuitgs gebieteitbed in ber ©liette ttttb bem (Sßarafter bed Sergeanten ©Ungarn. Seine ßoße intfwnirenbe ©eftalt, fein erttfied unb bitßered Ülttdfeßcn, bie ©cßimmtßctt unb (Sntfdjiebcnßeit feiner ©ettfj uitb .fjanbluttgd« weife ntadjten fogar auf bett abfprcdjenben ttttb attntaßenben Saß (Sinbrttd, fo baß er ed nidjt Wagte, gegen ben alten Sofbaten ftdj ■bie greilj eiten 31t erlauben, Weld)e er ßrij gegen feilte übrigen greititbc ßeraitditaßnt. ©tan fonitte oft bewerten, baß ber Sergeant ©unßant non Sette ©uncattd of Sttnbie, bed fdjottifdjen ßairbd, metdjer beit ßtoßen comtnanbirte, Weit uießr Sldjtung genoß, ald fogar bie nteißett Subaltcrnofßciere, beim (Srfaßrititg ttttb erprobte ©tenße ßatteit in ■bett Singen bed alten ©tajord eben fo viel ßßcrtf) ald ®cburt unb 151 SBcrmögcn. Sa ber ©crgeant gcrabe nidjt f;öl)er ju fieigeit fyoffte, fo refpcftirte er fidj fetbjt unb feine ©tettung fo Weit, bag er immer in einer SEßeife tjanbctte, weldje 9fd)tung gebot. 9t ud) gatte bie ©ewognljeit immer unter feinen Untergebenen gu leben, bereit Seiben: fc^aftcn uitb Neigungen er notgwenbig bitrd) eine gewijfe 9lbge* fdjtojfcngeit unb Sffiitrbe im Baume galten ntugte, feinem gangen ©enegmen eine gärbung gegeben, »on bereu ©injtug nur SBentge frei blieben. Sa bie ©aintüne ign freunbtidj unb loie einen alten . .Stamerabeu beganbetten, fo wagten cg bie Sieutenant« fetten, feinen mititürifdjen 9tnftdjten gu wioerfpredfen, unb bie gdgitbricge legten gegen ign eine 9trt oon 9td)tung au ben Sag, wetdje fa|i big gur ©eregruitg flieg. @g ijt bager fein SBunber, bag Stabetg 9lntün: biguitg btüfctid) bent einfadjen ©cfyrädje, Wetdfeg wir eben mitges tgeitt gaben, ein ©nbe madjte, obgteidj man oft bewerten tonnte, baf ber fßfabjtnbcr ber eiitgige in biefer ©tängfejle War, Wetdjer, ogite ein Staun oon ©taube gu feiju, eg ftd; ertaubte, ben ©er* geanten atg feiiteg ©leidjcn ober »ictmcgr mit ber gerglicgcn ©ers trautiegfeit eiitcg greuubeg gu beganbetn. „®uten Storgen, ©ruber Saffagte ber Sergeant, mititä; rifeg gritgeub, atg er mit ernjtem unb jtattfügem Stnjiaitb auf bag ©ottmerf gu tarn. „@g tonnte ftgeinen, bag mein Storgenbieuft mid) Seiner unb Stabetg »ergejfen lieg; aber wir gaben bafiir nun eine ober gWei ©tnnben übrig, um betannter gu Werben. ©enterfjt btt niegt, ©cgwager, eine groge 9(egntid)teit gwifdjeit bem Stcibcgen unb berjenigen, Wetdje wir ftgoit fo lange »ertoren gaben?" „Stabet ijt bag ©benbilb igrer Stutter, ©ergeant, wie idj immer gefagt gäbe, mit einer {feinen ©eintifdjung »ott beinent fejteren ©au; obgteid) cg, Wag bag anbelangt, ben ©apen aueg nie an ©«gnettfraft unb ©egenbigfeit fegtte." Stabet warf einen furd)tfameit ©tid auf bie ernjien unb firengeit Büge igreg ©aterg, bie fle ftrf; mit igrem Warmen bergen wägrenb igrer 9tbwefengeit immer mit bem 9lugbrncf ber elterlichen 152 Siebe gebadjt f;atte; itnb als fte bte Sleußerititg berfelbeit burd? baS Steife unb SJJetljobifdse feiner SKanier bitrd)bltdeit faß, fo ßötte fte gerne in feine Sinne fliegen itnb fidj itatß JperjenSluji an feinem Sufeit ausmeiitcn mögen. Stber es mar meßr Jtäfte, meßr fförnt: lidjfeit unb Slbgefdjfoffenßeit in feinem Slcußern, als fte ju ftnbett ermattet Ijatte, fo bafj fte nimmer eine fotdje greißeit fidf ßerauS: juiteßmen gemagt Baben mürbe, fetbft, Wenn fte afieitt mit ißtn gemefen märe. „®u ßafi um meinetmillen eine lange unb müßfetige Steife unternommen, fflrttber, unb mir molten verfließen, ®ir bcuSlufent: ßalt unter tut« angenehm ju ntaeßen." „3dl Babe gehört, bafj btt maßrfcßeinliiß 93efeßl erhalten merbeft, bie Sinter ju litten, unb beine 33ad in einen Sßeil ber 3Belt ju fdjaffeit, mo, mie mau fagt, taufenb Sufeltt feßit follett." „Ipfabßnbet, ift bas eilt ©tüdeßen sott (Surer äkrgeßlidjfeit?" „Stein, nein, ©ergeant, id) Babe itidjts uergeffeit; aber es fdjieit mir nicljt nötßig, ©ure 9lbfid;ten vor ©tttem eigenen gleifd) unb 83lut fo fireng jn verbergen." „Sitte militärifdfen Semeguitgeit muffen mit fo mettig @erebe als ntöglidj gemadjt merben," ermieberte ber Sergeant, tnbent er beS SßegmeiferS ©djulter jmar fremtblid), aber boeß ntißbilligenb berührte. „ 3 ßt ßalit ju riet Ooit ©utent Scbeu beit gmanjofen gegenüber äitgebradit, um itidft beit Söertß beS ©dimcigenS ju feinten. ®ocß es ntadjt nicßtS; bie ©aeße muß botß halb befaititt merben, ttnb es mürbe 'itidd biel itütseit, mcitn man es feist itcd) verfucßeit mollte, fte geheim 511 Balten. 3Bir merben in Äitrjetn eine SlblöfungSmannfdfaft nad) einem Sßoflen am ©ce fdjiden, ob: gteieß icß bamit ni<ßt fageit miil, baß eS natß beit Xatifeitb Snfeln geße. 3cß merbe moßl felbfi mitgefjen, unt» in biefem galt Babe id) bie Slbftcßt, Sltabel niitjuneßmen, bamit fte mit meine ©itbße foeße, ttnb icß ßoffe, ©rijlvager, ®u mirft auf einen SWonat ober fo etmaS ©otbatenfoft nid;t atiSfcßlageit." * 153 „®aS wirb »du bet 9(rt beS 5Dlarfd;)cS aBgäitgcit. 3(g gaBe feine Befottbete {Jreube an SBülbetn mtb ©ümbfeit." „SBtr Werben in bent ©cub fegefn, unb in bet £gat, bet ganje ®icng, bet uns nichts 9leueS ijl, faitn Wogt einem, bet ans SBaffet geWögitt ifi, gefatfen." „9(it ©atjWager, Wittg bu fageit, aBet nid;t au baS 3Bafet eines ©ee’S. &ocg, Wenn igt Stientanb gaBt, biefeS ©tüddjeit .Kutter ba für ettd; ju regieren, fo gaBe id; nichts bagegen, für biefe Steife beit ©kiffet jit iitaigen, oBgteid; icf» bie ganje ®efd;id;te für »et: foreite Seit gatte. SBie man gd; bod) fo tauften faitn, ein ©e: gellt auf btefent SBeiger f;etttut ein ,jut ©ee gefeit* jtt feigen." „SaSget ijl {ebenfalls im ©taitbe, ben ©eub ganbjugaBen, SSrttbet (Sag, unb in bicfet §ittg(gt faitit t(g gerabe itidjt fagen, bag l»ir beiner ®ienjle Bebürftcn, oBfdjon uns betite ®efel(fd;aft Söetgttügeit ntadjeit Wirb. ®tt faitnfl etjl nad; ben Shtgebfuitgen jutücffegtett, Wenn eilte jpartie bagiit gefeitbet Wirb, unb bieg tuirb Wagrfegeinticg ttidjt »ot unferet Surüdfunft gefdjegeit. — Sinn, gifabgnber, es ijl baS evjlental, bag itg Seute auf bet g«g»te bet SKiitgo’S i»eig, ofjite bag 3gf an igter ©gige fegb." „lim egrltcg gegen (Sucg ju fegit, ©ergeant," erWieberte bet SBegWeifcr itidjt ogite einige ®er6geit mtb eilte ntetfitdjc ffietän: betmtg bet $arüe fernes fonit»et6ranntett@egd;)tS, ,,id) Ijabe bicfen SHorgett itidjt gefüllt, bag fo etwas meine @abe War. (SrgeitS Weig icg redjt Wogt, bag bie ©olbateit bcS güitfuitbfüitfäiggeu itidjt bie Seute baju ftttb, bie Stofefen iit beit Sffiütbern ju ermtfdjeit, unb bie ©djutfcn warten gcger nicgt, Bis man ge umringt, wenn ge wigeit, bag SaSger bie ©antifott erreicht gat. SDaitn faitn gd) eilt SRantt itad) einem geigen SageWetf Wogt ein Wenig Stuge gönnen, ogite bag man tttfadje gat, feinen guten SEBiiten ju »erbäegtigen. Siugcrbent ig bet ©erbeut mit igiteit attSgejogeit, unb Wenn bie ©djetnte üBergaugt ju gnben gttb, fo fömtt 3gt (Sud; Wogt auf feinen epag ttttb feilt 9(uge »erlagen, »oit beiten bet eine gürfer. 154 baS anbete ital;cju, Wo n'id;t ganj fo gut als mein eigenes ift. @t liebt bie fd;teid;cnben ©agabunbeit fo wenig «iS id;, nnb id; mödjte in biefer ©ejiehuug feigen, bap meine @efül;te gegen einen fDtingo nidjts Weitet fitib, als bie ©aben eines ©elaloaren, gepfropft auf einen djtiplidjen (Stamm. Olein, nein; id; backte, id; wolle bie ®l)tc biefcS ©agcS, Wenn anberS ®l;re jn erwerben ift, beut jungen ffähnbrid;, ber bas (Sommaubo fül;rt, übertaffen. (St fann bann, wenn er nid;t feinen Sfalp »erlieft, mit biefem ffelbjug in ben ©riefen an feine Slutter gropfl;uit. 3cp mödjte übrigens einmal in meinem Sehen and; ben gaullenjer fpielen." „llnb Oliemanb Ijat ein befferes 9ied)t baju, wenn lange ttitb treue ©icitfte ju einem Urlaub Berechtigen," entgegnete ber Sers geant freunblid;. „jDlabel wirb nicht fd;led;ter twit (Sud; benfeit, bajj 3l; v it;re ©efeltfdjaft ber gäl;rte ber ©Silben botjicht, nnb pd; obeubreitt freuen, Sud; einen £h e 'l ih tci5 $fül;pücfö abjutreten, wenn 3l;r Sufi l;abt, etwas 51 t geniepen. ©u barfft jebod; nid;t glauben, 2Jläbd;eit, bap eS bie @eWol;nl;cit ©fabpnberS ifl, bie Spijsbuben um baS ffort Dtefraite fcplageit ju taffen, ol;ne bap pd; bet Ölnall feiner ©üdjfe habet l;oren täpt." „Sffienit icp bädjtc, bap pe baS glaubte, Sergeant, fo Würbe id;, obgteid; id; itid;t biet auf ©eptänge nnb ©arabes(Sbolutiotten gebe, ben ^irf^etöbter fcfiultern, unb bie ©antifon bertaPen, epe ttoep ih re fd;öttcn Singen 3eit hätte' 1 ' pnpet 5 « bliden. Klein, nein; IDtabct fennt mid; beffet, obgteid; itnfre ©efanntfdjaft noch neu ift; bemt es hot nid;t an SHingoS gefehlt, um ben fttrjen ®larfd;, ben wir bereits in ©efet(fd;aft mit einaitbcr gemacht haben, 511 beleben." „es Würbe überhaupt geWid;tigcr ©eWciömittel bebürfeit, um mir, in WaS immer für einer ©ejieljung, eine üble SHetnung über ©ud; beijubringeu, gefdjwctgc beim h''tpd;t(id; beffett, was 3h" ba erWfihnt," erwieberte OJlabel mit aufrichtigem ©ntpe, um jebett ©erbad;t, ber in feiner Seele » 01 t beut ©egeuttjeit auftaud;ctt 155 möchte, 511 bcfeitigett. „SSater ttnb Sodjtcr, glaube id;, »erbauten (Sud; if;r Sebett, unb feijb übevgeugt, bafj feilte« »on 33etbett e« je »ergejfen teirb." „Saufe, baute, SBtabel, » 01 t ganjent bergen. Slber id; teilt »ott eurer beiberfeitigen Uitteijfeitl;eit feinen 93ortl;eil jieljett, SRäbdjett, tntb bc« 1 ;alb teilt id; fagen, bajs id; itid;t glaube, bie Sflingo« f;üttcit Seiten aud; nur ein .fjaar 3 f;te« Äoftfe« »erlebt, toenn ifjttett il;te Seufeleiett unb pfiffe geglüdt unb @te in tljre jjättbe gefoinnten teuren. -Stein ©falb, 3nöperö unb Saft« feiner ba, wie and; ber be« ©erbeut tedrett jtear ftdjer in ben Stand; gelängt teorben; toa« aber be« ©ergeaitteit 3fod;ter anbelangt, fo glaube id; nid;t, bajj if;r ein Jöaar gefrümutt teorben teure." „Unb toaruttt follte id; anneijnten, baf geittbe, »ott betten be* fanitt ijf, baff fte teebet SBeiber ttod; Äittber fdjonen, mir tnel;t ■Stitleib ertetefen f;ätten, al« anberen? 2>d; fitl;le, fJJfabftnber, baß id; (Sud; mein Sebett oerbanfe." „3d; fage nein, Sltabel; fte teitrben ttidjt ba« ^tv 5 geljabt f;abett, ©ie ;u »erleben. Stein, itid;t einmal ein fji^iger -Stiitgoi teufet teürbe ba« fjet} gehabt t;aben, ein .fjaar Sljre« fjaubte« ju frütitmen. j$;ür fo fd;limtn id; and; biefe S5atnf)i;re l;altett mag, fo glaube id; fte bod; feiner foldjen ©erriidjtljeit fällig. @ie teitrben @ie teof;l gejtonttgen Ijabett, ba« Sfßeib eine« it;rer fjäubtliitge jtt teerbett, unb ba« toäre Dual genug für ein junge« ©fjtiflenmäbdjen; aber teeiter, glaube id;, teären felbji bte Stingo« itid;t gegangen." „Stuit, fo »erbanfe id; (Sud; bod;, bafj id; biefettt grofjen Uns glüd etttgangen bitt," fügte Stabet, inbettt fte, geteif jutn großen aSergitiigett be« el;rltd;en ipfabfinbet«, feilte f;arte ftanb frctmütf;ig unb ftetjltcT; mit ber irrigen faßte. ,,(S« teare citt geringere« Uebel für mid; geteefett, getöbtet, al« ba« SfBeib eine« Sttbtatter« ju teerbett." ,,®a« ijf if;re ®abe, ©ergeaitt," rief fPfabftttber, iitbent er ftd; mit einem SSergttügett, ba« au« jebettt 3uge feine« el;rlid;en 156 ©cftdjfed ftraljttc, gegen feinen alten ötatiterabeit Waitbte, „unb bie teilt t()ren Sffieg fabelt. Sdf fage bent @erf?citt immer, baß bad 6l;riflwerben uidft einmal einen ©elatearett jtt einem meinen ©tarnt titadjett faittt; ttnb fo wirb aud) Weber bad Äriegdgcfdjrei nodj baö Äambfgeljeiit ein SBlafgeficht in eine SÄoU^aut »erwaubetn. ©iefj ift bie ©abe eines fnitgen, »ott dfrifllidjen ©Itern geborenen SBeibed, unb bie tnuft fefigelfalteit werben." „Sljr Ijabt Stedjt, ©fabftnbcr; unb tead ©labet ®unt;am an; belangt, fo ift ed gewiff, bajj fte fte fefHfalten wirb. Slber ed ift Seit, @uer Saften gu brechen, unb Wenn btt mir folgen toillft, ffirubcr Saft, fo teilt idf bir jeigen, teie teir armen ©olbatcn hier in einer entfernten ©rättsfefie leben." Neuntes Äapitcl. 9lun, S3rüber unb ©euoffen meines 99annS, Sagt, ifi bieg Seben (Such nic&t angenehmer, 9IU aller SuyuS? Sagt, ift biefer ÜBciTb freier bon ©cfahren, als ber «§of? *§iec füllen mir bie (Strafe tflbamS nur. — 9Bie cd (Sud) gefallt. C£d lag leine leere ©ratteret itt bent 5ßerfbred)en bed ©er; geauten ©ttnljam, mit Weldfem wir baö »orige Jlaf'itel bcfdjloffett haben. Ungeachtet ber abgefdjiebeiteit Sage bed ©räitjfwftenö erfreute ftcfj bod) feine ffiefajgutg einer Safel, um bie fte, in manchen Se; jicl)ttttgen, » 01 t Königen ttttb Sütflett hätte betteibet Werben mögen. Sur Seit nuferer @rjäl;(tutg, ttnb and; ttod) ein ^atbed Sahi'httnbert finiter, War bie gattje Weite ©egettb, teeldfe matt bantald bett SEcflen nannte, unb bie feit bent 9te»ofuiiondfrieg beit Slawen ber neuen Sauber führt, »ergleidfiingdweife uitbeoölfert ttttb »erlaffen, obfdjon fte alle lebettben Staturbrobufte, welche biefettt Jblinta angeboren, mit Slttdttahme bed ©tenfdfen uttb ber £audtl)iere, in üftftiger Sülle 4 157 heroorbracftte. ®ie Wenigen Snbiatter, ioctdje in beit Stßätbern itnifierflteiften, »ermochteit beit Ueberftup an Sffiitb nidjt ftrfjtlicfj jtt nertiiittbertt, imb bie jerflreuten ©arnifoneit wie and) bie einjeliteit 3ägct, anf weld;e man pitt unb Wteber traf, übten feinen gröpern ©influp, atö ben einer S3iene auf bcm 33ud)wciäenfefb ober ben bed Kolibri auf ein SSIumenbeet. ®ie (ärjäf;lungen oott ber lounberbaren ättcnge ber Wilbett Spiere, Sßöget unb Sifcpe, weldje inöbefottbere an ben Ufern ber gropen ©een gefunbeit üutrben, Werben burd) bie Erfahrung luaitdjer ttod) tebenben SDlenfcpen bejiätigt; fonft hätten wir Stnfianb nehmen mögen, ihrer jn erwähnen. ®a wir aber fetbft Stugenjcugen oott fotef; oerfd)Wcttberifcher gütte gewefett ftnb, fo entlebigen Wir und btefer Aufgabe mit ber ganjen 3uberfid)t, Wetdje eigene lieber* jeuguttg ju geben oetntag. fflefottberd War ber DdWego geeignet, bie ©heifefantmer eines (Spicuräerd immer rcie^tidj 51 t »erforgett. gifdje 001 t oerfdjiebetter 9(rt wimmelten in feinem Strome, unb ber gifdjer burfte nur feine Seine audWcrfen, um einen Skrfdj ober ein anbered ©lieb ber mit Stoffen »erfeljencn3unft tjcrauäjuljoten, bie in eben fo groper -Stenge bad SLBaffcr bebötferte, in Welri)er bie Snft über beit ©ümfifen tiefer fruchtbaren tBreite oott Snfcftcn erfüttt loar. Unter anberit fianb ber ©ahn ber ©een, eine ffiarie* tat ber loo^tbefannten 9trt, an 8 ecferf;aftigfeit bem bed itörbltdjcit ©ntoüa’ö fannt nad).. ®ie SBätber unb Sßajfer Kümmelten 001 t berfd)iebeiten 3 ugoögetn, unb man fatj oft ©unberte 001 t Storgeit Sanbed an ben gropen Sapen, Wetd)e in bie Ufer beS @eed eins fdjneiben, »ou ©änfett unb ©nten Bebeeft. ^irfd;e, Säreit, Äa* nindjen, @id)^örnd;en unb uerfdnebene anbere S3ierfüpter, unter beiten ftd) aurfj bidWeitett bad ©Icnbtpier befattb, Ralfen bie Summe ber natürlichen Hilfsmittel oeroottifänbigen, bttrdj itteldje bie ent* fernten ©ränjbefahttngen fid; für iljre übrigen ©utbct;rungeu tttef;r ober ntinber fcpablod hielten. 9(ti einem Orte, too Steifcpforten, Wetd)e attberdwo unter bie 158 SuruSartifel gerechnet werten, in folgern Uebetmaße rwrpanben waren, blieb Stiemaub »on ipreni ©enuffe eiuSgefeploßen. ®er ©eringße an bent Dswego fßeif’te SBilbßret, baS ben ©lang einer ßSarifct J’afel auSgemaept paben Würbe, uitb e« war mtr ein peil; fanter ©ontmentar über bie Saunen bcS ©efepmaefs unb bie 33er* feprtpeit ber menfepliepeu ©egierbett, baß bie fräftige ®iät, Welcpe unter anberit Umjlünbcn ein ©egcnßaitb bc$ DteibeS unb 9(erger3 gcWefen Wäre, ben Slßßettt pier bis guni ©fei itberfättigte. ®ie gewöpnliepe raupe ©apruitg ber Slrntee, Wctepe utan Wegen ber ©eßwterigfett beS SEranSßortcS ju Statt) palten mußte, flieg in ber Steptung be$ gemeinen Solbateu, unb er Würbe Sffiilßret, ©uten, Saubcn unb Salme mit greuben gelaffen paben, uni bei ben 9ln= nepmliepfeitcn beb geräutperteu SepWeinßeifcpeS, ßelgiger Dtübeuunb palbgapren jtopleS ju fcpwclgeit. Um auf bie £afel bcS Sergeanten ®unpam jurüefjufmnmeit, fo trug ße ba« ©eßräge beb UebcrßüjfeS unb beb Surub ber ©ränge, wie iprer ©ntbepruitgen. ©in fößliep gebratener Salm bamßfte auf einer unjierlicpen fftlatte, peiße 2 Bilbßretßüefepen fanbten ipre eilt: tabenben ®üfte aus, unb »erfeptebeue Scpitßeln falter Sßeifen, Welcpe alle aus SBilbßret bcßanbcit, würben beit ©äßen borgefept, um ben neuangefommeneit Sefuep ju epren unb beS alten Solbaten ©aßfreunbliepfeit 511 beweifeit. „£u fcpeiuß in biefern ©rbwütfcl niept farg gepalten jufepn, Sergeant," fßraep Saß, natpbem er ßcp in bie ©epeimnijfe ber »erfepiebeucn Scpüffelit eingeweipt patte, „©in foteper Salm fantt beine Seßottfäuber wopl gnfrieben ßellen." „Unb boep tput er’S niept, ©ruber ©aß; benn unter ben jwei ober breipunbert ©urfepeit, wclepe wir in biefer ©arnifoit paben, gibt es fauni ein palbeS ®upcnb, Welcpe niept barauf fepwören würben, baß biefer $ifeß ungenießbar fep. Sclbß fotepe, bie nie SSilbßret foßeten, wenn ße es niept in iprer ■fjeintatp aus irgenb 159 einem ®epge phlcit, rümpfen if>ve Stafen über bie fettcftcu £irf

eine beffere Steife, als ber Osmego; batfcp uttb feufjt babei iiadf einem Stitcf .fjodpnbmaffcr, obfchon er ben ganjett Ontario hP utn feinen Surft ju töfd;eit, menn es ip barnad; gelüftet. ■" „§at SDtajor Suncan grau uttb Hiitber?" fragte SJtabel, bereu ©ebattfeit, itt ihrer neuen Sage, ftd; natürlidjerweife juerfi auf ip eigene« ©efdjtedjt ridjteten. „Stein, Stübchen, aber man fagt, er pbe eine Sertobte in ber ^cimatp Sie Same fdjeint jeboch lieber märten, als ftd) ben ffiefcpoerlidjfetten, metdje mit einem Sienfi in biefet mitben ®cgettb »erbunbett ftnb, unterziehe« ju mollett. @3 entfpricp baS freitid) nicht ben (Begriffen, meldje idj »on ben ©fügten eines ©Seibed habe, ©ruber Saft. Seine Scpnefler badjte attberS, unb toenn es ®ott gefallen patte, fie mir 51 t erhalten, fo mürbe fie mop in biefetn Slugenblicte auf bemfetbeu SagerfiuP ftpn, ber nun iper Sodjter fo gut anfieht." „3dj hoffe nicht, Sergeant, ba| bu bir fötabel je als ein Solbatenmetb benfett mirft," ermieberte Saft ernfipift. „Unfere gamilie hat in biefer (Bejahung baS 3 pige fdjon getlfan, unb es 160 ijt f;of)c 3cit, tag inan ftd; aurf) ba« SDicet mieber itt’« ®ebäd;tnijj ruft." „3dj famt bir oerfidjern, IBrubcr, bap id) itidjt batan benfe, il;r einen 5Wattn au« bent günfunbfünfjigflen ober irgettb einem aitbctn Dtcgiment au«}ufudjctt, obfdjou id) glaube, baff e« für ba« äRäbdfcn mold 3eit märe, eilte anftäitbige Partie ju treffen." „SSater!" „’« ift feine von ifyrett ®aben, Sergeant, fo offen über ber* artige ©egenfiänbe ju fbrerifett," fagte ber SBegioeifer; „bemt id) habe ntid) au« ®rfaf;rung übetjeugt, bajt man, menu man ber Säljrte von ber ^erjcitöneigung einer Sungfratt folgen loitt, nidjt oor il)r feinen ©ebanfeit Saut geben barf. 9Bir motten bal;er, mentt’« beliebt, »on etma« Slitberem reben." „®ut alfo, 33rubcr Sab; idj Ijoffe, bap biefe« Stiicfdfen oon einem falten, geröfteten grrfel nadj beinern Sinn feljn mirb. 3d) glaube, bu liebfi biefe Sfteife." „3a, ja, gib mir eine cioiliftrte Hoff, meint icf) effeit foff," erioiebertc ber Ifartnädtge Seemann. „3Bi(b|)ret ijf gut genug für eure Sattbfdjiffer, aber loit oott bent Dceatt lieben ein mettig ba«, ma« mir fernten." Jpicr fegte ber iftfabfinber SJteffer ttnb @abet nieber, braef; in ein fyerjlidfe« aber ftifCeö Sachen an«, mie er e« gemof)ttt mar, ttttb fragte bann etma« neugierig: „ffiermift 3f)r nid)t bie Scfdoarte, SMeifter Saft, »ermijtt 3f)r nidjt bie Sdjmarte?" „3dj glaube fetber and), baf e« in feiner 3acfe beffer gemefen ioäre, ipfabftttbee; aber id) Ijielt e« für eine SWobe in bettSBälbern, bie geriet fo aufjutragen." „9tun, nun — man fann unt bie gattje Srbe Ijerutn fomnten, ttnb bod) nidjt Sitte« miffett. SCBenn 31;r bie Jpaut biefe« gerfel« hättet abgie^ett tttüffen, fo möchtet 31jr mofjl muttbe föättbe baootm getragen Ijabeit. ®a« ®efd)öbf ift ein Stad) elfdjmein." 161 „Sie Spcft auf ntid), meint td) cs je für citt gaitj natüvlirfjeS Sdfmeiit gehalten tjabe," ermieberte ©af>. „Stber idj bad;te eben, Jbafi fogar ein Sbaitferfet tjicr oben iit beit SBätbcrit einige Dott feinen guten ©igenfdjnfteit »erforen Traben föutttc. (Sß freien mir nirijt meßr ats »ernüuftig, baß eilt grifdjmafferfdjmein nidjt ganj fo gut fei), als etn Safjmafferfdjmcin. 3 d) bettfe aber, Sergeant, baß bir baS nie^itö au 3 mad)t." „StBcnn nur. bas fjautabftreifen nidjt att ntidj föntmt, Sd)loa; ger. — fPfabfinber, id) t)offe, 3t)r fanbet SDtafeet nidjt uitgeljorfaiit auf bent SRarfdje?" „@cmiß ittdjt. Sffienn SKabet nur tjatb fo jufriebeit mit SaOßer unb fßfabßitber tfl, als ber fßfabjinber ttnb SaSßcr mit il;r, ©er« gcant, fo locrbeit mir moljt für beit Steft unferer Sage ffreunbe bteibeit." Söüijrenb ber SBegloeifcr fpradj, richtete er feine Singen mit bent uttfdjitlbtgeit Söunfdje, ifjrc Sfteiitiing 51t erfahren, .auf bas er* röttjenbe SJtäbdjen; bann aber btiette er mit einem aitgcbontett 3 arigefitf>te, metdjeö bemteS, loie feljr er über bas niebrige 33 er* taugen, in baS fjeitigttjuin iocibtidjer ©cfüljte eiujitbrittgctt, ergaben fei), auf feilten Setter ttitb fdjieit feine ,Süf)itf)eit ju bereuen. „SJlun, nun — mir muffen und erinnern, mein ffreunb, baß SSciber feine SDlättiter finbfprad) ber Sergeant, „unb il)rer Statur unb ©rjietjitng StlandjeS ju gut tjatten. ©in Stefrut ift feilt SSeteran. SDtan loeiß, baß es tanger braucht, eilten guten Sotbateit, als etmad StitbcreS ju bitbeit, unb fo muß es and) rneljr afs ge* möljiitidje 3 eit brauchen, eine gute Sotbatentodjter 31t locrbeit." „SaS ifl eine neue Celjre, Sergeant," fagte ©nf) etmaS tjodj* miittjig. „ 3 Bir alten Seeleute f;atteit ef)er bafür, baß man fedjs Sotbateit, ttitb baju ©aßitatfotbaten, Bitbeit föttne, .bis nur eilt Sttatrofe feilte Sdjute burd)gentad)t tjat." ,,S(f), ©ruber ©aß, id) feittie bie ßotje SKeinnitg ein loeitig, toetd)e _bie fcefatjrenben Seute 001t ftd) fetbft I;abeit," crloicbcrte ber »er qsfabftnoer. 3. Stuft. 11 ©dpoagcr mit einem fo mitten Säcfteltt, a(g pdf mit feinen entfielt Sügen »ertrug, „beim idf pabc manche Sapre in einer fäafem garnifott jugebradp. Pöir pabett früher fd»ou über tiefen ®egen= pattb gefttrodjett, ttttt id; furdfte, mir »»erben nie bariiber eins »»erben. SBetttt btt aber beit Unterfepieb jwifdfett etttem WirKidfett ©»(baten ttnb einem 50icttfct>en, ber fid) fo jtt fagett itorfj ttt feinem fRaturjupanbe befinbet, fetttteit lernen tniflfi, fo barfft btt ttnr pcitte Siacpmittag bei ber pfarabe einen Söttet anf citt ©ataifttn beS günfmibfitnfjigften werfen, mtb batttt, Wenn btt ttaep !()orl jurücf; foiitiitp, eine« »ott bett äRilijregiincnterit, wenn cg feilte gröjitett 9(ttfirettgttttgeit madjt, betrauten." „5Rttit, Sergeant, ba ifi ttt meinen Singen fein befonberer Itntcrfdjicb, »ietteidft fein größerer, als ber, beit bn jwippett einer Sörigg ttttb einer ©dmaite fittbett miirbep. SRir fonttnett fte gatg gleid) »ot; ©cparlatp ttttb gebent, pM»cr ttttb (ßfetfetterbe." „@o »«eit reidjt a((ettfa((g eine« ©eentanttg Scrpattb," crime; berte ber ©ergeant ntit SSBörbe; „aber »ieHeidjt pap btt ttodf nidjt benterft, bap eg eitt 3apr brattdp, ttttt einett redpett ©»(baten nur effen jtt lehren?" „Unt fo ppliinmer für iptt. ®ie SOtitig meip ftd) int Slugcit; b(id bareitt jtt fittbett, »nie fte effen fot(, beim idf pabe »ft gehört, bap fte auf iptett äRürfdfen gemctttiglid) 9(((eg, Wag iptten itt bett SBtttf fontntt, »etfpeifett, Wenn pe attep fottp nidftg Weiter t(;nn." ,, 3 d) bettle, pe pabett ipte @aben wie anbere Seute," he- nterfte ber Sßfabftttber, itt ber Slbpcpt, bett griebett 51 t crpaWett, Wettpct augetifdfciitlid) bttrd) bie partnädige SBorliebe ber beiben ©freier für iprett ©erttf gefäprbet War, „mtb ba ber SRcnfdf feine ©abett »ott ber ©orfepnng pat, f» ip eg gewöpitficp ffttcptt log, iptten ju wiberprebett. ©ag günfunbfütifjigpc, Sergeant, ip ein fepr »erpänbigeg (Regiment, Wag bag ©ffett attBelaitgt, »nie tdf ioopl wetp, ba id) fo lange ppott mit ipnt itiitgepe; aber siiettcidp ftubet ftrfj’ 6 , baß eg bodj von beut ftttitijencorfg in berartigen ähtiififtitcEcit iiBcrtroffcn ivivb." „Ditfet," fagtc 3JlaBet, „mcnit Sfr gefvüTjjlücft faBt, fo merbe id; eg ©td) Saut mijfeit, meint 3fr mid; mieber auf bag 93otf= toerf f tnaug Begleitet. SDBir f aBeit tBeibe ben See nod; uid;t f alB gefehlt, ititb eg mürbe fidf bodj fdjledjt aitgttefmeit, meint ein jungeg graiteitjtmmer ant evftcn Sage ifrer Stnfunft fo gaitj attein mit bag gort fbajicrett müßte." (Saf verjtaitb SOiciBclö S( 6 ffd)t moft. Sa er aBer im ©raube gegen feinen Sdjmager eilte ferjltdje greititbfdjaft ^egte, fo mar er Bereit, bett ©cgcnfiaitb Beritten 5 U taffen, Big fte tanger Bei* famnten getoefett mären; beim ber ©ebaitte, ifn ganj aufjugeBett, fonitte einem fo itBertlugen uttb fartnädigen Sltamte tiicft in ben Sinn Fontmen. ©‘ Begleitete bafer feine Sticfte, mäfreitb Sers geaitt Sitttfaitt uttb feilt grcuttb fßfabftnber allein miteinaitber jitrüdütieBen. Ser Sergeantfmeldjer bag ©tauüüer feiner Sodjter nidjt gaitj fo gut vcrfkttbeit Tratte, manbte ftd; und) bent ?tBjitg fettteg ©egncrg an feinen ©efäfrteu nnb BeinevFte mit einem 8 äd)etit, metd;eg tiidjt ofite Sriitinft; mar: „Sie Strinee, fßfabfitiber, fat ftd) nod) nie in ffiefaitfituitg ifre 9ted)te ©eredjttgfeit miberfafrett taffen, trab oBgteid) Sebent, mag er nun iit einem rotfen ober in einem fdjmarjcn 9tode, ober gar nur iit feinen §eittbärmetn flcdeit, 83efd)eibeitfeit ^iemt, fo taffe id; bod) nidjt gerne eilte gute ©etegenfcit eutfcftüpfen, ttnt jtt ifrett ©unweit eitt Sßort ju ftiredjeit. — 9tun, mein grettitb," er fegte baBei feine §attb auf bie beg tpfabftitberg uttb brüdte fte f erjs tid), „mie gefättt ©td) bag SJtäbcfeit?" „Sfr faBt Urfadje, ftolj auf fte jtt feftt, Sergeant; Sfr faßt Vtrfacfe, flotj jtt feftt, baß Sfr ber SSater eines fo fdjüneit uitb moflgefitteteu jungen grauenjintmerg fet)b. 3 d) faBe ntaucfe ifreg ®efd)led)tg gefefen, uttb baruuter ©nige, bie anfefnlid) nnb fd)i3n marett; aBer nie juvor traf id) mit einer jufantmen, Bei Weichet, wie id; glaube, bie Sorfepuitg bie »crfdjicbcncu ®aben in ein foldjeb ®teid;getoidjt gcBrad;t patte." „Unb bie gute SJieinuitg — fanu id; (Sud; »cr[td;crn, fpfab* ftitber — ift Wetpfelfeitig. Sie erjäptte mit in bet lebten 9tad;t Stiles — » 01 t (Surer Scfonnenpeit, (Sutern Sttutpe, (Suter ©üte — Befottberg »oit biefer tepteru, beim ©üte japlt Bei SBeiBern ntepr alg bie öütfte, mein ffretmb — ttub bie erjle Sefcpaumtg fdfeütt auf Beibeit Seiten Befviebigcnb ausgefallen git fei;u. Surftet nur bie Uitifotm aus unb »ertoenbet ntepr Slufmerffamfeit auf bag Sleupere, tftfabfinber, unb 3pr luevbet bas 3Jtäbd;en paBctt, .fjerj unb •6anb." „CHeiit, nein, Sergeant, td; paBe itid;tg »oit bent »ergeffen, teag 3pt mit gefagt paBt, unb teilt mid; feine vernünftige SKitpe reuen taffen, in SJtaBetS Singen fo angenehm ju erfepeineu, als fte ben mcinigeit geteovbeit ijt. ©iefeit SDlorgeti, mit Sonnenaufgang, paBe id; ben §ivfd;töbter gefüllt unb nufpolirt, unb, nad; meinem ttrtpeil, pat bas ®cteepr nie Befer als in btefem StugcnBticfe aitS; gefepen." „®ag ift fo (Suren SägerBegriffen gemäp, Sßfabftnbet; aBet geuertoaffeit müjfen fepimment unb fmtfetn in bet Sonne, unb id; t;aBe nie ettoaS Schöne» an einem bamaScirten Sauf ctBliden fönneu." „Sorb -§otoe batfrte anberS, Sergeant, unb ber galt bod; für einen guten Solbaten." . „Set;r teat;r; Seine §errtid;feit f;at atte Saufe feineg 9tegi= »tents antaufen taffen; aBer teag fant baBei @uteS peraug? 3pr fönut feinen ffiappenfcpilb in ber engttfd;en jfirepe ju SttSan^ tjängen fepcit. Stein, nein, mein teürbigct fjrennb, ein Sotbat mup ein Sotbat fei;it unb nie ftd; fd;ämeit ober ftpeuen, bie 3eid;ett unb SpmBote feines eprenteertpen ®eteerBeS an ftep jit tragen. §aBt 3pt (Sudj »iel mit SJtaBet unterpatten, als 3pt in bent Äapite mtteinanber fupret?" „(Sä gab nießt «iel ©etegenßeit baju, Sergeant, unb bann fanb icß meine ©ebaufen fo Weit unter beit irrigen, baß icß mieß freute, inet nteßr, als tuet« in baö Seteicß meiner ©.abett fättt, ju fitneßen.'^" „Sa ßabt Sßr tßeiltoeife Stiebt unb tfjcitiweife Uitrccßt, mein ftrettnb. Sie grauenjintniet tiebeit uubebeuteube Stöcttrfe, bemt fte motten beu größten Sßeit barmt fetber führen. 3ßr mißt jo, baß icß nießt ber 3Kann bin, ber Wegen jebeö fcßtoinbttgcit ©es battfenö feine 3ungc feßießett läßt, unb boeß gab es eine Seit, Wo übtabetö SOtutter nießt geringer »ott mir baeßte, toeil icß ein bifc eßett ömt meinem mäitnttcßeit ©tttße abßet. @ö i|i toaßrt icß toar bamatö um jtoeiitnbjmanjig Saßre jünger, atö jeßt, unb obeitbrein (taft ber ättejte Sergeant im Regiment ju feßn, toar icß ber jüngjte. SOBürbe ift atterbingö emßfeßteitb unb tiüßlicß , unb oßne fte maeßt man feine gorifeßrttte bei ben®täunern; toettuSßr aber atteß «ott ben ßöeiberii gefcßäßt toerbett toottt, fo ift eö buteßaitS nötßig, gelegentlich ein biöcßen ju ißueit hinunter 5 « fteigen." „9lcß, Sergeant! icß fiircßte biStoeitett, baß eö nießt geßett toirb." „SBaritiit bcitft 3ßr « 01 t einer Sacße fo entmutßigenb, bei ber icß ber 5Dietttttitg toar, baß Seiber ©entütßer feßott im Oleinen feßeti?" „9Bir ftttb überetttgefomittett, baß icß, »eint SKabct fieß a (8 foteße betoäßre, tote Sßr ße mit gefeßitbert ßabt, ttttb ße einett roßen Säger unb ßßegtoeifer gerne ßabett fötttte, «011 meinen SBattberjügen ettoaö abtaffeit ttttb beu Serfttcß titacßeit fotte, meinen ©eiß für SBeib ttttb Ätitb ßerab ju ßttinanißrett. Slber feit icß baö Sttäbeßen gefeßett ßabe, ßttb mir, icß muß eö geßcßett, ntaticße Seforgttiße aitfgeßiegeit." „SBaö fott baä ?" ßet bet Sergeant erttß ein. „Jpabe icß ©ließ etwa uitrecßt »erßattbett, atö Sßt fagtet, ßc geßefe ©ueß ? — ttttb iß ffltabel ein jjranenjimmer, um bie ©rtoartuttg ju täufeßett ?" „9(cß, Sergeant, nießt Sßabel iß’ö, ber icß mißtraue, fottbertt 166 meine eigene SBcuigfeit. 3 dj bin iveitcr nichts afö ein armer uMoiffeitber 9Bafbmamt, uitb viefteid)t bod) in aBirffid^cit tiidjt fo gut, afö eben 3 f)t unb id) von mir bettfen mögen?" „Sßeitit Sljt and) an bet 9tid)tigfeit (Suteö Urttjeifö über (Sud) jteeifefit möget, ifSfabfinbet, fo muß id) bitten — jtoeifeft locuigftciiö nid)t an bent mcinigen. Sollte id) etioa uid)t bet Staun fetyit, cincö Staniteö SJjarafter 51 t beurteilen? @el)ört biefeö nid)t ju meinen befotibetn ©ienjioetridjtuitgeit ? ßabe id) mid) je getänfd)t ? gragt beit Stajor ®uitcait, toenn 3 f)t fjiejur nod) befouberer 33et[tdjetutigeit bebürft." „9(btt, Sergeant, mit fiitb lange gremtbe gcioefen, Ijabcu IDujjenbmafe Seite an Seite geforfjtcit, uitb jebet t)at bent attbern tnand)cn Siettjl erloiefcit. Unter foid)eu Umfiäitbeu tarnt ein Staun t»oT)l affjit ftemtbftd) Bon einem aitbern benfcii, unb id) fiirdjte, bafs bic Sbdjtcr einen einfachen unioijfeubcn Säger Bieffcidit nid)t mit ben lootjlmoffeitbeu öfiefen ifjreö Saterö betrautet." „Stift, ftiff, Sfabfinber, Sfjt fennt (Sud) fefbft nid)t, uitb mögt (Sud) befifjalb getroft auf mein Urteil »erfaffen. (Sinntaf fjabt 3f)t (Stfaljtuug, unb ba biefe affen Stäbdjeit abgeljt, fo toitb fein ffuge« jititgeö gtauenjiiitnter biefe (Sigenfdjaft überfcf)cn. ®aitn fet)b SI)t feiner Bott ben Oedeu, loefdje ftdj breit ntadjeit, fobafb fte in ein Stegimcnt gefdjmedt I)abeit, toofjf aber ein Staun, ber beit ®icnft gefetjcit I)at, unb bie Stcrfmafe bcffefbeit au feiner Serfott unb in feinem ©e|td)te mit I)erumträgt. 3 rfj barf fageit, bajj Sf)t ctfidje bteifig* ober oietjigmafe im gelter gefiaubeit fetyb, toemt id) affe bie Sd)armü(^el unb JMnterfiafte, bie 3()t gefeljcu I)abt, in 9tedjnuitg bringe." r ,9Bof)I ioaI)t, Sergeant, tvof)f t»al;r; aber toaö toirb baS I)etfen bei ber ©cioinituitg beö SSofdiDoffettö cittcö jartetjigen jungen grauenjintincrö ?" „(Sö lvirb beit Sfttöfdjfag geben. (Stfaljrititg im gefbe ift fo gut für bie Siebe, alö für beit jfrieg. 3I)t fe\)b ein fo eljreuTjaftcr 167 uub toi;ater Untertan, lute bev Äüuig — @ott fegtte tßn! — nur imiuev einen IjaBen fann." „®ab mag atteb fct;n, bab mag atteb fei;it; aber id; Bin — id; fürchte — id; fei> 311 rot;, uitb 51t alt, unb 511 Witbartig, um für bic fßtjantafte eines fo jungen unb feinen £Dläbrf)cnS, luie tDtaBet, ju j>ajfeu, bie bet SOBeife unfetet SBätber jn ungewohnt ijl, unb woljl beuten wirb, baß bie Stnftebtungen it;tcu OaBeit uub Steigungen Beffct jufageit." „®ab ftitb wieber neue 3 tueifcl »01t (Sud;, Srcunb, unb icf> wunbre mid;, baß jtc nie »ort;er tiarabitten." „äSeil id; »iet(eid;t nie meine eigene SBettI;foftgfeit fo er* faunte, Bib icf; ättaBct fat;. 3 d; Bin tootjl mit einigen Scßöneit geloanbert, unb I;aBe jie butef) bie SBätber gefüllt — l;aBe jte in it;ren ©efatjren unb in if;ter §eitetfeit gefeiten; aBet jte ftanben immet jtt t;od; iiBet mit, um jie aitberb jn Befragten, alb für 9 Bet;rtofe, weld;e 51t Befdjitjjen unb ju uertl;eibigcn id; mid; »er* jiftidjtet eradjtetc. ®er Salt iji nun »erfdjicbcit. SttaBet unb id;, mir ji;e(;en unb fo nat;e, baß cb mid; fajt etbrüdt, unb fo uiu gteid; ftitbcn 51t muffen. 3 d; wünfdjte, Sergeant, baß id; um. jet;u 3at;re jünger, fdjöner unb geeigneter märe, einem jungen, I;üBfd;en ffrauenjimmer ju gefaiien." „Raffet SJtutf;, mein Braocr jfreunb, uub »erlaßt (Sud; auf einen SBatcr, ber bic SEBeiBerart fenut. SOtaBet tieBt (Sud; Bereits I;aI6, unb fo eine ©efanutfdjaft »01t »ierjeljn Sagen, ba unten an beit Sitfeht, wirb bie aitbere töätfte uottenbb gaitj mad;cn. ^ ®ab SJtäbdjen t;at mir bab in ber testen 9 tad;t fetBjt gefagt." „ 3 fi’b möglid;, Sergeant?" fagte ber SBegWeifcr, beffeit be= müt(;igc uub Befd;cibcnc Statur jurücEBeBte, atb et fid; fetBjt in fo günjligeit SatBeit erBtidte. „Sft’b mirttid; mögtid; ? 3 d; 'Bin nur ein armer Säger, unb SttaBel ijf bajit gemadjt, eine Dfßjierbi frait ju werben. ©lanBt 3 t;r, bab SJtäbd;cn Werbe einwiftigen, alte bie Beliebten ©eBtäudje ber Stnjiebetungen ju »ertajfen, it;re Visiten, ihre Kirchgänge, um mit einem einfachen Wegweiser und Jäger hier oben in den Wäldern zu wohnen? Wird sie nicht am Ende ihre alten Weisen und einen bessern Mann begehren?" „Ein besserer Mann, Pfadfinder, dürfte schwer zu finden seyn," erwiederte der Vater. „Was die Stadtgebräuche anbclangt, so werden diese bald in der Freiheit der Wälder vergessen seyn, und Mabel hat Muth genug, um an der Gränze zu wohnen. Jch habe den Plan zu der Heirath nicht entworfen, ohne vorher darüber, wie ein General bei einem Feldzug, reiflich nachzudenken. Fürs Erste dachte ich daran, Euch in das Regiment zu bringen, daß Ihr mein Nachfolger werden könnt, wenn ich mich znrückziehe, was früher oder später geschehen muß; aber das braucht noch Ueberlegnng, Pfadfinder, denn ich glaube kaum, daß Ihr dem Dienst gewachsen seyd. Nun, wenn Ihr aber auch nicht gerade ein Soldat im vollen Sinne des Wortes seyd, so seyd Ihr doch ein Soldat im besten Sinne desselben, und ich weiß, daß Ihr Euch des Wohlwollens aller Offiziere im Corps erfreut. So lange ich lebe, kann Mabel bei mir wohnen, und Ihr werdet immer eine Heimath haben, wenn Ihr von Euren Kundschastsreisen und Märschen zurückkommt." „Ein schöner Gedanke, Sergeant, wenn nur das Mädchen unfern Wünschen mit gutem Willen entgegen kommen kann. Aber ach! es scheint mir nicht, daß ein Mensch wie ich ihren schönen Augen besonders angenehm seyn werde. Wenn ich jünger und schöner wäre, wie zum Beispiel der Jasper Western, so möchte die Sache Wohl ein anderes Gesicht bekommen; ja dann—in der That, möchte es ein bischen anders aussehen." „Das für den Jasper Eau-douce und für jeden jungen Bursch innerhalb oder außerhalb des Forts!" erwiederte der Sergeant, indem er mit den Fingern schnippte. „Wenn Ihr auch nicht in Wirklichkeit zu den Jungen gehört, so seht Ihr doch wie ei» Junger aus, und jedenfalls besser als der Scudsmeister —" 169 „Wie?" sagte Pfadfinder, indem er ans seinen Gefährten mit dem Ausdruck des Zweifels blickte, als ob er seine Meinung nicht verstanden hätte. „Ich sage nicht gerade jünger an Tagen und Jahren, aber Ihr seht kräftiger und sehnigter ans, als Jasper oder einer von diesen; und es wird noch in dreißig Jahren mehr an Euch seyn, als an allen diesen Burschen zusammen genommen. Ein gutes Gewissen macht einen Mann, wie Ihr, sein ganzes Leben über zu einem Jüngling." „Jasper hat so ein reines Gewissen, als irgend ein Jüngling von meiner Bekanntschaft, Sergeant; und wird sich deßhalb wahrscheinlich so lang jung erhalten, als nur irgend einer in den Colonien." „Zudem sehd Ihr mein Freund," er drückte dabei die Hand des Andern — „mein erprobter, geschworener und langjähriger Freund." „Ja, wir sind nun Freunde, fast an zwanzig Jahre, Sergeant, — ehe noch Mabel geboren war." „Ganz recht — ehe noch Mabel das Licht erblickte, waren wir schon geprüfte Freunde, und das Weibsbild wird sich doch nicht einfallen lassen, einen Mann ausznschlagen, der schon ihres Vaters Freund war, ehe sie zur Welt kam?" „Wer weiß, Sergeant, wer weiß. Gleich und gleich gesellt sich. Junge ziehen die Gesellschaft der Zungen, und Alte die Gesellschaft der Alten vor." „Das ist nicht so bei den Weibern, Pfadfinder. Ich habe noch keinen alten Mann gesehen, der etwas gegen ein junges Weib cin- zuwenden gehabt hätte. Zudem sehd Ihr geachtet und geschätzt von jedem Offizier im Fort, wie ich bereits gesagt habe, und es wird ihr schmeicheln, einen Mann zu lieben, den alle Andern lieben." „Ich hoffe, daß ich keine andern Feinde habe, als die Mingos," erwicderte der Wegweiser, indem er sich die Haare niederstrich und gedankenvoll weiter sprach. „Ich hab's versucht, recht zu handeln, und das muß Freunde machen, obscho» es bisweilen auch fehl schlägt." „Auch muß mau sagen, daß Ihr Euch stets zu der besten Gesellschaft haltet. Der alte Duncan of Lundie freut sich, so oft er Euch sieht, und Ihr bringt oft ganze Stunden bei ihm zu. Von allen Wegweisern seht er in Euch das größte Vertrauen." „Ja, es sind wohl noch Größere, als er ist, tagelang an meiner Seite marschirt, und haben sich mit mir unterhalten, als ob ich ihr Bruder wäre; aber, Sergeant, ich habe mir nie etwas auf ihre Gesellschaft eingebildet, denn ich weiß wohl, daß die Wälder oft eine Gleichheit Hervorbringen, die man in den Ansiedelungen vergeblich suchen würde." „Zudem kennt man Euch als den besten Büchseuschntzen, der je in dieser Gegend den Drücker berührt hat." „Wenn Mabel um dieser Eigenschaft willen einen Mann lieben könnte, so hätte ich keine besondere Ursache, zu verzweifeln; und doch, Sergeant, denke ich bisweilen, daß ich das eher dem Hirsche- tödter, als meiner eigenen Geschicklichkeit zuschreibcn müsse. Er ist gewiß ein wunderbares Gewehr und würde in den Händen eines Andern Wohl dieselben Dienste thun." „Das ist wieder die demüthige Meinung, die Ihr von Euch selbst hegt, Pfadfinder; aber wir haben mit der nämlichen Waffe zu viele fehlen sehen, und Ihr habt zu oft mit den Büchsen anderer gut getroffen, als daß ich da Eurer Meinung seyn könnte. Wir wollen in einem oder zwei Tagen ein Wcttschießen halten, wo Ihr Eure Geschicklichkeit zeigen könnt, und dann mag sich Mabel ein Urtheil über Euren wahren Charakter bilden." „Wird das aber auch gut seyn, Sergeant? Jedermann weiß, daß der Hirschetödter selten fehlt. Müssen wir daher einen derartigen Versuch machen, wmn alle bereits vorher wissen, was das Resultat seyn wird?" „Still, still da. Ich sehe voraus, daß ich die Werbung für Euch zur Hälfte selbst machen muß. Für einen Mann, der bei einem Gefecht immer innerhalb des Pülverdampfes stand, seyd Ihr 171 der feigherzigste Freier, mit dem ich je znsammengekommen bin. Erinnert Euch, daß Mabel von einem kühnen Stamme kommt, und Mabel wird eben so gern einen Mann bewundern, wie ehedem ihre Mutter." Hier erhob sich der Sergeant und entfernte sich, ohne sich zn entschuldigen, um seinem Dienste, an dem er cs nie fehlen ließ, nachznkommen. Der Fuß, auf welchem der Wegweiser mit allen in der Garnison stand, ließ diese Freiheit als ganz natürlich erscheinen. - Der Leser wird aus der eben mitgetheilten Unterredung eine der Absichten entnommen haben, welche den Sergeanten veranlaßt hatten, seine Tochter nach der Gränzfeste kommen zn lassen. Obgleich er nothwendig der Liebkosungen nnd Schmeicheleien entwöhnt war, welche ihm sein Kind während der ersten paar Jahre seines Wittwcnstandes so theuer gemacht, so liebte er sie doch im Stillen aufs- zärtlichste. An das Commando und den Gehorsam gewöhnt, ohne selbst gefragt zu werden oder Andere über de» Grund der Befehle zn fragen, war er vielleicht zu sehr zn der Annahme geneigt, seine Tochter werde den Mann, den er ihr auswähle, heirathen, obschon er durchaus nicht beabsichtigte, ihren Wünschen Gewalt anzuthun. In der That kannten auch nur wenige den Pfadfinder genauer, ohne ihn im Geheim für einen Mann von außerordentlichen Eigenschaften zu halten. Immer derselbe, einfach, redlich, furchtlos und doch klug, zumal bei Unternehmungen, welche in der Meinung des Tages als gerechtfertigt galten, und nie in eine Sache verstrickt, die ihn hätte erröthen lasse» oder ihm hätte zum Vorwurf gereichen können, war es unmöglich, viel mit einem Wesen umgehen, das in seiner eigenthümlichen Weise als eine Art Adam vor dem Falle — jedoch sicher nicht ohne Sünde —- erschien, ohne eine Achtung nnd Bewunderung gegen dasselbe zu fühlen, welche sich nicht allein auf seine Stellung im Leben bezog. Kein Offizier begegnete ihm, ohne ihn wie seines Gleichen zu grüßen; kein Gemeiner wandte sich an ihn anders, als mit dem Vertrauen und der Freimüthigkeit eines Kameraden. Die überraschendste Eigenthümlichkeit des Mannes war jedoch die gänzliche Gleichgültigkeit, mit welcher er alle Auszeichnungen, die nicht von dem persönlichen Dienst abhingen, betrachtete. Er zollte seinen Oberen Respekt ans Gewohnheit; man wußte aber, daß er oft ihre Mißgriffe verbesserte und ihre Fehler tadelte — mit einer Furchtlosigkeit, welche bewies, wie sehr es ihm um die Wahrheit zu thnn war, und mit einem gesunden natürlichen Urtheil, wie man es nie von seiner Erziehung erwartet haben würde. Kurz ein Zweifler an der Fähigkeit des Menschen, ohne Unterricht zwischen gut nnd böse unterscheiden zu können, würde durch den Charakter dieses außerordentlichen Bewohners der Gränze irre gemacht worden seyn. Seine Gefühle schienen die Frische und die Natur des Waldes, in dem er einen so großen Theil seines Lebens zugcbracht hatte, zu besitzen, und kein Kasuist hätte wohl die Unterscheidungen zwischen Recht und Unrecht bündiger zu entwickeln vermögen. Und doch war er nicht ganz ohne Vorurtheile, welche, wenn ihrer anch nur wenige seyn mochten, die Farbe seines Charakters und seiner Gewohnheiten trugen, tief wurzelten nnd fast einen Theil seines Wesens ausmachten. Der hervorstechendste Zug in der moralischen Organisation des Pfadfinders war jedoch sein schöner und nie schlgrei- fender Sinn für Gerechtigkeit. Dieser, edle Zug, ohne den kein Mensch wahrhaft groß genannt werden kann, übte wahrscheinlich seinen unsichtbaren Einfluß ans alle, die mit ihm in Verbindung standen, denn man wußte, daß der gemeine und grundsatzlose Prahler von einer Expedition, welche er in Pfadfinders Gesellschaft gemacht hatte, nicht zurückkehrte, ohne die ergreifende Kraft solcher Gesinnungen zu fühlen, und sich durch seine Sprache besänftigen, wie durch sein Beispiel bessern zu lassen. Wie sich von einem Manne von so ausgezeichneten Eigenschaften erwarten läßt, war auch seine Treue unwandelbar, wie ein Felsen. Verrath war in seiner Seele eine Unmöglichkeit, und wie er sich selten vor einem 173 Feinde zurückzog, so konnte man auf ihn bauen, daß er unter keinen Umständen einen Frennd verließ. Die freundschaftlichen Verbindungen, welche ein solcher Charakter unterhielt, trugen das Gepräge der Gleichheit. Seine Kameraden und Vertraute, obgleich er hier mehr oder weniger durch den Zufall bestimmt wurde, stunden im Allgemeinen auf einer hohen Stufe der Sittlichkeit, denn er schien eine instinktartige Nnterscheidungsgabc zu besitzen, welche ihn, vielleicht, ohne daß er es selbst wußte, veraulaßte, sich fest au diejenigen anzuschließen, welche am besten seine Freundschaft zu erwiedern vermochten. Kurz, ein Forscher in der sittlichen Natur des Menschen würde von Pfadfinder gesagt haben, daß er das Musterbild eines gerechten und reinen Mannes sey,-der, unangefochten von unregelmäßigen und ehrgeizigen Begierden, mitten in der Größe der Einsamkeit und unter den veredelnden Einflüssen einer erhabenen Natur, nur dem Drange seiner Gefühle zu folgen sich erlaubte und sich weder durch die Reize der Civilisation irre leiten ließ, die so oft zu schlimmer Handlungsweise Anlaß gebe», noch je des allmächtigen Wesens vergaß, dessen Geist über der Wildniß wie über den Städten wohnt. Dieß war der Mann, welchen Sergeant Dunham seiner Tochter zum Gatten bestimmt hatte. Als er eine derartige Wahl traf, hatte er sich vielleicht weniger durch die klare und richtige Würdigung der individuellen Verdienste desselben, als durch seine eigene Zuneigung bestimmen lassen, obschon niemand den Pfadfinder so genau, als er selbst, kannte, ohne dem ehrliche» Wegweiser den hohen Platz in seiner Achtung cinzuräumen, welchen er durch wirkliche Vorzüge verdiente. Daß seine Tochter ernste Einwendungen gegen seinen Plan haben könnte, kam dem alten Soldaten gar nicht zu Sinne. Diese Heirath- öffnete ihm auf der andern Seite die Aussicht auf manche Vortheile, die er mit der Neige seiner Tage in Verbindung brachte, und die ihn hoffen ließen, den Abend seines Lebens unter Nachkommen zuzubringen, welche ihm 174 durch beide Eltern gleich theuer waren. Er selbst hatte seinem Freunde den ersten Antrag gemacht. Letzterer hatte zwar freundlich darauf geachtet, vcrrieth aber bald, wie der Sergeant zu finden glaubte, eine Geneigtheit, sich seine eigenen Ansichten zu bilden, welche mit den Zweifeln und den Besorgnissen, die ans einem bescheidenen Misstrauen gegen sich selbst stoffen, gleichen Schritt hielten. Zehntes Kapitel. Denk' nicht, ich lieb' ihn, weil ich für ihn bitte; Er ist ein läppisch Kind - zwar spricht er gut — Allein was sind mir die Worte? Eine Woche verging in der gewöhnlichen Weise eines Garnisonslebens. Mabcl gewöhnte sich an ihre Lage, welche sie im Anfang nicht nur neu, sondern auch ein wenig lästig gefunden hatte. Die Offiziere und Soldaten machten sich der Reihe nach allmählig mit der Anwesenheit eines jungen und blühenden Mädchens vertraut, dessen Anmuth und Betragen das Gepräge einer bescheidenen höheren Bildung an sich trug, welche sie dem Aufenthalte in der Familie ihrer Beschützerin verdankte. Dabei ließ sie sich wenig beunruhigen dnrch die schlecht verhehlte Bewunderung dieser Leute, indem sic die Nchtungsbeweise, welche ihr zu Thcil wurden, gerne ans die Rechnung ihres Vaters schrieb, obschon sie ihr in der That mehr um ihres eigenen bescheidenen, aber geistvollen Benehmens willen, als ans Ehrerbietung gegen ihren würdigen Vater gezollt wurden. Bekanntschaften, welche in einem Urwald oder unter Umständen von ungewöhnlicher Aufregung gemacht werden, erreichen bald ihre Gränzen. Mabel fand den Aufenthalt einer Woche an dem Oswego hinreichend, ihr diejenigen, mit welchen sie einen vertraulichen: Umgang wünschen konnte, und diejenigen, welche sie vermeiden mußte, zu bezeichnen. Die gewissermaßen neutrale Stellung, welche ihr Vater einnahm, da er kein Offizier war nnd doch so weit über dem gemeine» Soldaten stund, um diese beiden militärischen Klaffen von ihr fern zu halten, verminderte die Zahl derer, mit denen sic sich bekannt machen mußte, und machte ihr die Entscheidung vcrgleichnngsweise leicht. Doch bemerkte sie bald, daß es selbst unter denen, welche auf einen Sitz an der Tafel des Commandanten Anspruch machen konnten, Einige gab, welche nicht abgeneigt waren, um der Neuheit einer gewandten Figur nnd eines artigen, gewinnenden Gesichtes willen die Hellebarde des Unteroffiziers zu übersehen, und am Schluffe der ersten zwei oder drei Tage hatte sie ihre Bewunderer auch unter den Vornehmeren der Garnison. Besonders war der Quartiermeister, ein Soldat von mittlerem Alter, welcher schon mehr als einmal die Segnungen des Ehestandes versucht hatte, zur Zeit aber als Wittwer lebte, augenscheinlich bemüht, mit dem Sergeanten in ein vertrauteres Verhältnis? zu treten, obgleich sie durch die Pflicht des Dienstes oft zusannncngesührt wurden. Die Jüngeren seiner Kameraden ermangelten daher nicht, ihre Bemerkungen zu machen, als dieser methodische Mann, der ein Schottländer war nnd of Muir hieß, die Quartiere seines Untergeordneten oster als bisher besuchte. Ein Gelächter oder ein Scherz zu Ehrender,Sergeantcntochtcr'machte dann gewöhnlich den Schluß ihrer Witzeleien, obgleich ,Mabcl Dnnhanst bald ein Toast wurde, den kein Fähndrich oder Lieutenant auszubringen Anstand nahm. Am Ende der Woche ließ Dunca» of Lundie nach dem Abendverlesen den Sergeanten Dunham wegen eines Geschäftes rufen, das, wie es hieß, einer persönlichen Besprechung bedurfte. Der alte Veteran wohnte in einer beweglichen Barake, welche er, da sie auf Rädern stund, nach Belieben umher schieben lassen konnte, so daß er das einemal in diesem, das andere Mal in jenem Theile des inncrn Raumes der Veste sein Quartier hielt. Beider 176 gegenwärtigen Gelegenheit hatte er so ziemlich im Mittelpunkt desselben Halt gemacht, und hier fand ihn sein Untergebener, welcher unverzüglich, und ohne lange in dem Borzimmer warten zu müssen, eintreten durfte. In der That war auch nur ein sehr geringer Unterschied in der Beschaffenheit der Wohnungen, welche den Offizieren und denen, die der Mannschaft angewiesen waren, Erstere hatten nur den größeren Raum voraus, und Mabel mit ihrem Vater wohnte fast, wo nicht ganz so gut, als der Kommandant des Platzes selbst. „Herein, Sergeant, herein, mein guter Freund," sagte der alte Lundie herzlich, als sein Untergebener in respektvoller Haltung an der Thüre von einer Art Bibliothek- und Schlafzimmer, in welches er eingetreten war, stehen blieb. „Herein, und nehmet auf diesem Stuhl da Platz. Ich habe nach Euch geschickt, Manu, aber nicht, um diesen Abend von den Zahlungslisten mit Euch zu sprechen. Wir sind nun schon 'so manches Jahr Kameraden gewesen, und so eine lange Bekanntschaft alter Burschen mag doch für etwas gelten, zumal zwischen einem Major und seiner Ordonnanz, einem Schotten und einem Banker. Sitzt nieder, Mann, und machts Euch bequem. — Es ist einer schöner Tag gewesen, Sergeant." „In der That, Major Duncan," erwiederte der andere, welcher, obgleich er sich darein schickte, Platz zu nehmen, doch viel zu erfahren war, um nicht zu wissen, welchen Grad von Achtung er zu beobachten habe; „ein sehr schöner Tag ist heute gewesen, Sir, und wir möchten wohl gerne noch mehrere solche in dieser Jahreszeit sehen." „Ich hoffe das, von Herzen. Die Früchte sehen gut auö, Mann, und Ihr werdet finden, daß das Fünfundsünfzigste fast eben so gute Bauern als Soldaten bildet. Ich sah nie bessere Kartoffeln in Schottland, als die sind, welche wir wahrscheinlich von unserem Neubruch kriegen werden." „Sie versprechen einen guten Ertrag, Major Dunean, und in dieser Hinsicht einen behaglichen, Winter, als der letzte war." „Das Leben ist fortschreitend, Sergeant, in seinen Bequemlichkeiten sowohl, als in dem Bedürfniß derselben. Wir werden alt, und fangen an ans den Rückzug und an ein Ruheplätzchen zu denken. Ich fühle, daß meine Arbeitstage bald vorüber sind." „Der König, Gott segne ihn, hat noch einen guten Diener in Euer Gnaden." „Kann seyn, Sergeant Dunham, besonders wenn es sich zutragen sollte, daß eine Oberst-Lientcnantsstelle für mich übrig bleibt." „Das Fünfundfünfzigste wird sich geehrt fühlen an den. Tage, an welchem das Patent Dunean of Lundie übertragen wird, Sir." „Und Dunean of Lundie wird sich geehrt fühlen an dem Tage, an welchen, er es erhält. Aber, Sergeant, wenn Ihr auch nie eine Oberstlieutenantsstclle hattet, so habt Ihr doch ein gutes Weib gehabt, und das ist das nächste an dem Range, um einen Mann glücklich zu machen." „Ich bin verhsirathet gewesen, Major Dunean; aber es ist schon so lange her, daß ich keinen Vorbehalt mehr habe vor der Liebe, welche ich für Seine Majestät und meine Pflicht hege." „Was, Mann, nicht einmal die Liebe, welche ihr gegen die rührige, kleine, rundgliedrige, roscnwangige Tochter hegt, die ich in den letzten Paar Tagen in dem Fort gesehen habe? Pfui, Sergeant! So ein alter Bursche ich bin, so könnte ich doch fast das Mädchen selbst lieben, und die Oberstlieutenantsstelle zum Teufel schicken." „Wir wissen Alle, wo Major Duncan's Herz ist, und das weilt in Schottland, wo eine schöne Dame geneigt und bereit ist, ihn glücklich zu machen, sobald sein eigenes Pflichtgefühl es gestattet." „Ach, die Hoffnung ist immer ein fernes Ding," erwiederte Der Pfadfinder. 3. Aufl. 12 178 der Obere, indeß, während er sprach, ein Schatten von Melancholie über seine harten schottischen Züge glitt, „und das hübsche Schottland ist ein fernes Land. Nun, wenn wir auch keine Heiden und kein Hafermehl in dieser Gegend haben, so haben wir doch Hochwild zu schießen, und Saline in einer Fülle, wie zu Bcrwick über dem Tweed. Ist es wahr, Sergeant, daß die Mannschaft sich beklagt, weil sic in der letzten Zeit überwildpretet und übcrtanbt worden sey?" „Seit einigen Wochen nicht, Major Dnncan, denn weder Hirsche noch Vögel sind in dieser Jahreszeit so häufig als sonst. Sic fängt zwar an, ihre Bemerkungen über den Salm zu machen, aber ich denke, wir werden ohne irgend eine ernsthafte Störung wegen der Kost durch den Sommer kommen. Nur die Schotten in dem Bataillon sprechen mehr als klug ist über den Mangel an Hafermehl, und murren gelegentlich über unser Waizenbrod." „Ah! das ist die menschliche Natur, Sergeant — reine unverfälschte schottische Menschennatnr. Ein Haferknchen, Mann, ist in der That ein angenehmer Bisten, und ich schmachte oft selbst nach einem Mund voll davon." „Wenn dieses Gefühl so beunruhigend wird, Major Dnncan — ich meine bei der Mannschaft, Sir, denn ich möchte nicht so respektwidrig von Euer Gnaden sprechen — aber wenn die Soldaten so ernstlich nach ihrer natürlichen Nahrung schmachten, so möchte ich unterthänig empfehlen, daß etwas Habcrmehl für sie eingeführt oder in dieser Gegend bereitet würde. Man würde, meines Erachtens, dann keine Klagen mehr hören. Ein klein wenig möchte wohl für die Kur zureichen." „Ihr seyd ein Schalk, Sergeant, aber ich will gehangen seyn, wenn ich weiß, ob Ihr nicht recht habt. Es mag noch manche angenehmere Dinge in der Welt geben, als Hafermehl. Einmal habt Ihr eine angenehme Tochter, Dnnham —" „Das Mädchen gleicht ihrer Mutter, Major Dnncan, und 179 kann sich w»hl sehen lassen/' sagte der Sergeant stelz. „Nirgends gedeiht etwas besser, als auf acht amerikanischem Boden. Das Mädchen kann sich sehen lassen, Sir." „Das kann sie, ich stehe dafür. Nun, ich kann eben so gut auf einmal zur Sache kommen und meine Reserve in die Fronte des Treffens bringen. Da ist David Muir, der Quartiermeister, welcher geneigt ist. Eure Tochter zu seinem Weib zu machen. Er hat mich eben angegangen. Euch die Sache zu eröffnen, weil er befürchtete, seine Würde zu compromittiren, und ich möchte dem noch beifügen, daß die Hälfte der jungen Leute im Fort Toaste auf sic ausbringen und von ihr reden vom Morgen bis in die Nacht." „Es ist eine große Ehre für sic, Sir," erwiederte der Vater steif; „aber ich glaube, daß die Herren bald einen würdigeren Gegenstand finden werden, um über diesen lange zu sprechen. Ich hoffe, sie als das Weib eines rechtschaffenen Mannes zu sehen, ehe noch einige Wochen um sind, Sir." „Ja, David ist ein rechtschaffener Mann, und das ist, denke ich, niehr, als man von allen in des Quartiermeisters Departement sagen kann," entgegnete Lnndie mit einem leichten Lächeln. „Nun denn, darf ich dem in Liebe verstrickten jungen Mann sagen, daß die Sache abgemacht ist?" „Ich danke Euer Gnaden; aber Mabel ist einem Andern verlobt." „Zum Teufel, ist's wahr? Das wird eine Störung im Fort Hervorbringen. Doch um frei mit Euch zu reden, Sergeant, cs thut mir nicht leid, etwas der Art zu hören; denn ich bin kein großer Bewunderer von ungleichen Verbindungen." „Ich denke, wie Euer Gnaden, und trage kein Verlangen darnach, meine Tochter als eine Ofsiziersfran zu sehen. Wenn sie erreichen kann, was ihre Mutter vor ihr, so muß sie als eine vernünftige Person zufrieden seyn." „Und darf ich fragen, Sergeant, wer der glückliche Mann ist, den Ihr Euch zum Schwiegersohn ansersehen habt?" „Der Pfadfinder, Euer Gnaden." „Der Pfadfinder?" „Ja, Major Duncan, und indem ich Ihnen seinen Namen nenne, gebe ich Ihnen seine ganze Geschichte. Niemand ist an dieser Gränze bekannter, als mein ehrlicher, braver, treuherziger Freund." „Das ist alles sehr wahr. Ist er aber auch so eine Art Person, die ein Mädchen von zwanzig glücklich machen kann?" „Warum nicht, Euer Gnaden? Der Mann ist der erste seines Berufs. Es gibt keinen andern Wegweiser oder Kundschafter bei der Armee, der nur halb so viel Achtung besäße wie der Pfadfinder, oder sie nur halb so gut verdiente." „Ganz richtig, Sergeant; aber ist die Achtung, die ein Kundschafter genießt, so eine Art Ruf, um die Fantasie eines Mädchens anzusprechen?" „Von den Fantasien eines Mädchens zu reden, Sir, ist, nach meiner unterthänigen Meinung, eben so viel, als wenn man von dem Urtheil eines Rekruten sprechen wollte. Wenn wir uns von den Bewegungen einer tvlpischen Rekrutenabtheilung wollten leiten lassen, so würden wir das Bataillon nie in eine anständige Linie bringen, Major Duncan." „Aber Eure Tochter hat nichts Tolpisches an sich, denn ein anständigeres Mädchen von ihrer Klaffe findet man selbst in M- england nicht. Theilt sie über diesen Punkt Eure Ansichten? — doch ich denke, sie muß wohl, da Ihr mir sagt, sie sey verlobt." „Wir haben noch nicht über diesen Gegenstand mit einander gesprochen. Euer Gnaden; aber ich betrachte sie in ihrem Sinn für so gut als einverstanden, nach mehreren kleinen Umständen, welche Wohl nahmhaft seyn möchten." „Und was sind das für Umstände, Sergeant?" fragte der Major, welcher an der Sache mehr Theil zu nehmen begann, als er im Anfang gefühlt hatte. „Ich bekenne, ich bin ein wenig neugierig, etwas von dem Sinne der Weiber kennen zu lernen, da ich, wie Ihr wißt, selbst ein Junggeselle bin." „Euer Gnaden, wenn ich von dem Pfadfinder zu dem Mädchen spreche, so blickt fie mir immer voll in's Gesicht, stimmt mit allem überein, was ich zu seinen Gunsten sage, und benimmt sich dabei ans eine freie und offene Weise, welche so viel sagt, als ob fie ihn schon halb als ihren Ehemann betrachte." „Hm — und diese Zeichen, Sergeant, glaubt Ihr, setzen die treuen Merkmale ihrer Gefühle?" „Ja, Euer Gnaden, denn fie sind auffallend genug. Wenn ich einen Mann finde, Sir, der mir frei in's Gesicht sieht, während er einen Offizier lobt — denn, ich bitte Euer Gnaden um Verzeihung, die Soldaten machen bisweilen ihre Bemerkungen über die Vorgesetzten — wenn ich einen Mann finde, der mir in die Augen sieht, wenn er seinen Capitän lobt, so nehme ich immer an, daß der Bursche ehrlich ist, und es auch so meint, wie er sagt." „Ist aber nicht ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Alter des beabsichtigten Bräutigams und dem seiner artigen Braut, Sergeant?" ' „Ganz recht, Sir; Pfadfinder steht um die vierzig, und Mabel hat jede Aussicht auf ein Glück, welches ein junges Weib mit Sicherheit durch den Besitz eines erfahrenen Ehemannes erwarten darf. Ich war selbst volle vierzig Jahre alt, als ich ihre Mutter heirathete." „Aber wird Eure Tochter geneigt setzn, ein grünes Jagdhemd wie es Euer würdiger Wegweiser trägt, mit einer Fuchsmütze, eben so zu bewundern, als die blanke Uniform des Fünsundfünfzigsten?«' „Vielleicht nicht, Sir; dafür wird sie aber das Verdienst der Selbstverleugnung haben, welche immer ein junges Weib weiser und besser macht." 182 „Und Ihr befürchtet nicht, daß sie noch als ein junges Weib Wittwc werden möchte? Immer unter wilden Thieren und noch wilderen Menschen — man kann von Pfadfinder sagen, daß er sein Leben in seiner Hand trage/' „Jede Kugel hat ihr bestimmtes Ziel, Lundie," denn so ließ sich der Major in Augenblicken der Herablassung, und wenn es sich nicht mir militärische Angelegenheiten handelte, gerne nennen; „und kein Mann im Fünsundfünfzigstcn kann sich von dem Unfall eines plötzlichen Todes befreit halten. In dieser Hinsicht würde also Mabel bei dem Tausche nichts gewinnen. Außerdem, Sir, um über einen solchen Gegenstand von der Brust weg zu sprechen, zweifle ich sehr, ob der Pfadfinder je in einer Schlacht, oder unter den plötzlichen Wcchselfallen der Wildniß stirbt." „Und warum das, Sergeant?" fragte der Major, indem er auf seinen Untergebenen mit jener Art von Ehrfurcht blickte, welche ein Schotte jener Zeit, mehr als dieß gegenwärtig der Fall ist, vor mysteriösen Einwirkungen hegte. „Er ist ein Soldat, und was die Gefahr anbelangt, einer von denen, welche mehr als gewöhnlich ansgesetzt sind; und, wenn er auch keine Kapitulation hat, warum sollte er da zu entrinnen hoffen dürfen, wo cs andere nicht können?" „Ich glaube nicht, daß der Pfadfinder sein eigenes Geschick für besser betrachtet als das irgend eines andern; aber der Mann wird nie durch eine Kugel sterben. Ich habe ihn so oft sein Gewehr mit einer Fassung handhaben sehen, als ob cs nur ein Schäferstecken wäre, mitten im dichtesten Kugelregen und unter so manchen außerordentlichen Umständen, daß ich mir nicht denken kann, es sey die Absicht der Vorsehung, ihn je auf diese Weise fallen zu lassen. Und doch, wenn irgend ein Mann in Seiner Majestät Besitzungen einen solchen Tod verdient, so ist's der Pfadfinder." „Wir können das nie wissen, Sergeant," crwiedertc Lundie, mit gedankenvollem Ernst in seinen Zügen; „und je weniger wir 183 davon spreche», desto besser ist's vielleicht Aber wird Eure Tochter — Mabel, glaube ich, nennt Ihr sie — wird Mabel geneigt sehn, einen Mann zu nehmen, der im Grunde doch nur ein Anhängsel zu der Armee ist, und nicht lieber einen ans dem Dienst selbst wählen? Es ist keine Hoffnung znm Avanciren für den Pfadfinder vorhanden, Sergeant." „Er ist bereits an der Spitze seines Corps, Euer Gnaden. Kurz, Mabel ist darauf vorbereitet, und da Euer Gnaden sich soweit Herabgelaffen haben, mit mir von Herrn Muir zu sprechen, so hoffe ich, daß Sie die Güte haben werden, ihm zu sagen, daß das Mädchen so gut als einquartirt für ihr Leben ist." „Wohl, wohl, das ist Eure eigene Sache, und nun — Sergeant Tunham!" „Euer Gnaden," sagte der andere, indem er sich erhob, und die übliche Begrüßung gab. „Man hat Euch gesagt, daß es meine Absicht sey. Euch für den nächsten Monat nach den Tausend-Inseln zu schicken. Alle die alten Sulbalternofsizierc haben ihre Diensttour in diesem Quartier gehabt, wenigstens alle, denen ich vertrauen durfte, und es kommt nun endlich die Reihe an Euch. Es ist zwar wahr, Lieutenant Muir macht auf sein Recht Anspruch, aber da er Quartiermeister ist, so liebe ich es nicht, altherkömmliche Anordnungen aufzüheben. Sind die Leute gezogen?" „Alles ist bereit, Euer Gnaden. Der Zug ist vorüber, und ich hörte von dem Kahne, welcher in der letzten Nacht Botschaft brachte, die Meldung, daß die dortige Mannschaft bereits nach der Ablösung aussähe." „Es ist so, und Ihr müßt übermorgen, wenn nicht schon morgen Nachtabgehen. Eswirdvielleichtklugsehn,in derDunkelheit zu segeln." „So denkt Jasper, Major Duncan, und ich kenne Niemand, aus den man sich in einer solchen Angelegenheit besser verlassen könnte, als auf den jungen Jasper Western." „Der junge Jasper Eau-douce?" sagte Lundie, indem sich ein leichtes Lächeln um seinen gewöhnlich ernsten Mund zog. „Wird dieser junge Mensch auch von Eurer Partie seyn, Sergeant?" „Euer Gnaden wird sich erinnern, daß der Send nie ohne ihn ausläuft." „Wahr, aber alle Regeln haben Ausnahmen. Habe ich nicht einen Seemann in den letzten Paar Tagen um das Fort gesehen?" „Ohne Zweifel, Euer Gnaden. Es ist Meister Cap, mein Schwager, welcher mir meine Tochter herauf brachte." „Warum nicht ihn für diesen Kreuzzug in den Send setzen, Sergeant, und den Jasper zurücklaffen? Euer Schwager würde wohl gerne zur Abwechselung einmal ans dem Frischwaffer kreuzen und Ihr könntet Euch mehr seiner Gesellschaft erfreuen." „Ich habe beabsichtigt, Euer Gnaden um die Erlanbniß zu bitten, ihn mitnehmen zu dürfen; aber er muß als Volontair mitgehen. Jasper ist ein zu braver Junge, als daß man ihn ohne Grund des Commando's entheben sollte, Major Dnncan; und ich fürchte, mein Schwager Cap verachtet das Frischwaffer zu sehr, um darauf Dienste zu thun." „Gut, Sergeant, ich überlasse das Alles Eurem eigenen Ur- theil. Wenn man die Sache weiter überlegt, so muß Jasper sein Commando behalten. Ihr beabsichtigt Wohl, den Pfadfinder auch mitzunehmen?" „Wenn es Euer Gnaden billigt. Es wird Dienste geben für beide Wegweiser, den Indianer sowohl, als den Weißen." „Ich glaube, Ihr habt Recht. Nun, Sergeant, ich wünsche Euch gut Glück zu der Unternehmung, und denkt darauf, daß der Posten zerstört und verlassen werde, wenn Euer Commando zurückgezogen wird. Er wird seine Dienste dann geleistet haben, oder wir begehen einen großen Mißgriff, denn wir sind dort in einer zu kitzlichen Stellung, um sie unnöthiger Weise zu unterhalten. Ihr könnt abtreten." 183 Sergeant Dunham salutirte auf die übliche Weise, drehte sich auf seinen Fersen wie ans Spindelzapfc», und hatte fast die Thüre hinter sich geschlossen, als er Plötzlich wieder zurückgerufen wurde. „Ich habe vergessen, Sergeant, daß die jünger» Offiziere um ein Wettschießen angesucht haben, und der morgende Tag ist dazu bestimmt. Alle Bewerber werden zugelaffen und die Preise bestehen in einem mit Silber ausgelcgten Pulverhorn, einer ledernen Flasche ditto" — er las dieses von einem Stückchen Papier — „wie ich aus dem gewerbsmäßigen Jargon dieser Liste ersehe, und einem seidenen Damen-Kalash. * Bei dem letzteren kann der Sieger seine Galanterie zeigen, indem er ihn seiner Liebsten zum Geschenk macht." „Alles sehr angenehm, Euer Gnaden, wenigstens für den, welchem es glückt. Darf der Pfadfinder auch Theil nehmen?" „Ich sehe nicht Wohl ein, wie man ihn ausschließen könnte, wenn er kommen will. Ich habe aber in der letzten Zeit bemerkt, daß er keinen Theil an solchen Belustigungen nimmt, wahrscheinlich, weil er von seiner eigenen unübertroffenen Geschicklichkeit überzeugt ist." „'s ist so, Major Duncan. Der ehrliche Bursche weiß, daß es keinen an der Gränze gibt, der sich mit ihm messen kann, und wünscht nicht, andere ihres Vergnügens zu berauben Ich denke, wir können uns jedenfalls auf sein Zartgefühl verlassen, Sir. Es möchte vielleicht gut sehn, ihn seinen eigenen Weg gehen zu lassen?" „In diesen, Fall müssen wir es, Sergeant. Ob er in Allem andern so guten Erfolg erlebt, werden wir sehen Ich wünsche Euch guten Abend, Dnnham." „Der Sergeant zog sich nun zurück, und überließ Duncan of Lundie seinen eigenen Gedanken. Daß diese nicht ganz unangenehm waren, konnte man an dem Lächeln bemerken, welches gelegentlich ans seinem Gesichte, das gewöhnlich eine» harten soldatischen Ausdruck zeigte, sich lagerte, obgleich es auf Augenblicke wieder dem besonnenen Ernste wich. Sv mochte ungefähr eine halbe Stunde * Ei» Kopfputz. 186 vergangen sehn, als ein Poche» an der Thürc durch die Aufforderung cinzutreten, beantwortet wurde. Ein Mann von mittlerem Alter in Offiziersuniform, die aber des in diesem Stande gewöhnlichen geputzten Ansehens entbehrte, trat ein, und wurde als Herr Muir begrüßt. „Ich komme auf Ihren Befehl, Sir, um mein Schicksal zu erfahren," sagte der Qnarticrmeister mit hartem schottischem Accent, sobald er den Sitz eingenommen hatte, der ihm angebotcn worden war. ,-Jn der That, Major Duncan, dieses Mädchen richtet in der Garnison so viel Zerstörung an, als die Franzosen vor Th. Ich habe nie in so kürzer Zeit eine so allgemeine Verwirrung gesehen." „Sie wollen mich doch sicherlich nicht überreden, David, daß Ihr junges und unverdorbenes Herz in einer solchen Flamme ist, da cs erst die Gluth einer Woche trägt? Das wäre noch ein üblerer Umstand, als der in Schottland, wo, wie man sagt, die innere Hitze so übermächtig war, daß sic sogar ein Loch durch Ihren kostbaren Körper brannte, durch welches alle Mädchen hineingucken konnten, um zu sehen, was das entzündliche Material werth seh." „Sie wollen Ihre eigene Weise haben, Major Duncan, und ^ Ähr Vater und Ihre Mutter wird sie vor Ihnen gehabt haben, ' selbst wenn der Feind im Lager war. Ich sehe nichts so Besonderes d'ran, wenn junge Leute dem Zug ihrer Neigungen und Wünsche folgen." „Sie sind aber den Ihrigen so oft gefolgt, David, daß man denken sollte, sie hätten dermalen den Reiz der Neuheit verloren. Einschließlich jener, der nöthigen Formalitäten entbehrenden Affaire in Schottland, wo Sic noch ein junger Bursche waren, haben Sie sich schon viermal verheirathet." „Nur dreimal, Major, so wahr ich hoffe, noch ein Weib zu bekommen. Ich habe noch nicht meine Zahl; nein, nein, bloß dreimal." „Ich glaube, Sie rechnen die erwähnte erste Geschichte nicht >. mit, — ich meine die, wo kein Pfarrer dabei war?" „Und warum sollte ich, Major? Das Gericht hat entschieden, daß es keine Heirath war, und was braucht ein Mensch weiter? 187 Das Weib zog Vortheil von einer leichten verliebten Neigung, die vielleicht eine Schwäche in meiner Sinnesart sehn mochte, und verführte mich zn einen: Contrakt, der als »»gesetzlich erfunden wurde," „Wenn ich mich recht erinnere, Muir, so glaubte man zu jener Zeit, daß diese Angelegenheit zwei Seiten hätte?" „Es müßte ein sehr gleichgiltiger Gegenstand sehn, mein lieber Major, der nicht seine zwei Seiten hätte, und ich weiß von manchen, die ihrer drei hatten. Aber das arme Weib ist todt, auch war kein Nachkomme da, und so hatte die Sache keine weiteren Folgen. Dann war ich besonders unglücklich mit meinem zweiten Weib; ich sage zweites, Major, aus Achtung gegen Sie, und unter der Voraussetzung, daß hier doch nnr von meiner wirk.ichen ersten Ver- heirathung die Rede ist; aber erste oder zweite, ich war besonders unglücklich mit Jcannie Graham, da sie in dem ersten Lustrum starb, ohne mir ein Hähnchen oder Hühnchen zurückznlassen. Ich glaube nicht, daß, wenn Jeannie am Leben geblieben wäre, ich je einen Gedanken auf ein anderes Weib gerichtet hätte." „Nun sie aber dieß nicht that, so hatten Sie zweimal nach ihren: Tod wieder geheirathct und gehen damit um, es zun: dritten Mal zu thnn." „Der Wahrheit kann billigerweise nie widersprochen werden, Major, und ich bi» immer bereit, sie anzucrkennen. Ich glaube, Lundie, Sie sind melancholisch an diesem schönen Abend?" „Nein, Muir, nicht gerade melancholisch, aber, ich gestehe es, ein bischen in Gedanken. Ich blickte ein wenig zurück ans meine Jugendjahre, wo ich, der Lairdssohn, und Sie, der des Pfarrers, ans unser» heimathlichen Hügeln als glückliche, sorglose Knaben herumstreiftcn, die sich wenig um die Zukunft kümmerten. Dann kamen mir einige Gedanken, die ein wenig schmerzlicher sind, wegen der Folgezeit, wie sie nun geworden ist." „Sicherlich, Lundie, beklagen Sie sich nicht über den Ihnen bcschiedencn Theil? Sie haben es bis zum Major gebracht, und 188 werden bald Obristlieutcnant werden, wenn man sich ans Briefe verlassen kann, während ich blos nm eine einzige Stufe Häher stehe, als znr Zeit, wo mir Ihr geehrter Vater meine erste Stelle verschaffte, und ein armer Teufel von einem Quarticrmcister bin." „Und die vier Weiber?" „Drei, Lundie; nur drei waren gesetzlich, sogar nach unfern * eigenen liberalen und geheiligten Gesetzen." „Wohl denn, lassen wtr's drei seyn, David," sagte Major Duncan, indem er unwillknhrlich in die Aussprache und den Dialekt seiner Jugend znrückverfiel, was auch bei gebildete» Schottländern leicht geschieht, wenn fic über einen Gegenstand warm werden, der ihr Herz näher berührt. — „Sie wiffcn's, David, daß meine eigene Wahl schon lange getroffen ist, und wie ich ängstlich und in banger Hoffnung ans die glückliche Stunde gewartet, wo ich einmal das Weib, das ich so lange liebte, mein nennen könnte, nnd Sic haben hier, ohne Vermögen, Namen, Geburt oder Verdienst — ich meine besonderes Verdienst —" „Nä, Nä, können Sie so was sagen, Lundie? Die Mnirs ^ sind von gutem Blut." „Wohl denn, also, ohne was anders als Blut, haben Sie vier Weiber gehabt." „Ich sag' Ihnen, nur drei, Lundie. Sie werden die alte Freundschaft schwächen, wenn Sie vier sagen." „Lassen wir's bei Ihrer eigenen Zahl, David; auch die ist schon mehr, als Ihnen gebührt. Unser Leben ist sehr verschieden gewesen, im Punkte des Heirathens wenigstens — Sie müssen das zugebcn, mein alter Freund." „Und wer meinen Sie wohl, ist dabei der Gewinnende, Major, wenn wir so frei mit einander sprechen wollen, als wir » cs thaten, wie wir noch Jungen waren?" „Ich habe nichts zu verhehlen. Meine Tage gingen hin in verzögerter Hoffnung, während die Ihrigen in—" 189 „Nicht realisirter Hoffnung, ich gcb' Ihnen mein Ehrenwort, Major Duncan," unterbrach ihn der Quartiermeistcr. „Von jedem neuen Versuch hoffte ich einen Vortheil; aber Täuschung scheint das Loos des Menschen zu sehn. Ach, es ist eine eitle Welt, Lnndic, man muß es zngeben, und in nichts eitler als im Ehestand." » „Und doch nehmen sie keinen Anstand, Ihren Nacken zum fünften Mal in die Schlinge zu stecken?" „Ich behaupte, daß es das vierte Mal ist, Major Duncan," sagte der Quartiermeister mit Bestimmtheit; dann änderte sich der Ausdruck seines Gesichtes plötzlich in den eines knabenhaften Entzückens, und er fuhr fort: „Aber diese Mabel Dunham ist eine rara »vis. Unsere schottischen Mädchen sind schön und angenehm, aber man muß zugestehen, diese Colonialmädchen übertreffen sie an Liebenswürdigkeit." „Sie werden Wohl thnn, Ihre Stellung und Ihr Blut nicht aus dem Auge zu verlieren, David. Ich glaube, alle Ihre vier Weiber —" ^ „Ich wünschte, mein lieber Lnndie, daß Sie in Ihrer Arithmetik etwas genauer wären. Drei mal eins macht drei." „Alle drei also waren, was man Frauen von Stand zu nennen pflegt?" „Gerade so ist's, Major. Drei waren Frauen von Stand, wie ich Ihnen sage, und die Verbindungen waren angemessen." „Und die vierte war die Tochter von meines Vaters Gärtner; diese Verbindung war nicht angemessen. Aber fürchten Sie nicht, daß die Verehelichung mit dem Kinde eines Unteroffiziers, der noch dazu mit Ihnen bei demselben Corps steht, die Folge haben wird, Ihr Ansehen bei dem Regiment zu schmälern?" » „Das ist gerade mein Leben lang meine schwache Seite gewesen, Major Duncan, denn ich habe immer geheirathet, ohne auf die Folgen glücksicht zn nehmen. Jedermann hat seinen Fehler, und ich fürchte, der meinige ist das Helrathen. Doch, da wir nun verhandelt haben, was man die Prineipien der Verbindung nennen könnte, so möchte ich fragen, ob Sie mir die Gunst erwiesen haben, mit dem Sergeanten über diese Kleinigkeit zu sprechen?" „Ich that es, David, besorge aber, daß ich Ihnen wenig Hoffnung zn einem günstigen Erfolg machen kann!" „Zn keinem günstigen Erfolg? Ein Offizier und Quarticr- meister obendrein, und kein günstiger Erfolg bei eines Sergeanten Tochter?" „Das ist'S gerade, David." „lind warum nicht, Lnndie? Werden Sie wohl die Güte haben, mir das zn beantworten?" „Das Mädchen ist verlobt. Hand und Wort gegeben, die Liebe verbürgt, — nein, ich will gehangen seyn, wenn ich das je glaube: aber ste ist verlobt." „Wohl, das ist ein Hinderniß, ich geb' es zu, Major, obgleich ich cS nur gering anlchlage, wenn das Herz frei ist." „Ganz wahr; nnd mir ist es wahrscheinlich, daß das Herz in diesem Falle frei ist. Der beabsichtigte Ehemann scheint eher die Wahl des Vaters, als die der Tochter zu seyn." „Nnd wer mag das seyn, Major?" fragte der Quartiermeister, welcher die ganze Sache mit der Philosophie nnd Ruhe eines erfahrenen Mannes überblickte. „Ich kann mir doch keinen paffenden Freier denken, der mir im Wege stehen könnte." „Nein, Sie find der einzige passende Freier an der Grenze, David. Der glückliche Mann ist Pfadfinder." „Pfadfinder, Major Dunean?" „Nicht mehr nnd nicht weniger, David Mnir. Pfadfinder ist der Mann. Aber es mag Ihre Eifersucht ein wenig erleichtern, wenn ich Ihnen sage, daß mir der Handel mehr von dem Vater, als von der Tochter auszugehen scheint." „Ich dachte mir das, rief der Qnarticrmeister ans, und schöpfte tiefen Athcm, wie einer, der eine Last von seiner Brust 191 genommen fühlt. „Es ist ganz unmöglich, daß mit meiner Erfahrung in der menschlichen Natur —" „Besonders in der Weibernatur, David —" „Sie wollen Ihren Scherz haben, Lundie, und mag sich auf den einlaffen, wer will. Ich kann es aber nicht für möglich halten, daß ich mich täuschen sollte über die Neigungen eines jungen Frauenzimmers, welche, — ich kann mich, denke ich, Wohl kühn darüber aussprechen, da wir unter uns sind — über den Stand des Pfadfinders hinausgehen. Was das Individuum selbst anbelangt — nun, die Zeit wird's lehren." „Sagen Sie mir doch offen, David Muir," sprach Lundie, indem er eine kurze Weile seinen Spaziergang unterbrach und den Andern ernst und mit einem komischen Ausdruck der Neberraschung in's Gesicht faßte, welcher die Züge des Veteranen in einem spöttischen Ernste erscheinen ließ, — „glauben Sie wirklich, daß ein Mädchen, wie die Tochter des Sergeanten Dnnham, eine ernsthafte Neigung zu einem Manne von Ihren Jahren, Ihrem Aussehen, und — Ihrer Erfahrung, mücht' ich hinznsetzen — fassen kann?" „Bst, ruhig, Lundie; Sie kennen das Geschlecht nicht, und das ist der Grund, warum Sie in Ihrem fünf und vierzigsten Jahre noch unverheirathet sind, 's ist doch 'ne schreckliche Zeit, die Sie als Junggeselle zngebracht haben, Major!" „Und was mag Ihr Alter seyn, Lieutenant Muir, wenn man eine so delicate Frage wagen darf?" „Sieben und vierzig; ich will's nicht verlängnen, Lundie; und wenn ich Mabel kriege, so kommt gerade auf jedes Jahrzehent eine Frau. Aber nä, ich kann nicht denken, daß Sergeant Dun- ham so niedrig gesinnt seyn sollte, um sich's träumen zu lassen, dieses süße Mädchen einem Menschen, wie dein Pfadfinder, zu geben." „Er träumt sich nichts dabei, David; der Mann ist so ernsthaft, wie ein Soldat, der gepeitscht werden soll." „Wohl, wohl, Major, wir sind alte Freunde" — beide kamen 192 in ihr Schottisch oder vermieden es, je nachdem sie im Gespräch ihre jüngeren Tage berührten, oder davon abkamcn — „und sollten wissen, wie man außer dem Dienst einen Scherz zu nehmen oder zu geben hat. Es ist möglich, daß der würdige Mann meine Winke nicht verstanden, oder die Sache sich nie so gedacht hat. Der Unterschied zwischen einer Offizierssrau und dem Weib eines Wegweisers ist so ungeheuer, als der zwischen dem Alter Schottlands und dem Alter Amerikas. Auch bin ich von altein Blute, Lundie." „Nehmen Sie mein Wort dafür, David — Ihr Alter wird Sie in dieser Angelegenheit nichts nützen, und was Ihr Blut anbelangt, so ist es nicht älter, als Ihre Knochen. Nun gut; Sie kennen des Sergeanten Antwort, und werden bemerken, daß mein Einfluß, auf den Sie so viel gezählt haben, Nichts für Sie thun kann. Lassen Sie uns ein Glas mit einander leeren, alter Bekanntschaft wegen, und dann werden Sie gut thun, sich der Partie zn erinnern, die morgen abgehcn soll, und Mabel Dunham, so gut als Sie immer können, zu vergessen." „Ach, Major! ich Hab' es immer leichter gefunden, ein Weib, als ein Schätzchen zu vergessen. Wenn ein Paar so recht ordentlich verheirathet ist, so ist Alles im Reinen, bis der Tod am Ende uns Alle trennt; und es scheint mir höchst unehrerbietig, die Hingeschiedenen zu beunruhigen. Dagegen ist den Mädchen gegenüber so viel Angst, Hoffnung und Glückseligkeit in der liebenden Erwartung, daß die Gedanken immer rege erhalten werden." „Das ist gerade auch meine Ansicht von Ihrer Lage, David; denn ich habe nie vermuthet, daß Sie noch eine weitere Glückseligkeit von Ihren Weibern erwarten^Nun, ich habe wohl schon von Burschen gehört, welche so einfaltig waren, das Glück mit ihren Weibern auch jenseits des Grabes zu suchen. Ich trinke Ihnen zn, auf glückliche Fortschritte, oder auf baldige Wiedergenesung von diesem Anfalle, Lieutenant, und ermahne Sie, für die Zukunft vorsichtiger zu seyn, da einige solcher heftigen Zufälle Ihnen am Ende den Garaus machen könnten." „Schönen Dank, lieber Major, und baldiges Ende einer bekannten alten Freiere!. Das ist ein wahrer Bcrgthau, Lundie, und wärmt das Herz wie ein Strahl aus dem guten Schottland. Was die Leute, deren Sie erwähnt haben, anbelangt, so konnten sie nur ein Weib gehabt haben; denn wenn Einer einmal einige gehabt hat, so bringen ihn die Weiber selbst durch ihr Benehmen auf andere Gedanken. Ich denke, ein vernünftiger Ehemann muß zufrieden seyn, wenn er seine freie Zeit mit einem wunderlichen Weibe, welches dieser Welt angehört, zubringen kann, und soll nicht wegen unerreichbarer Dinge den Kopf hängen lassen. Ich bin Ihnen unendlich verbunden, Major Dunean, für diesen und alle andern Freundschaftsbeweise, und wenn Sie noch einen weiteren dazufügen wollten, so würde ich glauben, daß Sie den Spielkameraden Ihrer Jugend nicht ganz vergessen hätten." „Wohl, David, wenn das Gesuch ein vernünftiges ist und so, daß ein Vorgesetzter es zngestehen kann, heraus damit." „Wenn Sie nur einen kleinen Dienst für mich da unten an den Tausend-Inseln ersinnen könnten, so für ein Tager vierzehn. Ich denke, ein solcher Umstand würde zur Zufriedenheit aller Par- thieen ausfallen. Es fällt mir eben auch bei, Lundie, daß das Mädchen die einzige heirathbare Weiße an dieser Gränze ist." „Es gibt immer einen Dienst für einen Mann in Ihrer Stellung auf einem Posten, wenn er auch nur unbedeutend ist; aber dort unten kann er von dem Sergeanten eben so gut, als von einem General-Quarticrmeister besorgt werden, und wohl noch besser." „Aber nicht besser, als von einem Regiments-Offizier. Es findet im Allgemeinen eine große Verschwendung bei den Ordonnanzen statt." „Ich will darauf denken, Muir," sagte der Major lachend. Pfadfinder. Z. Aufl. 13 194 „Sie sollen morgen meine Antwort hoben. Auch wird es morgen für Sie eine schöne Gelegenheit geben, sich vor der Dome zu zeigen. Sie wissen mit der Büchse gut nmzngehen, und cs gibt Preise zu gewinnen. Mochen Sie sich gefaßt, Ihre Geschicklichkeit zu entwickeln, und wer weiß, was geschieht, ehe noch der Send absegclt." „Ich denke, die meisten jungen Leute werden die Sicherheit ihrer Hand bei diesem Spiele versuchen wolle», Major?" „Dos werden sie, und einige von den Alten auch, wenn Sie dabei erscheinen. Um Sie in der Fassung zu erhalten, will ich selbst einen Schuß, oder zwei thun, David; und Sie wissen, daß ich in dieser Beziehung einigen Ruf habe." „Es möchte in der That gut seyn. Das weibliche Herz, Major Duncan, ist verschiedenartig empfänglich, und bisweilen in einer Weise, welche nicht mit den Regeln der Philosophie har- monirt. Einige verlangen von ihrem Anbeter, daß er gegen sie eine regelmäßige Belagerung eröffne, und capitnlircn bloß, wenn der Platz sich nicht mehr länger halten kann; andere lieben es, wenn sic im Sturm genommen werden, indeß wieder andere solche Drachen sind, daß man sie nur fangen kann, wenn man sie in einen Hinterhalt leitet. Das erste ist das anständigste und vielleicht das am meisten für einen Offizier paffende Verfahren, obschon ich sagen muß, daß das letztere am meisten Vergnügen macht." „Eine Ansicht, welche Sie ohne Zweifel Ihrer Erfahrung verdanken. Und was ist's mit der Sturmparthie?" „Die mag für jüngere Leute passen," erwiedcrte der Quartier- meister, indem er anfstund, und mit den Augen zwinkerte, eine Freiheit, die er sich oft ans Rechnung seiner langjährigen Vertrautheit gegen seinen commandirenden Offizier herausnahm; jede Periode des Lebens hat ihre Erfordernisse, und im stebcnnndvierzigsten ist es gerade angemessen, sich ein wenig auf den Kopf zu verlassen. Ich wünsche recht guten Abend, Major Duncan, und Freiheit von der Gicht, mit einem süßen und erfrischenden Schlafe." 195 „Dasselbe Ihne», Herr Muir, mit vielem Dank. Vergessen Sie den morgigen Waffengang nicht!" Der Quartiermeister zog sich zurück, und überließ es Lundie, in seiner Bibliothek über das, was eben vorgcgangcn war, seinen Gedanken nachzuhängcn. Langjähriger Umgang hatte den Major Dnncan so an den Lieutenant Muir und an dessen Weise und Laune gewöhnt, daß das Betragen des letzteren ihm nicht so, wie wahrscheinlich dem Leser, aufsiel. In der That gehen auch, obgleich wir alle nach einem gemeinsamen Gesetze, welches man Natur nennt, handeln, die Verschiedenheiten in den Neigungen, Urtheilsweisen, Gefühlen und Eigenheiten der Menschen ins Unendliche. Eilftes Kapitel. Verbiete nur dem wilden Aar den Flug, Und nimm den Hund, der nicht gelehrt, zum Jagen, Und zwing den Freien in der Sclaven Zug, Und mnnt're Trauer auf durch frohe Sagen; Verlorne Zeit! du wirst umsonst dich Plagen. So lehrt auch nicht Gewalt die Liebe binde»; Sie dient nur da, wo sich die Herzen finden. Spiegel für die Obrigkeit. Selten wird die Hoffnung durch einen so vollkommenen Genuß belohnt, als der war, welcher den jungen Leuten der Garnison am folgenden Tage durch die günstige Witterung bereitet wurde. Es gehört vielleicht mit zu der gewöhnlichen Verkehrtheit des Menschen, daß die Amerikaner gerne auf Dinge ihren Stolz setzen, denen das Urtheil einsichtsvollerer Personen in Wirklichkeit nur eine untergeordnete Stelle angewiesen - haben würde, indeß sie Vortheile, welche sie in eine gleiche Höhe mit den meisten ihrer Mitgeschöpfe, wo nicht gar über sie, stellen, übersehen oder unter ihrem Werth anschlagen. Unter diese letztere gehört das Klima, 196 welches zwar im Ganzen kein vollkommenes, aber doch unendlich angenehmer und eben so gesund ist, als das der meisten Gegenden, welche sich am lautesten desselben rühmen. Die Hitze des Sommers wurde in der Zeit, von der wir schreiben, am Oswego wenig gefühlt, denn die Schatten des Urwaldes verminderten in Verbindung mit der erfrischenden Seeluft den Einfluß der Sonne so weit, daß die Nächte immer kühl und die Tage selten drückend waren. Es war September, ein Monat, in welchem die starken Küstenwinde oft durch das Land hin bis zu den großen Seen dringen, so daß der Binnenschiffer bisweilen den eigenthümlichen Einfluß, welcher die Winde des Meeres charakterisirt, in der höheren Kraft seines Körpers, der größeren Frische des Geistes und der Steigerung seiner moralischen Kräfte fühlt. Ein solcher Tag war der, an welchem die Garnison sich versammelte, um Zeuge des von ihrem Commandanten scherzweise so betitelten „Waffcnganges" zu sepn. Lundie war ein Gelehrter, wenigstens in militärischen Dingen, und that sich etwas darauf zu gute, die Lektüre und die Gedanken der unter seinem Befehl stehenden jungen Leute auf die mehr intellektuellen Theile ihres Berufes hinznleiten. Seine Bibliothek war für einen Mann in seiner Lage gut und umfassend, und stand jedem, der von den Büchern Gebrauch zu machen wünschte, offen. Unter die andern seltsamen Einfälle, welche durch solche Hilfsmittel ihren Weg zu der Garnison gefunden hatten, gehörte auch der Geschmack an einer Art von Unterhaltung, welcher man gegenwärtig sich hinzugeben anschickte. Dabei hatten einige Chroniken aus den Zeiten des Ritterthnms Anlaß gegeben, der Belustigung einen Anstrich des Paradeartigen und Romantischen zu verleihen, was gerade nicht ungeeignet für den Charakter und die Gewohnheiten von Soldaten, oder für den wilden und isolirten Posten war, welchen diese Garnison besetzt hielt. Während man jedoch so ernstlich auf das Vergnügen bedacht 197 war, vernachlässigten diejenigen, ans welchen der Dienst ruhetc, die Sicherheit der Garnison nicht. Wer an den Bollwerken des Forts stand, und ans die ungeheure glänzende Wassermasse, welche die Aussicht des ganzen nördlichen Horizonts bcgränzte, von da aus aber ans den schlummernden, scheinbar endlosen Wald blickte, der die andere Hälfte des Panoramas ausfüllte, der hätte allerdings denken mögen, daß dieser Ort der wahre Aufenthalt des Friedens und der Sicherheit sey. Aber Duncan of Lnndie wußte zu Wohl, daß diese Wälder im Augenblick Hunderte anszuschicken vermochten, deren einziger Sinn die Zerstörung des Forts und seines ganzen Inhalts war, und daß gerade der trügerische See einen offenen Weg darbot, auf dem seine zwar mehr civilisirtcn, aber kaum weniger hinterlistigen Feinde, die Franzosen, leicht nahe kommen und ihn in einem unwillkommenen und unbewachten Momente überfallen konnten. Es wurden Patrouillen unter alten wachsamen Offizieren, Männern, welche sich wenig um die Spiele des Tages kümmerten, ansgeschickt, um durch den Wald zu streifen, und in dem Fort blieb eine ganze Compagnie stets unter den Waffen, mit dem Befehl, eben so sehr ans der Hut zu sepn, als ob gemeldet worden wäre, daß ein übermächtiger Feind im Anzüge seh. Unter diesen Borfichtsmaßregeln überließ sich der Rest der Offiziere und der Mannschaft ohne Besorgniß der Beschäftigung des Morgens. Die für die Belustigung ausersehenc Stelle war ein freier Platz, etwas westlich vom Fort und unmittelbar an dem Damme des Sees. Man hatte ihn von Bäumen und Strünken gelichtet, um sich seiner als eines Erercierplatzes zu bedienen, da er den Vortheil hatte, im Hintergründe von dem Wasser und auf einer Seite durch die Festungswerke gedeckt zu seyn. Es war daher nur von zwei Seiten ein Angriff möglich, und da der freie Raum sich weit nach Westen und Süden hinzog, so mußten die Angreifer den Versteck in den Wäldern verlassen, wenn sie nahe genug kommen wollten, um wirklich gefährlich zu werden. Obgleich die regelmäßige Waffe des Regiments die Muskete war, so brachte man bei dieser Gelegenheit doch etliche und fünfzig Büchsen zum Vorschein. Jeder Offizier hatte eine, als einen Theil seiner Privatprovision, zn seinem Vergnügen; viele gehörten den Kundschaftern nnd befreundeten Indianern, deren sich stets mehr oder weniger um das Fort aufhielten; und einige waren das Eigenthum des Bataillons, zum Gebrauche derjenigen bestimmt, welche zu Ergänzung des Mnndvorrathes der Jagd oblagen. Unter denen, welche eine eigene Waffe führten, waren etwa fünf oder sechs, welche in besonderem Rnfe standen und sich durch ihre Geschicklichkeit eine Berühmtheit an der Gränze erworben hatten; zweimal so viel mochten für etwas mehr, als gewöhnliche Schützen gelten; dann gab cs aber noch manche, die man für gewandt in fast jeder Lage hätte halten mögen, nur nicht gerade in der, in welcher sie sich eben jetzt Hervorthun sollten. Die Zielweite betrug hundert Ellen; ein Auflegen des Gewehrs war nicht üblich. Das Ziel bestand aus einer mit den gewöhnlichen Kreisen versehenen weißgcmalten Scheibe, welche im Mittelpunkt das Ochsenauge hatte. Die ersten Gcschicklichkeitsver- suche begannen mit Herausforderungen unter der unedleren Claffe der Bewerber, um ihre Sicherheit und Gewandtheit in einem nn- belohnten Wetteifer zn zeigen. Es nahmen jedoch nur die gemeinen Soldaten an diesem Spiele Theil, welches für die Zuschauer, unter denen noch kein Offizier erschienen war, wenig Interesse hatte. Die meisten der Soldaten waren Schotten. Das Regiment war vor einer Reihe von Jahren in Stirling und dessen Nachbarschaft ansgehoben worden, und nachdem es in den Coloniccn an- gekommcn war, hatten sich, wie dieß auch mit Sergeant Dunham der Fall war, viele Amerikaner mit demselben vereinigt. Im Allgemeinen waren die aus den Provinzen die erfahrensten Schützen, und nach den Proben einer halben Stunde mußte der Ruhm der größten Geschicklichkeit einein in der Colonie von New-Iork gebornen Jüngling non holländischer Abkunft zugestanden werden, der den wohlklingenden Namen van Valtenburg trug, gewöhnlich aber Follock genannt wurde. Gerade als man sich über diese Ansicht entschieden hatte, erschien der älteste Capitän, begleitet von den meisten Herren und Damen, in festlichem Aufzuge. Ein Schweif von etlich' und zwanzig Weibern geringeren Standes folgte, unter denen auch die gewandte Gestalt, das ausdrucksvolle, blühende, lebhafte Gesicht und der zierliche Anzug Mabel Dnnham's zu sehen war. Von Frauen, welche offiziell als zur Clafse der Damen von Stand gehörig betrachtet werden mußten, waren nur drei in dein Fort. Diese waren Offiziersfranen, gesetzte ältere Damen, in deren Benehmen sich die Einfachheit des mittleren Alters zum Theil mit ihren Begriffen von dem Uebcrgewicht ihres Standes, den Rechten und Pflichten der Kaste und der Etiqnettc des Ranges mischte. Die andern Frauen waren Weiber von Unteroffizieren und Gemeinen, und Mabel war im eigentlichen Sinne, wie bereits der Quariicrmeister bemerkt hatte, die einzige sich für den Ehestand eignende Person unter ihrem Geschlecht. Allerdings waren auch noch ein Dutzend anderer Mädchen da; sie gehörten aber noch unter die Kinder, und cs war keine unter ihnen, welche im Alter so vorgerückt gewesen wäre, um einen geeigneten Gegenstand der Bewunderung abzngeben. Um die Frauen auf eine paffende Weise zu empfangen, war ein niedriges Brettergerüst unmittelbar an dem Damm des Sees aufgeschlagen worden. In der Nähe desselben waren die Preise an einem Pfahl anfgehängt. Man hatte Sorge getragen, daß der Vordersitz des Gerüstes von den drei Ladhs mit ihren Kindern besetzt wurde, indeß Mabel und die ,Frauen der Unteroffiziere den zweiten Platz einnahmen. Die Weiber und Töchter der Gemeinen bildeten in wildem Durcheinander die Nachhut; einige standen, ändere saßen, wie sie eben Platz finden konnten. Mabel, welche bereits in der Eigenschaft einer untergeordneten Gesellschafterin Zutritt 200 in den Cirkel einiger Offiziersfrauen gefunden hatte, wurde von den Damen auf dem Vordersitze, welche eine bescheidene Selbstachtung und höfliche, seine Sitte zu schätzen wußten, sehr beachtet, obgleich sie alle den Werth des Ranges, zumal in einer Garnison, hoch anschlugen. Sobald dieser wichtige Theil des schaulustigen Publikums seinen Platz eingenommen hatte, gab Lnndie den Befehl, zur Eröffnung der Belustigung in der Weise, wie er es vorher angeordnet hatte, zu schreiten. Acht oder zehn der besten Schützen der Garnison nahmen nnn Besitz von dem Stande und begannen nach der Reihe zu feuern. Sie bestanden aus Offizieren und andern Leuten ohne Unterschied, da auch die Gclegeuhcitsbesuche ans dem Fort von der Mitbewcrbung nicht ausgeschlossen waren. Man konnte von Leuten, deren Belustigung und behaglicher Unterhalt allein von der Geschicklichkeit in Führung des Gewehrs abhing, erwarten, daß sie alle hinreichend geübt waren, das Ochsenauge oder den weißen Fleck im Centrum des Zieles zu treffen. Daun folgten Andere, welche weniger sicher waren und mit ihren Kugeln nur in den verschiedenen Kreisen, die das Centrum umgaben, blieben, ohne letzteres zu berühren. Nach den Regeln des Tages konnte Keiner einen zweiten Schuß thun, wenn er das erste Mal gefehlt hatte, und der Platzadjutant, welcher den Ceremonienmeister oder Marschall des Tages machte, rief die glücklicheren Abenteurer bei ihren Namen auf, sich für einen weiteren Versuch bereit zu halten, indem er zugleich ankündigte, daß alle diejenigen, welche das Ochsenauge gefehlt hätten, von aller weiteren Mitbewerbung ausgeschlossen seyn sollten. Gerade in diesem Augenblicke erschienen Lundie, der Quartiermcister und Jasper Eau-douce unter der Gruppe bei dem Stande, indeß der Pfadfinder gemächlich über den Platz schritt, ohne seine beliebte Büchse bei sich zu führen. Dieß war ein zu ungewöhnlicher Umstand, als daß nicht alle Gegenwärtigen daraus hätten entnehmen 201 sollen, es geschehe mir deshalb, weil er sich nicht als ein Mitbewerber nm die Ehren des Tages betrachte. Alles machte dem Major Dunean Platz, welcher, als er sich in gntgelannter Weise dem Stande näherte, seine Stellung einnahm, sein Gewehr sorglos erhob und Feuer gab. Die Kugel fehlte das erforderliche Ziel um mehrere Zolle. „Major Duucau ist oou dcu ferneren Versuchen ausgeschlossen!" proklamirtc der Adjutant mit einer so starken und zuversichtlichen Stimme, daß alle älteren Offiziere und Sergeanten wohl erkannten, wie dieser Fehlschuß vorher verabredet war, indcß die jüngeren Herren und die Gemeinen sich durch die augenscheinliche Unparteilichkeit, mit welcher die Gesetze des Spiels gehandhabt wurden, aufs Neue ermuthigt fühlten; deine nichts ist für den Naturmenschen so anziehend, als die Verheißung strenger Gerechtigkeit, und nichts so selten, als ihre wirkliche Ausübung. „Nun kömmt die Reihe an Euch, Meister Eau-doucc," sagte Muir, „und wenn Ihr den Major nicht überbietct, so werde ich sagen, daß Eure Hand besser mit dem Ruder, als mit der Büchse umzugehen weiß." Jaspers schönes Gesicht erröthete. Er schritt gegen den Stand zu, warf einen hastigen Blick auf Mabel, deren zierliche Gestalt, wie er sich überzeugte, rasch sich vorwärts beugte, als ob sie auf das Resultat begierig sep — ließ den Lauf seiner Flinte, anscheinend mit geringer Sorgfalt, auf die Fläche seiner Linken fallen, erhob die Mündung einen Augenblick mit außerordentlicher Fertigkeit, und feuerte. Die Kugel drang genau durch das Centrum des Ochsenauges — der beste Schuß dieses Morgens, da die andern das Bild nur berührt hatten. „Brav gemacht, Meister Jasper," sagte Muir, so bald das Resultat bekannt gemacht war, „und ein Schuß, der einem ältern Kopf und einem erfahreneren Auge Ehre gemacht haben würde. Doch ich denke, es war etwas Jungeu-Glück dabei, denn Ihr wäret 202 nicht besonders genau in dem Absehen, das Ihr nahmt. Ihr mögt wohl schnell in der Bewegung sehn, Eau-donce, aber Ihr sehd nicht philosophisch, nicht wissenschaftlich in der Handhabung Eures Gewehrs. Nun, Sergeant Dunham, ich werde es Euch Dank wissen, wenn Ihr die Damen ersucht, etwas mehr als gewöhnlich Acht zu haben; denn ich will jetzt einen Gebrauch von der Büchse machen, den man eine» intellektuellen nennen kann. Ich gcb' es zu, Jasper würde einen getödtct haben; es hätte aber beim Empfang eines solchen Schusses nicht halb so viel Befriedigung stattgcfundcn, als beim Empfang einer wissenschaftlich abgefeuertcn Ladung." Diese ganze Zeit über bereitete sich der Qnartiermeisier auf seinen wissenschaftlichen Versuch vor. Er verschob es jedoch, zu zielen, bis er sah, daß das Auge Mabels, ebenso wie die Blicke der übrigen weiblichen Zuschauer, neugierig sich ans ihn richteten. Da die Andern ihm aus Achtung vor seinem Range Raum ließe», und nur der Eommandant in seiner Nähe stnnd, so sagte er zu diesem in seiner familiären Weise: „Sie sehen, Lundie, daß etwas zu gewinnen ist, wen» man die weibliche Neugierde aufregt, 's ist ein lebhaftes Gefühl um die Neugierde; und zweckmäßig geleitet mag sie am Ende zn etwas Besserem führen." „Sehr wahr, David; aber Sie lassen uns mit ihren Vorbereitungen zu lange warten; und da kommt der Pfadfinder, der etwas aus Ihrer größeren Erfahrung lernen möchte." „Wohl, Pfadfinder, Ihr könnt dabei auch einen Begriff von der Philosophie des Schießens bekommen. Ich habe nicht die Absicht, mein Licht unter den Scheffel zu stellen, und Ihr seyd immer willkommen, wenn Ihr etwas von mir lernen wollt. Habt Ihr nicht auch die Absicht, einen Schuß zu versuchen, Mann?" „Warum sollt' ich, Qnartiermeisier? Warum sollt' ich? Ich brauche keinen von den Preisen, und was die Ehre anbclangt, so habe ich deren genug gehabt, wenn es überhaupt eine Ehre ist. 203 besser zu schießen, als Sie. Ich bin kein Weib, um einen Kalash zu tragen." „Sehr wahr; aber Ihr könntet ein Weib finden, daß in Euren Angen kostbar genug ist, ihn von Euch zu tragen, wie —" „Kommen Sie, Davio," unterbrach ihn der Major, „wir mochten den Schuß oder Ihren Abzug sehen. Der Adjutant wird ungednlrig." „Des Quartiermeisters Geschästskrcis und der des Adjutanten vertragen sich selten mit einander, Lundie. Aber ich bin bereit. Steht ein wenig auf die Seite, Pfadfinder, und gebt den Damen Raum!" Lieutenant Mnir nahm nun seine Stellung mit einem guten Thcil siudntcr Eleganz, erhob seine Büchse langsam, senkte sie, erhob sie aufs neue, wiederholte dieses Manöver nochmals, und gab Feuer. „Gefehlt, die ganze Scheibe," rief der Mann, der die Treffer zu bezeichnen hatte, und wenig Geschmack an des Quartiermeisters lästiger Wissenschaftlichkeit fand. „Die Scheibe verfehlt." „Es kann nicht scyn," schrie Mnir, und sein Gesicht glühte ebenso sehr vor Entrüstung, als vor Schaam. „Es kann nicht seyn, Adjutant; denn nie begegnete mir in meinem Leben eine solche Ungeschicklichkeit. Ich appcllire an die Damen um ein gerechteres Urtheil!" „Die Damen schloffen ihre Angen, als Sie feuerten," riefen die Spötter im Regimentc. „Ihre Vorbereitungen erschreckten sic." „Ich kann eine solche Schmähung von den Damen nicht glauben und meine Geschicklichkeit nicht auf solche Weise verunglimpfen lassen, erwiedcrte der Quartiermeister, der mehr und mehr in sein Schottisch verfiel, je wärmer seine Gefühle wurden, „'s ist eine Verschwörung, um einem verdienten Mann das zu ranben, was ihm gebührt." „'s ist eben ein Fehlschuß, Mnir," sagte der Major lachend, „und Sie müssen sich in die Laune des Glückes fügen." „Nein, nein, Major," bemerkte endlich Pfadfinder, „der Quarlicrmeister ist, seine Langsamkeit ausgenommen, auf eine 204 gemessene Entfernung ein guter Schütze, obgleich nichts Außerordentliches für den wirklichen Dienst. Seine Kugel hat die Jaspers bedeckt, wie man bald sehen kann, wenn einer sich die Mühe nehmen will, die Scheibe zu untersuchen." Die Achtung vor Pfadfinders Geschicklichkeit und vor der Schnelligkeit und Sicherheit seines Auges war so groß und allgemein, daß in dem Augenblick, als er diese Erklärung gab, die Zuschauer ihren eigenen Meinungen zn mißtrauen anfingen und ein Dutzend davon gegen die Scheibe stürzten, um sich über die Thatsache Gewißheit zu verschaffen. Man fand auch wirklich, daß des Qnartiermeisters Kugel durch das von Jasper gemachte Loch, und zwar mit einer Genauigkeit gegangen war, daß es einer sehr scharfen Untersuchung bedurfte, um den Thatbestand außer Zweifel zn stellen; doch lag es am Tage, als man eine Kugel über der andern in dein Pfahle fand, an welchem die Scheibe befestigt war. „Ich sagt' es ja, meine Damen, daß Sie Zeugen des Einflusses der Wissenschaft auf die Kunst zu schießen seyn würden," sprach der Quartiermeister, indem er auf das Gerüst, welches die Frauen besetzt hielten, zuging. „Major Dunean verlacht die Idee, daß sich die Mathematik auf das Scheibenschießen anwenden lasse; aber ich sage ihm, Philosophie färbt, vergrößert, verbessert, erweitert und breitet ans Alles, was zum menschlichen Leben gehört, sey es nun ein Wettschießen, oder eine Predigt. Mit einem Wort, Philosophie ist Philosophie, und das ist Alles, was man über diesen Gegenstand zu sagen nöthig hat." „Ich denke, Sie schließen die Liebe von diesem Katalog aus," bemerkte die Frau eines Hauptmauns, welche die Geschichte von des Qnartiermeisters Heirathen kannte und einen weiblichen Widerwillen gegen diesen Monopolisten ihres Geschlechtes hatte — „mir scheint, daß Philosophie wenig gemein hat mit der Liebe." „Sie würden das nicht sagen, Madame, wenn Ihr Herz viele Versuchungen erfahren hätte. Ein Mann oder eine Frau, die viele 205 Gelegenheit gehabt haben, ihre Sympathien ansznbildcn, können am besten über solche Gegenstände sprechen ; und, glauben Sie mir, von aller Liebe ist die philosophische die beste, da sie die vernünftigste ist." „So empfehlen Sie Wohl die Erfahrung zu Veredelung der Liebe?" „Ihr schneller Geist hat diese Idee mit einem Blick erfaßt. Die glücklichsten Heirathe» sind die, wo Jugend, Schönheit und Vertrauen auf der einen Seite sich auf den Scharfsinn, die Mäßigung und die Klugheit der Jahre verläßt, des mittleren Alters, meine ich, Madame; denn ich will nicht in Abrede ziehen, daß es auch so ein Ding von einem Ehemann geben kann, das zu alt für ein Weib ist. Hier ist Sergeant Dunham's bezaubernde Tochter, welche sicherlich solchen Gefühlen Beifall zollen wird, denn die Besonnenheit ihres Charakters ist in der Garnison bereits vollkommen anerkannt, so kurz auch ihr Aufenthalt unter uns seyn mag." „Sergeant Dunham's Tochter ist kaum eine geeignete Sprecherin bei einer Unterhaltung zwischen Ihnen und mir, Lieutenant Mnir," erwiedcrte die Capitänsfrau, die ihrer Würde nichts vergeben wollte; „doch, damit wir auf einen andern Gegenstand kommen — dort schickt sich der Pfadfinder an, sein Glück zu versuchen." „Ich protestire, Major Dnncan, ich protestire" — schrie Mnir, indem er mit erhobenen Armen, nm seinen Worten Nachdruck zu leihen, gegen den Stand zurück eilte. — „Ich protestire in strengster Form, meine Herren, daß Pfadfinder bei dieser Unterhaltung mit seinem Hirschetödter zugelaffen werde, denn abgesehen von seiner langjährigen Fertigkeit ist dieß ein Gewehr, welches, bei einem Geschicklichkeitsversuch außer allem Verhältniß mit den Büchsen des Gouvernements steht." „Der Hirschetödter ist in der Ruhe, Quartiermcister," erwiedcrte Pfadfinder, „und Niemand denkt hier daran, ihn zu stören. Ich dachte selbst nicht, heute den Drücker zu berühren; aber 206 Sergeant Dunham überzeugte mich, daß ich seiner schönen Tochter, welche unter meinem Schutze hichcr kam, keine besondere Ehre erweisen würde, wenn ich bei einer solchen Gelegenheit zurückbliebe. Ich benütze daher Jaspers Büchse, Quarticrmeistcr, wie Sie sehen können, und die ist nicht besser als die Ihrige." Lieutenant Muir, mußte sich zufrieden geben, und jedes Auge richtete sich auf den Pfadfinder, als er die erforderliche Stellung einnahm. Die Haltung dieses gefeierten Wegweisers und Jägers war äußerst schön, als er seine kühne Gestalt erhob und das Gewehr zurecht setzte, wobei er eine vollkommene Selbstbeherrschung und eine genaue Kenntniß der Kraft des menschlichen Körpers sowohl, als der Waffe entwickelte. Pfadfinder war nicht, was man gewöhnlich einen schöne» Mann nennt, obgleich seine Erscheinung Vertrauen einsiößte und Achtung gebot. Hoch und sehnig, hätte man seine Gestalt fast für vollkommen halten mögen, hätte sic nicht alle» dessen, was wie Fleisch anssieht, entbehrt. Eine Peit- schenschnnr war kaum starrer, oder zur Noth biegsamer, als seine Arme und Beine; auch waren seine Umrisse zu cckigt für ein Verhältnis, welches angenehm ins Ange fallen soll. Doch waren seine Bewegungen voll natürlicher Nnmuth, und das Ruhige und Geregelte derselben gab ihm einen Ausdruck von Würde, welchem sich gerne der unabweisbare Gedanke an seine Leistungen und seine persönlichen Verdienste anreihtc. Sein ehrliches, offenes Gesicht war zu einem Hellen Noth gebräunt, daß sich wohl mit den Mühseligkeiten und Gefahren vertrug, denen er immer ausgesetzt war, und seine seh- nigtcn Hände deuteten ans die Kraft und die Art des Gebrauches hin, der von den ersteifenden und verunstaltenden Wirkungen der Arbeit ferne war. Obgleich Niemand an ihm die zierlicheren und ansprechenderen Eigenschaften, welche ans die Neigung der Frauen gewinnend einzuwirken vermögen, entdecken konnte, so blickte doch, als er seine Büchse erhob, kein weibliches Auge auf ihn, ohne ein geheimes Wohlgefallen an der Freiheit seiner Bewegungen und der 207 Männlichkeit seines Aussehens. Sein Zielen geschah mit der Schnelle des Gedankens, und als der Rauch über seinem Haupte schwebte, erblickie man den Schaft der Büchse schon auf der Erde, die Hand des Pfadfinders an den Lauf gelehnt, und sein ehrliches Gesicht leuchtend von seinem gewöhnlichen stillen herzlichen Lachen. „Wenn man bei einer solchen Gelegenheit eine Anspielung machen darf," rief Major Dnncan, „so möcht' ich sagen, daß der Pfadfinder auch die Scheibe verfehlt hat!" „Nein, nein, Major," erwiederte Pfadfinder mit Zuversicht, „das würde eine gewagte Behauptung sepn. Ich habe das Gewehr nicht geladen, und kann nicht sagen, was darin war; wenn es aber geladen war, so werden Sie finden, daß die Kugel die des Quartiermeisters und Jaspers tiefer Hineingetrieben hat, wenn ich anders Pfadfinder heiße." Ein Ruf vvn der Scheibe her verkündete die Wahrheit dieser Versicherung. „Das ist nicht alles, das ist nicht alles. Jungen," rief der Wegweiser aus, welcher nun langsam auf das von den Damen besetzte Gerüst zuging, „wenn Ihr die Scheibe nur im mindesten berührt findet, so will ich verloren haben. Der Quartiermeister hat das Holz gestreift, ihr werdet aber nicht finden, daß die letzte Kugel dasselbe angegriffen hätte." „Sehr wahr, Pfadfinder, sehr wahr," antwortete Muir, welcher sich in Mabels Nähe gemacht hatte, obschon er sich scheute, sie in Gegenwart der Offiziersfrauen anzureden. „Der Quartiermeister hat das Holz ausgeschnitten, und hiedurch einen Weg für Eure Kugel geöffnet, welche durch das Loch, das er gemacht hat, durchgegangen ist." „Wohl, Quartiermeister; doch jetzt kömmts an den Nagel, und wir wollen sehen, wer ihn tiefer Hineintreiben kann, Sie, oder ich, denn obgleich ich heute nicht zu zeigen hoffte, was eine Büchse vermag, so will ich doch, da sie einmal in meiner Hand ist. 208 Keinem, der König Georgs Bestallung hat, den Rücken lehren. Chingachgook ist draußen, sonst könnte mich der zu einigen Feinheiten der Kunst veranlassen; aber was Sie anbelangt, Qnartier- meister — wenn Sie der Nagel nicht so zufrieden stellt, so wirds die Kartoffel thun." „Ihr thut die'en Morgen gewaltig dick, Pfadfinder; aber Ihr werdet finden, daß Ihr es nicht mit einem grünen Burschen, frisch von den Ansiedelungen und Städten weg, zu thun habt; das versichere ich Euch." „Ich weiß das wohl, Quartiermeister, ich weiß das wohl, und will Ihrer Erfahrung nicht zn nahe treten. Sie haben schon viele Jahre an-der Gränze gelebt, und ich habe von Ihnen in den Kolonien und selbst unter den Indianern schon vor einem ganzen Menschenalter sprechen hören." „Nä, nä," unterbrach ihn Muir in seinem breitesten Schottisch; das ist 'ne Ungerechtigkeit, Mann. Ich bin noch nicht so gar alt, nein." „Ich will Ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen, auch wenn Sie das Beste in dem Kartoffelversuch weg kriegen sollten. Sie haben für einen Soldaten ein gutes Menschenalter an Orte» verlebt, wo die Büchse täglich gebraucht wird, und ich weiß, Sie sind ein geachteter und scharfblickender Schütze; aber doch sind Sie kein rechter Büchsenschütze. Was das Prahlen anbelangt, so hoffe ich, daß ich nicht als ein eitler Auskrämer meiner eigenen Thaten bekannt bin; aber die Gaben eines Menschen sind seine Gaben, und cs hieße der Vorsehung Trotz bieten, wenn man sie verläug- nen wollte. Des Sergeanten Tochter hier soll zwischen uns Richter sepn, wenn Sie Lust haben, sich einem so artigen Richter zu unterwerfen." Der Pfadfinder hatte Mabel zur Schiedsrichterin gewählt, weil er sie bewunderte, und weil der Rang in seinen Augen wenig oder keinen Werth hatte. Aber Lieutenant Mnir schrack vor einer solchen Berufung in Gegenwart der Ofsizicrsfrauen zurück. Er hätte wohl gern sein Bild beständig vor den Augen und der Seele des Gegenstandes seiner Hoffnungen gewünscht; aber er war doch zu sehr unter dem Einfluß alter Vornrthcile und vielleicht zu schlau, um öffentlich als ihr Verehrer anfzutreten, wenn er nicht auf einen sicheren Erfolg hoffen durste. Zn der Verschwiegenheit des Majors Dnncan hatte er ein volles Vertrauen und fürchtete von dieser Seite aus keinen Vcrrath. Er mußte aber sehr vorsichtig zn Wcrk gehen; denn wenn es ruchbar wurde, daß er von der Tochter eines Unter- offlziers znrückgewicsen worden sch, so mochte er bei der Bewerbung um eine andere Frau von Stande — und auf eine solche durste er vernünftigerweise doch Anspruch machen — wohl große Schwierigkeiten finden. Aber Mabcl erschien so hübsch, erröthcte so bezaubernd, lächelte so süß und war ein so gewinnendes Bild der Jugend, des Geistes, der Bescheidenheit und Schönheit, daß er ungeachtet seiner Zweifel und Besorgnisse es für äußerst verführerisch fand, seine Person in ihrer ganzen Erhabenheit von der Phantasie des Mädchens Besitz nehmen zu lassen, weshalb er es über sich gewann, sein Wort frei an sie zu richten. „Es soll geschehen nach Eurem Wunsche, Pfadfinder," erwie- derte er, sobald er mit seinen Zweifeln ins Reine gekommen war; „laßt des Sergeanten Tochter, — seine bezaubernde Tochter sollte ich sie genannt haben — Schiedsrichterin sehn, und ihr wollen wir beide den Preis widmen, den einer oder der andere sicher gewinnen muß. Pfadfinder muß, wie Sie bemerken, meine Damen, eigen gelaunt sehn, sonst würden wir ohne Zweifel die Ehre gehabt haben, uns dem Urtheil einer Dame ans Ihrer bezaubernden Gesellschaft zu unterwerfen." Ein Aufruf an die Bewerber führte nun den Quartiermeister und seinen Gegner hinweg, und in wenigen Minuten begann der zweite Versuch. Ein gewöhnlicher Werknagel, dessen Kopf gefärbt war, wurde leicht in die Scheibe getrieben, und die Schützen mußten Der Pfadfinder. 3. Aufl. 14 ihn treffen, wenn sie nicht ihren Schuß bei den weiteren Proben verlieren wollten. Niemand von denen, welche früher das Ochsenauge gefehlt hatten, wurde zngelaffen. Es Ware» ungefähr ein halbes Dutzend Bewerber ui» die Ehre dieses Probestücks. Einer oder zwei, welche bei dem ersten Schießen den gemalten Fleck nur »othdürftig berührt hatten, zogen cs. vor, ihren Ruf nicht aurs Spiel zu setzen, denn sie fühlten, daß bei der schwereren Aufgabe, um die es sich jetzt handelte, nichts für sie zn erholen sch. Die drei ersten Schützen fehlten, obschon sic der Marke sehr nahe kamen, ohne sic jedoch zu berühren. Der vierte in der Reihe war der Qnartiermcister, welcher, nachdem er seine gewöhnlichen Stellungen dnrchgemacht hatte, in so weit glücklich schoß, daß seine Kugel ein kleines Stück von dem Kopf des Nagels trennte, und an der Seite des Punktes cinschlng. Dieß wurde als kein außerordentlicher Schuß betrachtet, obgleich er den Abenteurer wieder auf die Liste brachte. „Sie haben Ihre Haut gerettet, O.nartiermeistcr, wie man in den Ansiedelungen von den Kreaturen sagt/' rief Pfadfinder lachend: „aber es würde lange dauern, ein Hans mit einem Hammer zn bauen, der nicht besser als der Ihrige ist. Jasper hier wird Ihnen zeigen, wie man einen Nagel treffen muß, oder der Junge hat etwas von der Festigkeit seiner Hand und der Sicherheit seines Auges verloren. Sie würden besser gethan haben, Lieutenant, wenn Sie Ihre Stellungen weniger soldatisch gehalten hätten. Schießen ist eine natürliche Gabe und muß ans eine natürliche Weise geübt werden. „Wir werden sehen, Pfadfinder; ich nenne das einen recht artigen Schuß, und ich zweifle, ob das Fünfnndfünfzigste eizien' andern Hammer, wie Ihr es nennt, hat, der wieder gerade dahin zn treffen vermag." „Jasper ist nicht im Fünsnttdfünfzigsten, aber da geht sein Schlag hin." 211 Als der Pfadfinder sprach, trafEan-douee'S Kugel das Viereck des Nagels und trieb den Kopf desselben ungefähr einen Zell tief in die Scheibe. „Nietet ibn ans. Jungen," schrie der Pfadfinder, indem er in die Fußstapfen seines Freundes in dem Augenblick, als fie frei wurden, trat. „Laßt es gut seyn mit einem neuen Nagel. Ich kann diesen sehen, obgleich die Farbe weggegangcn ist, und was ich sehen kann, kann ich auch auf hundert Ellen treffen, und wäre es nur das Auge eines Musguitos. Habt ihr ihn ansgcnietc:?" Die Flinte krachte: die Kngcl flog ihren Weg und der Kopf des Nagels wurde in dem Hol; begraben, bedeckt von einem Stück plattgedrückicn Bleis. „Nun, Jasper, Junge," fuhr der Pfadfinder fort, indem er den Schaft seines Gewehrs zur Erde sinken ließ, und das Gespräch wieder anfnahm, als ob er gar nicht an seinen eigenen Schuß dächte. „Ihr verbessert Euch täglich. Noch einige Züge am Land in meiner Gesellschaft, und der beste Schütze an der Gränze wird sich zn- sammennchmcn müssen, wenn er seinen Stand nach Euch nimmt. Der Quartiermeister ist respeetabcl; aber er wird's nicht weiter bringen. Dagegen habt Ihr, Jasper, die Gabe, und könnt cS eines Tages mit jedem Schützen aufnchmen." „Ho, ho!" rief Muir, „Ihr nennt das Streifen eines Nagelkopfs nur respeetabcl, da cs doch die Vollkommenheit der Kunst ist? Jeder, der nur in etwas ein verfeinertes und gebildetes Gefühl hat, weiß, daß die leichten Berührungen den Meister bekunden. Dagegen kommen Cure Schmidhammerschlägc nur aus dem Rohen und Ungebildeten. Wenn es beim Schießen heißt: um ein Haar gefeblt ist so gut als um eine Meile gefehlt, so muß dieß doch noch mebr bei einem Treffer gelten, Pfadfinder, ob er nun verwundet oder tödtet." „Der sicherste Weg, diese Nebenbuhlerschaft zu beruhige», wird wohl ein anderer Versuch sepn," bemerkte Lundie, „und das soll durch die Kartoffel geschehen. Sie sind ein Schotte, Herr Mnir, 212 und möchten vielleicht besser fahren, wenn es ein Kuchen oder eine Distel wäre, aber der Gränzbranch hat sich für die amerikanische Frucht, die Kartoffel, erklärt/' Da Major Duncan in seiner Weise einige Ungeduld kund gab, so hatte Muir zu viel Takt, den Fortgang der Belustigung noch länger durch seine Bemerkungen zu unterbrechen, sondern bereitete sich klugerweise für den nächsten Aufruf vor. Der Qnartiermeister hatte zwar in der That wenig oder kein Vertrauen, daß er den nun folgenden Versuch glücklich bestehen werde, und würde es wohl nicht gewagt haben, sich unter die Bewerber zu mischen, wenn er voransgeschen hätte, daß er wirklich stattfindcn würde. Aber Major Duncan, der etwas hnmoristisch in seiner ruhigen, schottischen Weise war, hatte — ausdrücklich um ihn zu quälen — im Geheim bereits die nöthigcir Vorbereitungen treffen lassen; denn da er selbst ein Laird war, so konnte er dem Gedanken keinen Geschmack abgewinnen, daß ein Mann, welcher als ein Edelmann betrachtet werden wollte, seiner Kaste durch Eingehung einer ungleichen Verbindung Unehre zu machen gedachte. Sobald alles eingeleitct war, wurde Muir aufgefordert, seinen Stand zu nehmen, und die Kartoffel zum Wurf in Bereitschaft gehalten. Da dem Leser die Weise des Kunststücks, welches wir ihm vorführcn werden, vielleicht neu ist, so mag ein erläuterndes Wort die Sache klarer machen. Eine große Kartoffel wurde ansgewählt und Jemanden gegeben, welcher zwanzig Ellen von dem Schießstande entfernt war. Auf das Wort „ans," welches von dem Schutzen gegeben ward, wurde das Gewächs mit einem sanften Stoß in die Lust geworfen, und es war nun die Aufgabe des Glücksritters, eine Kugel durch zu schießen, ehe es den Boden wieder erreichte. Unter hundert Versuchen war es dem Qnartiermeister nur ein Einzigesmal gelungen, dieses schwere Kunststück glücklich auszuführen. Er versuchte es deshalb wieder mit einer Art von blinder Hoffnung, die ihm aber fehlschlagen sollte. Die Kartoffel wurde 213 auf die gewöhnliche Weise geworfen; der Schuß fiel; aber das fliegende Ziel blieb unberührt. „Rechts um — dnrchgefallen, Quartiermcister," sagte Lnndie, mit einem Lächeln über diesen Erfolg: „die Ehre des seidenen Kalash wird zwischen Jasper Ean-douce und Pfadfinder liegen." „Und wie soll der Versuch enden, Major," fragte der letztere. „Soll der mit den zwei Kartoffeln noch dazu kommen, oder ist es mit Centrum und Haut abgethan?" „Mit Centrnm und Haut, wenn ein bcmerklicher Unterschied stattfindet; im andern Fall muß der Doppelschuß folgen." „Das ist für mich ein entsetzlicher Augenblick, Pfadfinder," bemerkte Jasper, und die Gewalt seiner Gefühle trieb alle Farbe ans seinem Gesichte, als er sich gegen den Stand hinbewegte. Pfadfinder blickte ernst auf den jungen Mann; dann bat erden Major, einen Augenblick Geduld zu haben, und führte seinen Freund etwas bei Seite, so daß die nahe Stehenden ste nicht hören konnten. „Ähr scheint Euch diese Sache zu Herzen zu nehmen, Jasper?" bemerkte der Jäger, indem er dem Jüngling mit festen Blicken ins Auge sah. „Ich muß zugebcn, Pfadfinder, daß meine Gefühle sich nie vorher so sehr an den Erfolg knüpften." „Und verlangt Ihr so sehr, mich auSznstechen, einen alten geprüften Freund? — und das, so zu sagen, aus meinem eigenen Wege? Schießen ist meine Gabe, Junge, und keine gewöhnliche Hand kann sich mit der meinigen messen." „Ich weiß es, ich weiß cs, Pfadfinder, aber doch —" „Aber was, Jasper, Junge? — Sprecht frei, Ihr sprecht mit einem Freunde." Der junge Mann kniff sich in die Lippen, fuhr mit der Hand über das Auge, und crröthete und erblaßte wechselweise wie ein Mädchen, das seine Liebe gesteht. Dann drückte er des andern 214 Hand und sagte ruhig, und mit einer Männlichkeit, welche alle andern Gefühle überwältigte — „Ich wollte einen Arm drum geben, Pfadfinder, wenn ich diesen Kalash Mabel Dnnham anbieten könnte." Der Jäger ließ seine Augen zur Erde sinken, und als er langsam gegen den Stand zurückging, schien er das, was er eben gehört hatte, tief zu erwägen. „Es kann Euch nie bei dem Doppeivcrsuch glücken, Jasper!" bemerkte er plötzlich. „Deß bin ich nur zu gewiß, und eben das quält mich." „Was für ein Geschöpf ist doch der sterbliche Mensch! Ersehnt sich schmerzlich nach Dingen, welche nicht zu seinen Gaben gehören, und behandelt die Wohlthatcn, die ihm durch die Vorsehung zngc- wiescn werden, mit Leichtfertigkeit. Macht nichts — macht nichts! Nehmt Euern Stand, Jasper, denn der Major wartet — und hört. Junge, — ich muß die Haut berühren, denn ich könnte mit weniger als so viel mein Gesicht nicht mehr in der Garnison zeigen." „Ich glaube, ich muß mich meinem Schicksal unterwerfen." erwiedcrte Jasper, wie früher balr erröthend, bald erbleichend,— „aber ich will mir Mühe geben, als ob es mein Leben gälte." „Was für ein Ding ist der sterbliche Mensch!" wiederholte der Pfadfinder, indem er sich zurückzog, um seinem Freunde Raum zum Zielen zu geben. — „Er übersieht seine eigenen Gaben, und trachtet nach denen von Anderen!" Die Kartoffel wurde geworfen, Jasper feuerte und das darauf folgende Geschrei leitete die Ankündigung ein, die Kugel sey in das Ccntrnm oder doch demselben so nahe eingedrungen, daß der Schuß wohl als ein Centrumschufi benrtheilt zu werden verdiente. „Das ist ein Mitbewerber, der Eurer würdig ist, Pfadfinder," rief Major Duncan vergnügt, als der Elftere seinen Stand nahm, „und wir werden noch einige schöne Schüsse bei dem Doppelversnch zu sehen bekommen." 213 „Was für ein Ding ist der sterbliche Mensch!" wiederholte der Jäger, welcher so sehr in seine eigenen Belrachtnngen vertieft war, daß er kanm ans das, was nn> ihn vorging, zn achten schien, „Auf!" Die Kartoffel flog, die Flinte trachte, wie man bemerkte, gerade als rer kleike, schwarze Ball in der Lnft zn halten schien: denn der Schütze nahm augenscheinlich ungewöhnliche Sorgfalt auf sein Ziel. Dann folgte ein Blick der getäuschten Erwartung und Verwunderung unter denen, welche das fallende Ziel anfgefangen hatten. „Zwei Löcher auf einer Seite?" rief der Major ans. „Die Haut, die Haut," war die Antwort, „nur die Haut!" „Was ist das, Pfadfinder?-Soll Jasper Eau-douce die Ehre des Tages davon tragen?'" „Der Kalash ist sein," erwicderte der andere mit Kopfschütteln und verließ ruhig den Stand. „Was für ein Geschöpf ist der sterbliche Mensch! Nie ist er mit seinen eigenen Gaben zufrieden, und trachtet immer nach dem, was ihm die Vorsehung versagt hat!" Da der Pfadfinder seine Kugel nicht durch die Mitte der Kartoffel geschickt, sondern mir die Haut durchschnitten hatte, so wurde der Preis unmittelbar Jasper zngcsprochen. Der Kalash war in den Händen des letzteren, als der Quartiermeister hcrzntrat, und mit einem glatten Scheine von Herzlichkeit seinem glücklicheren Nebenbuhler Glück zu dem Siege wünschte. „Aber nun habt Ihr den Kalash gewonnen. Junge, der Euch zn nichts nütze ist," fügte er bei. „Ihr könnt weder ein Segel noch eine Flagge daraus machen. Ich denke, Eau-douce, daß es Euch nicht lciv thätc, seinen Werth in gutem königlichem Silber in Eurer Tasche zu sehen?" „Er ist für kein Geld feil, Lieutenant," erwiederte Jasper, dessen Auge von dem ganzen Feuer des Glückes und der Freude strahlte. „Dieser gewonnene Kalash ist mir lieber, als fünfzig neue vollständige Segel für den Scud!" 216 „Ho! ho! Junge! Ihr werdet mir so toll, wie alle die andern. Ich habe es eben wagen wollen. Euch eine halbe Guinea für diese Kleinigkeit anznbieten. 's wäre doch besser, als wenn er in der Kajüte Eures Kutters unter den Füßen umherfährt, oder am Ende ein Kopfputz für eine Squaw wird." Obgleich Jasper nicht wußte, daß der schlaue Quartiermeister ihm nicht die Hälfte des wirklichen Werthes seiner Prämie ange- boten hatte, hörte er doch seinen Vorschlag mit Gleichgültigkeit an. Er schüttelte verneinend den Kopf, und ging ans das Gerüste zu, wo seine Annäherung eine kleine Bewegung veranlaßte, da die Offiziers-Frauen sammt und sonders sich entschlossen hatten, wenn Galanterie den jungen Schiffer veranlassen sollte, mit seinem Gewinnst ein Geschenk machen zu wollen, es anznnehmen. Aber Jaspers Schüchternheit nicht weniger, als seine Bewunderung für eine Andere, würde ihn gehindert haben, nach der Ehre eines Komplimentes an diejenigen, die er so hoch über sich dachte, zu streben." „Mabel," sagte er, „dieser Preis ist für Sie, wenn nicht —" „Wenn nicht was, Jasper?" antwortete das Mädchen, welche bei dem natürlichen und großmüthigen Wunsche, ihn seiner Verlegenheit zu entheben, ihre eigene Schüchternheit verlor, obgleich Beide in einer Weise errötheten, welche tiefere Gefühle vcrrieth. „Wenn Sie ihn nicht für zu unbedeutend halten, da er von einem angebvten wird, welcher kein Recht haben mag, zu glauben, daß seine Gabe angenommen werde." „Ich nehme sie an, Jasper; sie soll mir ein Erinnerungszeichen der Gefahr, welche ich in Eurer Gesellschaft dnrchgemacht habe, und der Dankbarkeit seyn, welche ich für Eure Sorgfalt um mich fühle — für Eure und des Pfadfinders Sorgfalt." „Laßt's gut seyn; laßt's gut seyn," rief der letztere. „Dieß ist Jaspers Glück und Jaspers Gabe. Geben Sie ihm vollen Kredit für beides. Die Reihe kann an einem andern Tag an mich kommen, an mich und den Quartiermeister, der Wege» des Kalashes 217 dem Jungen zn grollen scheint, obgleich ich nicht einsehe, zu was er ihn braucht, da er kein Weib hat." „Und bat Jasper Eau-douee ein Weib? oder habt Ihr selbst ein Weib, Pfadfinder? Ich kann ihn brauchen, daß er mir ein Weib kriegen Helft, oder als ein Erinnerungszeichen, daß ich ein Weib hatte, oder als einen Beweis, wie sehr ich dieses Geschlecht bewundere, oder weil er ein Fraucnschmuck ist, oder ans irgend einem ander» gleich achtbaren Grunde. Die Nichtrestectirenden find nicht die Geachtetsten bei den Gedankenvollen, und es gibt, laßt'S euch Allen gesagt sehn, kein sicheres Zeichen, daß ein Mann ein guter Gatte seiner ersten Gefährtin war, als wenn er sich eilig nach einer geeigneten Nachfolgerin umsteht. Die Liebe ist eine schöne Gabe der Vorsehung, und diejenigen, welche wahrhaft geliebt haben, beweisen, wie reichlich sie diese Wohlthat genossen, wenn sie so bald als möglich wieder eine andere lieben." „Es mag so seyn—es mag so sehn. Ich bin kein Praktiker in solchen Dingen; aber Mabcl hier, des Sergeanten Tochter, wird Ihre Worte voll zu würdigen wissen. Kommt, Jasper! obschon wir nichts dabei zn thnn haben, so wollen wir doch sehen, was die andern Jungen mit ihren Büchsen ansrichten." Pfadfinder und seine Gefährten zogen sich zurück, denn die Belustigung nahm nun wieder ihren Fortgang. Die Damen jedoch waren nicht so sehr von dem Schießen in Anspruch genommen, um den Kalash darüber zn vernachlässigen. Er ging von Hand zu Hand; man befühlte die Seide, krittelte an der Fa^on und untersuchte die Arbeit. Dann wagte man auch verschiedene Meinungen zu äußern, ob es auch passend sey, daß ein so schöner Putz in den Besitz einer Nnteroffizierstochter gekommen. „Ihr werdet vielleicht geneigt ftp», den Kalash zu verkaufen, Mabsl, wenn Ihr ihn eine kurze Zeit besessen habt?" fragte die Kapitänsftan, „denn tragen könnt Ihr ihn doch nie, sollte ich denken." 218 „Ich will ihn nicht trag«,/' erwiederte unsre Heldin bescheiden, „,doch möchte ich mich auch nicht von ihm trennen." „Sergeant Dnnham versetzt Euch freilich nicht in die Noth- wendigkeit, Eure Kleider zu verkaufen, mein Kind, es ist aber immer wcggeworfcnes Geld, einen Putzartikel zu behalten, den Ihr doch nie tragen könnt." „Ich würde mich ungerne von der Gabe eines Freundes trennen." „Aber der junge Mann wird um so besser von Eurer Klugheit denken, wenn der Triumph dieses Tages vergessen ist. Es ist ein artiger und anständiger Kalash, und sollte nicht wcggcworfeu werden." „Es ist nicht meine Absicht, ihn wegzuwerfc», Madame, und wenn es Ihnen gefällt, will ich ihn lieber behalten." „Wie Ihr wollt, Kind; Mädchen in Eurem Alter übersehen oft ihren wahren Vortheil. Doch erinnert Euch, daß er, wenn Ihr Euch entschließt, über ihn zu verfüge», bestellt ist, und dass ich ihn nicht nehmen werde, wenn Ihr ihn je einmal selbst aufgesetzt hättet." „Ja, Madame," sagte Makel mit möglichst demüthiger Stimme, obgleich ihre Angen wie Diamanten funkelten und ihre Wangen sich zu den Tinten zweier Rosen rötheten, als sie den verbotenen Schmuck eine Minute lang über ihre wohlgeformtcn Schultern legte, als ob sie versuchen wolle, wie er ihr paffe, und ihn dann ruhig wieder abnahm. Der Nest der Belustigung bot wenig Interesse. Man schoß wohl gut, aber in keinem Vergleich mit den eben erzählten Leistungen, und die Bewerber wurden bald sich selbst überlassen. Die Damen und die meisten Offiziere zogen sich zurück, und die übrigen Frauen folgten ihrem Beispiel. Mabel kehrte über die niedrigen Felsenplattcn, welche das Ufer des Sees bedeckten, heim, und ließ den zierlichen Kalash auf ihrem »och zierlicheren Finger flattern, als der Pfadfinder zu ihr traf. Er führte die Büchse bei sich, deren er sich an diesem Tage bedient hatte; aber sein Benehmen zeigte weniger von der freien Leichtigkeit des Jägers, als gewöhnlich, und sein Auge schien unstet und düster. Nach einigen nichtssagenden Worten über die vor ihnen liegende großartige Wasserfläche wandte er sich, mit dem Ausdruck eines großen Anliegens in seinem Gesicht, gegen das Mädchen und sprach: — „Jasper erndtcte diesen Kalasch für Sie, Mabel, ohne seine Gaben sehr anzustrengen." „Er hat sich gut gehalten, Pfadfinder." „Kein Zweifel— kein Zweifel. Die Kugel ging hübsch durch die Kartoffel, und Niemand hätte mehr thun können, obgleich Andere hätten eben so viel leisten mögen." „Aber keiner leistete eben so viel!" rief Mabel mit einer Lebhaftigkeit, welche sie im Augenblick bereute; denn sie sah aus dem schmerzlichen Blick des Wegweisers, wie sehr er durch diese Bemerkung sowohl, als durch das Gefühl, mit welchem sie dieselbe aussprach, gekränkt wurde. „Es ist wahr — es ist wahr, Mabel, Keiner leistete eben so viel; aber — doch ich sehe keinen Grund, warum ich meine Gaben, die von der Vorsehung kommen, verlängnen sollte — ja, ja; Keiner leistete dort so viel, aber Sie sollen sehen, was hier gethan werden kann. Sehen Sie die Möven, welche über unfern Köpfen fliegen?" „Sicher, Pfadfinder; es sind ihrer zn viele, um der Beobachtung zu entgehen." „Hier, wo sie quer über einander hinfliegen, setzte er hinzu, indem er den Hahn spannte und die Büchse erhob; „die zwei — die zwei: nun sehen Sie!" Das Gewehr wurde mit Gedankenschnelle angelegt, als gerade zwei Vögel in eine Linie kamen, obgleich ihre Entfernung von einander viele Ellen betragen mochte; der Schuß fiel, und die Kugel drang durch die Körper der beiden Opfer. Die Möven waren kaum in den See gefallen, als der Pfadfinder seinen Vüchsenschaft 220 fallen ließ und in seiner cigenthümlichen Weise anflachte. Jeder Schatten van Unzufriedenheit und gekränktem Stolze hatte sein ehrliches Gesicht verlassen. „Das ist etwas, Mabel — das ist etwas; obgleich ich Ihnen keinen Kalash z» geben habe. Aber fragen Sie Jaspern selbst; ich will Alles Jaspern überlassen, denn eine wahrere Zunge und ein treueres Herz ist nicht in Amerika." „Es war also nicht Jaspers Verdienst, daß er den Preis gewonnen hat?" „Nicht doch! Er that sein Bestes, und traf gut. Für einen, der bessere Waffergaben als Landgaben hat, ist Jasper ungemein erfahren, und man kann sich weder ans dein Wasser noch auf dem Land einen bessern Rückhalt wünschen. Aber es war mein Werk, Mabel, daß er den Kalash gewonnen hat, obgleich es gerade keinen Unterschied macht — es macht keinen Unterschied, denn das Ding ist an die rechte Person gekommen." „Ich glaube, ich verstehe Euch, Pfadfinder," sagte Mabel mit unwillkührlichein Erröthen; „und ich betrachte nun den Kalash als die vereinte Gabe von Euch und Jaspern." „Da würden Sie dem Jungen Unrecht thn». Er gewann das Kleidungsstück und hatte ein Recht, es wegzugebcn. Ich wünsche nur, Mabel, Sie möchten glauben, daß, wenn ich es gewonnen hätte, cs an dieselbe Person gekommen wäre." „Ich will es nicht vergessen, Pfadfinder, und Sorge tragen, daß auch Andere Eure Geschicklichkeit erfahren, die Ihr in meiner Gegenwart an den armen Möven erprobt habt." „Gott segne Sie, Mabel; aber es ist an dieser Gränzc eben so nnnöthig, meinem Schießen das Wort zu reden, als von dem Wasser des Sees oder der Sonne am Himmel zu sprechen. Jedermann weiß, was ich in dieser Beziehung leisten kann, nnd Ihre Worte wären eben so verloren, wie das Französische bei einem Amerikanischen Bären." 221 „Ihr denkt wohl, Jaspcr wisse, daß Ihr ihm den Bortkeil verschafft habt, welchen er ans eine so unschöne Weise benutzt hat?" sagte Mabel, indem die Farbe, welche ihren Augen so viel Glanz verliehen hatte, allmählig ihr Gesicht verließ, das nun den Ausdruck eines gedankenvollen Ernstes annahm. „Ich bin weit entfernt, das zu sagen. Wir Alle vergessen Dinge, die wir gewußt haben, wenn wir ans unsere Wünsche sehr erpicht sind, Jaspcr weiß Wohl, daß ich eine Kugel eben so gut durch zwei Kartoffeln schicken kann, als ich es eben bei diesen Möven gcthan habe, und er weiß, daß kein anderer Mann an der Gränzc dieses vermag. Aber mit dem Kalash vor seinen Angen, und der Hoffnung, ihn Ihnen zu geben, war der Junge vielleicht gerade in diesem Augenblicke geneigt, besser von sich selbst zu denken, als er hätte thun sollen. Nein, nein; es ist nichts Niedriges oder Verdächtiges an Jaspcr C'au-donee, denn cs ist eine natürliche Gabe aller jungen Leute, vor den Augen schöner, junger Frauen sich auszeichnen zu wollen." „Ich will versuchen. Alles zu vergessen, mit Ausnahme der Güte, welche Ihr Beide gegen ein armes, mutterloses Mädchen gezeigt habt," sagte Mabel, indem sic sich bemühte, Bewegungen zu unterdrücken, von denen sie kaum einen Grund anzngebcn wußte. „Glaubt mir, Pfadfinder, ich werde es nie vergessen, was Ihr schon Alles für mich gethan habt — Ihr und Jasper; und dieser neue Beweis Eurer Achtung soll nicht verloren sepn. Hier, hier ist eine silberne Busennadel, und ich biete sie Euch an als ein Wahrzeichen, daß ich Euch mein Leben oder meine Freiheit verdanke." „Was soll ich thnn mit diesem, Mabel?" fragte der Jäger verlegen, als er den einfachen Zierrath in seiner Hand hielt. „Ich habe weder Schnalle noch Knopf an mir, denn ich trage nichts als lederne Schnüre, und zwar ans guten Hirschhäutcn. Es fällt hübsch in's Auge, aber es ist weit schöner an der Stelle, von der es kam, als cs an mir seyn würde." 222 „Nein, macht sie in Ener Jagdhcmd; sie wird Euch gut stehen. Erinnert Euch, daß es ein Zeichen unserer Freundschaft ist, und ein Merkmal, daß ich Eurer und Eurer Dienste nie vergessen kann." Mabel grüßte dann lächelnd zum Abschied, und an dem Damme hinhüpfend, verlor sich ihre Gestalt bald hinter dem Walle des Forts. Zwölftes Kapitel. Siebst du bei dem bewährten Strome nicht Dort jene Masse an dem Damme dunkeln! Jndcß die Sterne mit erstorbnem Licht Kaum durch da? dumvfe Nebeldüster funkeln? Byron. Einige Stunden später stand Mabel in tiefe Gedanken versunken auf dem Bollwerke, von dem aus man den Fluß und den See übersehen konnte. Der Abend war ruhig und sanft, und es hatte sich die Frage aufgeworfen, ob die Mannschaft wegen der gänzlichen Windstille diese Nacht abfahren könne, oder nicht. Die Waffen und Mundvorräthe waren bereits eingeschifft nnd auch Mabels Effekten an Bord; aber die kleine Anzahl Leute, welche mitsegeln sollten, waren noch am Ufer, und es hatte nicht das Aussehen, als ob der Kutter sich auf den Weg machen werde. Da Jasper den Send aus der Bay stromaufwärts gewunden hatte, um nach Belieben die Mündung des Flusses passiren zu können, so blieb das Fahrzeug dort ruhig vor einem einzelnen Anker liegen, indeß die gezogene Mannschaft müßig am Ufer der Bay hin nnd her gieng, ohne zu wissen, ob es überhaupt zur Abfahrt kommen werde. Die Belustigungen des Morgens hatten eine Ruhe in der Garnison zurückgelaffen, welche mit der Schönheit des gegen- 223 wärtigeu Schauspiels im Einklänge war, nnd Mabel fühlte den Einfluß derselben ans ihre Gefühle, obgleich sie wahrscheinlich zu wenig gewöhnt war, über solche Empfindungen nachznsinnen, nm den Grnud derselben zn bemerken. Alles in der Nahe erschien lieblich und mild, während die feierliche Größe der schweigenden Wälder und die sanfte Fläche des Sees das Gepräge einer Erhabenheit trug, die man bei andern Seenen wohl vergebens gesucht haben würde. Das erstemal fühlte Mabel den Einfluß, welchen die Städte nnd die Civilisation auf ihre Gewohnheiten geübt hatten, merklich geschwächt, nnd ihr warmes Herz fing an zu glauben, daß ein Leben unter den sie nmgebeuden Verhältnissen wohl ein glückliches sepn könnte. Wie weit jedoch die Erfahrung der letzten zehn Tage dieser ruhigen und heiligen Abendstunde zu Hülfe kam nnd zur Bildung dieser jungen Neberzcugnng beitrug, das mag in diesem frühen Abschnitte unserer Erzählung eher ver- mnthct, als behauptet werden. „Ein herrlicher Sonnenuntergang, Mabel," sagte die kräftige Stimme ihres Onkels so dicht an ihrem Ohre, daß unsere Heldin davor zurückfuhr — „ein herrlicher Sonnenuntergang! Mädchen, was das Frischwafser betrifft, obgleich wir ans dem Meere mir wenig davon halten würden." „Ist nicht die Natur dieselbe, am Lande oder ans dem Meere, auf einem See, wie dieser, oder dem Oeean? Scheint die Sonne nicht überall gleich, lieber Onkel? und müssen wir nicht mit innigem Danke die Segnungen der Vorsehungen erkennen, an dieser entfernten Gränze so gut, als in nnscrm Manhattan?" „Das Mädchen ist über einige von ihrer Mutter Büchern gekommen — obgleich ich gedacht hätte, der Sergeant würde kaum einen zweiten Marsch mit solchem Plunder unter seiner Bagage machen. Ist nicht die Natur dieselbe — in der That! Wie, Mabel, bildest du dir etwa ein, daß die Natur eines Soldaten dieselbe scp, wie die eines Seemannes? Du hast Verwandte 224 in diesen beiden Geschäftszweigen, nnd nuißi mir antworten können." „Aber, Onkel, ich meine die menschliche Natur —" „Ja, gerade die mein' ich, Mädchen; die menschliche Nainr eines Seemannes und die menschliche Natur eiirps dieser Bursche dom Fünfnndfünfzigsten, selbst deinen eigenen Vater nicht ausgenommen. Da haben sie heute ein Wett-Ziel-Schcibcnschießcn, wie ich cs nennen möchte, gehalten, und was für ein ganz anderes Ding ist das gewesen als ein Scheibenfcner aus dem Meere. Da hätten wir unsere Breitseite springen und die Kugeln spielen lassen auf einen Gegenstand, eine halbe Meile in der größten Nähe entfernt. Und die Kartoffeln? — wenn etwa eine an Bord sich verirrt hätte, was aber wahrscheinlich nicht der Fall gewesen wäre, die wären Wohl in des Kochs Kupferkcsscl geblieben. Es mag ein chrcnwcrthcr Beruf sehn, der eines Soldaten, Mabel: aber ein erfahrner Kerl sicht diele Thorheiten und Schwächen in einem gewissen Fort. Was das Bischen Sec da anbelangt, so weißt du bereits, was ich davon denke, nnd ich will nichts verachten. Kein rechter Seefahrer verachtet etwas! aber ich will v — — sehn, wenn ich diesen Ontario da, wie sic ihn nennen, anders betrachte, als so viel Wasser in einer Schiffslnkcnrinne. Nun sieh einmal, Mabel, wenn du den Unterschied zwischen dem Ocean nnd einem Sec kennen lernen willst, so kann ich dir das ans einen einzigen Blick begreiflich machen. Dieß ist was man einen Kalm* nennen könnte, denn du siehst, daß kein Wind da ist, obgleich ich, die Wahrheit zu gestehen, nicht glaube, daß dieser Kalm so rnhig ist als die, welche wir draußen haben —" „Onkel, es geht ja kein Lüftchen. Die Blätter können unmöglich noch unbeweglicher sehn, als sie cs in diesem Augenblicke durch den ganzen Forst sind." „Blätter! was sind Blätter, Kind? Es gibt keine Blätter auf - Windstille. 225 dem Meere. Wem: du wissen willst, ob ein todter Kalm da ist oder nicht, so zünde ei» gegossenes Licht an — die gezogenen flackern zu viel — und dann kannst dn gewiß wissen, ob ein Wind da ist, oder keiner. Wenn du in einer Breite wärest, wo die Lust so still ist, daß es dir schwer würde, sic sogar durch Deine Athemzüge zu stören, so könntest dn dir einen Begriff von einem Kalm machen. In den Kalmbrciten können die Leute nur ganz kurz Athem holen. Nun, sieh einmal wieder ans dieses Wasser. Es ist wie Milch in der Pfanne, mit nicht mehr Bewegung, als in einem vollen Faß, ehe der Spund gesprungen ist. Ans dem Meere ist das Wasser nie still, mag die Luft so ruhig sepn, als sie will." „Das Wasser ans dem Meere ist nie still, Onkel Cap, nicht einmal bei einer Windstille?" „Gewiß nicht, mein Kind. Das Meer athmet wie ein lebendiges Wesen, und sein Busen hebt sich immer, wie die Versc- macher es nennen, wenn auch gleich nicht mehr Lust da ist, als man etwa in einem Heber finden kann. Niemand hat je das Meer so still wie diesen See gesehen; es hebt sich und setzt sich, als ob es Lungen hätte." „Aber auch dieser See ist nicht ganz ruhig, denn dort bemerkt Ihr den leichten Wellenschlag am Ufer, und zeilenweise könnt Ihr auch die Brandung hören, die sich an den Felsen bricht." „Alles v-e Dichterei. Dian kann, wenn man will, eben so gut eine Wasserblase einen Wellenschlag, und eine Deckenwäsche eine Brandung nennen. Nein, der Ontario-See ist gegen das Atlantische Meer nichts weiter, als was ein Fischerkahn gegen ei» Kriegsschiff ersten Ranges. Uebrigens der Jasper da, das ist ei» ordentlicher Bursche, und es fehlt ihm nichts, als Unterricht, nur einen Mann ans ihm zu machen." „Ihr haltet ihn für unwissend, Onkel," erwiedcrte Mabel, indem sie ihre Locken zurecht machte, wobei sie, sep es weil sie es mußte, oder weil sic es zu müssen glaubte, ihr Gesicht abwandte. Dir Pfadfinder. 3. Aufl. 15 226 „Mir scheint Jasper Eau-donec mehr zu wissen, als die meisten jungen Leute seiner Clafse. Er hat zwar wenig gelesen, denn Bücher sind nicht sehr hänfig in dieser Gegend der Welt; aber er hat, wenigstens scheint cs mir so, viel gedacht für einen so jungen Menschen." „Er ist unwissend, er ist unwissend, wie es nothwendig Alle sehn müssen, die ans einem solchen Binncnwasser segeln. Es ist zwar wahr, er kann einen stachen Knopf machen und einen Timmer- stich, aber er hat so wenig einen Begriff von dem Schancrmanns- Knvpf und dem Rahband-Knopf, als du von dem Verkatten eines Ankers. Doch, Mabel, wir Beide sind dem Jasper und dem Pfadfinder in etwas verpflichtet; und ich habe daran gedacht, wie ich ihnen am besten einen Dienst erweisen kann; denn ich halte die Undankbarkeit für das Laster eines Schweins. Einige Leute sagen, sic sey das Laster eines Königs, aber ich sage, es ist das eines Schweines; . denn bewirthe es mit deinem eigenen Mittagsmahl, so wird es dich zum Dessert verspeisen." „Sehr wahr, lieber Onkel! Wir müssen auch in der That thun, was wir können, um diesen beiden braven Männern für die geleisteten Dienste unseren Dank auszndrücken." „Gesprochen wie deiner Mutter Tochter, Mädchen, und auf eine Art» welche der Cap'schcn Familie Ehre macht. Nun, es ist mir da ein Gegendienst eingefallen, der alle Partien zufrieden stellen wird, und sobald wir von dieser kleinen Erpedition an dem See da drunten, wo die tausend Inseln sind, zurückkommcn und ich mich zu der Heimreise anschicke, so ist es meine Absicht, ihnen denselben vorznschlagen." „Liebster Onkel, das ist recht vernünftig und billig von Euch. Darf ich fragen, was Eure Absichten sind?" „Ich sehe keinen Grund, warum ich sie gegen dich geheim halten soll; nur ist es nicht gerade nöthig, daß du deinem Vater etwas davon sagst, denn der Sergeant hat seine Bornrtheile, nnd könnte Schwierigkeiten in den Weg legen. Weder ans Jaspern 227 noch aus seinem Freund Pfadfinder kann hier herum etwas werden, und ich will ihnen daher den Vorschlag machen, fle mit mir an die Küste und an Bord zu nehmen. Jasper würde sich in vierzehn Tagen in die Oceansschuhc finden, und eine Reise von zwölf Monaten würde einen ganzen Mann aus ihm machen. Der Pfadfinder würde freilich mehr Zeit brauchen, oder vielleicht nie ganz tauglich werden; doch könnte man auch etwas ans ihm machen, einen Aus- luger etwa, weil er so ungewöhnlich gute Augen hat." „Onkel, glaubt Ihr wohl, daß sie mit Euch gleiche Ansichten haben werden?" sagte das Mädchen lächelnd. „Müßte ich sie nicht für Tröpfe halten? Welches vernünftige Wesen wird sein Wciterkommen vernachlässigen? Wenn Jasper diesen Weg verfolgt, so kann er noch als der Herr irgend eines Schiffes mit langen Rahen absterben." „Und würde er darum glücklicher seyn, lieber Onkel? Um wie viel ist denn der Herr eines Schiffes mit langen Rahen besser, als der eines Fahrzeuges mit kurzen?" „Pah, pah! Magnet; du bist gerade geeignet, vor irgend einer hysterischen Gesellschaft Vorlesungen über Schiffe zu halten, denn du weißt nicht einmal, von was du sprichst. Ueberlaß diese Dinge mir, und sie werden besser ausfallen. Ah! da ist der Pfadfinder selbst. Ich möchte ihm wohl so einen kleinen Wink über meine wohlwollenden Gesinnungen gegen ihn hinwcrfen. Hoffnung ist ein mächtiger Hebel für unsere Thätigkeit." Cap nickte mit dem Kopf und beendigte seine Rede, als dec Jäger näher kam. Dieses geschah jedoch nicht mit seiner gewöhnlichen, freien, leichten Manier, sondern mehr in einer Weise, welche andeutetc, daß er etwas verwirrt, wo nicht mißtrauisch wegen der Art seines Empfanges war. „Onkel und Nichte bilden eine Familienpartie," sagte der Pfadfinder, als er Beiden nähe stand, „und ein Fremder möchte wohl nicht der willkommenste Gesellschafter seyn." 228 „Ihr seyd kein Fremder, Meister Pfadfinder," erwiederte Cap, „und Niemand kann willkommener seyn, als Ihr. Wir sprachen diesen Augenblick von Euch, und wenn Freunde von einem Abwesenden sprachen, so kann er den Inhalt ihrer Worte crrathen." „Ich frage nicht nach Geheimnissen, nein. Jeder Mensch hat seine Feinde, und ich habe die meinigen, obgleich ich weder Euch, Meister Cap, noch die liebliche Mabel hier unter ihre Zahl rechne. Was die Mingos anbelangt, so will ich davon schweigen, obschon sie keine gerechte Ursache haben, mich zu Haffen." „Dafür will ich einstehen, Pfadfinder, denn ich betrachte Euch für ein gutgesinntes und aufrichtiges Wesen. Doch gibt cs eine Methode, wie Ihr der Feindschaft gerade dieser Mingos entgehen könnt; und wenn Ihr Euch entschließen könntet, sie zu ergreifen,, so würde Niemand geneigter seyn, sie Euch mitzntheilen, als ich, ohne daß mein Rath gerade maßgebend seyn soll." „Ich wünsche keine Feinde, Salzwaffer," — denn so fing Pfadfinder an, Cap zu nennen, indem er unwillkührlich den Namen, welcher Letzterem von de» Indianern in und außer dem Fort gegeben wurde, adoptirt hatte; — „ich wünsche keine Feinde, und wäre bereit, die Art sowohl mit den Mingos als mit den Franzosen zu vergraben; aber Ihr wißt wohl, daß cs von einem größer», als wir sind, abhängt, die Herzen so zu lenken, daß ein Mensch ohne Feinde bleibt." „Menn Ihr Euer» Anker lichtet, und mich an die Küsten hinab begleitet, Freund Pfadfinder, so bald wir von dem kurzen Kreuzzng, zu dem wir uns anheischig gemacht haben, zurückkehren, so werdet Ihr Euch außer dem Bereich des Kriegsgeschreies und sicher genug vor einer indianischen Kugel befinden." „Und was sollte ich an dem Salzwasser thun? Jagen in Euren Städten? Die Fährten der Leute, welche ans den Markt und wieder zurückgehen, verfolgen, und gegen""Hunde und Hühner in den Hinterhalt liegen? Ihr seyd kein Freund meines Glückes, 229 Meister Cap, wenn Ihr mich dem Schatten der Wälder entführen und in die Sonne des gelichteten Landes setze» wollt." „Mein Vorschlag geht nicht dahin, Euch in den Ansiedelungen zu lassen, sondern Euch aufs Meer hinausznführen, wo man allein sagen kann, daß man frei Athen: schöpfe. Mabcl kann mir's bezeugen, daß das meine Absicht war, ehe ich Euch noch ein Wort über diesen Gegenstand mittheilte." „Und was denkt Mabel wohl, daß bei einem solchen Tausch herauskomme? Sie weiß, daß der Mensch seine Gaben hat, und daß es eben so nutzlos ist, denen eines andern nachzustrebcn, als denen, welche von der Vorsehung kommen, zu widerstehen. Ich bin ein Jäger und Kundschafter, oder ein Wegweiser, Salzwaffcr, und es liegt nicht in mir, dem Himmel Trotz zu bieten und etwas anderes werden zu wollen. Habe ich recht, Mabel, oder sind Sie so sehr Weib, daß Sie eine Natur verändert sehen möchten?" „Ich möchte keinen Wechsel in Euch sehen, Pfadsinder," er- wiedcrte Mabcl mit einer herzlichen Aufrichtigkeit und Freimüthig- keit, welche des Jägers Herz traf; „und so sehr mein Onkel das Meer bewundert, und so groß auch das Gute sepn mag, das wir nach seiner Meinung demselben verdanken, so wünschte ich doch den besten und edelsten Jäger der Wälder nicht einmal in einen Admiral verwandelt zu sehen. Bleibet, was Ihr sepd, mein wackerer Freund, und Ihr braucht nichts zu fürchten, als den Zorn Gottes." „Hört Jhr's, Salzwasscr? Hört Ihr, was des Sergeanten Tochter sagt, und sie ist viel zu aufrichtig, zu edelsinnig und an- muthig, um anders zu denken, als sie spricht. So lange sie mit mir zufrieden ist, wie ich bin, werde ich gewiß nicht den Gaben der Vorsehung Trotz bieten, und etwas anderes zu werden streben. Ich mag in der Garnison unnütz scheinen; aber wenn wir nach den Tausend-Inseln hinunter kommen, so gibt es vielleicht Gelegenheit, zu beweisen, daß eine sichere Büchse bisweilen eine wahre Gottesschickung ist." 230 „So schd Ihr also auch von unserer Partie/' sagte Mabel, indem sie dem Wegweiser so srcimüthtg und süß zulächclte, daß er ihr bis ans Ende der Erde gefolgt wäre. „Ich werde, mit Ausnahme einer Soldatenfrau, das einzige Frauenzimmer sehn, und mich um so sicherer fühlen, Pfadsinder, da Ihr unter unfern Beschützern sehn werdet." „Sie würden unter des Sergeanten Schutz sicher genug sehn, auch wenn Sic nicht seine Verwandte wären. Alles wird auf Sie Bedacht nehmen. Ich denke, auch Ihr Onkel hier wird an einer derartigen Erpedition Vergnügen finden, wenn es an ein Segeln geht, und sich ein Blick auf das Binnenmeer werfen läßt?" „Euer Binnenmeer ist von keinem Belang, Meister Pfadfinder, und ich erwarte nichts von ihm. Doch gebe ich zu, daß cs mir angenehm sehn würde, den Zweck dieses Krcuzzngcs kennen zu lernen. Man will nicht gerade müßig sehn, und mein Schwager, der Sergeant, ist so verschlossen wie ein Freimaurer. Weißt dn, Mabel, was alles dieses bedeutet?" „Nicht im mindesten, Onkel. Ich darf meinen Vater um nichts fragen, was mit seinem Dienst in Verbindung steht, da er diesen für kein Geschäft der Weiber betrachtet. Alles, was ich sagen kann, ist, daß wir absegeln werden, sobald es der Wind gestattet, und daß wir einen Monat ausblciben sollen." „Vielleicht kann uns Meister Pfadfinder einen nützlichen Wink geben, denn eine Reise ohne Zweck ist nie besonders bclnstigend für einen alten Seemann." „Es ist kein großes Geheimniß, Salzwasser, was unser» Hafen und unfern Zweck anbclangt, obgleich es verboten ist, in der Garnison viel davon zu reden. Doch ich bin kein Soldat, und kann meine Zunge nach Gefallen brauchen, obgleich ich sie, wie ich hoffe, so wenig als ein anderer zu einem citeln Geschwätz benütze. Da wir aber so bald abscg.'ln, und wir Beide von der Partie sehn werden, so kann ich wohl sagen, wo es hingcht. Ich setze voraus. 231 daß Ihr wißt, es gebe solche Dinger, wie die Tausend-Inseln, Meister Cap?" „Ja, was man hier herum so nennt, obgleich ich es sür ausgemacht halte, daß es keine wirklichen Inseln, nämlich solche, wie wir sie auf dem Meere treffen, sind; und daß man unter den Tausenden etwa zwei oder drei versteht, wie das auch bei den Getödteten und Verwundeten nach einer großen Schlacht zu geschehen psiegt." „Meine Augen sind gut, und doch haben sie mir oft versagt, wenn ich es versuchte, diese wirklichen Inseln zu zählen." „Ja, ja, ich habe Leute gekannt, die nicht über eine gewisse Zahl zählen konnten. So ein rechter Landvogel kennt nicht einmal sein eigenes Nest, wenn er es von der See ans anthun muß, und das sollte doch wohl ein jeder kennen. Wie vielmal habe ich die Küste, und Häuser und Kirchen gesehen, wo die Passagiere noch lange nichts anderes als Wasser erblickten. Ich kann mir gar keine Idee davon machen, wie man auf dein frischen Wasser nur überhaupt das Land aus dem Gesicht kriegen kann. Die Sache scheint mir ganz unvernünftig, ganz unmöglich." „Ihr kennt die Seen nicht, Meister Cap, sonst würdet Ihr das nicht sagen. Ehe wir noch zu den Tausend-Inseln kommen, werdet Ihr andere Begriffe von dem erhalten, was die Natur in dieser Wildniß gethan hat." „Ich habe meine Zweifel, ob Ihr so ein Ding, wie eine wirkliche Insel, in dieser ganzen Gegend habt. Nach meinen Begriffen kann das frische Wasser gar keine ächte und gerechte Insel machen — nicht das, was ich eine Insel nenne." „Wir können Euch Hunderte davon zeigen. Wenn cs auch nicht gerade Tausend sind, so sind es doch so viele, daß das Auge nicht alle sehen, und die Zunge nicht alle zählen kann." „Und was für eine Art von Dingern mag das sehn?" „Land, welches rund umher mit Wasser umgeben ist." „Gut; aber was für eine Art Land, und was für eine Art 232 Wasser? Ich wette, daß sie, wenn man die Wahrheit wüßte, zw nichts als Halbinseln, oder Vorgebirgen, oder Theilen des Festlandes würden, obgleich das, wie ich wohl sagen darf, Sachen sind, von denen ihr wenig oder nichts versteht. — Aber Inseln, oder nicht Inseln, was ist der Zweck des Krenzzugs, Pfadfinder?" „Nun, da Ihr des Sergeanten Schwager seyd und die artige Mabel hier seine Tochter ist, überhaupt auch wir alle von der Partie seyn werden, so kann es nichts schaden, wenn ich Euch ein Bischen einen Begriff von dem beibringe, was wir Vorhaben. Da Ihr ein alter Seemann scyd, Meister Cap, so habt Ihr ohne Zweifel von so einem Hafen wie Frontcnac gehört?" „Wer sollte nicht? Ich will nicht gerade sagen, daß ich in dem Hafen selbst, aber doch oft auf der Hohe dieses Platzes gewesen bin." „So steht es Euch bevor, einen bekannten Boden zu betreten, obgleich ich nicht verstehe, wie Ihr vom Ocean ans dahin kommen konntet. Diese großen Seen bilden, wie Ihr wissen müßt, eine Kette, und das Wasser fließt ans dem einen in den andern, bis es den Erie-See erreicht, der von hier aus gegen Westen liegt, und eben sogroß ist, als der Ontario selbst. Aus dem Erie-See kommt mm das Wasser, bis es so eine Art niederen Bergrand erreicht, über den es wcggeht —" „Ich möchte doch wissen, wie zum Teufel, das geschehen kann?" „Leicht genug, Meister Cap," erwiederte Pfadfinder lachend, „denn es darf nur über den Hügel hinunterfallen. Hätt ich gesagt, daß es das Gebirg hinan gehe, so wäre das gegen die Natur gewesen; aber wir halten es für nichts Besonderes, daß das Wasser einen Berg hinunter stürzt — ich meine nämlich das frische Wasser." „Ja, ja; aber Ihr sprecht von Wasser, das von einem See an der Seite des Gebirgs herabkommt. Das heißt ja geradezu, der Vernunft gegen den Stachel lecken, wenn anders die Vernunft einen Stachel hat." „Nun, nun, wir wollen über diesen Punkt nicht streiten; aber 233 was ich gesehen habe, habe ich gesehen. Ob die Vernunft einen Stachel hat, kann ich nicht sagen, aber das Gewissen hat einen, und dazu einen scharfen. Wenn das Wasser aller dieser Seen in den Ontario gelangt ist, so fließt es durch einen Fluß nach dem Meere ab, und in der Enge, wo die Waffermasse weder als Fluß, noch als See betrachtet werden kann, liegen die besprochenen Inseln. Frontenac ist ein über diesen Inseln gelegener Posten der Franzosen. Letztere haben weiter unten eine Garnison, und so können sic ihre Mund- und Waffenvorräthc flußaufwärts nach Frontenac bringen, und dieselben längs der Ufer dieses und der andern Seen weiter schaffen, um den Feind in Stand zu setzen, seine Teufeleien unter den Wilrcn zu spielen, und christliche Kopfhänte zu gewinnen." „Und wird nnsere Gegenwart einem solch schrecklichen Treiben Vorbeugen können?" fragte Mabel mit Theilnahme. „Vielleicht, vielleicht auch nicht, wie es die Vorsehung will. Lnndie, wie man ihn nennt, der diese Garnison commandirt, sandte Mannschaft aus, um auf einer dieser Inseln Posto zu fassen und einige der französischen Boote abznschneiden. Unsere Expedition, ist nun die zweite Ablösung. Sie haben bis jetzt noch wenig gcthan, obgleich sie zwei mit indianischen Gütern beladene Kähne genommen haben. Aber in der letzten Woche kam ein Bote, und brachte solche Zeitungen, daß der Major jetzt damit umgeht, die letzte Anstrengung zu machen, die Schurken zu überlisten. Jasper kennt den Weg, nnd wir werden in guten Händen seyn, denn der Sergeant ist klug, zumalen in einem Hinterhalt; ja, er ist beides, klug und rasch." „Ist das Alles?" sagte Cap verächtlich. „Ans den Vorbereitungen nnd Znrüstungen dachte ich mir,-wir hätten auch ein rechtes Stuck Arbeit im Wind, und es sey ein ehrlicher Pfennig bei diesem Abenteuer zu gewinnen. Wahrscheinlich theilt man sich nicht in Eure Frischwasscrprisengelder?" „Wie?" 234 „Ich nehme es für ausgemacht an, daß alles, was dnrch diese Soldatcnpartien und Hinterhalte, wie Jhrs nennt, gewonnen wird, dem König zufällt?" „Davon weiß ich nichts, Meister Cap. Ich nehme mir meinen Antheil Pulver und Btei weg, wenn uns etwas in die Hände fällt, und sage dem König nichts davon. Andere mögen wohl besser dabei wegkommcn, obgleich es nun auch für mich Zeit wird, an ein Haus, eine Einrichtung und eine Heimath zu denken." Pfadfinder wagte cs nicht, als er diese Anspielung auf eine Veränderung in seinem Leben machte, Mabel anzusehen, und doch hätte er eine Welt darum geben mögen, zu wisse», ob sie ihn gehört, und wie dabei der Ausdruck ihres Gesichts gewesen. Aber Mabel ahncte die Natur dieser Anspielungen wenig, und mit völlig unbefangenem Gesichte richtete sie ihre Augen auf den Fluß, wo eine Bewegung am Borde des Send sichtbar zu werden begann. „Jasper bringt den Kutter hinaus," bemerkte der Wegweiser, dessen Blick durch den Fall irgend eines schweren Körpers auf dem Verdecke nach derselben Richtung geleitet wurde. „Der Junge sieht ohne Zweifel Zeichen von Wind und wünscht bereit zu seyn." „Nun, da werden wir wohl Gelegenheit haben, etwas von der Scefahrerkunst zu lernen," erwiederte Cap mit einem höhnischen Blick. Es liegt etwas Subtiles darin, wie man ein Fahrzeug unter Segel bringt, und man kann daran einen befahrenen Seemann so gut, als an etwas anderem erkennen, 's ist dabei wie mit dem Zuknöpfen eines Soldatenrocks, ob einer damit oben oder unten anfängt." „Ich will nicht sagen, daß man Jaspern mit den Matrosen da unten vergleichen kann," bemerkte Pfadfinder, dessen aufrichtiger Seele das unwürdige Gefühl des Neides oder der Eifersucht fremd war; „aber er ist ein kühner Bursche, und handhabt seinen Kutter so geschickt, als man es nur immer verlangen kann,— auf diesem See wenigstens. Ihr habt gesehen, daß er an den Oswego-Fällen 235 sich nicht ungeschickt benahm, wo das frische Wasser ohne besondere Schwierigkeit über den Berg hinunter stürzt." Cap antwortete nur mit einem Ausruf der Unzufriedenheit; dann folgte allgemeines Schweigen. Alle auf der Battet betrachteten die Bewegungen des Kutters mit einer Theilnahmc, welche um der Beziehung willen, in welche sie selbst zu diesem Fahrzeug treten sollten, natürlich war. Noch war eine todte Windstille, und die Oberfläche des Sees erglänzte im eigentlichsten Sinne von den letzten Strahlen der Sonne. Der Send war auf einen Kat-Anker gewarpt worden, welcher etwa hundert Ellen über den Punktender Flußmündung lag, an denen der Strom den Hafen des Oswego bildete und hinreichenden Raum für die Handhabung des Fahrzeugs bot. Aber die völlige Windstille verhinderte einen solchen Versuch, und cs wurde bald klar, daß das leichte Schiff nur mittelst der Ruder durch die Passage gebracht werden könne. Es wurde kein Segel los gemacht, aber sobald der Anker aus dem Grund gehoben war, ließ sich der schwere Fall der Ruder vernehmen und der Kutter begann mit stromaufwärts gerichteter Spitze gegen die Mitte der Strömung zu fahren. Als er diese erreicht hatte, ließ die Thätig- kcit der Mannschaft nach, und er trieb gegen den Ausfluß hin. In dem engen Paffe selbst beschleunigte sich seine Bewegung, und in weniger als fünf Minuten schwamm der Scud außerhalb der beiden niedern Kieseinschnitte, an denen sich die Wellen des Sees brachen. Da man keinen Anker, -auswarf, so fuhr das Fahrzeug fort, sich von dem Lande zu entfernen, bis sein dunkler Rumpf auf der glatten Fläche des Sees, eine volle Viertclmeile jenseits des niedrigen Vorsprungs still hielt, welcher die. östliche Begrenzung des Raumes bildete, den mau den äußern Hafen oder den Ankerplatz hätte nennen können. Hier ließ der Einfluß der Strömung nach und das Fahrzeug kam zur Ruhe. „Das Schiff kommt mir sehr schön vor, Onkel," sagte Mabel, deren Blick sich während dieser Positionsveränderung keinen Augenblick von dem Kttttcr abgewendct hatte. „Ihr mögt vielleicht Fehler tn seinem Aussehen und der Art seiner Führung entdecken; aber in meinen nnwijscndcn Augen sind beide gleich vollkommen." „Ja, ja, es schwimmt mit der Strömung gut genug, Mädchen, und das würde ein Zimmerspan thnn. Wenn man aber ans die Feinheiten eingeht, so braucht ein alter Thccr keine Brille, um Fehler daran zu finden." „Aber, Meister Cap," warf der Wegweiser ein, welcher selten ein Vornrthcil über Jasper aussprechcn ließ, ohne sich zum Widerspruch geneigt zn zeigen, „ich habe gehört, wie alte und erfahrene Salzwasscrschisser zugestanden, daß der Send ein so artiges Fahrzeug sey, als nur eines ans dem Wasser schwimme. Ich verstehe mich nicht auf solche Dinge; man kann aber doch seine Begriffe von einem Schiff haben, wenn sie auch nicht ganz vollständig sind, und cs würde mehr als Eures Zeugnisses bedürfen, mich zu überreden, daß Jasper sein Boot nicht in guter Ordnung halte." „Ich sage nicht, Meister Pfadfinder, daß der Kutter gar nichts tauge; aber er hat seine Fehler, und große Fehler." „lind was sind das' für, Onkel? Wenn Jasper sie kennen würde, so würde er sie mit Vergnügen verbessern." „Was es für sind? Ei, es sind ihrer mehr als fünfzig; hundert sogar; sehr wesentliche und in die Augen fallende Fehler." „So nennt sie uns, Herr, und Pfadfinder wird ihrer gegen seinen Freund erwähnen." „Sie nennen? Es ist keine leichte Sache, die Sterne mit Namen zu nennen, aus dem einfachen Grunde, weil sie so zahlreich sind. Sie nennen! in der That. — Ei meine artige Nichte, Miß Magnet, was hältst du von diesem Hauptmast da? Meinen unwissenden Augen erscheint er um wenigstens einen Fuß zn hoch getopt, und dann ist der Wimpel falsch und — und —- ja, ich will v — sevn, wenn da nicht eine Topsegelseisung losgetriebcn ist — und, es würde mich nicht einmal besonders überraschen, wenn dieses dicke Troß einen runde» Schlag machen würde, ließe man in diesem Augenblick den Anker los. Fehler? — in der Thal! kein Seemann kann's nur einen Augenblick ansehen, ohne daß er fände, es scy so voller Fehler, wie ein Bedienter, der schon seinen Abschied in der Tasche hat." „Das mag sehr wahr seyn, Onkel, obgleich es eine große Frage ist, ob Jasper davon weiß. Ich glaube nicht, Pfadfinder, daß er solche Ucbclständc dulden würde, wenn man sie ihm einmal zeigte." „Lassen Sie Jasper nur selber für seinen Kutter sorgen, Mabel. Seine Gabe liegt auf diesem Wege, und ich stehe dafür, daß niemand ihn lehren kann, wie er ihn den Händen der Frontenaker und ihrer teuflischen Freunde, der Mingos, zu entziehen hat. Wer kümmert sich um einen runden Schlag des Ankers, und um Trosse, die zu hoch getopt sind, Meister Cap, so lang das Fahrzeug gut segelt, und sich klar gegen die Franzosen hält? Ich verlasse mich, trotz aller Seefahrer an den Küsten, hier oben an den Seen auf Jasper, obgleich ich damit nicht sagen will, daß seine Gaben auch für das Meer passen, da er sich auf diesem noch nie versucht hat." Cap lächelte herablassend, hielt cs aber nicht für nöthig, im Augenblicke seine Kritteleien noch weiter fvrtzuführen. Sein Aussehen und Benehmen wurde jedoch allmählig übermüthiger und hochfahrender, obgleich er bei der Behandlung von Streitpunkten, mit denen eine der Partien gänzlich unbekannt war, als ganz gleichgültig zu erscheinen wünschte. Inzwischen hatte der Kutter angefangen, in den Strömungen des Sees hin und her zu treiben, und seine Spitze wendete sich, obgleich nur langsam, und nicht in einer Weise, die besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte, nach allen Richtungen. Auf einmal aber wurde der Klüver lvsgemacht und aufgehißt, und das Segel blähte sich gegen das Land zu, obschon auf der Oberfläche des Wassers noch keine Spuren des Windes zu entdecken waren. So gering übrigens dieser Einfluß war, so gab ihm doch der leichte Rumpf nach, und eine Minute später sah man 238 den Send sich quer in der Strömung des Flusses halten, mit einer so leichten und gemäßigten Bewegung, daß man sie kaum bemerken konnte. Als er durch diese gesetzt hatte, stieß er ans einen Wirbel und schoß gegen das Land, gerade auf die Anhöhe zu, wo das Fort stand. Hier ließ Jasper den Anker fallen. „Nicht tölpclig gethan," brummte Cap in einer Art von » Selbstgespräch, „nicht besonders tölpelig, obgleich er sein Steuer an den Steuerbord, statt an den Backbord hätte setzen sollen, denn ein Fahrzeug muß immer den Stern gegen das klfer kehren, sey es nun eine Meile Pom Lande oder eine Kabelslänge. Es gewinnt .dadurch ein achtsameres Aussehen, und das Aussehen gilt etwas auf dieser Welt." „Jasper ist ein gewandter Bursche," bemerkte plötzlich Sergeant Dunham, hart an seines Schwagers Seite, „und wir können uns bei unser» Ausflügen auf seine Geschicklichkeit verlassen. Aber kommt, sammt und sonders, wir haben nur noch eine halbe Stunde Tag, um unsre Sachen zu besorgen, und die Kähne werden so schnell für uns bereit sepn, als wir es für ste sind." Auf diese Mittheilung trennte sich die ganze Gesellschaft, und jedes suchte noch die Kleinigkeiten zusammenzuraffen, welche es nicht bereits eingeschifft hatte. Einige Trommelschläge gaben den Soldaten das nothige Signal, und in wenigen Minuten war Alles in Bewegung. 239 Dreizehntes Kapitel. « , Der Kobold macht den Thoren warm. Und Unheil braut der Heren Schwarm; Den Esel drückt des Alpes Nitt, Und durch die Flur streift Elfentritt. Cotton. Die Einschiffung des kleinen Häufleins ging schnell und ohne Verwirrung von Statten. Die ganze unter dem Besehl des Sergeanten Dunhain stehende Macht bestand nur aus zehn Gemeinen nnd zwei Unteroffizieren. Es war zwar bald bekannt, daß Herr Muir an der Expedition Antheil nehmen werde; doch wollte der Quartiermcister nür als Freiwilliger mitgehen und sich dabei, wie er es mit dem Kommandanten abgemacht hatte, des Vorwandes, einiger Geschäfte, die in sein eigenes Departement gehörten, bedienen. Hiezu kamen noch der Pfadfinder und Cap mit Jasper nnd seinen Untergebenen, von denen, einer ein Knabe war. Der männliche Theil der Gesellschaft bestand also aus nicht ganz zwanzig Personen und einem vierzehnjährigen Jungen, indeß das weibliche Geschlecht durch Mabel und die Frau eines Gemeinen repräscntirt wurde. Sergeant Dunham führte sein Commando in einem großen Kahne über, und kehrte dann zurück, um die Schlußbefehle einzuholen und nachzusehen, ob für seinen Schwager nnd seine Tochter Sorge getragen werde. Nachdem er Cap das Boot gezeigt hatte, dessen er und Mabel sich bedienen sollte, ging er in das Fort zurück, um seine letzte Zusammenkunft mit Lundie zu halten. Der Major befand sich auf dem mehrerwähnten Bollwerk; doch wollen wir ihn nnd den Sergeanten eine Weile allein bei einander lassen, und an das Gestade zurückkehren. Es war schon ziemlich dunkel, als Mabel das Boot bestieg, welches sie zu dem Kntter führen sollte. Die Oberfläche des Sees i s 240 war so glatt, daß es nicht nöthig wurde, die Kähne in den Flnß zu bringen, um ihre Fracht anfzunchmen, denn da das äußere Ufer ganz ohne Brandung und das Wasser so nzhig wie in einem Teich war, so konnte die Einschiffung hier geschehen. Man bemerkte, wie Cap gesagt hatte, auf dem See nichts von dem Heben und Sinken, dem Arbeiten der weiten Lungen und der Respiration eines Meeres; denn der Umfang des Ontario gestattet es nicht, daß an einer Stelle Stürme toben, während an einer andern Windstille herrscht, wie dieses auf dem atlantischen Occan der Fall ist. Es gehört auch zu den gewöhnlichen Bemerkungen der Seeleute, daß das Wasser auf allen den großen Seen des Westen schneller hochgeht und sich früher wieder legt, als auf den verschiedenen Meeren, die sie kennen. Als daher Mabel das Land verließ, hätte sic aus keiner Bewegung des Wassers, die unter solchen Umständen so gewöhnlich ist, die Größe der Masse desselben erkennen können. Mit einem Dutzend Ruderschlägcn lag das Boot an der Seite des Kutters. Jasper hielt sich bereit, seine Passagiere zu empfangen, und da das Verdeck des Send nur zwei oder drei Fuß über dem Wasser ging, so war es nicht schwierig, an Bord zu gelangen. Sobald dieß, geschehen war, zeigte der junge Mann Mabel und ihrer Gefährtin die Bequemlichkeiten, die er für ihren Empfang vorbereitet hatte, von denen sie auch ohne weiteres Besitz nahmen. Das kleine Fahrzeug hatte in seinem untern Räume vier Kabinette, da alles zwischen den Decken ausdrücklich zum Zweck des Transports von Offizieren und Mannschaft, mit ihren Weibern und.Familien eingerichtet war. Das erste im Range war die sogenannte Nebenkajüte, ein kleines Stübchen, das vier Lagerstellen enthielt, und den Vortheil hatte, daß durch kleine Fenster Licht und Luft eindringen konnte. Dieses wurde gewöhnlich für die Frauen, welche sich am Bord befanden, bestimmt, und da Mabel und ihre Gefährtin allein waren, so gebrach eS ihnen nicht an Raum und Bequemlichkeit. Die Hauptkajüte war größer, und erhielt ihr Licht von oben. Sie 241 diente znm Gebrauche des Qnartiermeisters, des Sergeanten, Caps und Jaspers, da der Pfadfinder mit Ausnahme des Frauencabinets, sich überall herum aufhiclt. Die Korporale und Gemeinen hatten ihren Platz unter der großen Lucke, welche zu diesem Zweck mit einem Deck versehen war, während die Ruderer wie gewöhnlich im Bor- derkastell ihr Lager aufschlugeu. Obgleich der Knttcr nicht ganz fünfzig Tonnen führte, so war doch die Befrachtung durch die Offiziere und Mannschaft so gering, daß für alle, die an Bord waren, ein weiter Raum blieb, der im Nothfallc die dreifache Anzahl zu bergen im Stande gewesen wäre. So bald Mabel von ihrem in der That recht anständigen und bequemen Kabinet Besitz genommen hatte, wobei sie sich nicht enthalten konnte, der angenehmen Betrachtung Raum zu geben, daß sie hiebei Manches Jaspers Gunst zu verdanken habe — ging sie wieder auf das Verdeck zurück. Hier war alles in augenblicklicher Bewegung. Die Soldaten liefen hin und her, um nach ihren Tornistern und andern Effekten zu sehen; doch stellte Methode und Gewohnheit die Ordnung bald wieder her, und es erfolgte nun am Bord eine tiefe Stille, welche mit dem Gedanken an das künftige Abenteuer und an die verhängnißvolle Vorbereitung in Verbindung stand. Die Finsterniß fing nun an, die Gegenstände am Ufer undeutlich zu machen. Das ganze Land bildete einen gestaltlosen schwarzen Umriß an den Spitzen des Waldes und war blos von dem darüber hängenden Himmel durch das höhere Licht dieses Gewölbes zu unterscheiden. Bald begannen auch an dem letzteren die Sterne nach und nach mit ihrem gewöhnlichen, milden, angenehmen Lichte zu schimmern und brachten das Gefühl der Ruhe mit sich, welches gewöhnlich die Nacht begleitet. Es lag etwas Besänftigendes so, wohl, als etwas Aufregendes in dieser Scene, und Mabel, welche auf der Schanze saß, fühlte sich lebhaft von diesen beiden Einflüssen ergriffen. Der Pfadfinder stand in ihrer Nähe, wie gewöhnlich an Der Pfadfinder. 3. Aufl. 16 242 seine lange Büchse gelehnt, und es kam ihr selbst trotz der zunehmenden Dunkelheit der Stunde vor, als ob sie schärfere Linien des Nachdenkens als gewöhnlich in seinen rauhen Zügen entdecke. „Eine solche Fahrt kann Euch nichts Neues sehn, Pfadfinder;" sagte sic, „und es überrascht mich daher, die Leute so still und in Gedanken vertieft zu sehen." „Wir lernen dicß ans dem Krieg gegen die Indianer. Die Milizen sa vatzen viel und handeln im Allgemeinen wenig; aber die Soldaten, welche oft mit den Mingos Zusammentreffen, lernen den Werth einer klugen Zunge schätzen. Eine schweigende Armee ist in den Wäldern doppelt stark, und eine lärmende doppelt schwach. Wenn Zungen Soldaten machten, so würden auf dem Schlachtfeld gewöhnlich die Weiber die Herren des Tages sehn." „Aber wir sind weder eine Armee, noch in den Wäldern! Man hat sich doch in dem Send nicht vor den Mingos zu fürchten?" „Fragen Sie Jasper, wie er Herr dieses Kutters geworden ist, und Sie werden sich dicß selbst beantworten können. Niemand ist vor eiinni Mingo sicher, wenn er nicht dessen eigentliche Natur kennt, und gerade dann muß er sorgfältig seiner Kcnntniß gemäß handeln. Fragen Sie nur den Jasper, wie er zu dem Commando diescrs Kutters gekommen ist." O „Und wie kam er dazu?" fragte Mabel mit einem Ernst und einer Dheilnahme, welche einen angenehmen Einfluß auf ihren einfachen und; treuherzigen Gefährten übten, der nie vergnügter war, als wenn er Gelegenheit hatte, zu Gunsten eines Freundes etwas zu sagen. „Es; ist ehrenvoll für ihn, daß er bei seiner Jugend diese Stellung erreicht hat." „Es ist so; aber er hat sic verdient, und wohl noch mehr. Eine Fregatte wäre nicht zu viel gewesen, um seinen Geist und seine Besonnenheit zubelohnen/ wenn es so ein Ding ans dem Ontario gäbe, was aber nicht der Fall ist, und auch wahrscheinlich nie der Fall sehn wird." i>l 243 „Aber Jasper, — Ihr habt mir noch nicht erzählt, wie er zu dem Commando dieses Schooncrs gekommen ist." „Es ist eine lange Geschichte, Mabel, die Ihnen Ihr Vater, der Sergeant, bester sagen kann, als ich; denn er war dabei, und ich auf Kundschaft abwesend. Ich muß zugeben, daß Jasper kein guter Erzähler ist, und ich habe ihn, wenn er um diese Sache befragt wurde, immer nur eine schlechte Erzählung geben hören, obschon jedermann weiß, daß cs eine gute Sache war. Nein, nein, Jasper erzählt nicht gut; das müssen seine besten Freunde zuge- stchen. Der Send war nahe daran, in die Hände der Franzosen und der Mingos zu fallen, als Jasper ihn auf eine Weise rettete, die nur ein schnell besonnener Geist unv ein kühnes Herz versuchen konnte. Der Sergeant kann Ihnen die Geschichte besser mittheilen, als ich, und ich wünsche, daß Sie ihn einmal fragen mochten, wenn es gerade nichts Besseres zu thnn gibt. Was den Jasper anbelangt, so wird es nichts nützen, den Jungen damit zu Plagen, denn er wird die Sache ganz vcrstümpern, weil er durchaus keine Geschichte zu geben weiß." Mabel entschloß sich, ihren Vater um die Mittheilung der Einzelheiten dieses Ereignisses noch in dcrselbigen Nacht anzugehcn denn für ihre jugendliche Phantasie konnte es wohl nichts Besseres zu thnn geben, als auf das Lob eines Mannes zu hören, der nur ein schlechter Erzähler seiner eigenen Thatcn war. „Wird der Send bei uns bleiben, wenn wir die Inseln erreicht haben?" fragte sie nach einem leichten Zögern ob der Schicklichkeit dieser Frage; „oder werden wir dann uns selbst überlassen seyn?" „Je nachdem es kommt. Jasper läßt den Kutter nicht gerne müßig seyn, wenn cs etwas zu thnn gibt, und wir dürfen von seiner Seite Thätigkeit erwarten. Doch meine Gaben haben im Allgemeinen keinen Bezug auf das Wasser und die Fahrzeuge, und wenn es nicht gerade die Stromschnellen, die Fälle und Kähne anbelangt, so mache ich keinen Anspruch darauf, etwas von der Sache 244 zu verstehe». Ich zweifle übrigens nicht, daß unter Jasper alles gut gehen wird, da er auf dem Ontariv so gut eine Fährte finden kann, als sie eine Delaware auf dem Land zu entdecken weiß." „Und unser Delaware, Pfadfinder, — der Big Scrpent — warum ist er diese Nacht nicht bei uns?" „Ihre Frage würde natürlicher seyn, wen» Sie sagten: warum seyd Ihr hier, Pfadfinder? — Der Serpcnt ist an seinem Platz, während ich nicht auf dem meinigcn bin. Er ist mit zweien oder dreien ausgczogen, um die Seeufer auszuknndschasten, und wird unten bei den Inseln wieder zu uns stoßen, um nns seine gesammelten Nachrichten mitzutheilen. Der Sergeant ist ein zu guter Soldat, nn, die Nachhut zu vergessen, wenn er im Angesichte des Feindes steht. Es ist tausend Schade, Mabel, daß Ihr Vater nicht als ein General geboren wurde, wie wir da so einige Engländer unter uns haben, denn ich bin fest überzeugt, daß in einer Woche kein einziger Franzose mehr in Kanada wäre, wenn er seinen eigenen Weg gehen dürfte." „Werden wir den Feind zu Gesicht bekommen?" fragte Mabel lächelnd, und fühlte dabei zum erstenmal eine leichte Furcht wegen der Gefahren dieser Fahrt. „Werden wir wohl in ein.Treffen verwickelt werden?" „Wenn das wäre, Mabel, so wird es Leute genug geben, welche bereit und willig sind, sich zwischen Sie und die Gefahr zu stellen. Doch Sie sind die Tochter eines Soldaten, und haben, wie wir alle wissen, den Muth eines Soldaten. Lassen Sie deßhalb die Furcht vor einem Gefecht den Schlaf nicht von Ihren schönen Augen scheuchen." „Ich fühle mich mnthigcr, Pfadfinder, hier außen in den Wäldern, als ich mich je mitten in der Weichlichkeit der Städte gefunden habe, obgleich ich es immer versuchte, mich zu erinnern, was ich meinem lieben Bater schuldig sey." „Nun ja, Ihre Mutter dachte vor Ihnen ebenso. — ,Jhr 245 werdet Mabel wie ihre Mutter finden, kein kreischendes und verzärteltes Mädchen, dciß ein Mann seine Noth mit ihr hat; sondern sie wird ihren Gatten ermuthigcn und aufrichten, wenn er bei Gefahren unter der Sorge erliegen will/ sagte der Sergeant zu mir, ehe ich noch Ihre süßen Züge gesehen hatte; — ja das sagte er!" „Und warum sollte mein Vater Euch das gesagt haben, Pfadfinder?" fragte das Mädchen mit einigem Ernste. „Vielleicht glaubte er, Ihr würdet besser von mir denken, wenn Ihr mich nicht für ein einfältiges, feigherziges Geschöpf halten müßtet, wie unser Geschlecht ihrer so viele aufweist?" Täuschung, wenn es nicht gerade auf Kosten seiner Feinde im Felde ging — ja selbst die Verbergung eines Gedankens, war so wenig im Einklang mit dem Wesen des Pfadfinders, daß er bei dieser einfachen Frage in keine geringe Verlegenheit kam. Er fühlte aus einer Art von Instinkt, von dem er sich keine Rechenschaft zu geben vermochte, daß es nicht geeignet sey, die Wahrheit offen zu gestehen; und sie zu verbergen? — das wollte sich nicht mit seinem Rechtlichkeitsgefühl und seinen Gewohnheiten vertragen. In dieser Klemme nahm er unwillkührlich seine Zuflucht zu einem Mittelweg, welcher das, was er nicht zu sagen wagte, zwar nicht entschleierte, aber auch nicht geradezu verhehlte." „Sie müssen wissen, Mabel," sagte er, „daß der Sergeant und ich alte Freunde find, und wir in manchem harten Gefechte, an manchem blutigen Tag Seite an Seite gestanden haben — freilich nicht Seite an Seite im eigentlichen Sinne, da ich etwas mehr in der Vorhut, wie es einem Kundschafter ziemt, und er als ein höher gestellter Soldat des Königs an der Spitze seiner Leute war. — 's ist dann so die Weise von uns Scharmützlern, daß wir wenig an den Kampf denken, wenn die Büchse das Ihrige gcthan hat; und des Nachts an unfern Feuern, oder ans unfern Märschen, plaudern wir von Gegenständen, die wir lieben, wie ihr jungen 2L6 Frauenzimmer euch über eure Träumereien und Meinungen unterhaltet, und mit einander über eure Einfälle lacht. Nun war es natürlich, daß der Sergeant, der eine Tochter wie Sie hat, diese mehr als alles andere liebt, und von ihr oster als von irgend etwas anderem spricht. Da ich nun weder Tochter noch Schwester, noch Mutter noch sonstige Verwandte und Bekannte, mit Ausnahme der Delaware», zu lieben habe, so stimmte ich natürlich mit ein, und ich gewann Sie lieb, Mabel, ehe ich Sie noch gesehen hatte — ja das that ich, Mabel, gerade deshalb, weil wir so viel von Ihnen sprachen." „Und nun, da Ihr mich gesehen habt," entgegnete das lächelnde Mädchen, deren unveränderte natürliche Weise bewies, wie wenig sie an etwas mehr als an elterliche oder brüderliche Zuneigung dachte, „fanget Ihr an, die Thorheit einzusehen, Freundschaft mit Leuten zu schließen, ehe man sic näher als nur vom Hörensagen kennt." „'s war nicht Freundschaft, — 's ist nicht Freundschaft, Mabel, was ich für Sie fühle. Ich bin der Freund der Delaware», und bin es von meinen Knabenjahren an gewesen; aber meine Gefühle für jene, oder für den besten unter ihnen, sind nicht dieselben, welche mir der Sergeant gegen Sie einflößte, um so mehr, da ich Sie nun näher kennen zu lernen anfauge. Bisweilen fürchte ich freilich, es sey nicht gut für einen Mann, der einem wahrhaft männlichen Berufe folgt — sey er nun ein Wegweiser, ein Kundschafter oder ein Soldat — Freundschaft mit Frauen, und zumal mit jungen Frauen zu schließen, da sie mir den Unternehmungsgeist zu schwächen und die Gefühle von den Gaben und natürlichen Beschäftigungen abzukehren scheint." „Ihr meint doch sicherlich nicht, Pfadfinder, daß Freundschaft gegen ein Mädchen, wie ich, Euch weniger kühn und weniger geneigt machen würde, mit den Franzosen wie früher anzubinden?" 247 „Nein, nicht so, nicht so. Mit Ihnen in Gefahr, würde ich zum Beispiel fürchten, zu tollkühn zu werden. Aber ehe wir miteinander, so zu sagen, vertraut wurden, dachte ich gerne an meine Kundschaftszüge, meine Märsche und Auslager, meine Gefechte und andere Abenteuer. Jetzt kümmert sich mein Geist wenig mehr drum, und ich denke mehr an die Hütten, an die Abende, die man im Gespräch hinbringen kann, an Gefühle, die nichts mit Hader und Blutvergießen zu thun haben, und an junge Frauen, ihr Lachen, ihre heiteren, sanften Stimmen, ihre lieblichen Blicke und ihre gewinnenden Weisen. Ich sage dem Sergeanten bisweilen, daß er und seine Tochter noch einen der besten und erfahrensten Kundschafter an den Gränzcn verderben werden." „Nicht doch, Pfadsinder; sie wollen es nur versuchen, das, was schon so ausgezeichnet ist, vollkommen zu machen. Ihr kennt uns nicht, wenn Ihr glaubet, daß eines von uns wünsche. Euch nur im mindesten verändert zu sehen. Bleibt, was Ihr gegenwärtig seyd, derselbe ehrliche, aufrichtige, gewissenhafte, furchtlose, einsichtsvolle und zuverlässige Wegweiser, und weder mein lieber Vater, noch ich werden je anders von Euch denken, als wir dieses jetzt thun." Es war zu dunkel für Mabel, als daß sie die Bewegungen in dem Gesichte ihres Zuhörers hätte bemerken können; aber ihre liebliche Gestalt war gegen ihn gekehrt, als sie mit ebensoviel Feuer, als Freimüthigkeit diese Worte sprach, welche zeigten, wie aufrichtig sie gemeint, und wie wenig ihre Gedanken in Verwirrung gebracht sepen. Ihr Gesicht war zwar leicht geröthet; aber es zeigte den Ausdruck des Ernstes und der Wahrheit ihrer Gefühle, ohne daß dabei ein Nerve bebte, ein Glied zitterte oder ein Pulsschlag rascher flog. Kurz ihr ganzes Benehmen war das eines redlichen, frcimüthigen Mädchens, welches eine derartige Erklärung der Achtung und Zuneigung gegen eine Person des andern Geschlechts ausspricht, deren Verdienste und Eigenschaften sie zu schätzen weiß, ohne irgend eine weitere Bewegung zu äußern, wie sie unveränderlich das Bewußtsein einer Neigung, die zu zarteren Enthüllungen hätte führen können, begleitet. Der Pfadfinder war übrigens zu unerfahren, um in derartige Unterscheidungen eingehen zu können; und seine Bescheidenheit wurde durch die Geradheit und die Kraft der Worte, die er eben gehört hatte, ermuthigt. Nicht geneigt, vielleicht auch nicht fähig, weiter zu sagen, entfernte er sich, und blickte, an seine Büchse gelehnt, eine Weile in tiefem Schweigen zu den Sternen auf. Während dieses auf dem Kutter vorging, fand die bereits erwähnte Unterredung Lnndics mit dem Sergeanten auf dem Bollwerk statt. „Sind die Tornister der Mannschaft untersucht worden?" fragte Major Duncan, nachdem er einen Blick auf den geschriebenen Rapport, der ihm von dem Sergeanten eingehändigt worden, geworfen hatte: denn es war bereits zu dunkel, um zu lesen. „Alle, Euer Gnaden, und alle sind in Ordnung." „Waffen und Kriegsbedarf?" „Alles in Richtigkeit, Major Duncan, und für den Dienst bereit." „Ihr habt die Euch von mir vvrgezeichneten Leute genommen, Dunham?" „Ohne Ausnahme, Sir. Bessere Leute können nicht in dem Regimente gefunden werden." „Ihr braucht auch die besten von unserer Mannschaft, Sergeant. Dieses ist nun der dritte Versuch, und er wurde immer unter einem von den Fähndrichen gemacht, auf die ich das größte Vertrauen setzte, und doch haben mir alle früheren fchlgeschlagen. Nach so viel Vorbereitungen und Kosten wollte ich das Projekt doch nicht ganz anfgcben, ab.r dieß soll die letzte Bemühung sehn. Das Resultat wird haupsächlich von Euch und dem Pfadfinder abhängen." „Auf uns beide können Sie zählen, Major Duncan. Der Auftrag, den Sie uns gegeben haben, geht nicht über unsere 249 Kräfte und unsere Erfahrung, und ich denke, er soll gut ausgerichtet werden. Ich weiß, daß es der Pfadfinder nicht fehlen lassen wird." „Darauf wird man sich, in der That, sicher verlassen kennen. Er ist ein außerordentlicher Mann, Dunhain, —- ein Mann, der mich lange in Verlegenheit gesetzt hat, der aber, da ich ihn mm kenne, so sehr über meine Achtung zu gebieten hat, als irgend ein General in Seiner Majestät Diensten." „Ich hoffte, Sir, daß Sie die projektirte Heirath mit Mabel als einen Umstand betrachten würden, den ich wünschen und beschleunigen sollte." „Was das anbelangt, Sergeant, so wird's die Zeit lehren," erwiederte Lundie lächelnd, obgleich auch hier die Dunkelheit die zarteren Schattirnngen des Ausdrucks verbarg; „ein Weib ist bisweilen schwieriger zu leiten, als ein ganzes Regiment Soldaten. Zudem wißt Ihr auch, daß Euer Müchte-gern-Schwicger- sohn, der Quartiermeister, von der Partie seyn wird, und ich »ersehe mir's von Euch, daß Ihr ihm wenigstens ein gleiches Feld gestatten werdet für den Versuch, Eurer Tochter ein Lächeln abzugewinucn." „Ich habe Achtung vor Seinem Rang, Sir, und wenn mich auch dieser nicht schon dazu veranlaßte, so würde der Wunsch Euer Gnaden genügen." „Ich danke Euch, Sergeant. Wir haben lange mit einander gedient, und müssen uns gegenseitig in unfern Stellungen schätzen. Doch, versteht mich wohl; ich verlange für David Mnir nicht weiter als freies Feld — keine Begünstigung. In der Liebe, wie im Krieg, muß jeder sich selbst den Sieg erringen. — Seyd Ihr gewiß, daß die Rationen gehörig berechnet sind?" „Dafür stehe ich, Major Dnncan; aber wenn es auch nicht wäre, so brauchten wir nicht Noth zu leiden, mit zwei solchen Jägern in unserer Gesellschaft, wie der Pfadsinder und Serpent." 250 „Das geht nicht, Dunham," unterbrach ihn Lundie scharf; „bas kämmt ron Eurer amerikanischen Geburt und Erziehung. Kein rechter Soldat verläßt sich aus etwas anderes, als auf seinen Proviant-Commiffär, und ich muß bitten, daß kein Angehöriger meines Regimentes zuerst ein Beispiel von dem Gegentheile gibt." „Sie haben zu befehlen, Major Duncan, und es wird gehorcht werden; und doch, wenn ich voranssetzcn dürste, Sir —" „Sprecht frei, Sergeant; Ihr redet mit einem Freunde." „Ich wollte nur sagen, daß, wie ich finde, die Schotten Wild- prct und Vögel eben so sehr lieben, als Schweinefleisch, wenn sie schwer zu bekommen sind." „Das mag wohl wahr seyn; aber Lieben oder Nichtlieben hat nichts mit dem System zu schaffen. Eine Armee kann sich auf nichts verlassen, als auf ihre Commissäre. Die Unregelmäßigkeit der Provinzler hat zu oft Teufeleien in des Königs Dienst gebracht, um da länger die Augen zu schließen." „General Braddock, Euer Gnaden, hätte sich von dem Obrist Washington sollen rathen lassen." „Weg mit Eurem Washington! Ihr seyd alle mit einander Provinzler, Mann, und jeder hält den andern, als ob Ihr von einer geschworenen Verbindung wäret." „Ich glaube, Seine Majestät hat keine loyaleren Unterthaneu, als die Amerikaner, Euer Gnaden." „Was das anbelangt, so habt Ihr, glaube ich. Recht, und ich bin vielleicht ein Bischen zu warm geworden. Ich betrachte Euch nicht als einen Provinzler, Sergeant, denn obgleich Ihr in Amerika geboren seyd, so hat doch nie ein besserer Soldat eine Muskete geschultert." „Und Obrist Washington, Euer Gnaden?" „Nun ja, — Obrist Washington mag auch ein brauchbarer Unterthan seyn. Er ist das Wunderthier der Amerikaner, und ich 251 denke, ich kann ihm wohl all die Ehre widerfahren lassen, die Ihr verlangt. Ihr zweifelt nicht an der Geschicklichkeit dieses Jasper Eau-douce?" „Der Jnnge ist erprobt und Allem gewachsen, was man von ihm verlangen kann." „Er führt einen französischen Namen und hat seine Kindheit meistens in den französischen Kolonien zugebracht; — hat er französisches Blut in seinen Adern, Sergeant?" „Nicht einen Tropfen, Euer Gnaden. Jaspers Vater war ein alter Kamerad von mir, und seine Mutter ist aus einer ehrbaren und loyalen Familie in unserer Provinz." „Wie kam er denn so viel unter die Franzosen, und woher hat er seinen französischen Namen; Er spricht auch die Sprache der Kanadenser, wie ich finde." „Das ist leicht auseinander gesetzt, Major Duncan. Der Knabe blieb unter der Obhut eines unserer Seeleute aus dem alten Heer, und so kam er zum Wasser, wie eine Ente. Euer Gnade» weiß, daß wir an dem Ontario keine Häfen haben, die diesen Namen verdienen, und so brachte er natürlich den größten Theil seiner Zeit auf der andern Seite des Sees zu, wo die Franzosen seit fünfzig Jahren mehrere Schiffe haben. Er lernte da gelegenheitlich ihre Sprache, und erhielt seinen Namen von den Indianern und Kanadiern, welche wahrscheinlich die Leute gerne nach ihren Eigenschaften benennen." „Demungeachtet ist aber ein sränzösischer Meister nur ein schlechter Lehrer für einen brittischeu Schiffer." „Ich bitt' um Verzeihung; Sir; Jasper Eau-donee ist von einem wirklichen englischen Seemann erzogen worden, von einem Manne, der unter des Königs Flagge segelte, und ein Befahrener genannt werden kann; er ist in den Kolonien geboren, aber deß- halb, wie ich hoffe, Major Duncan, keiner der schlechtesten von seinem Gewerbe." 232 „Vielleicht nicht, Sergeant, vielleicht nicht; aber auch nicht besser. Außerdem hat sich dieser Jasper brav gehalten, als ich ihm das Commando des Send übergab. Kein Bursche hätte sich loyaler oder besser betragen können." „Oder tapferer, Major Dunca». Es bekümmert mich, sehen zu müssen, Sir, daß Sie Zweifel in Jaspers Treue setzen." „Es ist die Pflicht eines Soldaten, dem die Obhut über einen so entfernten und wichtigen Posten, wie dieser, anvertraut ist, nie in seiner Wachsamkeit zu erschlaffen, Dunham. Wir haben mit zweien der listigsten Feinde, welche die Welt je hcrvorgcbracht hat, in ihrer verschiedenen Weise zu kämpfen — mit den Indianern und den Franzosen; und es darf nichts übersehen werden, was uns in Nachtheil bringen könnte." „Ich hoffe, Euer Gnaden halten mich für den Mann, dem man irgend einen besonder» Grund, der einen Zweifel an Jasper rechtfertigte, anvertranen kann, da Sie mich für geeignet halten, mir dieses Commando zu übertragen?" „Es ist nicht der Zweifel an Euch, Dunham, der mich veranlaßt, die Enthüllung dessen, was mir zur Kunde gekommen ist, zu verzögern, sondern der Widerwille, eine üble Nachricht über einen Mann, auf den ich bisher etwas gehalten habe, in Umlauf zu bringen. Ihr müßt wohl gut von dem Pfadfinder denken, sonst würdet Ihr nicht wünschen, Ihm Eure Tochter zu geben?" „Für des Pfadfinders Ehrlichkeit stehe ich mit meinem Leben, Sir," erwiederte der Sergeant mit Festigkeit und nicht ohne eine Würde in seinem Benehmen, welche auf den Vorgesetzten Eindruck machte. „Solch ein Mann weiß gar nicht, was falsch seyn heißt." „Ich glaube, Ihr habt Recht, Dunham; und doch hat diese letzte Mittheilung alle meine alten Meinungen zum Wanken gebracht. Ich habe ein anonymes Schreiben erhalten, Sergeant, welches mich anweist, gegen Jasper Western oder Jasper Eau-douce, wie man ihn nennt, ans der Hut zu seyn. Es wird darin behauptet, daß 253 er von dem Feind erkauft sey, und man gibt mir Hoffnung, daß mir eine weitere und genauere Mittheilung in Bälde zugehen werde." „Briefe ohne Unterschriften verdienen im Kriege kaum beachtet zu werden." „Im Frieden, Dunham. Niemand kann unter gewöhnlichen Umständen von dem Schreiber eines anonymen Briefes eine geringere Meinung haben, als ich selbst. Diese Handlung verräth Feigheit, Gemeinheit und Niederträchtigkeit, und ist gewöhnlich ein Beweis der Falschheit sowohl, als auch anderer Laster. Aber im Kriege ist es nicht derselbe Fall. Außerdem sind mir mehrere verdächtige Umstände namhaft gemacht worden." „Sind sie von der Art, daß eine Ordonnanz sie hören darf. Euer Gnaden?" „Gewiß, wenn es eine ist, der ich so vertraue, wie Euch, Dunham. Es wurde zum Beispiel gesagt, daß die Irokesen Eure Tochter und ihre Gesellschaft nur deshalb entrinnen ließen, um Jaspern bei mir in Kredit zu bringen. Es heißt dabei, daß den Herren zu Frontcnae mehr daran gelegen sey, den Send mit dem Sergeanten Dunham und seiner Mannschaft wegznnchmen und unfern Lieblingsplan zu Nichte zu mache», als ein Mädchen und den Skalp ihres Onkels zu erbeuten." „Ich verstehe den Wink, Sir, aber ich schenke ihm keinen Glauben. Jasper kann freilich nicht treu seyn, wenn Pfadfinder falsch ist; aber was den letzter» anbelangt, so möchte ich eben so gut Euer Gnaden mißtrauen, als ihm." „Es würde so scheinen, Sergeant; es würde in der That so scheinen. Aber Jasper ist jedenfalls nicht Pfadfinder, und — ich muß gestehen, Dunham, ich würde mehr Vertrauen in den Burschen setzen, wenn er nicht Französisch spräche." „Ich versicher' Euer Gnaden, 's ist auch keine Recommendation in meinen Augen, aber der Junge hat es durch Zwang gelernt, und da es einmal so ist, so sollte man ihn, mit Eurer Gnaden Erlaubnis, um dieses Umstandes willen nicht zu schnell verdammen. Wenn er Französisch spricht, so ist's deshalb, weil er es nicht wohl los werden kann/' „'s ist ein v—s Gewälsch, und nie hat es einem gut gethan, wenigstens keinem britischen Unterthancn, denn die Franzosen selbst müssen doch in irgend einer Sprache miteinander sprechen! — Ich würde mehr Vertrauen in diesen Jasper setzen, wenn er nichts von ihrer Sprache verstände. Dieser Brief hat mich ganz confus gemacht. Wenn nur noch ein anderer da wäre, dem ich den Kutter anvertrauen könnte, so wollte ich wohl meine Maasiregeln treffen, um ihn hier zurück zu behalten. Ich habe schon wegen Eures Schwagers, der von der Partie ist, mit Euch gesprochen, Sergeant. Nicht wahr, er ist ein Schiffer?" „Er ist ein wirklicher Seefahrer, Euer Gnaden, und etwas von Vorurtheilen befangen gegen das frische Wasser. Ich zweifle, ob er veranlaßt werden könnte, seinen Charakter an eine Fahrt auf dem See weg zu werfen, und ich bin überzeugt, daß er den Posten nie finden würde." „Das letztere hat wahrscheinlich seine Richtigkeit, und dann kennt der Mann diesen trügerischen See nicht genug, um einem solchen Auftrag gewachsen zu seyn. Ihr müßt daher doppelt wachsam sehn, Dunham. Ich gebe Euch unbeschränkte Vollmacht, und solltet Ihr an diesem Jasper irgend eine Vcrrätherei entdecken, so laßt ihn als Opfer der beleidigten Gerechtigkeit fallen." „Da er im Dienst der Krone ist, Euer Gnaden, so steht er unter dem Kriegsgericht —" „Sehr wahr; dann legt ihn in Eisen vom Kopf bis zu den Füßen, und sendet ihn hieher, in seinem eigenen Kutter. Euer Schwager muß doch im Stande seyn, den Weg wieder zurückzn- finden, wenn er ihn einmal gemacht hat?" „Ich zweifle nicht, Major Duncan, daß wir im Stande sehn werden, alles zu thun, was nüthig ist, wenn Jasper entfernt Werden 235 müßte, wie Sie zum Voraus anzunehmen scheinen — obgleich ich denke, ich könnte mein Leben an seine Treue setzen." „Eure Zuversicht gefällt mir —- sie spricht für den Burschen; — aber der verwünschte Brief! Er hat so das Aussehen der Wahrheit an sich; nein, es ist so viel Wahres darin, was auf andere Gegenstände Bezug hat." — „Ich glaube, Euer Gnaden sagten, cs fehle die Unterschrift des Namens; ein großes Versehen, wenn man da auf einen Ehrenmann schließen soll." „Ganz recht, Dunham, und nur ein Schurke, und obendrein ein feiger Schurke kann in Privatangelegenheiten einen anonymen Brief schreiben. Doch das ist im Kriege anders. Da werden Nachrichten fingirt, und List ist immer zu rechtfertigen." „Eine männliche Kriegslist, Sir, wenn Sie so wollen; Hinterhalte, Ueberraschungen, fingirte Angriffe und auch noch Spionen; aber nie habe ich gehört, daß ein rechter Soldat den Charakter eines ehrenhaften jungen Mannes durch derartige Mittel zu untergraben beabsichtigt hätte." „Ich habe in dem Lauf meiner Erfahrung manches ungewöhnliche Ereigniß erlebt und manchen auf dem fahlen Pferde erwischt. Doch, lebt wohl, Sergeant; ich darf Euch nicht länger aufhaltcn. Ihr seyd nun gewarnt, und ich empfehle Euch unermüdetc Wachsamkeit. Ich glaube, Muir beabsichtigt, sich in Bälde zurückzuziehen, nnd wenn Ihr mit dieser Unternehmung gut zu Stande kommt, so will ich meinen ganzen Einfluß aufbieten, Euch an seine Stelle zu bringen, auf die Ihr so manche Ansprüche habt." „Ich danke Euer Gnaden unterthänig," erwiederte der Sergeant ruhig, welcher schon seit zwanzig Jahren immer auf diese Weise ermuthigt worden war, „und ich hoffe, ich werde meiner Stellung nie Unehre machen, welche sie auch immer seyn mag. Ich bin, was die Natur und Vorsehung aus mir gemacht hat, und ich hoffe zu Gott, daß ich mich nie über meinen Posten beklagt habe. 256 „Ihr habt doch die Haubitze nicht vergessen?" „Jasper nahm sie diese» Morgen an Bord, Sir." „Seyd vorsichtig, und traut diesem Manne nicht ohne Noth. Macht den Pfadfinder zu Eurem Vertranten, er mag zu Entdeckung einer Verräthcrci, die allenfalls im Werke scpn könnte, beitragen. Seine ehrliche Einfalt wird seinen Beobachtungen Vorschub leiste», „ wenn er sie gehörig zu verbergen weiß. Er muß treu sepn." „Für ihn, Sir, stehe ich mit meinem Kopfe ein, oder mit meinem Rang im Regiment. Ich habe ihn zu oft geprüft, um an ihm zu zweifeln." „Von allen peinigenden Gefühle», Dnnham, ist Mißtrauen da, wo man zum Vertrauen gcnöthigt ist, das peinlichste. Ihr habt doch daraus gedacht, daß es Euch nicht an überzähligen Flinten- steincn gebreche?" „Ein Sergeant ist ein sicherer Besorger aller derartigen Ein- zelnheitcn, Euer Gnaden." „Wohl! Nun, so gebt mir Eure Hand, Dnnham. Gott scgne Euch, und lasse cs Euch wohl gelingen! Muir beabsichtigt sich » znrückzuziehen — doch, da wir gerade auf den kommen, laßt ihm gleiches Feld bei Eurer Tochter, denn dieß kann eine künftige Be- wcrkstellignng Eures Vorrückens erleichtern. Man wird sich mit einer Gefährtin, wie Mabel, lieber znrückziehen, als im freudelosen Wittwerstand, wo man nichts als sein Ich zu lieben hat, und noch dazu solch ein Ich, wie das Davids!" „Ich boffe, Sir, mein Kind wird eine kluge Wahl treffen, und denke, sie hat sich schon so ziemlich für den Pfadfinder entschieden. Doch sic soll freies Spiel haben, obgleich Ungehorsam ein Verbrechen ist, das der Meuterei am nächsten steht." „Untersucht und prüft den Kriegsbedarf sorgfältig, sobald Ihr , ankommt; die Ausdünstung des Sees könnte ihn, schaden. Und mm noch einmal, lebt wohl, Sergeant. Gebt auf diesen Jasper Acht, und in irgend einer Schwierigkeit zieht den Muir zu Rath. 257 Ich erwarte, daß Ihr heute über einen Monat siegreich zurückkehrt." „Gott segne Euer Gnaden! Wenn mir etwas zustoßen sollte, so verlasse ich mich ans Sie, Major Duncan, daß Sie Sorge tragen werden für die Ehre eines alten Soldaten." „Verlaßt Euch auf mich, Dunham — Ihr verlaßt Euch auf einen Freund. Scyd wachsam, erinnert Euch, daß Ihr in dem Nachen des Löwen seyn werdet; — doch nein, nicht einmal in dem Rachen des Löwen, sondern in dem eines verrätherischen Tigers, in seinem wahren Nachen, und außer dem Bereiche einer Unterstützung. Habt Ihr diesen Morgen die Flintensteine gezählt und untersucht? — Und nun, lebt wohl, Dunham, lebt wohl!" Der Sergeant nahm die dargebotcne Hand seines Oberen mit dem gehörigen Respekt, und endlich trennten sie stch. Lundie eilte in seine bewegliche Wohnung, während der Andere das Fort verließ, an's Ufer hinabging und ein Boot bestieg. Duncan hatte nur die Wahrheit gesagt, als er von der peinigenden Eigenschaft des Mißtrauens sprach. Von allen Gefühlen des menschlichen Gemüthes ist dieses das trüglichste in seinen Wirkungen, das hinterlistigste in seiner Annäherung, und am schwersten von einer edlen Seele zu beherrschen. So lange der Zweifel da ist, erscheint Alles verdächtig. Wenn die Gedanken keine bestimmten Thatsachcn haben, durch welche ihren Wanderungen ein Ziel gesetzt wird, so ist es, wenn einmal dem Argwohn Zutritt gestattet wurde, unmöglich, zu sagen, zu welchen Vermuthungen er leiten und wohin ihm die Leichtgläubigkeit folgen wird. Was vorher unbedenklich schien, gewinnt die Farbe der Schuld, sobald dieser unbequeme Micthsmann seinen Sitz in der Seele aufgeschlagen hat, und nichts kann gesagt oder gcthan werden, ohne daß es den Färbungen und Entstellungen des Mißtrauens und des Verdachtes unterworfen würde. Wenn dieß schon unter gewöhnlichen Umständen gilt, so wird es doppelt wahr, wenn es stch dahei um eine schwere Pfadfinder. 3. Anfl. 17 Verantwortlichkeit handelt, an welcher Leben und Tod hängt, wie dieß bei einem militärischen Befehlshaber oder einem Geschäftsführer in irgend einer wichtigen politischen Angelegenheit der Fall ist. Man darf daher nicht glauben, daß Sergeant Dnnham, nachdem er sich von seinem commandirenden Offizier getrennt hatte, die erhaltenen Einschärfungen außer Acht ließ. Er hatte zwar im Allgemeinen von Jasper eine hohe Meinung; aber zwischen sein früheres Vertrauen und seine Dienstobliegenheiten hatte sich der Argwohn eingeschlichen, und da er nun fühlte, daß Alles von seiner Wachsamkeit abhänge, so kam er an der Seite des Send in einer Gemüthsstimmnng an, welche keinen verdächtigen Umstand unbeachtet, und keine ungewöhnliche Bewegung des jungen Schiffers Vorbeigehen ließ, ohne daß ihm eine Erklärung abgefordert wurde. Diese Stimmung theiltesich seiner ganzen Betrachtungsweise der Dinge mit, und seine Vorsicht sowohl, als sein Mißtrauen, trugen das Gepräge der Gewohnheiten, Meinungen und der Erziehung des Mannes. Der Anker des Send wurde gelichtet, sobald man das Boot mit dem Sergeanten, welcher die letzt erwartete Person war, vom Ufer abstoßen sah, und man richtete das Vordertheil des Kutters mittelst der Ruder gegen Osten. Einige kräftige Schläge der letzteren, wobei die Soldaten hilfreich an die Hand gingen, brachten das leichte Fahrzeug in gleiche Linie mit der nachwirkenden Strömung des Flusses, und so kam es wieder weiter vom Lande ab. Es war jetzt gänzliche Windstille, da der leichte Luftzug, welcher den Untergang der Sonne begleitete, wieder nachgelassen hatte. Die ganze Zeit über herrschte eine ungewöhnliche Ruhe auf dem Kutter. Es schien, als fühlten die an Bord befindlichen Personen, daß sie in der Dunkelheit der Nacht auf ein ungewisses Unternehmen ausgehcn sollten: und die Wichtigkeit ihres Auftrags, die Stunde und die Art der Abfahrt verlieh ihren Bewegungen eine gewisse Feierlichkeit. Diese Gefühle wurden noch durch die Vorschriften der Diseiplin unterstützt. Die meisten schwiegen, und 259 diejenigen, welche sprachen, thaten es selten nnd mit gedämpfter Stimme. In dieser Weise bewegte sich der Kutter langsam in den See hinaus, bis er dahin gelangte, wo die Strömung des Flusses aufhörte, und blieb dort in der Erwartung des gewöhnlichen Landwindes stehen. Eine halbe Stunde lang lag der Send nun so bewegungslos, wie ein ans dem Wasser schwimmender Stamm. Obschon während der geringen Veränderungen, welche in der Lage des Schiffes vergingen, eine allgemeine Ruhe herrschte, so blieb doch nicht alle Mittheilung unterdrückt; denn der Sergeant führte, nachdem er sich überzeugt hatte, daß seine Tochter nnd ihre Gefährtin sich ans der Schanze befanden, den Pfadfinder zu der Nebenkajüte, versicherte sich, daß kein Horcher in der Nähe sey, schloß die Thüre mit großer Vorsicht und begann mit folgenden Worten: „Es ist nun schon so manches Jahr, mein Freund, seit Ihr angefangen habt, die Beschwerlichkeiten und Gefahren der Wälder in meiner Gesellschaft zu versuchen." „Es ist so, Sergeant; ja, es ist so. Ich fürchte bisweilen, ich sey zu alt für Mabel, die noch nicht geboren war, als wir schon als Kameraden mit einander gegen die Franzosen fochten." „Seyd deßhalb ohne Furcht, Pfadfinder. Ich war fast so alt, wie Ihr, als ich mein Auge auf ihre Mutter warf, und Mabel ist ein festes und verständiges Mädchen, die mehr den Charakter als etwas Anderes beachtet. Ein Bursche, wie Jasper Eau-douce zum Beispiel, würde kein Glück bei ihr machen, obgleich er jung und hübsch ist." „Denkt Jasper an's Heirathen?" fragte der Wegweiser mit ernster Einfalt. „Ich hoffe nicht — wenigstens nicht, bis er Jeden überzeugt hat, daß er wirklich geeignet sey, ein Weib zu besitzen." „Jasper ist ein braver Junge, und hat für sein Fach große Gaben. Er möchte wohl so gut als ein Anderer auf ein Weib Anspruch machen können." 260 „Ich will offen gegen Euch seyn, Pfadfinder; ich habe Euch hichcr gebracht, um gerade wegen dieses jungen Burschen ein Wörtchen mit Euch zu sprechen. Major Duncan hat eine Mittheilung erhalten, welche ihm den Verdacht beibrachte, daß Jasper falsch scy, und in dem Solde des Feindes stehe. Ich wünsche Eure Meinung über diesen Gegenüand zu hören." „Wie?" „Ich sage, der Major argwöhnt, Jasper sep ein Verräthcr, ein französischer Spion, oder, was noch schlimmer ist, erkauft, um uns auszuliefcrn. Er hat über diesen Umstand einen Brief erhalten und mich beauftragt, ein wachsames Auge auf alle Bewegungen des Jungen zu halten. Er fürchtet, daß wir mit den Feinden znsammentreffen werden, wenn wir's am wenigsten vcrmuthc», und zwar durch seine Veranstaltung." „Duncan of Lundie hat Euch dieß gesagt, Sergeant Dunham?" „Ja, Pfadfinder; und obgleich ich nicht geneigt war, von Jaspern etwas so Schlimmes zu glauben, so regt sich in mir doch ein Gefühl, welches mir sagt, daß ich ihm nicht traue» dürfe. Glaubt Ihr an Ahnungen, Freund?" „An was, Sergeant?" „An Ahnungen, eine Art geheimen Vorgefühls zukünftiger Ereignisse. Die Schotten in unserm Regiment sind große Verfechter solcher Dinge, und meine Meinung von Jasper ist so entschieden verändert, daß ich zu fürchten anfange, es fest etwas Wahres in ihren Behauptungen." „Aber Ihr habt mit Duncan of Lundie über Jaspern gesprochen, und seine Worte haben in Euch Zweifel erregt." „Das ist's nicht, nicht im mindesten; denn während ich mit dem Major sprach, dachte ich ganz anders, und ich gab mir alle Mühe, ihm zu beweisen, daß er dem Jungen Unrecht thne. Aber ich finde, es hilft nichts, sich gegen eine Ahnung zu sträuben, und ich fürchte, daß doch etwas an dem Verdacht ist." 261 „Ich weiß nichts von Ahnungen, Sergeant; aber ich habe Jaspern von seinen Knabenjahren an gekannt, und hege ein so großes Ver.raucn zu seiner Ehrlichkeit, als z» meiner eigenen, oder selbst der des Serpcnt." „Aber der Serpent, Pfadfinder, hat seine Kniffe und Hinterhalte im Krieg, so gut, als ein anderer." „Ja, sie find seine natürlichen Gaben, und find so, wie die seines Volkes. Weder eine Nothhaut, noch ein Blaßgesicht kann seine Natur verläugnen. Aber Chingachgook ist nicht der Mann, gegen den man eine Ahnung haben kann." „Ich glaube das, und ich würde noch diesen Morgen nicht übel von Jasper gedacht haben. Aber es scheint mir, Pfadfinder, seit diese Ahnung in mir anfgestiegen ist, als ob sich der Junge auf seinem Verdeck nicht mehr so natürlich rühre, wie er es sonst gewohnt ist. Er ist still, schwermüthig und gedankenvoll, wie ein Mann, der etwas auf seinem Gewissen hat." „Jasper ist nie laut, und er sagt mir, daß geräuschvolle Schiffe im Allgemeinen übelgeführte Schiffe seycu. Auch Meister Cap gibt dieß zu. Nein, nein, ich will nichts gegen Jasper glauben, bis ich es sehe. Schickt nach Eurem Schwager, Sergeant, und laßt uns ihn über die Sache befragen; denn mit dem Verdacht gegen einen Freund im Herzen zu schlafen, ist ein Schlaf mit Blei auf demselben. Ich habe keinen Glauben an Eure Ahnungen." Da der Sergeant hingegen kaum etwas eiuwerfeu konnte, so fügte er sich darein, und Cap wurde aufgefordert, sich ihrer Be- rathung anzuschließen. Pfadfinder war gesammelter als sein Gefährte, und in der vollen Ucberzeugung von der Treue des angeschuldigten Thciles übernahm er das Geschäft des Sprechers. „Wir haben Euch gebeten, zu uns herunter zu kommen, Meister Cap," fing er an, „um Euch zu fragen, ob Ihr diesen Abend nicht etwas Ungewöhnliches in den Bewegungen des Eau-douce bemerkt habt?" 262 „Seine Bewegungen sind gewöhnlich genug für das frische Wasser, Meister Pfadfinder, obgleich wir das meiste von seinem Verfahren unten an der Küste für unregelmäßig halten würden." „Ja, ja; wir wissen, daß Ihr nie mit dem Burschen über die Art, wie ein Kutter zu handhaben ist, einig werden könnt. Aber es ist etwas Anderes, worüber wir Eure Meinung hören möchten." Der Pfadfinder setzte nun Cap von dem Verdacht in Kennt- niß, welchen der Sergeant gegen Jasper hegte, und gab ihm die Veranlassung dazu an, so weit Major Duncan sich darüber ausgesprochen hatte. „Wie? — der Junge spricht französisch?" sagte Cap. „Man sagt, er spreche es besser, als es gewöhnlich gesprochen wird," erwicderte der Sergeant mit Ernst, „Pfadfinder weiß, daß dieß wahr ist." „Ich kann nichts dagegen sagen, ich kann nichts dagegen sagen," antwortete der Wegweiser; „wenigstens erzählt man sich so. Aber dieses würde nichts gegen einen Missiffagua, geschweige gegen einen Menschen wie Jasper, beweisen. Ich spreche auch die Sprache der Mingos, die ich gelernt habe, als ich ein Gefangener unter diesem Gewürm war; wer wird mich aber deshalb für ihren Freund halten? Nicht, daß ich nach indianischen Begriffen ihr Feind wäre, obgleich ich zugebe, daß ich in den Augen der Christen ihr Feind bin." „Wohl, Pfadfinder; — aber Jasper hat sein Französisch nicht als Gefangener gelernt; er lernte es in seiner Kindheit, wo der Geist am empfänglichsten ist und leicht bleibende Eindrücke anf- nimmt — wo die Natur ein Vorgefühl von dem Wege hat, welchen der Charakter wahrscheinlich später einschlagen wird." „Eine sehr wahre Bemerkung," fügte Cap bei, „denn das ist diejenige Lebenszeit, wo wir alle den Katechismus und andere moralische Lehren lernen. Die Bemerkung des Sergeanten zeigt, daß er die menschliche Natur kennt, und ich bin vollkommen seiner 263 Ansicht. Es ist eine Heillosigkeit, daß so ein jnnger Bursche auf diesem Bischen Frischwasser da oben französisch kann. Wenn es noch unten ans dem atlantischen Meere wäre, wo ein Seemann bisweilen Gelegenheit hat, mit einem Lootsen oder Sprachgelehrtcn in dieser Sprache zu reden, so würde ich mir nicht so viel daraus machen, obschvn mir immer — selbst da — einen Schiffsmaten mit Argwohn betrachten, wenn er zu viel davon versteht. Aber hier oben, auf dem Ontario, halte ich es für einen äußerst verdächtigen Umstand." „Aber Jasper muß mit den Leuten am andern Ufer französisch sprechen," sagte Pfadfinder, „oder ganz schweigen, da man dort nur diese Sprache kennt." „Ihr wollt mir doch nicht weiß machen, Pfadfinder, daß dort drüben auf der entgegengesetzten Küste Frankreich liege?" rief Cas^ indem er mit seinem Daumen über die Schulter weg gegen Canada hinwies. „Wie, soll auf der einen Seite dieses Frischwafferstrci- fens Uvrk, und ans der andern Frankreich liegen?" „Ich will Euch nur sagen, daß hier Vork, und dort Ober- canada ist, und daß inan ans dem ersteren englisch, holländisch und indianisch, und ans dem letzter» französisch und indianisch spricht. Selbst die Mingos haben manche französische Worte in ihren Dialekt ausgenommen, wodurch er aber gerade nicht besser geworden ist." „Sehr wahr; — aber was für eine Art Leute sind diese Mingos, mein Freund?" fragte der Sergeant, indem er Pfadfinders Schulter berührte, um seiner Bemerkung mehr Nachdruck zu geben, da die Wahrheit derselben sichtlich ihre Bedeutung in den Augen des Sprechers steigerte: „Niemand kennt sie besser, als Ihr, und ich frage Euch, was ist's für ein Menschenschlag?" „Jasper ist kein Mingo, Sergeant." „Er spricht französisch, und könnte deshalb eben so gut einer sehn. Bruder Cap, kannst du dich nicht auf irgend eine Bewegung in der Führung seines Berufs besinnen, die ans eine Verräthcrei hindenten könnte?" „Nicht bestimmt, Sergeant, obgleich er die halbe Zeit über das Hinterste zuvorderst angegriffen hat. Es ist wahr, daß Einer seiner Handlanger ein Tau gegen die Sonne aufgeschlagen hat, was er, als ich ihn um den Grund fragte, ein Th an querlen nannte; aber ich weiß nicht, was er damit meinte, obgleich ich sagen darf, daß die Franzosen die Hälfte ihres lausenden Tauwcrls, unrecht aufschlagen, und cs deshalb vielleicht auch Querlen nennen. Dann splißte Jasper selbst das Ende der Klüverfallen mit den Fußstöckeu des Tauwerks, anstatt sie an dem Mast anzubringen, wohin sie, wenigstens nach dem Nrtheil brittischer Seeleute, gehören." „Es ist wohl möglich, daß Jasper, der sich so viel auf der andern Seite des Sees anfgehalten, bei Behandlung seines Fahrzeugs einige von den canadischen Begriffen ausgenommen hat," warf Pfadfinder ein; „aber das Aufgreifen eines Gedankens oder eines Wortes ist weder Verräthcrei noch Treulosigkeit. Ich habe bisweilen selbst von den Mingos eine Idee aufgefangcn, und doch war mein Herz immer bei den Delaware». Nein, nein, Jasper ist treu, und der König könnte ihm seine Krone auvertrauen, eben so gut wie seinem ältesten Sohne, der, da er sie eines Tages tragen soll, gewiß der letzte sepn wird, der sie ihm stehlen möchte." „Schöne Reden, schöne Reden!" sagte Cap, welcher sicherhob,, um durch das Cajütenfenstcr zu spucken, wie es bei Leuten gewöhnlich ist, wenn sie die ganze Macht ihrer moralischen Neber- kegenheit fühlen und dabei zufällig Taback kauen. „Nichts als schöne Reden, aber v-t wenig Logik. Einmal kann des Königs Majestät seine Krone nicht herleihen, da dieses gegen die Gesetze des Reichs ist, welchen zufolge er sie immer tragen muß, damit man seine geheiligte Person erkenne, wie auch der Sheriff auf der See stets das silberne Ruder bei sich führen muß. Dann ist es 265 nach den Gesetzen Hochverrat!), wenn Seiner Majestät ältester Sohn nach der Krone trachtet oder ei» Kind erzeugt, es sey denn in einer gesetzlichen Ehe, da dadurch die Nachfolge in Unordnung kommen würde Ihr könnt also daraus sehen, Freund Pfadfinder, daß man, wenn man richtig räsonniren will, die richtigen Segel beisetzen muß. Gesetz ist Vernunft, und Vernunft ist Philosophie, und Philosophie ist ein beständiges vor Anker treiben; woraus denn folgt, dass die Kronen durch Gesetz, Vernunft und Philosophie geregelt werden." „Ich verstehe wenig von all diesem, Meister Cap; aber nichts soll mich veranlassen, Jasper Western für einen Vcrräther zu halten, bis ich mich durch meine eigenen Augen und Ohren überzeugt habe." „Da habt Ihr wieder Unrecht, Pfadfinder, denn es gibt einen Weg, eine Sache viel folgerichtiger zu prüfen, als durch Sehen und Hören, oder beides zusammen, und das ist der Indizienbeweis." „So mag es in den Ansiedelungen seyn, aber nicht hier an der Gränze." „Er liegt in der Natur, und diese herrscht überall gleich. So ist. Euren Sinnen zufolge, Jasper Eau-douce in diesem Augenblicke auf dem Verdecke, und jeder, der da hinauf geht, kann sich durch seine Augen und seine Ohren davon überzeugen. Sollte stch^s aber nachher Herausstellen, daß in diesem nämlichen Augenblicke den Franzosen eine Mittheilung gemacht wurde, die nur von Jaspern ausgchen konnte, warum sollten wir uns nicht zu der Annahme verpflichtet fühlen, daß das Indiz wahr ist, und daß uns unsere Sinne getäuscht haben? Jeder Rechtsgelchrte wird Euch das Nämliche sagen." „Das ist kaum richtig," sagte Pfadfinder; „auch ist es nicht möglich, da es aller Wirklichkeit widerspricht." „Es ist noch vielmehr als möglich, mein würdiger Wegweiser; 266 es ist Gesetz, ein unbedingtes Gesetz des Königreiches, und als solches verlangt es Achtung und Gehorsam. Ich würde meinen eigenen Bruder auf ein solches Zeugniß hin hängen, ohne weitere Rücksicht auf die Familie zu nehmen, Sergeant." „Gott weiß, wie weit dieß Alles auf Jasper anwendbar ist, Pfadfinder, obgleich ich glaube, daß Meister Cap, was das Gesetz .anbelangt. Recht hat; denn bei solchen Gelegenheiten haben Indizien eine weit größere Bedeutung, als die SinnS. Wir müssen sehr auf unserer Hut scyn, und dürfen nichts Verdächtiges übersehen." „Ich erinnere mich nun," fuhr Cap fort, indem er sich wieder des Fensters bediente, „daß, gerade als wir diesen Abend an Bord kamen, ein Indiz stattfand, das äußerst verdächtig ist, und recht wohl einen neuen Punkt gegen diesen jungen Menschen ab- gebcn mag. Jasper befestigte des Königs Flagge mit eigenen Händen, und während er sich das Ansehen gab, als blicke er auf Mabcl und das Soldatenweib, und die Anweisung ertheilte, sie da hernnterzuführen und ihnen alles zu zeigen, zog er die Flagge der Union nieder." „Das kann ein Zufall gewesen scyn," crwiederte der Sergeant, „denn etwas Derartiges ist mir selbst schon begegnet; zudem führen die Fallen zu einem Flaschcnzug, und die Flagge mirßte recht oder unrecht kommen, je nachdem der Junge sie aufgehißt hatte." „Ein Flaschenzug?" rief Cap mit Unwillen, ich wünschte, Sergeant, ich konnte dich dahin bringen, dich der geeigneten, Ausdrücke zu bedienen. Ein Flaggenfallblock ist eben sowenig ein Flaschenzug als deine Hellebarde ein Enterhaken. Es ist zwar wahr, wenn man an dem einem Thcile zieht, so muß der andere in die Höhe gehen, aber da Ihr mir einmal Euern Verdacht mit- getheilt habt, so betrachte ich die Geschichte mit der Flagge als ein Indiz, das ich nicht außer Acht lassen will. Ich denke übrigens, daß das Abendessen nicht vergessen worden ist, und wenn der ganze Raum voll Verräther wäre." 267 „Es wird dafür gehörige Sorge getragen sehn, Bruder Cap; aber ich rechne auf deinen Beistand bezüglich der Führung des Seuds, wenn etwas Vorfällen sollte, was zu Jaspers Verhaftung Anlaß gäbe." „Ich werde dich nicht verlassen, Sergeant; und in diesem Falle kannst du wahrscheinlich lernen, was der Kutter wirklich zu leisten vermag, denn bis jetzt, meine ich, müßte man das mehr crrathen." „Wohl, was mich anbelangt," sagte Pfadfinder mit einem tiefen Seufzer," „so will ich die Hoffnung auf Jaspers Unschuld sesthalten und empfehle ein offenes Verfahren, indem man den Jungen ohne weiteren Verzug selbst fragt, ob er ein Verräther seh oder nicht. Ich setze auf Jasper mein Vertrauen, trotz allen Ahnungen und Indiz in der Colonie." „Das geht nicht, erwiederte der Sergeant. „Die Verantwortlichkeit dieses Geschäftes liegt auf mir, und ich bitte und befehle, daß gegen Niemanden ohne mein Borwissen irgend Etwas verlaute. Wir wollen Alle ein wachsames Auge haben und aus die Indizien geeignete Rücksicht nehmen." „Ja ja! die Indizien sind im Grunde die Hauptsache," erwiederte Cap. „Ein einziges Indiz gilt für fünfzig Thatsachen. Dieß ist, so viel ich weiß, daß Gesetz des Königreichs. Mancher ist schon auf Indizien hin gehenkt worden." Die Besprechung war nun zu Ende, und nach einer kurzen Zögerung kehrten sie auf das Verdeck zurück, wobei jeder in der Absicht, das Betragen des verdächtigen Jasper zu beobachten, der seinen Gewohnheiten und seinem Charakter angemessenen Weise folgte. 268 Vierzehntes Kapitel. Gerade solch ein Mann, so schwach, so geistlos. So stumpf, so todl im Blick, so weinerlich. Hob PriamS Vorhang in der TchreckenSnachl, Um ihm zu sagen, daß halb Troja brenne. Shakespeare. inzwischen ging alles auf dem Schiffe seinen gewohnten Gang, Jasper schien mit seinem Fahrzeug auf den Landwind zu warten, iirdcß die Soldaten, welche an ein frühes Anfstehen gewohnt waren, bis auf den letzten Mann ihre Schlafstätten in dem Haupt- raume ausgesucht hatten. Nur die Schiffsleute, Mnir und die beiden Weiber waren noch auf dem Verdeck. Der Quartiermeister bemühte sich, bei Mabel den Angenehmen zu spielen, während unsere Heldin selbst wenig ans seine Bemühungen achtete, welche sie theilweise der soldatischen Galanterie, theilweise vielleicht auch ihrem hübschen Gesichte zuschrieb, und sich an den eigenthümlich- keiten eines Schauspiels und einer Lage erfreute, die ihr so viele Reize der Neuheit darbotcn. Die Segel waren aufgehißt, aber noch regte sich kein Lüftchen und der See war so ruhig und eben, daß an dem Kutter nicht die mindeste Bewegung zu erkennen war. Die Flnßströmung hatte ihn nicht ganz auf eine Vicrtelmeile vom Lande abgetrieben, und da lag er nun, wie festgenagelt, in der ganzen Schönheit seiner Form und seines Ebenmaaßes. Der junge Jasper war auf der Schanze und stand nahe genug, um gelegentlich die stattfindende Unterhaltung zu vernehmen; doch wagte er es nicht, sich darein zu mischen, theils weil er seinen eigenen Ansprüchen zu sehr mißtraute, theils weil er von den Obliegenheiten seines Dienstes in Anspruch genommen war. Mabels schönes blaues Auge folgte seinen Bewegungen in neugieriger Erwartung und betrachtete die kleinen Begebnisse ans dem Fahrzeug mit einer solchen Aufmerksamkeit, daß sie die Artigkeiten 269 des QnarticrmcisterS, welche er mehr als einmal an sie richten muhte, bis sic gehört wurden, nur mit Gleichgültigkeit hinnahm. Endlich schwieg selbst Muir, und eine tiefe Stille herrschte auf dem Wasser. Da fiel plötzlich unter dem Fort eine Ruderschaufel in ein Boot, und der Ton war ans dem Kutter so vernehmlich, als ob er von seinem eigenen Verdeck ausgegangen sen. Dann kam ein Gemurmel, wie ein Seufzen der Nacht: das Flattern eines Segels, das Knarren des Mastes und das Schlagen des Klüvers. Diesen wohlbekannten Tönen folgte eine leichte Hiclung des Kntters nnd das Blähen aller Segel. „Da kömmt der Wind, Anderson," rief Jasper dem ältesten seiner Schiffslente zu. „Nimm das Steuer." Dieser kurzen Anweisung wurde gehorcht, das Steuer gehoben nnd die Buge fielen ab. Nach einigen Minuten hörte man das Murmeln des Wassers unter dem Schnabel, und der Send schoß in den See mit der Geschwindigkeit von fünf Meilen in einer Stunde. Alles dieses geschah mit tiefem Schweigen, als Jasper auf's Neue den Befehl gab: „Viert die Schoten ein wenig und haltet längs dem Lande hin." In diesem Augenblick erschienen die drei Männer aus der Nebencajütc wieder auf der Schanze. „Ihr habt wohl nicht die Absicht, Junge, unfern Nachbar», den Franzosen allzunahe zu kommen," bemerkte Muir, welcher die Gelegenheit ergriff, ein Gespräch anzufangen. „Nun, gut! Ich ziehe Eure Klugheit nicht im mindesten in Zweifel, denn ich liebe die Canadier so wenig, als Ihr sie wahrscheinlich liebt." „Ich halte am Ufer wegen des Windes, Herr Muir. Der Landwind ist immer in der Nähe des Strandes am frischesten, vorausgesetzt, daß man nicht nahe genug kömmt, um die Bäume im Lee zu haben. Wir haben die Merico-Bay zu kreuzen, und diese wird uns bei dem gegenwärtigen Kurse gerade genug offene See geben." 270 „Es ist mir recht lieb, daß cs nicht die Bap von Merico ist," warf Cap ein, „denn diese ist ein Theil der Welt, de» ich in einem von Euren Binnenschiffen lieber nicht besuchen möchte. Hat Euer Kutter ein Luvsteucr, Meister Eau-doncc?" „Er geht leicht nach dem Steuer, Meister Cap, aber er sieht so gern als ein anderes Fahrzeug nach dem Winde, wenn er einmal in lebhafter Bewegung ist." „Ich hoffe, Ihr habt doch solche Dinge, die man Reffe heißt, obgleich Ihr kann, eine Gelegenheit haben könnt, sie zu benützen?" Mabels leuchtendes Auge entdeckte das Lächeln, das einen Augenblick Jaspers schönes Gesicht überflog, obschon Niemand anders diesen vorübergehenden Ausdruck der Ncbcrraschung und Verachtung bemerkte. „Wir haben Reffe, und es gibt oft Gelegenheit sie zu benützen," erwiedcrtc der junge Mann mit Ruhe. „Ehe wir cinlaufcn, wird sich's schicken. Euch die Art, wie wir sie gebrauchen, zu zeigen; denn im Osten braut das Wetter etwas, und selbst auf dem Meere kann der Wind nicht schneller umspringen, als er ans dem Ontariosee seinen Kehrum macht." „Nun, Ihr sprecht wie einer, der cs nicht besser versteht. Ich habe den Wind auf dem atlantischen Meer wie ein Kutschenrad sich drehen sehen, in einer Weise, daß die Segel stundenlang bebten, und das Schiff vollkommen bewegungslos stand, weil es nicht wußte, wohin es sich drehen solle." „Wir haben hier freilich keine so plötzlichen Wechsel," crwiederte Jasper sanft, „obgleich wir glauben, daß wir manchen unerwarteten Veränderungen des Windes ansgcsctzt sind. Ich hoffe übrigens, daß wir diesen Landwind bis zu den ersten Inseln behalten werden, und dann wird die Gefahr, von einem Frontenae'schen Lng-aus- Boote gesehen und verfolgt zu werden, weniger groß seyn." „Meint Ihr, die Franzosen halten Spione hier außen auf dem See, Jasper?" fragte der Pfadfinder. 271 „Wir wissen, daß es so ist. Letzten Montag Nachts war sogar einer vorOswego. Ein Rindenkahn kam bis an die östliche Spitze und setzte einen Indianer und einen Offizier ans Land. Wenn Ihr damals, wie gewöhnlich, außen gewesen wäret, so hätten wir, wenn nicht beive, doch gewiß einen anfgreifen können." Es war., zu dunkel, um die Röthe zu bemerken, welche die Farbe ans den sonneverbrannten Zügen des Wegweisers vertiefte, denn er war sich bewußt, daß er damals in dem Fort sich ansgehaltcn hatte, um anf Mabels süße Stimme zu hören, als sie ihrem Vater Balladen vorsang, und ihr in das Auge zu schauen, das für ihn Zauberstrahlen schoß. Rechtschaffenheit im Denken und Handeln war eine charakteristische Eigenschaft in der Seele dieses außerordentlichen Mannes, und obgleich er fühlte, daß eine Art von Schmach seiner bei dieser Gelegenheit stattgehabten Trägheit anklebe, so wäre ihm doch der Versuch, seine Nachläßigkeit zu bemänteln oder in Abrede zu ziehen, am allerletzten eingefallen. „Ich gebe es zu, Jasper, ich gebe es zu," sägte er bescheiden. „Wäre ich in jener Nacht außen gewesen -— und ich kann mich keines zureichenden Grundes erinnern, warum ich es nicht war—- so möchte es wirklich so gegangen seyn, wie Ihr sagt." „Das war an jenem Abend, Pfadfinder, den Ihr bei uns zubrachtet," bemerkte Mabel unschuldig; „und gewiß ist ein Mann, der so viele Zeit in den Wäldern und im Angesicht des Feindes verlebt, zu entschuldigen, wenn er einige Stunden einem alten Freund und seiner Tochter widmet." „Nein, nein, ich bin, seit ich in das Fort zurückgekommen, fast nichts als müßig gewesen," crwiederte der Andere mit einem Seufzer, „und es ist gut, daß der Junge davon spricht. Der Müßige bedarf des Tadels, ja er bedarf des Tadels." „Tadel, Pfadfinder? Ich habe nie im Traum daran gedacht. Euch etwas Unangenehmes sagen zu wollen, und am wenigsten fällt es mir bei, Euch zu tadeln, weil ein Spion und ein oder zwei 272 Indianer »ns entwischt sind. Nebcrhaupt halte ich, da ich nun weiß, wo Ihr wart, Enre Abwesenheit für die natürlichste Sache von der Welt." „Thnt nichts, Jasper, thut nichts, daß Ihr mir cs gesagt habt, denn ich hab's verdient. Wir sind Alle Menschen und thun Alle Unrecht." „Das ist unfreundlich, Pfadsinder." „Gebt mir Eure Hand, Junge, gebt mir Eure Hand. Nicht Ihr habt mir diese Lehre gegeben, sondern mein Gewissen." „Gut, gut!" unterbrach Cap. „Dieser letzter« Gegenstand ist nun zur Zufriedenheit aller Thcilc beigelcgt. Ihr werdet uns aber vielleicht sagen, wie es znging, daß man Kunde von Spionen, die erst kürzlich in unserer Nähe waren, erhielt. Dicß sieht einem Indiz zum Erstaunen ähnlich." Als der Seemann diese letzte Aeußcrung laut werden ließ, drückte er seinen Fuß leicht auf den des Sergeanten, stieß den Wegweiser mit dem Ellenbogen an, und blinzelte zu gleicher Zeit mit den Augen, obgleich dieses Zeichen in der Dunkelheit verloren ging. „Es wurde bekannt, weil der Serpent am andern Tag ihre Fährte fand, welche aus der Spur eines Soldatenstiefels und der eines Moccastns bestand. Zudem hat einer unserer Jäger am andern Morgen den Kahn gegen Frontenac rudern sehen." „Leitete die Spur in die Nähe der Garnison, Jasper?" fragte Pfadfinder in dem sanften und demüthigen Tone eines getadelten Schulknaben; „leitete die Fährte in die Nähe der Garnison, Junge?" „Wir glaubten, das nicht zu finden, obgleich sie natürlicherweise auch nicht über den Fluß führte. Man verfolgte sie bis zur östlichen Spitze an der Mündung des Flusses hinab, wo man sehen konnte, was in dem Hafen geschah. So viel wir jedoch zu entdecken vermochten, kreuzte sie den Fluß nicht." „Und warum begabt Ihr Euch nicht ans den Weg, Meister Jasper," fragte Cap, „um auf sie Jagd zu machen? Wir hatten 273 am Dienstag Margen guten Wind, bei dem der Kutter wohl hätte neu» Knoten ablaufen können/' „Das mag auf dem Ocean angehen, Meister Cap," warf Pfadfinder ein, „aber hier ließe sich das nicht machen. Das Wasser hinterläßt keine Fährte, und einen Indianer oder einen Franzosen mag der Teufel verfolgen." „Was brancht's einer Fährte, wenn man den Gegenstand, auf den man Jagd macht, von dem Verdeck ans sehen kann, wie dieß, nach Jaspers Aeußernng, mit dem Kahne der Fall war? Bei einem guten brittischen Kiele in seinem Fahrwasser hätte cs nichts zu sagen, wenn es ihrer zwanzig von Euren Mingos nnd Franzosen wären. Ich wette, Meister Eau-donce, daß wir, wenn Ihr mir an jenem Dienstag Morgen etwas von der Sache gesagt hättet, diese Blaustrümpfe überholt haben würden." „Ich glaube wohl, Meister Cap, daß der Rath eines alten Seemanns, wie Ihr seyd, einem so jungen Schiffer, wie ich bin, nicht hätte schaden mögen, aber die Jagd ans einen Rindenkahn ist eine lange und hoffnungslose." „Ihr hättet ihm nur hart zusetzen und ihn ans Ufer treiben dürfen." „Ans Ufer, Vielster Cap? Ihr kennt die Schifffahrt auf unsrem See nicht im mindesten, wenn Ihr es für eine Kleinigkeit haltet, einen Rindenkahn ans Ufer zu treiben. Wenn sich diese Wasserblasen gedrängt fühlen, so rudern sie recht in des Windes Auge, und ehe Jhr's Euch verseht, so befindet Ihr Euch eine Meile oder zwei todt unter ihrem Lee." „Ihr wollt mir doch nicht weiß machen, Meister Jasper, daß irgend Jemand so unbesonnen sich der Gefahr des Ertrinkens aussetze , um in einer dieser Eierschaalen in den See hineinzufahrcn, wenn Wind da ist?" „Ich habe oft bei ziemlich hoher See in einem Rindenkah» über den Ontario gesetzt. Gut gehandhabt sind sie die erprobtesten Fahrzeuge, dis wir kennen." Der Pfadfinder. 3. Ausl. 18 27L Cap führte nun seinen Schwager nnd de» Pfadfinder ^bei Seite und versicherte, daß Jaspers Zugeständniß bezüglich der Spionen ,ein Indiz', und zwar , ein gewichtiges Indiz' sep, das wohl eine weitere Ueberlegnng und Nachforschung verdiene, indeß seine Erzählung im Betreff der Kähne so unwahrscheinlich klinge, daß sie das Aussehen habe, als wolle er sich nur über seine Zuhörer lustig machen. Jasper hatte zuversichtlich von dem Charakter der zwei gelandeten Personen gesprochen, und dieß schien Cap ein ziemlich bündiger Beweis, daß jener mehr von ihnen wisse, als sich aus einer bloßen Fährte erkennen lasse. Von de» Moe- casins sagte er, daß sic in diesem Theile der Welt von den Weißen sowohl, als von den Indianern getragen würden; er hätte selbst ein Paar gekauft, und Stiefel machten bekanntermaßen nicht den Soldaten. Obgleich vieles von dieser Logik dem Sergeanten gegenüber verloren ging, so hatte sie doch einigen Erfolg. Es kam ihm ein wenig sonderbar vor, daß in der Nähe des Forts Spione sollten entdeckt worden seyn, ohne daß er etwas davon wußte. Auch glaubte er, daß dieß ein Kcnntnißzweig sep, der nicht gerade in Jaspers Sphäre einschlage. Allerdings war der Send ein oder zweimal über den See geschickt worden, um Mannschaft ans Land zu setzen oder weiter zu schaffen; aber damals spielte Jasper, wie er wohl wußte, eine sehr untergeordnete Rolle, und der Führer des Kutters kannte von dem Aufträge der Leute, welche er ab- und zuführte, so wenig als ein anderer; auch sah er nicht ein, warum Eau-douce allein von allen Anwesenden etwas von dem letzten Besuche wissen sollte. Pfadfinder betrachtete übrigens die Sache von einem verschiedenen Standpunkt. Mit seinem gewohnten Mißtrauen tadelte er sich selbst wegen Vernachläßigung seiner Pflicht, und jene Kenutniß, deren Mangel ihm bei einem Mann, der sie besitzen sollte, als ein Fehler erschien, rechnete er dem jungen Mann als Verdienst an. Er sah nichts Außerordentliches in der Bekanntschaft Jaspers mit den von ihm mitgctheiltcn Thatsachen, während er fühlte, dass ckmw'-r»»-.»»! 275 es ungewöhnlich, wo nicht gar entehrend für ihn selbst scp, jetzt zum erstenmal davon zu hören. „Was die Moccasstnü anbelangt, Meister Cap," sagte er, als eine kurze Pause ihn zum Sprechen veranlaßte, „so mögen sie allerdings von Blaßgesichtern so gut als von den Rothhäuten getragen werden, doch lassen sie nie dieselben Fußspuren zurück. Wer an die Wälder gewöhnt ist, weiß wohl die Fußstapfen eines Indianers von denen eines weiße» Mannes zu unterscheiden, mögen sie nun durch einen Stiefel oder einen Moceasstn hervorgebracht scyn. Man muß mir mit einleuchtenderen Umstanden kommen, wenn man mich glauben machen will, daß Jasper falsch sey." „Ihr werdet doch zngeben, Pfadfinder, daß es eine Art Dinge auf der Welt gibt, die man Verräthcr nennt?" warf Cap mit einer hochweisen Miene ein. „Ich habe nie einen ehrlich gesinnten Mingo gekannt, das heißt, einen dem man vertrauen konnte, wenn sich ihm eine Versuchung zum Betrug darbst. Freilich Arglist scheint ihre Gabe zu sepn, und es kommt mir bisweilen vor, als ob man sie deshalb mehr bedauern als verfolgen sollte." „Warum dann aber nicht glauben, daß Jasper die nämliche Schwäche haben könnte? Mensch ist Mensch, und die menschliche Natur ist bisweilen nur ein armes Ding, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, ja ich kann sagen, recht gut ans eigener Erfahrung weiß — wenigstens, so weit ich von meiner eigenen menschlichen Natur spreche." Dies; gab die Einleitung zu einer langen und wechselnden Unterhaltung, in welcher für und wider die Wahrscheinlichkeit von Jaspers Schuld oder Unschuld gesprochen wurde, bis der Sergeant und sein Schwager sich fast ganz in die volle Ucberzeugung von der ersteren hiyeinräsvnnirt hatten, indeß ihr Gefährte in seiner Vcr- thcidigung des Angeklagten immer derber und standhafter wurde und sich in der Meinung, daß man Jasper mit Unrecht Vcrrätherci 276 zur Last lege, nur noch mehr befestigte. Das war nun freilich ganz der gewöhnliche Lauf der Dinge; denn es gibt keinen sicherer» Weg, sich irgend eine besondere Ansicht zu eigen zn machen, als wenn man ihre Vertheidigung unternimmt, und zn unseren hartnäckigsten Meinungen mögen diejenigen gerechnet werden, welche ans Erörterungen fließen, in denen wir die Erforschung der Wahrheit zum Vorwand nehmen, während sie in Wirklichkeit nnr zur Kräftigung unserer Vvrnrtheile dienen. Mittlerweile war der Sergeant in eine Gemüthsstimmung gcrathen, welche ihn geneigt machte, jede Handlung des jungen Schiffers mit Mißtrauen zu betrachten, und bald kam er mit seinem Verwandten über die Ansicht in Einklang, daß das, was Jasper von den Spionen wußte, nicht in den Kreis seiner regelmäßigen Pflichten gehöre, und demnach „ein Indiz" sch. Während dieses in der Nähe des Hakebords verhandelt wurde, saß Mabel still an der Kajntentreppc. Herr Muir war in den untern Raum gegangen, um nach seinen eigenen Bequemlichkeiten zn sehen, und Jasper stand ein wenig luvwärts mit gekreuzten Armen, indeß seine Angen von den Segeln nach den Wolken, von den Wolken zn den dunkeln Umrissen des Ufers, vom Ufer zum See, und von dem See wieder zurück zu den Segeln wandcrten. Auch unsere Heldin fing an, mit ihren Gedanken geheime Zwiesprache zn halten. Die Aufregung der letzten Reise, die Ereignisse, welche mit dem Tage ihrer Ankunft in dem Fort verbunden waren, das Zusammentreffen mit einem Vater, der ihr eigentlich fremd war, die Neuheit ihrer kürzlichen Lage in der Garnison und die gegenwärtige Reise — alles dieses bildete für das Auge ihres Geistes eine Perspektive, welche ihr auf Monate zurückzudcnten schien. Sie konnte kaum glauben, daß sie erst vor so kurzer Zeit die Stadt mit all. den Gewohnheiten des eivilisirten Lebens verlassen habe, und staunte, daß namentlich die Ereignisse, welche ihr während der Fahrt auf dem Oswegv begegnet waren, einen so geringen Eindruck in ihrem Gemüthe zurückgelaffen hätten. Da sic zu unerfahren war. »m zu wissen, das; sich häufende Ereignisse die Wirkung der Zeit haben, oder daß eine rasche Aufeinanderfolge neuer Zustände, welche uns auf Reisen begegnen, jene fast zu der Bedeutung wichtiger Begebenheiten erhebt, so forschte ihr Gedächtniß nach Zeit und Tagen, um sich zu überzeugen, daß sie mit Jaspern, dem Pfadfinder und ihrem Vater wenig mehr, als seit vierzehn Tagen bekannt seh. Mabcl war ein Mädchen, bei welcher das Herz über die Einbildungskraft vorherrschte, obgleich die letztere ihr keineswegs fehlte — sie vermochte sich nicht leicht Rechenschaft über die Gewalt der Gefühle zu geben, welche sie gegen Männer hegte, die ihr kurz vorher noch fremd waren, da sic nicht hinreichend geübt war, ihre Empfindungen zu zergliedern und daraus die Natur der erwähnten Einflüsse sich klar zu machen, Ihr reiner Sinn war jedoch bis jetzt frei von dem Gifte des Mißtrauens; keine Ahnung tauchte in ihr auf von den Absichten ihrer beiden Anbeter, und der Gedanke, daß einer derselben ein Vcrräthcr au König und Vaterland sehn könne, würde wohl zuletzt ihre Zuversicht getrübt haben, Amerika zeichnete sich zu der Zeit, von der wir schreiben, durch seine Anhänglichkeit an die deutsche Familie, welche auf dem brittischcn Throne saß, aus; wie man denn überhaupt in allen Provinzen findet, daß die Vorzüge und Eigenschaften, welche man in der Nähe der Macht aus Klugheit und Schmeichelei preist, in solcher Entfernung bei Leichtgläubigen und Unwissenden Theile eines politischen Glaubensbekenntnisses werden. Diese Beobachtung findet man heut zu Tage in Beziehung auf die Matadore der Republik eben so wahr, als sic damals in Betreff dieser entferuten Herrscher galt, deren Verdienste zu erheben die Klugheit anrieth, und deren Mängel, zn enthüllen als Hochverrat!; betrachtet wurde. In Folge dieser geistigen Abhängigkeit ist die öffentliche Meinung so oft nur der Preis von Ränken, und die Welt sieht sich, trotz ihres Prunkenö mit Kenntnissen und Verbesserungen, genöthigt, in allen Punkten, welche die Interessen der Gewalthaber berühren, nur ans einer so trüben 278 Quelle — und zwar aus einer Quelle, die den Absichten derer dient, welche die Zügel in den Händen haben — ihre Erkenntniß zu schupfen. Die Franzosen bedrängten damals die brittischen Eoloniec» durch einen Gürtel rwn Festungen und Ansiedelungen an den Gränzen, wodurch sie auch die Wilden in ihrem Bunde erhielten: man konnte daher kaum sagen, ob die Liebe der Amerikaner zu den Engländern größer war, oder ihr Haß gegen die Franzosen, und wer zu jenen Zeiten lebte, würde wahrscheinlich das Bündniß, welches etliche und zwanzig Jahre später zwischen den cisatlantischen Nnter- thanen und de» alten Nebenbuhlern der brittischen Krone stattfand, als ein Ereigniß betrachte! haben, das außer dem Kreise der Möglichkeit liege./ Mit einem Worte — die Ansichten werden in Provinzen, wie die Moden, übertrieben, »nd die Loyalität, welche in London zum Theil nur eine politische Form war, steigerte sich in New-Uork zu einem Vertrauen, welches fast hätte Berge versetzen können. Man traf daher selten Unzufriedene, und Verrath zu Gunsten Frankreichs oder der Franzosen wäre in den Augen der Provinzbewohner am allerverhaßtcstcn erschienen. Mabel würde das Verbrechen, welches man Jaspern im Geheim zur Last legte, am wenigsten geahnt haben, »nd wenn Andere in ihrer Nähe die Qual des -Argwohns fühlten, so war wenigstens sie von der edeln Zuversicht einer weiblichen Seele erfüllt. Noch war kein Flüstern zu ihr gedrungen, um das Gefühl des Vertrauens, mit welchem sie vom Anfang an auf den jungen Schiffer geblickt hatte, zu stören, und ihr eigener Geist würde ihr gewiß zuletzt einen solchen Gedanken von selbst zugeführt haben. Die Bilder der Vergangenheit und der Gegenwart, welche sich ihrer thätigeik Einbildungskraft in so rascher Folge darstellten, waren daher von keinem Schatten verdüstert, der irgend Jemanden, für den sie Interesse fühlte, hätte verletzen können, und ehe sie in dieser sinnenden Weise eine Viertelstunde zugebracht hatte, athmcte die ganze Scene um sie her ungetrübte Wonne. 279 Die Jahreszeit und die Nacht waren allerdings geeignet, die Gefühle, welche Jugend, Gesundheit und Glück mit dem Reize der Neuheit zu verbinden gewohnt ist, zu steigern. Das Wetter war warm, wie es selbst im Sommer in dieser Gegend nicht immer der Fall ist, während die Luft, welche vom Lande her strömte, die Kühle und den Duft der Wälder mit sich führte. Man konnte den Wind bei weitem keinen steifen nennen, obwohl er kräftig genug war, den Send lustig vor sich herzutreiben und vielleicht die Aufmerksamkeit in der Unsicherheit, welche mehr oder weniger das Dunkel begleitet, rege zu erhalten. Jasper schien diesen Wind mit Wohlgefallen zu betrachten, wie aus dem kurzen Gespräche, welches nun zwischen ihm und Mabeln stattfand, erhellte. „Wenn es so fortgeht, Eau-donec," — denn so hatte bereits Mabcl den jungen Schiffer nennen gelernt, — „so kann es nicht lange anstehen, bis wir den Ort unserer Bestimmung erreichen." „Hat Ihr Vater Ihnen denselben namhaft gemacht, Mabel?" „Er hat mir nichts gesagt. Mein Vater ist zu sehr Soldat und zu wenig an ein Familienleben gewöhnt, um über solche Dinge mit mir zu sprechen. Ist es verboten, zu sagen, wohin wir gehen?" „Da wir in dieser Richtung steuern, so kann es nicht weit sehn, denn mit sechzig oder siebzig Meile» kommen wir in den S. Lorenzo, den uns die Franzosen heiß genug machen dürften. Auch kann keine Reise auf diesem See besonders lange dauern." „So sagt mein Onkel Cap; aber mir, Jasper, scheint der Ontario und der Occan ziemlich das Gleiche zu seyn." „Sie sind also ans dem Ocean gewesen, während ich, der ich mich für einen Schiffer ausgebc, noch nie Salzwasser gesehen habe. Sie müssen wohl einen Seemann, wie ich bin, in Ihrem Herze» recht verachten, Mabel?" „Verachtung wohnt nicht in meinem Herzen, Jasper Eau- donce. Was hätte auch ein Mädchen ohne Erfahrung und Kenntniß für ein Recht, irgend Jemanden zu verachten, geschweige eine» 280 Mann wie Ihr, der das Vertrauen des Majors besitzt, und ein Schiff wie dieses hier befehligt. Ich bin nie auf dem Oeean gewesen, obgleich ich ihn gesehen habe, und ich wiederhole cS, daß ich keinen Unterschied zwischen diesem See und dem atlantischen Meere gewahren kann." „Auch nicht zwischen denen, welche auf beiden segeln? Ich . fürchtete, Mabel, Ihr Onkel habe so viel gegen uns Frischwasserschiffer gesagt, daß Sie uns für wenig mehr, als für anmaßende Leute halten müssen?" „Laßt Euch das nicht kümmern, Jasper, denn ich kenne meinen Onkel, und er sagt, wenn wir zu Uork sind, eben so viel gegen die, welche am Lande leben, als er hier gegen die sagt, welche das Frischwaffer befahren. Nein, nein, weder mein Vater noch ich halten etwas von solchen Ansichten. Mein Onkel Cap möchte wohl, wenn er sich offen anssprächc, von einem Soldaten noch eine geringere Meinung knndgcben, als von einem Schiffer, der nie das Meer gesehen hat." „Aber Ihr Vater, Mabel, hat eine bessere Meinung von einem Soldaten, als von irgend Jemand anderem. Er wird wohl wünschen, Sie an einen Soldaten zu verheirathen?" „Jasper Eau-douce! — ich, einen Soldaten hcirathen? — Mein Vater sollte das wünschen? — Warum sollte er das thun? Was für ein Soldat ist denn in der Garnison, den ich heirathcn könnte, daß er wünschen sollte, mich zu verheirathen?" „Man kann einen Beruf so sehr lieben, daß man sich denkt, er verdecke tausend Unvollkommenheiten." „Aber man kann doch wahrscheinlich seinen Beruf nicht so sehr lieben, daß man alles Andere darüber übersieht. Ihr sagt, mein Water wünsche mich an einen Soldaten zu verheirathen, und doch ist in Oswego keiner, dem er mich wahrscheinlich geben möchte. Ich bin in einer unangenehmen Lage, denn während ich nicht gut genug bin, um die Frau eines Gentleman in der Garnison zu 281 werden, halte ich wich doch — und Ihr werdet mir beistimmen, Jasper — für zu gut, um einen gemeinen Soldaten zu heirathen." Als Mabel so offen sprach, erröthete sic unwillkührlich, obgleich dieß in der Dunkelheit von ihrem Gefährten nicht bemerkt wurde, und lächelte dabei, wie Jemand, welcher fühlt, daß der Gegenstand, von so zarter Natur er auch seyn mochte, aufrichtig behandelt zu werden verdiene. Jasper jedoch schien ihre Lage von einem verschiedenen Gesichtspunkte aus zu betrachten. „Es ist wahr, Mabel," sagte er, „Sie sind nicht, was man im gewöhnlichen Sinne des Worts eine Dame nennt —" „In keinem Sinne des Worts, Jasper," unterbrach ihn das edle Mädchen mit Lebhaftigkeit, „und ich hoffe, ich bin in diesem Punkte frei von aller Eitelkeit. Die Vorsehung hat mich zu der Tochter eines Sergeanten gemacht, und ich bin zufrieden mit der Stellung, in der ich geboren bin." „Aber nicht alle bleiben in der Stellung, in der sie geboren sind, Mabel. Einige erheben sich über dieselbe, und einige sinke» noch tiefer. Viele Sergeanten sind Offiziere, sogar Generale geworden, und warum sollten Sergeanten-Töchter nicht Offiziers- srauen werden können?" „In dem Falle von Sergeant Dunhams Tochter weiß ich keinen bessern Grund anzugcben, als daß mich wahrscheinlich kein Offizier zu seinem Weibe machen will," erwiederte Mabel lachend. „Sie mögen so. denken; aber es gibt einige im Fünfundfünfzigsten, die das besser wissen. Es ist gewiß ein Offizier in diesem Regiment, welcher Sie zu seiner Frau zu machen wünscht." Mit der Schnelligkeit des Blitzes eilten Mabels Gedanken über die fünf oder sechs Subaltern-Offiziere des Corps weg, deren Atter und Neigungen auf einen derartigen Wunsch mochten schließen lassen; und wir würden vielleicht ihren Gesinnungen Unrecht thun, wenn wir cs verschwiegen, daß einen Augenblick das Gefühl der Freude lebhaft in ihrem Busen aufleuchtete, als sie sich die 282 Möglichkeit dachte, sich über eine Stellung zu erheben, von der sie, trotz ihrer vorgeblichen Zufriedenheit, fühlte, daß sic nicht ganz mit ihrer Erziehung im Einklänge stehe. Diese Bewegung verschwand jedoch eben so schnell, als sie erschienen war, denn Mabels Gefühle waren viel zu rein und weiblich, um den Bund der Ehe von einem so weltlichen Gesichtspunkte aus, den bloß die Vortheile des Standes boten, zu betrachten. Diese vorübergehende Erregung war ein durch erkünstelte Ansichten hervorgebrachter Laut, während die gediegenere Betrachtungsweise, welche znrückblicb, aus Natur und Grundsätzen floß. „Ich kenne keinen Offizier des fünfundfünfzigstcn, oder irgend eines andern Regiments, von dem ich eine solche Thorheit ver- muthen könnte. Auch glaube ich nicht, daß ich selbst die Thorheit begehen könnte, einen Offizier zu hcirathen." „Thorheit, Mabel?" „Ja, Thorheit, Jasper. Ihr wißt so gut als ich, was die Welt von solchen Verbindungen denkt, und ich müßte besorgen, und wohl mit Grund besorgen, es könnte meinen Gatten einmal reuen, daß er sich durch ein Aeußeres, an dem er Gefallen fand, verleiten ließ, die Tochter einer so untergeordneten Person, als ein Sergeant ist, zu hcirathen." „Ihr Gatte wird wahrscheinlich mehr an die Tochter, als an den Vater, denken." Das Mädchen hatte mit einem Anflug von Laune gesprochen, obgleich auch sichtlich ihre Gefühle an der Unterhaltung Theil nahmen. Auf Jaspers letzte Bemerkung schwieg sie beinahe eine Minute und fuhr dann in einer weniger scherzenden Weise fort, in der ein aufmerksamer Beobachter wohl einen leichten melancholischen Zug hätte entdecken mögen: „Vater und Kind müssen leben, als ob sie nur ein Herz, nur eine Gefühls- und Denkweise hätten. Ein gemeinschaftliches Interesse unter allen Verhältnissen ist für Mann und Frau so 283 gut cin Erforderniß zu ihrem Glücke, als für die übrigen Glieder einer und derselben Familie. Am allerwenigsten darf aber der Mann oder die Frau irgend einen ungewöhnlichen Grnnd haben, sich unglücklich zu fühlen, da die Welt ohnehin deren so viele liefert." „Ich soll daraus wohl entnehmen, Mabel, daß Sie die Ver- hcirathung mit einem Offizier bloß um deßwillen ansschlagen würden, weil er ein Offizier ist?" „Habt Ihr cin Recht, eine solche Frage zu stellen, Jasper?" sagte Mabel lächelnd. „Kein anderes Recht, als wie es der eifrige Wunsch, Sie glücklich zu sehen, geben kann, und dieses mag im Grunde gering genug seyn. Meine Besorgniß hatte zugenommen, als ich zufällig erfuhr, daß Ihr Vater die Absicht habe, Sie zu einer Verbindung mit dem Lieutenant Mnir zu bereden." „Mein lieber, thcurer Vater kann keinen so lächerlichen, so grausamen Gedanken hegen." „Wäre es denn so grausam, wenn er Sie als die Frau eines Qnartiermeisters zu sehen wünschte?" „Ich habe Ench gesagt, was ich über diesen Gegenstand denke, und kann mich darüber nicht deutlicher ausdrücken. Da ich Ench aber so freimüthig geantwortrt habe, Jasper, so habe ich wohl ein Recht, zu fragen, wie Ihr etwas von den Gedanken meines Vaters erfahren habt?" „Daß er einen Mann für Sic ausgesucht hat, weiß ich ans seinem eigenen Munde; er erzählte mir's bei Gelegenheit der häufige» Besprechungen, welche ich mit ihm hielt, als er bei der Einschiffung der Vorräthe die Aufsicht führte; und daß sich Herr Mnir Ihnen antragen wird, hat mir dieser Offizier selbst mitgctheilt. Da ich nun diese beiden Umstände zusammenhielt, so kam ich natürlich zu der vorhin ausgesprochenen Meinung." „Kann nicht mein lieber Vater, Jasper" — Mabels Gesicht glühte wie Feuer, während sie sprach, obgleich ihr die W.rte nur langsam und wie unter einer Art unwillkührlichen Antriebs von den Lippen glitten — „kann nicht mein lieber Vater an einen andern gedacht haben? Ans dem, was Ihr mir sagtet, folgt nicht, daß er den Herrn Mnir meine/' „Ist es nicht nach allen Vorgängen sehr wahrscheinlich, Ma- bel? Was bringt den Quartiermeistcr hieher? Er hat cs früher nie für nöthig gefunden, die Mannschaft, welche herunter geht, zu begleiten. Er wünscht Sie zum Weibe zu haben, und Ihr Vater ist damit einverstanden. Es mnß Ihnen einleuchtcn, Makel, daß Herr Mnir nur nm Ihretwillen mitgeht?" Mabcl gab keine Antwort. Ihr weiblicher Instinkt hatte ihr allerdings bereits gesagt, daß sie ein Gegenstand von des Quartiermeisters Bewunderung sey, obgleich sie dieß kaum tu der Ausdehnung, welche Jasper der Sache gab, vcrmuthet hatte. Auch hatte sie ans einem Gespräch mit ihrem Vater entnommen, daß er ernstlich daran denke, über ihre Hand zu verfügen; aber kein Grübeln hätte sie je ans den Gedanken gebracht, daß Herr Mnir der Mann seh. Sie glaubte es auch jetzt noch nicht, obgleich sie weit entfernt war, die Wahrheit zu ahnen. In der That betrachtete sie die gelegentlichen Bemerkungen ihres Vaters, welche ihr ausgefallen waren, mehr für die Ergüsse des Wunsches, sie überhaupt versorgt zu sehen, als für die Ergebnisse eines Planes, sie mit irgend einem bestimmten Manne zu vereinigen. Sie hielt jedoch diese Gedanken geheim, da die Selbstachtung und weibliche Zurückhaltung es als unpassend erscheinen ließen, sie zum Gegenstand einer Besprechung mit ihrem gegenwärtigen Gesellschafter zu machen. Um daher dem Gespräch eine andere Richtung zu geben, fuhr sie nach einer Pause, die lange genug gewesen war, um beide Theile in Verlegenheit zu setzen, fort: — „Auf eines könnt Ihr Euch verlassen, Jasper, und dieses ist auch Alles, was ich Euch über den Gegenstand noch zu sagen wünsche. 285 — Lieutenant Muir wird, selbst wenn er Oberst wäre, nie der Gatte von Mabel Dunham scpn. Und nun erzählt mir von Eurer Reise — wann wird ste enden?" „Das ist ungewiß. Wenn man einmal ans dem Wasser ist, so ist man dem Wind und den Wellen preisgegcbe». Pfadfinder wird Ihnen sagen, daß derjenige, welcher einen Hirsch am Morgen aufjagt, nicht sagen kann, wo er des Nachts schlafen wird." „Aber wir sind weder aus der Hirschjagd, noch ist es Morgen. Pfadfinders Moral ist also verloren." „Wir sind freilich nicht auf der Hirschjagd, jagen aber etwas nach, was wohl eben so schwer zu fangen ist. Ich kann Ihnen darüber nicht mehr sagen, als bereits geschehen ist; denn es ist unsere Pflicht, den Mund geschlossen zu halten, ob etwas davon abhänge oder nicht. Ich fürchte jedoch, ich werde Sie nicht lange genug an dem Send behalten, um Ihne» zeigen zu können, was er im Nothfalle zu leisten im Stande ist." „Ich halte ein Mädchen für unkluge das je einen Seemann hcirathct," sagte Mabel abgebrochen und fast nnwillkührlich. „Das ist eine sonderbare Ansicht; warum glauben Sie das?" „Weil eines Seemannes Weib darauf rechnen kann, in seinem Schiff eine Nebenbuhlerin zu haben. Selbst Onkel Cap sagt, daß ein Schiffer nie Helrathen sollte." „Er meint die Salzwasserschisser," erwicderte Jasper mit Lachen. „Wenn er glaubt, daß die Weiber nicht gut genug für die seyen, welche den Ocean befahren, so wird er gewiß denken, sie sepen für dis, welche auf den Seen segeln, eben recht. Ich hoffe, Mabel, Sie lassen sich in ihren Meinungen über uns Frisch- waffermatrosen nicht so ganz von dem, was Meister Cap von uns sagt, bestimmen?" „Segel, ho!" rief auf einmal der Mann, von dem eben die Rede war, „oder Boot ho! um der Wahrheit näher zu kommen." Jasper eilte vorwärts. In der That ließ sich auch etwa 286 hundert Ellen vor dein Knttcr nahe an seinem Lee-Bug ein kleiner Gegenstand bemerken. Jasper erkannte in ihm auf den ersten Blick einen Nindenkahn; denn obgleich die Finsternis das Erkennen der Farben verhinderte, so konnte doch ein an die Nacht gewöhntes Auge nahe liegende Gestalten unterscheiden, zumal ein Auge wie Jaspers, welches zu lange mit den Bcgegniffen auf dem Wasser vertraut war, um die Umrisse zu verkennen, welche ihn zu der eben genannten Folgerung veranlaßten. „Das kann ein Feind seyn," bemerkte der junge Mann, „und es ist wohl räthlich, ihn zu überholen." „Er rudert mit aller Macht, Junge," erwiederte Pfadfinder, „und beabsichtigt, unfern Bug zu kreuzen und windwärts zu kommen, wo Ihr dann ebensogut einem ausgewachsenen Bock in Schneeschuhen nachjagcn könntet." „Halt bei dem Winde!" rief Jasper dem Steuermann zu, „luv auf, so lang sich das Schiff halten läßt. Nun fest und nahe gehalten." Der Steuermann gehorchte, und da der Send nun die Wellen lustig auf die Seite warf, so brachten eine oder zwei Minuten den Kahn so weit leewärts, daß ein Entrinnen unausführbar war. Jasper sprang nun selbst ans Steuer, und durch eine geschickte nnd vorsichtige Bewegung kam er dem Gegenstand seiner Jagd so nahe, daß man sich desselben durch einen Bootshaken versichern konnte. Die zwei in dem Kahn befindlichen Personen verließen nun ans erhaltenen Befehl das^Boot, und sie waren kaum auf dem Verdecke des Kutters angelangt, als man in ihnen Nrrowhead nnd sein Weib erkannte. 287 Fünfzehntes Kapitel. Wir beißt die Perle, die kein Gold erkauft, Auf die gelehrter Stolz verachtend blicke. Die u»r der Arme und Verachtete Sucht, und erhält, und ungesucht oft findet? Sprich — und ich sage dir, was Wahrheit ist. Eowpcr. Das Zusammentreffen mit dem Indianer und seinem Weibe hatte für die Mehrzahl derer, welche Zeugen dieses Ereignisses waren, nichts Neberraschendes. Mer Mabel und Alle, welche wußten, wie dieser Häuptling sich von Caps Gesellschaft getrennt hatte, unterhielten gleichzeitig argwöhnische Vermnthnngcn, die sich weit leichter fühlen, als verfolgen und durch irgend einen Schlüssel zur Gewißheit erheben ließen. Pfadfinder, der sich allein mit den Gefangenen — denn als solche konnten sie jetzt betrachtet werden — zu unterhalten vermochte, führte Arrowhead bei Seite, und besprach sich lange mit ihm über die Gründe, welche ihn veranlaßt hatten, sich seinem Aufträge zu entziehen, und über die Weise, wie er sich bisher beschäftigt hatte. Der Tuscarora antwortete ans die an ihn gestellten Fragen mit der Ruhe eines Indianers. In Betreff seines Entweichens waren seine Entschuldigungen einfach und schienen hinreichend annehmbar. Als er gefunden hatte, daß die Gesellschaft in ihrem Verstecke entdeckt worden war, hatte er natürlich an seine eigene Sicherheit gedacht, welche er am besten in den Wäldern zu finden hoffte; denn er zweifelte nicht, daß alle, welchen dieses nicht glückte, auf der Stelle gctödtct werden würden. Mit einem Worte — er hatte Reißaus genommen, um sein Leben zu retten. „Das ist gut," erwiederte Pfadfinder, indem er sich das Ansehen gab, als ob er der Rechtfertigung des Andern Glauben beimcfse; „mein Bruder hat sehr weise gehandelt. Aber sein Weib folgte ihm?" „Folgen die Blaßgesichtsweiber ihren Männern nicht? Würde Pfadfinder nicht zurückgeblickt haben, um zu sehen, ob die, welche er liebte, komme?" Diese Berufung traf den Wegweiser gerade in der günstigsten Gemüthsstimmung, um ihre Kraft fühlbar zu machen; denn Mabel, ihre gewinnenden Eigenschaften und ihre Entschlossenheit waren bereits zu Bildern geworden, mit denen sich seine Gedanken vertrauter gemacht hatten. Obgleich der Tuscarora den Grund nicht errathen konnte, so sah er doch, daß seine Entschuldigung angenommen wurde, und erwartete mit ruhiger Würde die weitere Untersuchung. „Das ist vernünftig und natürlich," erwiederte Pfadfinder in englischer Sprache, denn er ging unwillkührlich von der einen in die andere über, wie es ihm gerade Gefühl nnd Gewohnheit gebot, „es ist natürlich, und mag stch wohl so verhalten. Wahrscheinlich würde ein Weib dem Manne folgen, deni sie Treue gelobt hat, nnd Mann und Weib find ein Fleisch. Mabel würde auch dem Sergeanten gefolgt seyn, wenn er gegenwärtig gewesen wäre und stch auf diese Weise zurückgezogen hätte, und ich zweifle nicht im mindesten, daß das warmherzige Mädchen mit ihrem Gatten gegangen wäre. Eure Worte sind ehrlich, Tuscarora" — er sprach dieses wieder in der Zunge des letzteren — „Eure Worte find ehrlich, annehmbar und billig. Aber warum ist mein Bruder so lange von dem Fort weggeblieben? Seine Freunde haben oft an ihn gedacht, aber ihn nicht wieder zu Gesicht bekommen." „Wenn die Damgais dem Bocke folgt, muß nicht der Bock der Gais folgen?" antwortete der Tuscarora lächelnd, und legte dabei den Finger bedeutungsvoll auf die Schulter des Fragers. „Arrowhcad's Weib folgte Arrowhead; es war daher billig, daß Arrowhead seinem Weibe folgte. Sie verlor den Weg und man zwang sie, in einem fremden Wigwam zu kochen." 289 „Ich verstehe Euch, Tuscarora. Das Weib fiel in die Hände der Mingos, und Ihr bliebt auf ihrer Fährte." „Pfadfinder kann einen Grund so leicht sehen, als er das Moos der Bäume sicht. Es ist so." „Seit wie lange habt Ihr das Weib wieder zurückcrhalten, und in welcher Weise ist dieses geschehen?" „Zwei Sonnen. Dew ofJune ließ nicht lange auf sich warten, als ihr Gatte ihr den Pfad zufiüsterte." „Gut, gut, alles dieses scheint mir natürlich und der Ehe angemessen. Aber, Tuscarora, wie erhieltet Ihr diesen Kahn, und warum rudert Ihr dem S. Lvrenzo zu, statt gegen die Garnison hin?" „Arrowhead weiß sein Eigcnthum von dem eines andern zu unterscheiden. Der Kahn ist mein; ich fand ihn an dem Ufer, nahe an dem Fort." „Auch das klingt vernünftig; denn zu einem Kahn gehört ein Mensch, und ein Indianer gibt nicht viele Worte aus, wenn er sich etwas aneignen will. Es ist aber doch nicht in der Ordnung, daß wir von dem Burschen und seinem Weib nichts gesehen haben, da doch der Kahn den Fluß vor uns verlassen haben muß." Dieser Gedanke, der dem Wegweiser plötzlich durch die Seele fuhr, wurde nun dem Indianer in der Form einer Frage vorgelegt. „Pfadfinder weiß, daß ein Krieger Scham haben kann. Der Vater würde mich nach seiner Tochter gefragt haben, und ich konnte sie ihm nicht geben. Ich schickte Dew of June nach dem Kahne aus, und Niemand redete das Weib an. Ein Tuscarorawcib wagt es nicht, mit fremden Männern zu sprechen." Alles dieses war annehmbar, auch dem Charakter und den Gewohnheiten der Indianer gemäß. Wie gewöhnlich, hatte Arrowhead die Hälfte seiner Belohnung zum Voraus erhalten, als er den Mohawk verließ, und es war ein Beweis von dem Bewußtseyn gegenseitiger Rechte, welches oft eben so bezeichnend für die Moral der Wilven, als die der Christen ist, daß er es nicht wagte, den Der Pfadfinder. 3. 'Aufl. 19 2 290 Rest anzusprechen. In den Augen eines so rechtlichen Mannes, wie der Pfadfinder war, hatte Arrowhead sich mit Zartheit und Schicklichkeit benommen, obgleich es mit seinem eigenen freimüthigen Wesen besser im Einklang gewesen wäre, zu dem Vater zu gehen und bei der einfachen Wahrheit zu bleiben; da er jedoch an die Weise des Indianers gewöhnt war, so sah er nichts Auffallendes in dem Benehmen des Andern. „Das geht wie Wasser, welches den Berg herunter kömmt, Arrowhead," antwortete er nach einer kurzen Nebcrlegnng, „und die Wahrheit muß ich anerkennen. Es war die Gabe einer Rvthhaut, ans diese Weise zu handeln, obgleich ich nicht glaube, daß es die Gabe eines Blaßgefichts wäre. Ihr wolltet wohl den Gram nicht sehen, den der Vater um das Mädchen empfand?" Arrowhead machte eine ruhige Verbeugung, als ob er dies; zugestehen wolle. „Mein Bruder wird mir noch eines sagen, fuhr Pfadfinder fort, „und es wird keine Wolke mehr zwischen seinem Wigwam und dem festen Hanse der Uengeese stehen. Wenn er noch dieses bischen Nebel mit dem Hauche seines Mnndcs wcgblasen kann, so werden seine Freunde auf ihn sehe», wie er bei seinem eignen Feuer sitzt, und er kann auf sic sehen, wie sie ihre Waffen weglegen, und vergessen, daß sie Krieger sind. Warum war die Spitze von Arrow- head's Kahn gegen den S. Lorcnzv zugekehrt, wo er doch nur Feinde finden wird?" „Warum blickt der Pfadfinder und seine Freunde ans denselben Weg?" fragte der Tuscarora ruhig. „Ein Tuscarora kann in dieselbe Richtung, wie ein Uengeese schauen." „Warum, Arrowhead? Um die Wahrheit zu gestehen, wir sind aufs Kundschaften ans, wie — das zu. Schiff geschehen kann, — oder mit andern Worten, wir sind im Dienste des Königs, und haben ein Recht, hier zu seyn, obgleich wir vielleicht kein Recht haben, zu sagen. Warum wir hier sind." 201 „Arrowhead sah den großen Kahn, und er liebt es, in das Gesicht von Eau-douce zn sehen. Er ging am Abend gegen die Sonne, um seinen Wigwam zu suchen; da er aber fand, daß der junge Seemann einen andern Weg gehen wolle, so kehrte er um, um in dieselbe Richtung zu schaue». Ean-douce und Arrowhead waren bei einander ans der letzten Fährte." „Das mag alles wahr seyn, TuScarora, und Ihr scpd willkommen. Ihr sollt von nnserm Wildpret essen, und dann müssen wir uns trennen. Die untcrgehcnde Sonne ist hinter uns, und wir beide bewegen uns schnell. Mein Bruder wird sich zu weit von dem entfernen, was er sucht, wenn er nicht umkehrt." Pfadfinder kehrte nun zu den Nebrigen zurück, und berichtete das Ergebnis! seiner Untersuchung. Er schien selbst zu glauben, daß Arrowhcad's Erzählung wahr sehn könne, obgleich er zugestand, daß die Klugheit Vorsicht gegen einen Menschen fordere, der ihm mißfiel. Seine Zuhörer jedoch waren, mit Ausnahme Jaspers, wenig geneigt, seine» Erklärungen Glauben zu schenken. „Dieser Kerl muß sogleich in Eisen gelegt werden, Bruder Dunham," sagte Cap, als Pfadfinder seine Erzählung beendet hatte; „er muß dem Profos übergeben werden, wenn cs einen solchen Beamten auf dem frischen Wasser gibt. Man muß ein Kriegsgericht über ihn halten lassen, sobald wir den Hafen erreichen." „Ich denke, es ist das Klügste, den Burschen festzühaltcn," antwortete der Sergeant. „Aber Eisen ist unnöthig, so lang er auf dem Kutter bleibt. Morgen soll die Sache untersucht werden." Man forderte nnn Arrowhead vor und verkündete ihm die Entscheidung. Der Indianer hörte ernst zu, und machte keine Einwürfe; im Gcgentheil unterwarf er sich mit der ruhigen und zurückhaltenden Würde, mit der die amerikanischen Nreingeborncn sich in ihr Schicksal zn ergeben pflegten, und blieb als ein aufmerksamer, aber ruhiger Beobachter dessen, was verging, seitwärts 292 stehen. Jasper ließ des Kutters Segel in den Wind, und der Send nahm seinen Curs wieder auf. Es kam nun die Stunde heran, wo die Wachen ausgestellt wurden und man sich wie gewöhnlich zur Ruhe begab. Der größte Thcil der Mannschaft ging nach unten, und nur Cap, der Sergeant, Jasper und zwei Matrosen blieben ans dem Verdeck. Auch Arrow- head mit seinem Weibe blieb; jener stand luvwärts in stolzer Nb- gemesscnhcit, indesi letztere in ihrer Haltung und Hingebung die demnthigc Unterwürfigkeit äußerte, welche das Weib eines Indianers charakterisirt. „Ihr werdet unten einen Platz für Euer Weib finden, Arrow- head, wo meine Tochter für ihre Bedürfnisse Sorge tragen wird," sagte der Sergeant mit Güte, als er gerade im Begriff war, das Deck zu verlassen, „und dort ist ein Segel, auf dem Ihr selbst schlafen könnt." „Ich danke meinem Vater. Die Tusearoras find nicht arm. Das Weib wird nach meinen Decken im Kahne sehen." „Wie Ihr wollt, mein Freund; wir halten es für nöthig, Euch znrückznhaltcn, aber nicht. Euch cinzusperren oder übel zu behandeln. Schickt Euer Weib nach den Decken in den Kahn, und Ihr selbst könnt ihr folgen und uns die Ruder überliefern. Da es einige schläfrige Köpfe in dem Send geben könnte, Eau-douce," fügte der Sergeant leise bei, „so wird cs wohl gut sehn, sich der Ruder zu versichern." Jasper nickte Beifall, und Arrowhead und sein Weib, von denen man sich keines Widerstandes versah, gehorchten stillschweigend der Anweisung. Als beide in dem Kahn beschäftigt waren, hörte man einige Ausdrücke scharfen Tadels ans dem Munde des Indianers gegen sein Weib, welche diese mit unterwürfiger Ruhe hinnahm und den begangenen Fehler dadurch zu verbessern suchte, daß sie die Decke, welche sic ergriffen hatte, bei Seite legte und nach einer anderen suchte, die mehr nach dem Sinne ihres Tyrannen war. 293 „Kommt, reicht mir die Hand; Arrowhcad," sagte der Sergeant, der ans dem Schanddeck stand »nd die Bewegungen der Beiden beobachtete, welche für die Ungeduld eines schläfrigen Mannes viel zu langsam waren; „cs wird spät und wir Soldaten werden bei Zeiten geweckt — da heißt es, früh ins Bett und früh heraus." „Arrowhcad kommt," war die Antwort, als der Tuscarora vorwärts in den Bug seines Kahnes trat. Ein Schnitt mit seinem scharfen Messer trennte das Tau, an welchem das Boot lag: der Kutter schoß vorwärts, und ließ die leichte Blase von Barke fast unbeweglich hinter sich. Dieses Manöver war mit einer solchen Schnelligkeit und Geschicklichkeit ans- gefnhrt worden, daß der Kahn auf der Leeseite des Send war, ehe der Sergeant die List bemerkte, und schon in dem Kielwasser schwamm, che er es seinen Gefährten mittheilen konnte. „Hart am Lee!" rief Jasper, und stach mit eigener Hand die Klüverschote auf, worauf der Kutter schnell gegen den Wind fuhr und alle Segel hängen ließ, oder, wie die Seeleute sagen, in des Windes Auge lief, bis das leichte Fahrzeug hundert Fuß windwärts von seiner früheren Lage sich befand. So schnell und sicher diese Bewegung ansgeführt wurde, so . war sie doch nicht schneller und geschickter als die des Tuscarora. Mit einer Einsicht, die seine Vertrautheit mit Fahrzeugen bekundete, hatte er das Ruder ergriffen und flog, von seinem Weibe unterstützt, auf dem Wasser dahin. Er schlug seine Richtung nach Südwcsten ein, in einer Linie also, welche ihn zugleich gegen den Wind und gegen das Ufer führte, und ihn so weit von dem Kutter luvwärts brachte, daß dadurch die Gefahr des Zusammen- stoßcns mit dem großen Fahrzeuge vermieden wurde, wenn letzteres seinen zweiten Gang ausführte. Da der Scud schnell gegen den Wind geschossen war und mit Gewalt vorangetrieben hatte, so wurde es für Jaspern nöthig, abzufallen, ehe das Fahrzeug seinen Weg 29L ganz verlor, und das Steuer wurde kaum zwei Minuten nieder gehalten, als das lebhafte kleine Schiff back vorwärts lag, und so schnell abfiel, daß die Segel sich für den entgegengesetzten Gang füllen konnten. „Er wird entrinnen!" sagte Jasper, als er einen Blick auf die wechselnden Stellungen und Bewegungen des Kutters und des Kahnes warf. „Der schlaue Schurke rudert windwärts todt, und der Send kann ihn nimmer überholen." „Ihr habt einen Kahn!" rief der Sergeant, welcher auf der Verfolgung mit der Heftigkeit eines Knaben beharrte, „wir wollen ihn ins Wasser lassen, und die Jagd sortsetzen!" „Es wird vergeblich seyn. Wenn Pfadfinder auf dem Verdeck gewesen wäre, so hätte es vielleicht gehen mögen; doch damit ist's jetzt vorbei. Bis der Kahn im Wasser ist, gehen drei oder vier Minuten herum, und diese Zeit ist hinreichend für Arrowheads Zweck." Cap und der Sergeant sahen die Wahrheit davon ein, die übrigens anch einem in derartigen Dingen ganz Unerfahrenen hätte einlenchten müssen. Das Ufer war kaum eine halbe Meile entfernt, und der Kahn schoß bereits in dessen Schatten, in einer Weise, die deutlich erkennen ließ, daß er das Land erreicht haben werde, ehe noch seine Verfolger die Hälfte dieser Entfernung zurücklegen konnten. Man hätte dann allerdings sich des Kahnes bemächtigen können; er wäre aber eine nutzlose Prise gewesen, da Arrowhead in den Wäldern wahrscheinlich eher das andere Ufer unentdeckt erreichen konnte, als wenn er sich mit dem Nachen wieder auf den See wagte, obgleich bei ersterem die körperliche Anstrengung größer sehn mochte. Das Steuer des Seuds wurde, zwar nur ungerne, wieder ausgenommen; der Kutter drehte sich ans seiner Hielnng und kam bei dem andern Gang fast instinktartig wieder in seinen Curs. Alles dieses wurde von Jaspern mit der größten Stille vollführt; seine Gehilfen wußten, was Noth that, und unterstützten ihn mit einer fast mechanischen Nachahmung. Während 295 diese Bewegungen gemacht wurden, nahm Cap den Sergeanten an dem Knopfe, führte ihn gegen die Kajütenthüre, wo er außer dem Bereiche des Horchens war, und begann seinen Gedanken- Borrath abzuladen. „Höre, Bruder Dunham," sagte er mit einer geheimnisvollen Miene, „das ist ein Gegenstand, der reifliche Ueberlegung und viele Umsteht fordert." „Das Leben eines Soldaten besteht aus steter Ueberlegung und Umsicht, Bruder Cap. Würden wir sie an dieser Gränzc außer Acht lassen, so könnten uns bei dem ersten besten Nicken die Hirnhäute vom Kopf genommen werden. „Aber ich betrachte Arrowhead's Habhaftwerdnng als ein Indiz, und ich möchtehinznsetzen, sein Entweichen als ein zweites. Dieser Jasper Frischwaffer mag sich in Acht nehmen." „Beides sind in der That Indizien, wie du's nennst, Schwager, aber sie führen zu verschiedenen Resultaten. Es ist ein Indiz gegen den Burschen, daß der Indianer entschlüpfte, und eines für ihn, daß er vorher festgenommen wurde." „Ja, ja, aber zwei Indizien heben sich gegenseitig nicht auf, wie zwei Verneinungen. Wenn du dem Rathe eines alten Seemannes folgen willst, Sergeant, so darfst du keinen Augenblick verlieren, um die nöthigen Schritte für die Sicherheit des Schiffes und seiner Bemannung zu thnn. Der,Kutter gleitet nun in einer Geschwindigkeit von sechs Knoten durch das Wasser, und da die Entfernungen auf diesem Stückchen Weiher da nur gering sind, so können wir uns vor Anbruch des Morgens in einem französischen Hase», und, ehe es Nacht wird, in einem französischen Gefängnisse befinden." „Das wäre wohl möglich, aber wozu räthst wu mir, Schwager?" „Nach meiner Meinung sollte man diesen Meister Frischwasser ans der Stelle in den Arrest schicken. Laß ihn in den untern Raum bringen, gib ihm eine Wache, und übertrage das 286 Commando des Kutters mir. Zu all diesem hast du die Voll- macht, da das Fahrzeug zu der Armee gehört, uud du der com- mandirende Offizier der gegenwärtigen Truppen bist." Sergeant Dunham überlegte mehr als eine Stunde die Thun- lichkeit dieses Vorschlages, denn obgleich er rasch in seinen Handlungen war, wenn er sich einmal zu etwas entschlossen hatte, so pflegte er doch nichts zu übereilen und die Klugheit nie außer Acht zu lassen. Da er die polizeiliche Aufsicht über die Personen in der Garnison hatte, so war er mit den Charakteren derselben genau bekannt geworden, und hatte seit langer Zeit eine gute Meinung von Jasper. Aber jenes schleichende Gift, der Argwohn, hatte Zutritt zu seiner Seele gefunden: die List und die Ränke der Franzosen wurden so sehr gefürchtet, daß es kein Wunder war, wenn, zumal in Folge der vorangegangenen Warnung des Commandauten, die Erinnerung an ein jahrelanges gutes Betragen durch den Einfluß eines so scharfen uud gegründet scheinenden Verdachts verwischt wurde. In dieser Verlegenheit zog der Sergeant den Quartiermeister zu Rath, dessen Ansicht, da er sein Vorgesetzter war, Dunham zu respektiren hatte, obgleich er bei dem gegenwärtigen Streifzug unabhängig von dessen Befehlen war. Es ist ein unglücklicher Umstand, wenn man in zweifelhaften Fällen einen Mann zu Rathe zieht, der sich bei dem Fragenden in Gunst setzen will, denn man darf fast mit Gewißheit darauf rechnen, daß der gefragte Theil versuchen wird, in die Weise einzugehen, welche dem Andern am angenehmsten ist. In dem gegenwärtigen Falle war es ein weiterer unglücklicher Umstand für eine vorurtheilsfreie Betrachtung der Sache, daß nicht der Sergeant selbst, sondern Cap, die Verhältnisse auseinander setzte; denn der eifrige alte Seeman ließ seinen Zuhörer deutlich genug merken, auf welche Seite er den Ouartiermeister zu lenken wünschte. Lieutenant Muir war viel zu klug, um den Onkel und den Vater des Mädchens, welches er zu 297 gewinnen hoffte und erwartete, zu beleidigen, wenn ihm der Fall auch wirklich zweifelhaft vorgekommen wäre; aber bei der Art, wie ihm die Sache vorgelegt wurde, war er ernstlich geneigt, es für zweckmäßig zu halten, die Führung des Send einstweilen, als eine Vorsichtsmaßregel gegen Verrath, in Caps Hände zu legen. Diese Ansicht entschied über den Sergeanten, welcher ohne Verzug die nöthigen Maßregeln treffen ließ. Ohne in weitere Erörterungen einzugehen, gab Sergeant Dnnham Jaspern die einfache Erklärung, daß er es für seine Pflicht halte, ihm vor der Hand das Cominando des Kutters zu entziehen, und es seinem Schwager zu übertragen. Ein natürlicher unwillkührlichcr Ausbruch der Ueberraschung, welcher dem jungen Manne entfuhr, wurde mit der ruhigen Erinnerung erwiedert, daß der Militärdienst oft ein Geheheimhalten der Gründe fordere; das gegenwärtige Verfahren — wurde ihm weiter erklärt — gehöre unter diese Reihe, und die getroffene Anordnung sey unvermeidlich gewesen. Obgleich Jaspers Erstaunen ungenündert blieb, denn der Sergeant hatte absichtlich jede Anspielung auf seinen Verdacht umgangen— so war doch der junge Mann an militärischen Gehorsam gewöhnt; er verhielt sich ruhig, und forderte noch selbst die kleine Ruderinannschaft auf, für die Zukunst Caps Befehlen zu gehorchen, bis die Sache eine andere Wendung nehmen würde. Als man ihm jedoch sagte, die Verhältnisse forderten es, daß nicht nur er, sondern auch sein erster Gehilfe, der wegen seiner langen Vertrautheit mit dem See gewöhnlich der Lootse genannt wurde, in dem untern Raume bleiben müsse, trat eine Veränderung in seinen Gesichtszügen und seinem Benehmen ein, welche ein tiefes schmerzliches Gefühl bezeichnest, obgleich Jasper es so sehr zu beherrschen wußte, daß selbst der argwöhnische Cap im Zweifel blieb, was er davon denken solle. Wie natürlich, blieben aber, da ein Mißtrauen einmal vorhanden war, auch die schlimmsten Deutungen über die Sache nicht aus. 298 Sobald Jasper und der Lootse im untern Raume waren, erhielt die Schildwache an der Lucke geheimen Befehl, auf Beide sorgfältig Acht zu geben, keinem zu erlauben, wieder auf das Verdeck zu kommen, ohne vorher dem dcrmaligen Befehlshaber des Kutters Nachricht gegeben zu haben, und dann darauf zu bestehen, daß sie so bald als möglich wieder in ihren Raum zurückkehrten. Es bedurfte jedoch dieser Vorsichtsmaßregeln nicht, da Jasper und fein Gehilfe sich ruhig auf ihre Streu warfen und sie in dieser Nacht nicht wieder verließen. „Und nun, Sergeant," sagte Cap, sobald er sich als den Herrn des Verdecks sah, „wirst du die Güte haben, mir die Curse und Entfernungen anzugeben, damit ich sehe, ob der Schnabel des Schiffes in der rechten Richtung ist." „Ich weiß nichts von beiden, Bruder Cap," erwiederte Dun- ham, den diese Frage nicht wenig in Verlegenheit setzte. „Wir müssen eben so bald als möglich die Station auf den Tausend-Inseln erreichen, wo wir landen, die dortige Mannschaft ablüsen und weitere Instruction für unsere Schritte erhalten sollen. Das steht, fast Wort für Wort, in dem geschriebenen Befehl." „Aber du kannst doch eine Charte beibringen, auf der die Höhen nnd Entfernungen verzeichnet sind, damit ich mich über den Weg ins Klare setze?" „Ich glaube nicht, daß Jasper etwas der Art bei sich hat." „Keine Charte, Sergeant Dunham?" „Nein, nicht die Spur davon. Unser« Schiffe befahren diesen See, ohne sich je der Charten zu bedienen." „Den Teufel auch! — Das müssen ja wahre Nahs sey». Glaubst du denn, Sergeant Dunham, ich könne eine Insel aus Tausenden heraus finden, ohne ihren Namen nnd ihre Lage zu wissen? — Ja, nicht einmal den Curs nnd die Entfernung?" „Der Name, Bruder Cap, braucht dich nicht gerade anzufechten, denn keine von diesen Tausenden hat einen, nnd so kann 299 in dieser Hinsicht kein Mißgriff Statt finden. Was die Lage betrifft, so kann ich von dieser nichts sagen, da ich nie dort gewesen bin; doch glaube ich, daß sie nicht von besonderem Belang ist, wenn wir nur den Ort ausfindig machen. Vielleicht kann aber einer von den Matrosen auf dem Verdeck uns den Weg angeben." „Halt, Sergeant — halt einen Augenblick, wenn's gefällig ist, Sergeant Dunham. Wenn ich das Commando über diesen Kutter führen soll, so muß dieß — mit Deinem Wohlnehmen — geschehen, ohne daß man mit dem Koch oder Kajütenjungen rathschlägt. Ein Schiffsmeister ist ein Schiffsmeister, und muß seiner eigenen Einsicht folgen, wenn sie auch noch so unrichtig ist. Ich denke, du kennst den Dienst gut genug, um einzusehen, daß es besser ist, wenn ein Commandant einen unrichtigen Weg, als wenn , er gar keinen geht. Jedenfalls könnte der Lord Ober-Admiral nicht einmal ein Boot mit Würde eommandiren, wollte er den Bootsmann alle Augenblicke um Rath fragen, wenn er ans Nfer zu gehen wünschte. Nein, Herr! Wenn ich sinke, so sinke ich; — aber, Gott v —, wenn ich nicht nach Schiffsart und mit Würde hinunter gehen will." „Aber, Bruder Cap, ich wünsche nirgends anders hinunter zu gehen, als zu der Station an den Tausend-Inseln, wohin uns unsere Pflicht ruft." „Wohl, wohl, Sergeant! aber ehe ich bei einem Matrosen vom Vordermast, oder irgend einem andern, als bei einem Deck- Offizier Rath einhole, ich meine einen direkten, unvsrholenen Rath, will ich lieber um das ganze Tausend hernmgehen und eine nach der andern untersuchen, bis wir den rechten Hafen treffen. Aber es gibt so eine Art, etwas heraus zu kriegen, ohne daß man seine Unwissenheit zu Tage bringt, und ich will es schon so einleitcn, daß ich aus diesen Matrosen alles heranslocke, was sie wissen, indem ich sie zugleich glauben mache, daß ich sie mit den Vorräthen meiner Erfahrung überschütte. Wir müssen uns auf dem Meere manchmal des Sehrohrs bedienen, wen» weit und breit nichts zu sehen ist, und das Loth anöwerfcu, wenn wir noch lange nicht auf den Grund kommen. Ich denke, es ist dir von der Armee her bekannt, Sergeant, daß man Dinge, welche man zu wissen wünscht, am besten erfährt, wenn man sich das Ansehen gibt, daß man sie bereits vorher genau kenne. In meinen jüngeren Jahren machte ich zwei Reisen mit einem Manne, welcher sein Schiff durch eine solche Art von Belehrung, die manchmal nicht übel ist, ziemlich gut führte." „Ich weiß, daß wir gegenwärtig in der rechten Richtung steuern," erwiederte der Sergeant, „aber nach einigen Stunden werden wir an ein Vorgebirg kommen, wo wir Acht geben müssen." „Ich will den Mann an dem Steuer anpumpen, und du wirst scheu, daß er in wenigen Minuten trocken liegen wird." Cap und der Sergeant begaben sich nun zu dem Steuermann, wobei Ersterer die Sicherheit und Ruhe eines Mannes, der sich seiner eigenen Ueberlcgenhcit bewußt ist, zur Schau trug. „Das ist eine gesunde Luft, Junge," bemerkte Cap, als ob es nur so nebenher geschehe, und in einer Weise, wie die Oberen am Borde eines Schiffes sich bisweilen zu einem begünstigten Untergebenen herabzulassen pflegen. „Ihr habt sie wohl alle Nacht vom Lande her in dieser Weise?" „In dieser Jahreszeit wohl, Herr!" erwiederte der Mann, indem er ans Achtung vor seinem neuen Befehlshaber und dem Verwandten des Sergeanten Dnnham an den Hut griff. „Ich denke, es wird bei den Tausend-Inseln gerade so scyn? Der Wind wird wohl die gleiche Richtung halten, obgleich wir dann ans jeder Seite Land haben werden?" „Wenn wir weiter nach Osten kommen, wird der Wind wahrscheinlich umspringen, denn dort haben wir keinen eigentlichen Landwind." „Ja, ja; so ist's mit Eurem Frischwaffer. Es hat immer eine 301 Tücke, die der Natur entgegen ist. Zwar da unten an den westindischen Inseln darf man eben so gut auf den Landwind als auf den Seewind rechnen; es wäre daher in dieser Beziehung kein Unterschied, obgleich es in der Ordnung wäre, wenn es hier oben auf dem Fleckchen Frischwasser sich anders verhielte. Ihr kennt demnach alles um die genannten Tansend-Jnscln herum?" „Gott segne Euch, Meister Cap, Niemand weiß alles, oder auch nur etwas über diese Inseln. Sie bringen den ältesten Schiffer ans dem See in Verwirrung, und wir machen nicht einmal einen Anspruch darauf, ihre Namen zu kennen. Ja, die meisten von ihnen haben so wenig einen Namen, als ein Kind, das vor der Taufe stirbt." „Seyd Ihr ein römischer Katholik?" fragte Cap scharf. „Weder das, noch etwas anderes. Ich bin ein Generalistrer in Religionssachen, nnd werde nie beunruhigen, was mich nicht beunruhigt." „Hm! ein Generalistrer; das ist ohne Zweifel eine von den neuen Sekten, welche das Land bedrängen," brummte Dnnham, dessen Großvater ein New-Jersey-Quäker und dessen Vater ein Presbyterianer gewesen war, indeß er selbst, nach seinem Eintritt in das Heer, sich der Kirche von England angeschloffen hatte. „Ich vermuthe, John," »ahm Cap wieder auf, „doch ich glaube, Euer Name ist Jack?" „Nein, Herr! ich heiße Robert." „Nun also, Robert — es ist fast dasselbe, Jack oder Bob; wir brauchen diese zwei Namen ohne Unterschied. Ich sage, Bob, ist es ein guter Haltegrund da unten an der Station, zu der wir gehen sollen?" „Gott segne Ench, Herr! ich weiß davon nicht mehr, als einer von den Mohawkern, oder ein Soldat vom Fünsundfünfzigsten." „Habt Ihr dort nie geankert?" „Nie, Herr; Meister Eau-douee legt immer selbst am Ufer an." „Aber wenn Ihr auf die Stadt zulanft, so werft Ihr doch 302 ohne Zweifel das Loth aus; auch müßt Ihr, wie gewöhnlich, ge- talgt haben." „Talg? und noch dazu eine Stadt? Gott sey bei Euch, Meister Cap!—-da ist so wenig eine Stadt, als auf EuermKinn, und nicht halb so viel Talg." Der Sergeant lächelte sauertöpfisch, aber sein Schwager bemerkte diesen Witz nicht. „Kein Kirchthurni, kein Leuchtthurm, kein Fort? Ha, es wird doch wenigstens so etwas um den Weg seyn,was Ihr Garnison nennt?" „Fragt den Sergeanten Dunham, Herr, wenn Ihr das zu wissen wünscht. Die ganze Garnison ist am Bord des Send." „Welchen Kanal haltet Ihr für den geeignetsten zum Einlaufen Bob? den, welchen Ihr das letztem«! führet, oder, oder, oder — ja, oder den andern?" „Ich kann das nicht sagen, denn ich weiß von keinem etwas." „Wie, Ihr habt doch nicht an dem Steuer geschlafen, Bursche? Habt Ihr das?" „Nicht am Steuer, Herr, aber unten in meiner Coje, unter der Fockgaffel. Eau-douce schickte die Soldaten und alles hinunter, den Lootsen ausgenommen, und wir wußten von dem Weg nicht mehr, als ob wir nie über denselben gekommen wären. So hat er es immer gehalten, wir mochten gehen oder kommen, und ich könnte Euch ums Leben nicht etwas von dem Kanal oder dem Curs sagen, nachdem wir einmal glücklich an den Inseln angelangt waren. Niemand weiß davon, als Jasper und der Lootsc." „Da hast du wieder E Indiz, Sergeant," sagte Cap, indem er seinen Schwager etwas bei Seite führte. „Es ist Niemand am Bord, bei dem etwas heranszupumpen wäre, denn schon bei dem ersten Zug zeigt fich die Trockenheit ihrer Ignoranz. Wie zum Teufel soll ich nun den Weg zu der Station finden, nach welcher unser Auftrag geht?" „Deine Frage, Bruder Cap, ist wahrhaft leichter gestellt, als 303 beantwortet. Läßt sich denn dicß durch die Schifffahrtskunst nicht heraus bringen? Ich glaubte, das sey für Euch Salzwafferschiffer eineKleinig- keit. Ich habe auch in der That oft gelesen, wie sie Inseln entdeckten." „Das hat ganz seine Nichtigkeit, Bruder; und diese Entdeckung würde die größte von allen scyn, da es sich dabei nicht um die Entdeckung einer einzigen Insel, sondern einer aus Tausenden heraus handelt. Ich könnte wohl, so alt ich auch bin, eine einzelne Nadel auf diesem Verdeck auffinden, aber ich zweifle, ob ich sic ans einem Heuschober heraus kriegte." „Die Schiffer auf diesem Sec haben aber doch eine Methode die Plätze zu finden, welche sie zu besuchen wünschen." „Wenn ich dich recht verstanden habe, Sergeant, so liegt diese Station, oder dieses Blockhaus besonders verborgen?" „So ists in der That; man hat die größte Sorgfalt angewendet, daß der Feind keine Kunde von ihrer Lage erhalte." „Und du erwartest von mir, daß ich, ein Fremder auf diesen: See, jenen Platz anfflnden soll ohne Charte, Curs, Entfernung, Länge, Breite, Tiefe — ja, ich will v — seyn, nicht einmal mit dem Talg? Meinst du denn, ein Matrose brauche blos seiner Nase nachzugchen, wie einer von Pfadfinders Hunden?" „Nun, Schwager, vielleicht kannst du doch von dem jungen Mann am Steuer noch etwas durch Fragen herausbringen. Ich kann kann: glauben, daß er so unwissend ist, als er sich anstellt." „Hm! das sieht wieder einem Indiz ähnlich. Zn dem ganzen Falle hänfen sich die Indizien nachgerade so sehr, daß man kann: weiß, wie man der Wahrheit auf den Sprung kommen soll. Wir werden aber bald sehen, wie es mit dem Wissen dieses Burschen beschaffen ist." Cap und der Sergeant kehrten nun zu dem Steuer zurück, und Elfterer nahm seine Fragen wieder auf. „Kennt Ihr vielleicht die Länge und Breite der besprochenen Insel, Junge?" 304 „Was, Herr?" „Nun die Länge oder Breite — eines, oder beide; ich mache mir zwar nichts daraus, denn ich frage blos, um zu sehen, wie man die jungen Leute hier auf diesem Frischwafferstreifen erzieht." „Ich mache^mir auch nichts ans solchen Dingen, Herr, und weiß daher zufLllig"nicht, was Ihr meint." „Nicht was ich meine? — Wie? Ihr wißt nicht, was Breite ist?" „Nein, Herr!" erwiederte der Steuermann zögernd, — „obgleich ich glaube, daß es Französisch von den ober» Seen ist." „Hn — hn — hu — uh!" stöhnte Cap mit einem schweren Athemznge, gleich dem Tone einer zerbrochenen Orgelpfeife; „Breite, Französisch von den obern Seen! Hört, junger Mann, wißt Ihr, was Länge bedeutet?" „Ich glaube, ich weiß das, Herr; — fünf Fuß, sechs Zoll, die regelmäßige Hohe für einen Soldaten in des Königs Dienst." „Das ist eine Höhe nach dem Meßstock, eine, die für dich paßt, Sergeant. — Ihr habt doch hoffentlich einige Kenntnisse von Graden, Minuten und Secundcn?" „Ja, Herr; unter Grad versteht man einen Vorgesetzten, und Minuten und Secunden bedeuten die langen und kurzen Loglinien. Wir wissen diese Dinge so gut, als das Salzwafservolk." „Ich will v— sepn, Bruder Dunham, wenn ich denke, daß selbst der Glaube über diesen See weqhelfen kann, so viel man auch davon spricht, daß er Berge zu versetzen vermöge. So viel ist wenigstens gewiß, daß hier das Amt nicht den Verstand gibt. Nun, mein Bursch, Ihr versteht Euch vielleicht auf das Azimuth, das Messen der Entfernungen, und wie inan die Punkte des Com- passes in gehöriger Ordnung benennt?" „Was das Erste anbelangt, so weiß ich nichts davon. Die Entfernungen kennen wir Alle wohl, da wir sie von einer Landspitze zur andern messen, und wegen des Cvmpasses — da werde ich keinem Admiral von Seiner Majestät Flotte den Rücken kehren. 303 Nord, Nord zu Ost, Nordnordost, Nordost zu Nord, Nordost; Nordost zu Ost, Ost Nord Ost, Ost zu Nord, Ost —" „Nun, das geht, das gehst Ihr werdet den Wind ganz hermubringen, wenn Ihr auf diese Weise weiter segelt. Ich sehe deutlich, Sergeant," sagte er, indem er den Steuermann verließ, mit gedämpfter Stimme, „daß wir von diesem Burschen nichts zu hoffen haben. Ich will noch zwei Stnnden auf diesem Gang halten und dann anholcn und das Loth auswerfen. Wir müssen uns dann eben nach den Umständen richten." Der Sergeant, der gewissermaßen, um mich eines selbstgc- schaffencn Wortes zu bedienen, ein Jdiospncranist war, hatte nichts dagegen eiuzuwendeu, und da der Wind, wie gewöhnlich bei fortschreitender Nacht, leichter wurde, und sich der Fahrt keine unmittelbaren Hindernisse in den Weg legten, so machte sich Duuham auf dem Verdeck aus einem Segel ein Lager, und verfiel bald in den festen Schlaf eines Soldaten. Cap fuhr fort, auf dem Deck auf und ab zu gehen, denn er war ein Mann, dessen eiserner Körper jeder Ermüdung Trotz bot: er schloß die ganze Nacht kein Auge. Als Sergeant Dunham erwachte, war es Heller Tag. Da er sich aber erhob und umherblicktc, entfuhr ihm ein Ausruf der Ueber- raschnng, der kräftiger tönte, als es bei einem Mann, der so oft veranlaßt wurde, sich hören zu lassen, gewöhnlich war. Er fand das Wetter ganz verändert; die Aussicht war durch einen treibenden Nebel verhüllt, welcher den sichtbaren Horizont auf einen Kreis der im Durchmesser etwa eine Meile haben mochte, beschränkte. Der See tobte in schäumenden Wellen, während der Send einen Beilieger machte. Eine kurze Besprechung mit seinem Schwager gab ihm Aufschluß über diesen plötzlichen Wechsel. Caps' Bericht zufolge hatte sich der Wind gegen Mitternacht, oder als er gerade beizulegcn und das Loth auszuwerfcn gedachte, weil vor ihm einige Inseln aufzutauchen begannen — gelegt, und sich in ein todtes Wetter verwandelt. Gegen Ein Uhr fing er an Der Pstwüiwer. Ste Aufl. 20 306 aus Nordost zu wehen und führte einen Nebelregen mit sich; worauf Cap gegen Nord und West seewärts anlag, da er wußte, daß die Küste von Neu-Vork auf der entgegengesetzten Seite sich befand. Gegen halb zwei Uhr beschlug er den ober» Klüver, raffte das Hauptsegel und nahm das Bonnet von dem Klüver, lim zwei Uhr mußte er hinten reffen, und um halb drei ein Schnnerreff an dgH Segel legen und einen Beilieger machen. „Ich kann's nicht anders sagen, Sergeant, das Boot hält sick- gut," fügte der alte Seemann bei, „aber cs bläst Zwciundvierzig- Pfünder. Ich hätte mir's nicht gedacht, daß es solche Luftströmungen hier auf diesem Fetzchen Frischwasser gäbe; doch das kümmert mich so wenig als ein Stümpfchen Garn, denn Euer-See erhält dadurch doch ein mehr natürliches Aussehen, und" — er spuckte mit Ekel einen Schaumguß, welcher gerade sein Gesicht benetzt hatte, aus dem Munde—„und wenn dieses v—e Wasser so einen angenehmen Salzgeschmack hätte, so könnte man sich recht behaglich darauf fühlen." „Wie lange bist du in dieser Richtung vorwärts gefahren, Bruder Cap?" fragte der vorsichtige Krieger— „und mit welcher Geschwindigkeit gehen wir jetzt durch das Wasser?" „Nun, so etwa zwei oder drei Stunden. In den zwei ersten flog das Schiff wie ein Pferd. Wir haben nun schöne offene See, denn, um die Wahrheit zu gestehen, ich fand an der Nachbarschaft der genannten Inseln wenig Geschmack, obgleich sie windwärts lagen, nahm daher selbst das Steuer und machte mich eine oder zwei Meilen davon weg. Ich wette, sie sind jetzt ziemlich leewärts von uns;—ich sage leewärts, denn wenn man auch wünschen mag, von einer oder auch einem halben Dutzend Inseln windwärts zu seffn, so ist es doch, wenn einmal von Tausenden die Rede ist, besser, sich von ihnen fern zu halten, nnd so schnell als möglich unter ihr Lee zu gleiten. Nein, nein ; dort drüben sind sie im Nebelduft, und mögen da meinetwegen liegen bleiben." „Da das Nordufer nur fünf bis sechs Meilen von uns liegt^ 307 Bruder, und mir bekannt ist, daß sich dort eine weite Bucht befindet, möchte es da nicht gut seyn, einige von dem Schiffsvolk über unsere Lage zu Rathe zu ziehen, wenn wir nicht lieber Jasper Eau- douce Heraufrufen und ihn darum angehen wollen, uns wieder nach dem Oswego znrückzusühren? Wir können jetzt unmöglich die Station erreichen, da wir den Wind gerade in unfern Zähnen haben." „Ein Seemann hat mehrere wichtige Gründe gegen alle deine Vorschläge, Sergeant. Einmal würde ein Zugeständniß der Unwissenheit von Seiten eines Cvmmandanten alle Subordination auf- hebcn. Nichts davon, Bruder; ich verstehe dein Kopfschütteln: aber nichts stört die Diseiplin mehr, als das Bekenntnis;, daß man sich nicht zn rathen wisse. Ich habe einmal einen Schiffsmeister gekannt, der lieber eine Woche auf einem falschen Curs blieb, als daß er einen Mißgriff zugeslanden hätte, und es war überraschend, wie sehr er sich dadurch in der Meinung seiner Leute hob, gerade weil sie ihn nicht begreifen konnten." „Das mag sich auf dem Salzwaffer thun lassen, Bruder Cap, aber schwerlich aus diesem See. Ehe ich mein Commando an Ca- nadas Ufer scheitern lasse, halte ich es für meine Pflicht, Jasper aus seinem Verhaft heraufzunehmcn —" - „Und in Frontcnac ans Land zu gehen. Nein, Sergeant; der Send ist in guten Händen, und kann jetzt etwas von Seemannskunst erfahren. Wir haben schöne offene See, und nur ein Verrückter würde in einer Kühlte, wie diese, daran denken, sich einer .Küste zn nähern. Ich werde jede Wache vieren, und dann werden wir gegen alle Gefahr sicher seyn, das Abtreiben ausgenommen, was jedoch in einem so leichten und niedrigen Fahrzeug wie dieses, ohne Windfang, von keinem Belang seyn kann. Ueberlaß nur mir die ganze Sache, Sergeant, und ich stehe mit meiner Ehre dafür, daß alles gut gehen wird." Sergeant Dnnham mußte, wohl oder übel, nachgebe».' Er hatte ein großes Vertrauen zu der seemännischen Geschicklichkeit 308 seines Verwandten und hoffte, er werde sich bei dem Kutter Mühe geben, diese gute Meinung noch zu erhöhen. Auf der ander» Seite war er, da der Verdacht, wie die Sorge, immer größer wird, je mehr man ihm Nahrung läßt—so besorgt wegen Verraths, daß er jedem andern, als Jasper, gerne das Schicksal der ganzen Gesellschaft in die Hände gegeben haben würde. Er hatte übrigens, um die Wahrheit zu gestehen, noch einen weitern Grund. Der Auftrag, welcher ihm anvertraut war, hätte eigentlich einem Offizier überlassen werden sollen, und der Umstand, daß Major Dnncan das Commando einem untergeordneten Sergeanten gegeben, hatte unter den Subalternofsizicrcn eine große Unzufriedenheit erregt. Wenn er nun zurückkehrtc, ohne den Ort seiner Bestimmung erreicht zu haben, so mnßte dadurch ein Schatten auf ihn falle», der sich nicht so bald verwischt haben würde, und die unausbleibliche Folge dieser Maaßregel war, daß ihm der Befehl abgenommen, und ein Offizier an seine Stelle gesetzt wurde. Sechzehntes Kapitel. Glorreicher Spiegel, der in Winde? Süllen, Wie in dein sanftsten Hanch, der Allmacht Hand Uns zeigt, in raschem WehM, in Sturmes Brüllen; Am eis'gen Pol, an Lydiens heißem Strand So dunkclwogend; Bild, so endlos groß. Der Ewigkeit; dich wählt zum Throne Die Gottheit; selbst dein tiefer schlammiger Schooß Schafft Ungeheuer: dein ist jede Zone; Und du rollst furchtbar hin, allein und bodenlos. Byron. ^Äit dem fortschreitenden Tag erschienen nach und nach alle, welche sich auf dem Schiff befanden und nicht ihrer Freiheit beraubt waren, auf dem Verdecke. Die Wogen gingen noch nicht besonders 309 hoch, woraus man schloß, daß der Kutter noch unter dem Lee der Inseln liege; aber es war Allen, welche den See kannten, klar, daß sie einen der schweren Herbststürme, welche zu dieser Jahreszeit in jener Gegend nicht selten sind, durchzumachen haben würden. Man sah nirgends Land, und der Horizont bot nach allen Seiten nichts als jene düstere Leere, welche der Aussicht auf weiten Wasserflächen den Charakter einer geheimnißvollen Erhabenheit aufdrückt. Die Deiningen, oder wie man es am Lande nennt, die Wogen, waren kurz und kräuselnd, und brachen sich nothwendiger Weise früher als die längeren Quellen des Oceans; während das Element selbst, statt die schöne Farbe zu zeigen, welche mit den tiefen Tinten des südlichen Himmels wetteifert, grün und zürnend anssah, obgleich ihm der Glanz mangelte, den es sonst den Strahlen der Sonne verdankt. Die Soldaten hatten an diesem Anblick bald genug, und es verschwand einer nach dem andern, so daß außer den Matrosen zuletzt nur noch der Sergeant, Cap, Pfadsinder, der Quarticrmeister und Mabel aus dem Verdecke waren. Es lagerte sich ein Schatten um das Auge der letzteren, da sie den wirklichen Stand der Dinge erfahren und es vergebens versucht hatte, die Zurückgabe des Com- mando's an Jasper zu erwirken. Auch den Pfadfinder schien die Ruhe und Neberlegung einer Nacht in seiner Ucberzeugung von der Schuldlosigkeit des jungen Mannes befestigt zu haben, so daß er gleichfalls mit Wärme, obschon mit demselben ungünstigen Erfolg, zu Gunsten seines Freundes sprach. So vergingen einige Stunden, wobei der Wind allmählig immer heftiger wurde und der See sich hob, bis die Bewegung des Kutters auch Mabel und den Quarticrmeister zum Rückzug veran- laßte. Cap vierte öfters, und cs war nun klar, daß der Send in die breiteren und tieferen Gegenden des Sees trieb,, wobei die Wogen mit einer solchen Wnth auf ihn einstürmten, daß sich nur ein Fahrzeug von besserer Form und stärkerem Bau lange gegen sie halten und Widerstand leisten konnte. Doch Cap machte sich 310 nichts nus all diesem; denn wie der Jagdhund beim Schmettern des Hornes die Ohren spitzt, oder das Kriegsroß beim Wirbelnder Trommel» scharrt nnd schnaubt, so wurden bei dem Anblick dieser ganzen Seene alle Lebensgeister des Mannes rege, und statt der zanksüchtigen, hvchmnthigcn und absprechenden Tadelsucht, die an jeder Kleinigkeit kritelte und unwesentliche Dinge übertrieb, begann er die Eigenschaften des kühnen und erfahrenen Seemannes, der er in der That war, zu entwickeln. Die Matrosen hegten bald Achtung vor seiner Geschicklichkeit, und obgleich sie sich über das Verschwinden ihres früheren Befehlshabers mw des Lootsen, dessen Grund ihnen nicht mitgetheilt worden war, wunderten, so zollten sie doch gerne ihrem neuen Gebieter unbedingten Gehorsam. „Dieses Bischen Frischwasser, Bruder Dunham, hat im Grunde doch einiges Leben, wie ich merke," rief Cap gegen Mittag, und rieb vor lauter Vergnügen die Hände, weil er nun wieder einmal seine Kraft gegen die der Elemente versuchen konnte. „Der Wind scheint eine ehrliche, altmodische Kühlte zu sehn, und die Wellen haben eine wunderliche Aehnlichkeit mit denen des Golfstromes. Ich liebe das, Sergeant; ich liebe das, und werde Euer» See achten lernen, wenn er noch so vierundzwanzig Stunden in der angefan- genen Weise fortmacht." „Land ho!" rief der Mann, der in der Back aufgestellt war. Cap eilte vorwärts; und wirklich war durch den Nebelregen in der Entfernung einer halben Meile Land sichtbar, auf welches der Send lostrieb. Zuerst wollte der alte Seemann Befehl geben, beizulegen und vom Ufer abzuvieren; aber der besonnene Soldat hielt ihn zurück. „Wenn wir etwas näher kommen," sagte der Sergeant, „so erkennen vielleicht einige die Gegend. Die meisten von uns kennen das amerikanische Ufer an diesem Theilc des Sees, und wir werden dadurch über unsere Stellung ins Klare kommen." „Sehr wahr, sehr wahr. Wahrscheinlich wird dieses der Fall 311 seyn, und wir wollen daraus anhalten. Was ist das dort, ein wenig vor unscrm Luvbug? Es sieht wie ein niedriges Vorgebirge aus!" „Die Garnison, beim Jupiter!" rief der Andere, dessen geübtes Auge die Umrisse des Forts früher erkannte, als das weniger scharfe seines Verwandten. Der Sergeant hatte sich nicht geirrt. Es war wirklich das Fort, obgleich es in dem feinen Regen nur dunkel und unbestimmt, wie im Düster des Abends oder im Morgennebcl erschien. Die niedrigen, grünen Rasenwälle, die düstern Pallisaden, die im Regen noch dunkler erschienen, die Dächer einiger Häuser, die hohe einsame Wimpelstange, deren Flaggenfälle mit einer Stetigkeit dem Zuge des Windes folgten, daß sie wie unbewegliche, krumme Linien in der Luft erschienen — alles dieses wurde nach und nach sichtbar, obgleich sich keine Spur des Lebens entdecken ließ. Selbst die Schildwache war untergetreten, und man glaubte zuerst, daß kein Auge die Annäherung des eigenen Schiffes entdecken würde. Aber die unabläßige Wachsamkeit einer Gränzgarnison schlummerte nicht, und wahrscheinlich machte einer der Ausluger die interessante Entdeckung. Bald erschienen einige Männer auf den höhern Standorten und in Kurzem wimmelten alle Wälle in der Nähe des Sees von menschlichen Wesen. Es war eine der Seenen, deren Großartigkeit noch insbesondere durch den Reiz des Malerischen gehoben wird. Das Wüthen des Sturmes war so anhaltend, daß man sich zu der Vermuthung geneigt fühlen konnte, es gehöre zu dem beständigen Charakter dieser Gegend. Das Brüllen des Windes tobte in einem fort, und das empörte Wasser begleitete diese gewaltigen, dumpfen Töne mit seinem gischenden Schaum, der drohenden Brandung und den steigenden Wogen. Der leichte Regen ließ dem Auge Alles wie in einem dünnen Nebel erscheinen, welcher die Bilder sanfter machte und einen geheimnisvollen Schleier darüber warf, während die erhebenden Gefühle, welche ein Seesturm leicht zu erregen im Stande ist, die milderen 312 Eindrücke des Augenblicks steigerten. Der dunkle, unabsehbare Wald erhob sich großartig düster und ergreifend aus dem Nebelgrau, während die einsamen cigenthümlichen und malerischen Bilder des Lebens, welche mau bei und in dem Fort entdecken konnte, dem Auge einen Rnhepnnkt boten, wenn die schrofferen Züge der Natur es erdrücke» wollten. „Sie sehen uns," sagte der Sergeant, „und glauben, wir seyen wegen des Sturmes zurückgekehrt, der uns zu weit leewärts von unserm Hafen getrieben hat. Ja, dort ist Major Duncan selbst auf dem nördlichen Bollwerk. Ich kenne ihn an seiner Höhe und den Offizieren, die ihn umgeben." „Sergeant, es wäre wohl der Mühe werth, sich ein wenig auslachcn zu lassen, wenn wir in den Fluß kommen und einen sichern Ankerplatz gewinnen könnten. Wir würden bei dieser Gelegenheit auch den Meister Eau-douce ans Land setzen, und das Boot reinigen." „Allerdings; aber so wenig ich auch von der Schifffahrt verstehe, so weiß ich doch, daß sich das nicht thun läßt. Nichts, was auf dem See segelt, kann sich windwärts gegen diese Kühlte wenden, und hier außen ist bei einem Wetter, wie dieses, kein Ankerplatz." „Ich weiß es, ich sehe es, Sergeant; und so lieblich auch dieser Anblick für Euch Landratten sepn mag, so müssen wir ihm doch den Rücken kehren. Was mich anbelangt, so fühle ich mich nie wohler, als wenn ich gewiß bin, daß in einem rechten Unwetter das Land weit hinter mir liegt." Der Send war nun so nahe gekommen, daß cs unumgänglich nöthig wurde, seinen Schnabel wieder vom Lande abzuwenden, wozu denn auch die geeigneten Befehle gegeben wurden. Das untere Stagsegel wurde vorwärts losgcmacht, die Gaffel herabgelafscn, das Steuer aufgestellt, und das leichte Fahrzeug, das wie eine Ente mit dem Element zu spielen schien, fiel ein wenig ab, drückte schnell Von vorn um, folgte dem Ruder, und flog bald, todt vor 313 der Kühlte, über die Spitzen der Wellen hin. Während es diese schnelle Flucht machte, verschwanden, obgleich das Land am Backbord noch sichtbar war, das Fort und die ängstlichen Znschaner- gruppen auf den Wällen bald in dem Nebel. Nun folgten die nöthigen Schwenkungen, um das Bordertheil des Kutters in die Richtung des Windes zu bringen, worauf er ermattet den schwierigen Weg gegen das Nordufer wieder aufnahm. Stunden vergingen nun, ohne daß eine weitere Veränderung vorgenommen wurde. Die Macht des Windes steigerte sich so sehr, daß endlich selbst der eigensinnige Cap zngeben mußte, es wehe nun eine tüchtige Kühlte. Gegen Sonnenuntergang vierte der Send wieder, um in der Dunkelheit der Nacht nicht an das Nordnfer getrieben zu werden, und gegen Mitternacht glaubte der dermalige Schiffsmeister, welcher sich durch sein indirektes Ausforschen der Matrosen einige allgemeine Kenntnisse über die Größe und die Gestalt des Sees erworben hatte, daß er sich ungefähr in der Mitte zwischen beiden Ufern befinde. Die Höhe und Länge der Wellen machte diese Vermuthung wahrscheinlich, und wir müssen noch beifügen, daß Cap zu dieser Zeit eine Achtung vor dem Frischwasser zu fühlen anfing, welche er vierundzwanzig Stunden früher als eine Unmöglichkeit verlacht haben würde. Eben, als der Tag zu grauen begann, wurde die Wuth des Windes so heftig, daß der Seemann sich nicht mehr gegen sie zu halten vermochte, denn die Wogen fielen in solchen Massen über das Verdeck des kleine» Fahrzeugs, daß sie dasselbe in seinem Innersten erschütterten und, ungeachtet seiner Behendigkeit, nnter ihrem Gewicht zu begrabe» drohten. Die Matrosen dechSeud versicherten, daß sie früher nie einen solchen Sturm auf dem See dnrchgcmacht hätten, was auch richtig war, denn Jaspek würde, bei seiner genauen Kenntniß aller Flüsse, Vorgebirge und Hasen, den Kutter lange vorher ans Ufer geführt und auf einen sichern Ankergrund gebracht haben. Aber Cap verschmähte es noch immer, den jungen Schiffer, der sich fortwährend 314 im untern Raum befand, nm Rath zu fragen, und war entschlossen, wie ein Seemann auf dem großen Weltmeer zu handeln. Um ein Uhr Morgens wurde das untere Stagscgel wieder an den Send gelegt, der obere Theil des Hauptsegels niedergelassen und der Kutter vor den Wind gebracht. Obgleich nun die Oberfläche der Leinwand dem Winde nur einen Streifen darbot, so machte doch das kleine Fahrzeug seinem edcln Namen Ehre, denn es flog in der That acht Stunden lang wie eine Wolke dahin, beinahe mit derselben Geschwindigkeit, mit welcher die Möwe», augenscheinlich in Furcht, in den kochenden Kessel des Sees hcrunterzn- fallen, über ihm wegschoffen. Das Nnfdämmern des TageS brachte wenig Veränderung. Der Horizont blieb auf den kleinen bereits beschriebenen Nebclkreis beschränkt, in welchem die Elemente in chaotischer Verwirrung zu toben schienen. Während dieser Zeit verhielten sich die Matrosen und Passagiere des Kutters in gezwungener Unthätigkcit. Jasper und der Lootse blieben unten; als aber die Bewegung des Fahrzeugs leichter wurde, so kamen fast alle klebrigen auf das Verdeck. Das Frühstück wurde schweigend eingenommen, und jeder blickte dem andern ins Auge, als ob sie sich in dieser stummen Weise fragen wollten, wohin dieser Kampf der Elemente wohl noch führen werde. Cap erhielt sich jedoch vollkommen seine Fassung; sein Auge strahlte, sein Tritt wurde fester und seine ganze Haltung zuversichtlicher, als der Sturm znnahm und größere Anforderungen an seine Geschicklichkeit und seinen Mnth machte. Er stand mit gekreuzten Armen und mit seemännischem Instinkt seinen Körper wiegend ans der Back, indeß seine Augen ans die Spitzen der Wellen achteten, die sich brachen und an dem taumelnden Kutter vorbeischoffen, wobei sie in ihrer raschen Bewegung selbst wie znm Himmel steigende Wolken erschienen. In diesem erhabenen Augenblick gab einer der Matrosen den unerwarteten Ruf: „ein Segel!" Der Ontario hatte so viel von dem Mlden und einsamen Charakter der Wälder, daß man kaum hoffen durste, ans seinem Wasser 315 mit einem Schiff zusammenzutreffen. Der Send selbst erschien denen, welche er trug, wie ein einzelner Wanderer in der Wildniß, und dieses Zusammentreffen glich dem zweier einsamer Jäger unter dem breiten Blättergewölbe, welches damals so diele Millionen Morgen des amerikanischen Festlandes bedeckte. Der eigenthümliche Wetterstand diente dazu, das Romantische und säst Uebernatürliche dieser Begegnung zu steigern. Cap allein war an derartige Erscheinungen mehr gewöhnt; aber doch bebten auch seine eisernen Nerven unter den Gefühlen, welche die wilden Züge dieser Scene erweckten. Das fremde Schiff befand sich ungefähr zwei Kabellängen vor dein Send, stand mit seinen Bügen quer gegen den Wind, und steuerte in einem Curse, daß der letztere wahrscheinlich in einer Entfernung von einigen Ellen daran vorbeikommen mußte. Es war vollständig aufgetakelt und in der stürmischen Nebellnft konnte selbst das geübteste Auge keine Unvollkommenheit in seinem Bau und seiner Takelage erkennen. Die einzige losgemachte Leinwand war das dicht gercefte große Marssegel, und zwei kleine untere Stagsegel, das eine vorn, das andere hinten. Doch die Gewalt des Windes drängte das Fahrzeug so heftig, daß es sich fast bis an seine Dcckbalkenendeu nmbcugte, wenn cs nicht durch das Steigen der Wellen unter seinem Lee aufgcrichtet wurde. Die Spieren waren alle an ihrer Stelle, und an der Bewegung, welche mit einer Geschwindigkeit von vier Knoten in der Stunde von Statten ging, konnte man erkennen, daß es ein wenig frei steuerte. „Der Bursche muß seine Stellung gut kennen," sagte Cap, als der Kutter mit einer Geschwindigkeit, welche beinahe der des Sturmes glich, ans das Schiff zuflog, „denn er steht so kühn gegen Süden an, daß er dort sicher einen Hasen oder Ankerplatz zu finde» weiß. Kein vernünftiger Mensch würde in dieser Weise frei davon fahren, ohne genau zu wissen, wohin er will; es müßte denn sepn, daß ihn der Sturm, einer Wolke gleich, vor sich hcrjagte, wie dieß bei uns der Fall ist." 316 „Wir haben einen Lauf gemacht, vor dem man allen Respekt haben muß, Kapitän," crwicderte der Mann, an welchen die vorige Bemerkung gerichtet war. „Dieß ist das französische Königsschiff L,ee-m^ Laim (so Illontoalm), und segelt nach dem Niagara, wo sein Eigner eine Garnison und einen Hafen hat. Wir haben einen respektablen Lauf gemacht." „Ach, hol' ihn der Henker! Wie ein achter Franzose rennt er augenblicklich dem Hafen zu, so bald er einen englischen Kiel sicht." „Es möchte für uns gut sehn, wenn wir ihm folgen könnten," crwicderte der Mann mit zaghaftem Kopfschütteln, denn wir kommen hier oben an dem Ende des Sees in eine Bap, nnv cs ist zweifelhaft, ob wir je wieder aus ihr herauskommen." „Pah, pah, Mann! Wir haben die offene See vor und einen guten englischen Boden unter uns. Wir sind keine Johnny Cra- pauds, um uns wegen eines Windstoßes hinter eine Bergspitze oder ein Fort zu verstecken. Vergeht Euer Steuer nicht, Herr!" Dieser Befehl wurde wegen des drohenden Näherrückens des feindlichen Schiffes gegeben. Der Send schoß nun gerade auf die Kiel-Kinnback des Franzosen zu, und da die Entfernung zwischen den beiden Fahrzeugen sich bis auf hundert Ellen vermindert hatte, so war es einen Augenblick zweifelhaft, ob Raum genug vorhanden sey, um an einander vorbei zu kommen. „An Backbord, an Backbord das Ruder, und hinten vorbei!" rief Eap. Man sah die Schiffsmannschaft des Franzosen sich windwärts versammeln und einige Mnskctcn anlcgen, als ob sie der Mannschaft des Scud befehlen wolle, sich fern zu halten. Auch wurden noch andere Gebärden bemerkt, aber der See war zu wild und drohend, um irgend eine feindselige Demonstration zuznlassen. Ans den Mündungen der zwei oder drei leichten Kanonen am Borde des Schiffs tropfte Wasser, und Niemand dachte daran, sich ihrer in diesem Sturme bedienen zu wollen. Tic schwarzen Seiten des 317 Fahrzeugs glänzten, wenn sie ans einer Welle anftanchtcn, und schienen zu zürnen, während der Wind durch das Tackclwerk heulte und in den tausend Tönen eines Schiffes hernmorgelte, so daß man davor nicht einmal das auf den französischen Schiffen gewöhnliche Rnfen nnd Schreien vernehmen konnte. „Mag er sich heiser schreien," grollte Cap. „Wir haben jetzt kein Wetter, in dem man sich Geheimnisse zuflüstcrn kann. An Backbord das Ruder, Herr!" Der Mann am Steuer gehorchte, nnd der nächste Wogcnguß trieb den Send so nahe gegen die Windviernng des Schiffes hinab, daß selbst der alte Seemann einen Schritt zurückprallte nnd erwartete, daß, so bald die Wellen den Schnabel wieder in die Höhe brächten, die vordersten Büge gerade in die Planke» des Gegners treiben müßten. Dieß geschah jodvch nicht; denn als der Kutter sich wieder aus seiner geduckten Stellung, die der eines lauernden Panthers vor dem Sprunge glich, aufrichtete, schoß er vorwärts nnd im nächsten Augenblick an dem Stern des feindlichen Schiffes vorüber, wobei er gerade noch dessen Spcnkcrspier-Ende mit seiner eigenen unteren Rah klärte. Der junge Franzose, welcher den Montealm befehligte, sprang auf den Hackcbord, lüpfte mit jenem zierlichen Anstand, der auch den niedrigsten Handlungen seiner Landsleute eine gewisse Feinheit verleiht, seine Mütze, und winkte einen lächelnden Gruß, als der Send vorüber schoß. Es lag, da die Umstände keine andern Mittheilungen gestatteten, eine gewisse Leutseligkeit nnd feine Bildung in diesem Akt der Höflichkeit, die aber bei Cap verloren ging; denn mit dem seinem Lentc-Schlag eigenen Instinkt schüttelte er drohend seine Faust und brummte vor sich hin: „Ja, ja, es ist ein v—s Glück für euch, daß wir kein schweres Geschütz hier an Bord haben, sonst wollte ich euch etwas zusenden, was euch neue Kajütenfenster nöthig machen dürfte. Er will uns zum Besten haben, Sergeant." « 318 „Er war höflich, Bruder Cap," erwieberte der andere, indem er seine Hand sinken ließ, da sein Soldatenstolz ihn veranlaßt hatte, die militärische Begrüßung zu erwiedern; „er war höflich» und das ist so viel, als man von einem Franzosen erwarten kann. Was er damit wirklich meinte, kann wohl Niemand sagen." „Er setzt sich gewiß nicht umsonst bei diesem Wetter der See aus. Je nun, lassen wir ihn einlanfen, wenn er kann, indeß wir, wie muthige englische Matrosen, uns ans dem Wasser halten wollen." Das klang wohl schön; aber Cap blickte doch neidisch ans den glänzenden schwarzen Rumpf des Mvntealm, sein flatterndes Segel und die verschwimmenden Spierenkrcutznngen, bis sich sein Bild immer mehr und mehr verwischte und zuletzt wie ein wesenloser Schatten in dem Nebel verschwand. Cap wäre gerne seinem Fahrwasser gefolgt, wenn er es hätte wagen dürfen: denn die Aussicht auf eine zweite Sturmnacht mitten auf dem wilden Wasser, welches rund um ihn her tobte, hatte in der Thal wenig Tröstliches für ihn. Sein seemännischer Stolz gestattete ihm jedoch nicht, eine Unbehaglichkeit kund zu geben, und die seiner Obhut Anvertrauten verließen sich auf seine Kenntnisse und Geschicklichkeit mit dem blinden und unbedingten Vertrauen, welches bei Unkundigen so gewöhnlich ist. Es vergingen nun einige Stunden, und die Finsterniß begann wieder die Gefahren des Send zu vermehren. Doch hatte ein Nachlassen der Kühlte Cap veranlaßt, wieder einmal in den Wind umznlcnken, und der Kutter lag die ganze Nacht über, wie früher, bei, wobei er jedoch stets nach vorn trieb und gelegenheitlich vierte, um vom Lande abzuhalten. Wir wollen übrigens nicht bei den Ereignissen dieser Nacht verweilen, da sie so ziemlich dieselben waren, wie bei andere» Kühlten; — ein Schwanken des Schiffes, ein Gischen des Wassers, ein Spritzen des Schaumes, und Erschütterungen, welche das von den Wellen hin und hergestoßenc Fahrzeug 319 zu vernichten drohten: das unablässige Heulen des Windes und die Schrecken erregende Abtrift. Letztere waren am gefährlichsten; denn obgleich der Send außerordentlich gut Luv unter seinem Segel hielt, und durchaus keinen Windfang hatte, so war er doch so leicht, daß ihn die steigenden Wogen bisweilen in reißender Schnelle in ihr Lee hinabzuwaschen schienen. Während dieser Nacht überließ sich Cap einige Stunden einem gesunden Schlaf. Der Morgen dämmerte eben auf, als er sich an der Schulter ergriffen suhlte: wie er sich aufrichtete, sah er den Pfadsinder an seiner Seite stehen. Während des Sturmes hatte sich der Wegweiser wenig auf dem Verdecke gezeigt, denn seine natürliche Bescheidenheit belehrte ihn, daß die Leitung des Schiffes nur in den Bereich der Seeleute gehöre, und er war geneigt, den Führern des Send dasselbe Vertrauen zu schenken, welches er von denen, die ihm durch die Wälder folgten, erwartete. Jetzt aber hielt er eine Einmischung für gerechtfertigt, und vollführte diese in seiner eigenthümlichcn, ehrlichen Weise. „Der Schlaf ist süß, Meister Cap," sagteer, als dessen Augen sich geöffnet hatten und er sich in seine Lage zu finden begann: — „der Schlaf ist süß, wie ich aus eigener Erfahrung weiß; aber das Leben ist noch süßer. Seht um Euch, und sagt mir, ob das nicht ein Augenblick ist, wo ein Befehlshaber auf seinen Beinen seyn muß." „Wie, wie — Meister Pfadfinder?" brummte Cap in den ersten Augenblicken des wiederkehrenden Bewnßtseyns. „Habt Ihr Euch auch auf die Seite der Murrenden geschlagen? Auf dem Lande bewunderte ich Eure Klugheit, die Euch über die gefährlichsten Untiefen ohne Compaß wegsührte; und seit wir ans dem Wasser sind, hat mir Eure Mäßigung und Ergebung ebensowohl gefallen, als die Zuversicht, mit der Ihr auf Euerm eigenen Boden auftratet. Ich hätte eine solche Aufforderung von Euch am wenigsten erwartet." 320 „Was mich anbelangt, Meister Cap, so fühle ich, daß ich meine Gaben habe, welche, wie ich glaube, denen eines andern nicht ins Gehäge kommen werden. Mit Mabel Dunham mag es aber ein anderer Fall seyn. 'S ist wahr, sic hat auch ihre Gaben; sie sind aber nicht so rauh wie die nnsrigcn, sondern sanft und weiblich, wie sie seyn müssen. Ich spreche daher mehr nm ihret- als nm meinetwillen." „Ja, ja — ich fange an, zu begreifen. Das Mädchen ist ein gutes Kind, mein wertster Freund; aber sie ist die Tochter eines Soldaten und die Nichte eines Seemanns, und sollte daher in einem Sturme nicht zu furchtsam oder zu zärtlich seyn. Läßt sie Furcht blicken?" „Nein, nicht doch. Mabel ist zwar ein Weib, aber vernünftig und schweigsam. Ich habe sie nicht ein Wort über unser Handeln äußern hören, obgleich ich glaube, Meister Cap, daß es ihr lieber wäre, wenn Jasper wieder seine frühere Stelle einnähme und alles in den alten Zustand versetzt würde. Das ist so die menschliche Natur." „Das will ich ohne Schwur glauben — 's ist so ganz nach der Art der Mädchen, und zumal der Dnnhams. Alles ist besser als ein alter Onkel, und Jedermann weiß mehr, als ein alter Seemann. Das ist menschliche Natur, Meister Pfadfinder, und hol' mich der —, wenn ich der Mann bin, der, sey cs am Back- oder Steuerbord, um der ganzen Menschennatur willen, die in einem solchen zwanzigjährigen Naseweis steckt, auch nur einen Faden ab- oder angiere; — ja, auch nicht nm Aller willen," (er dämpfte hiebei seine Stimme ein wenig) „welche in Seiner Majestät sünf- undfünfzigsten Regiment zu Fuß auf die Parade ziehen. Ich habe mich nicht vierzig Jahre auf dem Meer umgetricben, um hier auf diesem Fetzen Frischwasser zu lernen, was Menschennatur ist. — Wie diese Kühlte anhält! Sie bläst in diesem Augenblick so kräftig, als ob Boreas selber seine Schläuche quetschte. Und was ist das 321 Alles auf der Leeseite?" (er rieb die Augen) — „Land! so wahr ich Cap heiße, — und dazu Hochland!" Der Pfadfinder gab keine unmittelbare Antwort, betrachtete aber mit Kopfschüttcln und ängstlicher Sorge den Gcsichtsausdruck seines Gefährten. „Land, so wahr als dieses der Send ist!" wiederholte Cap. „Ein Leger-Wall, und noch dazu in der Entfernung einer Stunde, mit einer so schönen Linie von Brandungen, als man nur eine an dem User von ganz Long-Jsland finden kann!" „Und ist das ermuthigend oder niederschlagend?" fragte der Pfadfinder. „Ah! ermuthigend — niederschlagend! — 'S ist keines von beiden. Nein, nein! ich kann nichts Ermuthigendes daran sehen, und einen Seemann darf nichts Niederschlagen. Es schlägt Euch wohl auch nichts nieder in den Wäldern, mein Freund?" „Ich will das nicht sagen, — ich will das nicht sagen. Wenn die Gefahr groß ist, so habe ich die Gabe, sie zu sehen, zu erkennen, und den Versuch zu ihrer Vermeidung zu machen, sonst würde wohl mein Skalp schon längst in dem Wigwam eines Mingo trocknen. Auf diesem See aber kann ich keine Spur sehen, und muß mich daher unterwerfen, obgleich ich meine, wir sollten uns daran erinnern, daß eine Person wie Mabel Dunham an Bord ist. Doch da kommt ihr Vater, und wird ohne Zweifel um.sein Kind besorgt seyn." „Wir sind da, glaube ich, in einer bedenklichen Lage, Bruder Cap, so viel ich von den beiden Matrosen am Backbord entnehmen kann," sagte der Sergeant, als er bei den Beiven angclangt war. „Sie sagen mir, der Kutter könne kein Segel mehr führen, und die Abtrift sep so stark, daß sie uns in einer oder zwei Stunden ans Ufer werfen werde. Ich hoffe, daß ihre Furcht sie täuscht." Cap antwortete nicht, sondern blickte nur mit einem kläglichen Gesicht gegen das Land, woraus er jedoch mit dem Ausdruck der Der Pfadfinder. 3. Aufl. 21 322 Entrüstung sich gegen den Wind kehrte, als ob er gerne mit dem Wetter Händel angefangen hätte. „Es möchte wohl gut sepn, Bruder," fuhr der Sergeant fort, „nach Jasper zu schicken, um ihn über das, was geschehen muß, zu berathen. Hier sind keine Franzosen zn fürchten; und möglicher Weise wird uns der Junge doch vor dem Ertrinken retten." „Ja, ja, diese verwünschten Indizien haben uns in all dieses Ungemach geführt. Doch laßt den Burschen kommen, laßt ihn kommen. Einige gut angebrachte Fragen werden ihm wohl die Wahrheit entlocken, — ich stehe dafür." So bald die Zustimmung des starrköpfigen Cap erlangt war, wurde nach Jasper geschickt. Der junge Mann erschien sogleich und trug in seiner Miene wie auch seinem ganzen Aenßern den Ausdruck eines gekränkten und gedemüthigten Gefühls, welchen jedoch einige der Beobachter als die Befangenheit der überführten Schuld betrachteten. So bald er ans dem Verd.'ck angelangt war, warf er einen schnellen ängstlichen Blick um sich, als ob er neugierig sep, die Lage des Kutters kennen zn lernen, und dieser Blick schien hinreichend zu sepn, ihm die ganze Gefahr derselben zn enthüllen. Zuerst blickte er nach Seemannsweisc gegen den Wind und sah sich dann rings am Horizont um, bis sein Auge auf dem leewärts gelegenen Hochlande haften blieb, von wo aus ihm ans einmal die traurige Wahrheit in lebendigen Zügen vors Auge trat. „Ich habe nach Euch geschickt, Meister Jasper," sagte Cap, indem er die Arme kreuzte, und mit der ganzen Backbord-Würde seinen Körper wiegte, „um etwas über den Hafen in unsrem Lee zn erfahren, denn wir denken, Ihr werdet Euren Unwillen nicht so weit treiben, daß Ihr uns Alle ersäuft sehen möchtet, zumal die Weiber. Auch denke ich, Ihr werdet Manns genug sepn, uns den Kutter auf ein sicheres Lager bringen zu helfen, bis dieses Bischen Kühlte zn blasen nachgelassen hat." „Ich wollte lieber zu Grunde gehen, als daß Mabel Dunham 323 ein Leides geschehen sollte," antwortete der Jüngling mit ruhigem Ernste. „Ich wußte es — ich wußte cs!" rief der Pfadfinder, indem er Jaspern freundlich auf die Schulter klopfte. „Der Junge ist so treu, wie der beste Compaß, der je an der Gränze war oder irgend Jemanden von einer blinden Fährte half. Es ist eine Todsünde, etwas anderes zu glauben." „Hum!" rief Cap, „zumalcn die Weiber! Als ob die in einer besonderen Gefahr wären. Doch cs macht nichts, junger Mensch; wir werden einander verstehen, wenn wir wie ein paar ehrliche Seeleute mit einander reden. Kennt Ihr irgend einen Hafen unter unsrem Lee?" „Nein. Es ist eine weite Bucht an diesem Ende des Sees; sie ist aber uns allen unbekannt und die Einfahrt schwierig." „Und diese Küste im Lee — sie hat nichts besonders Einladendes, denke ich?" „Es ist eine Wildniß, die auf der einen Seite bis zur Mündung des Niagara und auf der andern zum Fort Frontcnac reicht. Ich habe mir sagen lassen, daß nördlich und westlich tausend Meilen weit nichts als Wälder unv Prärien sind." „Gott sey Dank! Dann können doch keine Franzosen da sepn. Sind auf dem Lande dort vielleicht viele Wilde um den Weg?" „Man findet in allen Richtungen Indianer, obgleich sie nirgends sehr zahlreich sind. Man kann zufällig auf eine Partie an irgend einem Punkte des Ufers stoßen, aber auch Monate lang wandern, ohne einen einzigen zu sehen." „Nun, was diese Blaustrümpfe anbelangt, so müssen wir es eben nehmen .wic's kommt. Aber um offen mit Euch zu reden, Meister Western, wenn dieser kleine, unangenehme Vorfall mit den Franzosen nicht dazwischen gekommen wäre! was würdet Ihr jetzt mit dem Kutter anfangen?" „Ich bin ein viel jüngerer Schiffer als Ihr, Meister Cap." 324 sagte Jasper bescheiden, „und also kaum geeignet, hier eine Meinung zu äußern." „Ja, ja — wir wissen das wohl. In einem gewöhnliche» Fall vielleicht nicht. Aber das ist ein ungewöhnlicher Fall, ein Umstand, und dieses Stückchen Frischwasscr hat so zu sagen seine Eigenthümlichkeitcn. Ihr mögt also, wenn man es beim Licht betrachtet, wohl geeignet sepn, hier Eure Ansichten anSzusprcchcn, und wenn es gegen Euer» Vater wäre. In jedem Falle könnt Ihr sprechen, und ich kann Eure Meinung meiner Erfahrung gemäß bcurtheilcn." „Ich denke, Herr, daß der Kutter, ehe noch zwei Stunden vorüber sind, vor Anker gebracht werden sollte." „Vor Anker? — doch nicht hier außen ans dem See?" „Nein, Herr, aber dort drinnen, in der Nähe des Landes." „Ihr wollt mir doch nicht weiß machen, Meister Eau-doucc, daß Ihr bei einer solchen Kühlte an einem Lcgcrwall ankern würdet?" „Wenn ich mein Schiff retten wollte, so würde ich nichts anderes thun." „Hn, hu — u! Das ist ein verteufeltes Frischwaffer. Hört, junger Mensch, ich bin ein seefahrendes Thier gewesen, als Knabe und Mann, cinundvicrzig Jahre lang, und nie habe ich von so etwas gehört; auch wollte ich lieber alles Tanwerk über Bord werfen, ehe ich mich eines solchen Schnljungenstreichcs schuldig machen würde!" „Wir handeln so hier auf dem See, wenn wir hart gedrängt werden," erwiederte Jasper bescheiden. „Vielleicht könnten wir etwas Besseres thun, wenn man es uns gelehrt hätte." „Das möchte in der That der Fall sehn! Nein, niemand wird mich veranlassen, eine solche Sünde gegen meine Erziehung zu begehen. Ich könnte ja nie wieder mein Gesicht innerhalb Sandp- Hook zeigen, wenn ich mir einen solchen Schülcrstreich hätte zu Schulden kommen lassen. Da hat sogar der Pfadsinder mehr See- 325 nlannskunst in seinem Leib. Ihr könnt wieder hinunter gehen, Meister Eau-douce." Jasper verbeugte sich ruhig und schied. Als er jedoch die Leiter hinunter stieg, warf er, wie die Zuschauer bemerkten, zögernd einen ängstlichen Blick gegen den Horizont windwärts, und gegen das Gestade im Lee, worauf er mit dem Ausdrucke schweren Kummers in jedem Zuge seines Gesichtes verschwand. Siebcnzehntes Kapitel. Er wiederholt die oft verlachten Witze Und bietet neuem Einwurf ne» die Spitze, Jndeß im Wortkamvf stets er tiefer sinkt. Und mit dem Streiter auch der Streit ertrinkt. Eowper. Da die Soldatenfrau auf ihrem Lager krank lag, befand sich, als Jasper zurückkehrte, nur Mabel Dunhaui in der äustern Kajüte, denn der Sergeant hatle ihm die Gunst widerfahren lassen, seinen ihm gebührenden Platz in diesem Theil des Schiffes einnehmen zu dürfen. Wir würden dem Charakter unserer Heldin zu viel Einfalt zuschreiben, wenn wir sagten, sie hätte .gegen den jungen Mann in Folge seiner Verhaftung kein Mißtrauen gefühlt, zugleich aber auch der Wärme ihres Gefühls Unrecht thun, wenn wir nicht beifügten, daß dieses Mißtrauen nur unbedeutend und vorübergehend war. Als er jedoch seinen Sitz neben ihr einnahm und sein ganzes Gesicht die- deutlichen Züge seiner Bekümmerniß über die Lage des Kutters trug, schwand jede Spur von Verdacht aus ihrer Seele, und sie erblickte in ihm nur den gekränkten Mann. „Ihr nehmt Euch diese Sache zu sehr zu Herzen, Jasper!" sagte sie hastig mit jener Selbstvergcssenbeit, mit der die Jüngern ihres Geschlechts ihre Gefühle zu verrathen pflege», wenn eine lebhafte 326 und edle Theilnahmc die Oberhand gewinnt. „Niemand, der Euch kennt, kann, oder wird an Eure Schuld glauben. Pfadfinder sagt, er stehe mit seinem Leben für Euch." „So betrachten Sie mich also nicht als einen Verräther, Mabcl, wie dieß Ihr Vater zu thun scheint?" erwiederte der Jüngling mit glühenden Blicken. „Mein lieber Vater ist ein Soldat, und muß als ein solcher handeln. Bei meines Vaters Tochter ist das nicht so, und ich will von Euch nicht anders denken, als ich von einem Manne denken muß, der mir bereits so viele Dienste erwiesen hat." „Mabel, ich bin nicht gewöhnt, mit Ihres Gleichen zu reden, oder alles, was ich denke und fühle, auszusprechen. Ich habe nie eine Schwester gehabt, und meine Mutter starb als ich noch ein Kind war, so daß ich wenig davon weiß, was Ihr Geschlecht am liebsten hört —" „Mabel hätte die ganze Welt darum geben mögen, wenn sie gewußt hätte, was dem kreisenden Worte, bei welchem Jasper stecken blieb, folgen sollte; aber das wachsame Gefühl weiblicher Schüchternheit, welches sich nichtbeschreibenläßt,hieß sieihre Neugierde unterdrücken. Sic erwartete daber schweigend die weitere Erklärung. „Ich wollte sagen, Mabel," fuhr der jnnge Mann nach einer Weile der peinlichsten Verlegenheit fort, „daß ich nicht an die Weise und die Ansichten von Ihres Gleichen gewohnt bin, und baß Sie sich alles, was ich hinznfügen möchte, denken müssen." Es fehlte nun allerdings Mabel nicht an Einbildungskraft: aber es gibt Gedanken und Gefühle, welche das weibliche Geschlecht gerne ausgedrückt wissen möchte, ehe es seine eigenen Sympathien dagegen gibt, und sie hatte ein dunkles Vorgefühl, daß Jaspers Gedanken gerade in diese Reihe gehören dürften. Sie zog es deß- halb vor, mit der ihrem Geschlechts eigcnthümlichen Gewandtheit dem Gespräche eine andere Wendung zu geben, als in dieser lästigen und unbefriedigenden Weise fortzufahren. 327 „Sagt mir mir Eines, Jasper, und ich werde zufrieden sehn," sagte sie mit einer Hastigkeit, welche nicht bloß ihre Zuversicht zu sich selbst, sondern auch zu ihrem Gefährten bekundete: „habt Ihr keinen Anlaß zu dem grausamen Verdacht, der ans Euch lastet, gegeben?" „Gewiß nicht, Mabel," antwortete Jasper, und blickte ihr dabei mit einer Offenheit sind Einfalt in das volle blaue Auge, daß dadurch auch ein tiefer hastender Argwohn hätte erschüttert werden mögen, „so wahr ich dereinst auf Gnade hoffe." „Ich wußte es.— ich hätte darauf schworen wollen," erwie- derte das Mädchen mit Wärme. „Und doch ist mein Vater ein wohlmeinender Mann. — Aber laßt Euch diese Sache nicht beunruhigen, Jasper." „Ach, es gibt gegenwärtig so ganz andere Dinge, die mich beunruhigen, daß ich an diese kaum denke." „Jasper!" „Ich möchte Sie nicht in Sorge bringen, Mabel; aber wenn nur Ihr Onkel dahin zu bringen wäre, daß er seine Ansichten über die Handhabung des Scud änderte. Freilich ist er viel älter und erfahrener, als ich, so daß er vielleicht mit Recht mehr Vertrauen auf sein eigenes Nrtheil, als auf das mciüige setzt." „Glaubt Ihr, der Kutter sey in Gefahr?" fragte Mabel mit Gedankenschnelle. „Ich fürchte so, wenigstens würden ihn Alle von dem See für höchst gefährdet halten. Vielleicht stehen aber einem alten Seemann von dem Ocean besondere Mittel zu Gebote, um ihn zu retten." „Jasper, Alle stimmen darüber ein, daß Ihr, was Eure Geschicklichkeit in Führung des Scud anbelangt, volles Vertrauen verdient. Ihr kennt den See und den Kutter, und müßt daher am besten über unsre gegenwärtige Lage nrthcilcn können." „Vielleicht, Mabel, macht mich meine Besorguiß um Sie 328 furchtsamer als gewöhnlich. Aber, um mich frei ausznsprechen, ich kenne nur einen Weg, zu verhindern, daß der Send nicht im Laufe der nächsten zwei oder drei Stunden scheitert, und Ihr Onkel weigert sich, diesen einznschlagen. Doch vielleicht verstehe ich es nicht besser, denn er sagt, der Ontario sey nur Frischwasser." „Ihr glaubt doch nicht, daß dieses einen Unterschied mache? Denkt an meinen lieben Vater, Jasper! denkt an Euch selbst — an Alle, deren Leben von einem Worte abhängt, welches Ihr znr rechten Zeit aussprecht." „Ich denke an Sie, Mabcl, und das ist mehr, viel mehr als alles Andere zusammengenommen!" erwiederte der junge Mann mit einer Kraft des Ausdrucks und einem Ernst des Blicks, welche unendlich mehr sagten, als seine Worte. Mabels Herz schlug heftig und ein Strahl zufriedenen Dankes leuchtete aus ihrem erröthenden Antlitz. Aber die Beunruhigung war zu lebhaft und ernst, als daß sie glücklichern Gedanken hätte Raum geben können. Sie versuchte es nicht, einen dankbaren Blick zu unterdrücken, dann kehrte sie aber schnell wieder zu dem Gefühle zurück, welches nunmehr natürlich die Oberhand gewann. „Man darf nicht gestatten, daß meines Onkels Starrsinn Anlaß zu diesem Unglück gebe. Geht noch einmal ans das Verdeck, und ersucht meinen Vater, in die Kajüte zu kommen." Während der junge Mann dieser Bitte entsprach, horchte Mabel mit einer Furcht, die ihr bisher fremd geblieben war, auf das Heulen des Sturmes und das Schlagen der Wellen gegen den Kutter. Von Constitution ein wahrer Matrose, wie die Passagiere diejenigen zu nennen Pflegen, welchen das Wasser nichts anhaben kann, hatte sie bisher nicht im mindesten an eine Gefahr gedacht und die ganze Zeit seit dem Beginne des Sturmes mit weiblichen Beschäftigungen, wie sie ihre Lage gestattete, zugcbracht: da aber nun ihre Besorgnisse ernstlich geweckt waren, so ermangelte sie nicht, sich zu erinnern, daß sie früher nie bei einem solchen 329 Unwetter auf dem Wasser gewesen sep. Die paar Minute», welche vergingen, bis der Sergeant erschien, däuchten ihr eine Stunde, und als er mit Jaspern dis Leiter hernnterstieg, wagte sie kaum, Athem zu holen. Sie theilte ihrem Vater so schnell, als die Sprache ihren Gedanken folgen konnte, Jaspers Ansicht über ihre gemeinschaftliche Lage mit nnd beschwor ihn, wenn er sie liebe, oder wenn ihm sein eigenes Leben und das seiner Leute theuer sep, gegen ihren Onkel Einrede zu thnn und ihn zu veranlassen, daß er die Führung des Kutters wieder in die Hände seines eigentlichen Befehlshabers abgebe. „Jasper ist treu, Vater," fügte sie mit Ernst hinzu, „und wenn er auch falsch wäre, so könnte er doch keinen Grund haben, uns, unter Gefährdung des Lebens Aller, wie auch seines eigenen, in diesem entfernten Thcile des Sees scheitern zu lassen. Ich setze mein Leben an seine Redlichkeit." „Ja, das ist wohl genug für ein in Furcht gesetztes Weib," antwortete der phlegmatische Vater; „aber bei einem Manne, der das Commando für einen Feldzug übernommen hat, möchte es weder klug, noch entschuldbar sepn. Jasper denkt vielleicht, daß die Möglichkeit, bei einem Näherkommen an das Ufer zu ertrinken, durch die Möglichkeit, beim Landen zu entspringen, voll ausgewogen werde." „Sergeant Dunham!" „Vater!" Diese Ausrufe erklangen gleichzeitig, äußerten jedoch in ihrem Tone den Ausrruck verschiedener Gefühle. Bei Jasper trug er vorzugsweise das Gepräge der Neberraschung, bei Mabel das des Tadels. Der alte Soldat war übrigens zu sehr gewohnt, seine Untergebenen ohne Umstände zu behandeln, als daß er hieraus geachtet hätte, nnd fuhr nach einer kleinen Weile des Nachdenkens, als ob nichts gesprochen worden wäre, fort: „Auch ist Bruder Cap wahrscheinlich nicht der Mann, der sich am Bord eines Schiffes Belehrungen gefallen läßt." 330 „Aber, Vater, wenn unser Aller Leben in der größten Gefahr ist?" „Um so schlimmer. Ein Schiff bei gutem Wetter zu comman- dircn, hat nicht viel auf sich, aber wenn es drunter und drüber geht, zeigt sich der gute Offizier in seinem wahren Lichte. Charles Cap wird wahrscheinlich schon deßhalb das Steuer nicht abgeben, weil das Schiff in Gefahr ist. Außerdem, Jasper, Eau-douce, sagt er, daß Euer Vorschlag gar verdächtig anssehe und mehr nach Verrats), als nach Vernunft rieche." „Er mag so denken, aber laßt ihn nach dem Lootscn schicken und seine Meinung hören. Man weiß wohl, .daß ich diesen Manu seit gestern Abend nicht mehr gesehen habe." „Das klingt vernünftig und der Versuch soll gemacht werden. Folgt mir ans das Verdeck, daß Alles ehrlich und über Bord hergehe." Jasper gehorchte, und Mabel nahm an der Sache so lebhaften Antheil, daß sie sich bis an die Kajütentreppe wagte, wo ihre Kleidung hinlänglich gegen die Macht des Windes und ihre Person gegen den Schaum der Wogen geschützt war. Ihre Bescheidenheit gestattete ihr nicht, weiter zu gehen, und so blieb sie hier, ein verborgener Zeuge dessen, was Vorgehen sollte. Der Lootse erschien bald, und der Blick der Beängstigung, welchen er ans die Umgebung warf, als er sich in der freien Luft befand, war nicht zu mißverstehen. Allerdings hatten auch schon einige Gerüchte über die Lage des Send ihren Weg in den untern Raum gefunden; aber in dem gegenwärtigen Falle hatten sie, statt die Gefahr zu vergrößern, diese eher vermindert. Es wurde ihm gestattet, sich einige Minuten nmznsehen, und dann die Frage vorgelegt, was er unter diesen Verhältnissen für das Klügste halte. „Ich sehe kein Mittel, den Kutter zn retten, als ihn vor Anker zu bringen," antwortete er einfach und ohne Zöger». „Was? hier außen auf dem See?" fragte Eap, wie er es früher bei Jasper gethan hatte. 331 „Nein, weiter innen; gerade an der äußer» Linie der Brandungen/' Das Ergebniß dieser Besprechung ließ Cap keinen Zweifel, daß es zwischen Jasper und dem Lootscn im Geheimen abgekartet worden sey, den Send zu Grunds zu richten, wobei sie wahrscheinlich zu entspringen hofften. In Folge dessen behandelte er die Ansicht des Letzteren mit derselben Gleichgültigkeit, welche er gegen die des Elfteren an den Tag gelegt hatte. „Ich sage dir, Bruder Dunham," erwiedcrte er auf die Einwendungen des Sergeanten, welcher ihn bat, gegen diese von zweien ausgesprochene übereinstimmende Ansicht nicht taub zu bleiben, „daß kein ehrlicher Seemann eine solche Meinung aussprechen kann. An einem Legerwall in einer solchen Kühlte zu ankern, wäre eine Tollheit, die ich gegen keinen Affecuranten zn verantworten wüßte, so lange mir nur noch ein Fetzen Segel ausznsetzen bleibt. Der allertollste Unsinn wäre es aber, wenn ich dicht an den Brandungen vor Anker gehen wollte." „Ihre Majestät ist der Affecurant des Send, Bruder, und ich bin für das Leben der meinem Commando anvertranten Leute verantwortlich. Diese Männer kennen den Ontario-See besser, als wir, und ich glaube, daß man ihrer übereinstimmenden Aussage einigen Glauben schenken sollte." „Onkel!" rief Mabel mit Ernst; aber eine Bewegung von Jasper veranlaßte das Mädchen, ihre Gefühle zurückzühalten. „Wir triften so schnell gegen die Brandungen ab," sagte der junge Mann, „daß über diesen Gegenstand wenig mehr gesagt zn werden braucht. Eine halbe Stunde wird die Sache ans eine oder die andere Weise ins Reine bringen. Aber ich gebe Meister Cap zu bedenken, daß selbst der festeste Fuß keinen Augenblick auf dem Verdecke dieses niedrigen Fahrzeugs "sich wird aufrecht erhalten können, wenn wir einmal in die Brandung eingetreten sind! Ich zweifle in der That keinen Augenblick, daß das Schiff sich füllen 332 nnd sinken wird, ehe wir noch über die zweite Linie der Rvllwogen wegkommcn." „Und wie könnte uns da ein Ankern helfen?" fragte Cap wüthend, als ob ihm Jasper eben so verantwortlich für die Wirkungen des Sturmes, als für die gerade ausgesprochene Ansicht sey. „Es würde wenigstens nicht schaden," crwiederte Eau-donce, mit Sanftmuth. „Wenn wir den Schnabel des Kutters seewärts bringen, so werden wir die Abtrift vermindern: und sollten wir auch durch die Brandungen geschleppt werden, so wird es doch mit der möglichst geringen Gefahr geschehen. Ich hoffe, Meister Cap, Ihr werdet mir und dem Lootsen gestatten, wenigstens die Vorbereitungen zum Ankerwersen zu treffen, da eine solche Vorsorge uns zu Gute kommen und in keinem Fall schaden kann." „Ueberholt Eure Taue, wenn Ihr wollt, und macht die Anker- klar — von ganzem Herzen. Wir sind nun einmal in einer Lage, daß an solchen Dingen nicht mehr viel liegt. Sergeant, auf ein Wort dahinten, wenn's gefällig ist." Cap führte seinen Schwager aus der Gehörweite, nnd öffnete ihm nun sein Herz über ihre wahre Lage mit mehr menschlichem Gefühl in seiner Stimme und seinen Gebärden, als sich von ihm erwarten ließ. „Das ist eine traurige Geschichte für die arme Mabel," sagte er mit leichtem Beben nnd erweiterten Nüstern. „Du und ich, wir sind ein paar alte Gesellen nnd an die Nähe des Todes gewöhnt, wenn auch nicht an den Tod selbst. Unser Gewerbe hat uns für solche Scenen abgehärtet: aber die arme Mabel! — Sie ist ein liebes und gutherziges Mädchen, und ich habe gehofft, sie anständig versorgt und als Mutter lieber Kinder zu sehn, ehe mein Ständlein kommt. Doch, es muß so auch recht seyn! Wir müssen das Schlimme wie das Gute auf unfern Reisen hinnehmen, nnd der einzige ernstliche Kummer, den sich ein alter Seefahrer mit Recht über ein solches Ereigniß machen kann, ist, daß es auf diesem verdammten Fetzen Frischwasser stattsinden soll." 333 Sergeant Dunham war ein wackerer Mann, nnd hatte seinen Mnth nnter Umständen erprobt, die noch weit hoffnungsloser schienen, als die gegenwärtigem Aber bei solchen Gelegenheiten hatte er doch die Macht gehabt, seinen Feinden Widerstand zu leisten, während er hier von einem Gegner gedrängt wurde, zu dessen Bekämpfung ihm die Mittel fehlten. Er war weniger für sich, als für seine Tochter bekümmert; denn er fühlte etwas von dem Selbstvertrauen, welches einen Mann, der in der Blüthc der Kraft und Gesundheit steht nnd an persönliche Anstrengungen in Augenblicken der Gefahr gewöhnt ist, selten verläßt. Für Mabel sah er aber kein Mittel des Entkommens, und mit der Zärtlichkeit eines Baters entschloß er sich, wenn ihr Untergang unvermeidlich scpn sollte, zugleich mit ihr zu sterben. „Glaubst du, daß es so kommen müsse?" fragte er Cap mit Festigkeit, aber mit tiefem Gefühle. „Zwanzig Minuten werden uns in die Brandungen führen; und betrachte selbst, Sergeant, welche Wahrscheinlichkeit auch der kräftigste Mann unter uns haben kann, aus dem Kessel dort im Lee zu entrinnen." Der Anblick war in der That wenig geeignet, die Hoffnung zu ermuthigen. Mittlerweile war der Send auf eine Meile in die Nähe des Ufers gekommen, auf welches der Sturm nnter einem rechten Winkel mit einer Heftigkeit blies, daß an das Prangen eines weitern Segels, um vom Legerwall abzuarbeiten, nicht zu denken war. Der beigesetzte kleine Streifen des großen Segels, welches jedoch nur dazu diente, das Vordertheil des Send dem Winde so nahe zu halten, daß die Wellen nicht über ihm zusam- menbrcchen, zitterte nnter den Stößen des Sturmes, unter denen die starken Taue, welche die complteirte Maschine znsammenhiclten, jeden Augenblick zu zerreißen drohten. Der Regen hatte nachgelassen; aber die Luft war hundert Fuß über der Oberfläche des Sees mit blendendem Gischt erfüllt, der einem funkelnden Wasser- 334 staube nicht unähnlich war, indeß über dem Ganzen die Sonne glorreich an dem wolkenlosen Himmel strahlte. Jasper bemerkte dieses Vorzeichen und erklärte, daß cs ein schleuniges Ende des Sturmes bedeute, obgleich die nächsten Paar Stunden über ihr Schicksal entscheiden müßten. Zwischen dem Kutter und dem Ufer war der Anblick noch wilder und niederschlagender. Die Brandungen erstreckten sich fast auf eine halbe Meile in den See herein, indeß das Wasser-innerhalb ihrer Linie wie weißer Schaum erschien, und die Luft über denselben so hoch mit Dunst und Gischt erfüllt war, daß man das jenseitige Land nur unbestimmt und wie einen Nebel erblicken konnte. Stets blieb aber seine steile Ansteigung — eine ungewöhnliche Erscheinung an den Ufern des Ontario — und der grüne Mantel des endlosen Waldes womit es bedeckt war, zu erkennen. Während der Sergeant und Cap stillschweigend auf dieses Schauspiel blickten, war Jasper mit seinen Leuten am Backbord beschäftigt. Der junge Mann hatte kaum die Erlaubniß erhalten, sein früheres Geschäft wieder aufzunehmen, so ließ er, da er einige Soldaten zur Handreichung ausgerufen hatte, seine fünf oder sechs Gehilfen antretcn, und begann mit allem Ernste eine Vorrichtung auszuführen, welche nur zu lange schon verzögert worden war. Auf diesem schmalen Wasserbecken werden weder die Anker in Bord gestaut, noch die für den Dienst bestimmten Kabeln von den Anker- ringcn losgemacht, was Jasper einen großen Theil der Mühe, welche auf dem Meere nöthig gewesen wäre, ersparte. Der tägliche Anker und der Teuanker waren bald in dem Zustand, losgelassen zu werden und der auf dem Deck befindliche Theil der Ankertaue überholt, worauf dann innegehalten und nach weiterer Weisung umgesehen wurde. Bis jetzt hatte fich noch nichts zum Besseren gekehrt; aber der Kutter trieb langsam weiter, und man gewann mit jedem Augenblick mehr Gewißheit, daß man ihn nicht um einen Zoll weiter windwärts bringen könne. 335 Nach einem langen und ernsten Blick über den Sec gab Jasper neue Befehle, in einer Weise, welche bewies, wie drängend ihm der Augenblick Vorkommen mochte. Zwei Wnrfanker wurden auf das Verdeck gebracht, und die dicken Trosse daran befestigt; dann wurden die inncrn Enden der Trosse wieder um die Kronen der Anker geschlungen, und Alles bereit gehalten, um sie in dem geeigneten Augenblick über Bord zu werfen. Als Jasper mit diesen Vorbereitungen zu Ende war, beruhigte sich seine geschäftige Aufregung, obgleich in seinem Blicke noch die Sorge lagerte. Er verließ das Vor- dercastell, wo die Wellen bei jeder Schwankung des Schiffes an Bord schlugen, und wo das eben erwähnte Geschäft unter häufigen Wasscrgüffen, welche die Arbeiter ganz überschütteten, vollführt worden war, und ging an einen trockenen Platz weiter hinten auf dem Verdeck. Hier traf er den Pfadfinder, welcher bei Mabel und dem Quarticrmeister stand. Die meisten der an Word befindliche» Personen, mit Ausnahme der bereits genannte», waren in dem untern Raume, und suchten thsilweise Linderung ihrer körperlichen Leiden auf ihren Betten, während andere allmählig mit ihrem Gewissen ins Reine zu kommen suchten. Es war wahrscheinlich das erstemal, seit dieser Kiel in das klare Wasser des Ontario getaucht hatte, daß der Ton eines Gebetes am Borde des Send gehört wurde. „Jasper," begann der freundlich gesinnte Wegweiser; „ich bin diesen Morgen zu nichts nütze gewesen, denn meine Gaben sind auf einem solchen Schiffe, wie Ihr wißt, von geringem Belang. Wenn es aber Gott gefallen sollte, des Sergeanten Tochter lebend das Ufer erreichen zu lassen, so dürfte meine Bekanntschaft mit den Wäldern sie wohl glücklich wieder in die Garnison zurückbringen." „Es ist eine schreckliche Entfernung bis dahin, Pfadfinder!" entgegnete Mabel, denn die Gesellschaft stand so nahe bei einander, daß alles, was irgend einer sprach, auch von den Andern gehört werden konnte. „Ich fürchte, chaß Niemand von uns das Fort lebend erreichen wird." 336 „Es würde einen gefährlichen Marsch mit vielen Krümmungen abgcben, Mabel, obgleich einige Ihres Geschlechts noch viel mehr in dieser Wildniß durchgemacht haben. Aber Jasper, Ihr oder ich, oder wir beide müssen diesen Rindenkahn bemanne». Mabels Rettung ist nur dadurch möglich, daß wir sie aus diese Weise durch die Brandungen bringen." „Ich wollte gerne Alles thun, um Mabel zu retten," erwiderte Jasper mit einem trüben Lächeln; „aber keine menschliche Hand, Pfadfinder, vermag den Kahn in einer solchen Kühlte durch jene Brandungen zu führen. Ich verspreche mir übrigens noch etwas vom Unterwerfen, denn wir haben früher einmal den Send in einer fast eben so großen Gefahr ans diese Weise gerettet." „Wenn wir ankern müssen," fragte der Sergeant, „warum geschieht dicß nicht gleich jetzt? Jede Fußbreite, welche wir an der Abtrift verlieren, würde wahrscheinlich unsrem Fahrzeug vor dem Anker einen Spielraum geben, wenn er jetzt ausgeworfen würde." Jasper näherte sich dem Sergeanten, ergriff mit Ernst seine Hand und drückte sie auf eine Weise, welche ein tiefes, fast unwider- . stehliches Gefühl verrietst. „Sergeant Dunham," sagte er feierlich — Ihr seyd ein guter Mann, obgleich Ihr mich in dieser Angelegenheit sehr hart behandelt habt. Ihr liebt Eure Tochter?" „Ihr kennt das nicht bezweifeln, Eau-donce," antwortete der Sergeant mit tonloser Stimme. „Wollt Ihr ihr — wollt Ihr uns allen das einzig wahrscheinliche Mittel, welches zur Rettung des Lebens noch übrig ist, zugestchen?" „Was wollt Ihr von mir, Junge? Was soll ich thun? Ich habe bisher immer nach meiner Einsicht gehandelt, — was verlangt Ihr aber jetzt von mir?" „Unterstützt mich fünf Minuten gegen Meister Cap, und es wird alles geschehen sepn, was ein Mensch thun kann, um den Scud zu retten." 337 Der Sergeant zögerte, denn er war zu sehr an die Disciplin gewöhnt, um regelmäßigen Befehlen ^entgegen zu handeln. Auch mißfiel ihm jeder Schein von Wankelmuth, und zudem hatte er eine große Achtung vor der Seemannskunst seines Verwandten. Während er so überlegte, kam Cap von seinem Platze, den er seit einiger Zeit an der Seite des Steuermanns eingenommen hatte, und näherte sich der Gesellschaft. „Meister Eau-douce," sagte er, als er nahe genug war, um verstanden zn werden; „ich komme. Euch zu fragen, ob Euch nicht in der Nähe ein Ort bekannt ist, wo mau den Kutter ans Ufer bringen könnte. Der Zeitpunkt ist gekommen, welcher zn diesem schweren Entschluß drängt." Dieser Augenblick der Unentschlossenheit von Seite Caps sicherte Jaspers Sieg. Er sah den Sergeanten an, und ein Kopfnicken versicherte den jungen Mann, daß ihm in Allem willfahrt sep. Er zögerte daher nicht, die Minuten, welche so kostbar zu werden ansingcn, zu benützen. „Soll ich das Steuer nehmen," fragte er Cap, „und sehen, ob wir einen Schlupfhafen, der dort im Lee liegt, erreichen können?" „Macht es so, macht es so," sagte der Andere mit einigem Räuspern, denn er fühlte das Gewicht der Verantwortlichkeit um so schwerer auf seiner Schulter lasten, da er sich seine Unwissenheit eingestehen mußte. „Macht es so, Eau-donce, denn, um von der Leber weg zu reden, ich sehe nicht ein, was man Besseres thun könnte. Wir müssen entweder ans Land kommen oder versinken." Jasper verlangte nicht weiter. Er eilte nach hinten und hatte bald die Speichen des Steuerrads in seinen Händen. Der Lootse war auf das Folgende vorbereitet und anfeinen Wink seines jungen Gebieters wurde der Fetzen Segel, welcher noch ansgesetzt war, gestrichen. In diesem Augenblick hob Jasper, der seine Zeit in Acht nahm, das Steuer. Der obere Theil eines Stagscgels wurde Der Pfadfinder. 3. A»fl. 22 338 nach vorn gelöst, und der leichte Kutter fiel ab, als ob er es fühlte, daß er wieder unter der Teilung bekannter Hände sey, und lag bald in dem hohlen Raume zweier Wellen. Dieser gefährliche Augenblick ging glücklich vorüber und im nächsten Moment flog das kleine Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit gegen die Brandungen nieder, daß man seine plötzliche Vernichtung besorgen mußte. Die Entfernungen waren nun so kurz geworden, daß fünf oder sechs Minuten für alle Wünsche Jaspers genügten, und als die Buge des Scud gegen den Wind aufkamcn, was ungeachtet des tobenden Wassers mit der Anmuth einer Ente geschah, welche ihre Richtung auf einem spiegelglatten Teiche verändert — ließ Jasper das Steuer wieder nieder. Ein Zeichen von ihm setzte Alles auf dem Backbord in Bewegung, und au jedem Bug wurde ein Wurfanker ausgeworfen. Die furchtbare Natur der Abtrift war nun sogar Mabcls Augen anschaulich, denn die zwei dicken Trosse liefen aus wie Bugsiertaue. Sobald man an ihnen eine leichte Spannung gewahr wurde, ließ man beide Anker gehen und gab jedem eine Kabel fast bis zu den Betingschlagenden. Es war kein schwieriges Geschäft, den Gang eines so leichten Fahrzeugs mit einem ungewöhnlich guten Ankertauwerk zu hemmen; und in weniger als zehn Minuten von dem Augenblick an, wo Jasper das Steuer ergriffen hatte, lag der Send, mit dem Schnabel seewärts, an zwei vorwärts gestreckten Kabeln wie zwischen zwei Eisenbalken vor Anker. „Das ist nicht wohlgetbau, Meister Jasper," rief Cap mit Aerger, sobald er den Streich, welchen man ihm gespielt halte, bemerkte. „Das ist nicht wohlgethan, Herr. Ich befehle Euch, zu kappen, und den Kutter ohne den geringsten Verzug ans Ufer zu führen." Es schien jedoch Niemand geneigt, diesem Befehle Folge zu leisten; denn die Ruoermannschaft wollte, so lange Jasper das Commando nicht abzugeben geneigt war, nur ihm gehorchen. Da nun Cap, welcher das Fahrzeug in der allergrößten Gefahr glaubte. 339 sah, daß die Mannschaft unthätig blieb, so wendete er sich stolz gegen Jasper und erneuerte seine Gegenrede. „Ihr scyd nicht auf den angeblichen Schlupfhafen zugestcuert," fuhr er fort, nachdem er einige Schmtihwvrte, deren Anführung wir für unuöthig halten, ausgestoßen hatte, „sondern auf diesen Vorsprung, wo jede Seele an Borde hätte ersaufen müssen, wenn wir da das Land erreicht hätten." „Und Ihr wollt, daß man kappen solle,.damit jede Seele an derselben Stelle ans Ufer geworfen werde?" erwiederte Jasper etwas sarkastisch. „Werft am Schnabel ein Loth über Bord, und vergewissert die Abtrift," brüllte Cap den vornstehenden Matrosen zu. Ein Zeichen Jaspers unterstützte diesen Befehl, worauf augenblicklich Folge geleistet wurde. Alle auf dem Verdeck versammelten sich um die Stelle und achteten mit fast athcmloser Theilnahme auf das Ergebnis; dieses Versuchs. Das Blei war kaum auf dem Grunde, als sich die Leine nach vorn dehnte, und in ungefähr zwei Minuten sah man, daß der Kutter nm seine Länge todt gegen den Vorsprung hin abgctriftet hatte. Jasper sah ernst aus, denn er wußte wohl, daß Nichts das Schiff anhalten konnte, wenn eS in den Strudel der Brandungen gelangt war, deren erste Linie ungefähr eine Kabelslänge- gerade unter seinem Stern erschien und verschwand. „Verräther!" schrie Cap, und schüttelte die Faust gegen den jungen Befehlshaber, wobei der ganze übrige Körper vor Wuth zitterte. „Ihr sollt mir mit Euer»; Leben dafür einstehen!" fügte er nach einer kurzen Pause hinzu. „Wenn ich an der Spitze dieses Zuges stände, Sergeant, so ließe ich ihn an das Ende des großen Mastes hängen, damit der Milchbart nicht entwischte." „Mäßige deine Hitze, Bruder; ich bitte dich, sey ein wenig gelassener. Jasper-scheint in der besten Absicht gehandelt zu haben, und die Sachen stehen vielleicht nicht so schlimm, als du glaubst." „Warum steuerte er nicht auf die Bucht zu, von der er gesprochen hat? Warum hat er uns hieher gebracht, todt windwärts von diesem Borsprung, und auf einen Fleck, wo die Brandungen nnr die Hälfte der gewöhnlichen Weite haben, als ob er sich nicht genug beeilen könne, um Alles an Bord zu ersäufen?" „Ich lief, gerade weil an dieser Stelle die Brandungen so schmal sind, gegen das Vorgebirge," antwortete Jasper sanft, obgleich ihm bei diesen Worten seines Gegners die Kehle schwoll. „Wollt Ihr einem alten Seemann, wie ich bin, weist machen, daß der Kutter sich in diesen Brandungen halten könne?" ' „Nicht doch, Herr. Ich glaube, er würde sich füllen und sinken, wenn er in ihre erste Linie gelangte. Sicherlich würde er das Ufer nicht auf seinem Ziele erreichen, wenn er einmal drinnen wäre. Ich hoffe übrigens, ihn gegen alles das klar zu halten." „Mit der Abtrift einer Schiffslänge in der Minute?" „Die Anker haben noch nicht in den Grund gebissen. Auch hoffe ich nicht einmal, daß sie das Fahrzeug ganz anhalten können." „Ans was verlaßt Ihr Euch denn? Soll vielleicht Glaube, Hoffnung und Liebe das Fahrzeug vorn und hinten ankerfest machen?" „Nein, Herr, ich verlasse mich auf den Unterschlepper. Ich hielt deshalb auf das Vorgebirge ab, weil ich weiß, daß er an dieser Stelle stärker ist, als an andern Orte», und weil wir dadurch näher an das Land kommen, ohne in die Brandungen einzntreten." Jasper sprach diese Worte mit Kraft, ohne jedoch irgend eine Empfindlichkeit blicken zu lassen. Auch machten sie einen augenscheinlichen Eindruck auf Cap, bei welchem das Gefühl der Ueber- raschnng sichtlich die Oberhand gewann. „Nnterschlepper?" wiederholte er, „wer Teufel hat je gehört, daß ein Fahrzeug durch einen Unterschlepper vom Stranden abgehalten wurde?" „Vielleicht kömmt so etwas auf dem Meere nie vor, Herr," 311 antwortete Jasper bescheiden; „aber wir wissen, daß eS hier schon hin und wieder der Fall war." „Der Junge hat Recht, Bruder," warf der Sergeant ein; „denn obgleich ich es nicht besonders verstehe, so habe ich doch die Schisser ans diesem See oft von einem solchen Tinge reden hören. Wir werden wohl thnn, Jaspern in dieser Klemme zu vertrauen." Cap brummte und fluchte, mußte sich aber doch zuletzt, wohl oder übel, zufrieden geben. Jasper gab nun auf die Frage, was er unter dem Untcrschlepper verstehe, die gewünschte Eiklärnng. Das Wasser, welches durch den Sturm au das Ufer getrieben wurde, mußte nothwendig zur Herstellung seines Gleichgewichts auf geheimen Wegen wieder in den Sec zurückfließen. Dieses konnte auf der Oberfläche wegen des Sturms und der Wellen, welche cs beständig landwärts drängten, nicht stattstnden, woraus denn noth- wcndig eine Art Ebbe in der Tiefe gebildet wurde, mittelst der das Wasser wieder in sein früheres Bette abfloß. Diese Tiefenströmung hatte den Namen Untcrschlepper erhalten; und da sie nothwendig auf den Kiel eines Fahrzeugs, das so tief wie der.Scud im Wasser ging, wirken mußte, so konnte Jasper wohl hoffen, daß diese Beihilfe das Zerreißen der Ankcrtauc verhindern werde. Mit einem Wort, die obere und die untere Strömung sollten wechselweise einander entgegen arbeiten. So einfach und sinnreich übrigens diese Theorie war, so blieb doch noch wenig Anschein vorhanden, aus ihr praktischen Nutzen ziehen zu könne». Die Abtrift machte fort, obgleich sie sich sichtlich verminderte, da die Kctschen und Trosse, mit welchen die Anker verkattet waren, sich ausspannten. Endlich gab der Mann am Blei den erfreulichen Bericht, daß die Anker nicht mehr weiter trieben und das Fahrzeug fest liege. In diesem Augenblick war die erste Linie der Brandungen noch ungefähr hundert Fuß von dem Sterne des Send entfernt, und schien sogar noch näher zu kommen, wenn der Schaum verschwand und ans den tobenden Wogen 342 zurückkehrte. Jasper eilte vorwärts, warf einen Blick über die Buge und lächelte trinmphirend, als er auf die Kabeln zeigte. Statt wie früher die Starrheit von Eifenstangen zu zeigen, beugten sie sich nun abwärts, und ein Seemann konnte deutlich bemerken, daß der Kutter sich mit einer Leichtigkeit auf den Wellen hob und senkte, wie dieß auf einem Kanal zur Zeit der Ebbe und Flnth der Fall ist, wenn die Macht des Windes -durch den Gegendruck des Wassers gemildert wird. „'s ist der Unterschlepper!" rief Jasper voll Wonne, wobei er das Verdeck entlang gegen das Steuer flog, um es zu stellen und den Kutter noch leichter vor Anker zu legen. „Die Vorsehung hat uns gerade in seine Strömung gebracht, und wir haben keine weitere Gefahr zu befürchten." „Ja, ja, die Vorsehung ist ein guter Seemann," grollte Cap, „und Hilst oft dem Unwissenden aus der Noth. Unterschlepper oder Oberschlepper — der Wind hat nachgelassen, und zu gutem Glück für uns Alle hat das Schiff zugleich einen ordentlichen Haltegrnnd gefunden. Ah, dieses verdammte Frischwaffer hat eine ganz unnatürliche Art an sich." Der Mensch ist selten geneigt, mit dem Glücke zu hadern, während er gewöhnlich durch das Unglück vorlaut und zänkisch wird. Die Meisten am Bord glaubten, daß Jaspers Kenntnisse und Geschicklichkeit den Schiffbruch verhindert hätten, ohne Caps Gegenreden zu berücksichtigen, dessen Bemerkungen hetzt nur noch wenig beachtet wurden. Allerdings verging noch eine halbe Stunde der Ungewißheit und des Zweifels, während welcher das Blei die ängstlichste Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Dann aber bemächtigte sich ein Gefühl der Sicherheit aller Gemüther und die Ermatteten gaben sich der Ruhe hin, ohne von dcm drohenden Tode zu träumen. 343 Achtzehntes Kapitel. Sie muß geformt a»S Seufzer» setz» und ThrSnen; Sie muß bestehen aus Treue und Gehorsam; Sie muß geschaffen sehn aus Phantasien, AuS Leidenschaften nur und aus Begier, Aus Sehnen nur, aus Mich! und aus Ergebung, Aus Dcmuth und Geduld und Ungeduld, AuS Reinheit nur, aus Prüfung und Verehrung.- Shakespeare. Gegen Mittag hin brach sich der Sturm. Seine Wuth legte sich eben so schnell, als sie hervorgebrochen war. In weniger als zwei Stunden nach dem Abfallen des Windes war der glänzende Schaum auf der Oberfläche des Sees vcrstoben, obgleich dieser noch immer sehr bewegt war; und in der doppelten Zeit zeigte die ganze Wassermasse das gewöhnliche unruhige Wogen, auf welches der Sturm keinen Einfluß mehr übt. Die Wellen schlugen noch ohne Unterlaß gegen das Ufer, und die Linie der Brandungen blieb, obgleich das Aufstiegen des Gischtes nachgelassen hatte. Das Wogen der Fluthcn war gemäßigter, und was noch von heftigerer Erregung znrückblieb, konnte als die Nachwirkung des gewichenen Sturmes betrachtet werden. Da cs nicht möglich war, bei dem leichten Gegenwinde, welcher aus Osten wehte, gegen die noch aufgeregten Wellen zu steuern, so wurde der Gedanke, an diesem Nachmittage sich noch auf den Weg zu machen, aufgcgeben. Jasper, der nun ungehindert sein Commando wieder ausgenommen hatte, beschäftigte sich mit den Ankern, welche nacheinander gelichtet wurden. Die Krischen, mit welchen sie verkattct waren, wurden aufgezogen und Alles in segelfertigen Stand gesetzt, um, so bald es das Wetter gestattete, abfahren zu können. Inzwischen ergiengen sich diejenigen, welche bei der Arbeit nicht betheiligt waren, in Belustigungen, wie ihre «igenthümliche Lage sie gerade gestattete. 344 Mabel ließ, wie es bei Leuten zu gehen Pflegt, welche nicht an die Gränzen eines Schiffes gewöhnt sind, sehnsüchtige Blicke nach dem Ufer hcrübergleiten, und gar bald gab sie den Wunsch zu erkennen, daß man, wo möglich, landen möchte. Der Pfadfinder, welcher ihr nahe stand, versicherte, daß nichts leichter sey, als ihrem Anliegen zu entsprechen, da sie einen Rindenkahn auf dem Deck hätte, mittelst dessen sich die Durchfahrt durch die Brandung am besten bewerkstelligen lasse. Nach den gewöhnlichen Zweifeln und Bedenklichkeiten wurde der Sergeant aufgerufen, nach dessen Zustimmung sogleich die geeigneten Anstalten getroffen wurden, der Laune des Mädchens zu willfahren. Die Gesellschaft, welche zu landen wünschte, bestand aus Sergeant Dunham, seiner Tochter und dem Pfadfinder. An die Bewegungen eines Kahns gewobnt, nahm Mabel ihren Sitz mit großer Festigkeit in der Mitte, ihr Vater setzte sich in den Bug und der Wegweiser übernahm das Geschäft des Fährmannes, indem er das Ruder im Stern ergriff. Man bedurfte jedoch desselben nur wenig, denn die Rollwogcn warfen den Kahn oft mit einer Heftigkeit vorwärts, welche jede Anstrengung, die Bewegungen desselben zu leiten, fruchtlos machte. Bis sie das Ufer erreichten, bereute Mabel mehr als einmal ihre Verwegenheit; aber Pfadfinder ermnthigte sie und zeigte in der That so viel Selbstbeherrschung, Gelassenheit und persönliche Kraft, daß selbst ein Weib Anstand nehmen mußte, ihre Besorgniß cinzngestehen. Unsere Heldin war nicht feigherzig, und während ihr die Fahrt durch eine Brandung als etwas ganz Neues Vorkommen mochte, fühlte sie zugleich auch einen großen Theil der damit verbundenen wilden Lust. Bisweilen wollte ihr freilich der Mnth entsinken, wenn diese Schanmblase von einem Boot auf dem obersten Kamme der schäumenden Brandung das Wasser nur wie eine streichende Schwalbe zu berühren schien; dann aber lachte sie wieder erröthend, wenn man das Element durchschnitten hatte und die Woge hinten 345 zu weilen schien, als ob sie sich schäme, in diesem ungestüme» Wettlauf besiegt worden zu seyn. Diese Aufregung dauerte jedoch nur kurze Zeit; denn obgleich der Abstand zwischen dem Kutter und dem Lande beträchtlich mehr als eine Viertelmeile betrug, so wurde er doch in einigen Minuten zurückgelegt. Als sie ans Land gestiegen waren, küßte der Sergeant seine Tochter zärtlich (denn er war so sehr Soldat, daß er sich in jeder Hinsicht auf dem Festlands heimischer fühlte, als auf dem Wasser), ergriff daun sein Gewehr und gab seine Absicht zu erkennen, sich eine Stunde auf der Jagd zu ergehen. „Pfadsinder wird bei dir bleiben, Mädchen, und dir vielleicht Einiges von den Ueberliefernngen dieses Welttheils, oder von seinen Erfahrungen unter den Mingos erzählen." Pfadfinder lachte, versprach für das Mädchen Sorge zu tragen und in wenigen Minuten hatte der Vater eine Anhöhe erstiegen, wo er in dem Walde verschwand. Die Zurückgebliebenen schlugen eine andere Richtung ein und erreichten gleichfalls nach wenigen Minuten eine kleine kahle Spitze des Vorgebirges, wo sich dem Auge ein weites und ganz eigcnthümliches Nundgemälde darbot. Mabcl setzte sich auf die Trümmer eines umgestürzten Felsens, um auszurühen und wieder zu Athcm zu kommen, während ihr Gefährte, auf dessen Sehnen keinerlei körperliche Anstrengung einen Einfluß zu üben schien, ihr zur Seite stand und sich in seiner eigenthümlichen, nicht anmuthlosen Weise auf seine lange Büchse lehnte. So vergingen einige Minuten in Stillschweigen, während welcher insbesondere Mabel in Bewunderung des Anblicks verloren war. Der Ort, auf dem sie sich befanden, lag hoch genug, um das weite Bereich des Sees zu beherrschen, der sich endlos gegen " Nordost erstreckte und, erglänzend unter den Strahlen der Nachmittagssonne, noch die Spuren der Bewegung trug, in welche der letzte Sturm ihn versetzt hatte. Das Land säumte seine 346 Ränder mit einem ungeheuren Halbmonde, »nd verschwand gegen Südost und Norden in der Ferne. So weit das Auge reichte, erblickte es nichts als Wälder, und auch nicht eine Spur von Civilisation unterbrach die gleichförmige und hehre Größe der Natur. Der Sturm hatte den Scud über die Linie der Forts Hinausgetrieben, mit welcher die Franzosen damals die englischen Besitzungen in Nordamerika zu nmgürten bemüht waren: denn ihre Posten lagen, da sie den Verbindungskanälen der großen Seen folgten, an den Ufern des Niagara, indeß unsere Abenteurer sich um viele Stunden westlich von dieser berühmten Wasserstraße befanden. Der Kutter lag vor einem einzelnen Anker, außerhalb der Brandungen, und glich einem artigen, sorgfältig gearbeiteten Spielzeuge, welches eher für einen Glasschrank, als für den Kampf der Elemente, dem er eben erst ansgcsetzt gewesen, bestimmt schien, während der Kahn auf dem schmalen Strande gerade außer dem Bereich der Wellen, die an dem Lande anschlugcn ruhte, und sich wie ein dunkler Punkt auf den Ufcrsteinchen ausnahm. „Wir sind hier sehr fern von menschlichen Wohnungen!" rief Mabel, als sich nach einem langen und sinnenden Blick auf diese Scene die Haupteigenthümlichkeiten derselben ihrer geschäftigen und glühende» Phantasie bemächtigt hatten. „Das heißt in der That an der Gränze scyn." „Gibt es wohl ansprechendere Sccnen, als diese, in der Nähe des Meeres und in der Umgebung großer Städte?" fragte Pfadfinder mit so viel Wärme, als er nur auszndrücken vermochte. „Ich will das nicht sagen. Man erinnert sich dort mehr an seinen Ncbenmenschcn, als hier, aber vielleicht auch weniger an Gott." „Ja, Mabel; das sind ganz meine Gefühle. Ich weiß zwar wohl, daß ich nur ein armer unwissender Jäger bin. Aber Gott ist mir in dieser meiner Heimath so nahe, als dem König in seinem Palast." 347 „Wer kann daran zweifeln?" erwiedcrte Mabel, indem sie ihren Blick von der Aussicht weg auf die harten aber ehrlichen Züge ihres Gefährten richtete, da der kräftige Ansdruck seiner Worte sie überrascht hatte. „Man fühlt, glaube ich, die Nähe Gottes mehr, an einer solchen Stelle, als wenn der Geist durch das Gewühl der Städte zerstreut wird." „Sie sagen da Alles, was ich sagen könnte, Mabel, aber in einer so viel einfacheren Sprache, daß ich erröthen muß, wenn ich das, was ich bei solchen Anlässen fühle, Andern mittheilen möchte. Ich habe vor dem Kriege die Küsten dieses Sees durchstreift, um Felle zu erbeuten, und bin schon einmal hier gewesen — nicht gerade auf dieser Stelle, denn wir landeten dort, wo Sie die dürre Eiche über der Gruppe von Schierlingstannen sehen —" „Wie, Pfadfinder? Ihr könnt Euch aller dieser Einzelnheiten so genau erinnern?" „Sie sind unsere Straßen und Häuser, unsere Kirchen und Paläste. Ob ich mich ihrer erinnere? — in der That! Ich machte einmal dem Big Serpent den Borschlag, mit ihm nach sechs Monaten Mittags um zwölf Uhr an dein Fuße einer gewissen Fichte zusammenzutreffen, obschon damals jeder an dreihundert Meilen von der Stelle entfernt war. Der Baum stand, und steht noch, wenn nicht das Gericht der Vorsehung auch ihn getroffen hat, in der Mitte des Waldes, fünfzig Meilen .von der nächsten Ansted- lung, aber in einer Gegend, wo es ungewöhnlich viele Biber gibt." „Und traft Ihr ihn zur Stunde an Ort und Stelle?" „Geht die Sonne auf und nieder? Als ich bei dem Baum anlangte, fand ich den Serpent mit zerrissenen Beinkleidern und schmutzigen Moccassins an dem Stamme lehnend. Der Dalaware war in einen Sumpf gekommen, und hatte nicht wenig Noth gehabt, seinen Weg wieder heranszufinden; aber er hielt Ort und Zeit so genau ein, wie die Sonne, welche über die östlichen Berge am Morgen hcraufkommt, und Abends hinter den westlichen untergeht. 348 Chingachgook kennt keine Furcht, mag sich's um einen Freund oder einen Feind handeln; er hält jedem Wort." „Und wo ist der Delaware jetzt? Warum ist er heute nicht bei uns?" „Er spürt die Miugofährte aus, was ich eigentlich auch thnn sollte und aus einer großen menschlichen Schwäche Unterlasten habe." „Ihr scheint über alle menschlichen Schwächen weit erhaben zu seyn, Pfadfinder. Ich habe noch nie einen Mann getroffen, der den Schwachheiten der Natur so wenig unterworfen zu seyn schien." „Wenn Sie damit Gesundheit und Kraft meinen, Mabel, so hat mich die Vorsehung allerdings gütig behandelt, obgleich ich denke, daß frische Lust, das Jagdlebcn, rührige Knndschastsmärsche, Wälderkost und der Schlaf eines guten Gewissens den Doktor immer ferne Hallen können. Im Grunde bin ich aber doch ein Mensch; ja, und ich fühle, daß ich es bisweilen recht sehr bin." Mabel blickte ihn überrascht an, und wir würden nur den Charakter ihres Geschlechtes etwas näher bezeichnen, wenn wir hiuznfügten, daß ihr schönes Antlitz dabei einen ziemlichen Antheil Neugierde ausdrückte, obgleich ihre Zunge rücksichtsvoller war. „Es liegt etwas Bezauberndes in diesem Eurem wilden Leben, Pfadfinder," rief sie aus, und die Glut der Begeisterung lagerte sich auf ihren Wangen. „Ich finde, daß ich schnell zu einem Gränz- mädchen werde, und fange an, dieses großartige Schweigen der Wälder zu lieben. Die Städte erscheinen mir schaal, und da mein Vater den Rest seiner Tage wahrscheinlich da zubringen will, wo er so lauge gelebt hat, so kann ich mich wohl in das Gefühl finden, daß ich bei ihm glücklich seyn werde, ohne nach dem Meeresufer zurückkehren zu wollen." „Die Wälder schweigen für den nie, der'ihre Stimmen versteht, Mabel. Ich habe sie Tagelang allein durchwandert, ohne einen Mangel an Gesellschaft zu fühlen; und wenn man ihre Sprache zu deuten weiß, so fehlt es auch nicht an verständiger und belehrender Unterhaltung." 349 „Ich glaube, Ihr sehd glücklicher, Pfadfinder, wenn Ihr allein sehd, als im Gewühle Eurer Mitmenschen." „Ich will das nicht sagen, ich will das nicht gerade sagen. Ich habe eine Zeit gekannt, wo ich glaubte, daß mir Gott in meinen Wäldern genug seh, und wo ich um nichts flehte, als um Seinen Schutz und Seine Gnade. Jetzt haben aber andere Gefühle die Ueberhand gewonnen, und ich denke, man muß der Natur ihren Lauf lassen. Alle andern Geschöpfe paaren sich, Mabel, und cs ist die Einrichtung getroffen, daß der Mensch ein Gleiches thue." „Und habt Ihr nie daran gedacht, Euch ein Weib zu suche», Pfadfinder, und Euer Geschick mit ihr zu theilen?" fragte das Mädchen mit der offenen Einfalt, welche am besten die Reinheit und Arglosigkeit des Herzens bezeichnet, und mit dem Gefühl der Theilnahme, welches dem weiblichen Geschlecht angeboren ist. „Mir scheint, es fehlt Euch nichts, als ein Heerd, zu dem Ihr von Euren Wanderungen heimkehren könnt, um das Glück Eures Lebens vollständig zu machen. Wenn ich ein Mann wäre, so würde es meine größte Lust sehn, nach Gefallen durch diese Wälder zu streifen und über diesen prächtigen See zu segeln." „Ich verstehe Sie, Mabel, und Gott segne Sie, daß Sie an die Wohlfahrt so geringer Leute, wie wir sind, denken. Es ist wahr, wir haben unsere Vergnügungen, so gut als unsere Gaben; aber wir möchten gerne noch glücklicher sehn. Ja, ich glaube, wir könnten noch glücklicher sehn." „Glücklicher? — und wie das, Pfadfinder? In dieser reinen Luft, mit diesen kühlen schattigen Wäldern, durch die Ihr wandert, diesem lieblichen See, auf dem Ihr segelt; dazu noch ein reines Gewissen und der Neberstuß an allen leiblichen Bedürfnissen — müssen da die Menschen nicht so vollkommen glücklich sehn, als es nur überhaupt bei ihrer Gebrechlichkeit möglich ist?" „Jedes Geschöpf hat seine Gaben, Mabel, und auch die Menschen haben die ihrigen," antwortete der Wegweiser mit einem 350 verstohlenen Blick auf seine schöne Gefährtin, deren Wangen erglühten und deren Angen leuchteten unter dem Feuer der Gefühle, welches die Neuheit ihrer ergreifenden Lage anfachte — „und Alles muß ihnen gehorchen. Sehen Sie jene Tande, die gerade gegen das Ufer sich hinunter läßt, dort in einer Linie mit dem umgestürzten Kastanienbauni?" „Gewiß, denn es ist ja das einzige lebendige Geschöpf, welches sich außer uns in dieser weiten Einsamkeit blicken läßt." „Nicht doch, Madel, nicht doch; die Vorsehung schafft kein Leben, um cs ganz allein hinzubringen. Da stiegt gerade ihr Männchen ans; es hat auf einer andern Seite des Ufers Nahrung gesucht; aber es wird nicht lange von seiner Gefährtin getrennt bleiben." „Ich verstehe Euch, Pfadsinder;" erwiederte Mabel mit süßem Lächeln, obgleich sie dabei so ruhig blieb, als ob sie mit ihrem Vater spräche. „Aber ein Jäger kann auch in dieser wilden Gegend eine Gefährtin finden. Die indianischen Mädchen sind, soviel ich weiß, zärtlich und treu, denn so war wenigstens das Weib Arowhead's, obgleich ihr Gatte weit öfter die Stirne runzelte, als lächelte." „Das würde nimmermehr angehen, und nie etwas Gutes dabei herauskommen. Art darf nicht von Art, und Land nicht vom Lande lassen, wenn einer sein Glück finden will. Wenn ich freilich Jemand, wie Sie, treffen könnte, die einen Jäger zu heirathcn sich entschlösse, und meine Unwissenheit und Rauhheit nicht verspottete, dann würden mir sicher alle Mühen der Vergangenheit nur wie das Spielen des jungen Hirsches und meine künftigen Tage im Glanze der Sonne erscheinen." „Jemand wie ich? Ein Mädchen von meinen Jahren und meiner Unbesonnenheit möchte kaum eine paffende Gefährtin für den kühnsten Kundschafter und den sichersten Jäger an den Gränzen abgeben." 351 „Ach, ich fürchte, Mabel, ich habe zuviel von den Gaben der Nothhäute mit der Natur eines Blaßgesichts verbunden! Ein solcher Mann sollte sich wohl ein Weib aus einem indianischen Dorfe suchen." „Gewiß, Pfadfinder, — gewiß! es ist nicht Euer Ernst, ein so unwissendes, simples, eitles und unerfahrenes Geschöpf, wie ich bin, zum Weibe zu'nehmen?" Mabel würde noch hinzugeseht haben „und ein so junges;" aber ein instinktartiges Zartgefühl unterdrückte diese Worte. „Und warum nicht, Mabel? Wenn Sie unwissend sind, was die Gränzbräuche betrifft, so kennen Sie mehr angenehme Ge- schichtchen von dem Stadtleben, als wir Alle miteinander. Was Sie unter simpel verstehen, weiß ich nicht; wenn cs aber , schön* bedeutet, ach! dann fürchte ich, daß es kein Fehler in meinen Augen ist. Eitel sind Sie nicht, wie man aus der Art, mit der Sie meinen müßigen Erzählungen von Fährten und Knndschastszügen zuhöre», bemerken kann; und was die Erfahrung anbelangt, so kommt diese mit den Jahren. Außerdem fürchte ich, Mabel, daß die Männer über solche Sachen wenig Nachdenken, wenn sie ein Weib nehmen wollen; wenigstens geht es mir so." „Pfadfinder, Eure Worte — Eure Blicke: — sicherlich, alles dieses ist nur Tändelei, nur Scherz von Euch?" „Mir ist es immer angenehm, in Ihrer Nähe zu sehn, Mabel, und ich würde in dieser gesegneten Nacht weit gesünder schlafen, als ich die ganze vergangene Woche über gethan habe, wenn ich denken könnte, daß Sie an solchen Unterhaltungen ebensoviel Vergnügen fänden, als ich." Wir wollen nicht sagen, daß Mabel Dunham sich nicht schon vornweg für den Liebling des Wegweisers gehalten hätte, denn das hatte ihr schneller weiblicher Scharfsinn bald entdeckt und vielleicht auch gelegentlich bemerkt, daß in seine Achtung und Freundschaft sich zugleich auch etwas von der männlichen Zärtlichkeit mische, welche das stärkere Geschlecht, wenn seine Sitten nicht ganz 332 verwildert sind, dem zarteren hin und wieder zu zeigen geneigt ist. Aber der Gedanke einer ernstlichen Werbung war nie in ihrer Seele aufgetaucht. Nunmehr aber traf sie eine Ahnung der Wahrheit, die vielleicht weniger durch die Worte, als vielmehr durch das ganze Benehmen ihres Gefährten geweckt wurde. Als Mabel mit Ernst in das faltige, 'ehrliche Gesicht des Wegweisers blickte, gewannen ihre Züge den Ausdruck der Sorge und der Bekümmerniß; dann begann sie wieder in einer so gewinnenden Weise zu sprechen, daß Pfadfinder, obgleich ihre Worte die Absicht hatten, ihn znrückzuweisen, nur noch mächtiger durch sie angezogen wurde. „Ihr und ich sollten einander verstehen, Pfadfinder," sagte sie mit aufrichtigem Ernste, „und es sollte sich keine Wolke zwischen uns legen. Ihr seyd zu aufrichtig und offen, als daß ich Euch nicht auch mit Aufrichtigkeit und Offenheit entgegen kommen sollte. Gewiß, gewiß — Ihr habt mit allem dem nichts sagen wollen; es hat keine andere Verbindung mit Euren Gefühlen, als- die der Freundschaft, welche ein Mann von Eurem Wissen und Charakter für ein Mädchen wie ich natürlicherweise fühlen kann. „Ich glaube, 's ist alles natürlich, Mabel; ja, das glaub' ich. Der Sergeant sagt mir, er hätte solche Gefühle gegen Ihre Mutter gehegt; und ich denke, ich habe auch etwas der Art Lei den jungen Leuten gesehen, welche ich von Zeit zu Zeit durch die Wildniß geleitete. Ja, ja; ich darf sagen, 's ist alles natürlich genug; deshalb kommt es auch so leicht, und es wird einem so wohl dabei ums Herz." „Pfadfinder, Eure Worte machen mich unruhig. Sprecht deutlicher, oder laßt uns den Gegenstand für immer abbrechen. Ich glaube nicht, — ich kann nicht glauben, daß — daß Ihr mir wolltet zu verstehen geben —" die Zunge des Mädchens stotterte, und die jungfräuliche Schaam gestattete ihr nicht, das, was sie so gerne noch gesagt hätte, zu vollenden. Sie sammelte jedoch ihren Muth wieder, und entschloß sich, so bald und so unumwunden als 35Z möglich der Sache auf den Grund zu gehen. Sie fuhr daher nach einer kurzen Zögerung fort: — „Ich meine, Pfadfinder, Ihr wollt mir doch nicht zu verstehen geben, daß Ihr mich im Ernste zu Eurem Weibe haben möchtet?" „Freilich, Mabel, das ist's; das ist's eben, und Sie haben die Sache in ein weit helleres Licht gestellt, als ich mit meinen Waldgaben und meiner Gränzweise je fähig gewesen wäre. Der Sergeant und ich haben den Handel unter der Bedingung abgemacht, daß Sie damit einverstanden festen, und er meint, daß dieses wahrscheinlich der Fall sestn werde, wenn ich gleich zweifle, ob ich die Eigenschaften besitze, einem Mädchen zu gefallen, welches den beste» Gatten in ganz Amerika verdient." Mabels Gesicht ging von dem Ausdruck des Unbehagens zu dem des Staunens, und dann, in noch rascherer Folge, zu dem des Schmerzes über. „Mein Vater!" rief sie, „mein lieber Vater hatte den Gedanken, daß ich Euer Weib werden sollte, Pfadfinder?" „Ja, den hätte er, Mabel; den hatte er in der That. Er glaubte sogar, diese Sache dürfte Ihnen angenehm sestn, und hat mich so lange ermuthigt, bis ich glaubte, es fest wahr." „Aber Ihr, — Ihr kümmert Euch gewiß wenig darum, ob diese sonderbare Hoffnung je in Erfüllung gehen wird oder nicht?" „Wie?" „Ich meine, Pfadfinder, daß Ihr von dieser Angelegenheit mehr wegen meines Vaters als um eines andern Grundes willen mit mir gesprochen habt, und daß Eure Gefühle keineswegs dabei betheiligt sind, mag nun meine Antwort ausfallen wie sie will?" Der Kundschafter blickte mit Ernst in Mabels schönes Antlitz, welches unter der Glut ihrer Gefühle erröthete, und man konnte den Ausdruck der Bewnnderüng, welche sich in jedem Zuge seines sprechenden Gesichtes verrietst, unmöglich verkennen. Der Pfadfinder. 3 . Aufl, 23 354 „Ich habe mich oft glücklich gefühlt, Mabel, wenn ich in der Fülle der Gesundheit und Kraft auf einer ertragreichen Jagd durch die Wälder streifte und die reine Lust der Berge athmete. Ich weiß aber jetzt, daß dieses noch gar nichts heißen will in Vergleichung mit der Wonne, welche mir das Bewußtscyn geben würde, daß Sie besser von mir als von den meisten andern denken." „Besser von Euch? — In der That, Pfadfinder, ich denke besser von Euch, als von den meisten, vielleicht als von allen andern; denn Eure Wahrheitsliebe, Ehrlichkeit, Einfachheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit findet kaum ihres Gleichen auf Erden." „Ach, Mabel, wie süß und ermnthigcnd klingen diese Worte aus Ihrem Munde, und der Sergeant hat im Grunde doch nicht so ganz Unrecht gehabt, als ich fürchtete." „Nein, Pfadfinder; ich beschwöre Euch bei allem, was heilig ist, laßt in einer Sache von so großer Wichtigkeit kein Mißver- ständniß zwischen uns Platz greifen. Wenn ich Euch auch schätze, achte — nein, sogar verehre, fast so sehr, wie ich meinen theuern Vater verehre, so ist es doch nicht möglich, daß ich je Euer Weib werde — daß ich-" Der Wechsel in den Zügen ihres Gefährten war so plötzlich und auffallend, daß Mabel in dem Augenblick, als sie die Wirkung ihrer Aenßerungen in Pfadfinders Gesichte las, ungeachtet des sehnlichen Wunsches einer Verständigung, ihre Worte unterbrach und, weil sie ihm nicht wehe thun wollte, stille schwieg. Es folgte nun eine lange Pause. Der Schatten getäuschter Hoffnung, der sich über die rauhen Züge des Jägers gelagert hatte, wurde immer dunkler, so daß Mabel fast Angst und Furcht empfand, während das Gefühl des Erstickens bei dem Pfadfinder so mächtig wurde, daß er nach seiner Kehle griff, wie Einer, der gegen körperliches Leiden Hilfe sucht. Das krampfhafte Arbeiten seiner Finger erfüllte das. beunruhigte Mädchen mit wahrer Todesangst. „Nein, Pfadfinder," fuhr Mabel hastig fort, sobald sie wieder 3S5 über ihre Stimme gebieten konnte —> „ich habe vielleicht mehr gesagt, als ich sagen wollte; denn auf dieser Welt sind alle Dinge möglich, und Weiber, sagt man, sind in ihren Entschließungen nicht immer am festesten. Ich wollte Euch nur zu verstehen geben, daß Ihr und ich wahrscheinlich nie von einander würden denken können, wie Mann und Weib von einander denken soll/' „Ich denke nicht — ich werde nie wieder in dieser Weise an Sie denken, Mabel," keuchte der Pfadfinder aus der znm Ersticken gepreßten Brust. „Nein, nein — ich werde nie, weder an Sie, noch an Jemand anders wieder in dieser Weise denken/' „Pfadfinder, lieber Pfadfinder, versteht mich wohl! Legt nicht mehr Sinn in meine Worte, als ich selbst hineinlege. Eine derartige Helrath wäre unklug, vielleicht unnatürlich!" „Ja, unnatürlich — gegen die Natur; ich habe das auch dem Sergeanten gesagt, aber er wollte es besser wissen." „Pfadfinder! O das ist schlimmer, als ich mir einbilden konnte. Nehmt meine Hand, vortrefflicher Pfadfinder, und laßt mich daraus erkennen, daß Ihr mich nicht haßt. Um Gotteswillen, seht mich nur wieder freundlich an." „Sie Haffen, Mabel? Sie freundlich ansehen? Wehe mir!" „Nein, gebt mir Eure Hand, Eure kühne, treue und männliche Hand — beide, beide Pfadfinder! denn es wird mir nicht wohl, bis ich gewiß weiß, daß wir wieder Freunde find, und daß dieß alles nur ein Mißverständniß war." „Mabel, sagte der Wegweiser, indem er einen langen und sinnenden Blick auf das Antlitz des edelu, heftigen Mädchens warf, welches seine harten, sonnverbrannten Hände zwischen ihren Fingern hielt, und dazu in seiner eigenthümlichen, lautlosen Weise lachte, obgleich in jeder Linie seines Gesichtes, das keiner Täuschung fähig zu scyn schien, der Ausdruck des Schmerzes hervortrat, da die entgegengesetztesten Gefühle sich auf demselben bekämpften — „Mabel! der Sergeant hatte Unrecht." 356 Die verhaltene» Gefühle waren mm nicht mehr zurückzu- drängen, und Thräneu rvlltcn über die Wangen des Kundschafters wie Regengüsse. Seine Finger arbeiteten wieder krampfhaft an seiner Kehle, und seine Brust hob sich, wie unter einer schweren Last, welche sie unter verzweifelten Anstrengungen abwcrfen wollte. „Pfadfinder! Pfadfinder!" rief Mabel laut; „Alles, nur das nicht! Sprecht mit mir, Pfadfinder, lächelt wieder; sagt mir nur ein einziges freundliches Wörtchen, zum Beweise, daß Ihr mir vergeben habt." „Der Sergeant hatte Unrecht," rief der Wegweiser, indem er mitten in seinem Seelenkampf ein Lachen aufschlug, daß seine Gefährtin vor dieser unnatürlichen Mischung von Beängstigung und Heiterkeit zurückbebtc. „Ich wußt' es, ich wnßt' es, und habe es vorausgesagt; ja, der Sergeant hatte doch Unrecht, wie ich deutlich eiusehe." „Wir können Freunde seyn, ohne daß wir gerade Eheleute find," fuhr Mabel fort, welche sich in einem fast eben so verwirrten Zustand befand, wie ihr Gefährte, und kaum wußte, was sie sagte. „Wir können immer Freunde seyn, und wollen es auch stets bleiben." „Ich dachte mir's immer, daß der Sergeant in einem Jrrthum befangen sey," fuhr Pfadfinder fort, als er mit gewaltiger Anstrengung wieder Herr seiner Bewegungen geworden war, „denn ich bildete mir nie ein, daß meine Gaben von der Art festen, um mir die Neigung eines Stadtmädchcns gewinnen zu können. Er hätte besser gethan, wenn er unterlassen hätte, mir das Gegentheil aufzuschwatzen, und cs wäre vielleicht auch besser gewesen, wenn Sie weniger gefällig und zutraulich gewesen wären; ja, gewiß! das wäre es." - „Wenn ich dächte, daß ein Jrrthum von meiner Seite, wie unabsichtlich er auch seyn mochte, trügerische Hoffnungen in Euch erweckt habe, Pfadfinder, so könnte ich mir nimmer vergeben; denn glaubt mir, ich möchte lieber alles über mich ergehen lassen, als Euch leide» sehen." 357 „Das ist's eben, Mabel; das ist's eben. Diese Worte nnd Gedanken, die Sie mit so weicher Stimme und auf eine Weise anssprechen, wie ich sie in den Wäldern noch nie gehört habe, haben all dieses Unheil angerichtet. Es wird mir aber jetzt klarer, und ich fange an, den Unterschied zwischen uns besser zu erkennen. Ich will mir Mühe geben, meine Gedanken zu zügeln, nnd wieder hinaus gehen in die Wälder, um dem Wilde und dem Feinde aufzn- lanern. Ach, Mabel! ich bin wahrlich ans einer ganz falschen Fährte gewesen, seit ich das erstemal mit Ihnen zusammentraf." „Aber Ihr werdet nun wieder auf der rechten wandeln. Bald habt Ihr dieses alles vergessen, und blickt auf mich, als auf eine Freundin, die Euch ihr Leben verdankt." „Das mag vielleicht die Weise der Städter sehn; aber ich zweifle, ob dieß in den Wäldern eben so natürlich ist. Wenn bei uns das Auge einen lieblichen Anblick trifft, so haftet es lang darauf, und wenn ihn die Seele aufrichtig nnd auf eine schickliche Weise lieb gewinnt, so mag sie sich nicht mehr davon trennen." „Aber Eure Liebe zu mir ist weder ein schickliches Gefühl, noch mein Anblick ein lieblicher. Ihr werdet alles das vergessen, wenn Ihr zu ernsterer Besinnung kommt nnd auf einmal einseht, daß ich durchaus nicht zu Eurem Weibe hasse." „Das habe ich auch zu dem Sergeanten gesagt, aber er wollte es besser wissen. Ich wußte wohl, daß Sie zu jung und zu schön sind für einen Mann, der bereits in den mittleren Jahren steht nnd selbst als Jüngling nie besonders liebenswürdig ansgesehen hat. Dann sind auch Ihre Wege nicht die weinigen gewesen, und die Hütte eines Jägers würde wohl keine schickliche Wohnung für ein Mädchen sehn, welches so zu sagen unter Häuptlingen erzogen wurde. Freilich, wenn ich jünger nnd schöner wäre, etwa wie Jasper Eau-douce —" „Nichts von Jasper Eau-douce," unterbrach ihn Mabel ungeduldig; „wir können von etwas Anderem sprechen." - --l 358 „Jasper ist ein tüchtiger Bursche, Mabel, ja, und ein hübscher dazu," erwiederte der arglose Wegweiser mit einem ernsten Blick auf das Mädchen, als ob er ihren Worten nicht traue, da sie sich so geringschätzig über seinen Freund äußerte. „Wäre ich nur halb so schön, als Jasper Western, so würden meine Besorgnisse in dieser Angelegenheit nicht halb so groß und auch wahrscheinlich weniger begründet gewesen sehn." „Wir wollen nicht von Jasper Western reden," wiederholte Mabel, bis zur Stirne erröthend; „er mag wohl gut genug für einen Sturm seyn, oder auf dem See, aber er ist nicht gut genug hier den Gegenstand unseres Gespräches zu bilden." „Ich fürchte, Mabel, er ist besser, als der Mann, welcher einmal Ihr Gatte seyn wird. Zwar sagt der Sergeant, daß aus dieser Sache nie etwas werden könne; aber er hat einmal Unrecht gehabt, und so mag dieß wohl auch zum zweitenmal der Fall seyn." „Und wer wird denn wahrscheinlich mein Gatte werden, Pfadfinder? Ihr sprecht da von Etwas, was mich kaum weniger befremdet, als das, was eben zwischen uns vorgegangcn ist." „Ich weiß, es ist natürlich, daß Gleiches das Gleiche sucht, und daß solche, welche viel mit Offizicrsfranen umgegangen sind, gern selbst Offiziersfraucn werden möchten. Aber, Mabel, ich weiß auch, daß ich mich unverholen gegen Sie aussprechen darf, und hoffe, daß Sie mir meine Worte nicht übel nehmen; denn da es mir nun bekannt ist, wie schmerzlich derartige Täuschungen auf unserer Seele lasten, so möchte ich nicht einmal über das Haupt eines Mingo einen solchen Kummer bringen. Aber das Glück findet sich in einem Offizicrszelte nicht häufiger, als in dem eines gemeinen Solvaten, und wenn auch die Wohnungen der Offiziere verführerischer anssehen, als die übrigen Baracken, so fühlt sich doch oft ein Ehepaar innerhalb der Thüren der ersteren recht unglücklich." „Ich zweifle nicht im mindesten daran, Pfadfinder, und beruhte 359 die Entscheidung auf mir, so würde ich Euch lieber zu irgend einer Hütte in die Wälder folgen und Euer Schicksal, möchte es nun gut oder schlimm sehn, mit Euch theilen, ehe ich das Innere der Wohnung irgend eines mir bekannten Offiziers in der Absicht beträte, als die Frau ihres Bewohners dort zu bleiben." „Lundie hofft oder glaubt, es werde sich wohl anders machen." „Was kümmere ich mich um Lundie? Er ist Major vom Fünfundfünfzigsten, und mag seine Leute „Rechts um" und „Marsch" machen lassen, so lange es ihm beliebt; er kann mich nicht zwingen, irgend einen, sch er nun der erste oder der letzte seines Regiments, zu heirathen. Doch, was kann Euch von Lundie'S Wünschen über diesen Gegenstand bekannt sehn?" „Ich habe es ans Lundie's eigenem Munde. Der Sergeant sagte ihm, daß er mich zn seinem Schwiegersöhne haben mochte, und der Major, mein alter und treuer Freund, sprach mit mir über die Sache. Er machte mir unumwunden Vorstellungen, ob es nicht edelmüthiger von mir wäre, zu Gunsten eines Offiziers zurückzutreten, als wenn ich mir Mühe gäbe, Sie in das Schicksal eines Jägers mit zu verflechten. Ich gab zu, daß er Recht haben möge — ja, ich that das; als er mir aber sagte, daß er unter dem Offizier den Quartiermeister meine, so wollte ich nichts mehr von seinen Vorschlägen wissen. Nein, nein, Mabel, ich kenne Davh Muir genau, und wenn er Sie auch zu einer Ladh machen kann, so kann er Sie doch nie zu einer glücklichen Frau und sich selbst zu einem Ehrenmanne machen. Das ist so meine ehrliche Meinung, ja, ja; denn ich sehe nun deutlich, daß der Sergeant Unrecht gehabt hat." „Mein Vater hat sehr Unrecht gehabt, wenn er etwas sagte oder that, was Euch Kummer machte, Pfadfinder: und meine Achtung gegen Euch ist so groß und meine Freundschaft so aufrichtig, daß ich, wäre es nicht um Eines willen — ich will damit sagen, daß Niemand den Einfluß des Lieutenants Muir auf mich 360 zn fürchten hat — lieber bis zu meinem Todestage bleiben würde, wie ich bin, ehe ich nm den Preis meiner Hand durch den Quartiermeister eine vornehme Frau werden möchte/' „Ich glaube nicht, daß Sie. etwas sagen, was Sie nicht fühlen?" erwicderte Pfadfinder mit Ernst. „Nicht in einem solchen Augenblicke, nicht in einer solchen Sache, und am allerwenigsten gegen Euch. Nein, Lieutenant Muir soll sich seine Weiber suchen, wo er will — mein Name wenigstens wird nie ans seiner Liste stehen." „Ich danke Ihnen, Mabel, ich danke Ihnen dafür; denn wenn schon für mich die Hoffnung entschwunden ist, so könnte ich doch nie glücklich sehn, wenn Sie den Quarticrmeister nähmen. Ich fürchtete, sein Rang möchte für etwas angeschlagen werden — und ich kenne diesen Mann. Es ist nicht die Eifersucht, welche mich in dieser Weise sprechen läßt, sondern die reine Wahrheit, denn ich kenne den Mann. Ja, wenn Ihre Neigung auf einen verdienstvollen jungen Mann fiele, so einen, wie Jasper Western zum Beispiel —" „Warum kommt Ihr mir immer mit diesem Jasper Eau-douce, Pfadfinder? Er steht in keiner Beziehung zu unserer Freundschaft; laßt uns daher von Euch sprechen und von der Weise, wie Ihr den Winter hinznbringen beabsichtigt." „Ach! — Ich bin nur wenig werth, Mabel, wenn es nicht etwa einer Fährte oder einer Büchse gilt; und jetzt um so weniger, seit ich des Sergeanten Mißgriff entdeckt habe, 's ist daher nicht nöthig, von mir zn sprechen. Es ist mir recht angenehm gewesen, so lange in Ihrer Nähe zu seyn und mir dabei ein bischen einzn- bilden, daß der Sergeant Recht habe; das ist aber nun Alles vorbei. Ich will mit Jaspern den See hinabgehen, und dann wird es genug Beschäftigung für uns geben, um unnütze Gedanken fern zu halten." . „Und Ihr werdet dieß vergessen — mich vergessen? Nein, 361 nicht mich vergessen, Pfadfinder; aber Ihr werdet Eure früheren Beschäftigungen wieder aufnehmen und anfhören, ein Mädchen für bedeutend genug zu halten, Euren Frieden zu stören." „Ich wußte früher nie etwas von solchen Dingen, Mabel; aber die Mädchen haben doch eine größere Bedeutung im Leben, als ich früher glauben konnte. Ja, ehe ich Sie kannte, schlief das ncngeborne Kind nicht süßer, als dies; bei mir gewöhnlich der Fall war; mein Haupt lag kaum auf einer Wurzel, einem Stein oder vielleicht auf einem Felle, so war den Sinnen alles entschwunden, wenn nicht etwa die Beschäftigung des Tages in meine Träume überging; und so lag ich, bis der Zeitpunkt des Erwachens kam, und eben so gewiß, als die Schwalbe mit ihren Schwingen das Licht begrüßt, war ich in dem gewünschten Augenblick auf den Beinen. Alles das schien eine Gabe zu scyn, nnd ich konnte selbst mitten in einem Mingolager darauf rechnen: denn ich habe mich meiner Zeit selbst bis in die Dörfer dieser Vagabunden gewagt." „Alles dieses wird wieder kommen, Pfadfinder; denn ein so wackerer und biederer Mann wird nimmermehr sein Glück an einen bloßen Wahn wegwerfen. Ihr werdet wieder von Euren Jagden träumen, von dem Hirsch, den Ihr erlegt, und den Biber, den Ihr gefangen habt." „Ach, Mabel! ich wünsche nie wieder zu träumen. Ehe ich Sic kannte, gewährte es mir eine gewisse Lust, in meinen Phan- tafleen den Hunden zu folgen und der Fährte der Irokesen nachzu- streichen — ja, meine Gedanken führten mich in Scharmützel nnd Hinterhalte, und ich fand darin das meinen Gaben entsprechende Behagen. Aber all das hat seinen Reiz verloren, seit ich mit Ihnen bekannt geworden bin. Von solchen rohen Dingen kömmt nichts mehr in meinen Träumen vor. So dünkte mich in der letzten Nacht, welche wir in der Garnison zubrachten, ich hätte eine Hütte in einem Lustwaldchen von Znckerähorn, und an dem Fuße eines jeden Baumes stand eine Mabel Dunham, indeß 362 die Vögel auf den Zweigen statt ihrer natürlichen Weisen Liedchen sangen, daß selbst der Hirsch horchend stille hielt. Ich versuchte es, ein Schmalthier zn schießen, aber der Hirschetödter gab nicht Feuer, und die Kreatur lachte mir so vergnügt ins Gesicht, wie ein junges Mädchen in ihrer Heiterkeit zu thnn Pflegt, und dann hüpfte sie fort, wobei sic nach mir znrücksah, als erwarte sie, daß ich ihr folgen werde." „Nichts mehr davon, Pfadfinder! Wir wollen nicht mehr über diese Dinge reden," sagte Mabel, indem sie die Thräncn von ihren Augen wischte, denn die einfache und ernste Weise, mit welcher dieser rauhe Waldbcwohner verrieth, wie tiefe Wurzeln seine Gefühle getrieben hatten, überwältigte fast ihr edles Herz. „Wir wolle» uns jetzt nach meinem Vater Umsehen ; er kann nicht weit weg sehn, denn ich hörte den Knall seiner Flinte ganz in der Nähe." „Der Sergeant hatte Unrecht, — ja, er hatte Unrecht, und es wird nichts nützen, die Taube mit dem Wolfe paaren zu wollen." „Hier kommt mein lieber Vater," unterbrach ihn Mabel. „Wir muffen heiter und zufrieden anssehen, Pfadfinder, wie es sich für gute Freunde ziemt, und unsere Geheimnisse für uns behalten." Es folgte nun eine Pause; dann hörte man ganz nahe den Fuß des Sergeanten die trockenen Zweige zertreten, bis endlich seine Gestalt seitwärts an dem Gebüsche des Unterholzes sichtbar wurde. Als der alte Soldat auf dem freien Platze anlangte, betrachtete er prüfend seine Tochter und ihren Gefährten, und sprach in guter Laune: „Mabel, Kind, du bist jung und leicht ans den Beinen. Sieh nach dem Vogel, den ich geschossen habe, und der gerade dort bei dem Dickicht der jungen Schierlingstanne am Ufer niederste!. Du brauchst dir dann nicht die Mühe zu geben, wieder den Hügel hcr- aufznkommen; denn da Jasper durch seine Zeichen uns die Absicht zn erkennen gibt, sich auf den Weg zn machen, so können wir nach ein Paar Minuten am Gestade zusammcntrcffen." Mabel gehorchte und sprang mit den leichten Schritten der 363 Jugend und Gesundheit den Hügel hinab. Aber ungeachtet der Leichtigkeit ihres Trittes, war doch das Herz des Mädchens schwer, nnd sobald das Dickicht sic der Beobachtung entzog, warf sic sich an dem Fuße eines Banmes nieder und weinte, als ob ihr das Herz brechen wollte. Der Sergeant betrachtete sie, bis sie verschwunden war, mit dem Stolze eines Vaters, und kehrte sich dann mit einem so freundlichen und vertraulichen Lächeln, als ihm seine Gewohnheit gegen irgend Jemand gestatten mochte, zu dem Wegweiser. „Sie hat die Leichtigkeit und Rührigkeit ihrer Mutter und etwas von der Kraft ihres Vaters," sprach er. „Ihre Mutter war, glaube ich, nicht ganz so schön; aber die Dnnhams hielt man immer für hübsch, mochten cs Männer oder Weiber seyn. Nun, Pfadfinder, ich zweifle nicht, daß Ihr die Gelegenheit nicht entschlüpfen ließt, und mit dem Mädchen offen gesprochen habt? Weiber lieben in solchen Dingen die Frcimüthigkeit." „Ich glaube, Mabcl und ich verstehen einander wenigstens, Sergeant," erwiedcrte der Andere, und schaute nach der entgegengesetzten Richtung, um dem Blicke des Soldaten ausznweichcn. „Um so bester. Es gibt Leute, welche glauben, daß ein Bischen Zweifel nnd Ungewißheit der Liebe noch mehr Leben gebe; ich halte cs aber anit der Offenheit nnd denke, sie führt weit eher zu einem Verständnis!. War Mabcl überrascht?" „Ich fürchte, ja — Sergeant, ich fürchte, sie war nur allzu sehr überrascht, — ja, das fürchte ich." „Gut, gut! Ueberraschungcn in der Liebe sind, was die Hinterhalte im Krieg, und ebenso zulässig, obgleich die Ueberraschung eines Weibes nicht so leicht zu erkennen ist, als die eines Feindes. Mabel lief nicht davon, mein Freund — nicht wahr?" „Nein, Sergeant; Mabel versuchte nicht ausznweichcn; das kann ich mit gutem Gewissen sagen." „Ich hoffe, daß das Mädchen doch nicht allzuwillig gewesen ist? Ihre Mutter that wenigstens einen Monat lang spröde und 361 zimpferlich. Aber die Freimüthigkcit ist im Grunde doch der beste Empfehlungsbrief für Manu und Weib." „Ja, das ist sie, das ist sie; aber ein gesundes Nrtheil auch." „Ach, nach dem darf man bei einem jungen Geschöpf von zwanzig Jahren nicht allzuviel fragen; aber es kommt mit der Erfahrung. Ein Mißgriff von Euch oder mir znm Beispiel, dürfte freilich nicht so leicht übersehen werden; aber bei einem Mädchen von Mabels Alter darf man nicht die Fliegen seihen, mau möchte sonst ein Kameel zu schlucken bekommen." Der Leser möge nicht vergessen, daß Sergeant Dunhain nicht eben ein Schristlnndiger war. Die Muskeln in dem Gesicht des Zuhörers zuckten, als der Sergeant seinen Gefühlen in dieser Weise den Lauf ließ, obgleich ersterer nun wieder einen Theil jenes Stoicismus erlangt hatte, welcher ein hervorstechender Zug in seinem Charakter und wahrscheinlich eine Folge seines langen Umgangs mit den Indianern war. Seine Augen erhoben nnd senkten sich, und einmal schoß ein Strahl über seine harten Züge, als ob er im Begriff seh, seinem cigenthümlichen Lachen Raum zu geben. Aber dieser Anffug von Heiterkeit, wenn wirklich eine solche vorhanden war, verlor sich schnell in einen Blick der Bekninmerniß. Diese ungewöhnliche Mischung eines wilden und schmerzlichen Seelenkampfes mit der natürlichen einfachen Heiterkeit hatte Mabel am meisten erschreckt. Wenn während der mitgetheilten Unterredung die Bilder des Glückes und der frohen Laune in einem Gemüthe auftauchten, welches in seiner Einfalt und Natürlichkeit beinahe kindlich erschien, so fühlte sich das Mädchen oft zu der Annahme versucht, daß das Herz ihres Verehrers nur leicht berührt seh; dieser Eindruck verwischte sich aber bald, als sie die schmerzlichen und tiefen Erregungen bemerkte, welche das Innerste seiner Seele zu zerschneiden schienen. Pfadfinder war in dieser Beziehung wirklich ein bloßes Kind. Unerfahren in der Weise der Welt, fiel cs ihm nicht ein, irgend 365 einen Gedanken zu verhehlen: sein Gemüth nahm jeden Eindruck auf nnd gab ihn zurück mit der Schmiegsamkeit und Rückhaltlosigkeit dieser Lcbenspcriode. Ein Kind konnte seine launige Einbildungskraft kaum mit einer größeren Leichtigkeit einer vorübergehenden Erregung hingeben, als dieser Mann, welcher so einfach in seinen Gefühlen, so ernst, so gelassen nnd männlich, und so streng in Allem war, was sein gewöhnliches Treiben berührte. „Ihr habt Recht, Sergeant," antwortete der Pfadfinder; „ein Mißgriff von Eurer Seite ist schon eine ernstere Sache." „Ihr werdet Mabel zuletzt doch aufrichtig und ehrlich finden; laßt ihr nur ein wenig Zeit." „Ach, Sergeant!" „Ein Mann von Euren Verdiensten würde auf einen Stein Eindruck machen, wenn Ihr ihm Zeit ließt, Pfadfinder." „Sergeant Dunham, wir sind alte Kriegskameraden, — das heißt, wie man den Krieg eben hier in den Wäldern führt, — und wir haben uns gegenseitig so viel Liebes erwiesen, daß wir wohl aufrichtig gegen einander sepn können. — Was hat Euch denn veranlaßt, zu glauben, daß Mabel einen so rohen Burschen, wie ich bin, gerne haben könne?" „Was? — ach eine Menge vou Gründen, und dazu recht gute, mein Freund. Vielleicht die Liebesbeweise, von denen Ihr eben spracht, und die Kämpfe, die wir mit einander bestanden; und dann sepd Ihr mein geschworner und geprüfter Freund." „Alles dieses klingt ganz gut, soweit es Euch und mich betrifft; aber es steht in keiner Berührung mit Eurer hübschen Tochter. Sie denkt vielleicht, daß gerade diese Kämpfe das etwas schmuckere Aussehen, welches ich einmal gehabt haben mag, verheerten; und ich bin nicht darüber im Reinen, ob des Vaters Freundschaft besonders geeignet ist, einem Anbeter die Liebe eines jungen Mädchens zu verschaffen. Gleich und gleich gesellt sich, sag' ich Euch, Sergeant; und meine Gaben sind nicht ganz MabelDunhams Gaben." „Das sind wieder einige von Euren alten übcrbescheidenen Serupeln, Pfadfinder, die Euch bei dem Mädchen nicht weiter bringen werden. Weiber vertrauen den Männern nicht, wenn diese sich selbst nicht vertrauen, und halten sich an diejenigen, welche gegen Nichts ein Mißtrauen haben. Ich gebe zwar zu, die Bescheidenheit ist eine Cardinaltngend für einen Reeruten oder für einen jungen Lieutenant, der eben zum Regiment gekommen ist, denn sie hält ihn ab, einen Unteroffizier auszuzanken, ehe er weiß, ob er einen Grund dazu hat; auch weiß ich nicht gewiß, ob sie nicht auch bei einem Kriegscommiffär oder einem Pfarrer am Orte wäre; aber sic ist des Teufels, wenn sie von einem wirklichen Soldaten oder einem Liebhaber Besitz nimmt. Ihr dürft so wenig als möglich mit ihr zu thun haben, wenn ihr ein Weiberherz gewinnen wollt. Was Euren Grundsatz, daß sich nur das Gleiche gefalle, anbelangt, so ist er in solchen Dingen so unrichtig, als nur immer möglich. Wenn Gleiches das Gleiche liebte, so würden die Weiber einander lieben, und dasselbe müßte auch bei den Männern der Fall sehn. Nein, nein; Gleiches liebt Ungleiches—" der Sergeant hatte nämlich seine Schule nur in der Kaserne und dem Lager gemacht — „und Ihr habt in dieser Hinsicht von Mabel nichts zu fürchten. Betrachtet einmal den Lieutenant Muir; der Mann hat schon fünf Weiber gehabt, wie ich höre, und cs steckt nicht mehr Bescheidenheit in ihm, als in einer neunschwänzigen Katze." „Lieutenant Muir wird nie der Gatte von Mabel Dnnham sehn, wenn er auch seine Federn noch so schön fliegen läßt." „Das ist eine vernünftige Bemerkung von Euch, Pfadfinder; denn ich bin damit im Reinen, daß Ihr mein Schwiegersohn werden sollt. Wenn ich selbst ein Offizier wäre, so möchte vielleicht Herr Muir einige Aussicht haben. Aber die Zeit hat eine Thnre zwischen mich und mein Kind gestellt, und ich wünsche nicht, daß es auch noch die eines Offlzierszeltes sehn soll." „Sergeant, wir müssen Mabel ihrer Neigung folgen lassen. Sie ist jung und leichten Herzens/ und Gott verhüte, daß irgend ein Wunsch von mir auch nur das Gewicht einer Feder auf ihr immer heiteres Gemüth lege, oder das Glück ihrer Fröhlichkeit nur einen Augenblick verstimme." „Habt Ihr frei mit dem Mädchen gesprochen?" fragte der Sergeant rasch und etwas rauh. Pfadfinder war zu ehrlich , um nicht die unumwundene Wahrheit zu antworten, und doch zu ehrenhaft, um Mabel zu verrathen und sie dem Unwillen eines Vaters auszusetzcn, von dein er wußte, daß er sehr streng in seinem Zorn war. „Wir haben uns offen ausgesprochen," sagte er; „und obgleich Mabel ein Mädchen ist, welches Jeder gerne ansieht, so finde ich dabei doch wenig, Sergeant, was mich besser von mir selbst denken ließe." „Das Mädchen hat sich doch nicht unterstanden, Euch zurückzuweisen — ihres Vaters besten Freund zurückzuweisen?" Pfadfinder wandte sein Gesicht ab, um den Blick der Bekümmerniß zu verbergen, die, wie er fühlte, seine Züge umdüsterte, fuhr jedoch mit ruhiger männlicher Stimme fort: „Mabel ist zu gut, um irgend Jemanden zurückzuweisen, oder selbst nur gegen einen Hund harte Worte zu gebrauchen. Ich habe meinen Antrag nicht so gestellt, daß er geradezu zurückgcwiesen werden konnte, Sergeant." „Und habt Ihr erwartet, daß meine Tochter nur so in Eure Arme stiegen sollte, ehe Ihr Euch vollkommen erklärt habt? Sie wäre nicht ihrer Mutter Kind gewesen, wenn sie das gethan hätte, und ich glaube, auch nicht das meinige. Die Dunhams lieben die Offenheit so gut als des Königs Majestät, aber sie werfen sich nicht weg. Laßt mich die Sache für Euch abmachen, Pfadfinder, und sie wird sich nicht unnöthig in die Länge ziehen. Ich will diesen Abend noch selbst mit dem Mädchen reden, und Euer Name soll den Hauptgegenstand des Gespräches bilden." „Ich wünschte Ihr thätet's lieber nicht, Sergeant. Ueberlaßt 368 die Sache Mabel und mir, und ich denke, daß zuletzt noch alles recht werden soll. Junge Mädchen sind wie scheue Vögel, und lieben cs nicht sehr, übereilt oder hart angegangen zn werden. Neberlaßt mir und Mabel die Sache." „Nun, meinetwegen, aber unr unter einer Bedingung, mein Freund. Ihr müßt mir nämlich mit Eurem Ehrenwort versprechen, daß Ihr bei der nächsten schicklichen Gelegenheit offen und ohne gezierte Worte mit Mabel redet." „Ich will sie fragen, Sergeant — ja, ich will sie fragen; aber Ihr müßt mir versprechen, daß Ihr Euch nicht in unsere Angelegenheiten mischen wollt. Ich verspreche Euch dann, Mabel zu fragen, ob sie mich heirathen will, selbst auf die Gefahr hin, daß sie mir ins Gesicht lacht." Sergeant Dunham gab gerne das verlangte Versprechen, denn er hatte sich vollständig in die Neberzeugung hinein gearbeitet, daß der Mann, den er so sehr achtete und schätzte, auch seiner Tochter annehmbar erscheinen müsse. Er hatte selbst auch eine Frau, die viel jünger als er war, geheirathet, und sah daher nichts Unpassendes in der Altersungleichheit des muthmaßlichen Paares. Auch stand Mabels Erziehung so hoch über der seinigen, daß er den Unterschied nicht gewahrte, welcher wirklich in dieser Beziehung zwischen Vater und Kind obwaltete, denn es ist einer der unangenehmsten Züge in dein Verkehr zwischen Kenntniß und Unwissenheit, Geschmack und Einfalt, Bildung und Rohheit, daß die bessern Eigenschaften oft uothwendig dem Urtheile derer unterworfen sind, welche sich von dem Vorhandenseyn derselben durchaus keinen Begriff machen können. Die Folge davon war, daß Sergeant Dnnham nichts weniger als geeignet sepn konnte, die Gesinnung seiner Tochter zu würdigen, oder sich eine wahrscheinliche Vermuthung zu bilden, welche Richtung jene Gefühle einschlageu könnten, die öfter von augenblicklichen Eindrücken und der Gewalt der Leidenschaft abhäugen, als von der Vernunft. Der würdige Krieger hatte jedoch die Aussichten 369 Pfadfinders nicht so ganz unrichtig beurtheilt, als es auf den ersten Augenblick scheinen mochte. Er kannte die bewährten Eigenschaften des Mannes, seine Treue, seine Rechtschaffenheit, seinen Muth, seine Selbstaufopferung, seine Nneigennützigkeit zu genau, und die Annahme war daher nicht so ganz unvernünftig, daß solche hervorragenden Zuge einen tiefen Eindruck auf das weibliche Herz üben müßten, sobald sich nur eine Gelegenheit zu ihrer Entfaltung bot. Der Vater irrte also hauptsächlich nur darin, daß er sich einbildete, die Tochter müsse so zu sagen aus innerer Anschauung bereits kennen, was er durch Jahre langen Umgang als bewährt erfunden hatte. Als der Pfadfinder und sein kriegerischer Freund den Hügel hinab gegen das Seenfer stiegen, wurde die Unterhaltung noch immer weiter geführt. Letzterer fuhr fort, dem Ersteren einzureden, daß seine Schüchternheit allein einem vollständigen Erfolge bei Mabel in dem Wege stehe, und daß cs nur der Ausdauer bedürfe, um zum Ziele zu kommen. Pfadfinder war von Natur zu bescheiden und durch das Gespräch mit Mabel auf eine zwar schonende, aber zu unumwundene Weise entmnthigt worden, um all dem, was er hörte, Glauben zu schenken. Der Vater hatte aber so viele annehmlich scheinende Gründe bei der Hand, und der Gedanke, Mabel doch noch besitzen zu können, enthielt so viel Anziehendes, daß es den Leser nicht überraschen darf, wenn er hört, daß dieser Sohn der Natur Mabels Benehmen doch nicht ganz in dem Lichte betrachten zu müssen glaubte, wie er es zu thuu geneigt gewesen war. Er glaubte allerdings nicht Alles, was ihm der Sergeant sagte; aber er fing an, zu vermuthen, daß jungfräuliche Scheu und Unbekanntfchaft mit ihren eigenen Gefühlen Mabel veranlaßt hätte, sich auf die obenerwähnte Weise auszusprechen. „Der Quartiermeister ist nicht ihr Liebling," antwortete Pfadfinder auf eine von den Bemerkungen seines Gefährten. „Mabel wird ihn nie anders, denn als einen Mann betrachten, der bereits Vier oder fünf Weiber gehabt hat. Der Pfadfinder. 3. Aufl. 24 370 „Und das ist mehr, als ihm gebührt. Ein Mann mag allenfalls zweimal heirathen, ohne gegen die Moral und Ehrbarkeit anzustoßen; aber viermal ist ja etwas Ungeheures." „Ich sollte das Heirathen zum erstenmal schon für einen Umstand oder ein Indiz halten, wie es Meister Cap nennt," warf Pfadfinder mit seinem ruhigen Lachen ein, da seine Lebensgeister wieder etwas von ihrer Frische gewonnen hatten. „Das ist's auch, in der That, und dazu ein recht feierlicher Umstand. Wenn nicht Mabel Euer Weib werden sollte, so würde ich Euch rathen, lieber gar nicht zu heirathen. Doch da ist das Mädchen selbst, und da gilt jetzt Schweigen als Losung." „Ach, Sergeant, ich fürchte, Ihr scyd im Jrrthum." Neunzehntes Kapitel. — Dreß war die Stelle. Ein heitrer Landsitz, wechselnder Umgebung voll. Milton. Sllabel wartete am Ufer, und der Kahn war bald auf dem Wasser. Pfadfinder brachte seine Begleitung mit derselben Geschicklichkeit über die Brandung, wie er sie hergeführt hatte; und obgleich die Aufregung Mabels Wange» röthete und das Herz ihr oft wieder auf die Zunge zu Hüpfen drohte, so erreichten sie doch die Seite des Scud, ohne auch nur im mindesten von dem Gischt benetzt worden zu sehn. Der Ontario gleicht einem Manne von feurigem Temperamente, der plötzlich aufbraust, aber auch schnell sich wieder besänftigen läßt. Die Wellen hatten sich gelegt, und obgleich die Brandungen, so weit das Auge reichte, sich am Ufer brachen, so erschienen sie doch dem Auge nur als glänzende Streifen, welche kamen und gingen, wie die einzelnen Wellenringe, welche ein Steinwurs 371 auf ruhigem Wasser hervorbringt. Die Kabel des Send war kaum über dem Wasser sichtbar und Jasper hatte bereits seine Segel gehißt, um, sobald der erwartete Wind vom Ufer her wehte, abfahrcu zu können. Die Sonne ging eben unter, als das Hauptscgel klappte und der Vordersteven das Wasser zu trennen begann. Der Wind ging leicht aus Süden, und der Schnabel des Schiffes wurde in der Richtung gegen das südliche Ufer gehalten, da man die Absicht hatte, so schnell als möglich ostwärts zu kommen. Die nun folgende Nacht war ruhig, und man konnte sich eines tiefen und ungestörten Schlafes erfreuen. Es erhoben sich nur einige Schwierigkeiten wegen des Com- mandos des Schiffes, welche jedoch zuletzt durch freundliche Ueber- einkunft ausgeglichen wurden. Da das Mißtrauen gegen Jasper noch lange nicht beseitigt war, so erhielt Cap die Oberaufsicht, während es dem jungen Manne gestattet wurde, das Fahrzeug zu handhaben, wobei er jedoch immer der Controlc und der Einrede des alten Seemannes unterworfen war. Jasper ließ sich dicß gefallen, damit Mabcl nicht länger den Gefahren ihrer gegenwärtigen Lage ausgesetzt bliebe: denn da der Kampf der Elemente nachgelassen hatte, so wußte er wohl, daß sie von dem Montcalm aufgesucht werden würden. Er war jedoch vorsichtig genug, seine Besorgnisse über diesen Punkt nicht laut werden zu lassen, da zufällig gerade die Mittel, welche ihm für das Entrinnen die geeignetsten schienen, in den Augen derer, welche die Macht hatten, seine Absichten zu vereiteln, neue Zweifel gegen die Ehrlichkeit seiner Gesinnungen zu wecken im Stande sehn mochten. Mit andern Worte» — Jasper glaubte, der höfliche, junge Franzose, welcher das feindliche Schiff befehligte, würde seinen Ankerplatz unter dem Fort am Niagara verlassen und, sobald sich der Wind gelegt hatte, wieder in den See stechen, um sich über das Schicksal des Send Gewißheit zu verschaffen, wobei er sich wahrscheinlich in 372 der Mitte zwischen beiden Ufern hielt, nm eine weitere Aussicht zn gewinnen. Es schien daher Jasper am zweckmäßigsten, sich an eine oder die andere Küste anznschließen, nicht nur nm ein Zusammentreffen zn vermeiden, sondern auch um unbemerkt weiter zu kommen, da seine Segel und Spieren auf der Landschaft im Hintergründe undeutlicher sich ausnehmeu mußten. Er zog das südliche Ufer vor, weil es auf der Luvseite lag, und weil er glaubte, daß ihn der Feind hier am wenigsten erwarten werde, da es nothwendig in die Nähe der französischen Ansiedelungen und zu einem der stärksten Posten führte, welchen Frankreich in diesem Theile Amerikas besaß. Von all diesem wußte jedoch Cap glücklicherweise nichts, und des Sergeanten Geist war zu sehr mir den Einzelnheiten seines Auftrags beschäftigt, als daß er in solche Spitzfindigkeiten eingegangen wäre, welche eigentlich außer seinem Bereiche lagen. Es wurde daher nichts dagegen eingewcndet, und ehe noch der Morgen anbrach, hatte sich Jasper augenscheinlich in aller Ruhe wieder sein früheres Ansehen verschafft und er erließ, als ob nichts vorgefallen sey, seine Befehle, welchen auch ohne Zögerung und Ränke Folge geleistet wurde, k Das Aufdämmern des Tages brachte Alles am Bord wieder auf das Verdeck, und nun untersuchte man, wie es bei Reisenden auf dem Wasser gewöhnlich ist, neugierig den sich erschließenden Horizont, wie die Bilder aus der Dunkelheit hervortraten und das werdende Licht das herrliche Rundgemälde mit immer helleren Tinten übergoß. Gegen Osten, Westen und Norden war nichts als Wasser sichtbar, welches unter den Strahlen der ausgehenden Sonne glitzerte; aber im Süden dehnte sich ein endloser Waldgürtel aus, welcher damals den Ontario mit seinem dunkeln Grün umfaßt hielt. Da zeigte sich plötzlich vorne eine Oeffnüng und dann die festen Mauern eines schloßartigen Gebäudes, mit Außen- Werken, Basteien, Blockhäusern und Pallisadeu, welches von einem 373 Vorgebirge herabblickte, das die Mündung eines breiten Stromes begränzte. Eben, als das Fort sichtbar wurde, erhob sich über demselben eine leichte Wolke, und man sah die weiße Flagge von Frankreich an einem hohen Wimpelstocke flattern. Cap stieß einen Schrei aus, als er diesen unerfreulichen Anblick gewahrte, und warf schnell seinem Schwager einen argwöhnischen Blick zu. „Da hängt das schmutzige Tischtuch in der Luft, so wahr ich Charles Cap heiße," brummte Cap, „und wir halten uns an dieses ver— Ufer, als harrten dort unsere Weiber und Kinder ans die Rückkehr von einer Jndienfahrt. Hört, Jasper! sucht Ihr eine Ladung Frösche, daß Ihr diesem Neu-Frankreich so nahe segelt?" „Ich halte mich ans Land, Herr, weil ich hoffe, so an dem feindlichen Schiffe unentdeckt vorbeizukommen, denn ich glaube, es muß dort unten irgendwo in unserm Lee sehn." „Ja, ja, das klingt nicht übel, und ich hoffe, es wird auf das herauskommen, was Ihr sagt. Es wird doch hier kein Unter- schleppper sepn?" „Wir sind jetzt nicht am Luv-Nfcr," sagte Jasper lächelnd, „und ich denke, Ihr werdet zugeben, Meister Cap, daß ein starker llnterschleppcr ein gutes Kabel ist. Wir Alle haben diesem llnter- schlepper des Sees unser Leben zu verdanken." „Französisches Gewäsche!" brummte Cap, ohne daß er sich darum kümmerte, ob er von Jasper gehört werde oder nicht. „Gebt mir einen guten ehrlichen Englisch-Vankee-Amerikanischen Schlepper über Bord und über das Wasser obendrein, wenn ich ja einen Schlepper haben muß, aber nichts von Eurer kriechenden Abtrift unter der Oberfläche, wo man weder etwas sehen, noch fühlen kann. Ich darf sagen, daß, wenn man die Sache im rechten Licht betrachten wollte, unser gestriges Entkommen nichts als ein Pfiff war." „Wir haben jetzt wenigstens eine gute Gelegenheit, den feindlichen Posten am Niagara z» recognoscircn, Bruder; denn für diesen muß ich daö Fort halten/' warf der Sergeant ein. „Laßt uns beim Vorübcrscgcln ganz Auge sehn, und nicht vergessen, daß wir fast im Angesicht des Feindes sind." Dieser Rath des Sergeanten bedurfte keiner weiteren Bekräftigung, denn das Interesse und die Neuheit eines von menschlichen Wesen bewohnten Platzes hatte für die Vorbcifahrenden einen hinlänglichen Reiz, um ihre gespannteste Aufmerksamkeit ans dieses Schauspiel einer weiten aber einsamen Natur zu lenken. Der Wind war jetzt stark genug, um den Send mit beträchtlicher Schnelle durch das Wasser zu drängen, und Jasper lüpfte das Steuer, als das Fahrzeug durch die Strömung des Flusses fuhr, und luvte fast in der Mündung dieser großartigen Wasserstraße, oder dieses Stromes, wie man ihn sonst nennt, an. Ein fernes dumpfes, schweres Donnern kam zwischen den Gestaden herab, und verbreitete sich in den Strömungen der Luft wie die tieferen Töne einer ungeheuren Orgel; hin und wieder schien selbst die Erde zu erbeben. „Das tönt wie die Brandung einer langen ununterbrochenen Küste," rief Cap, als ein ungewöhnlich tiefer Ton sein Ohr erreichte. „Ja, das ist so eine Brandung, wie wir sie in dieser Wclt- gcgcnd haben," antwortete Pfadfinder. „Da ist kein Untcrschlcpper, Meister Cap, denn alles Wasser, welches dort an die Felsen schlägt, geht nicht wieder zurück. Es ist der alte Niagara, den ihr hört, oder dieser edle Strom hier, der über ein Gebirg hinunter stürzt." „Es wird doch Niemand die Unverschämtheit haben, behaupten zu wollen, daß dieser schöne, breite Fluß über jene Hügel Hinabstürze?" „Ja, das thut er, Meister Cap, das thut er, und ans keinem andern Gründe, als weil er keine Stiegen oder keinen Weg hat, um anders hinunter zu kommen. Das ist eine Natur, wie wir sie hier herum haben, obschon ich nicht sagen will, daß Ihr 375 uns mit Eurem Meere nicht die Spitze bieten könntet. Ach, Mabel! was für eine glückliche Stunde wäre cs, wenn wir an diesem Strome so zehn oder fünfzehn Meilen hinanfgehe» und alle die Herrlichkeiten betrachten könnten, die Gott hier geschaffen hat." „Ihr habt demnach diese berühmten Fälle gesehen, Pfadfinder?" fragte Mabel lebhaft. „Ja, Mabel, ich habe sie gesehen, und war zu gleicher Zeit der Zeuge eines entsetzlichen Schauspiels. Der Serpent und ich lagen auf Kundschaft in der Nähe der dortigen Garnison, und er erzählte mir, daß die Neberlieferungen seines Volkes von einem mächtigen Wasserfall in der Nachbarschaft berichteten, wobei er mich anffor- derte, von der Marschlinic ein wenig abzuweichen, um dieses Weltwunder zu betrachten. Ich hatte wohl schon manches Wunderbare darüber von den Soldaten des sechszigsten Regiments gehört — denn dieses ist mein eigentliches Corps, und nicht das fünfundfünfzigste, zu welchem ich mich später so lange gehalten habe—: aber im ganzen Regiment waren so viele arge Aufschneider, daß ich kaum die Hälfte, von dem, was sie sagten, glaubte. Nun — wir gingen und obgleich wir erwarteten, durch unser Gehör geleitet zu werden, und etwas von dem Donner zu hören hofften, denn wir heute vernahmen, so wurden wir doch getäuscht, denn die Natur sprach damals nicht in den gewaltigen Tönen dieses Morgens. So geht es in den Wäldern, Meister Cap; es gibt dort Augenlicke, wo Gott in seiner ganzen Macht einher zu gehen scheint, und dann ist wieder Alles so stille, als ob sich Sein Geist in Rnhe über der Erde gelagert hätte. Nun — wir kamen plötzlich an den Strom, nicht weit ober dem Falle, und ein junger Dalaware, der in unserer Gesellschaft war, fand einen Rindeukahn, welchen er in die Strömung bringen wollte, um eine Insel zu erreichen, die gerade im Mittelpunkt des Getümmels und der Verwirrung liegt. Wir suchten ihm seine Thorheit anszureden und stellten ihm die Vermessenheit vor, die Vorsehung versuchen und sich in eine Gefahr stürzen zu 376 wollen, die zu gar keinem Ziele führte. Aber die jungen Leute unter den Delaware» sind wie die unter den Soldaten — wagehalsig und großthuerisch. Er beharrte trotz unserer Einsprache auf seinein Sinne, und so mußten wir den Burschen gehen lassen. Es scheint mir, Mabel, als ob alles wirklich Große und Gewaltige eine gewisse ruhige Majestät an sich habe, welche nichts mit der schaumigen und aufsprudelnden Weise kleinerer Dinge gemein hat, und so war es auch mit den dortigen Stromschnellen. Sobald sie den Kahn erfaßt hatten, ging es abwärts, als ob er durch die Lust herabflöge, und keine Geschicklichkeit des jungen Delaware» vermochte der Strömung zu widerstehen. Er wehrte sich noch männlich um sein Leben und brauchte das Ruder bis zum letzten Augenblick, wie der Hirsch, der im Schwimmen die Hunde von sich wirst. Zuerst schoß er so schnell quer durch die Strömung daß wir dachten, er werde den Sieg davontragen; aber er hatte sich in der Entfernung verrechnet, und als ihm die schreckliche Wahrheit klar wurde, so kehrte er den Schnabel stromaufwärts, und kämpfte auf eine Weise, welche furchtbar anzusehen war. Ich hätte Mitleid mit ihm haben müssen, und wenn er ein Mingo gewesen wäre. Einige Augenblicke waren seine Anstrengungen so wüthend, daß er wirklich der Gewalt des Wassers erfolgreich widerstand; aber die Natur hat ihre Gränzen, und ein unsicherer Ruderschlag warf ihn zurück; er verlor dann Fuß um Fuß, Zoll um Zoll sein Feld, bis er an die Stelle kam, wo der Strom grün und glatt aussieht, und sich wie in Millionen Wasserfäden über einen ungeheuren Felsen beugt. Da flog er wie ein Pfeil hinab, und verschwand, wobei der Bug des Kahns gerade noch so weit auftauchte, daß wir sehen konnten, was aus ihm geworden war. Ich traf einige Jahre nachher einen Mohawk, der unten vom Bette des Stromes aus die ganze Scene mit angesehenhatte, und er sagte mir, daß der Delaware mit Rudern in der Luft fortgemacht habe, bis er ihm in dem Wasserstaube der Fälle aus dem Gesicht entschwunden sey." „Und waö wurde ans dem armen Unglücklichen?" fragte Mabel, welche an der kunstlosen Beredsamkeit des Sprechers warmen Antheil genommen hatte. „Er ging ohne Zweifel in die glücklichen Jagdgründe seines Volkes; denn obgleich er sich hier als einen Wagehals und Groß- thuer erwies, so war er doch auch gerecht und tapfer. Ja, er starb in der Thorheit dahin, aber der Manitou der Rothhänte hat Mitleid mit seinen Geschöpfen, so gut als der Gott der Christen." In diesem Augenblick wurde eine Kanone von dem Blockhaus in der Nähe des Forts abgefenert, und die Kugel, welche gerade keine von den schweren war, pfiff über den Mast des Kutters hin —^cine Mahnung, sich nicht näher heran zu wagen. Jasper stand an dem Steuer und hielt zu gleicher Zeit lächelnd ab, als ob ihn die Rohheit dieser Begrüßung wenig kümmere. Der Send war nun in der Strömung, und eine Drehung nach außen brachte ihn bald genug so weit leewärts, daß von einer Wiederholung des Schliffes keine Gefahr zu befürchten stand, worauf er dann ruhig seinen Curs längs des Ufers sortsetzte. Als der Strom offen vor ihren Augen lag, überzeugte sich Jasper, daß der Mont- calm sich nicht in demselben vor Anker befand, und ein Mann, der nach dem Top hinaufgeschickt wurde, kam mit der Nachricht zurück, daß sich am ganzen Horizont kein Segel blicken lasse. Man hatte nun gute Hoffnung, daß Jaspers Kunstgriff geglückt sey und daß der französische Befehlshaber sie verfehlt habe, als er bei seinem Vorwärtssteuern auf die Mitte des Sees abhielt. Den ganzen Tag hing der Wind gegen Süden hin, und der Kutter setzte seinen Curs, ungefähr eine Stunde vom Lande ab, in dem vollkommen glatten Wasser fort, wobei er sechs oder acht Knoten in der Stunde segelte. Obgleich die Scene ziemlich einförmig war, und nur aus einem ununterbrochenen Wäldersaume an dem Wasser bestand, so gewährte sie doch einiges Interesse und Vergnügen. Man kam an vielen 378 Vorgebirgen vorbei, wobei der Kutter durch Buchten segelte, welche sich so tief ins Land hineinstrcckten, daß man sie füglich Golfe nennen konnte; aber nirgends traf das Auge die Spuren der Civilisation. Hin und wieder gaben Flüsse, deren Zug man meilenweit in das Land hinein nach den Umrissen der Bäume verfolgen konnte, ihren Zoll an das große Becken des Sees ab, und selbst die weiten Bähen, die von Wäldern umzogen waren und mit dem Ontario nur durch schmale Straßen in Verbindung standen, kamen und verschwanden, ohne nur eine Spur menschlicher Ansiedelung zu zeigen. Unter Allen am Bord blickte Pfadfinder mit dem nngetheiltcsten Vergnügen auf dieses Schauspiel. Seine Augen hafteten an der endlosen Linie von Wäldern, und ungeachtet er sich in Mabels Nähe so wohl fühlte, indem er dem Klange ihrer lieblichen Stimme zuhorchte und ihr heiteres Lachen in seiner Seele widertönen ließ, so sehnte sich sein Herz doch mehr als einmal an diesem Tage, unter jenen hohen Bogen der Ahornbänme, der Eichen und Linden zu wandern, wo er seinen früher» Gewohnheiten gemäß allein ein dauerndes und wahres Vergnügen hoffen konnte. Cap betrachtete diesen Anblick mit andern Augen. Mehr als einmal drückte er sein Unbehagen aus, daß man hier keine Lcnchtthürmc, Kirchthürme, Feuerwartcn oder Rheden mit ihren Schiffen zu Gesicht bekomme. Er versicherte, daß auf der ganzen Welt keine derartige Küste mehr zu finden sch, und bctheucrte allen Ernstes gegen den Sergeanten, welchen er beiscits nahm, daß aus dieser Gegend nie etwas werden könne, weil die Häfen vernachlässigt sehen, die Flüsse verlassen und nutzlos anssehen, und selbst der Wind einen Waldgcruch mit sich führe, welcher nicht zu Gunsten seiner Eigenschaften spreche. Aber die Launen der verschiedenen Passagiere hielten den Send nicht in seinem Laufe ans. Als die Sonne sank, war er bereits hundert Meilen ans dem Wege nach dem Oswego, wo der Sergeant einznlanfen sich für verpflichtet hielt, um etwaige weitere 379 Mitthcilnugcn von Seite Major Dunhams einznholen. In Folge dessen fuhr Jasper fort, sich die ganze Nacht über am Ufer z» halten, und obgleich der Wind gegen Morgen nachzulassen begann, so hielt er doch noch so lange an, daß man den Kutter an einen Punkt bringen konnte, der, wie sie wußten, nur ein Paar Stunden von dem Fort entfernt war. Hier blies der Wind leicht aus Norden, und der Send wurde ein wenig vom Lande gehalten, um genug offene See zu gewinnen, wenn derselbe stärker blasen oder nach Osten umspringen sollte. Mit der Morgendämmerung hatte der Kutter die Mündung des Oswego in der Entfernung von etwa zwei Meilen gut unter seinem Lee, und als eben vom Fort aus die Morgensalve abgefeuert wurde, gab Jasper Befehl, die Schoten abznschacken und sich dem Hafen zu nähern. In diesem Augenblick lenkte ein Schrei von der Back ans Aller Augen auf einen Punkt an der Ostseite des Ausflusses, und dort, gerade außer der Schußweite des leichten Geschützes auf den Werken, lag mit so weit eingezogencn Segeln, um sich an der Stelle zu halten, der Montcalm, augenscheinlich ihre Ankunft erwartend. Es war unmöglich, daran vorbei zu kommen, denn mit gefüllten Segeln konnte das französische Schiff den Send in wenigen Minuten einholen, und die Umstände forderten einen schnellen Entschluß. Nach einer kurzen Berathung änderte der Sergeant wieder seinen Plan und beschloß nun, so schnell als möglich gegen die Station steuern zu lassen, nach welcher der Scud ursprünglich bestimmt war, wobei er hoffte, sein schnelles Fahrzeug werde den Feind so weit im Rücken lassen, daß derselbe über ihre Bewegungen keinen Aufschluß bekäme. Der Kutter wurde in Folge dieses Entschlusses ohne Verzug windwäts gehalten, und alles, was zu Beschleunigung seines Laufes dienen konnte, bcigcsetzt. Auf dem Fort wurden Kanonen gelöst, Flaggen auSgesteckt und die Wälle wimmelten wieder von Menschen — 380 Lundic konnte jedoch seiner Parthie statt aller Unterstützung nur seine Theilnahme bieten. Auch der Montcalm feuerte höhnend vier bis fünf Kanonen ab, zog einige französische Flaggen auf, und begann bald unter einer Wolke von Segeln seine Jagd. Einige Stunden drängten sich die beiden Fahrzeuge so schnell als möglich durch das Wasser und machten gegen den Wind kurze Streckungen, augenscheinlich in der Absicht, den Hafen unter dem Lee zu behalten, das eine, um wo möglich in denselben einzulanfen, das andere, um den Feind bei diesem Versuch abznfangen. „Um Mittag befand sich der Rumpf des französischen Schiffes todt leewärts, denn die Ungleichheit des Segelns in dem Winde war sehr groß; auch lagen einige Inseln in der Nähe, hinter welchen, nach Jaspers Anssage, der Kutter seine weiteren Bewegungen wahrscheinlich verbergen konnte. Obgleich Cap, der Sergeant und insbesondere Lieutenant Muir, ihren Reden zufolge, noch einen starken Verdacht gegen den jungen Mann fühlte», und Front- tenac nicht ferne war, so wurde doch sein Rath angenommen, den» die Zeit drängte und der Quartiermeister bemerkte kluger Weise, daß Jasper seinen Verrath nicht vollführen könne, ohne offen in den feindlichen Hafen einzulanfen, ein Schritt, welchem sie jeder Zeit zuvorkommen könnten, zumalen der einzige bedeutende Kreuzer der Franzosen im gegenwärtigen Augenblick unter ihrem Lee liege und nicht in der Lage sey, ihnen einen unmittelbaren Nachtheil zuzufügen. Da nun Jasper sich selbst überlassen war, zeigte er bald, was er wirklich zu leisten vermochte. Er segelte luvwärts um die Inseln, ging an ihnen vorbei, und hielt, als er wieder herauskam, breit ab, so daß hinter ihrem Kielwasser und in ihrem Lee nichts die Aussicht hinderte. Beim Niedergang der Sonne war der Kutter wieder vor der ersten der Inseln, welche am Ausgangspunkte des Sees liegen, und'ehe es dunkel wurde, segelte er durch die schmalen Canäle, welche zu der langgesuchten Station führten. Um neun Uhr 38l verlangte jedoch Cap, daß man Anker werfe, denn die Jrrgänge der Inseln wurden so verwickelt und undeutlich, daß er bei jeder Oeffnung fürchtete, die Gesellschaft möchte, ehe sie sichs versehe, unter den Kanonen eines französischen Fort liegen. Jasper gab gerne seine Einwilligung, da eS theilweise zu seiner Dienstvorschrift gehörte, der Station sich nur unter Umständen zu nähern, welche verhinderten, daß die Mannschaft eine genaue Kenntniß von der Lage derselben erhielt, damit nicht etwa ein Deserteur die kleine Garnison dem Feinde verrathen möchte. Der Send wurde in eine kleine, etwas abgelegene Bay gebracht, wo er selbst am Tage nur schwer aufzufinden gewesen wäre und also die Nacht über vollständig gesichert war, obschon alles, mit Ausnahme einer einzelnen Schildwache auf dem Verdeck sich zur Ruhe begab. Cap war durch die Anstrengung der letzten achtundvierzig Stunden so abgemattet, daß er in einen langen und tiefen Schlaf fiel, und erst mit dem Grauen des Tages wieder erwachte. Er hatte jedoch seine Augen kaum geöffnet, als ihm sein seemännischer Instinkt zu erkennen gab, daß das Fahrzeug sich wieder durch die Inseln wand, ohne daß jemand anders, als Jasper und der Pilot auf dem Verdecke war, die Schildwache ausgenommen, welche nicht das Mindeste gegen diese Bewegungen einzuwenden hatte, da sie allen Grund zu haben glaubte, sie für eben so regelmäßig als nothwendig zu halten. „Was soll das, Meister Western?" fragte Cap mit Heftigkeit. „Wollt Ihr uns endlich nach Frontenac hinüberbringen, während wir alle unten schlafen, wie andere Seeleute, welche auf den Ruf der Schildwache warten?" „Mein Befehl lautet so, Meister Cap. Major Dnnean hat befohlen, ich solle mich der Station nie anders nähern, als wenn die Mannschaft im untern Raume ist, denn er wünscht nicht, daß es mehr Lootsen in diesem Wasser gebe, als der, König braucht." 382 „Hu — hu —! ein sauberes Geschäft, weu» ich da unter diesen Büschen und Felsen mit nur einem Mann auf dem Verdeck hätte hinunter fahren sollen. Der beste Uorker Matrose wüßte nichts ans einem solchen Kanäle zu machen." „Ich habe immer gedacht, Herr," sagte Jasper lächelnd, „Ihr hättet besser gethan, den Kutter so lange meinen Händen zu überlassen, bis er glücklich an de» Ort seiner Bestimmung gelangt wäre." „Wir würden cs gethan haben, Jasper; wir würden cs gethan haben, wenn nicht ein Indiz eingetreten wäre. Solche Indizien oder Umstände sind gar ernsthafter Natur, und kein vernünftiger Mann wird darüber wcgsehen." „Nun, Herr! ich hoffe, es hat jetzt ein Ende damit. Wir haben nicht ganz mehr eine Stunde zu fahren, wenn der Wind so fortmacht, und dann werdet Ihr gegen alle nur erdenklichen Umstände gesichert seyn." „Hum!" Cap mußte sich beruhigen, und da alles um ihn her das Ansehen hatte, als ob cs Jasper ehrlich meine, so gab er sich um so leichter darein. Es wäre anch in der That für den cmpstndlichsten Jndizicn-Witterer schwer gewesen, sich einzubilren, daß der Send in der Nachbarschaft eines so lange bestehenden und an der Gränze so wohl bekannten Hafens, wie Frontenac war, sich befinde. Die Inseln waren wohl nicht gerade buchstäblich Tausend an der Zahl, aber immerhin doch so viele und unbedeutende, unter denen frsilich hin und wieder eine von größerem Umfang sich befand, daß man nicht an ein Zählen derselben denken durfte. Jasper hatte die Straße, welche man den Hauptkanal nennen konnte, verlassen, und wand sich unter einem guten, steifen Winde und günstiger Strömung durch die Pässe, welche bisweilen so enge wurden, daß ber Raum kaum hinreichte, um die Spieren des Send klar vor den Bäumen vorbeizubringen, während er ein andermal durch kleine Bähen schoß, und sich dann wieder zwischen Felsen, Wäldern und Büschen 383 verlor. Das Wasser war so durchsichtig, daß man keines Senkbleis bedurfte, und da es so ziemlich eine gleiche Tiefe hatte, so konnte man ohne besondere Gefahr durchkommen, obgleich der an das Meer gewöhnte Cap wegen des Anstoßcns beständig in Fieberangst lag. „Ich gcb' es auf, ich geb' cs auf, Pfadfinder!" rief der alte Seemann endlich ans, als das kleine Fahrzeug aus dem zwanzigste» dieser schmalen Durchlässe, durch welche es mit so viel Kühnheit geführt worden war, glücklich austanchte. „Das heißt der Natur der Scemannsknnst Trotz bieten, und alle ihre Gesetze und Regeln zum T—l schicken!" „Nein, nein, Salzwaffer! Das ist die Vollendung der Kunst. Ihr seht, daß Jasper nie strauchelt, sondern wie ein Hund mit guter Nase, den Kopf aufrecht, dahinschießt, als ob er alles durch den Geruch erkenne. Ich setze mein Leben zum Pfand, daß uns der Junge zuletzt an den rechten Ort bringt, wie er es auch schon von Anfang an gethan haben würde, wenn man ihn hätte machen lassen." „Kein Lootsc, kein Senkblei, keine Backen, keine Bojen, keine Leuchtthürme, keine —" „Fährte," unterbrach ihn Pfadfinder; „denn das ist für mich das Wunderbarste bei der ganzen Sache. Wasser hinterläßt keine Fährte, wie Jedermann weiß; und doch geht Jasper hier so kühn vorwärts, als hätte er die Abdrücke der Mokassins auf den Blättern so deutlich vor Angen, als wir die Sonne am Himmel sehen können." „Gott v— mich, wenn ich glaube, daß überhaupt nur ein Compaß da ist." „Legt bei, um den Klüver nieder zu Halen," rief Jasper, der zu den Bemerkungen seines Kunstverwandten nur lächelte. „Halt nieder — das Steuer an Backbord — hart Backbord — so — recht so — gemach da mit dem Steuer — leicht berührt — nun schnell ans Land, Junge — nein, aufwärts; da sind einige von unser» Leuten, die es aufnehmen können." 384 Alles dieß ging mit einer Geschwindigkeit vor sich, daß die Zuschauer kaum Zeit hatten, die verschiedenen Schwenkungen zu bemerken, bis der Scud in den Wind geworfen war, und das große Segel killte; dann fiel er unter Beihülfe des Ruders ein wenig ab, und legte sich der Länge nach an eine natürliche Felsenkaje, wo er alsbald durch gute, ans Ufer laufende Taue befestigt wurde. Mit einem Wort, die Station war erreicht, und die Soldaten des Fünfundfünfzigsten wurden von den auf sie harrenden Kameraden mit der Freude begrüßt, welche eine Ablösung gewöhnlich mit sich bringt. Mabcl sprang mit einem Entzücken, welchem sie unbekümmert Lauf ließ, ans Ufer, und ihr Vater hieß seine Leute mit einer Freudigkeit folgen, welche zeigte, wie müde er des Kutters geworden war. Die Station, denn so wurde dieser Ort gewöhnlich von den Soldaten des fünfundfünfzigsten Regiments genannt, war auch in der That geeignet, bei Leuten, welche so lange in- einem Fahrzeug von dem Umfang des Scud eingesperrt gewesen waren, freudige Hoffnungen zu erregen. Keine der Inseln war hoch, obgleich alle weit genug aus dem Wasser hervorragten, um vollkommen gesund und sicher zu seyn. Jede hatte mehr oder weniger Bäume, die größere Zahl war aber in jenen Zeiten noch mit Urwald bedeckt. Die von den Truppen für ihren Zweck ausgewählte war klein, (sie umfaßte ungefähr zwanzig Morgen Landes) und durch irgend einen Zufall der Wildniß vielleicht schon Jahrhunderte vor dem Zeitraum unserer Erzählung theilweise ihrer Bäume beraubt worden, so daß beinahe die Hälfte derselben aus Grasgrund bestand. Nach der Vermnthung des Offiziers, welcher diese Stelle für einen militärischen Posten ausgesucht, hatte eine sprudelnde Quelle in der Nähe frühe die Aufmerksamkeit der Indianer auf sich gezogen, welche bei Gelegenheit ihrer Jagden und des Salmenfanges die Insel häufig besuchten, ein Umstand, durch den der Nachwuchs niedergehalten und den Gräsern Zeit gelassen wurde, sich einzuwurzeln und die Herrschaft über den Boden zu gewinnen. Mochte 383 übrigens die Ursache seyn, welche sie wollte, die Wirkung war, daß diese Insel ein weit schöneres Aussehen als die meisten benachbarten hatte, und gewiffermaffen ein Gepräge von Civilisation trug, welches man damals in diesen ausgedehnten Gegenden so sehr vermißte. Die Ufer der Station-Insel waren ganz von Gebüsch umfaßt, und man hatte Sorge getragen, es zu erhalten, da es dem Zwecke eines Schirms entsprach, der die Personen und Gegenstände im Innern verbarg. Durch diesen Schutz sowohl, als auch durch mehrere Baumdickichte und verschiedenes Unterholz begünstigt, hatte man sechs oder acht niedrige Hütten errichtet, die dem Offizier und seiner Mannschaft zu Wohnungen dienten und zu Aufbewahrung der Küchen-, Spital- und andern Vorräthe benützt wurden. Diese Hütten waren, wie gewöhnlich, aus Baumstämmen gebaut und mit Rinde bedeckt, wozu das Material von abgelegeneren Orten beige- sührt worden war, damit die Spuren menschlicher Arbeit nicht die Aufmerksamkeit ans sich ziehen möchten; und da sie nur einige Monate bewohnt gewesen; so waren sie so behaglich, als derartige Wohnungen nur immer seyn konnten. Am östlichen Ende der Insel befand sich eine dichtbewaldete Halbinsel, mit so verwachsenem Unterholz, daß man, so lange die Blätter an den Zweigen waren, nicht durchzusehen vermochte. In der Nähe des schmalen Streifens, der dieses Gehölze mit der übrigen Insel verband, lag ein kleines Blockhaus, welches einigermaßen in wehrhaften Stand versetzt worden war. Die Stämme waren schußfest, vierkantig und mit einer Sorgfalt zusammengefügt, daß kein Punkt nnbcschützt blieb. Die Fenster hatten die Gestalt von Schießscharten; die Thüre war klein und schwer, und das Dach wie der übrige Theil des Gebäudes aus behauenem Stammholz, welches man, um den Regen abzuhalten, mit Rinde bedeckt hatte. Der untere Raum enthielt, wie gewöhnlich, die Vorräthe und Lebensmittel, von welchen die Mannschaft den Abgang ihres Bedarfs ersetzte; der zweite Stock diente sowohl zu einer Wohnung als zu einer Citadelle, und das Der Pfadfinder. 3. Aufl. 25 386 niedrige oberste Gelaß war in zwei oder drei Dachkämmerchen ab- getheilt, in denen für zehn oder fünfzehn Personen Lager aufge- schlagen werden konnten. Lille diese Einrichtungen waren außerordentlich einfach und wohlfeil; aber sie reichten hin, die Soldaten gegen die Wirkungen eines unerwarteten Ueberfalls zu schützen. Da das ganze Gebäude noch lange nicht die Höhe von vierzig Fuß hatte, so war es bis zum Giebel durch die Wipfel der Bäume bedeckt und konnte nur von denen, welche sich im Innern der Insel befanden, gesehen werden; ebenso bot sich in dieser Richtung von den ober» Schießscharten eine freie Aussicht dar, obgleich auch hier mehr oder weniger Gebüsch vorhanden war, welches die untern Theile des hölzernen Thurmes verbarg. Da man bei Errichtung dieses Blockhauses nur die Verthei- digung im Auge gehabt hatte, so war dafür gesorgt worden, daß es nahe genug bei einer Aushöhlung des Tuffgesteins erbaut wurde^ welches die obere feste Schichte der Insel ausmachte, damit man sich aus dieser Cisterne für den Fall einer Belagerung das wesentlichste Bedürfniß — das Wasser — durch Herablassen von Schöpfeimern verschaffen konnte. Um dieses Geschäft zu erleichtern und die Basis des Gebäudes von oben bestreichen zu können, sprangen, wie es bei Blockhäusern gewöhnlich ist, die ober» Stockwerke um mehrere Fuß über die untern vor, wobei in die hervorragenden Balkenlagen Oeffnuugcn gehauen waren, welche die Dienste von Schießlöchern und Fallthnren verrichten konnten, gewöhnlich aber mit Holzstücken bedeckt wurden. Die Verbindung zwischen den verschiedenen Stockwerken wurde durch Leitern vermittelt. Wenn wir noch hinzufügen, daß solche Blockhäuser in den Garnisonen und Ansiedelungen für den Fall eines Angriffs als Citadellen, in welche man sich zurückziehen konnte, dienten, so wird der Leser sich eine hinreichend genaue Vorstellung von den Anordnungen machen können^ welche wir ihm hier vorzuführen beabsichtigten. Den größten Vortheil für eine militärische Besatzung gewährte 387 jedoch die Lage der Insel. Es war nicht leicht, sie mitten aus zwanzig anderen herauszufinden, zumal da Fahrzeuge ganz nahe vorbcikommen konnten, ohne daß man dieselbe nach den Blicken, welche die offenen Stellen zuließe», für etwas mehr, als für ein Stück von einer andern gehalten hätte. In der That waren auch die Kanäle zwischen den benachbarten Inseln so schmal, daß es, selbst wenn man zur genauen Ermittelung der Wahrheit einen Standort im Mittelpunkt derselben gewählt hätte, schwer gewesen wäre, zu sagen, welche Theile des Landes verbunden, und welche getrennt setzen. Besonders war die kleine Bucht, deren sich Jasper als eines Hafens bediente, so von Gebüsch überwölbt und von Inseln eingeschlossen, daß selbst das Schiffsvolk des Kutters, als einmal gelegentlich seine Segel niedergelassen waren, nach der Rückkehr von einem kurzen Fischerzuge den Send in den benachbarten Kanälen vier Stuüdcn lang suchen mußte. Kurz, der Ort war wunderbar geeignet für seine gegenwärtigen Zwecke, wobei noch die natürlichen Vortheile, welche er bot, mit so viel Scharfsinn verbessert worden waren, als Sparsamkeit und die beschränkten Mittel eines Gränzpostens nur immer gestatten mochten. Die Stunde, welche der Ankunft des Send folgte, war voll hastiger Aufregung. Die Mannschaft, welche bisher im Besitz des Postens war, hatte nichts Bemerkenswerthcs ausgerichtet und sehnte sich, ihrer Abgeschlossenheit müde, nach Oswego zurück. - Der Sergeant und der abzulösende Offizier waren kaum mit den unbedeutenden Förmlichkeiten der Uebcrgabe zu Ende, als letzterer mit seiner ganzen Mannschaft an den Bord des Send eilte, worauf Jasper, der wohl gerne einen Tag auf dieser Insel zngebracht hätte, die Weisung erhielt, unter Segel zu gehen, da der Wind eine rasche Fahrt stromaufwärts und über den See in Aussicht stellte. Vor der Abreise hielten jedoch Lieutenant Muir, Cap und der Sergeant mit dem abgelösten Fähndrich eine geheime Besprechung, in welcher dem letzteren der Verdacht mitgetheilt wurde, welcher sich 388 gegen die Treue des jungen Schiffers erhoben hatte. Der Offizier versprach gehörige Vorficht, schiffte sich ein, und in weniger als drei Stunden nach seiner Ankunft war der Kutter wieder in Bewegung. Mabel hatte von einer der Hütten Besitz genommen, und traf mit weiblicher Gewandtheit und Fertigkeit nicht nur für ihre eigene, sondern auch für ihres Vaters Bequemlichkeit die Anordnungen, welche die Umstände gestatteten. Zur Erleichterung der Mühe wurde in einer benachbarten Hütte eigens ein Speisetisch für die ganze Mannschaft errichtet, welchen die Soldatenfrau beschickte. Die Wohnung des Sergeanten, die beste auf der ganzen Insel, blieb also von den gewöhnlichen Obliegenheiten der Haushaltung befreit, und Mabel konnte daher so sehr ihrem eigenen Geschmack die Zügel lassen, daß sie das erstemal seit ihrer Ankunft an der Gränze mit einem gewissen Stolze auf ihre häusliche Einrichtung blickte. Sobald sie sich dieser wichtigen Pflichten entledigt hatte, streifte sie auf der Insel umher, und schlug einen Pfad ein, der durch einen schönen Baumgang zu der einzigen Stelle führte, welche nicht mit Gebüsch bedeckt war. Hier stand sie, den Blick ans das durchsichtige Wasser gerichtet, welches mit einer fast unbewegten Fläche zu ihren Füßen lag, und sann über die Neuheit der Lage nach, in welche sie versetzt war. Eine freudige und tiefe Erregung überflog ihre Seele, als sie sich der Scenen erinnerte, die sie erst jüngst durchlebt hatte, und sich in Vermuthungen über jene erging, welche noch im Schooße der Zukunft schlummerten. „Sie sind ein schönes Geräthe an einer schönen Stelle, Mistreß Mabel," sagte David Muir, der plötzlich an ihrer Seite erschien, „und ich möchte nicht darauf wetten, daß Sie nicht das Anmuthigste von beiden sind." „Ich will nicht sagen, Herr Muir, daß Complimcnte, welche mir gelten, so ganz unwillkommen sehen, denn man würde mir vielleicht doch keinen Glauben schenken," antwortete Mabel; „aber ich möchte Ihnen bemerklich machen, daß, wenn Sie sich herablasscn 389 wollten, mir anderartige Bemerkungen mitzutheilen, dieß mich zu dem Glauben veranlassen würde, Sie trauten mir hinlängliche Fähigkeiten zu, solche zu verstehen." „Ach Ihr Geist, schöne Mabel, ist so blank, wie der Lauf einer Soldaten-Muökete, und Ihre Unterhaltung ist nur zu klug und weise für einen armen Teufel, der seit vier Jahren hier oben an den Gränzen Birkenzweige kaut, statt derselben in einer Anwendung theilhaftig zu werden, welche die Eigenschaften hat, das Wissen zu befördern. Aber ich denke, es thut Ihnen nicht leid, meine Dame, daß Sie Ihren schönen Fuß wieder einmal auf festen Boden setzen können?" „Es scheint mir so, seit zwei Stunden, Herr Mnir; aber der Send steht, wie er da durch diese Oeffnungcn der Bäume segelt, so hübsch aus, daß ich beinahe bedauern möchte, nicht mehr zu seinen Passagieren zu gehören." Mabel hörte auf zu sprechen und schwenkte ihr Taschentuch, um den Gruß Jaspers zu erwiedern, welcher mit unverwandten Augen nach ihr zurückblickte, bis die weißen Segel des Kutters um eine Spitze bogen, in deren grünem Blättersaume sie sich beinahe ganz verloren. „Da gehen sie hin, und ich will nicht sagen, Freude möge sie geleiten; aber möchten sie doch glücklich wieder zurückkommen, den» ohne sie wären wir in Gefahr den Winter ans dieser Insel zu- bringen zu müssen, wenn uns statt dessen nicht ein Aufenthalt in dem Schloß zu Quebec blüht. Jener Jasper Eau-donce ist eine Art Landstreicher, und es gehen in der Garnison Gerüchte über ihn, die ich nicht ohne Herzeleid hören kann. Ihr würdiger Vater und Ihr fast eben so würdiger Onkel, haben nicht die beste Meinung von ihm." „Es thut mir leid, so etwas zu hören, Herr Mnir; doch zweifle ich nicht, daß die Zeit alles Mißtrauen beseitigen wird." „Wenn die Zeit nur das meinige beseitigen würde," erwiederte 390 der Quartiermeister mit einschmeichelndem Tone, „so wollte ich keinen General beneiden. Ich glaube, wenn ich in der Lage wäre, mich vom Dienst zurückziehen zu können, so würde der Sergeant in meine Schuhe treten." „Wenn mein Vater würdig ist, in Ihre Schuhe zu treten, Herr Muir, erwiedcrte das Mädchen mit boshaftem Mnthwillen, „so bin ich überzeugt, daß die Befähigungen gegenseitig, und Sie in jeder Hinsicht würdig sind, in die seinigcn zu treten." „Der Teufel steckt in dem Mädchen! — Sie wollen mich doch nicht zu dem Rang eines Unteroffiziers znrücksetzen, Mabel?" „Gewiß nicht, Herr! denn ich habe gar nicht an die Armee gedacht, als Sie von Ihrem Rückzug sprachen. Meine Gedanken waren selbstsüchtiger und es schwebte mir gerade vor, wie sehr Sie mich durch Ihre Erfahrung und Ihre Weisheit an meinen lieben Vater erinnern, und wie sehr Sie geeignet wären, seinen Platz in einer Familie einznnehmen." „Als ein Bräutigam in derselben, schöne Mabel, aber nicht als Vater oder natürliches Haupt. Ich sehe, wie cs mit Ihnen steht, und liebe Ihre schnellen und witzsprühcnden Erwiederungen. Ich liebe den Geist bei jungen Frauenzimmern, wenn es nur nicht der Geist des Zankes ist. — Dieser Pfadfinder ist ein außerordentlicher Mann, Mabel, wenn man die Wahrheit von ihm sagen will." „Man muß die Wahrheit oder gar nichts von ihm sagen. Pfadfinder ist mein Freund — ein mir sehr werther Freund, Herr Mnir, und man darf ihm in meiner Gegenwart nie etwas Uebles Nachrede», ohne daß ich Einsprache dagegen thun werde." „Ich versichere Sie, Mabel, daß ich ihm nichts Uebles Nachreden will; aber zu gleicher Zeit muß ich doch bezweifeln, ob sich viel Gutes zu seinen Gunsten sagen läßt." „Er weiß wenigstens mit der Büchse gut umzngehen," erwie- derte Mabel lächelnd; „das werden Sie ihm doch nicht in Abrede ziehen können?" 391 „Was seine Thaten in dieser Beziehung anbelangt, so mögen Sie ihn so hoch stellen, als Ihnen beliebt; aber er ist so ungebildet als ein Mohawk." „Er versteht vielleicht nichts von dem Lateinischen; aber die Sprache der Irokesen kennt er besser, als die meisten Weißen, und diese ist jedenfalls in unserm Erdwinkel die nützlichere von beiden." „Wenn Lnndie selbst mich auffordcrte, ihm zu sagen, ob ich Ihre Person oder ihren Witz mehr bewundere, meine schöne, spöttische Mabel, so wüßte ich nicht, was ich antworten sollte. Meine Bewunderung ist so sehr zwischen beiden gethcilt, daß ich bald der einen, bald dem andern die Palme zucrkennen muß. Ach, die verstorbene Mistreß Muir war auch ein solches Musterbild." „Sie sprechen von der zuletzt verstorbenen Mistreß Muir, Herr?" fragte Mabel mit einem unschuldigen Blick auf ihren Gefährten. „Ach, das ist eine von Pfadfinders Lästerungen. Gewiß hat der Bursche es versucht, Sie zu überreden, daß ich schon mehr als einmal verheirathet gewesen sey?" „In diesem Falle wäre seine Mühe vergebens gewesen, Herr; denn Jedermann weiß, daß Sie das Unglück^hatten, schon vier Frauen zu verlieren." „Nur drei, so wahr mein Name David Muir ist. Die vierte ist reiner Scandal, oder vielmehr noch in petto, wie man in Rom sagt, schöne Mabel; und das bedeutet in Liebesangelegenh eiten so viel, als im Herzen." „Nun, ich bin sroh, daß ich nicht diese vierte Person in petto oder in etwas anderem bin, denn es wäre mir nicht angenehm, ein Scandal zu seyn." „Haben Sie deshalb keine Furcht, meine bezaubernde Mabel, denn wenn sie die vierte sind, werden alle andern vergessen sehn, und Ihre wundervollen Reize und Verdienste würden Sie auf einmal zur ersten erheben. Sie dürfen nicht fürchten, in irgend etwas die vierte zu seyn." 392 „Es liegt ein Trost in dieser Versicherung, Herr Muir," sagte Madel lachend, „was es auch sonst mit den andern Versicherungen für eine Bcwandtniß haben mag; denn ich gestehe, daß ich lieber eine Schönheit des vierten Ranges, als die vierte Frau eines Mannes sehn möchte." Mit diesen Worten entfernte sie sich, und überließ es dem Quarticrmeistcr, über seinen Erfolg nachzudenken. Mabcl war zu einer so freimüthigen Benützung ihrer weiblichen Vertheidigungsmittel veranlaßt worden — einmal, weil ihr Verehrer in der letzten Zeit sich ans eine Weise benommen hatte, daß sie die Nothwendigkeit einer runden und ernstlichen Abfertigung fühlte, und dann durch seine Sticheleien gegen Jasper und den Pfadfinder.. Obgleich raschen Geistes, war sie von Natur nicht vorlaut, und nur bei der gegenwärtigen Gelegenheit hielt sie sich durch die Umstände zu einer mehr als gewöhnlichen Entschiedenheit anfgefordert. Als sie daher ihren Gesellschafter verlassen hatte, hoffte sie endlich der Aufmerksamkeiten enthoben zu sehn, welche ihr eben so übel angebracht schienen, als sic ihr unangenehm waren. David Muir aber dachte anders. An Körbe gewöhnt und in der Tugend der Beharrlichkeit geübt, sah er keinen Grund, zu verzweifeln, obgleich die halbdrohende, halbznfriedene Weise, mit welcher er bei dem Rückzuge des Mädchens mit dem Kopfe nickte, so unheilvolle als entschiedene Entwürfe verrathen mochte. Während er so mit sich selbst zu Rathe ging, näherte sich der Pfadfinder, und kam unbemerkt bis auf einige Fuß ans ihn zu. „'s wird nicht gelingen, Quarticrmeister; 's wird nicht gelingen;" begann letzterer mit seinem tonlosen Lachen; „sie ist jung, und lebhaft, und nur ein rascher Fuß kann sie einholen. Man sagt mir, Sie sehen ihr Anbeter, obgleich Sie ihr nicht nachgehen." „Und ich höre dasselbe von Euch, Mann, obgleich die Anmaßung so stark wäre, daß ich sie kaum für wahr halten kann." „Ich fürchte, Sie haben Recht; ja, ja, — ich fürchte, Sie 393 haben Recht! wenn ich überlege, was ich bin, wie wenig ich weiß und wie roh mein Leben gewesen ist, so habe ich ein geringes Vertrauen auf meine Ansprüche, nur einen Augenblick an ein so gut erzogenes, heiteres, frohsinniges und zartes Mädchen denke» zu dürfen." „Ihr vcrgeßt das ,schon';" unterbrach ihn Mnir auf eine etwas rohe Weise. „Ja, schön ist sie auch, fürchteich," erwiederte der bescheidene und anspruchlose Wegweiser. „Ich hätte die Schönheit bei ihren übrigen Eigenschaften mit berühren sollen; denn das junge Reh, das eben erst Hüpfen lernt, hat in den Augen eines Jägers nicht mehr Anmuth, als Mabcl in den meinigen. Ich fürchte in der That, daß alle Gedanken an sie, welche ich in mir beherberge, eitel und anmaßend sind." „Wenn Ihr vielleicht aus natürlicher Bescheidenheit das von Euch selbst glaubt, mein Freund, so halte ich es für meine Pflicht, um unserer alten Kameradschaft willen Euch zu sagen —" „Quartiermeist'er," unterbrach ihn der Andere mit einem durchdringenden Blicke, „Sie und ich haben lange mit einander hinter den Wällen des Forts gelebt, aber sehr wenig draußen in den Wäldern, oder im Angesichte des Feindes." „Garnison oder Zelt — beides gilt, wie Ihr wißt, Pfadfinder, für einen Theil des Feldzuges. Zudem fordert mein Beruf, daß ich mich mehr in der Nähe der Magazine aufhalte, obschon dieß ganz gegen meine Neigung ist, wie Ihr Wohl denken könnt, da Ihr selber die Glut des Kampfes, in Euern Adern fühlt. Aber wenn Ihr gehört hättet, was Mabel eben von Euch sagte, so würdet Ihr keinen Augenblick mehr daran denken, Euch dieser über alle Vergleichung frechen und widerspenstigen Dirne angenehm machen zu wollen." Pfadfinder blickte den Lieutenant mit Ernst an, denn es war unmöglich, daß er nicht ein Interesse an Mabels Aeußerungen hätte fühlen sollen; aber er hatte zu viel angeborne Zartheit und wahren 394 Edelmuth, um zu fragen, was Andere von ihm sagten. Muir war jedoch durch diese Selbstverläugnnng und Selbstachtung nicht zu überwältigen, denn da er es mit einem Mann von großer Wahrheitsliebe nnd Einfalt zu thun zu haben glaubte, so beschloß er, auf seine Leichtgläubigkeit cinzuwirken, und auf diese Weise sich von seinem Nebenbuhler zu befreien. Er verfolgte daher den Gegenstand, sobald er bemerkte, daß die Selbstverläugnnng seines Gefährten stärker sch als seine Neugierde. „Ihr müßt ihre Ansicht erfahren, Pfadfinder," fuhr er fort, „und ich glaube, Jedermann sollte hören, was seine Freunde und Bekannte von ihn, sagen. Ich will es Euch daher, um Euch meine Achtung gegen Euren Charakter und Eure Gefühle zu beweisen, in so kurzen Worten, als möglich mittheilen. Ihr wißt, daß Mabel mit ihren Augen ein schlimmes und boshaftes Spiel treibt, wenn sie im Sinne hat, den Gefühlen eines Mannes zuzusetzen." „Mir schienen ihre Augen immer gewinnend und sanft, Lieutenant Muir, obgleich ich zugeben will, daß sie bisweilen lachen. Ja, ich habe sie lachen sehen, und zwar recht herzlich und mit aufrichtigem Wohlwollen." „Wohl, das war es aber gerade. Ihre Augen lachte», so zu sagen aus aller Macht, und mitten in ihrem Muthwillen brach sie in einen Ausruf ans — ich hoffe, es wird doch Eure Empfindlichkeit nicht verletzen, Pfadfinder?" „Ich will das nicht sagen, Quartiermeister; ich kann das nicht versprechen. Es liegt mir an Mabels Meinung von mir mehr, als an der der meisten Andern." - „Dann werde ich Euch nichts sagen, sondern die Sache bei mir behalten. Und warum sollte auch Jemand einem andern erzählen, was seine Freunde über ihn sagen, zumal wenn etwas zu sagen ist, was ihm nicht angenehm sehn möchte, zu hören. Ich werde dem, was ich bereits mittheilte, kein Wort mehr zufügen." „Ich kann Sie nicht zum Reden zwingen, wenn Sie es nicht 395 gerne thun wollen, Qnartiermeister, und vielleicht ist es besser für mich, Mabels Aeußerungen nicht zu kennen, da Sie zu glauben scheinen, daß sie nicht zn meinen Gunsten sehen. Ach! wenn wir sehn könnten, was wir gerne möchten, statt daß wir nur sind, was wir sind, so würde wohl ein großer Unterschied in nnsern Charakteren, unscrm Wissen und in unserm äußern Erscheinen stattfindcn. Wir können immer roh, plump, unwissend und doch glücklich sehn, wenn wir es nur nicht wissen; aber es ist hart, unsre Gebrechen im stärksten Lichte sehen zu müssen, wenn wir gerade am wenigsten von ihnen hören möchten." „Das ist eben das Rationale, wie die Franzosen sagen, an der Sache; und das sagte ich auch Mabel, als sie weglief und mich allein ließ. Ihr habt wohl gesehen, wie sie auf und davon ging, als Ihr Euch nähertet?" „Das war leicht bemerklich," sagte Pfadfinder mit einem schweren Athemznge, und umfaßte seinen Büchsenlauf, als ob er seinen Finger in das Eisen graben wollte. „Es war mehr als bemerklich — es war augenfällig; das ist bas rechte Wort, und man würde, nach stundenlangem Suchen kein besseres in dem Wörterbuch- finden. Ja, Ihr sollt es erfahren, Pfadfinder, denn ich kann Euch vernünftigerweise die Gunst nicht verweigern, es Euch wissen zn lassen. So hört denn — das ungezogene Ding hüpfte lieber auf diese Weise davon, als daß sie angehört hätte, was ich zu Eurer Rechtfertigung sagen wollte." „Und was hätten Sie über mich sagen können, Qnartier- meister?" „Ei, Ihr müßt mich verstehen, mein Freund; ich hing von den Umständen ab und konnte mich nicht unklugerweise in Allgemeinheiten einlaffen, aber ich bereitete mich vor, dem Einzelnen so zu sagen durch Einzelnheiten zu begegnen. Wenn sie Euch für einen wilden Menschen, einen halben Indianer, für so eine Art Grenzformation hielt, so konnte ich ihr, wie Ihr wißt, sagen, daß dieses von dem wilden und halbindianischen Grenzleben herkomme, welches Ihr sührt, wodurch denn alle ihre Einwürfe auf einmal zum Schweigen gebracht worden wären, oder es hätte so eine Art Mißverständnis, mit der Vorsehung stattfinden müssen." „Und Ihr habt ihr das wirklich gesagt, Qnartiermeister?" „Ich kann nicht gerade auf die Worte schwören, aber die Idee war vorherrschend in meiner Seele, wie Ihr Euch denken könnt. Das Mädchen war ungeduldig und wollte nicht die Hälfte von dem hören, was ich zu sagen hatte, sondern sprang fort, wie Ihr mit Euren eigenen Augen gesehen habt, Pfadfinder, als ob sie mit ihren Ansichten vollkommen im Reinen sey und nichts mehr zu hören brauche. Ich fürchte, sie ist zu einem bestimmten Entschluß gekommen." „Ich fürchte das auch; Quartiermeister; und allem nach ist ihr Vater irriger Meinung. Ja, ja, der Sergeant ist in einem traurigen Jrrthum befangen." „Nun, Mann! — was braucht Ihr da zu jammern und den guten Ruf, den Ihr Euch durch so viele mühevolle Jahre erworben habt, zu Schanden zu machen. Nehmt Eure Büchse, die Ihr so gut zu brauchen wißt, auf die Schulter, und fort mit Euch in die Wälder; denn es lebt kein weibliches Geschöpf, welches auch nur das Herzeleid einer Minute Werth wäre, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Ich gebe Euch das Wort eines Mannes, welcher dieses Geschlecht kennt und zwei Weiber gehabt hat, daß die Weiber überhaupt eine Art Geschöpfe sind, die wir uns ganz anders vorstellen, als sic in der That sind. Nun, wenn Ihr Mabel de- müthigen wollt, so habt ihr hier eine so herrliche Gelegenheit, als sie ein zurückgewiesener Liebhaber nur immer wünschen kann." „Es wäre mein letzter Wunsch, Lieutenant, Mabel zudemüthigen." „Nun, Ihr werdet am Ende doch noch so weit kommen; denn es liegt in der menschlichen Natur, denen Unlust zu bereiten, welche uns Unlust bereitet haben. Aber eine bessere Gelegenheit hat sich 397 noch nie dargcboten, die Liebe Eurer Freunde zu gewinnen, als in dem gegenwärtigen Augenblicke, und dieß ist das sicherste Mittel, die Feinde so weit zu bringen, daß sie uns beneiden." „Quartiermeister, Mabel ist nicht meine Feindin, und wenn sie cs auch wäre, so würde ich doch zuletzt wünschen, ihr einen unangenehmen Augenblick zu verursachen." „Ihr sagt so, Pfadsinder, Ihr sagt so — und ich glaube auch, daß Ihr so denkt; aber Vernunft und Natur sind gegen Euch, wie Ihr zuletzt selbst noch finden werdet. Ihr kennt ja das Sprüchwort: ,Liebst du mich, so liebst du auch all das Mcinige/ und das bedeutet rückwärts gelesen: ,Liebst du das Meinigs nicht, so lubst du auch mich nicht? Nun hört, was Ihr zu thun die Macht habt. Ihr wißt, daß wir hier auf einen: äußerst unsicheren Posten und so zu sagen fast in dem Rachen des Löwen sind?" „Sie verstehen unter dem Löwen die Franzosen, und unter seinem Rachen diese Insel, Lieutenant?" „Nur bildlich, mein Freund; denn die Franzosen sind keine Löwen und dieses Eiland kein Rachen, wenn es sich uns nicht etwa als das Rachcnbcin (Kinnbacken) eines Esels erweisen sollte, was ich sehr befürchte." Hier überließ sich der Quartiermcister einem höhnischen Lachen, welches nicht gerade eine besondere Achtung und Bewunderung gegen die Klugheit seines Freundes Lundie ansdrückte, der diesen Ort für seine Operationen ausgewählt hatte. „Der Ort ist so gut gewählt, als nur irgend einer, auf den ich meinen Fuß gesetzt habe," sagte Pfadfinder und blickte um sich, wie man ein Gemälde zu betrachten Pflegt. „Ich will das nicht in Abrede ziehen. Lundie ist ein großer Krieger in einer kleinen Weise, und sein Vater war auf dieselbe Art ein großer Laird. Ich bin auf seinen Gütern geboren und folgte dem Major so lange, daß ich Alles verehre, was er spricht und thut; das ist eben meine schwache Seite, wie Ihr wohl wißt. 398 Pfadfinder. Nun, mögen die Leute diesen Posten für den eines Esels oder den eines Salomons halten, jedenfalls ist seine Lage eine sehr bedenkliche, wie man aus Lnndie's Vorsichtsmaßregeln und Einschärfungcn deutlich erkennen kann. Es liegen auf diesen tausend Inseln und in den Wäldern Wilde, welche nach dem Orte unseres Aufenthalts spähen, wie Lnndie aus sichern Mittheilungen « wohl weiß, und es wäre der größte Dienst, den Ihr dem Fünf- undfünfzigsten zu leisten vermöchtet, wenn Ihr ihre Fährte anf- finden und ihnen eine falsche Witterung beibringen könntet. Nnglückscligcrwcise bildet sich Sergeant Dnnham ein, daß die Gefahr stromaufwärts zu befürchten seh, weil Frontenac über uns liegt, indeß uns doch die Erfahrung lehrt, daß die Indianer stets von einer Seite kommen, die am meisten mit einer vernünftigen Berechnung im Widerspruch steht, so daß wir sie also eher von unten herauf erwarten dürfen. Nehmt daher Euer» Kahn und fahrt stromabwärts durch diese Inseln, damit wir doch Kunde erhalten, wenn sich nns von dieser Seite irgend eine Gefahr näherte. Wenn Ihr Euch dann auf einige Meilen in dem See nmsehen * würdet, zumal auf der Uorker Seite, so würden Eure Berichte wohl die genauesten und deshalb auch die werthvollsten sehn." „Der Big Serpent liegt in dieser Richtung auf der Spähe, und da er die Station genau kennt, so wird er uns ohne Zweifel zeitlich genug Nachricht geben, wenn man uns von dieser Seite aus zu umgehen wünscht." „Er ist aber im Grunde doch nur ein Indianer, Pfadfinder, und dieß ist eine Angelegenheit, welche die Kenntniß eines weißen Mannes fordert. Lnndie wird dem Manne ewig dankbar sehn, welcher dazu beiträgt, daß man sich aus dieser kleinen Unternehmung mit fliegenden Fahnen Herauswickeln kann. Um Euch die » Wahrheit zu sagen, mein Freund, er fühlt es, daß er die Sache nie hätte versuchen sollen; aber er hat zu viel von des alten 399 Lairds Starrköpfigkeit an sich, um seinen Jrrthum zuzugestehcn, obschon dieser so augensällig ist, als der Morgenstern." Der Quartiermeister fuhr fort, seinem Gefährten znzureden, um ihn zu einem unverzüglichen Aufbruch von den Inseln zu veranlassen, wobei er sich solcher Gründe bediente, wie sie ihm der Augenblick darbot; gelegenheitlich widersprach er sich auch und brachte nicht selten ein Motiv zum Vorschein, dem er im nächsten Augenblick gerade das entgegengesetzte folgen ließ. So einfach auch der Pfadfinder war, so entgingen ihm doch diese Brüche in des Lieutenants Philosophie nicht, obgleich er nicht entfernt vermuthete, daß sie in dem Wunsche ihren Grund hatten, die Küste von einem Anbeter Mabels zu säubern. Er setzte schlechten Gründen gute entgegen, widerstand jeder Versuchung, welche er nicht mit seinem Pflichtgefühl in Einklang bringen konnte, und war so taub als gewöhnlich gegen jede lockende Einflüsterung, die vor seinem Rechtlichkeitssinne nicht zu bestehen vermochte. Er hatte allerdings von Muirs geheimen Beweggründen keine Ahnung, war aber auch eben so weit entfernt, sich durch dessen Sophistereien blenden zu lassen, und das Ergebniß lief darauf hinaus, daß sich Beide nach einer langen Zwiesprache »»überzeugt und mit gegenseitigem Mißtrauen trennten, obschon der Argwohn des Wegweisers, wie Alles, was mit diesem Manne in Verbindung stand, das Gepräge seines aufrichtigen, uneigennützigen und edlen Charakters trug. Eine Besprechung, welche später zwischen dem Sergeanten Dunham und dem Lieutenant stattfand, war erfolgreicher. Nach Beendigung derselben erhielt die Mannschaft geheime Befehle; das Blockbaus und die Hütten wurden besetzt, und wer an die Bewegungen der Soldaten gewöhnt war, konnte leicht entdecken, daß ein Ausflug im Werke war. In der That kam auch der Sergeant, als die Sonne eben unterging, von dem sogenannten Hafen, wo er beschäftigt gewesen, mit Cap und Pfadfinder in seine Hütte, und als er sich an den Tisch, welchen Mabel für ihn zierlich beschickt, 400 gesetzt hatte, begann er den Vorrath seines Wissens anszu- kramcn. „Du wirst wahrscheinlich hier von einigem Nutzen sehn, mein Kind," fing der alte Soldat an, „wie dieses gut und zn rechter Zeit angerichtete Nachtessen bezeugen kann, und ich glaube, daß du, wenn der geeignete Augenblick kömmt, dich als den Abkömmling > deren beweisen wirst, welche wissen, wie man den Feind ins Auge fassen muß." „Ihr erwartet doch nicht, lieber Vater, daß ich die Johanna von Are spielen und die Mannschaft ins Treffen fuhren soll?" „Wen spielen, Kind? Habt Ihr je etwas von der Person gehört, von welcher Mabel spricht, Pfadfinder?" „Nein, Sergeant: wie sollte ich das? ich bin unwissend und ohne Erziehung; und es ist mir ein zu großes Vergnügen, auf ihre Stimme zu horchen und ihre Worte in mich aufzunehmcn, als daß ich mich um Personen kümmern sollte." „Ich kenne sie," sagte Cap, „sie segelte im letzten Krieg mit Kapernbriefcn von Morlair aus, und war ein guter Kreuzer." Mabel erröthete, daß sie unachtsam eine Anspielung gemacht hatte, welche über ihres Vaters Belesenheit ging; und vielleicht auch, von ihres Onkels Ueberklugheit gar nicht zu sprechen, ein bischen ob Pfadfinders schlichtem und doch sinnreichem Ernste, obgleich sie nicht umhin konnte, über den letzter» zu lächeln. „Nun, Vater, ich hoffe nicht, daß man mich zn der schlagfertigen Mannschaft rechnet, und daß ich die Insel vertheidigen helfen soll?" „Und doch haben in diesem Welttheile die Weiber oft solche Dinge gethan, Mädchen, wie dir unser Freund hier, der Pfadfinder erzählen kann. Damit es dich aber nicht überrascht, wenn du uns bei deinem morgigen Erwachen nicht mehr siehst, so muß ich dir » nur sagen, daß wir diese Nacht noch abzuziehen gedenken." „Wir, Vater? und Ihr wollt mich und Jennie allein auf dieser Insel lassen?" „Nicht doch, meine Tochter! Wir handeln nicht so unmilitärisch. Wir werden den Lieutenant Muir, Bruder Cap, Corporal M'Nab und drei Soldaten hier lassen, ans denen in unserer Abwesenheit die Garnison bestehen wird. Jcnnie wird bei dir in dieser Hütte wohnen, und Bruder Cap meine Stelle einnehmen." „Und Herr Muir?" fragte Mabel, ohne selber zu wissen, was sic sagte, obgleich sie vorauösah, daß diese Anordnung sie wieder neuen Zudringlichkeiten aussetzen werde. „Ei, er kann dir den Hof machen, wenn du daS gerne hast, Mädchen, denn er ist ein verliebter Jüngling, und da er schon vier Weiber geliefert hat, so kann er es nicht erwarten, durch die Wahl einer fünften zu zeigen, wie er ihr Andenken ehrt." „Der Quartiermeister sagte mir," versetzte Pfadfinder unschuldig, „daß das Gemüth eines Mannes, wenn cs durch so viele Verluste durchcggt sey, auf keine zweckmäßigere Weise besänftigt werde, als wenn man den Boden aufs Nene auspflüge, damit keine Spur der Vergangenheit mehr znrückblcibe." ' „Ja, das ist gerade der Unterschied zwischen Pflügen und Eggen," erwiederte der Sergeant mit höhnischem Lächeln. „Doch er mag gegen Mabel sein Herz ausleercn, und dann wird seine Freierei ein Ende haben. Ich weiß recht wohl, daß meine Tochter nie das Weib des Lieutenant Muir werden wird." Er sagte dieß in einer Weise, welche mit der Erklärung gleichbedeutend war, daß die fragliche Person nie der Gatte seiner Tochter werden solle. Mabel crröthete, zitterte und ein halbes Lachen vermochte das Unbehaglichkeitsgefühl, welches sie ergriff, nicht zu verhehlen. Als sie sich jedoch wieder gefaßt hatte, sprach sie mit einer heiteren Stimme, welche ihren innern Kampf vollständig verbarg: „Aber Vater, wir würden wohl besser thun, zu warten, bis sich Herr Muir erklärt, ob ihn Eure Tochter habe» wolle, oder vielmehr, daß er Eure Tochter habe» wolle, damit man uns nicht, wie in der Fabel, die sauren Trauben ins Gesicht werfe." Der Pt.idfilidec, 3. Aufl. 26 402 „Was ist das für eine Fabel, Mabcl?" fragte hastig der Pfad- finder, der von dem Unterricht, welcher de» Weißen gewöhnlich ertheilt wird, nicht besonders viel genossen hatte; „erzählen Sie uns das in Ihrer angenehmen Weise, denn sicherlich hat es der Sergeant noch nie gehört." Mabel erzählte die bekannte Fabel und zwar, wie ihr Verehrer gewünscht hatte, in ihrer eigenen angenehmen Weise, wobei dieser seine Augen unverwandt ans ihr Antlitz heftete, während ein Lächeln seine ehrlichen Züge überflog. „Das sieht dem Fuchse gleich," rief Pfadfinder, als sie zu Ende war; „ja, und auch einem Mingo — schlau und grausam, das ist die Weise dieser beiden schleichenden Thierc. Was die Trauben anbelangt, so sind sie sauer genug in dieser Gegend, selbst für diejenigen, welche sie kriegen können, obgleich ich sagen darf, daß es Zeiten und Orte gibt, wo sie für die, welche keine bekommen, noch saurer sind. So möchte ich glauben, daß mein Skalp in den Augen eines Mingo sehr sauer ist." „Die sauren Trauben werden an einem andern Wege wachsen, Kind, und wahrscheinlich wird Herr Muir sich darüber zu beschweren haben. Du möchtest wohl diesen Mann nie heirathen, Mabcl?" „Gewiß nicht," fiel Cap ein, — „so einen Burschen, der im Grunde doch nur ein halber Soldat ist. Die Geschichte mit diesen Trauben da ist in der That ein Umstand." „Ich denke überhaupt gar nicht ans Heirathen, lieber Vater und lieber Onkel, und wenn es Euch beliebt, so wollen wir lieber weniger davon reden. Wenn ich aber überhaupt ans Heirathen dächte, so glaube ich kaum, daß meine Wahl auf einen Mann fallen würde, der es bereits mit drei oder vier Weibern versucht hat." Der Sergeant nickte dem Wegweiser zu, als wolle er sagen — du siehst, wie die Sachen stehen — und wechselte dann aus Rücksicht für die Gefühle seiner Tochter den Gegenstand der Unterhaltung. „Weder du, Bruder Cap, noch Mabel," fing er an, „keines von beiden, darf eine gesetzliche Autorität über die kleine Garnison, welche ich ans der Insel zurücklasse, ansüben, obschon ihr zu einem Rath oder einem sonstigen Einfiuß berechtigt seyd. Streng genommen wird Corpora! M'Nab der commandirende Offizier sepn, und ich habe mir Mühe gegeben, ihm die Würde und Wichtigkeit seines Amtes begreiflich zu machen, damit er dem Einflüsse des höher gestellten Lieutenants Mnir nicht zu viel Spielraum lasse; denn da dieser ein Freiwilliger ist, so hat er kein Recht, sich in den Dienst zu mischen. Ich wünsche, daß du den Corpora! unterstützest, Bruder Cap, denn wenn der Quartiermeister einmal die Dienstregeln dieser Expedition durchbrochen hat, so mochte er eben so gut mir als dem M'Nab befehlen wollen." „Besonders, wenn ihn in deiner Abwesenheit Mabel triftig kappt. Es versteht sich von selbst, Sergeant, daß du Alles, was flott ist, meiner Sorge überlassest? Ans Mißverständnissen zwischen den Befehlshabern auf dem Wasser und dem Land sind oft die ver- henkertsten Verwirrungen hsrvorgegangen." „In einer Beziehung, ja, Bruder, obgleich im Allgemeinen der Corpora! Oberbefehlshaber ist. Die Geschichte erzählt uns in der That, daß eine Trennung des Commandos zu Schwierigkeiten führt, und ich möchte diese Gefahr vermeiden. Der Corpora! muß den Befehl führen; aber du kannst ihm freimüthig deinen Rath mittheilen, besonders in allen Angelegenheiten, welche ans die Boote Bezug haben, von denen ich Euch eines zurücklassen werde, nm für den Nothfall Euren Rückzug zu sichern. Ich kenne den Corporal, er ist ein tapferer Mann und ein guter Soldat, ans den man sich verlassen kann, wenn die Santa-Cruz von ihm ferne gehalten werden kann. Aber dann ist er ein Schotte, und wird dem Einflüsse des Quartiermeisters nachgeben, gegen den Ihr beide, du und Mabel, auf der Hut sepn müßt." „Aber warum laßt Ihr uns zurück, lieber Vater? Ich bin so 404 weit mit Euch gereist, um für Eure Bequemlichkeit zu sorgen; warum sollte ich nicht noch weiter mit Euch gehen?" „Du bist ein gutes Mädchen, Mabel, nnd schlägst ganz in die Art der Dunhams. Aber du mußt hier bleiben. Wir werden morgen, noch ehe der Tag graut, die Insel verlassen, um nicht von Späheraugen entdeckt zu werden, wenn wir aus unserm Ver- » steck herauökommen, und nehmen die zwei größten Boote mit uns. Es bleibt euch also noch das dritte, und ein Rindcnkahn. Wir sind im Begriff, uns in dem Kanal, dessen sich die Franzosen bedienen, umzusehen, und wollen uns etwa eine Woche lang auf die Lauer legen, um die Borrathsboote, welche vielleicht durchfahren, und hauptsächlich mit werthvollen indianischen Gütern beladen sind, auf ihrem Wege nach Frontenac abzufangen." „Hast du auch deine Papiere genau angesehen, Bruder?" fragte Cap ängstlich. „Es ist dir zweifelsohne bekannt, daß das Weguehmcn eines Schiffs auf offener See als Seeräuberei angesehen wird, wenn dein Boot sich nicht durch einen regelmäßigen Caperbrief als ein auf Staats- oder Privatkosten bewaffneter Kreuzer ausweisen kann." „Ich habe die Ehre, von meinem Obristeu zum Sergeanten des Fünfundfünfzigsten ernannt worden zu sehn," versetzte der Andere und richtete sich mit Würde auf, „und das muß selbst dem König von Frankreich genug sehn. Wo nicht, so habe ich Major Duncans schriftliche Befehle." „Keine Papiere also für einen coneessionirten Caperzug?" „Diese müssen hinreichcn, Bruder, da ich keine anderen habe. Es ist für Seiner Majestät Interessen in diesem Theile der Welt von der größten Wichtigkeit, daß die in Frage stehenden Boote weggenommen und nach Oswego geführt werden. Sic enthalten * die Betttücher, Büchsen, Zierrathe, die Munition, kur; alle jene Vorräthe, mit welchen die Franzosen ihre verwünschten wilden Verbündeten bestechen, ihre Heillosigkeiten ausznführen, und nnsre heilige 405 Religion mit ihren Vorschriften, die Gesetze der Humanität und Alles, was dem Menschen hehr und thcuer ist, zu verhöhnen. Wenn wir ihnen diese Hilfsmittel abschneiden, so werden wir ihre Plane verwirren und Zeit gewinnen; denn sie können in diesem Herbst nicht wieder neue Zufuhr über das Meer her erhalten." » „Aber Vate", bedient sich Seine Majestät nicht auch der Indianer?" fragte Mabel mit einiger Neugierde. „Gewiß, Mädchen, und König Georg hat ein Recht, sich ihrer zu bedienen — Gott segne ihn! Es ist etwas ganz anderes, ob ein Engländer oder ein Franzose einen Wilden benützt, wie Jedermann einsehen kann." „Das ist klar genug, Bruder Dunham; aber was die Schiffspapiere betrifft, so will mir das doch nicht recht einleuchten." „Meine Ernennung zum Sergeanten durch einen Englischen Obristen muß jedem Franzosen als Vollmacht gelten; und was noch mehr ist, sie wird es auch." „Aber ich sehe nicht ein, Vater, warum sich die.Franzosen nicht ebenso gut der Wilden im Krieg bedienen sollen, als die Engländer?" „Tausend alle Welt! Mädchen — doch du bist vielleicht nicht fähig, das zu begreifen. Erstlich ist ein Engländer von Natur menschlich und bedächtlich, während der Franzose von Natur wild und furchtsam ist." „Und du kannst hinzusetzen, Bruder, daß er vom Morgen bis in die Nacht tanzt, wenn man es zuläßt." „Sehr wahr," erwiederte der Sergeant ernsthaft. „Aber Vater, ich sehe nicht ein, daß all dieses die Sache ändert. Wenn es an einem Franzosen verwerflich ist, daß er die * Wilden durch Bestechung zum Kampfe gegen seine Feinde veranlaßt, so muß das, wie ich meine, bei einem Engländer ebenso Unrecht sehn. Ihr werdet mir beistimmen, Pfadfinder?" „Vernünftiger Weise allerdings; und ich bin nie unter denen 406 gewesen, die ei» Geschrei gegen die Franzosen erhoben, weil sie das nämliche thun, was wir selbst auch thun. Aber es ist schlimmer, sich mit einem Mingo einzulassen, als stch mit einem Delaware» zn verbünden. Wären von diesem gerechten Stamme noch Indianer übrig, so würde ich es für keine Sünde halten, ste gegen den Feind zu schicken." „Und doch skalpiren und tödten sie Jung und Alt, Weiber und Kinder." „Sic haben ihre Gaben, Mabcl, und sind nicht zu tadeln, wenn sie ihnen folge». Natur ist Natur, obgleich sie die verschiedenen Stämme in verschiedener Weise kundgeben. Ich für meinen Theil bin ein Weißer, und bestrebe mich, die Gefühle eines Weißen festzuhalten." „Ich kann dieß Alles nicht verstehen," versetzte Mabel. „Was für König Georg Recht ist, sollte, wie es mir scheint, auch bei König Louis Recht sepn." „Des Königs von Frankreich wirklicher Name ist Caput," bemerkte Cap, wobei er den Mund voll Wildpret hatte. „Ich führte einmal einen großen Gelehrten als Passagier aus dem Schiff — der erzählte mir, daß diese dreizehnten, vierzehnten und fünfzehnten Louis laicker Aufschneider wären, und eigentlich Caput hießen, was im Französischen Kopf bedeutet; er wollte damit sagen, daß man sic an den Fuß der Leiter stellen sollte, bis sie bereit wären, an dem Stricke des Henkers in die Höhe zu steigen." „Nun, der steht ganz so aus, als sey die Skalplust auch eine von seinen natürlichen Gaben," bemerkte der Pfadfinder mit jenem Ausdruck von llcberraschung, mit welchem mau einen neuen Gedanken aufnimmt, „und ich werde um so weniger Gewissensbisse fühle», wenn ich gegen die Heiden kämpfe, obgleich ich nicht sagen kann, daß ich je in dieser Beziehung etwas Namhaftes empfunden habe." Alle Theile, mit Ausnahme Mabels, schienen, durch den Gang, 407 ivelchcn die Unterhaltung genommen hatte, zufrieden gestellt, und Niemand hielt es für nöthig, den Gegenstand weiter zu verfolgen. Die drei Männer glichen in dieser Hinsicht freilich der großen Masse ihrer Mitgeschöpfe, welche gewöhnlich mit ebenso wenig Sachkennt- niß als Gerechtigkeit über einen Charakter aburtheilen, so daß wir r es nicht für nöthig gehalten haben würden, dieses Gespräch anzuführen, hingen nicht einzelne Thatsachen desselben mit unsrer Erzählung zusammen und trügen nicht die entwickelten Ansichten und Meinungen ganz das Gepräge der Charaktere. Als das Nachtessen zn Ende war, entließ der Sergeant seine Gäste, und hielt dann noch ein langes und vertrauliches Gespräch mit seiner Tvchter. Er war wenig geeignet, zarteren Regungen Raum zu geben: aber die Neuheit seiner gegenwärtigen Lage erweckte Gefühle in seiner Seele, von denen er früher nichts erfahren hatte. Der Soldat oder der Seemann denkt, so lange er unter der unmittelbaren Aufsicht seines Obern handelt, wenig an die Gefahren, denen er sich aussetzen muß; sobald er aber die Berant- ' Wörtlichkeit eines Befehlshabers fühlt, so beginnen alle Zufälligkeiten seines Unternehmens sich mit den Wechselfällen des Erfolgs und des Fehlschlagcns in seinem Geiste zu vergesellschaften. Während er weniger, und vielleicht nur dann, wo dieselbe hauptsächlich in Betrachtung kommt, an seine eigene Gefahr denkt, hat er lebendigere allgemeine Vorstellungen von der Bedeutsamkeit eines Wagnisses, und steht mehr unter dem Einfluß von Gefühlen, welche aus dem Zweifel entspringen. Dieß war nun Sergeant Dnnhams Fall: statt vorwärts zu blicken und die Siege als sicher zu betrachten, fing er an, seinem umsichtigen Charakter zufolge auch die Möglichkeit zn bedenken, daß er vielleicht auf immer von seinem Kinde scheide, v Nie zuvor war ihm Mabel so schön vorgckommen, als in dieser Nacht. Möglich, daß sie früher nie vor ihrem Vater so viel gewinnende Eigenschaften entwickelt hatte; denn Sorge um seinetwillen beengte ihre Brust, und dann trafen ihre Gefühle auf eine 408 ungewöhnliche Ermuthigung von Seite derer, welche in der ernsteren Brust des Veteranen geweckt waren. Sic hatte sich in der Gegenwart ihres Vaters nie recht behaglich gefühlt, da die große Ueber- legenheit ihrer Erziehung eine Kluft zwischen beiden geschaffen hatte, die durch die militärische Strenge seines Benehmens — eins Folge des langen und genauen Umgangs mit Leute», welche nur durch eine unermüdete Handhabung der Disciplin in Unterwürfigkeit erhalten werden konnten — noch erweitert worden war. Bei der gegenwärtigen Gelegenheit jedoch, als Vater und Tochter allein beisammen waren, wurde ihr Gespräch vertraulicher als gewöhnlich, bis endlich das Mädchen zu ihrer großen Wonne bemerkte, daß es allmählig mehr den Ansdruck einer Herzlichkeit annahm, nach welcher sie sich seit ihrer Ankunft stets in stiller Sehnsucht vergeblich verzehrt hatte. „Die Mutter war also ungefähr von meiner Größe?" fragte Mabel, als sie ihres Vaters Hände in den ihrigen hielt, und ihm mit thränenfeuchtem Auge ins Gesicht blickte. „Ich glaubte sic wäre größer gewesen?" „Dgs ist dir Weise der meisten Kinder, welche gewöhnt wurden, an ihre Eltern mit Achtung zu denken, so daß sie zuletzt diese für größer und ehrfnrchtgebietender halten, als sic wirklich sind. Deine Mutter, Mabel, war dir an Größe so ähnlich, als nur ein Frauenzimmer dem andern seyn kann." „Und ihre Augen, Vaicr?" „Ähre Augen waren auch wie die Deinigen, Kind — blau, sanft, einladend, obgleich kaum so lachend." „Die meinen werden nie wieder lachen, theuerster Vater, wenn Ihr bei diesem Ausflug nicht Sorge für Euch tragt." „Ich danke dir, Mabel — hem — ich danke dir, Kind; aber ich muß meiner Pflicht Nachkommen. Ich hätte dich wohl gerne anständig verheirathet sehen mögen, ehe wir Oswego verließen; es würde mir viel leichter ums Herz seyn." 409 ^ -Ä-M „Verheiratbet? — an wen, Bater?" „Du kennst den Mann, den ich von dir geliebt wünsche. Du kannst zwar manche munterere und schöner gekleidete Männer treffen, aber keinen mit einem treueren Herzen und einer edleren Seele." „Keinen, Vater?" „Ich kenne keinen. In dieser Hinsicht wenigstens hat Pfadfinder nicht viele seines Gleichen." „Aber ich brauche überhaupt nicht zu heirathsn. Ihr seyd ein einzelner Mann, und ich kann bei Euch bleiben und für Eure Bedürfnisse sorgen." „Gott segne dich, Mabel! Ich weiß, du würdest das thun, und ich will nicht sagen, daß du Unrecht habest, denn ich glaube nicht, daß dieß der Fall ist. Es ist mir aber doch, als ob etwas anderes noch besser wäre." „Was kann es Besseres geben, als seine Eltern zu ehren?" „Es ist ebenso gut, den Gatten zu ehren, mein liebes Kind." „Aber ich habe keinen Gatten, Vater." „Dann nimm einen, sobald als möglich, damit du einen Gatten zu ehren habest. Ich kann nicht immer leben, und wenn mich die Schicksale des Krieges nicht wegraffen, so macht in Kurzem die Natur ihre Rechte an mich geltend. Du bist jung und kannst noch lange leben; daher bedarfst du eines männlichen Beschützers, der dich sicher durchs Lvbcn geleiten und im Alter für dich Sorge tragen kann, wie du es nun für mich thun willst." „Und glaubt Ihr," sagte Mabel, indem sie die sehnigen Finger ihres Vaters mit ihren kleinen Händen umfaßte und auf sie niederblickte, als wären sie Gegenstände von äußerster Wichtigkeit, obgleich sich ihre Lippen zu einem leichten Lächeln verzogen, als ihnen die Worte entglitten. — „Und glaubt Ihr, Vater, daß der Pfadfinder hiezu geeignet wäre? Ist er nicht in zehn bis zwölf Jahren so alt als Ihr jetzt seyd?" „Was liegt daran? Er hat ein Leben voll Mäßigkeit und 410 Thätigkcit gelebt, und man muß mehr die Leibesbcschaffenheit, als die Jahre in Anschlag bringen, Mädchen. Kennst du einen, der geeigneter wäre, dein Beschützer zu seyn?" Mabel kannte keinen — wenigstens keinen, welcher das Verlangen ausgedrückt hätte, ihr wirklich ein solcher zu werden, was sonst auch immer ihre Hoffnungen und Wünsche seyn mochten. „Nein, Vater, wir sprechen nur von dem Pfadfinder," antwortete sie ausweichend. „Wenn er jünger wäre, so käme es mir natürlicher vor, ihn als meinen Gatten zu denken." „Ich sage dir, Kind, das alles hängt von der Leibesbeschaffenheit ab; Pfadfinder ist jünger, als die Hälfte unserer Subaltcrnoffiziere." „Gewiß ist er jünger als einer — als der Lieutenant Mnir." Mabelö Lachen war heiter und frohsinnig, weil sie in diesem Augenblick keine Sorge fühlte. „Das ist er — jugendlich genug, um sein Enkel zu seyn; und auch jünger an Jahren. Gott verhüte, daß du je eine Offiziersfrau werden solltest, wenigstens nicht eher, als bis du eines Offiziers Tochter bist." „Das wird kaum zu befürchten seyn, wenn ich Pfadfinder heirathe," entgegnete das Mädchen, und blickte dem Sergeanten wieder schelmisch ins Gesicht. „Vielleicht nicht durch des Königs Bestallung, obgleich der Mann jetzt schon der Freund und Gefährte von Generalen ist. Ich denke, ich könnte glücklich sterben, wenn du sein Weib wärest." „Vater!" „Es ist traurig,' in den Kampf zu gehen, wenn das Bcwußt- feyn, eine Tochter schutzlos zurückzulaffen, ans dem Herzen lastet." „Ich wollte die ganze Welt darum geben, Euch von dieser Last zu befreien, lieber Vater." „Du könntest es thun," versetzte der Sergeant, mit einem zärtlichen Blicke auf sein Kind, „obgleich ich dir dadurch keine Last aufbürden möchte." 411 Seine Stimme war tief und bebend, und Mabel hatte nie vorher einen solchen innigen Ausdruck der Liebe an ihrem Vater bemerkt. Der gewohnte Ernst des Mannes lieh seiner Aufregung ein Interesse, dessen sie unter andern Umständen entbehrt haben würden, und das Herz der Tochter sehnte sich, das Gemnth des Vaters zu beruhigen. „Vater, sprecht deutlich!" rief sie fast convnlsivisch. „Nein, Mabel, cs möchte nicht Recht sehn; deine Wünsche konnten mit den meinigen in Widerspruch kommen." „Ich habe keine Wünsche — weiß nicht, was Ihr meint. Wollt Ihr von meiner künftigen Heirath sprechen?" „Wenn ich dich mit dem Pfadfinder verbunden sehen könnte — wenn ich wüßte, daß du gelobt hättest, sein Weib zu werden, so würde ich glauben, daß ich glücklich stürbe, möchte mein Schicksal seyn, welches es wollte. Aber ich will dir keine Verpflichtung auferlegen, Kind, und dich nicht-zu etwas drängen, was dich gereuen könnte. Küsse mich, Mabel, und geh zu Bette." Hätte Sergeant Dunham von Mabeln das Versprechen, nach welchem er wirklich so sehr verlangte, gefordert, so würde er wahrscheinlich auf einen Widerstand getroffen haben, den er schwer zu überwinden vermocht hätte; da er aber der Natur ihren Gang ließ, so gewann er einen mächtigen Verbündeten, und das warmherzige, edle Mädchen war bereit, der kindlichen Zärtlichkeit mehr zuzugestchen, als durch Drohungen von ihr erlangt worden wäre. In diesem ergreifenden Augenblick dachte sie nur an ihren Vater, der im Begriff war, sie vielleicht auf immer zn verlassen, und die ganze glühende Liebe für ihn, welche vielleicht eben so sehr durch die Einbildungskraft, als durch etwas Anderes genährt, aber durch den abgemessenen Verkehr der letzten vierzehn Tage ein wenig zurückgedrängt worden war, kehrte mit einer Kraft wieder, welche durch ihr reines und tiefes Gefühl noch erhöht wurde. Ihr Vater schien ihr Alles in Allem, und ihn glücklich zn machen, war sie bereit, 412 jedes Opfer zu bringen. Ein peinlicher, schneller, fast wilder Gedankenstrahl durchkreuzte das Gehirn des Mädchens und ihr Entschluß wankte; als sie sich aber bemühte, den Anlässen der freundlichen Hoffnung, auf welche er sich gründete, nachzuspürcn, so fand sie nichts, was seine Haltbarkeit unterstützen konnte. Ihre Gedanken kehrten daher, da sie als Weib gewöhnt war, ihre glühendsten Gefühle zu unterdrücken, wieder zu ihrem Vater nnd zu den Segnungen zurück, welche dem Kinde, das den Willen seiner Eltern erfüllt, verheißen sind. „Vater," sagte sie gefaßt und fast mit heiliger Ruhe, „Gott segnet eine gehorsame Tochter." „Ja, das thut er, Mabcl; das Gute Buch ist nns Bürge dafür." „Ich will den Mann hcirathcn, den Ihr mir bestimmt." „Nein, nein, Mabel! du mußt selbst wählen." „Ich habe keine Wahl — das heißt, Niemand hat mich zu einer Wahl aufgefordert, als Pfadsinder und Herr Mnir, und zwischen diesen wird keines von uns beiden im Anstand bleiben. Nein, Vater, ich will den nehmen, welchen Ihr wählt." „Du kennst bereits meine Wahl, liebes Kind; Niemand kann dich so glücklich machen, als der brave, edle Wegweiser." „Gut also; — wenn er es wünscht, wenn er mich wieder fragt — denn Ihr werdet doch nicht wünschen, daß ich mich selbst antrage, oder daß es Jemand in meinem Namen thun soll?" Das Blut stahl sich während des Sprechens wieder über Mabels bleiche Wangen, da die ergreifenden nnd edeln Entschließungen den Strom des Lebens nach dem Herzen gedrängt hatten; — „nein, Niemand darf ihm etwas davon sagen; aber wenn er mich wieder anfsucht, wenn ich ihm dann Alles sage, was ein ehrliches Mädchen dem Manne, der sie hcirathcn will, sagen muß, und er mich dann noch zu seinem Weibe nehmen will, so will ich die Seinige werden." „Segen über dich, Mabel, Gottes reicher Segen über dich; Er 413 möge dich belohnen, wie eine fromme Tochter belohnt zu werden verdient." „Ja, Vater, beruhigt Euch; geht mit leichtem Herzen und vertraut auf Gott. Für mich dürft Ihr keine weitere Sorge mehr haben. Nächsten Frühling — ich muß ein wenig Zeit haben, Vater — nächsten Frühling will ich Pfadfinder heirathen, wenn dieser wackere Jäger mich dann noch begehrt." „Mabel, er liebt dich, wie ich deine Mutter liebte. Ich habe ihn wie ein Kind weinen sehen, wenn er mit mir von seinen Gefühlen gegen dich sprach." „Ja, ich glaube es; ich habe genug gesehen, um überzeugt sehn zu können, daß er besser von mir denkt, als ich verdiene; und gewiß, es lebt kein Mann, gegen den ich eine größere Verehrung hege, als gegen Pfadfinder — Euch selbst nicht ausgenommen, lieber Vater." „So muß es sepn, liebes Kind, und deine Verbindung wird gesegnet sepn. Darf ich es. nicht Pfadfindern mittheilen?" „Es wäre besser, Ihr thätet's nicht, Vater. Er soll von selbst kommen; er soll ganz natürlich kommen, denn der Mann muß das Weib suchen und nicht das Weib den Mann." Das Lächeln, welches Makels Züge überstrahlte, war — wie cs selbst ihrem Vater däuchte — das eines Engels, obgleich ein geübterer Blick unter dieser heitern Hülle etwas Wildes und Unnatürliches hätte entdecken können. „Nein, nein — wir müssen der Sache ihren Lauf lassen, Vater; Ihr habt mein feierliches Versprechen." „Das ist hinreichend, das ist hinreichend, Mabel! — Nun küsse mich. Gott segne und beschütze dich, Mädchen! Du bist eine gute Tochter." Mabel warf sich in ihres Vaters Arme — es war das erstemal in ihrem Leben — und schluchzte an seinem Busen wie ein Kind. Das Herz des ernsten Soldaten schmolz, und Beider Thränen mischten sich. Aber Sergeant Dunham riß sich bald los, 414 als schäme er sich, drängte seine Tochter sanft von sich, bot ihr gnte Nacht nnd suchte sein Lager auf. Mabel ging schluchzend in die ärmliche, für ihre Aufnahme zubereitete Ecke, und in wenigen Minuten wurde die Ruhe der Hütte nur noch durch die schweren Athemzüge des Veteranen unterbrochen. Zwanzigstes Kapitel. Neben dem Stundenstein, alt und grün, Zwischen dem Schutt eine Nos' ich fand, Eine Rose der Wildniß, frisch und schön. Die zeigte, daß hier ein Garten stand. Eampbell. Es war bereits Heller Tag, als Mabel erwachte. Sie hatte ruhig geschlafen, da sie sich mit dem Beifall ihres Gewissens zu Bette gelegt nnd die Ermüdung ihren Schlummer versüßt hatte; auch nicht ein Laut von Seite derjenigen, welche so früh sich in Bewegung setzten, war im Stande gewesen, ihren Schlaf zu unterbrechen. Sie sprang auf, kleidete sich rasch au, und bald athmete das Mädchen den Duft des Morgens in der freien Luft. Das erstemal traten ihr die eigenthümlichen Reize und die tiefe Abgeschiedenheit ihrer gegenwärtigen Lage recht lebhaft vor Augen. Es war einer der herrlichen Herbsttage, welche in diesem, mehr geschmähten, als gehörig gewürdigten Klima so gewöhnlich sind, und der Einfluß derselben war in jeder Beziehung aufregend nnd begeisternd. Dieser Umstand wirkte wohlthätig auf Mabel ein, denn ihr Herz war, wie sie sich einbildete, schwer wegen der Gefahren, denen ihr Vater, welchen sie mit der Liebe eines vertrauensvollen Weibes zu lieben begann, ausgesetzt seyn mochte. Aber die Insel schien gänzlich verlassen. In der vorhergehenden Stacht hatte ihr der Lärm der Ankunft einen Anstrich von Leben gegeben, der nun wieder völlig gewichen war; und unsre 415 Heldin ließ ihren Blick fast über jeden sichtbaren Gegenstand um- herstreifen, ehe sie ein menschliches Wesen zn Gesicht bekam, um das Gefühl gänzlicher Einsamkeit zu verscheuchen. Endlich erblickte sie alle Zurückgebliebenen um ein Feuer gruppirt, was das Bild eines Lagers vervollständigte. Die Gestalt ihres Onkels, an den sie am meisten gewöhnt war, benahm ihr jedoch alle Furcht, und mit einer ihrer Lage natürlichen Neugierde betrachtete sie sich die klebrigen näher. Außer Cast und dem Quartiermeister war noch der Corporal und die drei Soldaten dort, mit dem Weibe, welche das Frühstück bereitete. Die Hütten waren ruhig und leer, und der niedrige thurmartig gebaute Giebel des Blockhauses hob sich mit malerischer Schönheit zum Theil versteckt über das Gebüsch- Die Sonne überstrahlte gerade die freieren Plätze zwischen den Bäumen, und das Gewölbe über ihrem Haupte prangte in dem sanftesten Blau. Kein Wölkchen war sichtbar, und Alles schien ihr auf Frieden und Sicherheit hinzudeuten. Da Mabel bemerkte, daß alle klebrigen mit jener wichtigen Angelegenheit der menschlichen Natur — dem Frühstück — beschäftigt waren, so ging sie unbeachtet gegen ein Ende der Insel, wo Bäume und Gebüsche sie vor Aller Angcn verbargen. Hier gewann sic^ indem sic die niedrigen Zweige auf die Seite drängte, einen Standort an dem Rande des Wassers und lauschte dem kaum bemerk- lichen Zu- und Abfluß der Wcllchen, welche das Ufer wuschen, — einer Art natürlichen Wiederhalls zu der Bewegung, welche fünfzig Meilen weiter oben auf dem See herrschte. Der Anblick dieser natürlichen Secnerie war außerordentlich sanft und gefällig, und unsere Heldin, welche ein schnelles und treues Auge für alle Reize der Natur hatte, war nicht lässig, sich an den erhebendsten Bildern dieser Landschaft zu weiden. Sie betrachtete die verschiedenen Aussichten, welche ihr die Oeffnungen zwischen den Inseln bote», und gab sich dem Gedanken hin, daß sie nie etwas Lieblicheres gesehen habe. Während Mabel so beschäftigt war, wurde sie plötzlich durch- 416 die Vermuthung aufgeschreckt, sie hätte etwas wie eine menschliche Gestalt unter den Gebüschen erblickt, welche das User der vor ihr liegenden Insel säumten. Die Entfernung über das Wasser betrug kaum hundert Ellen, und obgleich sie vielleicht im Jrrthum war, und ihre Fantasie in dem Augenblick, wo ihr die Erscheinung auftauchte, überall umherschweifte, so hielt sie es doch kaum für möglich, daß sie sich getäuscht haben könnte. Sie wußte wohl, daß sie ihr Geschlecht nicht gegen eine Büchsenkugel schützen würde, wenn sie ein Irokese zu Gesicht bekommen sollte, und zog sich daher instinktartig zurück, wobei sie Sorge trug, sich so gut als möglich unter den Blättern zu verbergen, während sie fortwährend ihre Blicke auf das gegenüber liegende Ufer heftete, in der geraume Zeit fruchtlosen Erwartung, dem fremden Gegenstand wieder zu begegnen. Sie war eben im Begriff, das Gebüsch zu verlassen und zu ihrem Onkel zu eilen, um ihm ihren Verdacht mitzuthcilen, als sie auf der andern Insel einen Erlenzweig hinter dem Saume des Gebüsches sich erheben sah, welcher bedeutungsvoll und, wie es ihr vorkam, als Zeichen der Freundschaft gegen sie herüber geschwungen wurde. Dicß war ein athemloser, drückender Augenblick für jemand, der so wenig in den Gränzkriegen erfahren war, als unsere Heldin; und doch fühlte sie die Nothwendigkeit, ihre Fassung zu bewahren, und mit Festigkeit und Umsicht zu handeln. Es gehörte zu den Eigenthümlichkeiten der gefahrvollen Lage, welcher die Amerikanischen Gränzbewohncr blosgestcllt waren, daß sich die moralischen Eigenschaften der Weiber in einem Grade steigerten, dessen diese sich unter andern Umständen selbst nicht für fähig gehalten hätten, nnd Mabel wußte wohl, daß die Grenzleute in ihren Erzählungen gerne bei der Geistesgegenwart, dem Muth nnd der Tapsrkeit verweilen, welche ihre Weiber nnd Schwestern unter den gefährlichsten Umständen entfaltet hatten. Solche Erzählungen feuerten sie zur Nachahmung an, und es kam ihr plötzlich zu Sinne, nun sey der Augenblick gekommen, wo sie sich als Sergeant Dunhamö 417 wahres Kind beweisen könne. Die Bewegung des Zweiges schien ihr ans eine sreundliche Absicht hinzudenten, und nach der Zögerung eines Augenblicks brach sic gleichfalls einen Zweig ab, befestigte ihn an einen Stock, erhob ihn über eine Lücke in dem Gebüsch und crwiederte die Begrüßung, wobei sie genau die Bewegungen des andern nachahmte. Diese stumme Zwiesprache dauerte auf beiden Seiten zwei oder drei Minuten, als Mabel bemerkte, daß das entgegengesetzte Gebüsch vorsichtig bei Seite gedrückt wurde und in der Ocffnung ein menschliches Antlitz zum Vorschein kam. Ein zweiter, genauerer Blick überzeugte sie, daß es das Gesicht von Dew-of-June, dem Weibe Nrrowhcads, war. So lange Mabel in der Gesellschaft dieses Geschöpfes gewandert war, hatte sie dasselbe wegen seines sanften Benehmens, der dcmüthigen Einfalt und der mit Furcht vermischten Liebe gegen seinen Gatten liebgewonncn. Ein oder zweimal war es ihr während des Laufes ihrer Reise vorgckommen, als ob der Tuscarora gegen sie selbst einen unerfreulichen Grad von Aufmerksamkeit an den Tag lege; und bei solchen Gelegenheiten war es ihr ausgefallen, daß sein Weib Schmerz und Bekümmerniß zu erkennen gebe. Da jedoch Mabel ihre Gefährtin für die Kränkung, welche sie ihr in dieser Hinsicht unabsichtlich veranlaßte, durch Güte und Aufmerksamkeit mehr als entschädigte, so bewies ihr die Indianerin so viel Zuneigung, daß unsere Heldin bei ihrer Trennung der festen Ncbcrzeugung lebte, sie hätte in Dew-of-June eine Freundin verloren. Man würde vergeblich den Versuch machen, alle Wege zu erforschen, auf welchen das Vertrauen in das menschliche Herz ein- zicht. Das junge Tuscaroraweib hatte jedoch ein solches Gefühl in Mabels Seele erweckt, und die letztere fühlte sich zu einem genaueren Verkehr geneigt, da sie überzeugt war, daß diese ungewöhnliche Erscheinung ihr Bestes beabsichtige. Sie zögerte nicht länger, aus dem Gebüsch hcranszutrctcn, nnd freute sich, zu sehen, Der Pfadfinder. 3. Ausl. 27 418 daß ihr Vertrauen Nachahmung fand, indem Dew-of-June furchtlos aus ihrem Verstecke herauskam. Die zwei Mädchen — denn obgleich verheirathet, war die Tuscarora doch jünger als Mabcl— tauschten nun offen die Zeichen der Freundschaft aus, und letztere bat ihre Freundin, näher zu kommen, obgleich es ihr selbst nicht deutlich war, wie dieses ausgcführt werden könne. Aber Dew-of-June säumte nicht, zu zeigen, daß es in ihrer Macht stehe; denn nachdem sie auf einen Augenblick verschwunden war, erschien sie wieder an dem Ende eines Rindcnkahns, dessen Buge sie in den Saum des Gebüsches gezogen hatte, und dessen Rumpf in einer Art versteckten Schlupfhafcns lag. Mabel wollte sie eben cinladen, herüber zu kommen, als ihr Name von der Stentorstimme ihres Onkels gerufen wurde. Sie gab dem Tusearoramäochen einen raschen Wink, sich zu verbergen, eilte von dem Gebüsch weg dem freien Platze zu, woher die Stimme gekommen war, und bemerkte, wie die ganze Gesellschaft sich eben zum Frühstück niedergelassen hatte, wobei Cap seinen Appetit kaum so weit zügelte, um sie aufzufordern, am Mahle Thcil zu nehmen. Mabel begriff schnell, daß dieß der günstigste Augenblick zu einer Besprechung sepn müsse, entschuldigte sich, daß sie noch nicht zum Essen vorbereitet sey, eilte nach dem Dickicht zurück und erneuerte bald wieder ihren Verkehr mit dem Judia- nerweibe. Dew-of-June begriff schnell, und nach einem halben Dutzend lautloser Ruderschläge lag ihr Kahn in dem Verstecke des Gebüsches der Station-Insel. Eine Minute später hielt Mabel ihre Hand und führte sie durch de» Schattengang nach ihrer eigenen Hütte. Zum Glück war diese so gelegen, daß sic von dem Feuer aus nicht gesehen werden konnte, und so langten beide Freundinnen unbemerkt in derselben an. Mabcl erklärte ihrem Gast in der Geschwindigkeit so gut sie konnte, daß sie ihn auf eine kurze Zeit verlassen müsse, führte Dew-of-June in ihr eigenes Zimmer mit der festen Ueber- zeugung, daß sie cs nicht verlassen würde, bis man sie dazu aufforderte, begab sich daun zu dem Feuer, und nahm ihren Platz mit aller Fassung, über die sic zu gebieten vermochte, unter den Ucbrigcn ein. „Wer spät kömmt, wird spät bedient, Mabel," sagte ihr Onkel zwischen zwei Mundladnngen voll gebratenen Salms; denn obgleich die Kochkunst an dieser entfernten Gränze sehr ungekünstelt seyn mochte, so waren doch die Speisen im Allgemeinen köstlich. „Wer spät kömmt, wird spat bedient: das ist eine gute Regel und treibt die Schlafhauben an ihr Werk." , „Ich bin keine Schlafhaube, Onkel; denn ich bin schon eine ganze Stunde auf, und habe mich auf unsrer Insel umgefehen." „Sic werden wenig daraus machen können, Mistreß Mabel," versetzte Muir, „denn es ist von Natur nicht viel an ihr. Lundie, oder, wie man ihn in solcher Gesellschaft besser nennen könnte, Major Dunean," — es wurde dicß wegen des Corporals und der gemeinen Soldaten gesagt, obgleich diese ihr Mahl etwas abgesondert einnahmcn — „wie man ihn in solcher Gesellschaft besser nenne» könnte, Major Tnnean hat die Staaten Seiner Majastät mit keinem Reiche vermehrt, als er von dieser Insel Besitz nahm, denn sie gleicht ganz der des berühmten Sancho an Einkünften und Ertrag. Ihr kennt doch ohne Zweifel diesen Sancho, Meister Cap, und werdet oft in Euren Mußestunden, zumal bei einer Windstille, oder in Augenblicken der Nnthätigkeit von ihn gelesen haben?" „Ich kenne den Ort, den Sie meinen, Quarticrmeister; San- cho's Insel — Korallenfels, von neuer Formation und so- schlechter Aufduning bei Nacht und stürmischem Wetter, daß sich jeder Sünder davon klar zu halten wünscht, 's ist ein berufener Platz wegen der Kokosnüsse und des bitter» Wassers, diese Sancho's Insel." „Es soll dort nicht gut Mittag halten seyn," erwiedcrte Mnir, und unterdrückte aus Achtung vor Mabel das Lächeln, das auf seinen Lippen zuckte; „auch glaube ich nicht, daß Einem zwischen ihren Einkünften und denen nnsercrs gegenwärtigen Aufenthalts die 420 Wahl besonders schwer werden dürste. Nach meinem Nrtheil, Meister Cap, ist unsere Sellung sehr unmilitärisch, und ich sehe voraus, daß uns früher oder später eine Kalamität zustoßen wird." „Es wäre zu wünschen, daß es nicht eher geschieht, als bis unser Dienst hier zu Ende ist," bemerkte Mabel. „Ich trage kein Verlangen darnach, Französisch zu kernen." „Wir dürsten uns glücklich schätzen, wenn es nur das, und nicht etwa das Jrokcsische wäre. Ich habe dem Major Dunean Vorstellungen wegen der Besetzung dieses Postens gemacht, aber einen eigensinnigen Mann muß man seinen Weg gehen kaffen. Mein Hauptgrund, warum ich mich dem Zuge anschloß, war die Absicht, mich Eurer schönen Nichte nützlich und angenehm zu machen, Meister Cap; dann wollte ich auch einen Ueberschlag über die Vor- räthe machen, die ja eigentlich in meinen Geschäftskreis gehören, damit keine Einreden über die Art ihrer Verwendung stattsinden können, wenn der Feind Mittel finden sollte, sie wegznnehmen." „Betrachten Sie die Sache so ernst?" fragte Cap, indem er vor lauter Antheil an der Antwort mit dem Kauen eines Wildpret- bissens innehielt; denn er ging wechselweise wie ein moderner Elegant von Fisch zu Fleisch und vom Fleisch wieder zum Fische über. „Ist die Gefahr so drängend?" „Ich will das nicht gerade sagen, möchte aber auch nicht das Gegentheil behaupten. Im Krieg ist immer Gefahr vorhanden, und auf vorgeschobenen Posten mehr, als im Hauptquartier. Es darf daher keinen Augenblick überraschen, wenn wir einen Besuch von den Franzosen bekommen." „Und was, zum Teufel, wäre in einem solchen Fall zu thun? Sechs Mann und zwei Weiber würden sich bei der Vertheidigung eines Platzes, wie dieser, erbärmlich genug ausnehmen, wenn die Franzosen einen Ueberfall machen sollten; denn ohne Zweifel würde» sie so acht französisch — in tüchtigen Massen anrücken." „Darauf kann man sich verlassen — aufs Mindeste mit einer 421 furchtbaren Macht. Ohne Zweifel wäre es zweckmäßig, nach den Regeln der Kriegskunst Anstalten zu Verteidigung der Insel zu treffen, obgleich es uns wahrscheinlich an der nöthigen Mannschaft fehlen wird, diesen Plan auf eine Erfolg versprechende Weise aus- zuführe». Einmal sollte eine Abteilung au dem Ufer aufgestellt werden, um den Feind beim Landen zu beunruhigen; eine starke Besatzung sollte augenblicklich in das Blockhaus gelegt werden, da es die Citadellc ist, nach welcher sich natürlich die verschiedenen Abtheilungen znrückziehen würden, wenn sie bei dem Vorrückcn der Franzosen Unterstützung brauchten; um den festen Platz sollte ein mit Gräben versehenes Lager gelegt werden, da es in der That sehr unmilitärisch wäre, den Feind nahe genug zu dem Fuße der Mauern kommen zu lassen, um sie zu unterminiren. Spanische Reiter sollten die Kavallerie im Schach halten, und was die Artillerie anbclangt, so sollten unter dein Versteck jener Wälder Redouten aufgeworfen werden. Starke Pläuklerabtheilungen würden außerdem zu Verzögerung des feindlichen Marsches außerordentlich gute Dienste leisten, und diese zerstreuten Hütten könnten, gehörig mit Piqueten' versehen und von Gräben umzogen, treffliche Positionen zu diesem Zweck abgeben/' „Hu — hu — hu — uh! Quartiermeister. Und wer zum Teufel soll alle die Mannschaft aufbringen, um einen solchen Plan auszuführen?" „Der König, ohne allen Zweifel, Meister Cap. Es ist seine Sache, und daher billig, daß er auch die Bürde trage." „Und wir sind nur unserer sechs! Das ist mir ein sauberes Geschwätz, zum Henker! Da könnte man Sie ans Ufer hinunter schicken, um den Feind vom Landen abzühalten; Mabel müßte plänkeln, wenigstens mit der Zunge; das Soldatenweib könnte die spanischen Reiter spielen, um die Kavallerie in Verwirrung zu bringen; der Corpora! hätte das verschanzte Lager zu commaudireu; seine drei Mann müßten die Hütten besetzen, und mir bliebe dann das Blockhaus. U — u —ff! Sie zeichnen gut, Lieutenant, und hätten sollen ein Maler statt eines Soldaten werden." „Nnn, ich habe meine Dispositionen in dieser Sache wissenschaftlich und ehrlich gemacht. Daß keine größere Macht da ist, den Plan auszuführen, ist die Schuld von Seiner Majestät Ministern und nicht die meine." „Aber wenn der Feind wirklich erschiene," fragte Mabel mit mehr Anthcil, als sie gezeigt haben würde, wenn sie sich nicht ihres Gastes in der Hütte erinnert hätte, „welchen Weg müßte» wir dann einschlagen?" „Mein Rath, schöne Mabel, wäre ein Versuch zu Ausführung dessen, was Tenophon mit Recht so berühmt machte." „Ich glaube. Sie meinen einen Rückzug, obgleich ich ihre Anspielung halb errathen muß." „Ihrem Hellen, natürlichen Verstand ist meine Meinung nicht entgangen, mein Fräulein. Ich habe bemerkt, daß Ihr würdiger Water dem Corporal gewisse Methoden angegeben hat, mit denen er diese Insel zu halten hofft, im Falle die Franzosen ihre Lage anffinden sollten. Aber obgleich der ausgezeichnete Sergeant Ihr Water und im Dienste so gut, als irgend ein Unteroffizier ist, so ist er doch nicht der große Lord Stair, oder gar der Herzog von Marlborough. Ach will die Verdienste des Sergeanten in seiner Sphäre nicht in Abrede ziehen; aber ich kann seine Eigenschaften, mögen sie auch noch so ausgezeichnet sepn, nicht höher schätzen, als die von Leuten, welche, wenn auch nur in geringem Grade, seine Vorgesetzten sind. Der Sergeant hat sich mit seinem Herzen und nicht mit seinem Kopf berathen, als er solche Befehle erließ; aber wenn das Fort fällt, so wird der Vorwurf auf dem liegen, welcher es zu besetzen befahl, und nicht ans dem, welchem die Vcrtheidigung obliegt. Was aber auch immer der Ausgang der letztem sehn mag, wenn die Franzosen mit ihren Verbündeten landen sollten, so wird doch ein guter General nie die nöthigcn Vorbereitungen für den Fall eines Rückzugs vernachläßigcn» nnd ich möchte Meister Cap» als dem Admiral unsrer Flotte rarsten» ein Boot in Bereitschaft zu halten» um die Insel räumen zu können» wenn die Noth an den Mann geht. Das größte Boot» welches wir noch haben» führt ein weites Segel» nnd wenn man es hier herumholt und unter diesen Büschen vor Anker legt, so werden wir da einen ganz geeigneten Platz zu schleuniger Einschiffung erhalten. Nnd dann werden Sie auch bemerken» schöne Mabel» daß wir kaum fünfzig Ellen zu einem Kanal haben, der zwischen zwei andern Inseln und so versteckt liegt, daß wir recht wohl gegen eine Entdeckung von Seiten derer» welche sich auf diesem Eiland befinden mögen» geschützt find." „Was Sie da sagen, ist Alles ganz richtig, Herr Muir; aber könnten die Franzosen nicht gerade von dieser Gegend Herkommen? Wenn sie so gut für einen Rückzug ist, so ist sie wohl eben so gut für den Angriff." „Sie werden nicht Einsicht genug für einen so klugen Gedanken haben," crwiederte Muir» wobei er verstohlen und ein wenig unbehaglich umhersah; „es wird Ihnen an der gehörigen Klugheit mangeln. Diese Franzosen sind ein übereiltes Volk, und rücken gewöhnlich aufs Gcrathewohl an; wir können also darauf zählen» daß sie, wenn sie überhaupt kommen, auf der andern Seite der Insel landen werden." Die Unterhaltung schweifte nun verschiedentlich ab, wobei jedoch immer die Wahrscheinlichkeit eines Neberfalls und die geeignetsten Mittel» ihm zu begegnen, die Hauptpunkte blieben. Mabel zollte dem Meisten davon nur geringe Aufmerksamkeit, obgleich sie sich einigermaßen überrascht fühlte» daß Lieutenant Muir» ein Offizier» der wegen seines Muthes in gutem Ruf stand» so offen das Aufgeben einer Sache empfahl» deren Verthcidigung ihr eine doppelte Pflicht schien» weil die Ehre ihres Vaters dabei im Spiele war. Ihr Geist war jedoch so sehr mit ihrem Gaste 424 beschäftigt, daß sie bei der ersten günstigen Gelegenheit die Gesellschaft verließ nnd wieder in ihre Hütte eilte. Sie schloß die Thüre sorgfältig, und als sie sah, daß der einfache Vorhang an dem einzigen kleinen Fenster vorgeschoben war, führte sie Dcw-of-Jnne, oder June, wie sie vertraulich von denen, welche englisch mit ihr sprachen, genannt wurde, unter Zeichen der Liebe und des Vertrauens in das äußere Zimmer. „Es freut mich, dich zu sehen, June," sagte Mabel »nt ihrer gewinnenden Stimme und ihrem süßesten Lächeln. „Recht sehr freut es mich, dich zu sehen. Was hat dich hieher gebracht, nnd wie entdecktest du diese Insel?" „Sprich langsam," sagte June, indem sie das Lächeln mit einem gleichen erwiederte, und die kleine Hand ihrer Freundin mit der ihrigen, die kaum größer, aber durch die Arbeit abgehärtet war, drückte: „Mehr langsam — zu schnell." Mabel wiederholte ihre Fragen, wobei sie sich bemühte, den Sturm ihrer Gefühle zu unterdrücken, nnd es gelang ihr, sich so deutlich auszusprechen, daß sie verstanden wurde. „June, Freund," erwiederte das Jndianerweib. „Ich glaube dir, June — von ganzem Herzen glaube ich dir. Aber was hat das mit deinem Besuch zu schaffen?" „Freund kommen, zu sehen Freund," antwortete June mit einem offenen Lächeln gegen Mabel. „Es muß noch ein anderer Grund da sehn, June, sonst würdest du dich nicht in diese Gefahr begeben haben, und noch dazu allein. Du bist doch allein, June?" „June bei dir, niemand anders. June kommen allein, Kahn rudern." „Ich hoffe es, ich glaube es — nein, ich weiß es. Du würdest mich nicht verrathen, June?" „Was verrathen?" 425 „Du konntest mich nicht betrügen, mich nicht den Franzose», den Irokesen oder Arrowhead überliefern?" — June schüttelte ernst ihr Haupt — „du könntest nicht meinen Skalp verkaufen?" Hier legte June ihren Arm zärtlich um Mabels schlanken Leib, »nd drückte sie mit einer Innigkeit und Liebe an ihre Brust, daß unsrer Heldin die Thränen ins Auge traten. Dieß war mit der liebevollen, zarten Weise eines Weibes geschehen, so daß es kaum mehr möglich war, die Aufrichtigkeit eines jungen, offenen Geschöpfs in Zweifel zu ziehen. Mabel erwiederte ihre Umarmung, drückte sie dann mit der Hand etwas zurück, blickte ihr fest ins Gesicht und fuhr mit ihren Fragen fort. „Wenn June ihrer Freundin etwas zu sagen hat, so mag sie freimnthig sprechen. Meine Ohren sind offen." „June fürchten, Arrowhead sie tödten." „Aber Arrowhead wird cs nie erfahren." Mabels Blut stieg ihr gegen die Schläfe, als sie das sagte, denn sie fühlte, daß sie das Weib zu einem Verrath gegen ihren Gatten veranlaßte. „Das heißt, Mabel wird's ihm nicht sagen." „Er begraben Tomahawk in June's Kopf." „Das darf nie geschehen, liebe June; sage lieber nichts mehr, als daß du dich dieser Gefahr aussetztest." „Blockhaus guter Platz zum Schlafen, guter Platz zum Bleiben." „Meinst du, daß ich mein Leben retten könnte, wenn ich mich im Blockhaus aufhiclte, Jnne? Sicherlich, sicherlich— Arrowhead wird dir kein Leid zufügen, wenn du mir das sagst. Er kann nicht wünschen, daß mir einUnglück zustoße, denn ichhabe ihn nie beleidigt." „Arrowhead wünscht nicht kränken das schöne Blaßgesicht," erwiederte June mit abgewandtcm Antlitz; und ihr Ton, obgleich sie immer in der sanften Stimme eines Jndianermädchens sprach, wurde tiefer, so daß er den Ausdruck der Melancholie und der Furcht trug; „Arrowhead lieben Blaßgesichtsmädchen." 426 Mabel erröthete unwillkührlich, und unterdrückte aus natürlichem Zartgefühl einen Augenblick ihre Fragen; aber es war nöthig, mehr zu erfahren, und da ihre Besorgnisse sich immer mehr steigerten, nahm sie ihre Nachforschungen wieder auf. „Arrowhead kann keinen Grund haben, mich zu lieben oder zu Haffen," sagte sic. „Ist er in der Nähe?" „Mann immer nahe bei Weib, — hier," sagte June, indem sic ihre Hand auf ihr Herz legte. „Herrliches Geschöpf! Aber sag' mir, June, soll ich heute — diesen Morgen — jetzt — im Blockhaus scpn?" „Blockhaus sehr gut; gut für Weiber. Blockhaus kriegen nicht Skalp." „Ich fürchte, ich verstehe dich nur zu gut, June. Wünschest du meinen Vater zu sehen?" „Nicht hier —; fortgcgaugen." „Du kannst das nicht wissen, June; du siehst, die Insel ist voll von seinen Soldaten." „Nicht voll, fortgcgaugen." — Hier hielt June vier Finger in die Höhe. — „So viel Rothröcke." „Und Pfadfinder? Möchtest du nicht gerne den Pfadfinder sehen? Er kann mit dir reden in der Zunge der Irokesen." „Zunge mit ihm gegangen," sagte June lachend; „behalten Zunge in sein Mund." Es lag etwas so Süßes und Ansteckendes in dem kindlichen Lachen des JndiauermädchenS, daß sich Mabel nicht entbrechen konnte, darin cinzustimmen, so sehr auch ihre Furcht durch Alles, was vorgcgangcn, erregt war. „Duscheinst zu wissen, oder glaubst Alles zu wissen, was sich bei uns zuträgt, June. Aber wenn Pfadfinder gegangen ist, Eau- douce kann auch französisch sprechen." „Ean-doucc auch gegangen; nur nicht Herz; das hier." Als June dies sagte, lachte sie wieder, blickte nach verschiedenen i 427 Richtungen, als ob sie Mabel nicht in Verwirrung bringen wollte, und legte ihre Hand auf den Busen ihrer Freundin. Unsre Heldin hatte zwar oft vozi dem wunderbaren Scharfsinn der Indianer, und von der überraschenden Weise gehört, mit welcher sie Alles auffaffen, wahrend sie doch auf nichts zu achten scheinen; aber auf diese eigenthümliche Wendung ihres Gesprächs war sie nicht vorbereitet. Sie wünschte auf einen andern Gegenstand zu kommen, und da sie zugleich ängstlich bekümmert war, zu erfahren, wie groß die Gefahr wirklich seyn möchte, welche ihr bevorstand, erhob sie sich von dem Felostnhl, auf dem sie gesessen, und nahm eine Haltung an, die weniger zärtliches Vertrauen ausdrückte, wodurch sie mehr von dem zu erfahren hoffte, was sie zu wissen wünschte, und Anspielungen, welche sie in Verlegenheit setzen könnten, zn vermeiden beabsichtigte. „Du weißt, wie viel oder wie wenig du mir mittheilen darfst, June," sagte sie; „und ich hoffe, du liebst mich genug, um mich von dem zu unterrichten, was mir zu hören nöthig ist. Auch mein lieber Onkel ist auf der Insel, und du bist seine Freundin, oder solltest es seyn, so gut als die meinige; und wir beide werden dein Benehmen nicht vergessen, wenn wir wieder nach Oswego zu- rückgckehrt sind." „Mag seyn, nie kehren zurück; wer wissen?" sie sprach das im Tone des Zweifels, wie Jemand, der eine Vermuthung ausspricht, keineswegs aber mit Hohn, oder in der Absicht, Mabel zu beunruhigen. „Nur Gott weiß, was geschehen wird. Unser Leben ist in Seiner Hand. Doch ich glaube, du bist Sein Werkzeug zu unserer Rettung." Das ging über June's Begriffsvermögen, und ihr Blick drückte ihre Unwissenheit aus; doch war cs augenscheiulich, daß sie nützlich zu werden wünschte. „Blockhaus sehr gut!" wiederholte sic, als sich der Zug der 438 Unsicherheit aus ihrem Gesichte verloren hatte, und legte einen starken Nachdruck auf die zwei letzten Worte. „Gut, ich verstehe das, June, und will hente Nacht in demselben schlafen. Natürlich darf ich aber meinem Onkel mittheilen, was du mir gesagt hast?" Dcw-of-June war bestürzt, und ließ eine große Unbehaglichkeit bei dieser Frage blicken. „Nein, nein, nein!" antwortete sie mit einer Hast und einer Heftigkeit, welche den Franzosen Canada's nachgcahmt waren, „nicht gut, zu sagen Salzwaffer. Er viel reden und lange Zunge. Denkt Wälder lauter Wasser, und nichts wissen. Sagen Arrowhead, und June sterben." „Du thnst meinem lieben Onkel Unrecht, denn es wäre ihm so wenig möglich, dich, als Jemand anders zu verrathen." „Nichts verstehen. Salzwaffer hat Zunge, aber nicht Augen, nicht Ohren, nicht Nase — nichts als Zunge, Zunge, Zunge!" Obgleich Mabel dieser Ansicht nicht ganz beistimmen konnte, so sah sie doch, daß Cap nicht das Vertrauen der Indianerin besaß, und daß es vergeblich sei), zu hoffen, man könne ihn zu der gegenwärtigen Besprechung beiziehen. „Du scheinst zu glauben, daß du unsere Lage ziemlich genau kennest, June," führ Mabel fort; „bist du schon früher auf dieser Insel gewesen?" „Eben gekommen." „Wie kannst du denn wissen, daß das, was du sagst, wahr ist? Mein Vater, der Pfadfinder und Eau-donce, alle können hier in dem Bereich meiner Stimme seyn, wenn ich sie rufen will." „Alle gegangen," sagte June mit Bestimmtheit, zugleich aber mit gutmüthigem Lächeln. „Nein das ist mehr, als du mit Gewißheit sagen kannst, da du die Insel nicht durchsucht hast." „Haben gute Angen; sehen Boot mit Männern Weggehen — sehen Schiff mit Eau-donce." I. 429 „Dann hast du schon einige Zeit auf uns Acht gegeben. Ich denke jedoch, du hast die nicht gezählt, welche znrückbliebcn?" June lachte, hielt ihre vier Finger wieder in die Höhe, und zeigte dann auf ihre zwei Daumen; indem sie mit einem Finger über die ersteren fuhr, wiederholte sie das Wort,Rothröcke'; und während sie die letzteren berührte, setzte sie hinzu ,Salzwaffer? ,Quartiermeister? Alles dieses traf genau zu, und in Mabel stiegen nun ernstliche Zweifel auf, ob es geeignet sep, ihren Besuch ziehen zu lassen, ehe sie weitere Aufklärung erhalten hatte. Es stand aber so sehr im Widerspruch mit ihren Gefühlen, das Vertrauen dieses sanften und liebevollen Geschöpfes zu mißbrauchen, daß Mabel den Gedanken, ihren Onkel herbeiznrnfcn, als ihrer selbst unwürdig und gegen ihre Freundin ungerecht, wieder aufgab. Dieser Entschluß wurde noch dadurch unterstützt, daß man mit Sicherheit darauf zählen konnte, June werde nichts Weiteres enthüllen, sondern ihre Zuflucht zu einem hartnäckigen Schweigen nehmen, wenn man es versuchen würde, sie zu zwingen. „Du glaubst also, June," fuhr Mabel fort, sobald sie mit ihren Betrachtungen zu Ende war, „daß es besser wäre, im Blockhaus zu bleiben?" „Guter Platz für Weib. Blockhaus nicht kriegen Skalp. Balken dick." „Du sprichst so zuversichtlich, als ob du darin gewesen seyst und seine Wände gemessen habest." June lachte, und gab sich das Ansehen einer Wissenden, ohne jedoch etwas Weiteres z» sagen. „Weiß Jemand außer dir diese Insel aufzusinden? Hat sie einer der Irokesen gesehen?" June's Miene wurde düster; sie warf ihre Augen vorsichtig um sich, als ob sie irgend einen Horcher befürchte. „Tuscarora überall —Oswego, hier, Frontenac, Mohawk — überall. Wenn er sieht June, sie tödten." L30 „Aber wir glaubten, daß Niemand etwas von dieser Insel wisse, und daß wir keinen Grund hätte», unsere Feinde zu furchten, so lange wir uns auf derselben befinden." „Viel Auge, Irokesen." „Augen können nicht alles auSrichten, June. — Diese Insel fällt dem Blicke nicht leicht auf, und selbst von unser» Leuten wissen nur wenige sie aufzufinden." „Ein Mann kann reden; einige Uengeesc sprechen Französisch." Mabcln überlicf cs kalt. Der ganze Verdacht gegen Jasper, den sie bisher zu nähren verschmäht hatte, trat ans einmal mit aller Macht vor ihre Seele, und die dadurch erregten Gefühle lasteten so schwer auf ihr, daß sie einer Ohnmacht nahe war. Sie faßte sich jedoch wieder, und eingedenkdes ihrem Vater gegebenen Versprechens erhob sie sich, ging einigemale in der Hütte auf und nieder, und suchte sich zu bereden, das Jaspers Vergehen sie nichts augingen, obgleich sie im inuersteu Herzen wünschte, ihn unschuldig zu wissen. „Ich verstehe, was du sagen willst, June," begann sie wieder; „du willst mir kund thun, daß irgend Jemand verräterischer Weise deinen Leuten gesagt hat, wo und wie die Insel zu finden sey?" June lachte, denn in ihren Augen war Kriegslist mehr ein Verdienst, als ein Verbrechen. Sie war jedoch ihrem Stamme zu treu, um mehr zu sagen, als die Umstände gerade forderten. Ihre Absicht war, Mabel zu retten, aber auch nur Mabel; und sie sah keinen hinreichenden Grund, warum sie mehr thun sollte. „Blaßgcsicht wissen nun," setzte sie bei, „Blockhaus gut für Mädchen. Nichts mir machen aus Männer und Krieger." „Aber ich mache mir viel daraus, June; denn einer von diesen Männern ist mein Onkel, den ich liebe, und die andern sind meine Landsleute und Freunde. Ich muß ihnen sage», was vorgegangen ist." „Daun June getödtet werden," erwiederte die junge Indianerin ruhig, obgleich augenscheinlich etwas bekümmert. 431 „Nein, sie sollen nicht erfahren, daß du hier gewesen bist. Aber sie müssen auf ihrer Hut seyn, und wir können alle in das Blockhaus gehen." „Arrowhcad wissen, sehen jedes Ding, und June werden tödten, June kommen, zu sagen jungem Blaßgesicht Freund, und nicht zu sagen Männer. Jeder Krieger bewachen sein eigen Skalp. June Weib, und sagen Weib; nicht sagen Männer." Mabel wurde durch diese Erklärung ihrer indianischen Freundin in die äußerste Noth versetzt, denn es war nun augenscheinlich, daß die junge Wilde einsah, ihre Mittheilnngen dürften nicht weiter gehen. Es war ihr unbekannt, wie sehr es dieses Volk für einen Ehrenpnnkt hält, ein Geheimniß zu bewahren, und noch weniger war sie im Stande zu bcurthcilen, wie weit eine Unklngkeit von ihrer Seite June blosstellen und das Leben derselben gefährden könne. Alle diese Betrachtungen blitzten durch ihre Seele, und wurden durch reiflichere Erwägung nur noch schmerzlicher. Auch June betrachtete die Sache augenscheinlich ernst, denn sie fing an, die verschiedenen Kleinigkeiten, welche ihr entfallen waren, aufzulesen und sich zum Aufbruch anzuschicken. Der Versuch, sie aufzuhalten, kam Mabel nicht zu Sinne, und von ihr zu scheiden, nachdem sie so viel gewagt hatte, um ihr zu dienen, widerstrebte dem Billigkeitsgefühle und dem liebevollen Charakter unsrer Heldin. „June!" sagt« sie lebhaft, indem sie ihren Arm um das zwar ungebildete, aber edle Wesen schlang, „wir sind Freundinnen. Von mir hast du nichts zu befürchten, denn Niemand soll etwas von deinem Besuche erfahren. Könntest du mir aber nicht ein Zeichen geben, wenn die Gefahr heranrückt, ein Zeichen, aus dem ich erkennen kann, wann ich in das Blockhaus gehen soll und wie ich für mich Sorge tragen kann?" June hielt an, denn sie hatte sich bereits ernstlich zum Fortgehen angeschickt; dann sagte sie ruhig: —. ^ „Bring June Taube." 432 „Eine Taube? Wo werde ich eine Taube finden, die ich dir bringen könnte?" „Nächste Hütte; bring eine alte, June gehen zu Kahn." „Ich glaube, ich verstehe dich, June; wäre es aber nicht besser, ich ginge mit dir nach dem Gebüsche zurück, damit du nicht mit irgend einem von den Männern zusammcntreffcst?" „Gehen ans zuerst; zählen Männer eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs" — hier hielt June ihre Finger in die Höhe und lachte — „alle ans dem Weg — gut. Wenn nur einer, rufen ihn auf Seite. Dann fingen und holen Taube." Mabcl lächelte über die Besonnenheit und den Scharfsinn des Mädchens und schickte sich an, ihren Wünschen zu entsprechen. An der Thüre hielt sie jedoch und blickte bittend auf das indianische Weib zurück. „Darf ich nicht hoffen, daß du mir mehr sagest, June?" fragte sie. „Alles jetzt wissen; Blockhaus gut, Taube sagen, Arrowhead tödten." Die letzten Worte genügten, denn Mabel konnte nicht auf weitere Mitthcilnngen dringen, da ihre Gefährtin selbst sagte, daß die Strafe ihrer Enthüllungen wahrscheinlich der Tod von der Hand ihres Gatten sehn werde. Sie öffnete die Thüre, winkte June ein Lebewohl zu und verließ die Hütte. Mabel griff zu dem einfachen, von der Indianerin angegebenen Mittel, um sich über die Orte, wo sich die verschiedenen Personen befanden, Gewißheit zu verschaffen, und begnügte sich mit dem Zählen derselben, statt sie genauer ins Auge zu fassen, um sic aus dem Gesicht und dem Anzug zn erkennen. Sic fand, daß drei noch bei dem Feuer saßen, während zwei andere, unter ihnen Herr Muir, gegen das Boot hin gegangen waren. Der sechste war ihr Onkel, der sich in der Nähe des Feuers mit Zurichtung von Fischgerälhschaftcn beschäftigte. Die Soldatenfrau ging eben in ihre Hütte, und somit war man mit der ganzen Gesellschaft im Reinen. Mabel gab sich das 433 Ansehen, als ob sie etwas vergessen habe, kehrte in die Nähe der Hütte- znrück, trillerte ein Liedchen, bückte sich, als ob sie etwas von dem Boden aufläse nndeiltenun der von JuneangcgebcncnHüite zu. Diesewar ein verfallenes Gebäude, und von den Soldaten der abgelösten Abthcilnng zu einem Aufbewahrungsort für ihr zahmes Vieh umgewandelt worden. Unter Anderem enthielt es einige Dutzend Tauben, welche sich auf einem Haufen Weizen gütlich thaten, der von einer der geplünderten Ansiedelungen auf dem Kanadaufer mitgebracht worden war. Es wurde Mabel nicht schwer, eine von den Tauben zu Haschen, ob gleich diese mit einem trommelähnlichcn Geräusch um die Hütte flatterten, und als sie dieselbe unter ihren Kleidern verborgen hatte, stahl sie sich mit ihrem Fange wieder nach ihrer Hütte zurück. Ein Blick durch die Thüre überzeugte sie, daß ihr Gast nicht mehr da sch, und nun eilte das Mädchen hastig dem Ufer zu, ohne daß es ihr dabei schwer wurde, der Beobachtung zu entgehen, da die Bäume und Büsche sie vollkommen verbargen. Bei dem Kahne fand sic June, welche die Taube nahm, sie in ein von ihr selbst verfertigtes Körbchen setzte, und mit den Worten: „Blockhaus gut," so geräuschlos, als sie gekommen war, aus dem Gebüsche und über die schmale Wasserstraße glitt. Mabel wartete noch eine Weile ans ein Zeichen des Abschieds oder der Zuneigung von ihrer landenden Freundin, aber vergebens. Die benachbarten Inseln, ohne Ausnahme, waren so still, als ob hier »ie die erhabene Ruhe der Natur gestört worden sey, und nirgends ließ sich ein Zeichen oder eine Spur entdecken, welche Mab-In hätte» Aufschluß über die Nähe der Gefahr ertheilcn könne», von welcher June Nachricht gegeben. Als Mabel vom User znrückkchrte, fiel ihr ein kleiner Umstand auf, der unter gewöhnlichen Verhältnissen kaum ihre Aufmerksamkeit ungezogen hätte, jetzt aber, da ihr Argwohn geweckt war, von ihrem unruhigen Blicke nicht unbeachtet blieb. Ein kleines Stück rothcn BcutcltnchS, wie man sich dessen zur Verfertigung von Schiffsflaggcn bedient, flatterte von dem untern Aste eines kleine» Baumes, Der Pfadfinder. 3. Aufl. 28 434 an welchem es auf eine Weise befestigt war, baß es wie ein Schifföwimpcl sich senken oder vom Winde hinansgeblasen werden konnte. Da Mabels Furcht einmal rege war, so hätte selbst June sich nicht mit größerer Schnelligkeit Thatsachcn klar zu machen vermocht, die, wie zu vermnthen stand, auf die Sicherheit der Gesellschaft Bezug hatten. Ein Blick genügte ihr für die Ucberzeugung, daß dieser Tuchstreifen von der anliegenden Insel aus bemerkt werden konnte, daß er der Linie zwischen ihrer Hütte und dem Kahne so nahe lag, um cs außer Zweifel zu setzen, daß June nahe daran, wenn nicht unter demselben habe vorbcikommen müssen, und daß cs vielleicht ein Signal seh, um denen, welche wahrscheinlich in der Nachbarschaft im Hinterhalt lagen, irgend eine wichtige Thatsache die mit der Art des Angriffs in Verbindung stand, mitzuthcileu. Mabel nahm den Tuchstreifen von dem Baume und eilte fort, kaum wissend, was ihr nun zunächst obliege. June konnte falsch gegen sie gewesen seyn; aber ihr Benehmen, ihre Blicke, ihre Liebe und Anhänglichkeit, die Mabel schon während ihrer Reise kennen gelernt hatte, ließen diesen Gedanken nicht aufkommcn. Dann gedachte sie der Anspielung auf Arrowhead's Bewunderung der Blaßgcsichts- Schönhcit, erinnerte sich, wen» auch dunkel, der Blicke des Tnscarora und es wurde ihr schmerzlich klar, daß wenige Weiber mit Zuneigung auf diejenigen blicken können, welche ihnen die Liebe ihrer Männer entfremdet haben. Zwar waren diese Bilder weder bestimmt noch deutlich, sondern durchflogen eher die Seele unserer Heldin in einem gewissen Helldunkel, als daß sie festen Halt in derselben gewonnen hätten; demnngeachtet aber beschleunigten sie die Pulse und die Schritte des Mädchens, ohne in ihr die raschen nnd klaren Entschlüsse hcrvorzubringen, welche gewöhnlich ihren Erwägungen folgten. Sie eilte geraden Wegs nach der von der Soldatenfrau bewohnten Hütte, in der Absicht, sich schnell mit ihr nach dem Blockhaus zu begeben, da sie niemand anders veranlassen konnte. 435 ihr zu folgen, als ihr ungeduldiger Schritt Plötzlich durch Muirs Stimme unterbrochen wurde. „Wohin so schnell, schöne Mabel," rief er, „und warum so einsam? Der würdige Sergeant wird sich über meine gute Lebensart lustig machen, wenn er hört, daß seine Tochter die Morgenstunden allein und ohne Begleitung znbringen muß, während er doch weiß, wie glühend mein Wunsch ist, ihr Gesellschafter und Sclaoe zu sehn, vom Anfänge des Jahres an bis zu dessen Ende." „Sicherlich, Herr Muir, müssen Sie hier einiges Ansehen haben?" sagte Mabel, indem sie plötzlich ihre Schritte anhielt. „Auf einen Mann von Ihrem Rang muß wenigstens ein Corpora! hören?" „Ich weiß das nicht, ich weiß das nicht," unterbrach sie Muir, mit einer Ungeduld und einem Ausdruck von Beunruhigung, die in einem andern Augenblick Mabels Aufmerksamkeit erregt haben würden. „Commando ist Commando, Disciplin ist Disciplin, und Ansehen ist Ansehen. Ihr guter Vater würde es höchst empfindlich aufnehmen, wenn ich ihm ins Gehege ginge nnd die Lorbeer», die er zu gewinnen im Begriff ist, besudeln oder für mich davon tragen wollte. Ich kann dem Corporal nicht befehlen, ohne zugleich auch dem Sergeanten zn befehlen. Es wird daher für mich das klügste sehn, bei dieser Unternehmung in der Dunkelheit des Privatmannes zu bleiben, nnd so verstehen auch Alle von Lundie abwärts die Ver- haltungsbefchle." „Ich weiß das, und es mag wohl gut seyn; denn ich möchte meinem lieben Vater keinen Anlaß zur Unzufriedenheit geben. Aber Ihr Ansehen könnte zu des Corporals eigenem Beste» dienen." „Ich will das nicht sagen," erwiederte Muir in seiner schlauen schottischen Weise; „es würde viel eher angehen, einen Einfluß zu seinem Schaden ans ihn gellend zu machen. Der Mensch hat seine Besonderheiten, schöne Mabel, und aus ein Mitgcschöpf zu seinem Besten einwirken zu wollen, ist eine der schwierigsten Aufgaben der 436 menschlichen Natur, während das Gegeiltheil gerade die allerleichteste ist. Sie werden das nicht vergessen, meine Theure, sondern es sich zu ihrer Erbauung und Belehrung ein wenig zu Gcmüth fuhren; aber was ist das, was Sie da um Ihren schlanken Finger wickeln, als ob cs einer Ihrer brünstigen Verehrer wäre?" „ES ist nichts, als ein Stückchen Tuch — eine Art Flagge — eine Kleinigkeit, die kaum Ihrer Aufmerksamkeit würdig ist in einem so ernsten Augenblick. — Wenn —" „Eine Kleinigkeit? Es ist nicht so geringfügig, als Sic sich Vorst.llcn mögen, Mistreß Mabel!" Er nahm ihr das Stückchen Tuch ab und dehnte es mit beiden Armen der Länge nach ans, während" sein Gesicht ernst und sein Auge wachsam wurde. „Sic werden das doch nicht in dem Frühstück gefunden haben, Mabel Dnnham?" Mabel thcilte ihm einfach mit, wo und wie sie diesen Streifen gefunden habe. Während sic sprach, war das Auge des Quartier- meistcrs keinen Augenblick ruhig, und flog von dein Flaggcnlnch zu Mabcls Gesicht und von da wieder zu dem Flaggentnch zurück. Es war leicht zu bemerken, daß sein Verdacht erregt war, und er ließ Mabel nicht lange im Ungewissen über die Richtung desselben. „Wir sind nicht in einem Theile der Welt, wo unsre Flaggen draußen in dem Winde flattern dürfen, Mabel Dnnham!" sagte er mit einem bedeutungsvollen Kopsschütteln. „Das dachte ich auch, Herr Muir, und nahm deshalb das kleine Wimpel weg, damit es nicht ein Mittel werde, dem Feinde unsre Anwesenheit zu verrathen, selbst wenn durch das Entfalten desselben gar nichts beabsichtigt wurde. Sollte man nicht meinen Onkel von diesem Umstand in Kenntniß setzen?" „Ich sehe hiefür keine Nothwcndigkeit, schöne Mabel; denn Sic bezeichnen es ganz richtig als einen Umstand, und Umstände sitzen bisweilen dem würdigen Seemann schwer auf. Aber diese Flagge, wenn man es eine solche nennen kann, gehört zu dem Fahrzeug eines Schiffers. Sie werden bemerken, daß sie ans sogenanntem Bcntcltnch gemacht ist, welches blos zn derartigen Zwecken benützt wird; denn Sie wissen selbst, daß unsere Fahnen aus Seide oder farbiger Leinwand verfertigt sind. Sie hat auf eine überraschende Weise die Länge des Scnd-WimpclS; — nnd ich erinnere mich nun, daß ein Stück von eben jener Flagge abge- schnittcn war." Mabel fühlte ihr Herz erstarren, aber sie hatte genug Selbstbeherrschung, um keine Erwiederung zn versuchen. „Man darf die Sache nicht so hingehen lassen," fuhr Muir fort: „und cs wird im Grunde doch gut sehn, eine kurze Rücksprache mit Meister Cap zu halten; denn ein loyalerer llnterthan lebt nicht im britischen Reiche." „Ich habe mir diesen Wink so ernst betrachtet," versetzte Mabel, „daß ich im Begriffe bin, mich in das Blockhaus zn begeben und die Soldatenfrau mit mir zu nehmen." „Ich sehe nicht ein, zu was das gut seyu wird, Mabel. Das Blockhaus wird zuerst angegriffen werden, wenn wirklich ein Uebcr- fall im Werke ist. Wenn ich Ihnen in einer so zarten Angelegenheit rathen dürste, so möchte ich Ihnen empfehlen, Ihre Zuflucht zn dem Boote zu nehmen, welches, wie Sie bemerken können, am günstigsten liegt, um sich in jenen entgegengesetzten Canal zu flüchten, wo Alles, was darin ist, in einer oder zwei Minuten zwischen den Inseln verborgen wäre. Wasser hinterläßt keine Fährte, wie Pfadfinder sagt, und es scheint, es sehen so viele verschiedene Durchgänge in dieser Gegend, daß ein Entkommen mehr als wahrscheinlich wäre. Ich bin immer der Ansicht gewesen, Lundie habe zu viel gewagt, als er einen so weit vorgeschobenen und so sehr gefährdeten Posten, wie dieser ist, besetzen ließ." „Es ist nun zu spät, es zu bereuen, Herr Muir, und wir haben jetzt nur für unsre Sicherheit zn sorgen." „Nnd für die Ehre des Königs, schöne Mabel. Ja, Seiner 438 Majestät Waffe» und sei» ruhmvoller Name dürfen bei keiner Gelegenheit außer Acht gelassen werden." „Dann, meine ich, dürste es doch am geeignetsten sehn, wenn wir unsere Augen nach dem Ort, der zu ihrer Aufrcchthaltnng gebaut worden ist, richteten, als nach dem Boot," sagte Mabcl lächelnd; „und so bin ich, Herr Muir, für das Blockhaus, wo ich > die Rückkehr meines Vaters und seiner Leute abwartcn mochte. Es müßte ihn wohl sehr betrüben, wenn er siegreich und roll Zuversicht, daß wir unfern Pflichten so treu nachgekommeu seyen, als er der scinigen, zurückkäme, und fände, daß wir geflohen sind." „Nein, nein, ums Himmels willen, mißverstehen Sie mich nicht, Mabel," unterbrach sie Muir etwas beunruhigt; „ich bin weit entfernt, jemand anders als den Frauen den Nath zu geben, zum Boote die Zuflucht zu nehmen. Die Obliegenheit der Männer ist, ohne allen Zweifel, klar genug, und mein Entschluß war von Anfang an, mit dem Blockhaus zu stehen oder zu fallen." „lind glaubten Sie, Herr Muir, daß zwei Weiber dieses schwere Boot aus eine Weise zu führen wüßten, um dem Rindcnkahn eines Indianers zu entkommen?" „Ach, meine schöne Mabel, die Liebe versteht sich selten auf die Logik, und die Besorgnisse derselben sind wohl geeignet, den Verstand ein wenig in Verwirrung zu bringen. Ich sah nur Ihre süße Gestalt in dem Besitz des Rettnngsmittcls, und dachte nicht, daß es Ihnen an der Fähigkeit gebricht, sich desselben zu bedienen. Aber Sie werden nicht so grausam seyn, holdes Wesen, mir die lebhafte Besorgnis um Sie als Fehler auzurechneu?" Makel hatte genug gehört. Ihr Geist war zu sehr mit den Ereignissen dieses Morgens und mit ihren Befürchtungen beschäftigt, als daß sie länger bei einem Licbcsgcspräch zu verweilen gewünscht hätte, welches ihr auch in den sorgenfreiesten und heitersten Augenblicken zuwider gewesen wäre. Sic nahm daher hastig Abschied von ihrem Gefährten und beabsichtigte, sich in die Hütte der 439 Soldatenfrau zu begeben, als sic Muir auhiclt, indem er mit seiner Hand ihren Arm faßte. „Ein Wort noch, Mabel," sagte er, „ehe Sie mich verlassen. Diese kleine Flagge hat entweder eine besondere Bedeutung, oder nicht. Hat sie eine, so dürfte es, da wir sehen, daß sie bereits auSgestcckt worden ist, wohl besser sehn, sic wieder an ihren Ort zu hängen, während wir sorgsam darauf achten, ob nicht eine Antwort erfolgt, die uns der Verschwörung ans den Sprung kommen hälfe; und hat sie nichts zu bedeuten -— ei, so wird auch nichts darauf folgen." „Sie mögen wühl Recht haben, Herr Muir, obgleich, wenn das Ganze blos zufällig ist, die Flagge Anlaß zu Entdeckung des Postens geben könnte." Mabel stand ihm nicht weiter Rede, und war ihm bald aus den Augen, indem sic der Hütte zueilte, nach welcher sic vorhin schon getrachtet hatte. Der O-nartiermeister blieb ungefähr eine Minute auf demselben Platze und in derselben Stellung, in welcher ihn das Mädchen verlassen hatte, unv blickte zuerst aus die forthüpfende Gestalt, dann aber auf das Stückchen Tuch, welches er in der Hand hielt, indeß sich Nuschlüssigkeit in seinen Zügen ausdrückte. Sein Schwanken dauerte jedoch nicht länger, als diese Minute! denn er befand sich bald unter dem Baume, wo er die Flagge wieder an einen Ast befestigte, obgleich er ste, da er die Stelle, von welcher Mabel sie genommen, nicht kannte, von einem Eichenzweige herabflattern ließ, welcher mehr den Blicken solcher, die auf dem Strome sich befanden ausgesetzt war, während sie von der Insel aus weniger gesehen werden konnte. 440 Einundzwanzigstes Kapitel. Vorbei ist Speisen nun und Trank; Der Käs kommt wieder in den Schrank; Die Näpf' und Pfannen — alle rein — Schließt jetzt die Speisekammer ein. Eotto». Als Mabel ihre Gefährtin aufslichte, dänchte cs ihr sonderbar, daß die andern so gefaßt waren, während sie selbst sich so bedrückt fühlte, als ob eine Verantwortlichkeit für Leben und Tod auf ihren Schultern lastete. Es mischte sich allerdings auch Mißtrauen gegen June in ihre Ahnungen; aber wenn sic der zärtlichen und natürlichen Weise des Jndianermädchens, wie auch aller Beweise non Treue und Aufrichtigkeit gedachte, welche sie in ihrem Benehmen während des traulichen Verkehrs auf ihrer gemeinschaftlichen Reise an den Tag gelegt hatte, so verwarf sie diesen Gedanken mit dem Unwillen einer cdeln Seele, welche nicht gerne Nebels von Andern glaubt. Sie sah jedoch, daß sie ihre Gefährten nicht zu größerer Wachsamkeit auffordern konnte, ohne sie in das Geheimniß ihres Gesprächs mit June einznweihcn: ferner, daß sic selbst genöthigt sep, zumal unter so bedeutungsvollen Verhältnissen, mit einer Umsicht und Bedachtsamkeit zu handeln, an welche sie nicht gewöhnt war. Die Soldatenfrau erhielt die Weisung, das Nüthige in das Blockhaus zu bringen, und sich den Tag über nicht zu weit von demselben zu entfernen. Mabel erklärte ihr den Grund nicht, sonder» sagte blos, daß sie auf ihrem Spaziergang durch die Insel einige Zeichen bemerkt habe, welche in ihr die Befürchtung erregt hätten, der Feind wisse mehr von der Lage der Insel, als mau bisher geglaubt, und daß sie beide wenigstens wohl daran thun würden, sich bei dem leichtesten Anlaß zu einem Rückzug in das Blockhaus bereit zu halten. Es war nicht schwer, die Besorgnisse 441 dieser Person zu Wecken, die, obgleich eine mnthige Schottländcrin doch keinen Anstand nahm, auf alles zu hören, was ihre Furcht vor den Grausamkeiten der Indianer befestigen konnte. Sobald Mabcl sie genug erschreckt zu haben glaubte, um sie vorsichtig zu machen, ließ sie einige Winke über das Unpassende fallen, die Soldaten den Umfang ihrer eigenen Befürchtungen wissen zu lassen. Sie that dieß in der Absicht, Erörterungen und Fragen, welche sie in Verlegenheit bringen könnten, abzuschneiden, indem sic sich vornahm, die Vorsicht ihres Onkels, des Corporals und seiner Leute durch andere Mittel zu steigern. Unglücklicher Weise hätte man in der ganzen britischen Armee keinen unpassender» Mann für den Dienst, den es hier zu erfüllen galt, finden können, als den Corpora! M'Nab, welchem das Com- mando in Sergeant Dunhams Abwesenheit übertragen war. Er war zwar entschlossen, rasch mit den Einzelnheiten des militärischen Dienstes vertrant und an den Krieg gewöhnt, aber zugleich auch anmaßend gegen die in den Provinzen Geborncn, starrsinnig in Allem, was mit den engen Gränzen seines Berufs in Verbindung stand, und sehr geneigt, sich das britische Reich als den Mittelpunkt alles Ausgezeichneten auf der Welt zu denken, wobei ihm Schottland als der Herd wenigstens aller moralischen Vorzüge dieses Reiches erschien. Kurz, er war, freilich nur in dem Maßstab seines Ranges, ein Inbegriff jener Eigenschaften, welche den nach den Colonien gesendeten Dienern der Krone so cigcnthümlich waren, daß sie sich dadurch leicht von den Eingebornen dieser Gegend unterscheiden' ließen; — oder mit andern Worten, er betrachtete die Amerikaner als Geschöpfe, welche weit unter dem elterlichen Stamme stehen, und fand in allen ihren Ansichten, zumal wenn sie vom militärischen Dienst handelten, nichts als Unverdautes und Abgeschmacktes. Braddock selbst konnte nicht abgeneigter sehn, von einem Provinzialen einen Rath anzunchmen, als sein unbedeutender Nachahmer; und es war bekannt, daß er bei mehr als einer Gelegenheit gegen die Weisungen und Befehle zweier oder dreier Offiziere des Corps, welche zufällig in den Colonicn geboren waren, blos aus diesem einfachen Grnndc Bedenklichkeiten erhoben hatte, wobei er jedoch mit acht schottischer Schlauheit sich gegen die Strafen eines wirklichen Ungehorsams sicher zu stellen wußte. Mabcl hätte daher zu Ausführung ihrer Absicht ans keinen Untauglicheren treffen können, und doch fühlte sie, daß sie keine Zeit verlieren dürfe, ihren Plan zur Verwirklichung zu bringen. „Mein Vater hat Euch eine große Verantwortlichkeit aufgelegt, Corporal," sagte sic, sobald sie M'Nab ein wenig von den Soldaten weggckriegt hatte; „denn wenn diese Insel in die Hände des Feindes fällt, so werden nicht nur wir gefangen, sondern wahrscheinlich geräth dann auch die übrige Mannschaft, welche mit meinem Vater ausgezogen ist, in Feindes Gewalt." „Es bedarf keiner Reise von Schottland bis hieher, um zu wissen, was man von diesen Dingen zu halten hat;" entgegnete M'Nab trocken. " „Ich zweifle nicht, daß Ihr das so gut wißt, als ich, Herr M'Nab; aber ich fürchte, ihr alten Soldaten möchtet, da ihr an Gefahren und Kampfgetümmel gewohnt seyd, die Vorsicht ein wenig außer Acht lassen, welche in einer so eigcnthümlichen Lage, als die unsrige ist, nöthig sehn dürfte." „Man sagt, Schottland seh kein erobertes Land, Mädchen, aber ich denke, es muß sich doch ein bischen anders verhalten, da wir, seine Kinder, solche Schlafmützen sind, um uns aufhcben zu lassen, wo wir es am wenigsten erwarten." „Nein, nein, guter Freund, Ihr mißkennt meine Absicht. Einmal denke ich überhaupt gar nicht an Schottland, sondern an diese Insel; und dann fällt es mir nicht ein, Eure Wachsamkeit zu bezweifeln, wenn Ihr die Beobachtung derselben einmal für nöthig erachtet. Aber ich fürchte sehr, es sey Gefahr vorhanden, gegen die Euch Euer Muth gleichgültig macht." 443 „Mein Muth, Mistreß Dunhani, ist ohne Zweifel von recht armseliger Beschaffenheit, da er nur ein schottischer Muth ist; der Eures Vaters ist der Muth eines Uankce, und wenn er unter uns wäre, so würden wir sicherlich andere Vorbereitungen zu sehen kriegein Ja, wohl werden die Zeiten immer schlimmer, wenn dir Fremden Offiziersstellen erhalten und Hellebarden führen dürfen in einem schottischen Corps, 's ist daher auch kein Wunder, daß Schlachten verloren werden, und in den Feldzügen alles drunter und drüber geht." Mabel war fast in Verzweiflung; aber die ruhige Warnung Junes haftete noch zu lebhaft in ihrer Seele, um ihr zu gestatten, die Sache aufzugcbcn. Sie änderte daher ihre Operationswcisc, da sie noch immer die Hoffnung fcsthielt, die ganze Mannschaft zur Besetzung des Blockhauses zu vermögen, ohne genöthigt zu seyn, die Quelle zu verrathen, aus der sie die Thatsachcn, welche Wachsamkeit nöthig machten, geschöpft hatte. „Ihr habt sicherlich Recht, Corpora! M'Nab," bemerkte sie, „denn ich habe oft von den Helden Eures Vaterlandes erzählen hören, welche die ersten in der ganzen civilisirtcn Welt waren, wenn das, was man mir sagte, wahr ist." „Habt Ihr die Geschichte von Schottland gelesen, Mistreß Dunham?" fragte der Corporal, und blickte das erstemal mit einem Zuge in seinem harten, abstoßenden Gesichte, der wie Lächeln aussäh, ans seine schöne Gefährtin. „Ich habe einiges davon gelesen, Corporal, aber noch viel mehr gehört. Die Dame, welche mich erzog, hatte schottisches Blut in ihren Adern, und that sich viel darauf zu Gute." „Ich stehe dafür, den Sergeant kümmerts wenig, bei dem Ruhm des Landes zu verweilen, in welchem sein Regiment ausgehoben wurde?" „Mein Vater hat an andere Dinge zu denken, und das Wenige, was ich weiß, erfuhr ich von der erwähnten Dame." >r^"' 444 „Sic wird doch nicht vergessen haben, Ench von Wallace zu erzählen?" „Von ihm habe ich ziemlich viel gelesen." „Und von Bruce, und dem Treffen von Bannockbnrn?" „Von diesem auch, und von dem bei Cnllodcn-muir." Die letztere dieser Schlachten war damals noch ein neues Ercigniß und fiel in das Bereich der eigenen Erlebnisse unserer Heldin, deren Erinnerungen darüber aber so verwirrt waren, daß sie kann, den Erfolg voranssehen konnte, welchen diese Anspielung bei ihrem Gefährten hcrvorbringen mochte. Sic wußte zwar, daß dort ein Sieg erfochten wurde, und hatte oft die Gäste ihrer Beschützerin mit Triumph desselben erwähnen Horen; sie glaubte deß- halb, daß diese Gefühle in denen eines jeden britischen Soldaten eine gleichgestimmte Saite treffen müßten. Unglücklicher Weise hatte aber der Corporal jenen ganzen unseligen Tag ans der Seite des Prätendenten gcfochten, und ,als Spur eines deutschen Soldaten- Säbels im Dienste des Hauses Hannover eine tiefe Narbe ans seinem Gesicht znrückbehalten. Bei Mabels Anspielung vermeinte er, seine Wunde fange auf's Neue zu bluten an; und es ist gewiß, daß ihm das Blut in Strömen nach dem Gesichte schoß, als wolle es die alte Narbe durchbrechen. „Ha! — hinweg!" rief er heftig, „hinweg mit Euren Cullo- dcn und Sherif-Muirs, junges Weib; Ihr versteht nichts von dieser ganzen Sache und werdet Euch nicht nur als klug, sondern auch als bescheiden erweisen, wenn Ihr von Eurem eigenen Lande und seinen vielen Fehlern sprecht. Ich zweifle nicht daran, daß König Georg einige loyale Nnterthanen in den Colonien hat, aber es wird lange anstehen, bis er etwas Gutes von ihnen steht oder hört." Mabcl war über die Heftigkeit des Corporals nicht wenig überrascht, da sie sich keine Idee davon machen konnte, wo ihn der Schuh drücke; aber sie war entschlossen, die Sache nicht anfzugeben. „Ich habe immer gehört, daß die Schotten zwei von den 445 guten Eigenschaften eines Soldaten hätten," sagte sie, „nämlich Muth und Umsicht, und ich bin überzeugt, daß Corpora! M'Nab diesen Natioualruhm ausrecht erhalten wird." „Fragt Euren Vater, Mistreß Dunham. Er kennt den Corpora! M'Nab und wird nicht anstchen, Euch dessen Verdienste auseinander zu setzen. Wir sind mit einander im Feuer gestanden, und er ist mein Vorgesetzter, hat also eine Art amtliches Recht, seinen Untergeordneten Zeugnisse zu ertheilen." „Mein Vater denkt gut von Euch, M'Nab, sonst würde er Euch nicht diese Insel sammt Allem, was darauf ist, seine Tochter mit eingeschlosscn, übergeben haben. Auch weiß ich wohl, daß er unter Anderm viel aus Eure Klugheit baut. Er erwartet, daß man besonders auf das Blockhaus recht aufmerksam sey." „Wenn er die Ehre des Fünfundfünfzigsten hinter Hvlzstämmcn zu vcrtheidigen wünscht, so hätte er das Commando selbst behalten sollen; denn, offen gesprochen, cs liegt nicht in des Schottländcrs Blut und Ansichten, sich aus dem Felde schlagen zu lassen, noch ehe er angegriffen wird. Wir haben gute Säbel und lieben es, mit dem Feinde Zehe an Zehe zu stehen. Diese amerikanische Art zu fechten, welche so sehr in Aufnahme kömmt, wird den Ruhm von Seiner Majestät Armee vernichten, wenn sie auch nicht ihren Muth vernichtet." „Kein rechter Soldat verschmäht die Vorsicht. Selbst der Major Duneau, dem es an Tapferkeit Keiner zuvorthut, ist berühmt wegen seiner Sorgfalt für seine Leute." „Lundie hat seine Schwächen und vergißt den Säbel und die offenen Haiden in diesen Baum- und Büchsengefcchten. Aber, Mistreß Dunham, glaubt einem alten Soldaten, der bereits seine Fünsundfünfzig auf dem Rücken hat, wenn er Euch sagt, daß cs keinen sichcrcrn Weg gibt, den Feind zu ermuthigen, als wenn man ihn zu fürchten scheint, und daß es in diesem indianischen Kriegslebcn keine Gefahr gibt, welche nicht die Einbildungen Eurer 4-16 Amerikaner vermehrt oder erweitert hätten, bis sie zuletzt in jedem Busche einen Wilden sahen. Wir Schotten kommen aus einer nackten Gegend, brauchen diese Verstecke nicht und können auch keinen Geschmack daran finden; nnd so werdet Ihr sehen, Mistreß Dnnham —" Der Corpora! machte einen Lustsprung, fiel vorwärts auf sein Gesicht nnd drehte sich dann auf den Rücken. All dieses geschah so plötzlich, daß Mabel kaum den scharfen Knall der Büchse, welche eine Kugel durch seinen Körper geschickt, gehört hatte. Kein Schreckensruf ertönte von den Lippen unsrer Heldin; sie zitterte nicht einmal, denn das Ereigniß war zu rasch, zu entsetzlich und zu unerwartet, als daß sie eine solche Schwäche zeigen konnte. Sie trat im Gegentheil hastig vorwärts, um dem Gefallenen beiznspringen. Es war noch so viel Leben in ihm, um aller Vorgänge bewußt zu scpn. Sein Gesicht zeigte den wilden Blick eines Mannes, der durch den Tod plötzlich überrascht wird, und Mabel bildete sich in ruhigeren Augenblicken ein, es hätte den Ausdruck der späten Reue eines eigensinnigen und hartnäckigen Sünders getragen. „Ihr müßt so schnell als möglich das Blockhaus zu erreichen suchen," flüsterte M'Nab, als Mabel sich über ihn beugte, um die letzten Worte des Sterbenden anfzufangcn. Jetzt überfiel unsre Heldin das volle Bewußtsein ihrer Lage und der Nothwcndigkeit des Handelns. Sie warf einen schnellen Blick auf den Körper zu ihren Füßen, und als sie sah, daß der Athem entschwunden war, ergriff sie die Flucht. In wenigen Minuten gelangte sie zu dem Blockhause, nnd wie sie durch die Thüre eintreten wollte, wurde ihr dieselbe durch Jennie, die Soldatenfrau, welche im blinden Schrecken nur an ihre eigene Sicherheit dachte, mit Gewalt vor dem Gesichte zngeschlagen. Während Mabel sie einznlaffcn bat, vernahm man den Knall von fünf oder sechs Büchsen, und der dadurch veranlaßtc neue Schrecken verhinderte das innen befindliche Weib, die Querhölzer schnell wegzunchmen, welche 447 sic so geschickt vorgelegt hatte. Nach der Zögerung einer Minute jedoch fand Mabel, daß die widerstrebende Thür ihrem anhaltenden Drucke nachgab, worauf sie ihren schlanken Körper durch die Oeff- nung zwängte, sobald sie weit genug war, um den Durchgang zu gestatten. Mittlerweile hatte das stürmische Klopfen ihres Herzen nachgelassen und Mabel gewann nun wieder die nöthige Selbstbeherrschung, um besonnen zu handeln. Anstatt den fast krampfhaften Anstrengungen ihrer Gefährtin, die Thüre wieder zu schließen, nachzugebcn, hielt sie dieselbe so lange offen, um sich zn überzeugen, daß Niemand von ihrer Partei zu sehen sey, der gegenwärtig zu dem Blockhause seine Zusiucht zu nehmen beabsichtigte, und gestattete erst dann das Verriegeln der Pforte. Ihre Anordnungen und Handlungen wurden jetzt ruhiger und besonnener. Sie legte nur einen einzigen Querbalken vor und gab Jcnnie die Weisung, auch diesen wegzunchmcn, wenn es die Sicherheit eines Freundes fordere. Dann stieg sie die Leiter hinauf in den oberen Raum, von wo ans sie durch eine Schießscharte die Insel so weit überblicken konnte, als cs das umgebende Gebüsch gestattete. Sie ermahnte ihre Gefährtin unten, fest und besonnen zu seyn, und untersuchte nun die Umgebungen, so gut es ihre Lage zulicß. Zu ihrer großen Ueberraschung konnte Mabel auf der ganzen Insel keine lebende Seele, weder Freund noch Feind, entdecken. Weder ein Franzose, noch ein Indianer war sichtbar, obgleich eine kleine, wirbelnde, weiße Wolke, welche vor dem Winde Hertrieb, ihr sagte, in welcher Gegend sie sic zu suchen habe. Die Schüsse waren aus der Richtung der Insel hergekvmmen, wo June zuerst erschienen war, obgleich Mabel nicht ermitteln konnte, ob der Feind noch auf jener Insel sey oder bereits auf der ihrigen gelandet habe. Sie ging nun zu der Schießscharte, welche die Richtung, in welcher M'Nab lag, beherrschte; aber ihr Blut erstarrte, als sie die drei Soldaten, augenscheinlich entseelt, an seiner Seite liegen sah. Sie hatten sich bei dem ersten Lärm auf einen Punkt zusammengezogeu 448 und waren fast gleichzeitig von dem unsichtbaren Feinde, weichender Corpora! mit so viel Verachtung betrachtete, uicdergeschosseu worden. Weder Cap, noch der Lieutenant Mnir waren zu sehe». Mit klopfendem Herzen untersuchte Mabcl jede Oesfnung zwischen den Bäumen und bestieg sogar den obersten Stock oder das Dach des Blockhauses, wo sich ihr, so weit es die Verstecke erlaubten, eine freie Aussicht über die ganze Insel darbst: aber mit keinem bester» Erfolg. Sie hatte erwartet, den Körper ihres Onkels wie die der Soldaten im Grase liegen zu sehen, aber es zeigte sich nichts. Als sie ihre Augen nach der Gegend richtete, wo das Boot lag, fand sie es noch am Ufer befestigt, woraus sie denn folgerte, daß Mnir durch irgend einen Zufall verhindert worden, seinen Rückzug dorthin zu bewerkstelligen. Kurz, ans der ganzen Insel herrschte Grabesruhe, und die Körper der erschlagenen Soldaten trugen dazu bei, die Scene so schrecklich zu machen, als sie außerordentlich war. „lim Gottes willen, Mistreß Mabcl," rief das Weib von unten, denn obgleich diese ihre Furcht zu wenig zu beherrschen vermochte, um zu schweigen, so übte doch die feinere Bildung unserer Heldin, mehr noch als die Stellung ihres Vaters in dem Regiment, einen Einfluß, auf die Weise der Anrede: „um des großen Gottes willen! Mistreß Mabel, sagen Sie mir, ob noch einer von unfern Freunden am Leben ist? Es ist mir, als höre ich ein Stöhnen, welches immer schwächer und schwächer wird, und ich fürchte, es sehen alle erschlagen worden!" Mabcl erinnerte sich nun, daß einer der Soldaten Jennics Gatte war, und zitterte vor den unmittelbaren Folgen, wenn sie den Tod ihres Mannes so plötzlich erfahren würde. Zndem gab ihr das Stöhnen noch einige Hoffnung, obgleich sie fürchtete, es möchte von ihrem Onkel, den sie nirgends erblicken konnte, herrühren. „Wir sind nntcr Seiner heiligen Obhut, Jennie," antwortete sie. „Wir müssen auf die Vorsehung bauen, und dürfen keines von den Mitteln verabsäumen, welche sie uns wohlwollend zu unserem Schutze bietet. HM auf die Thnre Acht, und öffnet sic in keinem Fall ohne meine Anweisung." „O sagen Sie mir, Mistreß Mabel, ob Sie nicht Sandy irgendwo sehen? Wenn ich ihn nur könnte wissen lassen, daß ich in Sicherheit bin: der gute Mann wäre rnhiger, mag er nun frei oder gefangen seyn." Sandy war Jcnnies Gatte, und lag todt hingestreckt in der Richtung der Schießscharte, durch welche Mabel eben blickte. „Sie sagen mir nicht, ob Sie Sandy sehen können?" erwie- dcrtc das Weib ungeduldig ob Mabels Schweigen. „Einige von unfern Leuten sind um M'Nabs Leiche versammelt, „war die Antwort; denn cs schien Mabel ein Frevel, unter so schrecklichen Umständen geradezu eine Lüge zu sagen. „Ist Sandy unter ihnen?" fragte die Frau mit einer erschreckenden Heftigkeit. „Er wird sicherlich dabei seyn, denn ich sehe einen, zwei, drei, vier, und alle in den Scharlachröcken unseres Regiments." „Sandy!" rief das Weib halb wahnsinnig; „warum sorgst du nicht für dich, Sandy? Komm sogleich hieher, Mann, und theile das Schicksal deines Weibs in Wohl und Wehe. Das ist kein Augenblick für deine einfältige Disciplin und deine großthuerischen Begriffe von Ehre. Sandy! Sandy!" Mabel hörte den Balken zurückschieben und die Thüre in ihren Angeln knarren. Erwartung, um nicht zu sagen Schrecken, fesselte sie an die Schießscharte, und bald gewahrte sie Jsnnie, wie sie durch das Gebüsch rauschte und dieser Gruppe des Todes zueiltc. Ein Augenblick reichte hin, zu diesem unseligen Ort zu gelangen. Der Schlag geschah aber zu plötzlich und unerwartet, so daß die Aermste in ihrem Schrecken das Ganze seines Gewichts nicht zu fassen schien. Ein wilder, halb wahnsinniger Gedanke an Täuschung verwirrte ihre Sinne, und sie bildete sich ein, daß die Männer mit ihrer Angst ein Spiel trieben. Sie ergriff die Hand ihres Der Pfadfinder. 3. Aufl. 2g 450 Gatten — sie war nach warm —, und meinte ein verhaltenes Lächeln auf seinen Lippen zucken zn sehen. „Warum willst du dein Leben so thoricht wcgwerfen, Sandy?" rief sic, indem sie ihn am Arme zerrte. „Ihr werdet Alle von diesen verfluchten Indianern ermordert werden, wenn Ihr Euch nicht wie wackere Soldaten ins Blockhaus begebt! Fort! Fort! verliert nicht die kostbaren Augenblicke." In ihrer verzweifelten Anstrengung zerrte das Weib den Körper ihres Gatten so, daß der Kopf sich vollständig drehte, und nun enthüllten ihr ein kleines Loch in der Schläfe (die Wirkung einer eingedrungencn Büchsenkngcl) und einige Tropfen Blut, welche über die Haut rieselten, den Grund von ihres Mannes Schweigen. Als die schreckliche Wahrheit in ihrer ganzen Ausdehnung Jennie's Seele durchfuhr, schlug sie die Hände zusammen, stieß einen Schreckensruf aus, der alle benachbarten Inseln durchdrang und stürzte der Länge nach ans den Körper des Gefallenen. So schrecklich, so durchbohrend und herzergreifend aber auch dieser Angstruf seyn mochte, — er war Wohllaut gegen das 'Geschrei, welches ihm so rasch folgte, daß sich die Töne fast mit einander vermengten. Der schreckliche Kriegsrus erscholl aus den Verstecken der Insel, und etliche und zwanzig Wilde mit ihren fürchterlichen Kriegsfarben und andern Abzeichen stürzten wüthend hervor, um sich der ersehnten Skalpe zu versichern. Arrowhcad war an der Spitze; sein Tomahawk zerschmetterte das Gehirn der bewußtlosen Jennie, und ihr bluttriefendes Haupthaar hing kaum zwei Minuten, nachdem sie das Blockhaus verlassen hatte, als Siegeszeichen an dem Gürtel ihres Mörders. Seine Gefährten waren nicht minder thätig, und MMab mit seinen Soldaten zeigte nicht länger den ruhigen Anblick schlummernder Menschen. Man ließ sie in ihrem Blute liegen, — unzweideutig verstümmelte Leichen. Alles dieses geschah in viel kürzerer Zeit, als zn dessen Erzählung erfordert wurde, und Mabel war Augenzeuge davon. Sie 4SI stand wie gefesselt an einer Stelle, und blickte, wie durch Zauber gebannt, auf die ganze schreckliche Seene, ohne auch nur einen Augenblick an sich selbst oder ihre eigene Gefahr zu denken. Als sie jedoch bemerkte, daß der Ort, wo die Männer gefallen waren, von Wilden wimmelte, welche über den Erfolg ihres Ucbcrfalls frohlockten, fiel ihr auf einmal ein, daß Jcnnie die Thüre des Blockhauses offen gelassen hatte. Ihr Herz schlug heftig, denn jene Thüre stand als der einzige Schirm zwischen ihr und dem unmittelbaren Tode, und zu der Leiter eilend, war sie im Begriff hinunter zu steigen, um sich wegen des Einganges sicher zu stellen. Ihr Fuß hatte jedoch den Boden des zweiten Stocks noch nicht ganz erreicht, als sic die Thüre in ihren Angeln knarren hörte. Sie hielt sich für verloren. Auf ihre Knice sinkend, bemühte sich das erschreckte, aber doch mnthige Mädchen, sich zum Tode zu bereiten und ihre Gedanken zu Gott zu erheben. Die Liebe zum Leben war jedoch kräftiger als ihr Gcbctsdrang, und während sie ihre Lippen bewegte, lauschte» die argwöhnischen Sinne auf jeden Ton von unten. Als sie hörte, daß die Querbalken, die auf Zapfen liefen, vor die Thüre gelegt und in die Klammern eingehängt wurden, und zwar nicht nur einer, wie sie in der Absicht ihrem Onkel den Einlaß zu erleichtern, selbst befohlen hatte, sondern alle drei, — da sprang sie wieder auf ihre Füße; alle geistlichen Betrachtungen verschwanden unter der Bedrängniß der Zeitlichkeit und es schien, als ob alle ihre Scclcnkräste sich in dem Sinn des Gehörs concentrirt hätten. Die Gedanken sind in einem so furchtbaren Augenblick nicht unthätig. Zuerst bildete sich Mabcl ein, ihr Onkel sey in das Blockhaus getreten, und war im Begriff, die Leiter hinunter zu steigen und sich in seine Arme zu werfen; dann hielt sie aber der Gedanke wieder zurück, es könnte ein Indianer sehn, welcher die Thüre gegen Eindringlinge verschlossen habe, um mit Muße plündern zu könne». Die tiefe Stille unten hatte nichts mit den kühnen 452 rastlosen Bewegungen Caps gemein, und schien eher auf einen Kunstgriff des Feindes zu deuten. War es ein Freund, so tonnte cs nur ihr Onkel oder der O-uarticrmeistcr scyn, denn die schreckliche Neberzcugnng stellte sich nun unserer Heldin dar, daß die ganze Gesellschaft nur noch aus ihr und diesen zweien bestünde, wenn überhaupt letztere noch am Leben waren. Diese Betrachtung hielt Mabcl im Schach und es herrschte volle zwei Minuten ein athem- loses Schweigen in dem Gebäude. Wahrend dieser Zeit stand das Mädchen an dem Fuße der ober» Leiter, indcß die Fallthüre, welche zu der untern führte, auf der entgegengesetzten Seite sich im Boden befand. Mabel war an ihren Platz festgebannt, denn jeden Augenblick fürchtete sie das schreckliche Gesicht eines Wilden durch die Oeffnnug austauchen zu sehen. Ihre Angst steigerte sich bald so sehr, daß sie sich schon nach einem Winkel, wo sic sich verbergen konnte, umsah, denn jede Verzögerung der Katastrophe, die ihr mit allen Schrecken vor der Seele stand, und war es auch nnr die eines Augenblicks, gewährte ihr einigen Trost. Der Raum enthielt einige Fässer, und Mabel kroch hinter zwei derselben, wobei sic das Auge gegen jede Oeffnung brachte, durch welche sic nach der Fallthüre sehen konnte. Sie versuchte aufs Neue zu beten, aber der Augenblick war zu schrecklich, als daß sie hierin hätte Erleichterung finden können. Auch kam es ihr vor, als hörte sie ein leichtes Rascheln, wie wenn Jemand sich bemühe, mit der äußersten Vorsicht, die sich eben in ihrem Uebermaße verrathcn mußte, die untere Leiter heraufzusteigen; dann folgte ein Knarren, das, wie sie gewiß wußte, von einer der Leitersprossen herrührte, da dieser Laut sich sogar unter ihrem leichten Gewicht zu erkennen gegeben hatte. Dieß war einer der Momente, wo man Jahre durchlebt. Leben, Tod, Ewigkeit und die schrecklichsten körperlichen Martern traten in kühnen Zügen aus der Flachheit des gewöhnlichen Lebens hervor, und man hätte Mabel in diesem Augenblick für ein schönes bleiches Abbild ihrer selbst, für eine Statue ohne Bewegung und Leben 453 halte» können. Aber trotz dieser anscheinenden Erstarrung hatte eS doch in ihrem kurzen Leben nie eine Zeit gegeben, wo sie besser gehört, deutlicher gesehen und lebhafter gefühlt hätte. Noch war in dcrFallthüre nichts sichtbar; aber ihre Ohren, welche durch die Aufregung ihrer Gefühle außerordentlich geschärft waren, vernahmen deutlich, daß Jemand nur einige Zolle unter der Oeffnung im Boden sich befand. Bald wurde dieß auch dem Auge deutlich, indem das schwarze Haar eines Indianers so langsam in der Fall- thürc auftauchte, daß man die Bewegungen des Kopfes mit dem Minutenzeiger einer Nhr vergleichen konnte; dann kamen die dunkle Haut und die wilden Züge, bis das Ganze des braunen Gesichtes sich über den Boden erhoben hatte. Das menschliche Antlitz erscheint in einer theilweisen Verhüllung selten zu seinem Vortheil, und Mabels Einbildungskraft steigerte noch ihre Schrecken bei dem Anblick der schwarzen rollenden Augen und des wilden Ausdrucks, welchen das Gesicht des Indianers so zu sagen Zoll für Zoll enthüllte; aber als der ganze Kopf sich über die Flur erhoben hatte, versicherte ein zweiter und schärferer Blick unsre Heldin, daß sie das zarte, geängstigte und doch schöne Antlitz June's vor sich sah. ZwcilnidzwaiizigsteS Kapitel. — Mag ich ein Geist auch sehn; Dich zn beirügen oder dich zu schrecken Ist meine Sendung nicht; — nein, deine Treue Zu lohnen. — Wordsworih. Es möchte schwer zn sagen sehn, wer sich am meisten freute, als Mabcl aus ihrem Verstecke hervvreilte — ob unsere Heldin selbst, da sie in ihrem Besuch nicht Arrowhead, sondern dessen Weib erkannte, oder June, da sie bemerkte, ihr Rath sey befolgt -154 und daö Blockhaus von der Person, welche sic so ängstlich und fast hoffnungslos gesucht hatte, zum Zufluchtsort gewählt worden. Sie umarmten einander, und das unverdorbene Tusearvrawcib lachte in ihren süßen Tönen, als sic sich von der Gegenwart ihrer Freundin durch ihre Sinne überzeugen konnte. „Blockhaus, gut," sagte die junge Indianerin; „nicht kriegen Skalp." „Es ist in der That gut, June;" antwortete Mabel üiit Schaudern, wobei sie zugleich die Augen verhüllte, als ob sic den Anblick des Schreckens vermeiden wolle, dessen Zeuge sie eben gewesen war. „Sag' mir um Gotteswillcn, ob du weißt, was aus meinem lieben Onkel geworden ist; ich habe in allen Richtungen nach ihm ausgesehen; ohne etwas von ihm entdecken zu können." „Nicht hier in Blockhaus?" fragte June mit einiger Neugier. „Nein, er ists leider nicht. Ich bin ganz allein in demselben, seit Jennie, das Weib, welches bei mir war, zu ihrem Manne hinauseilte, an dessen Seite sie ihre Unklugheit mit dem Leben büßte." „June wissen, June sehen; sehr schlimm: — Arrowhead nicht fühlen für irgend ein Weib; nicht fühlen für sein eigenes." „Ach June, dein Leben ist doch wenigstens sicher!" „Kann nicht wissen; Arrowhead tödten mich, wen» er Alles wissen." „Gott segne und schütze dich, June; er muß dich für deine Menschlichkeit segnen und schützen. Sage mir, was zu thun ist, und ob mein armer Onkel noch lebt?" „Weiß nicht. Salzwasser hat Boot; kann sehn, gegangen auf Fluß." „Das Boot ist noch am Ufer, aber weder mein Onkel noch der Qnarticrmeister ist irgendwo zu sehen." „Nicht todt, sonst June würde sehen. Versteckt! Roth Mann verstecken; keine Schande für Blaßgesicht." 455 „Die Schande kümmert mich wenig, wohl aber ob sie eine Gelegenheit z» einem Versteck gefunden haben. Euer Angriff war fürchterlich schnell, June!" „Tnscarora!" crwiedcrte die andere mit einem entzückten Lächeln über die Raschheit ihres Gatten. „Arrowhcad großer Krieger!" „Du bist zu gut und zu zart für solch ein Leben, June; du kannst bei solchen Scenen nicht glücklich scpn?" Jnne's Gesicht nmwölkte sich, und es kam Mabel vor, als liege etwas von dem wilden Feuer eines Häuptlings in ihrem finstern Blick, als sie antwortete: „Uengeese zn gierig, nehmen weg alle Jagdgründe; jagen sechs Volk von Morgen bis zu Nacht; schlecht König, schlechte Leute. Blaßgesicht sehr schlecht." Mabel wußte, daß viel Wahres in dieser Ansicht liege, obgleich sie zu unterrichtet war, nm nicht einznsehen, daß der König in diesem wie in tausend andern Fällen wegen Handlungen getadelt wurde, von denen er wahrscheinlich gar nichts wußte. Sie fühlte daher die Gerechtigkeit des gemachten Vorwurfs zn sehr, um eine Erwiederung zu versuchen, und ihre Gedanken kehrten natürlich wieder zn ihrer Lage zurück. „Und was muß ich thun, June?" fragte sic. „Es kann nicht lange anstehen, bis deine Leute dieses Gebäude angreifcn." „Blockhaus gut — kriegen nicht Skalp." „Aber sie werden bald entdecken, daß hier keine Mannschaft liegt, wenn sie es nicht schon wissen. Du, du selbst hast mir die Anzahl der Leute namhaft gemacht, welche sich auf der Insel befanden, und ohne Zweifel hast du es von Arrowhcad erfahren." „Arrowhcad wissen," antwortete June, indem sie, um die Zahl der Männer anzudcntcn, sechs Finger erhob. „Alle rothen Männer wissen. Vier schon verloren Skalp; zwei noch sie haben." „Sprich nicht davon, June; der schreckliche Gedanke macht 456 mir das Blut tu de» Adern starren. Deine Leute können nicht wissen, daß ich allein in dem Blockhaus bin, aber sie können denken, mein Onkel und der Qnarticrmeister sehen bei mir, und werden Feuer um das Gebäude legen, um sie hcrauszutrcibcn. Man hat mir gesagt, daß Feuer das Gefährlichste für solche Plätze sch." „Nicht verbrennen Blockhaus," sagte June ruhig. „Du kannst das nicht wissen, meine gute June, und ich habe kein Mittel, sie davon abznhalten." „Nicht verbrennen Blockhaus. Blockhaus gut; kriegen nicht Skalp." „Aber sage mir, warum, June; ich fürchte, sie werden es dennoch anzünden." „Blockhaus naß — viel Regen —- grün Holz —- nicht leicht brennen. Roth Mann wissen das — schön Ding — dann es nicht verbrennen, zu sagen Uengeese, daß Irokesen gewesen hier. Vater kommen zurück, fehlen Blockhaus, nicht finden. Nein, nein; Indianer viel zu schlau; nicht berühren etwas." „Ich verstehe dich, June, und hoffe, deine Voraussetzung wird eintrcffen; denn was meinen lieben Vater anbelaugt, wenn er entrinnen sollte — aber vielleicht ist er schon todt, oder gefangen, June?" „Nicht berühren Vater; nicht wissen, wohin er gegangen, Wasser habe» keine Fährte — roth Mann nicht können folgen. Nicht verbrennen Blockhaus —- Blockhaus gut; nicht kriegen Skalp." „Glaubst du, ich könne sicher hier bleiben, bis mein Vater zurückkehrt?" „Nicht weiß; Tochter sagen am besten, wann Vater kommen zurück." Mabel wurde bange bei dem Blicke, welchen June's schwarzes Auge schoß, als sie diese Worte sprach; denn die schreckliche Ver- mnthnng stieg in ihr ans, daß ihre Gefährtin die Absicht habe, einen Umstand auszufinden, welcher ihren Leuten von Nutzen sehn könnte, indeß er zugleich zur Vernichtung ihres Vaters und seiner 457 Mannschaft führen müßte. Sie war im Begriff, eine ausweichende Antwort zu geben, als auf einmal ein Stoß von außen an die Thüre ihre Gedanken auf die Gefahr zurnckführte. „Sie kommen!" rief sie aus, — „vielleicht, June, ist cs mein Onkel oder der Quartiermeister. Ich kann sogar Herrn Mnir nicht in einem Augenblick, wie dieser ist, ausschließen." „Warum nicht sehen? voller Schießloch, zu sehen." Mabel faßte den Wink auf, und ging zu einer der abwärts gerichteten Schießscharten, die sich in den Stämmen befanden, welche die Basis des vorspringendeu Stockwerkes bildeten. Vorsichtig lüpfte sie den Block, welcher das kleine Loch bedeckte und warf einen Blick auf das, was an der Thüre vorging. Das erblassende Gesicht des Mädchens sagte ihrer Gefährtin, daß einige von ihren eigenen Leuten unten scpen. „Roth Mann," sagte June, indem sie warnend und zur Vorsicht auffordernd einen Finger erhob. „Es sind ihrer vier; sie sehen schrecklich in ihrer Malerei und mit ihren blutigen Siegeszeichen aus. Arrowhead ist unter ihnen." June hatte sich in eine Ecke begeben, wo einige vorräthige Büchsen lehnten, nnd bereits eine derselben in die Hand genommen, als der Name ihres Mannes ihre weiteren Bewegungen anznhalten schien. Dreß währte jedoch nur einen Augenblick; dann ging sie gerade zn auf die Schießscharte los, und war eben daran, die Mündung des Gewehrs durchzustccken, als das Gefühl eines natürlichen Widerwillens Mabel veranlaßte, ihren Arm zn fasse». „Nein, nein, nein! June," sagte sie; „beginne nichts gegen deinen Gatten, nnd sollte es mich auch mein Leben kosten." „Nicht treffen Arrowhead," erwiederte June, mit einem leichten Schauder, „nicht treffen rvth Mann überhaupt. Nicht schießen aus sie, nur erschrecken." Mabel begriff nun Junes Absicht, und widersetzte sich nicht länger. Letztere schob die Mündung des Gewehres durch die 458 Schießscharten, wobei sie hinlänglich Geräusch veranlaßte, um Aufmerksamkeit zu erregen, und drückte ab. Das Gewehr war kaum entladen, als Mabel ihrer Freundin Vorwürfe für dieselbe Handlung machte, welche die Absicht hatte, ihr Dienste zu leisten. „Du hast gesagt, daß du nicht feuern wollest," sagte sie, „und hast jetzt vielleicht deinen eigenen Gatten getödtet." „Alles fortlaufen, ehe ich feuern," erwiederte June lachend, ging daun zu einer andern Schießscharte, um die Bewegungen ihrer Freunde zu beobachten, und lachte noch herzlicher. „Sieh! suchen Versteck — jeder Krieger. Glauben, Salzwasser und Quartier- mcister hier. Nehmen in Acht jetzt." „Gott sey gepriesen! Und nun, June, kann ich hoffen, meine Gedanken sür eine kleine Weile zum Gebet zu sammeln, damit ich nicht wie Jennie sterben möge — auf nichts bedacht, als ans das Leben und die Dinge dieser Welt." June legte die Büchse bei Seite, und setzte sich zu Mabeln auf die Kiste, ans welche letztere in Folge der physischen Erschöpfung, einer natürlichen Wirkung der Freude sowohl, als des Kummers, niedergesunken war. Sie blickte fest in das Gesicht unserer Heldin, mit einem Ausdrucke, in welchem diese den des Ernstes und der Bekümmerniß zu finden glaubte. „Arrowhead großer Krieger," sagte das Tuscarorawcib. „Alle Mädchen des Stammes blicken viel auf ihn. Die Blaß- gestchtsschönheit hat auch Augen?" „June! — was sollen diese Worte — dieser Blick? Was willst d» sagen?" „Warum du so Angst, June schießen Arrowhead?" „Wäre es nicht schrecklich gewesen, ein Weib ihren eigenen Gatten erschlagen zu sehen? Nein, June, lieber wäre ich selbst gestorben." „Ganz gewiß das Alles?" „Das war alles, so wahr Gott lebt — und gewiß, das war 459 genug. Nein, »ein! cs hat heute genug des Entsetzlichen gegeben; eine Handlung, wie diese, soll es nicht noch vermehren. Was für einen andern Grund konntest du vcrmuthen?" „Nicht weiß. Armes Tusearoramädchcn sehr thöricht. Arrow- head großer Häuptling, und sehen Alles ans sich. Sprechen von Blaßgesichtsschönheit im Schlaf. Großer Häuptling lieben viele Weiber." „Kann ein Häuptling unter deinem Volk mehr als ein Weib besitzen, June?" „Haben so viel, als er kann erhalten. Große Jäger oft heirathcn. Arrowhead jetzt nur June haben; aber er sehen zu viel, sprechen zu viel von Blaßgesicht-Mädchen." Mabcl wußte von diesem Umstand, der sie bereits während ihrer Reise nicht wenig beunruhigt hatte, aber es verletzte sie, diese Anspielung, wie es jetzt geschah, aus dem Munde von des Indianers Weibe zu vernehmen. Es war ihr zwar nicht unbekannt, daß Gewohnheiten und Ansichten in solchen Dingen einen großen Unterschied machen, aber zu der widerfahrenen Kränkung, die unfreiwillige Nebenbuhlerin eines Weibes zu seyn, gesellte sich die Besorgniß, daß in ihrer gegenwärtigen Lage die Eifersucht eine zweideutige Gewährleistung für ihre persönliche Sicherheit seyn dürf.e. Ein festerer Blick auf June beruhigte sie jedoch wieder, denn es war leicht, in den Zügen dieses Natnrkindes den Schmerz eines gebrochenen Herzens zu lesen, während auch nicht eine Spur des Hasses und des Vcrrathes darin zu erkennen war. „Tn wirst mich nicht verrathen, June?" sagte Mabel mit einem Händedruck, indem sie sich dem Zuge eines edlen Vertrauens hingab. Du wirst keine deines eigenen Geschlechts dein Tomahawk preisgeben?" „Kein Tomahawk berühren dich. Arrowhead cs nicht gestatten. Wenn June muß haben Schwcstcrwcib, liebt sic, zu haben dich." „Nein, June; meine Religion und meine Gefühle, beide 460 verbieten es. Und zu dem, wenn cs mir überhaupt möglich wäre, das Weib eines Indianers zu werden, so möchte ich nie in einem Wigwam dich von deinem Platze verdrängen." June antwortete nur mit einem frohen und dankbaren Blicke. Sie wußte, daß wenige, vielleicht kein Jndianermädchen aus dein Kreise von Arrowhcad's Bekanntschaft sich mit ihr an körperlichen Reizen vergleichen ließ, und obgleich ihr Mann sich konnte cinfallcn lassen, ein ganzes Dutzend Weiber zu nehmen, so kannte sie doch außer Mabel keine, deren Einfluß sie wirklich gefürchtet hätte. Sie nahm jedoch an der Schönheit, dem gewinnenden Benehmen, der Güte und der weiblichen Zartheit unserer Heldin so lebhaften An- theil, daß derselbe, wenn die Eifersucht ihrer Gefühle erkälten wollte, nur neue Stärke erhielt und sogar zn einer Haupttriebfeder wurde, welche die Indianerin veranlaßte, sich so großer Gefahr auSzn- sctzcn, um ihre mnthmaßliche Nebenbuhlerin gegen die Folgen des Angriffes zn sichern, der, wie sie wohl wußte, im Schilde geführt wurde. Mit einem Wort—June hatte mit dem Scharfblick eines Weibes die Liebe ihres Gatten zu Mabel entdeckt. Aber statt sich den Qualen der Eifersucht, die ihren Haß gegen die Nebenbuhlerin erregt haben würde, hinzugeben, wie es vielleicht.ein Weib, das weniger an die Unterwürfigkeit gegen die Rechte des Mannes gewöhnt gewesen, gethau haben würde, durchforschte sie die Blicke und den Charakter der Blaßgesichtsschönheit; und da sie mit nichts zusammentraf, was ihre eigenen Gefühle zurückstieß, wohl aber mit allem, was dieselben ansprach, so gewann sie eine Bewunderung und Liebe zu dem weißen Mädchen, welche, wenn schon verschiedener Natur, doch nicht weniger stark, als die zu ihrem Gatten war. Arrowhead selbst hatte sie ausgesendet, Mabel vor der nahenden Gefahr' zu warnen, obgleich er nicht wußte, daß sein Weib sich gegenwärtig auf der Insel, in dem Bereich der Angreifenden befand und mit dem Gegenstand ihrer vereinten Sorgfalt in der Citadelle verschanzt war. Er glaubte im Gegenthcil, wie June angedeutet hatte, daß Cap und Muir sich mit Mabel in dem Blockhaus anf- hieltcn, und daß der Versuch, ihn und seine Kameraden znrückzu- trciben, von diesen Männern anSgegangen sey. „June traurig, Lilp —" denn so nannte die Indianerin in ihrer poetischen Sprache unsere Heldin; „June traurig, Lily nicht hcirathcn Arrowhead. Sein Wigwam groß, und ein großer Häuptling muß haben Weiber genug, zn füllen ihn." „Ich danke dir, June, für diesen Vorzug, der mit der Denkweise der weißen Weiber nicht im Einklang steht," crwiedcrtc Mabel lächelnd, ungeachtet der furchtbaren Lage, in welcher sie sich befand. „Aber ich werde vielleicht überhaupt nie hcirathen." „Muß haben gut Ehemann," sagte June. „Heirathcn Ean- douce, wenn nicht lieber Arrowhead." „June, das ist kein geeignetes Gespräch für ein Mädchen, welches kaum weiß, ob es in der nächsten Stunde noch leben wird oder nicht. „Ach, wenn es nur möglich wäre, irgend einen Wink von dem Leben und der Sicherheit meines Onkels zn bekommen!" „June gehen sehen." „Kannst du? — willst du? — Kannst du dich mit Sicherheit auf der Insel sehen lassen? Ist deine Anwesenheit den Kriegern bekannt, und würde es ihnen gefallen , ein Weib mit ihnen ans dem Kriegöpfadc zn finden?" Alles dieses fragte Mabel in rascher Aufeinanderfolge, da sie fürchtete, die Antwort möchte nicht ansfallen, wie sie wünschte. Sie hielt cs für etwas Ungewöhnliches, daß June an dem Zuge Theil genommen hatte und dachte sich daher, so unwahrscheinlich dieß auch sepn mochte, das Weib wäre heimlich in ihrem Kahne den Irokesen gefolgt und denselben vorausgeeilt, blos um ihr jene Mittheilung zn machen, welche wahrscheinlich ihr Leben gerettet hatte. June suchte und fand in ihrer unvollkommenen Ausdrucks- Weise Mittel, diesen Jrrthum zu beseitigen. Arrowhead, obgleich ein Häuptling, war bei seinem eigenen 462 Volk in Ungnade gefallen, »nd handelte im gegenwärtigen Augenblick in vollkommenem Einverständniß mit den Irokesen. Er hatte allerdings einen Wigwam, war aber selten in demselben, und während er Freundschaft für die Engländer heuchelte, in deren Dienste er scheinbar den Sommer hinbrachte, war er in Wirklichkeit für die Franzosen thätig, wobei ihn sein Weib auf vielen seiner Wanderungen, die er meistens im Kahne machte, begleitete. Mit einem Wort, ihre Gegenwart war kein Geheimniß, da ihr Gatte selten ohne sie auszog. June theilte von diesen Verhältnissen Mabel genug mit, um sie zu dem Wunsche zu ermuthigen, ihre Freundin möchte hinausgehen, und sich über ihres Onkels Schicksal Gewißheit verschaffen; sie waren aber auch bald darüber im Reinen, daß die Indianerin im nächsten günstigen Augenblick das Blockhaus zu diesem Zwecke verlassen solle.-" Sic untersuchten zuerst von den verschiedenen Schießscharten ans die Insel, so gut es die Lage des Blockhauses gestattete, und fanden, daß die Sieger sich zu einem Gelage vorbereiteten, in welcher Absicht sie die Proviantvorräthe der Engländer zusammen getragen und die Hütten geplündert hatten. Die meisten Borräthe waren in dem Blockhaus; aber auch außen war noch genug zu finden, um die Indianer für einen Angriff zu belohnen, der mit einer so geringen Gefahr begleitet war. Ein Theil derselben hatte bereits die tobten Körper auf die Seite geschafft, und Mabel sah, daß ihre Waffen in der Nähe des znm Mahle bestimmten Ortes ausgeschichtet waren. June deutete ihr durch ein Zeichen an, daß die Leichen in das Dickicht gebracht worden seyen, um entweder begraben zu werden oder ans dem Gesicht geschafft zu scyn. Nichts von den mehr augenfälligen Gegenständen auf der Insel war verändert, da die Sieger den Sergeanten bei seiner Zurückkunft in einen Hinterhalt zu locken wünschten. June machte ihrer Gefährtin einen Mann auf einem Baum bemerklich, der, wie sie sagte, ein Lng-ans sep, um in Zeiten von der Annäherung eines Bootes Nachricht zu 463 ertheilcn, obgleich die Abreise des Sergeanten erst so kürzlich geschehen war, daß nur ein unerwartetes Ereigniß eine so baldige Rückkehr desselben erwarten ließ. Es hatte nicht den Anschein, als ob man einen unmittelbaren Angriff ans das Blockhaus beabsichtige; wohl aber waren, wie June sagte, die Anzeichen vorhanden, daß es die Indianer bis zur Zurückknnft der Partie des Sergeanten im Auge behalten würden, damit nicht die Spuren eines Angriffs Pfadfinders geübten Augen einen warnenden Wink geben möchten. Des Bootes hatten sie sich jedoch versichert und es in dasselbe Gebüsch gebracht, wo die Kähne der Indianer verborgen lagen. June thciltc nun ihrer Freundin die Absicht mit, sich zu den Ihrigen zu begeben, da der Augenblick ungemein günstig war, das Blockhaus zu verlassen. Mabcl fühlte einiges Mißtrauen, als sie die Leiter hinnnterstiegen; aber im nächsten Augenblicke schämte sie sich dieses Gefühls, weil es unbillig, gegen ihre Gefährtin und ihrer selbst unwürdig war: und als sic den Boden erreicht hatten, war das Vertrauen wieder hcrgestcllt. Die Aufriegelnng geschah mit der größten Vorsicht, und als der letzte Querbalken weggenommcn werden sollte, stellte sich June so nahe als möglich an die Stelle, wo die Thüre aufgehen mußte. Dieser war kaum gelüpft, und die Thüre so weit geöffnet, daß man sich dnrchdrängen konnte, als June hinausschlüpfte, worauf Mabel unter hörbarem Herzklopfen und mit fast krampfartiger Hast den Riegel wieder vorschob. Jetzt erst fühlte sie sich wieder sicher, und die beiden andern Balken wurden mit mehr Ruhe und Neberlcgnng vorgclegt. Als nun die Thüre fest geschlossen war, stieg sie wieder in den ersten Stock hinauf, wo sie allein einen Blick auf das, was außen vorging, werfen konnte. Lange, schmerzlich trübe Stunden vergingen, ohne daß Mabel etwas von June erfuhr. Sie hörte das durchdringende Geschrei der Wilden, denn der Branntwein führte sie bereits über die Gränzcn der Vorsicht; bisweilen warf sie durch die Schießscharten einen 46t Blick auf die tollen Orgien, und immer riefen ihre Töne und Auftritte, welche wohl das Blut einer jeden, die nicht erst kürzlich Zeuge noch schrecklicherer Ereignisse gewesen, zum Erstarren zu bringen vermocht hätten, die Stahe ihrer Feinde ins Gedächtnis. Gegen Mittag kam es ihr vor, als sähe sie einen Weißen auf der Insel, obgleich sein Anzug und sein wildes Aussehen ihn zuerst als einen neu angekommcncn Indianer erscheinen ließ. Ein Blick aus sein Gesicht jedoch, obgleich es dunkel und von der Tonne gebräunt war, ließ, ihr keinen Zweifel mehr, daß ihre Bcrmuthnng richtig scy: eine erhebende Erscheinung in ihrer Lage, da sie nun einen Mann ihrer eigenen Farbe nahe wußte, dessen Beistand sie in der äußersten Noth anrufcn könnte. Ach, Mabcl wußte nur wenig, wie gering der Einfluß der Weißen auf ihre wilden Verbündeten war, wenn diese einmal Blut gekostet hatten, oder wie wenig crstere überhaupt geneigt waren, den Grausamkeiten der Indianer Einhalt zu thun. Der Tag kam Mabel wie ein Monat vor, und die einzigen, rascher entschwindenden Augenblicke waren dis im Gebet zugebrachtcn Minuten. Sie nahm von Zeit zu Zeit zu diesem Tröste ihre Zuflucht, und fühlte sich jedesmal darauf fester, ruhiger und ergebener. Die Vermuthung Junes wurde ihr immer wahrscheinlicher und sie fing an zu glauben, daß das Blockhaus bis zur Rückkehr ihres Vaters unbclästigt bleiben würde, um denselben in einen Hinterhalt zu locken, wodurch ihre Besorgnis vor unmittelbarer Gefahr sich minderte. Aber die Zukunft gab ihr wenig Grund zur Hoffnung und ihre Gedanken beschäftigten sich bereits mit der Wahrscheinlichkeit der Gefangenschaft. In solchen Augenblicken nahm Arrowhead und seine anstößige Bewunderung einen großen Theil des Hintergrundes ein; denn unsre Heldin wußte wohl, daß die Indianer gewöhnlich diejenigen Gefangenen, welche sie nicht erschlugen, mit in ihre Dörfer nahmen, um sie ihren Familien einzuvcrleibcn, und daß oft Fälle vorgekommen waren, in welchen Personen ihres Geschlechts de» Nest ihres Lebens in den Wigwams ihrer Eroberer znbringen mußten. Dich waren die Gedanken, welche ihr bei ihren brünstigen Gebeten ohne Unterlaß vorschwebtcn. So lange es Tag blieb, war die Lage unserer Heldin schon hinreichend beruhigend; als aber die Schatten des Abends allmählig die Insel umfingen, wurde sie süchtcrlich. Da die Wilden sich des ganzen Branntweinvorrathes der Engländer bemächtigt hatten, so steigerte sich ihre Erregung nachgerade bis zur Wuth, und ihr Lärmen und Toben gab ihnen das Ansehen, als ob sie von bösenGci- stern besessen seyen. Alle Bemühungen ihres französischen Führers, sie im Zaume zu halte», waren fruchtlos, weßhalb dieser sich auch klüglich nach einem Bivouak aus einer benachbarten Insel zurückgezogen hatte, um sich gegen seine so sehr zu Ausschweifungen geneigten Freunde sicher zu stellen. Ehe jedoch dieser Offizier seine Stelle verließ, war es ihm, unter Gefährdung seines eigenen Lebens, gelungen, das Feuer auszulöschen und die gewöhnlichen Mittel, es wieder anzuzünden, auf die Seite zu schaffen. Er hatte diese Vorsichtsmaßregel angewandt, damit die Indianer das Blockhaus nicht verbrennen sollten, dessen Erhaltung zu Erreichung seiner künftigen Plane nöthig war. Eben so gerne hätte er auch alle Waffen entfernt, was sich aber nicht ansführen ließ, da die Krieger ihre Messer und Tomahawks mit der Beharrlichkeit von Männern fest- hieltcn, welche es für eine Ehrensache erachteten, sie nicht aus der Hand zu lassen, so lange sie noch die Fähigkeit, sie zu führen, besaßen; auch wäre die Entfernung der Büchsen, so lange man ihnen die Waffen ließ, welche bei solchen Gelegenheiten gewöhnlich gebraucht wurden, ein vergebliches Unternehmen gewesen. Das Aus- löschen des Feuers bewährte sich als die klügste Maßregel; den» der Offizier hatte sich kaum zurückgezogen, als einer der Krieger den Vorschlag machte, das Blockhaus anzüzündcn. Arrowhead hatte sich gleichfalls von der betrunkenen Rotte entfernt, sobald er bemerkte, daß sic ihrer Sinne nicht mehr mächtig sey, und eine Der Pt-Nfinter. 3. Anfl. ZO 466 Hütte anfgesucht, wo er sich auf das Stroh warf, um die Ruhe zu suchen, welche ihm zwei Nächte der Schlaflosigkeit und Thätig- kcit nöthig gemacht hatten. Es war daher Niemand unter den Indianern, der für Madel Sorge getragen hätte, wenn sic überhaupt etwas von ihrer Anwesenheit wußten; und der Vorschlag des Trunkenbolds wurde von acht bis zehn eben so betrunkenen und viehischen Kerlen mit gellendem Freudengcschrci ausgenommen. Ein fürchterlicher Augenblick für Mabel! Die Indianer bekümmerten sich in ihrem gegenwärtigen Zustande wenig um die Büchsen, welche sich noch im Blockhause befinden mochten. Die dunkle Erinnerung, welche ihnen noch von den lebenden Wesen, die sich darin aufhieltcn, geblieben war, diente als ein weiterer Sporn für ihr Vorhaben, und da sie von dem Getränk erst aufgeregt, nicht betäubt waren, so näherten sie sich dem Gebäude mit dem Geheul und den Sprüngen lvsgelassener Teufel. Zuerst versuchten sie cs mit dcr Thüre, indem sie in Masse gegen sie ansprengtcn; aber die Festigkeit derselben (sie war ganz aus Banmstämmen) mußte ihre Bemühung, und wären ihrer hundert gewesen, vereiteln. Mabel wußte das freilich nicht, und ihr Herz wollte sich stets durch einen Hilferuf Luft machen, wenn sie die heftigen Stöße bei jeder neuen Anstrengung vernahm. Endlich jedoch, als sie fand, daß die Thür allen Angriffen widerstand, ohne erschüttert zu werden oder nachzn- geben, und nur durch das leichte Knarren in ihren schweren Angeln verrietst, daß sie ein von der Wand getrennter Theil sey, belebte sich ihr Muth wieder und sic ergriff den ersten günstigen Augenblick, um durch die Oeffnung hinunter zu sehen und wo möglich den Umfang der vorhandenen Gefahr kennen zu lernen. Ein Schweigen, welches sie sich nicht zu erklären vermochte, steigerte ihre Neugierde, denn nichts ist für die, welche sich der Nähe einer großen Gefahr bewußt sind, beunruhigender, als die Unmöglichkeit ihren Gang zu verfolgen. Mabel fand, daß zwei^odcr drei Irokesen die Asche durchsucht -167 und einige glimmende Kehlen gefunden hatten, welche sie zu einer Flamme anzublasen suchten. Das Interesse, mit welchem sie ihr Geschäft betrieben, die Hoffnung des Gelingens ihrer verderblichen Absicht und die Macht der Gewohnheit setzten sie in den Stand, umsichtig und vereint zu handeln, so lange sic ihren grausamen Zweck im Auge behielten. Ein Weißer würde an dem Versuch verzweifelt sepn, aus der Asche gelesene Fünkchen zu einem Feuer anzublasen; aber diesen Kindern des Waldes standen manche Mittel zu Gebote, von denen die Civilisation nichts weiß. Mit Hülfe einiger trockenen Blätter, welche allein sic zu finden wußten, brachten sie endlich eine Flamme zu Stande und versicherte» sich des gewonnenen Vortheils, indem sic dieselbe durch einige leichte Holzstücke unterhielten. Als Mabel sich über die Schießscharte beugte, häuften die Indianer gerade Gestreich an der Thür auf, und da sie stehen blieb, um die weiteren Schritte derselben zu beobachten, bemerkte sie, wie die Zweige Feuer fingen und die Flamme von Ast zu Ast flog, bis der ganze Stoß prasselte und sich in glänzender Lohe verzehrte. Die Indianer erhoben nun ei» gellendes Triumphqeschrei und kehrten zu ihren Gefährten zurück, überzeugt. Laß das Werk der Zerstörung seinen Anfang genommen habe. Mabel blickte fortwährend hinunter, kaum fähig, sich von der Stelle zu bewegen — so mächtig war der Antheil, den sie an dem Fortschreiten des Feuers nahm. Als jedoch der Holzstoß durchaus in Glut stand, hoben sich die Flammen so weit, daß sie ihr die Augen sengten und sie zum Rückzüge zwangen. Sie hatte kaum die entgegengesetzte Seite des Raumes, zu der sie sich in ihrer Angst geflüchtet, erreicht, als durch die Oeffnung der Schießscharte, welche sie zu schließen vergessen, ein Feuerstrahl heraufschoß und das unscheinbare Gemach mit Mabel und ihrer Trostlosigkeit beleuchtete. Unsere Heldin mußte nun natürlich denken, ihre letzte Stunde sep gekommen, denn die Thüre, der einzige Weg zur Flucht, war mit höllischem Scharfsinn durch das brennende Gestrüpp verrammt worden; 468 und zum letztenmal (wie sic glaubte) richtete sie ihr Gebet au ihren Schöpfer. Ihre Augen waren geschlossen und ihr Geist schien mehr als eine Minute abwesend; aber die Interessen der Welt kämpften noch zn heftig in ihrer Seele, um ganz unterdrückt werden zu können, und als sie nnwillkührlich die Angen aufschlug, wurde sie nicht mehr durch den Flammenstrom geblendet, obgleich das Holz "rund um die kleine Oeffnuug glostete und das Feuer unter dem Einfluß eines aufgesangtcn Luftstoßes langsam aufflackcrte. Eine Tonne mit Wasser stand in einer Ecke, und Mabcl griff mehr iu- stinktartig, als mit voller Besinnung nach einem Gefäß, füllte es und goß es mit zitternder Hand über das Holz aus, wodurch es ihr gelang, an dieser Stelle die Flamme zu löschen. Sie konnte wegen des Rauches einige Minuten lang nicht hinunter sehen; als ihr aber dieß möglich wurde, klopfte ihr Herz hoch auf vor Freude und Hoffnung, denn der brennende Holzstoß war übereinander gestürzt und zerstreut und über die Holzstämme der Thür war Wasser gegossen worden, so daß sie wohl noch rauchten, aber nicht brannten. „Wer ist da?" rief Mabcl durch die Ocffnung hinunter. Welche freundliche Hand hat mir die gütige Vorsehung zum Beistand gesendet?" Man hörte unten einen leichten Fußtritt und einige schwache Schläge an die Thüre, welche kaum die Angeln ertönen ließen. „Wer begehrt Einlaß ? Scyd Ihr es, lieber, theurer Onkel?" „Salzwasser nicht hier. Sanct Lorenzo süß Wasser," war die Antwort. „Oeffne schnell, müssen hinein." Mabels Tritt war nie leichter und ihre Bewegungen nie schneller und natürlicher, als wie sie die Leiter hinunterstieg und die Balken von der Thür nahm; doch trug ihr ganzes Benehmen das Gepräge des Ernstes und der Hast. Die ganze Zeit dachte sie nur an ihre Flucht, und sie öffnete die Thüre mit einer Eile, welche keine Vorsicht gestattete. 2hr erster Gedanke war, ins Freie zu eile», damit sie nur aus dem Blockhansc käme, aber June 460 verhinderte diesen Bersnch und legte, sobald sie cingetretcn war, wieder ruhig die Riegel vor, ehe sie auf Mabels Bemühungen, sic zu umarmen, achtete. „Gott segne dich! Gott segne dich, Jnne!" rief unsre Heldin mit Feuer. „Die Vorsehung hat dich mir als Schutzengel gesendet!" „Nicht umfassen so fest," antwortete das Tnscaroraweib. „Blaßgesichtsweib ganz weinen oder ganz lachen. Laß June schließen Thüre." Mabel kam ein wenig zur Besinnung, und in wenig Minuten befanden sich die Beiden wieder in dem obern Raume. Sie saßen Hand in Hand beisammen und die Gefühle des Mißtrauens und der Eifersucht waren auf der einen Seite durch das Bewußtsein empfangener, auf der andern durch die Erinnerung an erwiesene Gunst zum Schweigen gebracht. „Nun sage mir, June," begann Mabel, sobald die Umarmungen auSgctauscht waren, „hast du etwas von meinem armen Onkel gesehen oder gehört?" „Nicht weiß. Niemand sehen ihn, Niemand hören ihn, Niemand wissen etwas. Salzwasser in Fluß laufen, denk ich, denn ich nicht finden ihn. Ich schauen und schauen und schauen, aber nicht sehen sie; nicht einen, nicht andern, nicht wo." „Gott sey gelobt! Sie müssen entkommen sehn, obgleich wir nicht wissen, wie. Es kam mir vor, als ob ich einen Franzosen auf der Insel gesehen hätte, June?" „Ja; französisch Kapitän kommen, aber auch wieder fort scyn. Viel Indianer auf der Insel." „Oh! June, June, gibt es kein Mittel, meinen lieben Vater ans den Händen seiner Feinde zu retten?" „Nicht weiß! denk, daß Krieger warten im Hinterhalt, und Uengccse müssen verlieren Skalp." „Gewiß, gewiß, June, kannst du, die du so Viel für die Tochter gcthan hast, mir nicht verweigern, auch dem Vater zu helfen?" 470 „Nicht kennen Vater, nicht lieben Vater. Jnne helfen eigenem Volk, helfen Arrowhead — Mann lieben Salp." „Jnne, nimmer kann ich das non dir glauben. Nein, ich kann, ich will nicht glauben, daß du unsere Leute ermordet sehen mochtest." Jnne richtete ihr dunkles Auge ruhig auf Mabcl, und einen Moment wurde ihr Blick ernst, obgleich er bald wieder den Ausdruck einer schwcrmüthigen Theilnahme gewann. „Lich, Vengeesc Mädchen?" sagte sie sragweise. „Gewiß, und als ein Dengeesemädchen möchte ich meine Landsleute von der Schlachtbank retten." „Sehr gut, wenn können. June nicht Nengcese, June TuS- earora — haben Tuscarora-Mann — Tuscarora-Herz — Tuscarora- Gefühl — ganz und gar Tuscarora. Lily wird nicht gehen, und sagen Franzosen, daß ihr Vater wird kommen, zu gewinnen Sieg?" „Vielleicht nicht," erwicdcrte Mabel und drückte die Hand gegen das wirre Gehirn; „vielleicht nicht; aber du dienst mir, hilfst mir, hast mich gerettet, June! Warum hast du das gethan, wenn du nur wie eine Tuscarora fühlst?" „Nicht allein fühlen wie Tuscarora, fühlen als Mädchen, fühlen als Weib. Lieben schöne Lily nnd in Busen tragen." Mabel zerstoß in Thräncn nnd drückte das liebevolle Geschöpf an ihr Herz. Es dauerte eine Minute, bis sie weiter sprechen konnte; dann fuhr sie aber mit mehr Ruhe nnd Zusammenhang fort: „Laß mich das Schlimmste wissen, Jnne," sagte sie. „Heute Nacht thnn sich deine Leute gütlich, was haben sie auf morgen vor?" „Weiß nicht; fürchten, zu sehen Arrowhead; fürchten zu fragen; glauben, verstecken, bis Dengeese kommen zurück." „Werden sie keinen neuen Versuch gegen das Blockhaus machen? Du hast gesehen, wie fürchterlich sic sehn können, wenn sie wollen." „Zuviel Rum. Arrowhead schlafen, oder nicht wagen. 471 Französisch Kapitän sepn weg, oder nicht wagen. Alles gehen zu Schlafen, nun." „Und du glaubst, daß ich wenigstens für diese Nacht sicher bin?" „Zuviel Rum. Wenn Lilp wie June, könnte thun viel für thr Volk." „Ich bin wie du, June, wenn der Wunsch, meinen Landsleuten zu dienen, mich einem so muthigcn Mädchen glcichstellen kann." „Nein, nein, nein;" murmelte June leise vor sich hin; „nicht haben Herz, und wenn haben, June nicht lasse» dich. June's Mutter einmal gefangen, und .Krieger sepn trunken; Mutter Alle tomahawken. So Rothhautweibcr thun, wenn Leute in Gefahr und brauchen Skalp." „Du hast Recht," crwiederte Mabel mit Schaudern, indem sie unwillkührlich June's Hand fallen ließ. „So etwas könnte ich nicht thun. Ich habe weder die Kraft, noch den Muth, noch den Willen, meine Hände in Blut zu tauchen." „Denken das auch; — dann bleiben, wo du sepu — Blockhaus gut — nicht kriegen Skalp." „Dn glaubst also, daß ich hier sicher sepn werde, wenigstens bis mein Bater und seine Leute zurückkehren?" „Wissen das. Nicht dürfen anrühren Blockhaus morgen. Horch! Alles nun still — trinken Rum, bis Kopf fallen nieder, und schlafen wie Klotz." „Könnte ich nicht entkommen? Sind nicht einige Kähne an der Insel? — Könnte ich nicht einen davon nehmen, und meinem Bater entgegen gehen, um ihm mitzutheileu, was hier vorgegangen ist?" „Wissen, wie zu rudern?" fragte Jnne mit einem verstohlenen Blick auf Mabel. „Nicht so gut, als du vielleicht; aber gut genug, um vor Tagesanbruch deinen Leuten aus dem Gesichte zu sepn." „Was thun dann? — Nicht können rudern sechs — zehn — acht Meilen!" 472 „Ich weiß das nicht; ich würde viel können, nm meinem Vater, dem wacker» Pfadfinder nnd den klebrigen einen Wink von der Gefahr zu geben, in der sie sich befinden." „Lieben Pfadfinder?" „Wer ihn kennt, liebt ihn; — anch d» müßtest ihn lieben, wenn du sein Herz kennen würdest." „Nicht ihn lieben, gar nicht. Zn gnt Büchse — zn gnt Auge — zuviel schießen Irokesen und June's Volk. Kriegen müssen sein Skalp, Nrenn können." „Nnd ich muß ihn retten, wenn ich kann, June. I» dieser Beziehung also find wir Gegnerinnen. Ich will, so lange sie noch schlafen, einen Kahn aufsuchen, nnd die Insel verlassen." „Nicht können — June dürfen nicht lassen dich. Rufen Ar- rowhead." „June, du wirst mich nicht verrathen; du kannst mich nicht preisgeben, nach Allem, was du schon für mich gcthan hast!" „Gerade so," erwiederte June, indem sie die Hand rückwärts bewegte, und mit einer Wärme und einem Ernste sprach, die Mabel nie zuvor an ihr bemerkt hatte. „Rufen Arrowhead mit lauter Stimme. Ein Ruf von Weib wecken Krieger auf. June nicht lassen Lily helfen Feind — nicht lassen Indianer verletzen Lily." „Ich verstehe dich, June, nnd fühle das Natürliche und Gerechte deiner Gefühle; und im Grund ist es doch besser, daß ich hier bleibe, denn ich habe sehr wahrscheinlich meine Kräfte überschätzt. Aber sage mir nur noch Eines: — wenn mein Onkel in der Nacht kommt und um Einlaß bittet, so wirst du mich doch die Thüre des Blockhauses öffnen lassen, daß er herein kann?" „Gewiß — er gefangen hier, nnd June lieben Gefangenen mehr als Skalp; Skalp gut für Ehre, Gefangener gnt für Gefühl. Aber Salzwaffer so gut verborgen; er selbst nicht wissen, wo er sepn." June lachte dabei in mädchenhafter lustiger Weise, denn sie war -173 mit Scene» der Gcwalt zu vertraut, um die Eindrücke derselben so tief zu Herzen zu nehmen, daß sie ihr Naturell geändert hätten. Es folgte nun eine lange und lebhafte Unterhaltung, in welcher sich Mabel bemühte, ihre gegenwärtige Lage genauer kennen zu lernen, und sich der schwachen Hoffnung hingab, es möchten sich einige der Thatsachen, welche sie ans diesem Wege erfuhr, zu ihrem Vortheil wenden lassen. June beantwortete ihre Fragen einfach, aber mit einer Vorsicht, welche zeigte, daß sie recht gut zwischen dem, was unwesentlich war, und zwischen dem, was die Sicherheit oder die weiteren Schritte ihrer Freunde gefährden konnte, zu unterscheiden wisse. Unsere Heldin war unfähig, ihre Gefährtin in eine Falle zu locken: ein Versuch, dessen Ausführung übrigens, selbst wenn sie sich einer solchen Niedrigkeit hätte schuldig machen wollen, auf die grüßten Schwierigkeiten stoßen mußte. June jedoch hatte nur bei dem, was sie enthüllen wollte, vorsichtig zu unterscheiden: und wir fassen das Wesentliche ihrer Mittheilung in dem Folgenden zusammen. Arrowhead stand schon lange mit den Franzosen in Verbindung, obgleich dieses die erste Gelegenheit war, bei der er seine Maske ganz ablegte. Da er, zumal bei dem Pfadfinder, Spuren des Mißtrauens bemerkt hatte, so wagte er sich nicht mehr unter die Engländer, und mit indianischer Prahlerei wollte er nun lieber seine Verrätherei zur Schau tragen, als sie verbergen. Er hatte den Kriegerhaufen bei dem Angriff auf die Insel unter der Oberaufsicht des bereits erwähnten Franzosen angeführt: aber June lehnte es ab, Auskunft darüber zu geben, ob er auch das Mittel zu Entdeckung der Lage dieses Platzes geworden sey, den man den Blicken des Feindes so sehr entzogen gewähnt, obgleich sie zugestand, daß sie und ihr Gatte von der Abreise des Send an den Kutter im Auge behalten hätten, bis sie von demselben überholt und genommen worden sehen. Die Franzosen hatten erst in der neuesten Zeit genaue Mittheilnngen über die währe Lage der Station 474 erhalten, und Madel fühlte einen Stich durchs Herz, als sie aus den versteckten Anspielungen der Indianerin entnehmen zu müssen glaubte, daß diese Mittheilnng von einem unter Duncan of Lun- die stehenden Blaßgesicht herrühre. Dieß war jedoch eher «»gedeutet, als ausgesprochen, und sobald Mabel Zeit hatte, über die Worte ihrer Gefährtin nachzudenkcn und sich zu erinnern, wie kurz und abgemessen sie in ihrer Ansdrucksweisc war, gab sie der Hoffnung wieder Raum, daß sie dieselbe unrecht verstanden habe, und daß Jasper Western sich als vollkommen gerechtfertigt aus dieser Sache ziehen werde. June nahm keinen Anstand, zu bekenne», daß sie auf die Insel gesandt worden sey, um über die Anzahl und das Treiben derer, welche darauf geblieben waren, genaue Nachricht einzuziehen, obgleich sie auch in ihrer naiven Weise verrieth, daß sie hauptsächlich durch den Wunsch, Mabeln zu dienen, veranlaßt worden sey, sich zu diesem Geschäft brauchen zu lassen. In Folge ihrer und anderweitiger Mittheilungen kannte der Feind die Macht welche gegen ihn ausgebracht werden konnte, genau; auch wußten sie, mit wie viel Mannschaft nnd in welcher Absicht Sergeant Dunham ausgezvgen war, obgleich es ihnen unbekannt blieb, an welcher Stelle er die französischen Boote zn treffen hoffte. Es wäre ein angenehmer Anblick gewesen, Zeuge zn seyn des lebhaften Verlangens sowohl, mit welchem diese beiden redlichen Mädchen sich über Alles, was für ihre Freunde von Folgen seyn mochte, Gewißheit zu verschaffen suchten; als auch der natürlichen Zartheit, mit welcher jede sich hütete, die andere zu ungeeigneten Enthüllungen zu drängen, — der augenfälligen Vorsicht endlich, womit es jede vermied, etwas zu sagen, was ihrem Volke nachthcilig werden konnte. In Beziehung ihrer Persönlichkeit herrschte vollkommenes Vertrauen: was ihre eigenen Leute anbelangte, trcnes Halten an den Ihrigen. June war eben so ängstlich begierig, zu erfahren, wo der Sergeant hingegangen sey, nnd wann er 475 znrückkehrcn werde, als Mabel in Betreff anderer Punkte; aber sie enthielt sich mit einem Zartgefühl, welches dem civilisirtesten Volke Ehre gemacht hätte, jeder Frage, und versuchte auch keinen andern Weg, welcher mittelbar einen Aufschluß über diese ihr so wichtige Angelegenheit herbeizuführen vermochte, obgleich sie mit fast athem- loser Aufmerksamkeit horchte, wenn Mabel in ihrer eigenen Erzählung einen Umstand berührte, welcher möglicherweise hätte ein Licht über die Sache werfen können. In dieser Weise entschwanden ihnen die Stunden unbeachtet, denn beide waren zu sehr betheiligt, um an Ruhe zu denken. Doch forderte gegen Morgen die Natur ihre Rechte, und Mabel ließ sich überreden, sich auf eines der für die Soldaten bestimmten Strohlager zu legen, wo sic bald in einen tiefen Schlaf verfiel. June nahm an ihrer Seite Platz. Auf der ganzen Insel herrschte eine Ruhe, als ob der Bereich des Waldes nie durch menschlichen Fußtritt gestört worden sey. Als Mabel erwachte, strömte das Licht der Sonne durch die Schießscharten, und sie fand, daß der Tag bereits beträchtlich vorgerückt sch. June lag noch neben ihr. und schlief so sanft, als ob sie — ich will nicht sagen ,auf Daunen/ da die höhere Cultur unserer Tage eine solche Vergleichung verschmäht —- sondern aus einer französischen Matraze ruhe, und so tief, als ob sie die Sorge gar nicht kenne. Dcmungeachtct weckten Mabels Bewegungen die an Wachsamkeit gewöhnte Indianerin bald, und beide verschafften sich nun mittelst der bekannten Ocffnungen einen Uebcrblick über das, was um sie vorging. 476 Dreiundzwanzigstes Kapitel. Bedarf der elv'ge Schöpfer dein, o Viacht? Den Sternenhimmel in der Bahn zu halten, Daß du nicht achtest seiner Werke Pracht, Und dich erkühnst, die Schöpfung z» entstalten? Der Faule nur, vom Schlummer festgehalte». Die Glieder streckend, preist mit trunknem Sinn Und blindem Wahn dein stpgisch düster Walten Und nennt dich Götti», Freudebringerin Und der Natur, der großen Mutier, Helferin. Die Ruhe der vergangenen Nacht stand in keinem Widerspruch mit den Bewegungen des Tages. Obgleich Mabel und June an allen Schießscharten herumgingen, so ließ sich doch mit Ausnahme ihrer selbst, kein lebendes Wesen auf der ganzen Insel entdecken. An der Stelle, wo M'Nab und seine Kameraden gekocht hatten, befand sich ein halberloschenes Feuer, als ob der Rauch, welcher sich in die Höhe ringelte, die Absicht hätte, die Abwesenden anzulocken; und rings umher waren die Hütten wieder in ihren früher» Zustand versetzt worden. Mabel fuhr unwillkührlich zusammen, als ihr Rüge auf eine Gruppe von drei Männern in den Scharlach- röckcn des fünfnndfünfzigstcn Regimentes fiel, welche in nachlässiger Stellung im Grase saßen, als ob sie in sorgloser Sicherheit mit einander plauderten; aber ihr Blut erstarrte, als sie bei einem zweiten Blick die farblosen Gesichter und die gläsernen Augen der Todten erkannte. Sie saßen ganz in der Nähe des Blockhauses, und zwar so nahe, daß sie dem ersten Blicke auffallen mußten; auch lag, da man ihre starren Glieder in verschiedene, das Leben nachahmende Lagen gebracht hatte, eine so spöttische Leichtfertigkeit in ihren Stellungen und Geberden, daß sich die Seele darüber empörte. So schrecklich übrigens diese Gruppe Jedem seyn möchte, der nahe genug war, um den schreienden Contrast zwischen Schein und 477 Wesen zu entdecken — die Täuschung war doch mit so vieler Kunst auS- geführt, daß sie einen oberflächlichen Beobachter auf eine Entfernung von hundert Ellen irre leiten konnte. Nach einer sorgfältigen Untersuchung der Ufer machte June ihre Gefährtin auf einen vierten Soldaten aufmerksam, welcher, an einen Baum gelehnt, mit über- hängcnden Füßen am Wasser saß, und eine Fischenuthe in der Hand hielt. Die skalploscn^Köpfe waren mit Mützen bedeckt und alle Spuren von Blut vorsichtig von den Gesichtern gewaschen. Mabel wurde fast ohnmächtig bei diesem Anblick, der nicht nur allen ihren Begriffen von Schicklichkeit zuwiderlief, sondern auch au sich so empörend und allen menschlichen Gefühlen entgegen war. Sie sank auf einen Stuhl und verbarg das Antlitz einige Minuten in ihrem Gewände, bis ein leiser Ruf von June sic wieder an die Schießscharten zog. Letztere zeigte ihr nun den Körper von Jcnnic, welche in einer vorwärtsgebcngten Stellung, als ob sie ans die Gruppe der Männer sähe, in der Thüre einer Hütte zu stehen schien, indeß ihre Haube in dem Winde flatterte, und ihre Hand einen Besen hielt. Die Entfernung war zu groß,, um die Züge genau zu unterscheiden; aber es däuchte Mabel, die Kinnlade sey niedergedrückt, und der Mund zu einem entsetzlichen Lachen verzogen. „June! June!" rief sie aus, „das übersteigt Alles, was ich je von der Verrätherci und der List deines Volkes gehört, oder für möglich gehalten habe." „Tuscarora sehr schlau," sagte June in einem Tone, welcher den Gebrauch, der von den Leichnamen gemacht worden, mehr zu billigen als zu verwerfen schien. „Soldaten thun nichts Leid nun; thun Irokesen gut; kriegen Skalp zuerst; nun machen Todte Helsen. Dann sie. verbrennen." Aus diesen Worten wurde Mabel klar, wie sehr der Charakter ihrer Gefährtin vondem ihrigen verschieden war, und es vergingen einige Minuten, ehe sie dieselbe wieder anzureden vermochte. Aber diese vorübergehende Anwandlung von Widerwillen war bei June verloren, denn 478 sic schickte sich zur Bereitung ihres einfachen Frühstücks an, wobei ihr ganzes Benehmen bewies, wie unempfindlich sie bei Andern gegen Gefühle war, welche sie ihre Erziehung abznlcgen gelehrt hatte. Mabel genoß nnr weniges, während ihre Gefährtin aß, als ob gar nichts vorgefallen sep. Dann überließen sie sich wieder ihren Gedanken, oder setzten ihre Untersuchungen durch die Schießscharten fort. Unsere Heldin brannte zwar von fieberischem Verlangen, stets an diesen Oeffnungcn zu scyn; aber sie trat selten vor dieselben, ohne sich mit Widerwillen abznwenden, obgleich ihre Angst sie nach einigen Minuten wieder dahin znrückführte, wenn sie ein Geräusch, mochte es auch nur das Rauschen der Blätter oder das Seufzen des Windes seyn, vernahm. Es war in der That etwas feierlich Ergreifendes, diesen verlassenen Ort von Tobten in der Kleidung des Lebens und in der Stellung sorgloser Heiterkeit oder rohen Vergnügens bevölkert zu sehen. Der Eindruck auf unsere Heldin war fast derselbe, als ob die Unholde vor ihr ihr Wesen trieben. Diesen ganzen Tag über, der Mabcln kein Ende zu nehmen schien, ließ sich weder, ein Indianer noch ein Franzose blicken, und die Nacht senkte sich allmählig über diese schweigende Maskerade mit der unabänderlichen Stetigkeit, mit welcher die Erde ihren Gesetzen folgt, ohne sich um das kleinliche Treiben der Menschen zu kümmern. Die Nacht war weit ruhiger, als die vorhergehende, und Mabel schlief mit neuer Zuversicht, denn sie fühlte sich nun überzeugt, daß sich ihr Schicksal nicht vor der Zurückknnft ihres Vaters, entscheiden würde. Er wurde jedoch schon am folgenden Tag erwartet. Als unsere Heldin erwachte, eilte sie hastig zu den Schießscharten, um über den Stand des Wetters, daö Aussehen des Himmels und über die Verhältnisse auf der Insel Erkundigung ein- znziehen. Da saß noch die furchtbare Gruppe im Grase; der Fischer beugte sich noch über das Wasser, als ob er lebhaft auf seinen Fang erpicht sey, und das Gesicht Jennie's glotzte in schrecklicher Verzerrung ans der Hütte. Aber das Wetter hatte sich 479 geändert. Der Wind blies steif ans Süden, nnd obgleich hell, war die Lust doch mit den Elementen des Sturmes erfüllt. „Es wird mir immer unerträglicher, June," sagte Mabel, als sie die Oeffnnng verließ. „Ich wollte lieber den Feind sehen, als stets diese schreckliche Heerschau des Todes vor Augen haben." „Still! da sie kommen. June denken hören einen Schrei, wie Krieger rufen, wenn er nehmen einen Skalp." „Was meinst du? Es gibt nichts mehr zu schlachten! — es kann nichts mehr geben!" „Salzwaffer!" rief June lachend, indem sie durch die Schießscharte blickte. „Mein lieber Onkel! Gott sey Dank! Er lebt also! O June, June, du wirst ihm doch kein Leid thnn lassen?" „June arme Squaw. Was Krieger denken von was ich sagen? Arrowhead bringen ihn her." Mabel stand an einer Schießscharte, und sah deutlich genug Cap und den Quarticrmeistcr in den Händen von acht oder zehn Indianern, welche jene zu dem Fuße des Blockhauses führten; denn da sic nunmehr gefangen waren, sah der Feind wohl ein, daß kein Mann sich in diesem Gebäude befinden könne. Mabel wagte kaum zu athmen, bis der ganze Haufen unmittelbar vor der Thürc stand, wo sie dann zu ihrer großen Freude bemerkte, daß der französische Offizier unter ihnen war. Es folgte nun eine kurze Besprechung, welche Arrowhead und der weiße Führer mit den Gefangenen hielt, worauf der Quarticrmeistcr mit vernehmlicher Stimme unserer Heldin zurief: „Schöne Mabel! Schöne Mabel," sagte er, „blicken Sie aus einer Ihrer Schießscharten auf uns herunter, und haben Sie Mitleid mit unserer Lage. Wir sind mit augenblicklichem Tode bedroht, wenn Sie nicht den Siegern die Thüre öffnen. Lassen Sic sich also erweichen, sonst tragen wir unsere Skalpe keine halbe Stunde mehr, von diesem gesegneten Augenblick an." Mabel kam cs vor, als ob Spott und Leichtfertigkeit in diesem Ausruf liege, ein Benehmen, welches mehr dazu diente, ihren Entschluß, den Platz so lange als möglich zu halten, zu befestigen, als zu entkräften. „Sprecht Ihr zu mir Onkel," rief sie durch die Schießscharte „und sagt mir, was ich thnn soll." „Gott sep Dank! Gott sey Dank!" cntgegnete Cap; „der Ton deiner süßen Stimme, Magnet, nimmt mir eine schwere Last vom Herzen; denn ich fürchtete, du habest das Loos der armen Jennie gcthcilt. Es lag mir in den letzten vierundzwanzig Stunde» auf der Brust, als ob man eine Tonne Blockeisen auf sie gestaut hätte. Du fragst mich, was du thnn sollst, Kind, und ich weiß nicht, was ich dir rathcn soll, obgleich du meiner Schwester Tochter bist. ArmeS Mädchen! Alles was ich dir jetzt sagen kann, ist, daß ich vom Grunde meines Herzens den Tag verwünsche, an dem wir beide jemals diesen Frischwasserstrcifcn gesehen haben." „Aber, Onkel, wenn Euer Leben in Gefahr ist — meint Ihr, ich solle die Thüre öffnen?" „Ein rund'cr Schlag und zwei Timmerstichc machen einen festen Beleg; und ich würde Niemand rathe», der außer dem Bereiche dieser Teufel ist, etwas zu entriegeln oder anfzumachcn, um in ihre Hände zu fallen. Was den Qnartiermeister und mich anbelangt, so sind wir beide ältliche Leute und für die Menschheit von keiner besonderen Bedeutung, wie der ehrliche Pfadfinder sagen würde; es kann Jenem daher keinen großen Unterschied ausmachen, ob er seine Zahlungslistcn in diesem oder dem nächsten Jahr ausgleicht; und was mich anbclangt, ja, wenn ich auf hoher See an Bord wäre, so wüßte ich wohl, was ich zu thnn hätte; aber hier oben, in dieser wässrigen Wildniß, kann ich mir sagen, daß ein gutes Stück indianischer Logik dazu gehören würde, mich ans einem solchen bischen Bollwerk, wenn ich dahinter wäre, herauszukriegen." „Sie werden nicht auf Alles, was Ihr Onkel sagt, achten," 481 warf Mnir ein, „denn das Unglück hat ihm augenscheinlich den Kopf verwirrt, so daß er nicht im Stande ist, das, was im gegenwärtigen Augenblick noth thut, einzusehcn. Wir sind hier in den Händen sehr umsichtiger und achtenöwerther Personen, wie man anerkennen muß, und wir haben wenig Ursache, irgend eine mißliebige Gewalt zu befürchten. Die Zufälle, welche sich ereignet haben, sind in einem Kriege gewöhnlich, und können unsere Gefühle gegen den Feind nicht ändern, denn dieser ist weit entfernt, die Absicht an den Tag zu legen, daß den Gefangenen irgend ein Leides zugefügt werde. Ich bin überzeugt, daß Meister Cap, so wenig als ich, Ursache hat, sich zu beklagen, denn wir habe» uns selbst Meister Arrowhead ausgeliefcrt, der mich durch seine Tugenden und seine Mäßigung an die Römer oder Spartaner erinnert; es wird Ihnen aber bekannt sepn, daß die Gebräuche verschieden sind, und daß unsere Skalpells gesetzliche Opfer genommen werden können, um die Manen gefallener Feinde zu sühnen, wenn Sie sie nicht durch Capitulation retten." „Ich werde besser thun, in dem Blockhaus zu bleiben, bis das Schicksal der Insel entschieden ist," erwicderte Mabel. „Unsere Feinde können mich wenig bekümmern, da sie wissen, daß ich ihnen keinen Schaden zufügen kann. Ich halte cs daher für mein Geschlecht und für mein Alter weit passender, hier zu bleiben." „Wenn es sich hier blos um das, was für Sie paffend ist, handelte, Mabel, so würden wir Alle uns gern Ihren Wünschen fügen; aber diese Herren glauben, daß das Blockhaus für ihre Operationen sehr günstig sey, und haben daher ein großes Verlangen, cs zu besitzen. Offen gesprochen, ich und ihr Onkel sind in einer eigenthümlichc» Lage, und ich muß gestehen, daß ich, um Übeln Folgen vorznbeugen, vermöge der Macht, welche einem Offizier in Seiner Majestät Diensten zusteht, eine Verbal-Capitulation abgeschlossen habe, in welcher ich mich verpflichtete, das Blockhaus und die ganze Insel zu übergeben. Das ist das Loos des Krieges, und Der Pfadfinder, S. Aufl. 31 482 man muß sich ihm unterwerfen. Oeffnen Sic also ohne Aufschub die Thüre, schöne Mabel, und vertrauen Sie sich der Sorgfalt derjenigen, welche wissen, wie sie Schönheit und Tugend im Unglück zu behandeln haben. Kein Höfling in Schottland ist gefälliger und mehr mit den Gesetzen des Anstandes vertraut, als dieser Häuptling." „Nicht verlassen Blockhaus;" flüsterte June, welche an Mabels Seite die Vorgänge aufmerksam beobachtete. „Blockhaus gut — kriegen nicht Skalp." Ohne diese Aufmunterung hätte Mabel vielleicht nachgegeben, denn es leuchtete ihr nachgerade ein, daß es wohl das Beste sepn dürfte, den Feind durch Zugeständnisse zu gewinnen, statt ihn durch Widerstand zu erbittern. Muir und Cap befanden sich in den Händen der Indianer, welchen es bekannt war, daß sich kein Mann in dem Gebäude aufhalte, weßhalb sie sich vorstellte, die Wilden würden aufs Neue die Thüre berennen, oder sich mit den Nerten einen Weg durch die Stämme bahnen, wenn ein friedlicher Einlaß nun, da kein Grund mehr vorhanden war, ihre Büchsen zu fürchten, hartnäckig verweigert würde. Aber June's Worte veranlaßten sie, inne zu halten, und ein ernster Händedruck, ei» bittender Blick ihrer Gefährtin befestigten ihren Entschluß. „Nicht gefangen noch," flüsterte June, „laß sie machen gefangen, ehe sie nehmen gefangen — sprechen groß; June sie weisen." Mabel begann nun entschlossener mit Muir zu sprechen und erklärte ihm, da ihr Onkel geneigt schien, sein Gewissen durch Schweigen zu beschwichtigen, offen, daß es nicht ihre Absicht sey, das Gebäude zu übergeben. „Sie vergessen die Capitulation, Mistreß Mabel," sagte Muir, „die Ehre eines von Seiner Majestät Dienern ist dabei bcthciligt, und die Ehre Seiner Majestät durch diesen Diener. Sie wissen, was es mit der militärischen Ehre für eine zarte, empfindliche Be- wandtniß hat?" „Ich weiß genug, Herr Muir, um einzusehen, daß Sic bei dieser Expedition kein Commando und deshalb auch kein Recht haben, das Blockhaus ausznliefern; und ich erinnere mich noch obendrein, von meinem Vater gehört zu haben, daß ei» Gefangener für die ganze Zeit der Gefangenschaft seine Machtvollkommenheit verliere." „Lauter Spitzfindigkeit, schöne Mabel, — Verrath gegen den König, Beschimpfung seiner Offiziere und Schmähung seines Namens. Sie werden nicht auf ihrer Abficht bestehen, wenn Ihr besseres Urtheil Muße gehabt hat, nachzndenkcn und auf die Verhältnisse und Umstände Rücksicht zu nehmen." „Ja," seufzte Cap, „das ist ein Umstand, hol'ihn der Henker!" „Kein Sinn, was Onkel sagt," bemerkte June, welche sich in einer Ecke des Zimmers beschäftigte. Blockhaus gut — kriegen nicht Skalp." „Ich werde bleiben, wo ich bin, Herr Muir, bis Nachrichten von meinem Vater eingchcn. Er wird im Laufe der nächsten zehn Tage zurückkommen." „Ach! Mabel; diese List wird die Feinde nicht täuschen, denn fie sind durch Mittel, welche unbegreiflich scheinen würden, wenn nicht ein unabweisbarer Verdacht auf einem unglücklichen jungen Mann haftete — von allen unfern Bewegungen und Planen in Kenntniß gesetzt, und wissen wohl, daß ehe noch die Sonne niedcr- geht, der würdige Sergeant mit allen seinen Leuten in ihrer Gewalt sehn wird. Geben Sie nach! Unterwerfung unter die Beschlüsse der Vorsehung ist Christenpflicht." „Herr Muir, Sie scheinen über die Stärke dieses Werkes im Jrrthum zu sehn und es für schwächer zu halten, als es ist. Wollen Sie sehen, was ich zu seiner Verthcidigung thun kann, wenn ich will?" „Ich wills meinen, daß ich das sehen mochte," antwortete der Quartiermeister, welcher immer in seinen schottischen Tialekt verfiel, wenn ihn etwas lebhaft ansprach. „Was halten Sie von dem? Sehen Sie auf die Schießscharte im obern Stock." 484 Auf diese Worte richteten sich Aller Auge» nach oben und erblickten die Mündung einer Büchse, welche vorsichtig durch eine Ocffnnng geschoben wurde, denn June Hütte wieder zu einem Kunstgriff Zuflucht genommen, welchen sie schon einmal mit gutem Erfolg angewcudet hatte. Das Resultat entsprach ganz der Erwartung; denn kaum hatten die Indianer diese verhängnißvvlle Waffe zu Gesicht bekommen, als sic sich aus dem Staube machten, und in weniger als einer Minute hatte Jeder seinen Versteck aufgefunden. Der französische Offizier blickte auf den Lauf des Gewehres, um sich zu überzeugen, daß es nicht auf ihn gerichtet sey, und nahm kaltblütig eine Prise Tabak, während Cap uud Muir, welche von dieser Seite aus nichts zu befürchten hatten, ruhig stehen blieben. „Seyen Sie klug, meine schöne Mabel, seyen Sie klug!" rief Muir, „und veranlassen sie keinen nutzlosen Zwist. Im Namen aller Könige von Albion, wen haben Sie in diesem hölzernen Thurm bei sich eingcschlossen, der es so sehr auf Blut abgesehen zu haben scheint? Da steckt Zauberei dahinter, und unsere ganze Reputation hängt von dieser Entwicklung ab." „Was halten Sie von dem Pfadfinder, Herr Muir, als Besatzung für einen so starken Posten?" rief Mabel, indem sie zu einem Doppelsinn ihre Zuflucht nahm, welchen die Umstände sehr entschuldbar machten. „Was werden ihre französischen und indianischen Kameraden von einem Ziele für Pfadfinders Büchse halten?" „Fahren Sie glimpflich mit dem Unglück, schöne Mabel, und vermischen Sie nicht die Diener des Königs, — der Himmel segne ihn und das ganze königliche Haus — mit des Königs Feinden. Wenn Pfadfinder wirklich im Blockhaus ist, so mag er sprechen. Wir wollen dann unsere Unterhandlungen unmittelbar mit ihm abmachen. Er kennt uns als Freunde, und wir fürchten nichts Schlimmes von seiner Hand, am allerwenigsten aber ich; denn eine edle 485 Seele ist ganz geeignet, Nebenbuhlerschaft in einem gewissen Interesse zu einer sichern Grundlage der Achtung und Freundschaft zu machen, zumal da Bewunderung des nämlichen weiblichen Gegenstandes eine Gleichheit der Gefühle und des Geschmackes beweist." Das Vertrauen ans Pfadfinders Freundschaft erstreckte sich jedoch nicht weiter, als auf den Quartiermcister und Cap; denn selbst der französische Offizier, welcher sich bisher nicht von der Stelle gerührt hatte, schrack zurück bei dem Klange dieses gefürchteten Namens. In der That schien er, obgleich ein Mann non eisernen Nerven und durch lange Jahre an die Gefahren des Jndianerkriegs gewöhnt, sich nicht den Kugeln des HirschetödterS aussetzen zu wollen, dessen Ruf an der ganzen Gränzc so Wohl begründet war, als der von Marlborough in Europa; und er verschmähte es nicht, gleichfalls einen Versteck zu suchen, wobei er darauf bestand, daß ihm seine beiden Gefangenen folgen sollten. Mabel war zu sehr erfreut, ihrer Feinde ledig geworden zu sehn, als daß sie die Entfernung beklagt hätte, obgleich sie Cap durch die Schießscharte einen Kuß znwarf und ihm einige Worte der Liebe nachrief, als er sich zögernd und ungcrne entfernte. Der Feind schien nun geneigt, alle Versuche auf das Blockhaus für den Augenblick aufzngeben, und June, welche durch die eine Fallthüre auf das Dach gestiegen war, wo sic alles am besten übersehen konnte, berichtete, daß sich der ganze Haufen in einem abgelegenen und geschützten Theile der Insel zum Essen versammelt hätte, wobei Cap und Muir so ruhig an dem Mahle theilnähmen, als ob sie aller Sorge ledig sehen. Diese Mittheilung beruhigte Mabel, und sie begann wieder an die Mittel zu denken, um ihre Flucht zu bewerkstelligen, oder ihren Vater vor der Gefahr, die seiner wartete, zu warnen. Die Rückkehr des Sergeanten wurde diesen Nachmittag erwartet, und sie wußte, daß ein gewonnener oder verlorener Augenblick über sein Schicksal entscheiden konnte. Drei oder vier Stunden entschwanden. Die Insel war wieder 486 in tiefe Ruhe versenkt. Der Tag neigte sich, und noch hatte Mabel keinen Entschluß gefaßt. June bereitete im untersten Raum das frugale Mahl, und Mabel war selbst auf das Dach gestiegen, welches mit einer Fallthüre versehen war. Durch diese konnte sie in den Giebel des Gebäudes gelangen, von wo ans die Insel die weiteste Aussicht bot, obgleich diese immer noch beschränkt und häufig durch die Gipfel der Bäume eingeengt war. Das ängstliche Mädchen wagte es nicht, sich sehen zu lassen, denn sie konnte nicht wissen, ob nicht ungezügelte Leidenschaft einen Wilden veranlassen mochte, ihr eine Kugel durchs Hirn zu jagen. Sie erhob daher nur ihren Kopf über die Fallthüre, von wo aus sie im Laufe des Nachmittags ihre Augen über die verschiedenen Kanäle um die Insel so oft die Runde machen ließ, als ,Anna, Schwester Anna/ über die Umgebungen von Blaubarts Schloß. Die Sonne war nun wirklich untergegangen. Bon den Booten hatte sich nichts sehen lassen, und Mabel stieg aufs Dach, um den letzten Blick ansznsenden, in der Hoffnung, daß ihre Leute in der Dunkelheit ankommcn sollten, wodurch die Indianer wenigstens verhindert würden, ihren Hinterhalt so gefährlich zu machen, als dicß unter andern Umständen der Fall gewesen wäre. Sie wurde hiedurch in den Stand gesetzt, mittelst Feuers ein so augenfälliges Warnnngszeichen zu geben, als es eben in ihrer Macht stand. Ihr Auge streifte achtsam um den ganzen Horizont herum, und sie war eben im Begriff, sich zurückznziehen, als sic einen neuen Gegenstand gewahrte, der ihre Aufmerksamkeit fesselte. Die Inseln lagen so dicht bei einander, daß man sechs bis acht verschiedene Kanäle oder Wasserstraßen zwischen denselben erblicken konnte, und in einem der verstecktesten, fast ganz durch das Gebüsch des Ufers verborgenen, erkannte sie bei einem zweiten Blick einen Nindcnkahn. Er enthielt außer allem Zweifel ein menschliches Wesen. In der Ueberzeugnng, daß, wenn sie es hier mit einem Feinde zu thnn habe, ein Signal nicht schaden, wohl aber im entgegengesetzten Fall von gutem 487 Nutzen scpn könne, ließ daS Mädchen schnell eine kleine Flagge, welche sie für ihren Vater gemacht hatte, gegen de» Fremden wehen, wobei sie Sorge trug, daß diese Bewegung von der Insel aus nicht gesehen werde. Mabel wiederholte ihr Signal acht oder zehnmal vergebens, und fing schon an, die Hoffnung anfzugcben, daß cs bemerkt würde, als auf einmal ihr Zeichen durch eine Bewegung mit dem Ruder erwiedert wurde, und der Mann so weit hcrvorkam, daß sie in ihm Chingachgook erkennen konnte. Hier war also endlich ein Freund, und zwar einer, der fähig und, wie sie nicht bezweifelte, geneigt war, ihr Beistand zu leisten. Von diesem Augenblick lebte all ihr Muth wieder auf. Der Mohikaner hatte sie gesehen, mußte sie, da er von ihrer Theilnahme an dem Zuge wußte, erkannt haben, und that, ohne Zweifel, so bald es dunkel geworden war, die nöthigen Schritte zu ihrer Befreiung. Daß ihm die Anwesenheit des Feindes nicht entgangen seyn konnte, ließ sich aus der großen Vorsicht, die er beobachtete, abnehmen, und auf seine Klugheit und Geschicklichkeit konnte sic sich zuversichtlich verlassen. Die Hanptschwicrigkeit stand nun von Jnne zu besorgen; denn so anhänglich sie auch an Mabel war, so hatte letztere doch zu viel von der Treue der Indianerin gegen ihr Volk gesehen, als daß sie hoffen durfte, sie werde einem feindlichen Indianer den Eintritt in das Blockhaus gestatten, oder sie selbst in der Absicht, Arrvwhead's Plane zn vereiteln, entfliehen lassen. Die halbe Stunde, welche der Entdeckung von Big Serpents Nähe folgte, war die peinlichste in Mabels Leben. Sie sah die Mittel zur Ausführung all ihrer Wünsche so ganz in der Nähe, und doch konnte sie nicht danach greifen. Sie kannte June's Entschlossenheit und Besonnenheit, ungeachtet ihrer Herzcnsgüte und ihrer zarten weiblichen Gefühle, und kam endlich, zwar mit innerem Widerstreben, zu der Ncberzcngnng, daß cs kein anderes Mittel zur Erreichung ihres Zweckes gebe, als ihre erprobte Freundin und Beschützerin zu täuschen. Es empörte allerdings Mabels edle Seele, eine 488 Freundin wie Jnne zn hintergchen, aber ihres Paters Leben stand ans dem Spiele; ihrer Gefährtin drohte kein unmittelbarer Nachthcil, und die Gefühle und Interessen, welche ste selbst berührten, waren von einer Art, daß ste Wohl größere Zweifel beseitigt haben müßten. Sobald es dunkel war, begann Mabcls Herz mit erneuter Heftigkeit zn pochen, und ste entwarf und wechselte ihre weiteren Plane wohl ein Dutzend mal im Laufe einer einzigen Stunde. Jnne war immer die Quelle ihrer größten Verlegenheit; denn einmal sah ste nicht ein, wie sie sich die lleberzeugnng zu verschaffen vermöge, daß Chingachgook an der Thüre sey, wo er, wie ste nicht zweifelte, bald erscheinen mußte — und dann, wie sie ihn einlaffen könne, ohne ihre wachsame Freundin aufmerksam zu machen. Doch die Zeit drängte, denn der Mohikan konnte kommen und wieder fortgehen, wenn ste nicht bereit war, ihn anfzunehmen, da es für den Delawaren gewagt gewesen wäre, lange ans der Insel zu bleiben. Es wurde daher unbedingt nöthig, einen Entschluß zu fassen, selbst auf die Gefahr hin, unbesonnen zu handeln. Nach manchen Plänen, die sich in ihrem Gehirne nmhertrieben, ging daher Mabel auf ihre Gefährtin zu und sagte zu ihr mit so viel Ruhe, als ste aufznbringen vermochte: „Jnne, fürchtest du nicht, daß deine Leute, da ste glauben, Pfadfinder sey in dem Blockhause, kommen und aufs Neue Feuer anlegen werden?" „Nicht denken solch Ding. Nicht verbrennen Blockhaus, Block- Hans gut; kriegen nicht Skalp." „June, wir können das nicht wissen. Sie haben sich versteckt, weil ste glaubten, was ich ihnen wegen Pfadfinders sagte." „Glauben erzeugen Furcht. Furcht kommen schnell, gehen schnell. Furcht machen weglanfen. Verstand machen zurückkommen. Furcht machen Krieger thöricht, so gut als junges Mädchen." Hier lachte June in der Weise junger Mädchen, wenn ein possierlicher Einfall ihre Gedanken durchkreuzt. 489 „Mir ist gar nicht wohl bei der Sache, June, und ich wünschte, du gingest wieder aufs Dach, um dich dort nmzusehen, ob nicht etwas gegen uns im Werke ist; du kennst die Zeichen dessen, was deine Leute beabsichtigen, besser als ich." „June gehen, Lily wünschen; aber sehr Wohl wissen, daß Indianer schlafen, warten ans Vater. Krieger essen, trinken, schlafen, alle Zeit, wenn nicht fechten und gehen auf Kriegspfad; aber dann nie schlafen, essen, trinken —nie fühlen. Krieger jetzt schlafen." „Gott gebe, daß es so seyn möge! Aber gehe hinauf, liebe June, nnd sieh dich wohl um. Die Gefahr kann kommen, wenn wir es am wenigsten erwarten." June erhob sich nnd schickte sich an, auf das Dach hinauf zu steigen; auf der ersten Sprosse der Leiter hielt sie aber inne, Ma- bels Herz schlug so heftig, daß sie fürchtete, das Klopfen desselben möchte gehört werden, und sie bildete sich ein, daß eine Ahnung ihrer wahren Absicht die Seele ihrer Freundin durchkreuze. Sie hatte zum Theil Recht; denn die Indianerin hatte wirklich angehalten, um zu überlegen, ob sie mit diesem Schritte nicht eine Unbesonnenheit begehe. Einmal tauchte in ihr der Verdacht auf, daß Mabel entfliehen möchte; diesen verwarf sie jedoch wieder, weil sie wußte, daß dem Blaßgesicht keine Mittel zu Gebote standen, die Insel zu verlassen, nnd das Blockhaus war jedenfalls der sicherste Punkt, welchen sie finden konnte. Dann war ihr nächster Gedanke, Mabel könnte Zeichen von der Annäherung ihres Vaters entdeckt haben. Aber auch diese Vermuthung haftete nur einen Augenblick, denn June hegte gegen die Fähigkeit ihrer Freundin, derartige Zeichen zu verstehen -— Zeichen, die ihrem eigenen Scharfblicke entgangen waren — ungefähr dieselbe Meinung, welche moderne Damen von den Vorzügen ihrer Kammermädchen zu unterhalten pflegen. Da ihr nun weiter nichts mehr beifiel, so fing sie an langsam die Leiter hinauf zu steigen. 490 Sic hatte eben den oberen Boden erreicht, als unserer Heldin «in glücklicher Gedanke sich darbot, und da sic ihn in einer zwar hastigen, aber natürliche» Weise kund gab, gewann sie einen großen Vortheil für die Verwirklichung ihres Planes. „Ich will hinabgehcn, June, und an der Thüre horchen, während du auf dem Dach bist; wir sind auf diese Weise oben und unten auf unserer Hut." June hielt dieß für eine unnöthige Vorsicht, da sie Wohl wußte, daß Niemand ohne Hilfe von innen in das Gebäude herein könne, und daß keine Gefahr von außen zu erwarten stehe, ohne daß sie cs vorher bemerken mußte; sie schrieb daher diesen Vorschlag Mabels Unwissenheit und Furcht zu und nahm ihn mit so viel Vertrauen auf, als er mit Unverfänglichkeit gemacht zu seyn schien. So wurde es nun unsrer Heldin möglich, zu der Thüre hinunter zu steigen, während sich ihre Freundin nach dem Dache begab und keinen besonder» Anlaß zu haben glaubte, erstere zu bewachen. Die Entfernung zwischen Beiden war jetzt zu groß, um ein Gespräch zu gestatten, und die Eine beschäftigte sich drei oder vier Minuten mit Umsehen in der Gegend, so gut dieses die Finsterniß erlaubte, indeß die Andere mit so viel Spannung an der Thür horchte, als ob alle ihre Sinne sich in dem Ohre con- centrirt hätten. June bemerkte nichts von ihrem hohen Standpunkte; die Finsterniß ließ auch in der That kaum einen Erfolg hoffen; es möchte aber nicht leicht seyn, das Gefühl zu beschreiben, mit welchem Mabel einen schwachen und vorsichtigen Stoß gegen die Thüre zu bemerken glaubte. Fürchtend, es möchte nicht Alles seyn, wie sie wünschte, und ängstlich bekümmert, Chingachgook ihre Nähe auzudeuten, fing sie an, obgleich tu leisen und bedenden Tönen, zu singen. Die Stille war in diesem Augenblicke so tief, daß der Laut der uusichcrn Stimme bis zu dem Dache hinauf tönte, und eine Minute später begann June herunter zu steigen. Unmittelbar 491 darauf wurde ein leichtes Pochen au der Thüre gehört. Mabel war außer sich, denn jetzt war keine Zeit mehr zu verlieren. Die Hoffnung üderwog die Furcht, und mit unsicheren Händen begann sie die Balken wegznnehmen. Sie hörte auf der Flur über sich Jnne's Moceasin; und erst ein einzelner Balken war znrückgcschoben, der zweite war gehoben, als die Gestalt der Indianerin bereits zur Hälfte auf der unteren Leiter sichtbar war. „Was thun du?" rief June mit Heftigkeit? „Laufen weg — toll verlassen Blockhaus? Blockhaus gut!" Beide legten ihre Hände an den letzten Riegel, der wahrscheinlich aus den Klammern gehoben worden wäre, wenn nicht ein kräftiger Druck von außen das Holz eingeklemmt -hätte. Nu» folgte ein kurzer Kampf, obschon Beide zu Anwendung von Gewalt gleich abgeneigt waren. Wahrscheinlich würde übrigens June den Sieg davon getragen haben, hätte nicht ein weiterer, noch kräftigerer Stoß von außen das leichte Hinderniß, welches den Balken noch hielt, überwunden und die Thüre geöffnet. Man sah nun die Gestalt eines Mannes eintretcn, und Beide eilten nach der Leiter, als ob sie gleichbcsorgt wegen der Folgen seyen. Der Fremde schloß die Thüre und stieg, nachdem er sich vorher sorgfältig im Erdgeschosse nmgesehen hatte, die Leiter hinauf. June hatte, sobald es dunkel geworden war, die Schießscharten im ersten Stocke geschloffen und ein Licht angezündet. Beide erwarteten jetzt in dieser düstern Beleuchtung die Erscheinung ihres neuen Gastes, dessen vorsichtige und bedachtsame Tritte sie auf der Leiter höre» 'konnten. Es dürfte schwer zu sagen seyn, welche von den Weibern am meisten erstaunt war, als der Fremde durch die Fallthüre Hinaufstieg und die Gestalt des Pfadfinders vor ihren Augen stand. „Gott sey gepriesen!" riefMabel, denn der Gedanke, daß das Blockhaus mit einer solchen Besatzung unbezwinglich sey, durchkreuzte ihre Seele. „O Pfadfinder, was ist aus meinem Vater geworden?" 492 „Der Sergeant ist' bis jetzt wohlbehalten und siegreich, obgleich es nicht unter die Gaben des Menschen gehört, zu sagen, wie der Ausgang sehn wird. Ist das nicht Arrowheads Weib, die sich dort in die Ecke kauert?" „Macht ihr keine Vorwürfe, Pfadfinder; ich verdanke ihr mein Leben und meine gegenwärtige Sicherheit. Sagt mir, wie es meinem Vater und seinen Leuten gegangen ist und warum Ihr hier seyd; ich will Euch dann alle die schrecklichen Ereignisse erzählen, welche auf dieser Insel vorgefallen sind." „Für das Letztere werden wenige Worte ausreichen, Mabel; denn wenn man an indianische Teufeleien gewöhnt ist, so bedarf es keiner weitläufigen Erörterung eines solchen Begebnisses. Unser Feldzug ging, wie wir es hoffen konnten, von Statten, denn der Serpent war auf der Spähe und theilte uns mit, was das Herz nur wünschen konnte. Wir kriegten drei Boote in einen Hinterhalt, und nachdem wir die Franzosen daraus verjagt hatten, nahmen wir von denselben Besitz und versenkten sie vorschriftsmäßig an der tiefsten Stelle des Kanals. Die Wilden in Obercanada werden diesen Winter mit indianischen Gütern nicht weit springen. Auch werden Pulver und Blei unter ihnen seltener sehn, als es geschickten Jägern und muthigen Kriegern lieb sehn mag. Wir haben nicht einen Mann verloren, nicht einmal eine Haut wurde gestreift, und ich denke, der Feind wird nicht besonders gut darauf zu sprechen sehn. Kurz, Mabel — es ist gerade solch ein Ausflug gewesen, wie ihn Lundie liebt — viel Schaden für den Feind und wenig für uns selbst." „Ach, Pfadfinder, ich fürchte, wenn Major Duncan die ganze traurige Geschichte erfährt, so wird er Ursache haben, zu bereuen, daß er je diesen Handel unternommen." „Ich weiß, was Sie meinen, ich weiß, was Sie meinen; wenn ich Ihnen aber die Umstände geradezu erzähle, so werden Sie sie besser verstehen. Ms der Sergeant seinen Strauß mit Ehren 493 beendet hatte, sandte er mich und den Serpent in Kähnen voraus, um euch zu sagen, wie die Sachen abgelaufen sehen, und daß er mit den so sehr beschwerten Booten nicht vor Morgen eintreffen könne. Ich trennte mich diesen Vormittag von Chingachgook und wir trafen dabei die Verabredung, daß er die eine und ich die andere Reihe von Kanälen hinauffahren solle, um zu sehen, ob der Pfad sauber seh. Seitdem habe ich den Häuptling nicht wieder gesehen." Mabel erklärte ihm nun die Art, wie sie den Mohikaner entdeckt hatte und daß sie ihn nun in dem Blockhaus« erwarte. „Nein, nein! ein regelmäßiger Kundschafter geht nie hinter Wände und Holzstämme, so lange er in freier Luft bleiben und eine nützliche Beschäftigung finden kann. Ich würde auch nicht gekommen sehn, Mabel, wenn ich nicht dem Sergeanten versprochen hätte, Ihnen Muth zuzusprechcn und für Ihre Sicherheit zu sorgen. Ach, ich habe diesen Vormittag die Insel mit schwerem Herzen untersucht, und es war mir eine herbe Stunde, als ich dachte. Sie könnten unter den Erschlagenen sehn." „Aber welcher glückliche Zufall hat Euch verhindert, kühn auf die Insel loszurudern, wodurch Ihr hättet in die Hände des Feindes fallen müssen?" „Durch einen Zufall, Mabel, wie die Vorsehung ihn schuf, um dem Hunde zu sagen, wo der Hirsch zu finden ist, und dem Hirsche, wie er den Hund abwcrfen soll. Nein, nein! diese Kunstgriffe und Teufeleien mit Leichen mögen die Soldaten des Fünfnndfünfzigstcn und die Offiziere des Königs täuschen, aber bei Leuten, welche ihr Leben in den Wäldern zugebracht haben, sind sie verloren. Ich kam in dem Kanal Angesichts des vorgeblichen Fischers herunter, und obgleich dieses Gewürm den armen Wicht kunstreich hingesetzt hatte, so geschah es doch nicht mit dem nöthigcn Scharfsinn, um ein geübtes Auge zu hintergehen. Er hielt die Ruthe zu hoch, denn die Leute vom Fünsundfünfzigsten haben am Oswego fischen gelernt, 494 wenn sie cs vorher auch nicht sonnten; und daun war der Mann auch viel zu rnhig für einen, dem nichts anbeißen will. Aber wir gehen nie blindlings auf einen Posten zu, und ich bin einmal eine ganze Nacht vor einer Garnison liegen geblieben, weil man die Schildwachen und die Art ihres Wachstehens verändert hatte. Weder der Scrpent noch ich lassen sich durch solche plumpe Pfiffe übertölpeln, die wahrscheinlich mehr auf die Schotten berechnet sind : denn obgleich diese in manchen Stücken ziemlich verschlagen sehn mögen, so sind sie doch nichts weniger als Hercnmeister, wenn cs sich um indianische Kunstgriffe handelt." „Glaubt Ihr, mein Vater und seine Leute könnten noch überlistet werden?" fragte Mabel rasch. „Nicht, wenn ichs verhindern kann, Mabel. Sie sagen mir, der Serpcnt sey auch ans der Spähe; und so ist es doppelt wahrscheinlich, daß es uns gelingen wird, ihn von der Gefahr in Kennt- niß zu setzen, obgleich wir nicht gewiß wissen, durch welchen Kanal er kommen mag." „Pfadfinder," sagte unsere Heldin feierlich, denn die schrecklichen Scenen, deren Zeuge sie gewesen, malten ihr den Tod mit den furchtbarsten Farben; „Pfadfinder, Ihr habt gesagt, daß Zhr mich liebet, und mich zu Eurem Weibe wünschet?" „Ich wagte es, über diese» Gegenstand mit Ihnen zu sprechen, Mabel, und der Sergeant hat mir erst kürzlich gesagt, daß Sie gegen mich gütig gesinnt sehen; aber ich bin nicht der Mann, das zu verfolgen, was ich liebe." „Hört mich, Pfadfinder — ich schätze Euch, ich achte Euch, ich verehre Euch — rettet meinen Vater von diesem fürchterlichen Tode, und ich kann Euch anbeten. Hier ist meine Hand; ich verpflichte mich feierlich, Wort zu halten, sobald Ihr kommt, um Eure Ansprüche aus sie geltend zu machen." „Gott segne Sie, Mabel, Gott segne Sie; das ist mehr als ich verdiene, — mehr, fürchte ich, als ich zu schätzen weiß. Doch 495 bedurfte es des nicht, um mich geneigt zu machen, dem Sergeanten Dienste zu leisten. Wir sind alte Kameraden, und jeder verdankt dem andern das Leben, obgleich ich fürchte, Mabel, daß es nicht immer die beste Empfehlung bei der Tochter ist, des Vaters Kamerad zu seyn." „Ihr bedürft keiner andern Empfehlung, als Eurer Handlungen, Eures Muthes und Eurer Treue. Alles, was Ihr thut und sagt, Pfadfinder, billigt meine Vernunft, und das Herz wird — nein cs muß folgen." „Das ist ein Glück, welches ich in dieser Nacht nicht erwartete; aber wir sind in Gottes Hand, und Er wird uns nach Seiner Weise beschützen. Ihre Worte sind süß, Mabel; aber es bedarf ihrer nicht, um mich aufzumuntcrn, unter den gegenwärtigen Umständen allem, was in menschlicher Kraft steht, aufzubieten; sie werden aber auch in keinem Fall meinen Eifer mindern." „Wir verstehen uns jetzt, Pfadfinder," fügte Mabel mit erstickter Stimme bei. „Laßt uns keinen der kostbaren Augenblicke verlieren, die vielleicht von unberechenbarem Werthe sind. Können wir nicht in Euren Kahn eilen und meinem Vater entgegen gehen?" „Ich möchte nicht hiezu rathen, da ich nicht weiß, durch welchen Kanal Ihr Vater kommen wird, denn cs gibt deren mehr als zwanzig. Verlassen sie sich übrigens darauf, der Serpent wird sich durch alle zu winden wissen. Nein, nein! Mein Rath ist, hierzu bleiben. Die Stämme dieses Blockhauses sind noch grün; es wird daher nicht leicht seyn, sie in Brand zu stecken, und wenn wir nichts von Feuer zu besorgen haben, will ich den Platz gegen einen ganzen Stamm halten. Das Jrokefenvolk soll mich nicht aus dieser Festung herausbringen, so lange, wir die Flamme abhalten können. Der Sergeant bivvuakirt jetzt auf irgend einer Insel, und wird erst gegen Morgen kommen. Wenn wir das Blockhaus halten, so können wir ihn zeitlich warnen, durch Abschießen von Büchsen zum Beispiel; und sollte er sich zu einem Angriff gegen die Wilden 496 entschließen, wozu sein Temperament ihn wahrscheinlich veranlassen wird, so kann der Besitz dieses Gebäudes im Treffen von keinem geringen Belang scyn. Nein, nein! ich bin dafür, zu bleiben, wenn wir dem Sergeanten einen Dienst leisten wollen, obgleich das Entkommen für uns beide keine schwierige Aufgabe wäre." „So bleibt, bleibt, um Gottes Willen, Pfadsiudcr!" flüsterte Mabel. Ich bin mit allem zufrieden, was meinen Vater retten kann!" „Ja, das ist Natur. Es freut mich, Sic so sprechen zu hören, Mabel, denn ich gestehe, daß ich den Sergeanten hübsch unterstützt sehen möchte. Wie die Sachen jetzt stehen, so hat er sich Credit erworben; und könnte er vollends diese Hunde vertreiben und sich ehrenvoll zurückziehe», nachdem er Blockhaus und Hütte in Asche gelegt hat, so ist gar kein Zweifel, daß Lundic an ihn denken und ihm auch wieder Dienste leisten wird. Ja, ja, Mabel, wir müssen nicht allein das Leben des Sergeanten, sondern auch seinen Ruf retten." „Wegen des Neberfalls dieser Insel kann meinen Vater kein Vorwurf treffen." „Davon ist nicht die Rede, davon ist nicht die Rede; militärischer Ruhm ist ein höchst unsicheres Ding. Ich habe die Delawaren in Bedrängniß gesehen, wo sie sich wackerer gehalten haben, als in Zeiten, wo sie den Sieg davon getragen hatten. Man ist übel daran, wenn man sein Leben an ein Geradewohl wagt, und am allerübelsten im Krieg. Ich kenne die Ansiedelungen und die Meinungen, welche dort im Schwünge sind, wenig; aber hier oben schätzen selbst die Indianer den Werth eines Kriegers nach seinem Glück. Für einen Soldaten ist es immer die Hauptsache, nicht geschlagen zu werden, denn ich glaube nicht, daß sich die Leute lange bei den Betrachtungen aufhalten, wie der Tag gewonnen oder verloren wurde. Was mich anbelangt, Mabel, so mache ich es mir zur Regel, im Angesichte des Feindes ihm so gut zuzusetzen, als ich 497 kann, »nd mich mit der möglichsten Mäßigung zn benehmen, sobald wir im Vortheile sind. Von dem Gefühl der Mäßigung nach einer Niederlage läßt sich nicht viel sagen, da das Geklopstwerden ohnehin das Demüthigendste in der ganzen Natur ist. Die Pfarrer predigen von Dcmuth in den Garnisonen; aber wenn Demnth den Christen ausmacht, so müßten des Königs Truppen Heilige scpn, denn sie haben bis jetzt wenig mehr in diesem Kriege gethan, als sich von den Franzosen Lektionen geben lassen, von denn Fort du Quesne an bis znm Tp." „Mein Vater konnte nicht ahnen, daß die Lage der Insel dem Feinde bekannt sey," erwiederte Mabcl, deren Gedanken sich mit dem wahrscheinlichen Erfolg der neuesten Ereignisse für den Sergeanten beschäftigte. „Das ist wahr, und es ist mir unbegreiflich, wie sie die Franzosen ansgefunden haben. Der Ort ist gut gewählt, und es ist selbst für den, welcher den Weg hieher und wieder zurück schon einmal gemacht hat, keine leichte Aufgabe, ihn wieder zn finden. Es ist, wie ich fürchte, Verrätherei dabei im Spiel; ja, ja, wir müssen verrathen worden seyn." „O Pfadfinder, wäre dieß möglich?" „Nichts leichter, Mabel; denn Verrätherei ist manchen Leuten so natürlich, als das Essen. Wenn ich einen Mann voll schöner Worte treffe, so gebe ich immer genau auf seine Handlungen Acht, denn wenn das Herz an der rechten Stelle sitzt und das Gute wirklich mit Eifer sucht, so begnügt man sich im Allgemeinen, sein Benehmen und nicht seine Zunge sprechen zu lassen." „Jasper Western ist keiner von diesen," sagte Mabel mit Ungestüm. „Kein Jüngling kann aufrichtiger in seinem Benehmen oder weniger fähig seyn, die Zunge statt der Thaten reden zu lassen." „Jasper Western? Verlassen Sie sich drauf, Mabel, daß bei dem Jungen Herz und Zunge an der rechten Stelle ist, trotz der Übeln Meinung, welche Lundie, der Quartiermeister, der Sergeant und Der Pfadfinder. 3. Aufl. 32 498 Ihr Onkel von ihm haben; man könnte eben so gut glauben, daß die Sonne bei Nacht und die Sterne bei Tag scheinen. Nein, nein, ich stehe für Eau-douces Ehrlichkeit mit meinem eigenen Skalp, oder, Wenns Noth thut, mit meiner eigenen Büchse." „Gott segne Euch, Pfadfinder, Gott segne Euch!" rief Mabel, indem sie ihre Hand ausstreckte, und die Eisenflngcr ihres Gefährten mit einem Gefühle drückte, dessen Kraft ihr selbst unbewußt war. „In Euch vereinigt sich alles Große, alles Edle; Gott wird es Euch vergelten." „Nch, Mabel, ich fürchte, wenn dies; wahr wäre, so würde ich nicht nach einem Weibe, wie Sie find, trachten, sondern die Bewerbung den Herren in der Garnison überlassen, was auch Ihren Verdiensten angemessener wäre." „Wir wollen heute Nacht nichts mehr davon sprechen," antwortete Mabel mit erstickter Stimme. „Wir müssen jetzt mehr an unsere Freunde, als an uns selbst denken, Pfadfinder. Aber es freut mich von ganzcriSeele, daß Ihr Jasper für unschuldig haltet. Laßt uns nun von andern Dingen reden. — Sollten wir nicht June frei lassen?" „Ich habe bereits an das Weib gedacht; denn es wäre nicht gerathen, hier innen in dem Blockhaus unsere Angen zu schließen, indeß die ihrigen offen sind. Wenn wir sie in den oberen Raum brächten, und die Leiter wegnähmen, so wäre sie wenigstens in unfern Händen." „Ich kann die, welche mein Leben gerettet hat, nicht so behandeln lassen. Es wäre vielleicht besser, sie abziehen zu lassen, denn ich glaube, sie liebt mich zu sehr, um mir Schaden zuzufügen." „Sie kennen diese^Race nicht, Mabel; Sie kennen diese Race nicht. ES ist zwar wahr, sie ist keine Vollblnts-Mingo; aber sie lebt in Gesellschaft mit diesen Landstreichern und muß etwas von ihren Tücken gelernt haben. — Was ist das?" „ES klingt wie Ruderschlag; ein Boot kömmt den Kanalhcrunter." 499 Pfadfinder schloß die Fallthürc, welche zu dem untern Raum führte, um Junes Entspringen zu verhindern, löschte das Licht aus und ging hastig zu einer Schießscharte, wobei Mabel mit athem- loscr Neugierde über seine Schultern blickte. Diese verschiedenen Bewegungen nahmen eine oder zwei Minuten weg. Endlich vermochte das Auge des Kundschafters einige Gegenstände in der Dunkelheit zu unterscheiden. Zwei Boote waren vor- bcigerudert und schossen an einer Stelle, welche etwa fünfzig Ellen von dem Blockhaus entfernt lag — an dem gewöhnlichen Landungsplätze — auf das Ufer. Die Dunkelheit verhinderte ein genaueres Erkennen, und Pfadfinder flüsterte Mabel zu, daß die neuen Ankömmlinge eben so gut Feinde als Freunde sepn könnten, denn er glaube nicht, daß es ihrem Bater möglich geworden sep, sobald anzulangen. Jetzt sah man eine Anzahl Leute das Boot verlassen, dann folgten drei kräftige englische Freudenrufe, welche es nicht mehr im Zweifel ließen, daß die erwarteten Freunde gelandet hätten. Pfadfinder sprang gegen die Fallthürc, hob sie auf, glitt die Leiter hinunter, und begann die Thüre mit einem Ernste z» entriegeln, welcher bewies, wie entscheidend ihm der Augenblick vorkam. Mabel war nachgcfolgt; sie hinderte aber mehr das Geschäft des Mannes, als daß sie es unterstützt hätte: und kaum war der erste Balken los- gemacht, als sich der Knall vieler Büchsen vernehmen ließ. Sie standen noch in athemlosen Zweifel, als plötzlich das Kriegsgeschrci der Indianer die ganze Insel erfüllte. Die Thüre war nun offen, und Pfadfinder, wie Mabel eilten ins Freie. Alles war wieder still. Als jedoch Pfadfinder eine halbe Minute aufhorchte, kam es ihm vor, als höre er ein ersticktes Aechzen in der Nähe der Boote; aber der Wind blies so frisch, und das Rauschen der Blätter mischte sich so sehr mit dem Sausen des Windes, daß sich keine Gewißheit darüber erlangen ließ. Mabel aber wurde von ihren Gefühlen hingerissen, und eilte an dem Gefährten vorüber, gegen die Boote zu. „Das geht nicht, Mabel," sagte der Kundschafter mit ernster 500 aber leiser Stimme, indem er ihren Arm ergriff; „das geht nimmermehr. Gewisser Tod wird die Folge sehn, ohne daß irgend Jemanden ein Nutzen daraus erwächst. Wir müssen in das Blockhaus zurück." „Vater! mein armer, thcurer, gemordeter Vater!" sagte das Mädchen mit wirrem Blicke, obgleich die gewohnte Vorsicht auch in diesem schrecklichen Angenblick ihre Stimme dämpfte. „Pfadfinder, wenn Ihr micki liebt, so laßt mich zu meinem thcnren Vater gehen." „Es geht nicht, Mabel. Es ist sonderbar, daß Niemand spricht; Niemand erwiedert das Feuer non den Boote» aus; und ich habe den Hirschctödter im Blockhaus gelassen! Aber was würde eine Büchse nützen, wenn sich kein Feind sehen läßt?" In diesem Augenblicke entdeckte das rasche Auge des Pfadfinders, welcher, während er Mabel fest gefaßt hielt, unablässig seine Blicke über die nächtliche Scene hinstrcifcn ließ, in der Finstcrniß vier oder fünf geduckte dunkle Gestalten, die sich an ihm vorbei zu stehlen suchten, ohne Zweifel in der Absicht, den Rückzug nach dem Blockhaus abznschneidcn. Er nahm daher Mabel wie ein Kind auf den Arm, und mit der ganzen Anstrengung seiner Kraft gelang es ihm, in das Gcbände znrückzukommen. Die Verfolger schienen ihm unmittelbar auf der Ferse zu sehn. Nachdem er seine Bürde niedergcsctzt hatte, wandte er sich, schloß die Thüre und hatte eben einen Balken angelegt, als ein Stoß gegen die feste Masse sie aus ihren Angeln zu sprengen drohte. Die andern Riegel vorzulegen, war das Werk eines Augenblicks. Mabel stieg nun in das erste Stockwerk, während Pfadfinder als Schildwachc unten blieb. Das Mädchen war in jenem Zustande, in welchem der Körper, scheinbar ohne die Mitwirkung des Geistes, thätig ist. Sic zündete nach dem Wunsche ihres Gefährten mechanisch das Licht an, und kehrte mit demselben in das Erdgeschoß zurück, wo der Pfadfinder ihrer wartete. Letzterer war kaum im 501 Besitze des Lichtes, als er den Ort sorgfältig untersuchte, um gewiß zu seyn, daß sich Niemand in der Feste verborgen hatte, was er dann aus demselben Grunde der Reihe nach auch bei den übrigen Stockwerken that. Das Ergebniß dieser Untersuchung war, daß er sich mit Mabel allein im Blockhaus befand, denn June war entwischt. Sobald er sich über diese» wichtigen Punkt vollkommene Ueberzeugung verschafft hatte, kehrte Pfadfinrer wieder zu unsrer Heldin in das Hauptgemach zurück, stellte das Licht auf den Tisch, und setzte sich nieder, nachdem er zuvor das Schloß des Hirsche- tödters untersucht hatte. „Unsre schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen!" sagte Mabel, welcher die Hast und die Aufregung der letzten fünf Minuten die Stürme eines ganzen Lebens zu enthalten schienen. „Mein lieber Vater ist mit seinen Leuten entweder erschlagen oder gefangen." „Wir können das nicht wissen — der Morgen wird uns Ausschluß geben. Ich glaube nicht, daß die Sache so weit im Reinen ist, sonst würden wir das Siegesgeheul dieser landstreichcrischen Mingoö vor dem Blockhause hören. Wir können nur aus Eines mit Sicherheit zählen; wenn der Feind wirklich gesiegt hat, so wird er es nicht lange anstehen lassen, uns zur Uebergabe aufzufordern. Die Squaw wird sie in^das Geheimniß unserer Lage einwcihen; und da sie wohl wissen, daß der Platz nicht bei Tag in Brand gesteckt werden kann, so lange der Hirschetödter fortfährt, seinen: Rufe Ehre zu machen, so können wir uns darauf verlassen, daß sie nicht säumen werden, einen Versuch zu machen, so lange sie dieß unter dem Schutze der Dunkelheit thun können." „Gewiß — ich höre ein Stöhnen." „Das ist Einbildung, Mabel. Wenn der Geist, besonders der weibliche Geist, beunruhigt ist, so steigen ihn: oft Dinge auf, die in der Wirklichkeit nicht vorhanden sind. Ich habe welche gekannt, die in den Träumen Wahrheit zu finden glaubten —" 502 „Nein, ich habe mich nicht getäuscht; es ist gewiß Jemand unten — ein Leidender." Pfadfinder mußte jetzt zugestchen, daß die scharfen Sinne Mabels sich nicht getäuscht hatten. Er empfahl ihr jedoch vorsorglich, ihre Gefühle zu unterdrücken, und erinnerte sie, daß die Wilden allen Kunstgriffen aufzubicten gewöhnt sehen, um zu ihrem Zwecke zu gelangen, und daß es mehr als wahrscheinlich seh, man wolle sie durch ein verstelltes Stöhnen ans dem Blockhaus locken, oder doch zum Oeffnen der Thüre veranlassen." „Nein, nein, nein!" sagte Mabel hastig: „cs liegt keine Arglist in diesen Tönen; sie kommen aus einem leidenden Körper, wenn nicht aus einer gcängstigtcn Seele; sie sind schreckhaft natürlich." „Nun, wir werden bald sehen, ob ein Freund da ist, oder nicht. Verbergen Sie das Licht wieder, Mabel; ich will mit der Person durch die Schießscharte sprechen." Nach Pfadfinders Urtheil und Erfahrung war selbst zur Ausführung dieses einfachen Vorhabens keine geringe Vorsicht nöthig, denn er wußte, daß mancher Sorglose schon erschlagen wurde, weil es ihm an der nöthigen Achtsamkeit auf dasjenige gebrach, was dem Unwissenden als ein übertrieben vorsichtiges Schutzmittel erscheinen mochte. Er brachte seinen Munv nicht an die Schießscharte selbst, aber doch so nahe an dieselbe, daß er verstanden werden konnte, ohne die Stimme zu verstärken, und die gleiche Sorgfalt beobachtete er im Betreff seines Ohres. „Wer ist unten?" fragte Pfadfinder, als alle Vorkehrungen nach seinem Wunsche getroffen waren. „Ist es irgend ein Bedrängter? Wenn cs ein Freund ist, so mag er kühn sprechen und ans unfern Beistand bauen." „Pfadfinder;" antwortete eine Stimme, welche beide, Mabel und der Angeredete sogleich als die des Sergeanten erkannten — „Pfadfinder, sagt mir doch um Gottes willen, was aus meiner Tochter geworden ist?" 503 „Vater, ich bin hier! unverletzt sicher! O, daß ich das Gleiche von Euch glauben dürfte!" Ein Ansruf des Dankes, welcher jetzt folgte, wurde von beiden vernommen; er war aber deutlich mit dem Aechzen des Schmerzes vermengt. „Meine schlimmsten Ahnungen sind eingetroffen!" sagte Mabel mit einer Art verzweifelter Ruhe. „Pfadfinder, mein Vater muß in das Blockhaus gebracht werden, mag es auch mit noch so viel Gefahr verbunden seyn." „Das ist Natur, und ist das Gesetz Gottes. Aber ruhig, Mabel; geben Sie sich Mühe, gelaffen zu seyn. Alles, was ei» Mensch für den Sergeanten thnn kann, soll geschehen. Ich bitte Sie blos; gefaßt zu seyn." „Ich bin es, ich bin es, Pfadfinder. Ich war in meinem Leben nie ruhiger, nie gesammelter, als in diesem Momente. Aber bedenkt, wie gefährlich jeder Augenblick werden kann. Ums Himmels willen, laßt uns schnell thnn, was geschehen muß." Pfadfinder staunte über die Festigkeit in Mabelö Stimme, und ward vielleicht selbst durch die erzwungene Ruhe und Selbstbeherrschung, die sie angenommen, ein wenig getäuscht. Indessen schien ihm keine weitere Erörterung nöthig; er stieg deshalb unverzüglich hinunter und begann die Thürc zn entriegeln. Dieses geschah mit der gewöhnlichen Vorsicht; als er aber die schwere Balkenmaffe behutsam sich in den Angeln drehen ließ, fühlte er einen Druck gegen dieselbe, welcher ihn fast veranlaßt hätte, die Thüre wieder zu schließen. Nach einem Blick durch die Spalte jedoch öffnete er sie vollends, und der Körper des Sergeanten Dunham, welcher sich daran lehnte, fiel halb in das Blockhaus herein. Ein Augenblick, und Pfadfinder hatte ihn vollends hereingezogen und die Balken wieder vorgelegt, so daß kein Hindcrniß mehr vorhanden war, dem Verwundeten ungctheiltc Sorgfalt zu weihen. Mabel benahm sich bei diesem erdrückenden Auftritte mit jener 504 ungewöhnlichen Seelcnstärke, welche ihr Geschlecht in solchen erregenden Momenten zu entwickeln geeignet ist. Sie holte das Licht, benetzte die vertrockneten Lippen ihres Vaters mit Wasser, unterstützte den Pfadfinder bei Bereitung eines bequemen Strohlagers und machte aus ihren Kleidern ein Kissen für den Kopf des Kranken. Alles dieses geschah unter ernstem Schweigen; selbst Mabel vergoß keine Thräne, bis sie die Segensgebete vernahm, welche der Sergeant für ihre Zärtlichkeit und Sorgfalt über ihr Haupt aussprach. Bisher hatte Mabel nur Vermuthungen über den Zustand ihres Vaters. Pfadfinder hatte jedoch mehr Aufmerksamkeit auf das körper- licheLeiden des Sergeanten verwendet und die Neberzeugung gewonnen, daß eine Büchsenkugel durch den Körper des verwundeten Mannes gedrungen sey. Er war mit der Natur solcher Verletzungen zu gut vertraut, um nicht zu wissen, daß für das Aufkommen seines Freundes wenig oder keine Hoffnung vorhanden war. Viermndzwanzigstcs Kapitel. So trinke meiner Thronen Flnth — War' Balsam meines Herzens Blut, So möchte jeder Tropfen fließen. Dein Leiden, Aermster, zu versüßen. Moore. Sergeant Dunhams Augen ließen nicht ab, der Gestalt seiner lieblichen Tochter zu folgen, so bald das Licht erschienen war. Darauf warf er seinen Blick nach der Thüre des Blockhauses, um sich zu überzeugen, daß sie gut verschlossen setz, denn man hatte ihn in dem untern Raum gelassen, weil es an den Mitteln fehlte, ihn in das erste Stockwerk zu bringen. Dann suchte er wieder Mabels Antlitz; denn mit dem raschen Hinschwinden des Lebens 305 steigert sich die Macht der Liebe, und wir würdigen das am meisten, was, wie wir fühlen, uns auf immer entrissen werden soll." „Gott sey gelobt! mein Kind, du wenigstens bist ihren mörderischen Büchsen entronnen;" sagte er mit einer Stimme, deren Kraft seine Schmerzen nicht zu steigern schien. „Erzählt mir den Verlauf dieser traurigen Geschichte, Pfadfinder." „Ach, Sergeant! sie ist ja traurig gewesen, wie Ihr sagt. Wir sind verrathen worden; man muß dem Feinde die Lage der Insel mitgetheilt haben, — das ist nach meiner Ansicht so gewiß, als daß wir noch im Besitze des Blockhauses sind. Aber —" „Major Duncan hatte Recht," unterbrach ihn Dunham, indem er seine Hand aus den Arm seines Freundes legte. „Nicht in dem Sinne, wie Ihr meinet, Sergeant — nein, nicht aus diesem Gesichtspunkte: nimmermehr! Wenigstens nach meiner Ansicht nicht. Ich kenne die Schwäche der Natur — der menschlichen Natur, meine ich — und weiß, daß keiner von uns sich seiner Gaben rühmen sollte, scy er nun ein Weißer oder eine Rothhaut; aber ich glaube nicht, daß ein treueres Herz an den Gränzen lebt, als Jasper Western." „Gott segne Euch, Gott segne Euch dafür, Pfadfinder!" rief Mabel aus ganzer Seele, indeß eine Fluth von Thränen ihrem Innern Kampfe Luft machte, der eben so wechselnd als ungestüm war. „Oh, Gott segne Euch, Pfadfinder, er segne Euch! Der Brave darf nie den Braven verlassen — der Ehrliche muß dem Ehrlichen beistehen." Des Vaters Angen waren ängstlich auf das Gesicht seiner Tochter gerichtet, bis die letztere ihr Antlitz mit dem Gewände verhüllte, um ihre Thränen zu verbergen; dann blickte erforschend in die harten Züge des Wegweisers. Diese zeigten nur den gewöhnlichen Ausdruck der Freimüthigkeit, Einfachheit und Biederkeit; und der Sergeant bat ihn, fortzufahrcn. „Ihr wißt, wo der Serpent und ich Euch verlassen haben, Sergeant," nahm Pfadfinder wieder auf, „und brauche also nichts 506 von dem zu sagen, was vorher geschah. Es ist nun zu spät, das Vergangene zu bereuen, doch glaube ich, daß es, wäre ich bei den Booten geblieben, nicht so gekommen wäre. Andere Leute mögen wohl auch gute Führer sepn, — ich zweifle nicht daran, daß es so ist — aber die Natur theilt ihre Gaben verschieden aus, und so muß es bessere und schlechtere geben. Ich denke, der arme Gilbert, der meinen Platz einnahm, hat seinen Mißgriff büßen müssen?" „Er fiel an meiner Seite," antwortete der Sergeant mit leisem, traurigem Tone. „Wir haben in der That Alle für unsere Mißgriffe büßen müssen." „Nein, nein, Sergeant; ich hatte nicht die Absicht, ein Urtheil über Euch zn fällen, denn nie waren Leute besser geführt, als die Eurigen bei dieser Unternehmung. Nie ist man einem Feinde schöner in die Flanken gefallen, und an der Art, wie Ihr Euer Boot gegen seine Haubitzen führtet, hätte selbst Lnndie eine Lektion nehmen können." Das Auge des Sergeanten leuchtete, und sein Gesicht trug sogar den Ausdruck eines militärischen Triumphes, welcher jedoch stets der bescheidenen Stellung, in welcher der alte Soldat thätig gewesen war, angemessen blieb. „Es war nicht schlecht ausgeführt, mein Freund," sagte er, „wir nahmen ihr hölzernes Bollwerk im Sturme." „Es war schön ausgcführt, Sergeant; obgleich ich fürchte, es komme am Ende drauf hinaus, daß diese Vagabunden ihre Haubitzen wieder kriegen. Nun, nun, — Muth gefaßt! Versucht, alles Unangenehme zu vergesse», und denkt nur an die angenehme Seite der Geschichte. Das ist die beste Philosophie, und die beste Religion obendrein. Wenn der Feind die Haubitzen wieder kriegt, so hat er nur das, was ihm vorhin gehörte; wir konnten's nicht ändern. Das Blockhaus aber haben sie noch nicht und sollen's auch nicht kriegen, wenn sie es nicht in der Dunkelheit anzündcn. Nun, Sergeant, der Scrpent und ich trennten uns ungefähr zehn Meilen 307 weiter unten im Fluß, denn wir hielten cs fürs Klügste, auch einem freundlichen Lager uns nicht ohne die gewöhnliche Vorsicht zu nähern. Was aus Chingachgook geworden, weiß ich nicht, obgleich mir Mabel sagt, er sey nicht ferne, und ich zweifle nicht daran, daß der wackere Delaware seine Schuldigkeit thut, wenn er auch unfern Augen nicht sichtbar ist. Merkt Euch meine Worte, Sergeant — ehe diese Sache abgethan ist, werden wir in einem entscheidenden Augenblick und auf eine Weise von ihm hören, welche keiner Klugheit und der guten Meinung, welche man von ihm hat, angemessen ist. Ach, der Serpcnt ist in der That ein kluger und tugendhafter Häuptling, und manchem weißen Manne wären seine Gaben zn wünschen, obgleich man zugeben muß, daß seine Büchse nicht ganz so sicher ist, als der Hirschetödter. Als ich näher gegen die Insel kam, vermißte ich den Rauch, und dieses veranlaßte mich, ans der Hut zu sepn; denn ich wußte, daß die Soldaten des Fünfundfünf- zigsten nicht schlau genug sind, um dieses Zeichen zu verbergen, trotz dem, was man ihnen von der Gefährlichkeit desselben gesagt hat. Ich wnrde vorsichtiger, bis ich jenen Scheinsischer zu Gesicht bekam, wie ich bereits Mabeln erzählt habe, wo dann das Ganze ihrer höllischen Künste so klar vor mir lag, als hätte ich's auf dem Papier. Ich brauche Euch nicht zu erzählen, Sergeant, daß ich zuerst an Mabel dachte, und daß ich, sobald ich ausfand, sie seh im Blockhaus, hieher kam, um mit ihr zu leben oder zn sterben." Der Vater warf seinem Kinde einen zufriedenen Blick zu, und Mabel fühlte cinHcrzweh, welches sie in einem solchen Augenblicke wo sie gewünscht hätte, ihre ganze Sorge nur auf die Lage ihres Vaters zn verwenden, nicht für möglich gehalten hätte. Als Letzterer die Hand gegen sie ausstreckte, ergriff sie dieselbe nnd bedeckte sie mit Küssen. Dann kniete sie an seiner Seite nieder und weinte, als ob ihr das Herz brechen wollte. „Mabel," sagte er fest, „der Wille des Herrn geschehe. Es ist vergeblich, dich, oder mich selbst täuschen zu wollen; meine 508 Stunde ist gekommen , und es ist mir ein Trost, wie ein Soldat zu sterben. Lnndie wird mir Gerechtigkeit widerfahren lassen; denn unser Freund Pfadfinder wird ihm sagen, was geschehen und wie Alles so gekommen ist. Du wirst unser letztes Gespräch nicht vergessen haben?" „Ach, Vater, auch meine Stunde ist wahrscheinlich gekommen!" rief Mabel, welcher in diesem Augenblicke der Tod als ein Bote des Trostes erschienen wäre; „ich habe keine Hoffnung zu entkommen, und Pfadfinder würde besser thun, uns zu verlassen und mit den traurigen Neuigkeiten in die Garnison zurückzukehren, so lange es ihm noch möglich ist." „Mabel Dunham," sagte Pfadfinder vorwurfsvoll, obgleich er mit Güte ihre Hand faßte, „ich habe das nicht verdient. Ich weiß, ich bin wild, roh, unbehülflich —" „Pfadfinder!" „Nun, nun, wir wollen es vergessen; Sie haben es nicht so gemeint. Sie könnten so etwas nicht denken. Es ist jetzt nutzlos, von Flucht zu reden, denn der Sergeant kann nicht von der Stelle, und das Blockhaus muß vertheidigt werden, koste es, was es wolle. Vielleicht erhält Lundie Nachricht von unserm Unglück und schickt nnö Mannschaft, um die Belagerung aufzuheben." „Pfadfinder — Mabel!" sagte der Sergeant, welcher sich vor Schmerzen wand, bis ihm der kalte Schweiß auf der Stirne stand; „kommt Beide an meine Seite. Ihr versteht einander, hoffe ich?" „Vater, sprecht nicht davon. Es ist Alles, wie Ihr cs wünscht." „Gott sep Dank! Gib mir deine Hand, Mabel — hier, Pfadfinder, nehmt sic. Ich kann nicht mehr thun, als Euch das Mädchen auf diese Weise geben. Ich weiß, Ihr werdet ihr ein liebevoller Gatte sehn. Verschiebt cs nicht wegen meines Todes. Vor dem Eintritt des Winters wird ein Geistlicher in dem Fort eintrcffen! laßt Euch dann zusammengeben. Mein Schwager, wenn 509 er noch am Leben ist, wird sich nach dem Meere zurücksehnen, nnd dann wird das Kind keinen Beschützer haben. Mabel, dein Gatte ist mein Freund gewesen, das wird dir, hoffe ich, zu einigem Tröste gereichen." „Nebcrlaßt diese Sache mir, Sergeant," warf Pfadfinder ein; sie ist, wie Euer letzter Wunsch, wohlverwahrt in meinen Händen, und verlaßt Euch darauf, daß Alles gehen wird, wie es soll." „Es ist recht so; ich setze mein ganzes Vertrauen auf dich, treuer Freund, und ermächtige dich, in allen Stücken zu handeln, wie ich cs thun würde. Mabel, Kind — reiche mir das Wasser — du wirst diese Nacht nie bereuen. Gott segne dich, meine Tochter! Gott segne dich und bewahre dich unter seinem heiligen Schutze!" Diese zärtliche Sorge machte einen unaussprechlich tiefen Eindruck auf Mabels Gefühle, und es war ihr in diesen» Augenblick, als ob ihre künftige Verbindung mit Pfadfinder eine Weihe empfangen hätte, welche keine kirchliche Zeremonie hätte erhöhen können. Aber doch lag eine Bergeslast auf ihrem Herzen, nnd sie würde den Tod für ein Glück gehalten haben. Es folgte nun eine kurze Panse, »vorauf der Sergeant in gebrochenen Sätzen kürzlich erzählte, wie es ihn» gegangen, seit er sich vom Pfadfinder und dem Delaware» getrennt hatte. Der Wind war günstiger geworden, und statt, wie es im Anfang seine Absicht war, auf einer Insel zu lagern, hatte er sich entschlossen, »veitcr zu fahren, um schon in der Nacht die Station zu erreichen. Ihre Annäherung würde, »vie er glaubte nicht bemerkt und ein Thcil des Unglücks verhütet worden sehn, wenn sie nicht an der Spitze einer benachbarten Insel auf den Grund gelaufen wären, wo ohne Zweifel der Lärm, welchen seine Leute beim Aufbringen des Bootes gemacht, ihre Nähe verlachen und den Feind in den Stand gesetzt hatte, sich zu ihre»» Empfang vorzubereiten. Sie hatten ohne die mindeste Ahnung einer Gefahr gelairdet, obschon sie das Fehlen einer Schildwache 510 überraschte, und ihre Waffen in den Booten gelassen, nin zuvor ihre Tornister und Mnndvorräthe anSzuschiffen. Das feindliche Feuer war so nahe, daß ungeachtet der Dunkelheit fast jeder Schuß tödtlich wurde. Alle waren gefallen, obgleich nachher zwei oder drei sich wieder erhoben und verschwanden. Vier oder fünf Soldaten blieben todt auf dem Platze, oder waren doch so verwundet, daß sie nur noch wenige Minuten lebten; doch eilte der Feind, ans einem unbekannten Grunde, nicht wie gewöhnlich herbei, um sich der Skalpe zu bemächtigen. Sergeant Dunham siel mit den andern. Mabels Stimme zu der Zeit, als sie das Blockhaus verlassen hatte, war zn seinen Ohren gedrungen, und dieser Ruf der Verzweiflung, der alle seine väterlichen Gefühle aufregte, hatte ihn in den Stand gesetzt, bis an die Thüre des Gebäudes zu kriechen, wo er sich auf die bereits erwähnte Weise an dem Gebälke aufrichtete. Nach dieser einfachen Auseinandersetzung fühlte sich der Sergeant so schwach, daß er der Ruhe bedurfte, und seine Gefährten verhielten sich, während sie auf seine Psiege bedacht waren, eine Weile schweigend. Pfadfinder nahm diese Gelegenheit wahr, durch die Schießscharten und vom Dache aus Spähungen anznstellcn, und untersuchte den Zustand der Büchsen, von denen sich ungefähr ein Dutzend im Gebäude befanden, da sich die Soldaten bei ihrem Aussinge der Musketen des Regiments bedient hatten. Mabel jedoch verließ ihren Vater keinen Augenblick, und wenn sie aus seinem Athmen vermuthete, er schlafe, so fiel sie auf ihre Kniee nieder und betete. Die halbe Stunde, welche folgte, verstoß in feierlicher Stille. Man hörte im oberen Stocke kaum den Mvecastn des Pfadfinders, und wie er hin und wieder einen Büchsenschaft auf dem Boden anf- stellte, denn er war geschäftig, sich die Neberzeugung zn verschaffen, daß die Ladungen und Schlösser der Gewehre in Ordnung sehen. Außer diesem ließ sich nichts, als das Athmen des Verwundeten vernehmen. 511 Aber Dunham schlief nicht. Er war in jenem Zustande, wo die Welt plötzlich ihre Reize, ihre Täuschungen und ihre Macht verliert und eine unbekannte Zukunft die Seele mit Ahnungen, Lichtblicken und ihrer ganzen Nnendlichkeit erfüllt. Er war für einen Soldaten ein sittlicher Mann gewesen, hatte aber wenig über diesen allerwichtigsten Lebensabschnitt nachgedacht. Hätte der Schlachtenruf in seinem Ohre geklungen, so hätte das kriegerische Feuer bis zu seinem Ende ausdauern mögen; hier aber, in dem Schweigen des fast unbewohnten Blockhauses, ohne irgend einen belebenden Ton, ohne einen Aufruf, um erkünstelte Gefühle rege zu erhalten, ohne die Hoffnung eines zu erringenden Sieges — fingen die Dinge nun an, ihm in ihren wahren Farben zu erscheinen, und er lernte den Zustand des Dasehns in seinem eigentlichen Wertste würdigen. Er würde Schätze für die Tröstungen der Religion gegeben haben, und doch wußte er nicht, wo er sie zu suchen habe. Er dachte an den Pfadfinder, aber er mißtraute den Kenntnissen desselben. Er dachte au Mabel, aber es schien ihm gegen die Ordnung der Natur zu sehn, wenn der Erzeuger bei seinem Kinde einen solchen Beistand suchte. Dann fühlte er auch die volle Verantwortlichkeit eines Vaters und es kamen ihm einige Gewissensbisse über die Art, mit welcher er sich seiner Pflichten gegen die arme Waise entledigt hatte. Während sich derartige Gedanken in seiner Seele umhertrieben und Mabel auf die leichteste Veränderung in seinem Athem achtete, vernahm letztere ein leises Pochen an der Thüre. Sie dachte, es möchte von Chingachgook herrühren, stand auf, entfernte zwei Querbalken und fragte, den dritten in ihrer Hand, wer draußen sch. Die Stimme ihres Onkels antwortete und bat um augonblicklichenMnlaß. Ohne die mindeste weitere Zögerung drehte sic den dritten Riegel zurück, und Cap trat ein. Er war kaum durch die Oeffnung geschlüpft, als Mabel die Thüre wieder so fest, wie vorher verschloß, denn die Uebung hatte sie mit diesem Thcile ihrer Obliegenheit vertrant gemacht. 512 Ms der rauhe Seemann die Lage seines Schwagers erfuhr und sich selbst sowohl als Mabel gerettet sah, wurde er fast zu Thräncii bewegt. Sein eigenes Erscheinen erklärte er dadurch, daß er sorglos bewacht worden sch, weil man glaubte, daß er und der Onartiermcister unter dem Einflüsse der geistigen Getränke schliefen, welche man ihnen in der Absicht, sie bei dem bevorstehenden Geschäft rnhig zu erhalten, in Menge vorgesetzt hatte. Muir schlief, oder schien zu schlafen, als Cap während der Unruhe des Angriffs, sich in das Gebüsch flüchtete, wo er Pfadfinders Kahn fand und cS ihm endlich gelang, das Blockhaus zu erreichen, von wo ans er seine Nichte zu Wasser zu entführen beabsichtigte. Es ist kaum nothig, zu sagen, daß er seinen Plan änderte, als er sich von der Lage des Sergeanten und von der augenscheinlichen Sicherheit seines gegenwärtigen Aufenthalts überzeugte. „Wenn es zum Schlimmsten kommt, Meister Pfadfinder," sagte er, „so müssen wir eben die Flagge streichen und das wird uns einen Anspruch auf Pardon geben. Wir sind es unserer Mannheit schuldig, uns so lange als thunlich zu halten; für uns selbst aber haben wir die Verpflichtung, die Flagge niederzuhalen, wenn eS noch Zeit ist, anständige Bedingungen zu machen. Ich wünschte, Herr Muir sollte dasselbe thnn, als wir von diesen Burschen, welche Ihr Landstreicher nennt, gefangen wurden — ja, sie heißen mit Recht so, denn elendere Landstreicher wandeln nicht auf der Erde —" „Ihr habt ihren Charakter jetzt kennen gelernt?" unterbrach ihn Pfadfinder, welcher immer bereit war, ebenso gut in die Schmähungen gegen die Mingos, als in das Lob seiner Freunde einzustimmen. „Ja, wenn Ihr in die Hände der Delawaren gefallen wäret, so würdet Ihr wohl einen Unterschied gefunden haben." „Ach, mir schienen sie ganz von derselben Art zu sehn, Hallunken hinten und vornen, natürlich Euer» Freund, den Serpent ausgenommen, der ein wahrer Gentleman von einem Indianer ist. Aber als diese Wilden ihren Ausfall auf uns machten und den 513 Corpora! M'Nab und seine Leute wie die Haasen niederschossen, nahmen wir — der Quartiermeister nnd ich — unsere Zuflucht zu einer der Höhlen dieser Insel, von denen es viele unter den Felsen gibt — regelmäßige, geologische Nnterhöhlungcn durch das Wasser, wie der Lieutenant sagt — und da blieben wir ciugestaut, wie zwei Belagerte in einem Schiffsraum, bis uns der Mangel an Nahrung Heraustrieb. Man kann sagen, die Nahrung sey das Fundament der Menschennatnr. Ich verlangte von dem Quarticrmeister, er solle Bedingungen machen, denn wir hätten uns auf dem Platze, so schlecht er auch war, ein oder zwei Stunden vcrtheidigeukönnen; aber er lehnte es ab, weil diese Schurken doch nicht Wort halten würden, wenn man einen von ihnen verwundete, und so war also von Unterhandlungen keine Rede. Ich gab aus zwei Gründen meine Einwilligung zum Streichen; einmal, da man von uns sagen konnte, wir hätten bereits gestrichen, denn das Laufen nach unten wird schon im Allgemeinen für ein Aufgeben des Schiffes betrachtet, nnd dann hatten wir einen Feind in unserm Magen, dessen Angriffe furchbarer waren, als der Feind auf dem Verdecke. Der Hunger ist ein v—r Umstand, wie jeder zugeben wird, der sich achtnndvierzig Stunden mit ihm getragen hat." „Onkel!" sagte Mabel mit trauriger Stimme und bittender Geberde, „mein armer Vater ist schwer, schwer verwundet!" „Du hast Recht, Magnet; du hast Recht; ich will mich zu ihm setzen, und mein Bestes thun, ihn zu trösten. Sind die Balken gut vorgelegt, Mädchen? denn bei einer solchen Gelegenheit muß der Geist ruhig und ungestört sehn." „Ich glaube, wir sind vor allem sicher, nur nicht vor diesem schweren Schlage des Schicksals." „Gut also, Magnet; gehe in den ober» Stock hinauf, und versuche es dich zu sammeln, indeß der Pfadfinder über dem Verdecke sich umtreibt, und von dem Mastbaumkreuzen seinen Lng-aus nimmt. Dein Vater will mir etwas anvertraucn, und cs wird gut sehn. Der Pfadfinder. 3. Aust. 33 514 wenn dn uns allein lassest. Das sind feierliche Scenen, und so unerfahrene Leute, wie ich, haben es nicht gerne, daß man alles hört, was sie sagen." Obgleich Mabel nie der Gedanke gekommen war, daß ihr Onkel an der Seite eines Sterbebettes von den Tröstungen der Religion Gebrauch machen würde, so glaubte sie doch, daß er irgend einen bcsondern Grund zu dieser Bitte habe, welcher ihr unbekannt sey, und fügte sich deshalb darein. Pfadfinder hatte bereits das Dach bestiegen, um sich in der Gegend umzuschen und die beiden Schwäger blieben allein. Cap setzte sich an die Seite des Sergeanten und sann ernstlich über die wichtige Pflicht nach, welche er zu erfüllen hatte. Einige Minuten herrschte tiefes Schweigen, während welcher Zeit der Seemann den Entwurf seiner beabsichtigten Rede überdachte. „Ich muß sagen, Sergeant Dunham," begann Cap endlich in seiner eigcnthümlichen Weise, „daß in diesem unglücklichen Zuge eine schlechte Führung stattgefunden hat, und da wir nun Gelegenheit haben, die Wahrheit — und nichts als die Wahrheit — aus- zusprechcn, so halte ich es für meine Pflicht, dieses unnmwunden zu thun. Mit einem Wort, Sergeant — über diesen Punkt kann es nicht wohl zwei Meinungen geben; denn obgleich ich nur ein Seemann und kein Soldat bin, so kann ich doch selbst mehrere Fehler entdecken, deren Auffindung gerade keiner besonder» Vorstudien bedarf." „Was willst du damit, Bruder Cap? erwicderte der Andere mit schwacher Stimme. „Was geschehen ist, ist geschehen; und es ist jetzt zu spät, es zu ändern." „Sehr wahr, Bruder Dunham; aber nicht, es zu bereuen; das Gute Buch sagt uns, daß die Reue nie zu spät kömmt, und ich habe immer gehört, ein Augenblick, wie der gegenwärtige, sei) der kos barste zu einem solchen Geschäft. Wenn du etwas auf deiner Seele hast, Sergeant, so gib es los, denn du weißt, daß du dich einem Freund anvertraust. Tu bist meiner Schwester Mann gewesen und die arme kleine Magnet ist meiner Schwester Tochter; magst du nun am Leben bleiben, oder sterben, so werde ich dich immer wie einen Bruder betrachten. Es ist Jammerschade, daß du nicht mit den Booten liegen bliebst, und einen Kahn zum Recognos- eiren voraus schicktest, in welchem Fall du deine Leute gerettet und diesen Unfall von unfern Häuptern abgcwendet haben wurdest. Nun, Sergeant, wir sind alle sterblich — das ist ohne Zweifel einiger Trost, und wenn du auch vorangchst, so kommt doch die Reihe bald an uns. Ja, das muß dir zum Tröste gereichen." „Ich weiß das Alles, Bruder Cap, und hoffe, ich bin vorbereitet, das Schicksal eines Soldaten zu erfüllen; — aber die arme Mabel —" »Ja, ja, das treibt schwer vor Anker, ich weiß es; aber du möchtest sie doch nicht mitnehmcn, wenn du auch könntest, Sergeant; und so ist cs besser, sich die Trennung so leicht als möglich zu machen. Mabel ist ein gutes Mädchen, wie ehedem ihre Mutter; sie war meine Schwester, und ich will dafür sorgen, daß ihre Tochter einen braven Mann bekommt, wenn wir mit dem Leben und unser» Skalpen davon kommen; denn ich denke, daß es Niemand darum zu thun scyn würde, in eine Familie, welche keine Skalpe hat, zu heirathen." „Bruder, mein Kind ist versprochen; sie wird das Weib des Pfadfinders werden." „Nun, Bruder Dunham, Jeder hat seine besonderen Begriffe und Lebensansichten, und der Handel kann, wie mir vorkömmt, Mabel nichts weniger als angenehm sepn. Ich habe nichts gegen das Mer des Mannes einzuwenden, denn ich gehöre nicht zu denjenigen, welche es für nöthig halten, daß man ein Knabe sey, um ein Mädchen glücklich zu machen, sondern halte im Allgemeinen einen Fünfziger für den geeignetsten Ehemann; aber es darf kein Umstand zwischen den Partieen stattsinden, der sie unglücklich machen könnte. Im Ehestände sind Umstände des Teufels, nnd es kommt mir fast als ein solcher vor, daß der Pfadfinder nicht fo viele Kenntnisse hat, als meine Nichte. Dn hast nur wenig von dem Mädchen gesehen, Sergeant, und bist mit dem Umfang ihres Wissens nicht bekannt; aber sie soll ihn einmal anskramen, sie soll ihn dir durch und durch zeigen, und du wirst mir beistimmen, daß nur wenige Schulmeister mit ihr Luv halten können." „Sic ist ei» gutes Kind, ein liebes, gutes Kind," flüsterte der Sergeant mit thränenfenchtem Auge; „und es ist mein Mißgeschick, daß ich nur so wenig von ihr gesehen habe." „Sie ist in der That ein gutes Mädchen und weiß viel zu viel für den armen Pfadfinder, der zwar in seiner Weise ein ganz vernünftiger und erfahrener Mann ist, aber von der Hauptsache nicht weiter versteht, als du von der sphärischen Trigonometrie, Sergeant." „Ach, Bruder Cap, wäre der Pfadfinder bei uns in den Booten gewesen, so hätte es wahrscheinlich nicht diesen traurigen Ausgang genommen." „Das ist wohl möglich, denn sein ärgster Feind muß ihm nachsagen, daß er ein guter Wegweiser ist. Aber Sergeant, die Wahrheit zu sagen, du hast diese Expedition ziemlich auf die leichte Achsel genommen. Du hättest vor dem Hafen bleiben und ein Reevgnoscirboot ausschicken sollen, wie ich dir vorhin gesagt habe. Das ist eine Sache, die du bereuen solltest; und ich sage es dir, weil man in einem solchen Falle die Wahrheit sprechen muß." „Meine Verirrungen sind mir theuer zu stehen gekommen, Bruder; und ich fürchte, die arme Mabel wird es anszubaden haben. Doch ich glaube, daß uns das Unglück nicht begegnet wäre, wenn nicht Verrath die Hand im Spiele gehabt hätte. Ich fürchte, Bruder, es ist ein Streich von Eau-donce." „Das ist auch meine Ansicht, denn dieses Frischwasser-Leben muß früher oder später die Sittlichkeit eines Jeden untergraben. 517 Lieutenant Muir und ich haben viel über diesen Gegenstand gesprochen, während wir da draußen in einem Stückchen Höhle lagen, und wir kamen beide zn dem Schluß, daß nur Jaspers Verrätherei uns Alle in diese höllische Klemme gebracht hat. Doch, Sergeant, cs ist besser, dn sammelst deinen Geist und denkst an andere Gegenstände, denn wenn ein Fahrzeug im Begriff ist, in einen fremden Hafen einzufahren, so ist es klüger, an den Ankcrgrund drinnen zn denken, als sich durch Betrachtung aller Begebnisse während der Reise stören zu lassen. Solche Dinge aufzuzeichnen, ist das Logbuch ausdrücklich vorhanden, und was in diesem steht, bildet die Spalten, welche für oder gegen uns sprechen. — Nun, Pfadfinder, was gibts? Ist etwas gegen uns in dem Wind, daß Ihr die Leiter herunter kommt, wie ein Indianer in dem Kielwasser eines Skalps?" Der Wegweiser winkte mit dem Finger, zu schweigen und bedeutete Cap, daß er die Leiter hinaus steigen nnd seinen Platz an der Seite des Sergeanten Mabel einränmcn solle. „Wir müssen klug, aber auch zugleich kühn sehn;" sagte er leise. „Dieses Gewürm macht Ernst mit seiner Absicht, das Blockhaus anzuzünden, denn sie wissen, daß jetzt nichts mehr zu gewinnen ist, wenn sie es stehen lassen. Ich hörte die Stimme des Land, streichers Arrowhead unter ihnen, der sie antrieb, ihre Teufelei noch in dieser Nacht auszuführen. Wir müssen rührig sehn, Salzwasser, und thätig dazu. Zum Glück sind vier oder fünf Tonnen mit Wasser in dem Blockhaus, und das ist schon etwas bei einer Belagerung. Auch müßte ich mich sehr verrechnen wenn wir nicht noch einigen Bortheil aus dem Umstand ernten könnten, daß der ehrliche Bursche, der Serpent, in Freiheit ist." Cap ließ sich nicht zweimal auffordern, sondern schlich sich weg nnd war bald mit Pfadfinder in dem obern Raume, indem Mabel seine Stelle an dem ärmlichen Lager ihres Vaters einnahm. Pfadfinder öffnete, nachdem er das Licht so weit verborgen batte, daß 518 es ihn keinem verrätherischen Schuß aussctzen konnte, eine Schießscharte, und hielt, da er eine Aufforderung erwartete, sein Gesicht an die Oesfnung, um sogleich antworten zu können. Die nun folgende Stille wurde endlich durch Muirs Stimme unterbrochen. „Meister Pfadsinder," rief der Schotte, „ein Freund fordert Euch zu einer Besprechung auf. Kommt ohne Scheu an eine der Oeffnungen, denn Ihr habt nichts zu fürchten, so lang Ihr mit einem Offizier des Fünfundfünfzigsten verhandelt." „Was begehren Sie," Quartiermeister? was wollen Sic? Ich kenne das Fünfundfünfzigste und glaube, daß es ein braves Regiment ist, obgleich ich cs mit dem Sechzigsten lieber zu thnn habe, und am allerliebsten mit den Delawaren. Aber was verlangen Sie von mir, Quartiermeister? Es muß eine dringende Botschaft seyn, welche Sie zu dieser Stunde der Nacht unter die Schießscharten eines Blockhauses bringt, in dessen Innerem, wie Sie wissen, der Hirschetödter ist." „O, ich weiß gewiß, daß Ihr einem Freund kein Leides thnn werdet, und das ist meine Beruhigung. Ihr seyd ein Mann von Verstand und habt Euch durch Eure Tapferkeit einen so großen Namen an der Gränze erworben, als daß Ihr es für nöthig halten könntet, ihn durch Tollkühnheit in Ehren zu erhalten. Ihr werdet wohl eiusehen, mein guter Freund, daß man, wenn Widerstand unmöglich ist, durch ciae freiwillige Unterwerfung eben so viel Achtung gewinnen kann, als durch ein hartnäckiges, gegen alle Kriegsregeln laufendes Ausharren. Der Feind ist zu stark für uns, mein wackerer Kamerad, und ich komme, Euch zu rathcn, das Blockhaus, unter der Bedingung, als Kriegsgefangener behandelt zu werden, zn übergeben." „Ich danke Ihnen für diesen Rath, Qnartiermeistcr, der um so annehmlicher ist, da er nichts lostet; aber ich glaube, cs gehört nicht zu meinen Gaben, einen solchen Platz anfzugeben, so lange Proviant und Wasser da ist." 319 „Gut, ich würde der letzte scpn, Pfadfinder, der gegen ein solches muthigcs Vorhaben etwas zu erinnern hätte, wenn ich die Möglichkeit seiner Ausführung einsehen könnte. Aber Ihr werdet wissen, daß Meister Cap gefallen ist." „Ah, bewahre," grölzte die in Frage stehende Person durch eine andere Schießscharte; „er ist so wenig gefallen, Lieutenant, daß er vielmehr zu der Höhe dieser Befestigung gestiegen ist, und hat nicht im Sinn, seinen Kopf wieder in die Hände solcher Barbiere zu geben, so lange er es ändern kann. Ich betrachte dieses Blockhaus als einen Umstand und denke nicht daran, ihn von mir zu werfen." „Wenn das die Stimme eines Lebenden ist," erwiederte Muir, „so freut es mich, sie zu vernehmen; denn wir alle glaubten, der Mann, welchem sie gehört, sey in der letzten schrecklichen Verwirrung gefallen. Aber Meister Pfadfinder, obgleich ihr Euch der Gesellschaft Eures Freundes Cap erfreut, was, wie ich aus Erfahrung weiß, großes Vergnügen gewährt, da ich zwei Tage und zwei Nächte mit ihm in einer Höhle unter der Erde zubrachte, so haben wir doch den Sergeanten Dunham verloren, welcher mit allen Tapfer» gefallen ist, die er in der letzten Expedition anführte. Lundie wollte cs so haben, obschon es vernünftiger und paffender gewesen wäre, einem wirklichen Offizier daö Commando zu übertragen. Dnnham war aber demungeachtet ein braver Soldat; Ehre seinem Andenken! Kurz wir haben alle unser Bestes gethan, und mehr läßt sich selbst zu Gunsten des Prinzen Eugen, des Herzog von Marlborough oder gar des großen Grafen von Stair nicht sagen." „Sie sind wieder irrig daran, Quartiermcister, Sie find wieder irrig daran," antwortete Pfadfinder, indem er, um der Stärke seiner Vertheidigungsmittel mehr Achtung zu verschaffen, zu einer List seine Zuflucht nahm. „Der Sergeant ist gleichfalls wohlbehalten im Blockhaus, und daher so zu sagen die ganze Familie bei einander." 320 „Gut — cö freut mich das zu hören, denn wir hatten den Sergeanten zuverlässig zu den Erschlagenen gezählt. Aber wenn die schöne Mabcl noch in dem Blockhaus ist, so laßt sie nur um des Himmels willen keinen Augenblick mehr darin bleiben, denn der Feind ist im Begriff, das Gebäude der Feuerprobe zu unterwerfen. Ihr kennt die Macht dieses fürchterlichen Elements und werdet mehr als der verständige, erfahrene Krieger, für welchen man Euch allgemein betrachtet, handeln, wenn Ihr einen Platz, welchen Ihr nicht vcrthcidigcn könnt, aufgebt, als wenn Ihr den Untergang auf Euch selbst und Euere Gefährten herabzieht." „Ich kenne die Macht des Feuers, wie Sie es neunen, Quartiermeister, und brauche mir nicht erst sagen zu lassen, daß es sich auch noch zu etwas anderem, als znm Kochen des Mittagessens benützen läßt. Ich zweifle jedoch nicht, daß Sie auch etwas von der Macht des Hirschetödters gehört haben, und der Mann, welcher es wagt, einen Reißbündel an diese Balken zu legen, soll etwas davon zu kosten kriegen. Was die Pfeile anbelangt, so gehört es nicht zu ihren Gaben, dieses Gebäude in Brand zu stecken, denn wir haben keine Schindeln auf unscrm Dach, sondern gute, kernige Klotze und grüne Rinde; außerdem Wasser die Fülle. Auch ist das Dach so stach, daß wir darauf herumgeheu können, wie Sie wohl wissen, Ouartiermeister, und so hat es also von dieser Seite keine Gefahr, so lange das Wasser ausreicht. Ich bin friedlich genug, wenn man mich zufrieden läßt; wer es aber versucht, dieses Blockhaus über meinem Kopfe anzuzündcn, der soll finden, daß sich das Feuer in seinem Blute kühlen wird." „Das sind unnütze und romanhafte Reden, Pfadfinder, und Ihr werdet fie selbst nicht festhalten, wenn Ihr über die Wirklichkeit nachdenkt. Ich hoffe, Ihr werdet gegen die Loyalität und den Muth des Fünfundfünfzigsten nichts einzuwenden haben, und ich bin überzeugt, daß ein Kriegsrath sich unverzüglich zu einer Ucbcr- gabe entschließen würde. Nein, nein, Pfadfinder, Tollkühnheit 521 ist der Tapferkeit einer Wallace und Bruce nicht ähnlicher, als Albany am Hudson der alten Stadt Edinburgh." „Da ein jeder von uns mit stch im Reinen zu scyn scheint, so sind weitere Worte fruchtlos. Wenn dieses Gewürm in ihrer Nähe Lust hat, sein höllisches Werk anszuführen, so soll es einmal anfangcn. Sie können Holz, und ich Pulver verbrennen. Wenn ich ein Indianer am Pfahl wäre, so glaube ich, ich könnte eben so gut, wie die übrigen, prahlen; aber meine Natur und meine Gaben sind die eines Weißen, und ich halte es daher lieber mit Handlungen, als mit Worten. Sie haben nun für einen Offizier in des Königs Dienst genug gesagt; und sollten wir auch alle von den Flammen verzehrt werden, so wird Niemand von uns Ihnen einen Groll nachtragen." „Pfadfinder, Zhr werdet doch Mabel, die schöne Mabel Dun- ham nicht einem solchen Unglück aussetzen wollen?" „Mabel Dunham ist an der Seite ihres verwundeten Baters und Gott wird für die Sicherheit eines frommen Kindes Sorge tragen. Kein Haar soll von ihrem Haupte fallen, so lange mir mein Arm und mein Auge treu bleibt. Mögen Sie immer auf die Mingos Ihr Vertrauen setzen, Herr Muir, ich wenigstens thne es nicht. Sie haben dort einen schurkischen Tuscarora in ihrer Gesellschaft, der Bosheit und Verschlagenheit genug besitzt, die Ehre eines jeden Stammes, zu dem er sich hält, zu vernichten, obgleich er, wie ich fürchte, die Mingos hinlänglich verderbt gefunden hat. Doch kein Wort mehr; mag jede Partie nun von ihren Mitteln und Gaben Gebrauch machen." Während des ganzen Gesprächs halte der Pfadfinder seinen Körper gedeckt gehalten, damit ihn kein verrätherischcr Schuß durch die Schießscharte treffe, und nun gab er Cap die Weisung, auf das Dach zu steigen, um zur Begegnung des ersten Angriffes bereit zu seyn. Obgleich der letztere so ziemlich an Eile gewöhnt war, so fand er doch wenigstens schon zehn stammende Pfeile in der Rinde stecken, 522 indeß die Lust vou den gellenden Tönen des feindlichen Kriegsgeschreis erfüllt wurde. Darauf folgte ein rasches Büchscnfeuer, und die Kugeln knatterten gegen die Holzstäinme, so daß es deutlich war, der Kampf habe in der.That allen Ernstes begonnen. Dieß waren jedoch Töne, welche weder Pfadfinder noch Cap erschreckten, und Mabel war zusehr in ihren Kummer vertieft, um Unruhe zu fühlen. Auch war sie verständig genug, die Natur der Vertheidigungsmittel zu verstehen und ihre Wichtigkeit zu würdigen. In dem Sergeanten jedoch weckte dieser Lärm wieder neues Leben, und mit Wehmuth bemerkte in diesem Augenblick sein Kind, daß das gebrochene Auge abermals zu leuchten begann und das Blut in die erblaßten Wangen zurückkehrte, als er diesen Aufruhr vernahm. Mabel bemerkte jetzt zum erstenmal, daß sein Geist aufing, irre zu werden. „Leichte Compagnien vor!" flüsterte er. „Grenadirc, Feuer! Wagen fie es, uns in unserm Fort anzugreifen? Warum gibt die Artillerie nicht Feuer auf sie?" In diesem Augenblick ließ sich der dumpfe Knall eines schweren Geschützes durch die Nacht vernehmen. Man hörte das Krachen des zersplitterten Holzes, als eine schwere Kugel die Stämme des ober» Raumes zerriß, und das ganze Blockhaus erbebte unter der Gewalt einer Bombe, welche in das Werk gedrungen war. Der Pfadfinder entging kaum diesem schrecklichen Geschoß; aber als es platzte, konnte Mabel einen Ruf des Schreckens nicht unterdrücken, da sie alles Lebende und Leblose über ihrem Haupte für zerstört hielt. Um ihr Entsetzen zu vermehren, rief ihr Vater mit wüthen- der Stimme: „Zum Angriff!" „Mabel," rief Pfadfinder durch die Fallthüre herunter, „das ist'ächte Mingo-Arbeit; — mehr Lärm als Schaden. Die Landstreicher haben sich der Haubitze, welche wir den Franzosen abnahmcn, bemächtigt, und sic gegen das Blockhaus abgefeuert. Zum Glück haben sie jetzt die einzige Bombe, welche wir hatten, verschossen. 523 und es ist nun nichts derartiges mehr zu fürchten. Es ist dadurch zwar einige Verwirrung in die Vorräthe dieses Stockwerks gekommen; aber Niemand ist verletzt. Ihr Onkel ist noch auf dem Dache, und was mich anbelangt, so bin ich schon zu oft im Kugelregen gestanden, um mich durch so ein Ding, wie eine Haubitze einschüchtern zu lassen, und dazu noch in den Händen von Indianern." Mabel flüsterte ihren Dank, und versuchte es, ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihren Vater zu verwenden, der immer aufstehen wollte und nur durch seine Schwäche davon abgehalten wurde. Während der schrecklichen Minuten, welche nun folgten, war ste so sehr mit der Pflege des Kranken beschäftigt, daß ste kaum des Geschreis, das rund herum tobte, achtete. Der Aufruhr war in der That so groß, daß, hätten ihre Gedanken nicht eine andere Richtung genommen, wahrscheinlich eher Verwirrung des Verstandes, als Entsetzen die Folge gewesen wäre. Cap entwickelte eine bewunderungswürdige Besonnenheit. Er hatte allerdings einen großen und immer sich steigernden Respect vor der Macht der Wilden und der Majestät des Frischwassers; aber alle seine Befürchtungen vor den crsteren gingen mehr von der Scheu, skalpirt und gemartert zu werden, als von einer unmännlichen Todesfurcht aus; da er nun, wenn auch nicht auf dem Verdeck eines Schiffes, so doch auf dem Verdeck eines Hauses stand, und wußte, daß ein Entern nicht zu besorgen war, so bewegte er sich mit einer Furchtlosigkeit nnd einer tollkühnen Gefährdung seiner Person hin und her, welche der Pfadfinder, wenn er sie bemerkt hätte, zuerst getadelt haben würde. Statt der Gewohnheit des Jndianerkricgs gemäß seinen Körper gedeckt zu halten, zeigte er sich an jeder Stelle des Daches und goß rechts uud links mit jener Beharrlichkeit nnd Nnbcsorgtheit Wasser aus, mit welcher ein Segelsctzer seine Kunst in einer Seeschlacht auSgeübt hätte. Seine Erscheinung war eine der Ursachen des außerordentlichen Geschreis unter den Nngreifenden, welche, nicht daran gewöhnt, 52L ihre Feinde so unbekümmert zu sehen, ihre Zungen gegen ihn schießen ließen, wie eine Meute Hunde, welche den Fuchs im Auge haben. Er schien jedoch ein ditrch Zauber geschütztes Leben zu besitzen, denn obgleich die Kugeln von allen Seiten um ihn pfiffen und seine Kleider verschiedene Male durchbohrten, so konnte ihm doch keine die Haut ritzen. Als die Bombe weiter unten durch die Balken drang, ließ der alte Seemann seinen Eimer fallen; schwenkte seinen Hut nnd ließ drei Hurrahs erschallen, während welches heroischen Aktes das gefährliche Geschoß platzte. Diese charakteristische That rettete wahrscheinlich sein Leben; denn von diesem Augenblick an ließen die Indianer nach, auf ihn zu feuern oder ihre stammenden Pfeile nach dem Blockhaus zu schießen, da sie gleichzeitig und übereinstimmend die Ueberzeugung gewannen, daß das ,Salz- waffer* toll sey; nnd es war ein eigenthümlicher Zug ihrer Groß- muth, daß sie nie Hand an jene legten, deren Verstand sie verwirrt glaubten. Pfadfinders Benehmen war sehr verschieden. Was er that, geschah mit der genauesten Berechnung — eine Folge langjähriger Erfahrung nnd gewohnter Besonnenheit. Er hielt sich sorgfältig aus den Linien der Schießscharten, nnd der Ort, welchen er zu seinem Lng-aus gewählt hatte, war keiner Gefahr ausgesetzt. Man wußte von diesem berühmten Wegweiser, daß er oft, wo nichts mehr zu hoffen war, einen glücklichen Ausweg gefunden hatte: daß er schon einmal am Pfahle stand nnd dis Grausamkeiten und Hohnworte des wilden indianischen Witzes ohne einen Klagelaut erduldete; Erzählungen von seinen Thaten, von seiner Besonnenheit nnd seiner Kühnheit waren an der ganzen weiten Gränzc, wo nur immer Menschen wohnten nnd Menschen kämpften, im Umlauf. Aber bei dieser Gelegenheit hätte einer, der seine Geschichte und seinen Charakter nicht kannte, der außerordentlichen Vorsicht nnd der großen Aufmerksamkeit ans seine Selbsterhaltung eine» unwürdigen Beweggrund unterschieben können. Ein 525 solcher Richter hätte jedoch de» Mann nicht verstanden. Der Pfadfinder dachte an Mabel und an die wahrscheinlichen Folgen, welchen das arme Mädchen ausgesetzt wäre, wenn ihm selbst ein Unfall begegnete; aber dieser Gedanke — statt seine gewohnte Klugheit zu ändern, schärfte eher seine geistigen Kräfte. Er war in der That einer von denen, welche die Furcht so wenig kennen, daß sie gar nicht daran denken, was andere von ihrem Benenehmen urtheilen mögen. Aber wenn er in Augenblicken der Gefahr mit der Klugheit der Schlange handelte, so that er es auch mit der Einfalt eines Kindes. Während der ersten zehn Minuten des Angriffs erhob Pfadfinder nie den Schaft seiner Büchse von dem Boden, als wenn er seine Stellung wechselte; denn er wußte wohl, daß die feindlichen Kugeln gegen die dicken Holzstämme des Werks vergeblich abge- schoffen waren; und da er bei Wegnahme der Haubitze mit thätig gewesen, so konnte er der festen Ueberzeugnng leben, daß die Wilden keine andere Bombe besäßen, als diejenige, welche in dem genommenen Mörser fich befunden hatte. Es war daher kein Grund vorhanden, das Feuer der Angreifenden zu fürchten, wenn nicht zufällig eine Kugel durch die Oeffnuug einer Schießscharte stog. Dieß kam ein- oder zweimal vor, aber die Kugeln waren unter einem Winkel eingedrungen, welcher sic unschädlich machte, so lange sich die Indianer in der Nähe des Blockhauses hielten, und wenn sie aus größerer Entfernung abgeschossen wurden, so war kaum die Möglichkeit vorhanden, daß von Hunderten eine die Oeffnung träfe. Als aber Pfadfinder den Ton eines Moccasintrittes und das Raffeln von Gestrüpp an dem Fuße des Gebäudes vernahm, so wurde es ihm klar, daß der Versuch, Feuer an die Balken zu legen, erneuert werden solle. Er rief daher Cap vom Dache, wo in der That keine Gefahr mehr zu befürchten war, und forderte ihn auf, sich mit seinem Wasser an einer Oeffnung, welche unmittelbar über der bedrohten Stelle lag, bereit zu halten. Ein Mann von weniger Erfahrung, als unser Held, möchte wohl zu hastig einen so gefährlichen Versuch zu vereiteln gesucht und zu früh zu den Hülfsmitteln, welche ihm zu Gebote standen, seine Zuflucht genommen haben, aber nicht so Pfadfinder. Seine Absicht war nicht blos, das Feuer zu löschen, welches ihm wenig Besorgniß einflößte, sondern vielmehr, dem Feinde eine Lehre zu geben, die ihn für den fliest der Nacht vorsichtig machen sollte. Um das letztere Vorhaben auSzusührcn, wurde es nöthig, zu warten, bis das Licht des beabsichtigten Brandes ihm ein Ziel zeigte; denn er wußte wohl, daß dann eine kleine Probe seiner Geschicklichkeit zureichen würde. Er ließ daher die Irokesen unangefochten dürres Gestrüppe sammeln, es am Blockhaus anfhäufcn, auzünden, und sie wieder in ihre Verstecke -zurückkehren. Cap sollte blos ein volles Wafferfaß unmittelbar zu der Oesfnnng über der bedrohten Stelle rollen, um im geeigneten Augenblicke für den Gebrauch bereit zu scpn. Dieser Augenblick war aber, nach Pfadfinders Ansicht, nicht früher vorhanden, als bis die Flamme das benachbarte Gebüsch beleuchtete und dem raschen und geübten Auge des Wegweisers Zeit gelassen hatte, die Gestalten von drei oder vier lauernden Wilden zu entdecken, welche mit der kalten Gleichgültigkeit von Menschen, die gewöhnt sind, theilnahmlos auf das menschliche Elend zu blicken, auf die Fortschritte des Brandes achteten. Jetzt erst sprach er. „Seyd Ihr bereit, Freund Cap?" fragte er. „Die Hitze sängt an, durch die Spalten zu dringen, und obgleich diese grünen Stämme nicht die scuerfangende Natur eines reizbaren Menschen haben, so mögen sie doch am Ende auflodern, wenn man sie allzusehr herausfordert. Sepd Ihr mit dem Faß bereit? Gebt Acht, daß Ihr es in die rechte Lage bringt, und daß das Wasser nicht unnöthig verwendet wird." „Alles bereit!" antwortete Cap in dem Tone, mit welchem der Matrose auf dem Schiff eine solche Aufforderung zu crwicdern pflegt. „Dann wartet, bis ich Euch weitere Weisung gebe. Man 527 darf so wenig zu hastig in einem gefährlichen Augenblick seyn, als tollkühn in einer Schlacht. Wartet, bis ich's Euch sage." Während der Pfadfinder diese Anweisungen gab, machte er seine eigenen Vorbereitungen, denn er sah, daß der Augenblick des Handelns gekommen seh. Der Hirschtödter wurde vorsichtig gehoben, angelegt und abgefeuert. Das Ganze dauerte ungefähr eine halbe Minute, und nachdem er die Büchse wieder hereingenommen hatte, brachte der Schütze sein Auge an die Schießscharte. „Eines von diesem Gewürm weniger," brummte Pfadfinder in den Bart. „Ich habe diesen Landstreicher schon früher gesehen und ich kenne ihn als einen schonungslosen Teufel. Nun, nun, der Mann hat nach seinen Gaben gehandelt. Noch einen von diesen Schuften, und das wird gut thun für diese Nacht. Wenn das Tageslicht kommt, werden wir heißere Arbeit kriegen." Mittlerweile wurde eine andere Büchse bereit gehalten, und als Pfadfinder zu sprechen aufgehört hatte, fiel ein zweiter Wilder. Das war in der That hinreichend: denn die ganze Rotte, welche sich in das Gebüsch um das Blockhaus herum verkrochen, hatte nicht Lust, eine dritte Heimsuchung von derselben Hand abzuwarten, und da keiner wissen konnte, wer dem Auge des Schützen ausgcsctzt war, so hüpften sie ans ihren Verstecken und flüchteten sich nach verschiedenen Richtungen, um ihre Haut in Sicherheit zu bringen. „Jetzt gießt aus, Meister Cap," sagte Pfadfinder, „ich habe diesen Blaustrümpfen ein Denkzeichen gegeben; sie werden uns in dieser Nacht kein Feuer mehr anzünden." „Achtung!" schrie Cap, indem er das Faß mit einer Sorgfalt ausschüttete, daß die Flammen auf einmal und vollständig erloschen. So endete dieser sonderbare Kampf, und der Rest der Nacht verstoß in Ruhe. Pfadfinder und Cap wachten abwechselnd, obgleich man von keinem sagen konnte, daß er wirklich schliefe. Aljch schien der Schlaf in der That kein Bedürfniß für sie zu sehn, da beide 528 an langes Wachen gewöhnt waren, nnd cs gab Zeiten, wo der erstere buchstäblich gegen die Anforderungen des Hungers und Durstes unempfindlich und gegen die Wirkungen der Ermüdung ganz abgestumpft schien. Mabel wachte an ihres Vaters Lager und begann zu fühlen, wie oft unser zeitliches -Glück nur von Dingen abhängt, welche in der Einbildung bestehen. Bisher hatte sie eigentlich ohne Vater gelebt, da ihre Verbindung mit ihm eher eine geistige, als eine wirkliche zu nennen war. Jetzt aber, da sic ihn verlieren sollte, betrachtete sie den Augenblick seines Todes als den Abschnitt, welcher ihr die Welt zur Oede machte, und all ihr irdisches Glück zerstörte. FünfuildzwanzigsteS Kapitel. Die Nacht durch tobte heulend der Wind. Der Regen floß in Strömen nieder: Doch jetz! behaucht die Sonne lind Den Forst und Vögel singen Lieder. Wvrdsworih. Äls das Licht wiederkehrte, stieg Pfadfinder mit Cap auf das Dach, um den Stand der Dinge ans der Insel zu überblicken. Dieser Theil des Blockhauses hatte rund herum Zinnen, welche den in der Mitte stehenden Personen einen beträchtlichen Schutz gewährten und den Zweck hatten, die Schützen, welche hinter ihnen lagen und darüber weg feuerten, zu decken. Unter Benützung dieser schwachen Vertheidigungsmittel (denn sie waren nicht hoch, obgleich so weit sie gingen, hinreichend breit) gewannen die Beiden, die Verstecke ausgenommen, eine ziemlich weite Aussicht über die Insel und über die meisten Kanäle, die zu derselben führten. Dc^, Wind blies noch sehr steif aus Süden, und an vielen Stellen sah die Oberfläche des Stromes grün und zürnend aus. obgleich sie der Wind kaum kräftig genug peitschte, um die Wellen zum Schäumen zu bringen. Die Gestalt der kleinen Insel war fast oval, und der längste Durchmesser ging von Osten nach Westen. Wenn ein Fahrzeug sich in den Kanälen hielt, welche das Ufer umzogen, so konnte dasselbe, in Folge ihres verschiedenen Laufes und der Richtung des Windes, an den beiden Hanptscitep fast mit vollen Segeln vorbeikommen. Dieß waren die Umstände, welche Cap zuerst gewahrte und seinem Gefährten auseinandersetzte; denn die Hoffnung Beider beruhte nur auf der Möglichkeit eines Entsatzes von Oöwego aus. Während sie in dieser Weise ängstlich um sich blickten, rief der Seemann auf einmal in seiner lustigen, herzlichen Manier — „Segel! ho!" Pfadfinder folgte schnell der Richtung von seines Gefährten Auge, und in der That — eben tauchte dort der Gegenstand auf, welchem des alten Matrosen Ausruf galt. Der hohe Standpunkt machte cs Beiden möglich, über die Niederungen verschiedener anliegenden Inseln wegznsehen, und die Leinwand eines Schiffes glänzte durch das Gebüsch, welches ein mehr südwestlich gelegenes Eiland säumte. Das fremde Fahrzeug war unter niederem Segel, wie es die Seeleute nennen; aber die Gewalt des Windes war so groß, daß die weißen Umrisse desselben an de» Ausschnitten des Gebüsches mit der Schnelligkeit eines Renners vorbeiflogen—ähnlich einer Wolke, die in der Luft vor dem Winde treibt. „Das kann nicht Jasper sehn," sagte Pfadfinder niedergeschlagen, denn er erkannte in dem vorbeieilenden Gegenstände den Kutter seines Freundes nicht. „Nein, nein, der Bursche kommt zu spät, und jenes Schiff dort schicken die Franzosen ihren Freunden, den verfluchten Mingos, zu Hilfe." „Dießmal habt Ihr Euch verrechnet, Freund Pfadfinder, wenn Ihr es auch nie vorher ihatet," erwiedcrte Cap in einer Weise, welche selbst unter den gegenwärtigen bedenklichen Umständen von Der Pfadfinder. 3. Aufl. 34 530 ihrer Rechthaberei nichts verloren hatte. „Frischwasscr oder Salzwasser — das ist der obere Theil von des Scnds großem Segel, denn seine Gilling ist schmäler als gewöhnlich ausgeschnitten; und dann könnt Ihr sehen, daß eine Schale nm die Gaffel gelegt ist; eS ist zwar gut ausgeführt, ich geb' es zu, aber doch ist eine Schale daran." „Ich bekenne, daß ich nichts hievon sehen kann," antwortete Pfadfinder, dem die Ausdrücke seines Gefährten spanisch vorkamen. „Nicht? Nun, das nimmt mich Wunder, denn ich dachte. Eure Angen könnten Alles sehen. Was mich anbelangt, so ist mir nichts deutlicher, als diese Gilling nno diese Schale, und ich muß sagen, mein ehrlicher Freund, daß ich an Eurer Stelle besorgen würde, mein Gesicht fange an, abznnchmen." „Wenn das wirklich Jasper ist, so befürchte ich wenig mehr. Wir können dann das Blockhaus gegen die ganze Nation der Mingos auf acht oder zehn Stunden halten, und wenn Eau-donee unfern Rückzug deckt, so verzweifle ich an nichts. Gott gebe, daß der Junge nicht längs dem Ufer auf den Strand läuft und in einen Hinterhalt fällt, wie es dem Sergeanten ergangen ist." „Ja, das ist der faule Fleck. Man hätte Signale verabreden und einen Ankergrund ansbojcn sollen; — auch eine Quarantaine und ein Lazareth wären nützlich gewesen, wenn man diesen Mingos einen Respekt vor dem Völkerrechte einflößen könnte. Wenn der Bursche, wie Ihr sagt, irgendwo in der Nachbarschaft dieser Insel anlegt, so können wir den Kutter als verloren betrachten. Aber Meister Pfadfinder, müssen wir im Grunde diesen Jasper nicht eher für einen geheimen Verbündeten der Franzosen, als für »nsern Freund halten? Ich kenne des Sergeanten Ansicht in dieser Beziehung und muß sagen, diese ganze Geschichte steht wie Ver- rath aus." „Wir werden es bald erfahren, Meister Cap, wir werden das bald erfahren, denn da kömmt der Kutter in vcr That aus den 531 MSMWA Inseln heraus, und einige Minuten muffen die Sache ins Klare bringen. Es möchte übrigens gut seyn, wenn wir dem Burschen ein Zeichen geben könnten, daß er auf der Hut seyn soll. Es wäre nicht recht, ihn in die Falle laufen zu lassen, ohne ihm bcmerklich zu machen, daß eine gelegt ist." Besorgniß und Ungewißheit hinderte jedoch Beide an dem Versuche, ein Signal zu geben. Es war auch in der That nicht leicht cinzuschen, wie dieses geschehen könnte, denn der Send kam schäumend durch den Kanal an der Luvseite der Insel herunter, mit einer Geschwindigkeit, welche zu Ausführung eines solchen Vorhabens kaum Zeit ließ. Auch war Niemand auf dem Verdecke sichtbar, den« man ein Zeichen zuwinken konnte; selbst das Steuer schien verlassen, obgleich der Curs des Schiffes so stetig war, als es sich rasch vorwärts bewegte. Cap blickte in schweigender Verwunderung auf ein so ungewohntes Schauspiel. Aber als der Send näher kam, entdeckte sein geübtes Auge, daß das Ruder mittelst der Steucrreepc tu Bewegung gesetzt wurde, obgleich die Person, welche es leitete verborgen war. Da der Kutter Schutzbrcttcr von einiger Höhe hatte, so ließ sich das Geheimniß leicht erklären, und es unterlag keinen! Zweifel, daß die Mannschaft sich hinter denselben befand, um gegen die feindlichen Büchsen geschützt zu seyn. Dieser Umstand ließ jedoch erkennen, daß nur wenige Leute am Bord seyn konnten, und Pfadfinder nahm diese Auseinandersetzung seines Gefährten mit einein bedeutungsvollen Kopfschütteln hin. „Das beweist, daß der Serpent Oswego nicht erreicht hat," sagte er, „und daß wir von der Garnison keine Unterstützung erwarten dürfen. Ich hoffe, Lundie hat sich's nicht in den Kopf gesetzt, dem Jungen das Commando zu nehmen, denn Jasper Western würde in einer solchen Klemme für ein ganzes Heer gelten. Wir drei, Meister Cap, könnten den Krieg männlich durchführen; Ihr, als ein Seemann, müßtet den Verkehr mit dem Kutter 532 unterhalten; Jasper kennt den See und weiß, was auf diesem zu thnn ist, und ich habe Gaben, welche so gut, als die irgend eines Miiigo sind, mag ich auch in anderer Beziehung sehn, was ich will. Ich sage, wir sollten um Mabcls willen einen mannhaften Kampf bestehen." „Das müssen wir und das wollen wir," crwiedertc Cap mit Herzlichkeit, denn er hatte, da er nun wieder das Licht der Sonne sah, mehr Zuversicht wegen der Sicherheit seines Skalps. „Ich betrachte die Ankunft des Sends als einen Umstand und die Möglichkeit, daß dieser vcrhcukertc Eau-doucc ehrlich ist, für einen zweiten. JaSper ist, wie Ihr seht, ein kluger, junger Bursche, denn er hält sich in einer guten Landwcite und scheint entschlossen, vorher die Verhältnisse auf der Insel zu rccognoscircu, che er anzulegcn wagt." „Ich Hab' es! ich Hab' es!" rief Pfadfinder freudig. „Da liegt der Kahn des Serpcnt auf dem Decke des Kutters; der Häuptling ist am Bord und hat ohne Zweifel einen treuen Bericht über unsere Lage erstattet: denn ein Delaware, ungleich dem Mingo, erzählt gewiß eine Geschichte richtig, oder schweigt lieber still." Der Leser hat bereits Pfadfinders Neigung bemerkt, von den Delaware» gut und von den Mingos übel zu denken. Für die Wahrheitsliebe der erster«: hatte er die höchste Achtung, während er die letzteren nicht anders betrachtete, als die verständigeren und einsichtsvolleren Klassen dieses Landes beinahe allgemein gewisse Schmierer zu betrachten anfangen, welche sich bekanntlich so sehr ans Lügen gewöhnt haben, daß sie keine Wahrheit mehr heraus- briugcn können, auch wenn sie sich ernstlich alle Mühe dazu geben. „Möglich, daß der Kahn nicht zu dem Kutter gehört," sagte der krittliche Seemann; „aber Eau-douce hatte auch einen am Bord, als wir aussegelten." „Sehr wahr, Freund Cap, aber wenn Ihr Eure Segel und Masten an den Gillinge» und Schalen erkennt, so läßt mich mein 533 Gränzmannswisscn die Kahne und Fährten unterscheiden. Wenn Ihr an einem Segel neues Tuch seht, so sehe ich an einem Kahne frische Rinde. Das ist das Boot des Serpent, und dieser wackere Bursche ist der Garnison zngerndert, so bald er sah, daß das Blockhaus eingeschlossen sey; er traf dann den Send, erzählte die ganze Geschichte und brachte den Kutter mit hiehcr, um zu sehen, was zn thun seh. Gott gebe, daß Jasper Western noch am Bord ist." „Ja, ja, es könnte nicht schaden; denn Verräther oder loyal, der Bursche weiß mit einem Sturm umzuspringen, ich muß das zugeben." „Und mit den Wasserfällen!" sagte Pfadfinder, und stieß seinen Gefährten mit dem Ellenbogen an, wobei er in seiner stillen Weise herzlich lachte. „Wir müssen dem Jungen Gerechtigkeit widerfahren lassen, und sollte er uns alle eigenhändig skalpiren." Der Send war nun so nahe, daß Cap die Erwiederung schuldig blieb. Die Scene war im gegenwärtigen Augenblick so eigcnthüm- lich, daß sie eine besondere Schilderung verdient, welche dazu dienen mag, dem Leser einen klaren Begriff von dem Gemälde, das wir ihm zeichnen wollen, bcizubringcn. Der Wind blies immer noch sehr heftig. Viele von den kleineren Bäumen beugten ihre Gipfel fast bis zur Erde, während das Sausen des Sturmes durch die Aestc der Waldung dem Rollen ferner Wagen glich. Die Luft war mit Blättern angcfüllt, die in dieser späten Jahreszeit sich leicht von den Zweigen lüsten und wie Schaaren von Vögeln von einer Insel zur andern flogen. Im klebrigen war alles still wie das Grab. Daß die Wilden noch auf der Insel weilten, ließ sich ans den Kähnen entnehmen, welche mit de» Booten des Fünfnndfünfzigsten in der kleinen, als Hafen dienenden Bucht lagen, obgleich kein anderes Zeichen ihre Gegenwart verrieth. Zwar wurden sie durch die plötzliche und nnvorgeschene Rückkehr des Kutters anfs Aeußerste überrascht; aber ihre gewohnte Vorsicht I3L auf einen, Kriegspfad war so allgemein und gewissermaßen instinktmäßig, daß ans das erste Warnnngszeichcn ein jeder nach seinem Versteck eilte, wie der Fuchs nach seinem Bau. Dieselbe Stille herrschte in dem Blockhanse; denn obgleich Pfadfinder und Cap die Ausficht nach der Wasserstraße beherrschten, so nahmen sie doch die nöthige Vorsicht wahr, sich verborgen zn halten. Noch merkwürdiger war die ungewohnte Erscheinung, daß sich am Bord des Send keine Spur von lebendigen Wesen blicken ließ. Da die Indianer Zeugen seiner scheinbar nicht geleiteten Bewegungen waren, so faßte ein Gefühl des Entsetzens unter ihnen Fuß, und einige der Kühnsten fingen an, über den Ausgang eines Unternehmens besorgt zu werden, welches unter so günstigen Anzeichen begonnen hatte. Selbst Arrow- head, der doch an den Verkehr mit den Weißen ans beiden Seiten des Sees gewöhnt war, erblickte etwas Unheilverkündendes in der Erscheinung dieses unbemannten Schiffes, und wäre in diesem Augenblick wohl gerne wieder auf dem Festlande gewesen. Mittlerweile bewegte sich der Kutter rasch vorwärts. Er segelte durch den mittleren Kanal, bald vor den Windstößen sich beugend, bald wieder aufrecht, wie ein Philosoph, welcher, niedergedrückt von den Stürmen des Lebens, seine freie Haltung wieder gewinnt, sobald sie verschwinden — und trennte die schäumenden Wogen unter seinen Bngcn. Obgleich er unter sehr kurzem Segel ging, war doch seine Geschwindigkeit ansehnlich, und eS verstoßen kaum zehn Mumien von rer Zeit an, als seine Leinwand znm erstenmal durch die entfernten Bäume und Gebüsche glänzte, bis zu dem Augenblick, wo er unter dem Blockhause anlangte. Cap und Pfadfinder beugten sich, als der Send unter ihrem Horste vorbeizog, vorwärts, um besser ans das Verdeck sehen zu können, als zu ihrem beiderseitigen großenVcrgnügcnJaspcr aufsprang und einen dreifachen herzlichen Frcndenrnf erschallen ließ. Ohne auf irgend eine Gefahr Rücksicht zn nehmen schwang sich Cap anfdie hölzerne Brüstung und crwiedertc den Gruß — Ruf um Ruf. Zum Glück rettete ihn die Klugheit 835 des Feindes; denn die Indianer lagen noch ruhig, ohne eine Büchse abzufeuern. Auf der andern Seite behielt Pfadfinder mehr den nützlichen Theil desKriegszugcs im Auge, ohne dem blos dramatischen irgend eine Aufmerksamkeit zu schenken. Sobald er seinen Freund Jasper erblickte, rief er ihm mit einer Stentorstimme zu: „Steht uns bei. Junge, und der Tag wird unser sehn. Nehmt jene Büsche ein wenig aufs Korn, und Ihr werdet die Hallunken wie die Rebhühner aufjagen." Ein Theil hievon erreichte Jaspers Ohr, aber das Meiste wurde auf den Schwingen des Windes leewärts getragen. Der Send hatte während dieser Worte vorbeigetrieben und im nächsten Augenblick verbarg ihn die Waldung, in welcher das Blockhaus theilweise versteckt lag. Nun folgten zwei beängstigende Minuten; aber nach diesem kurzen Zeiträume glänzten die Segel wieder durch die Bäume, da Jasper geviert, das Segel gedreht und unter dem Lee der Insel zu dem andern Gang aufgeholt hatte. Der Wind war, wie bereits bemerkt wurde, frei genug, um ein solches Manöver zuzulassen, und der Kutter, der die Strömung unter seinem Lecbug hatte, wurde zu seinem Cnrse auf. eine Weise ausgerichtet, daß man wohl sehen konnte, er werde ohne Schwierigkeit wieder windwärts von der Insel kommen. Diese ganze Schwenkung wurde mit der größten Leichtigkeit ausgeführt und keine Schootc berührt; die Segel setzten sich von selbst, und nur das Ruder leitete die wunderbare Maschine. Dieß Alles schien des Necognoseircns wegen zu geschehen. Als jedoch der Send seinen Gang um die ganze Insel herum gemacht uud in dem Kanals, in welchem er zuerst sich der Insel genähert, seine Lnvlage wieder eingenommen hatte, wurde das Steuer niedergelassen und durch den Wind gewendet. Der Ton des schlagenden, große» Segels, so dicht es auch gereest war, glich dem Schuß einer Kanone, so daß Cap Angst bekam, die Nahten möchten sich lösen. „Seine Majestät gibt gute Leinwand, das muß man ihr lassen," 536 brummte der alte Seemann; „auch muß man dem Jungen zugestehen, daß er sein Bort wie ein befahrener Bursche handhabt. Gott v — mich, Meister Pfadfinder, wenn ich, trotz allem, was man darüber sagen mag, glaube, daß dieser vcrhenkerte Meister Ean-dvuee sein Gewerbe auf diesem Fetzen Frischwaffer gelernt hat!" „Ei freilich lernte ers hier. Er hat nie das Meer gesehen, und ist zu seinem Beruf nirgends anders, als hier ans dem Ontario hcrangebildct worden. Ich habe oft gesagt, daß er eine natürliche Gabe für Schooner und Schaluppen habe, und respektirte ihn auch um deßwillcn. Was Berrath, Lügen und alle die Laster eines schwarzen Herzens anbelangt, Freund Cap, so ist Jasper davon so frei, wie der tugendhafteste Krieger unter den Delaware»; und wenn Ihr ei» Verlangen tragt, einen ächten ehrlichen Mann zu sehen, so müßt Ihr ihn unter diesem Stamme suchen." „Da kommt er herum," rief der vergnügte Cap, als der Send sich wieder zu dein ursprünglichen Gang anschickte: „und nun werden wir sehen, was der Junge beabsichtigt; er kann doch nicht immer in diesen Kanälen hin und herfahrcn wollen, wie ein Mädchen bei einem Jahrmarktstanz." Der Send hielt jetzt so weit ab, daß die beiden Beobachter auf dem Blockhaus einen Augenblick fürchteten, Jasper wolle landen; und die Wilden betrachteten den Kutter aus ihren Verstecken mit einer Art Lust, wie sie wohl der geduckte Tiger fühlen mag, wenn er das Opfer harmlos seinem Lager sich nähern sieht. Aber Jasper hatte nicht diese Absicht. Vertrant mit dem Ufer und bekannt mit der Tiefe des Wassers an jeder Stelle der Insel, wußte er wohl, daß der Send ohne Gefährde an's Ufer laufen könne: deßhalb wagte er sich furchtlos so nahe, daß er beim Fahren durch die kleine Bah die zwei Boote der Soldaten von den Tauen losriß, sie in den Kanal hinausdrängte und mit sich sortzog. Da jedoch alle Kähne an den beiden Booten Dunhams befestigt waren, so wurden die Wilden durch diesen kühnen und erfolgreichen Versuch auf einmal aller 537 Mittel beraubt, die Insel anders als durch Schwimmen zu verlassen. Auch schienen sie diesen wichtigen Umstand im Augenblick einzusehen: sie erhoben sich insgcsammt, erfüllten die Lust mit ihrem Geschrei und unterhielten ein unschädliches Büchscnfeuer. Während dieses unbedachtsamen Beginnens wurden zwei Büchsen von ihren Gegnern abgefeuert. Eine Kugel kam von dem Giebel des Bockhauses, und ein Irokese fiel, durch das Hirn getroffen, rücklings nieder. Die andere kam vom Srud aus. Sie war aus dem Gewehre des Delawaren, aber weniger sicher, als die seines Freundes, da sic den Feind nicht erschlug, sondern nur auf Lebenszeit lähmte. Die Mannschaft des Scud jubelte und die Wilden verschwanden wieder bis auf den letzten Mann, als ob sie die Erde eingeschluckt hätte.' „Das war des Serpcnts Stimme," sagte Pfadfinder, als die zweite Büchse abgefcucrt wurde. „Ich kenne diesen Knall so gut, als ich den des Hirschetödtcrs kenne. 'S ist ei» guter Lauf, obgleich nicht sicherer Tod. Nun, nun, mit Chingachgook und Jasper auf dem Wasser, und Euch und mir in dem Blockhaus, Freund Cap — da müßte es sonderbar zugehen, wenn wir diese Mingostrolche nicht lehrten, wie man mit Verstand ficht." Diese ganze Zeit über war der Send in Bewegung. Sobald Jasper das Ende der Insel erreicht hatte, ließ er seine Prisen in den Wind treiben, bis sie auf einem Punkte, eine halbe Meile leewärts, auf den Strand liefen. Er vierte sodann und kam, gegen die Strömung anlegend, wieder durch den andern Gang. Die auf dem Giebel des Blockhauses konnten nun bemerken, daß etwas auf dem Verdecke des Scud in Thätigkeit war, und zu ihrem großen Vergnügen wurde, als der Kutter in gleicher Linie mit der Hauptbucht und an die Stelle kam, wo die Feinde am gehäuftesten lagen, die Haubitze, welche seine einzige Bewaffnung ausmachte, demaskirt, und ein Kartätschcnschauer zischte in die Gebüsche. Ein Flug Wachteln hätte sich nicht schneller erheben können, als dieser unerwartete Eisenhagel die Irokesen anfjagte; da fiel wieder ein Wilder dnrch eine Kugel aus dem Hirschetüdter, indcß ein anderer in Folge einer Heimsuchung aus Chingachgooks Büchse davon hinkte. Sie hatten jedoch im Augenblick wieder neue Verstecke, und jeder Theil schien sich zur Erneuerung des Kampfes in einer andern Weise vorzubereiten. Aber die Erscheinung Junc's, die eine weiße Flagge trug und von dem französischen Offizier und Muir begleitet wurde, brachte alle Hände zur Ruhe und war der Vorläufer einer weiteren Unterhandlung. Diese wurde so nahe unter dem Blockhause abgehalten, daß Alle, welche sich in keinem Verstecke befanden, der Gnade von Pfadfinders nie fehlender Büchse gänzlich preisgegebcn waren. Jasper legte den Kutter guer vor Anker, und auch die Haubitze war auf die Unterhändler gerichtet, so daß die Belagerten und ihre Freunde, mit Ausnahme des Mannes, welcher den Zündstock hielt, keinen Anstand nehmen durften, sich offen zu zeigen. Chingachgook allein blieb versteckt, jedoch mehr aus Gewohnheit, als ans Mißtrauen. „Ihr habt gesiegt, Pfadfinder," rief der Qnartiermeister aus, „und Kapitän Sanglier kommt selbst, um Friedensvorschläge zu machen. Ihr werdet einem tapferen Feinde einen ehrenvollen Rückzug nicht verweigern, weil er brav gekämpft und seinem Könige und seinem Lande so viel Ehre gemacht hat, als er konnte. Ihr seyd selbst ein so loyaler Unterthan; um Loyalität und Treue mit einem harten Urtheil heimznsuchen. Ich bin von Seiten des Feindes bevollmächtigt, die Räumung der Insel, Austausch der Gefangenen und Rückerstattung der Skalpe anznbieten. Da keine Bagage und Artillerie vorhanden ist, so kann man kaum mehr verlangen." Da das Gespräch wegen des Windes sowohl, als der Entfernung halber sehr laut geführt werden mußte, so konnten die Worte des Sprechers sowohl ans dem Blockhause, als auf dem Kutter verstanden werden. „Was sagt Ihr dazu, Jasper?" rief Pfadfinder. „Ihr hört 539 den Vorschlag; sollen wir diese Landstreicher gehen lassen, oder wollen wir sie zeichnen, wie man die Schafe in den Ansiedelungen zeichnet, daß wir sie später wieder erkennen können?" „Wie geht es Mabel Dunham?" fragte der junge Mann, mit einem Stirnrnnzeln auf seinem schönen Gesichte, welches selbst denen auf dem Blockhause nicht entging. „Wenn ein Haar ihres Hauptes berührt worden ist, so soll es mir der ganze Stamm der Irokesen büßen." „Nein, nein, sie ist wohlbehalten im Erdgeschoß und pstegt einen sterbenden Vater, wie es ihrem Geschlechts ziemt. Wegen der Verwundung des Sergeanten dürfen wir keinen Groll hegen, denn sie ist die Folge eines rechtmäßigen Krieges, und was Mabel anbclangt —" „Sie ist hier!" rief das Mädchen selbst, welche das Dach erstiegen hatte, als sie vernahm, welche Wendung die Dinge genommen hatten. „Sie ist hier! und im Namen des Gottes, den wir alle gemeinschaftlich anbeten, im Namen unserer heiligen Religion — laßt kein Blutvergießen mehr stattsinden. Es ist schon genug Blut geflossen; und wenn diese Männer gehen wollen, Pfadfinder — wenn sic im Frieden abzichen wollen, Jasper — oh, so haltet keinen von ihnen zurück. Mein armer Vater nähert sich seinem Ende, und es wäre besser, wenn er seinen letzten Hauch im Frieden mit der Welt ausathmcn könnte. Geht, geht, Franzosen und Indianer; wir sind nicht länger Eure Feinde, und werden keinem von euch ein Leides znfügen." „Halt, halt, Magnet," warf Cap ein, „das klingt vielleicht religiös, oder wie ein Komödicnbuch; aber es klingt nicht wie gesunder Menschenverstand. Der Feind ist bereit, die Flagge zu streichen, Jasper hat, wahrscheinlich mit Springen ans den Kabeln, quer geankert, um eine Lage geben zu können, Pfadfinders Auge und Hand sind so treu, wie die Magnetnadel, und wir werden Prisengeld, Kopfgeld und Ehre obendrein gewinnen, wenn du 540 dich dis nächste halbe Stunde nicht in unsere Angelegenheiten mischest." „Ei," sagte Pfadfinder, „ich halte mich zu Mabel. Es ist für unfern Zweck und für den Dienst des Königs genug Blut geflossen; und was die Ehre anbelaugt, so wollen wir fie an junge Fahndriche und Rekruten überlassen, denn diese können fie besser brauchen, als besonnene, eifrige christliche Männer. Die Ehre liegt im Nechthandeln, und nur schlechte Thaten vermögen einen zu entehren; ich halte es aber für schlecht, einem, und wäre es auch nur ein Mingo, das Leben zu nehmen, ohne irgend einen nützlichen Zweck; ja, ja — und ich halte es für Recht, alle Zeit auf die Stimme der Vernunft zu achten. So lassen Sie uns also hören, Lieutenant Muir, was Ihre Freunde, die Franzosen und Indianer für sich vorzubringcn haben?" „Meine Freunde?" sagte Muir mit Unwillen. „Ihr werdet doch nicht des Königs Feinde meine Freunde nennen wollen, Pfadfinder, weil das Geschick des Krieges mich in ihre Hände geworfen hat? Die größten Krieger der alten und der neuen Zeit sind schon Kriegsgefangene gewesen, und dort könnt Ihr Meister Cap fragen, ob wir nicht alles Menschenmögliche aufboten, um diesem Ungemach zu entfliehen." „Ja, ja," antwortete Cap trocken; „entfliehen ist das geeignete Wort. Wir eilten nach unten und verbargen uns so klug, daß wir noch zu dieser Stunde in der Höhle fitzen könnten, wäre uns nicht der Brodkorb zu hoch gehangen. Sie haben sich bei dieser Gelegenheit so geschickt wie ein Fuchs eingegraben, und zum Teufel, mich nimmt's nur Wunder, wie Sie das Nest so auf der Stelle zu finden wußten." „Und folgtet Ihr mir nicht auf dem Fuße? Es gibt im Menschenleben Augenblicke, wo die Vernunft zum Instinkt hinansteigt —" „Und die Menschen in Höhlen hinabsteigen," unterbrach ihn Cap mit einem polterndem Lachen, in welches Pfadfinder auf seine ruhige Weise einstimmtc. Auch Jasper, obgleich noch voll Bekümmerniß wegen Mabels, konnte fich eines Lächelns nicht erwehren. „Man sagt, der Teufel könne kein Matrose werden, wenn er nicht in die Hohe sieht und nun scheint mir's, er wäre auch zum Soldaten verdorben, wenn er nicht nach unten schaute." Dieser Ausbruch von Heiterkeit, obgleich Mnir nichts besonderes Belustigendes darin fand, trug viel dazu bei, den Frieden aufrecht zu erhalten. Cap bildete fich ein, er habe einen ungewöhnlich guten Witz gemacht und war daher geneigt, in der Hauptsache »achzugeben, so lange seine Gefährten ihn ans dem Glauben ließen, daß sic ihn für einen witzigen Kopf hielten. Nach einer kurzen Berathung wurden die Wilden insgesammt ohne Waffen hundert Ellen von dem Blockhanse und in der Linie der Geschützpforten des Send versammelt, indeß Pfadfinder zu der Thüre seiner Feste hinnnterstieg und die Bedingungen fcstsetzte; unter welchen der Feind endlich die Insel räumen solle. In Anbetracht der Verhältnisse waren diese für beide Thcile vortheilhaft. Die Indianer mußten, Vorsorge halber, alle ihre Waffen, selbst ihre Messer und Tomahawks ausliesern, weil sic an Zahl immer noch um das Vierfache überlegen waren. Der französische Offizier, Monsieur Sanglier, wie man ihn gewöhnlich nannte und er sich selbst zu nennen Pflegte, machte Einwendungen gegen diesen Akt, welcher wahrscheinlich mehr als irgend ein anderer Theil des ganzen Verfahrens ei» übles Licht auf sein Commando werfen konnte; aber Pfadfinder, der Zeuge einiger Jndianergemctzcl gewesen war, wußte wohl, wie wenig Verpflichtungen geachtet wurden, wenn sie mit dem Vortheil in Widerspruch geriethen, und blieb, was die Wilden anbelangte, nnerbitilich. Der zweite Punkt war fast von gleicher Wichtigkeit; er enthielt die Bestimmung daß Kapitän Sanglier alle Gefangenen ausliefere, die in der Höhle, zu welcher Cap und Mnir ihre Zuflucht genommen hatten, bewacht wurden. 5L2 Als diese Leute zum Vorschein kamen, erwiesen sich vier von ihnen als unverletzt; sie waren nur nicdcrgcfallen, um ihr Leben durch einen in dem Jndiancrkriege gewöhnlichen Kunstgriff zu retten; von den übrigen waren zwei so leicht verwundet, daß sie wohl zum Dienst verwendet werden konnten. Da sie ihre Musketen mit sich brachten, so ließ dieser Zuwachs an Macht Pfadfinder wieder um ein Gutes leichter athmen; denn nachdem er die Waffen des Feindes im Blockhanse gesammelt hatte, gab er diesen Leuten die Weisung, das Gebäude zu besetzen; und stellte eine regelmäßige Schildwache vor die Thnre. Die übrigen Soldaten waren todt, da die schwer Verwundeten sogleich erschlagen wurden, um ihre heißbegehrten Skalpe nehmen zn können. Sobald Jasper den Inhalt des Vertrags erfahren hatte, und die Präliminarien so weit vorgeschritten waren, daß er cs wagen konnte, sich zu entfernen, lichtete er die Änker und segelte zu der Stelle hinunter, wo die Boote auf den Strand gelaufen waren, nahm sic wieder ins Schlepptau und brachte sic mit wenigen Streckungen in den Kanal leewärts. Hier wurden die Wilden sogleich eingeschifft, worauf Jasper die Kähne zum dritten Mal ins Tau nahm, vor dem Winde her lief und sie etwa eine Meile unter dem Lee der Insel in Freiheit setzte. Die Indianer hatten für jedes Boot nur ein Ruder erhalten, da der junge Schiffer wohl wußte, daß sie, wenn sie sich vor dem Winde zu halten vermochten, schon im Laufe des Morgens das Ufer von Canada erreichen konnten. Blos Kapitän Sanglier, Arrowhead und June blieben zurück, nachdem über den Rest ihrer Partie diese Verfügung getroffen worden war. Der erstcre hatte mit Lieutenant Muir, welcher in seinen Augen allein die mit einer Offiziersstelle verbundenen Befähigungen besaß, gewisse Papiere zu ordnen und zn unterzeichnen, und der letztere zog es ans nur ihm bekannten Gründen vor, sich seinen abziehenden Freunden, den Irokesen, nicht anzuschließen. Man hatte für die Abfahrt dieser Drei die erforderlichen Kähne znrückbchalten. 513 Während der Send mit den Booten im Schlepptau abwärts segelte, waren Cap und Pfadfinder nebst andern geeigneten Helfern mit der Zurichtung eines Frühstücks beschäftigt, da die Meisten schon vierundzwanzig Stunden nichts genossen hatten. Der kurze Zeitraum, welcher bis zur Rückkehr des Kutters verfloß, wurde nur wenig durch Gespräche unterbrochen, obgleich Pfadfinder Muße genug fand, den Sergeanten zu besuchen, Mabel einige freundliche Worte zu sagen und verschiedene Anweisungen zu geben, welche ihm den Hingang des Sterbenden zu erleichtern schienen. Was Mabel anbelangte, so bestand er darauf, daß sic einige Erfrischung zu sich nähme, und da nun kein weiterer Grund mehr vorhanden war, die Schildwache an dem Blockhaus stehen zu lassen, ließ er sie abziehen, damit die Tochter ungehindert ihres Vaters warten konnte. Nachdem diese Vorkehrungen getroffen waren, kehrte unser Held wieder zu dem Feuer zurück, um welches der ganze Rest der Gesellschaft, Jasper mit eingeschloffen, versammelt saß. Scchsuiidzwauzigftes Kapitel. Die Sorge liegt auf seinen blassen Wangen — Ein schaffend Meer, jüngst noch vom Sturm umfangen. Wo trag die Woge auf der Tiefe schleicht. Bis auch der letzte Ton dem Schlummer weicht. Drydc». Älänner, welche an kriegerische Sccnen, wie wir sie beschrieben haben, gewöhnt sind, eignen sich gerade nicht besonders, auf dem Wahlplatze dem Einflüsse zarterer Gefühle Raum zu geben. Demun- geachtet weilte aber während der Begebnisse, welche wir zu berichten im Begriffe sind, mehr als ein Herz bei Mabel in dem Blockhause, und das wichtige Geschäft der Mahlzeit wollte sogar dem kühnsten Krieger nicht besonders behagen, da man wußte, daß der Sergeant dem Verscheiden nahe war. Als Pfadfinder von dem Blockhaus« zurückkehrte, traf er auf 544 Murr, welcher ihn bei Seite führte, um eine geheime Besprechung mit ihm zu halten. Das Benehmen des Quartiermeisters trug das Gepräge einer übcrgcbührlichen Höflichkeit, welche fast immer der Arglist als Hülle bient; denn während Physiognomik und Phrenologie im besten Falle hinkende Wissenschaften sind, und vielleicht zu eben so vielen falschen als richtigen Folgerungen führen, so halten wir es für das untrügliche Zeichen einer unredlichen Absicht, offene Handlungen ausgenommen — wenn ein Gesicht immer lächelt, oder eine Zunge übermäßig glatt ist. Mnir hatte im Allgemeinen viel von diesem Ausdruck an sich, obschon sich einige scheinbare Frei- müthigkeit mit demselben verband, welche durch seine derbe schottische Stimme, seinen schottischen Accent und seine schottische Ausdrucksweise auf eine eigenthümliche Art gehoben wurde. Er verdankte seine Stellung in der That einer lang an den Tag gelegten Ergebenheit gegen Lundie und seine Familie; den» wenn auch der Major zu scharfblickend war, um sich von einem Manne täuschen zu lassen, der so weit an wirklichen Kenntnissen und Talenten unter ihm stand, so liegt es doch in der Natur der meisten Menschen dem Schmeichler freigebige Zugeständnisse zu machen, selbst wenn sie seiner Aufrichtigkeit mißtrauen und seine Beweggründe vollkommen durchschauen. Bei der gegenwärtigen Gelegenheit versuchten zwei Männer gegenseitig ihre Gewandtheit, welche sich in de» Grundzügen des Charakters so verschieden verhielten, als nur immer möglich. Pfadfinder war so einfach, als der Quartiermeister verschlagen, so aufrichtig, als der andere falsch, und so unbefangen, als der andere schleichend. Beide waren besonnen und berechnend und beide muthig, obgleich in verschiedener Art und in verschiedenem Grade, da sich Mnir nie einer persönlichen Gefahr aussetzte, wenn er nicht seine eigenen Zwecke dabei hatte, während der Pfadfinder die Furcht unter die Vcrnunftschwächen zählte, oder als ein Gefühl betrachtete, welches nur zuläßig sey, wenn etwas Gutes dabei herauskomme. 345 „Mein thcuerstcr Freund," begann Mnir; „denn nach Eurem letzten Benehmen müßt Ihr uns Allen siebennndsicbcnzigmal theurer seyn, als Ihr uns je gewesen, da Ihr Euch in dieser kürzlich«: Verhandlung so sehr hervvrgethan habt — es ist zwar wahr, man wird Euch nicht zu einem Offizier machen, da diese Art von Bevorzugung nicht für Euren Stand paßt, und, wie ich vermuthe, auch nicht nach Eurem Wunsch ist; aber als Wegweiser, als Be- rather, als treuer Untcrthan und erfahrener Schütze hat Euer Ruf so zu sagen seine Glanzhöhe erreicht. Ich zweifle, ob der Oberbefehlshaber so viel Ruhm von Amerika mit fortnchmen wird, als ans Euren Theil fällt. Ihr könnt nun ruhig Euer Haupt niederlegen und Euch für den Rest Eurer Tage gütlich thun. Heirathet, Mann -— ohne Verzug, und bereitet Euch das schönste Glück; denn Ihr habt keine Gelegenheit, Euch nach noch mehr Ruhm umznsehen. Nehmt, ums Himmelswillen, Mabel Dunham an Euer Herz, und Ihr habt beides, eine gute Braut, und einen guten Namen." „Ei, O-uartiermeister, das ist ja ein ganz nagelneuer Rath ans Ihrem Munde. Man hat mir gesagt, ich hätte in Ihnen einen Nebenbuhler?" „Den hattet Ihr, Mann, und zwar einen furchtbaren, kann ich Euch sagen — einen, der nie vergebens freite, und doch fünfmal freite. Lundie reibt mir immer Vier unter die Nase, und ich weise den Angriff zurück, aber er hat keine Ahnung davon, daß die Wahrheit sogar seine Arithmetik übersteigt. Ja, ja, Ihr hattet «inen Nebenbuhler, Pfadfinder; das ist aber jetzt nimmer der Fall. Ich wünsche Euch alles Glück zu Euren Fortschritten bei Mabel, und wenn der wackere Sergeant am Leben bliebe, so könntet Ihr Euch noch obendrein sicher darauf verlassen, daß ich bei ihm ein gutes Vorwort für Euch einlegen würde." „Ich erkenne ihre Freundschaft, Qnarticrmcister, ich erkenne Ihre Freundschaft, obgleich ich Ihres Vorworts bei Sergeant Dunham, der mein langjähriger Freund ist, nickt bedarf. Ich Der Pfadfinder. 3. A»fl. 35 5L6 glaube, wir dürfen dis Sache als so sicher abgemacht betrachten, wie es nur immer in Kriegszeitcn möglich ist; denn Mabcl und ihr Vater stimmen ein, und das ganze Fünfundfünfzigste wird es nicht ändern können. Ach! der arme Vater wird es kaum erleben, seinen so lange gehegten Herzenswunsch erfüllt zu sehen." „Aber er hat den Trost, die Gewißheit desselben mit in die Ewigkeit zu nehmen. Oh, es ist eine große Beruhigung für den scheidenden Geist, Pfadfinder, mit der Neberzeugung zu sterben, daß die zurückbleibenden Lieben gut versorgt sind. Alle meine Frauen haben auf ihrem Sterbebette pflichtlich dieses Gefühl ausgesprochen." „Alle Ihre Frauen haben wahrscheinlich diesen Trost gefühlt, Quartiermeistcr." „Pfui, Mann! Zch hätte Euch nicht für einen solchen Schalk gehalten. Nun, nun, Scherzworte bringen keinen Groll zwischen alte Freunde. Wenn ich Mabel nicht hcirathen kann, so werdet Ihr mich doch nicht hindern wollen, sie zu achten und gut von ihr zu sprechen, und von Euch dazu, bei jeder thunlichen Gelegenheit und in allen Gesellschaften. Aber Pfadfinder, Ihr werdet wohl einsehen, daß ein armer Teufel, der eine solche Braut verliert, wahrscheinlich auch einiges Trostes bedarf?" „Sehr wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich Quartiermeistcr," er- wiederte der einfache Wegweiser. „Ich weiß, daß es mir selber äußerst schwer fiele, MabelS Verlust zu ertragen. Es mag wohl drückend auf Ihren Gefühlen lasten, uns verheirathet zu sehen. Aber der Tod'des Sergeanten wird die Sache wahrscheinlich hinausschieben, und Sie haben dann Zeit, sich männlich darein zu finden." „Ich will dieses Gefühl bekämpfen, ja ich will es bekämpfen, obgleich mir das Herz dabei bricht; und Ihr könnt mir an die Hand gehen, Mann, wenn Ihr mir etwas zu thnn gebt. Ihr begreift, daß cs mit dieser Erpedition eine eigenthümliche Bewandt- niß hat, denn ich bin hier, obgleich ein Offizier des Königs, so zu sagen nur ein Freiwilliger, während eine bloße Ordonnanz das 547 Commando geführt hat. Ich habe mich aus verschiedenen Gründen darein gefügt, obschon ich mit heißem Verlangen auf diesen Auftrag gehofft habe, während ihr als kühne Streiter für die Ehre des Landes nnd die Rechte des Königs —" „Quartiermeister," unterbrach ihn der Wegweiser, „Sie fielen zu früh in die Hände des Feindes, so daß Sie in diesem Betracht Ihr Gewissen leicht beruhigen können. Lassen Sic sich also rathcn und sprechen Sie nichts mehr davon." „Das ist gerade auch meine Meinung, Pfadfinder; wir wollen Alle nichts mehr davon reden. Sergeant Dunham ist Iiors äo eombal." „Wie?" sagte der Wegweiser. „Nun, der Sergeant kann nicht mehr. commandiren, und es würde kaum angehen, einen Corpora! an die Spitze einer siegreichen Partie wie diese zu stellen; denn Blumen, welche in einem Garten blühen, sterben ans einer Heide, und ich dachte eben daran, den Anspruch au diese Ehre für einen Mann, der Seiner Majestät Patent als Lieutenant hat, geltend zu machen. Was die Mannschaft anbelangt, so darf diese keinen Einwurf dagegen erheben, und was Euch betrifft, mein theurer Freund — Ihr habt schon so viel Ruhm geärntet, habt obendrein Mabel und das Bewußtscyn, Eure Pflicht gethan zu haben, was noch das kostbarste von Allem ist; ich hoffe daher, daß ich eher in Euch einen Verbündeten, als einen Gegner meines Planes finden werde." „Was den Befehl über die Soldaten des Fünfundfünfzigstcn betrifft, Lieutenant, so glaube ich, daß Sie ein Recht an denselben haben, und Niemand hie,r wird etwas dagegen einwenden. Zwar find Sie sin Kriegsgefangener gewesen, und manche könnten es vielleicht nicht eriragen, einen Gefangenen an ihrer Spitze zu haben, der durch ihre Thaten befreit worden ist; doch hier wird sich wahrscheinlich Niemand Ihren Wünschen entgegen stellen." „Das ist's gerade, Pfadfinder; und wenn ich de» Bericht von 548 imscrm Siege über die Boote, die Vcrthcidigung des Blockhauses, und die Hanptopcrationcn, mit Einschluß der Capitulation abfafscn werde, so sollt Ihr finden, daß ich Eure Ansprüche und Verdienste nicht übergangen habe." „Still von meinen Ansprüchen und Verdiensten, Quartier- mcister! Lundic weiß, was ich in dem Walde und was ich in einem Fort bin, und der General weiß es noch bester, als er. Kümmern Sie sich nicht um mich, und erzählen Sic Ihre Geschichte; nur lassen Sie dabei Mabcls Vater Gerechtigkeit widerfahren, der in einem Sinne noch gegenwärtig der commandircnde Offizier ist." Mnir drückte seine vollkommene Zufriedenheit mit dieser Verhandlung und seinen Entschluß ans, Allen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen; dann gingen beide wieder zu der an dem Feuer versammelten Gruppe zurück. Hier begann der Quartiermeistcr das erstemal, seit er Oswego verlassen hatte, einigermaßen seine Ansprüche auf die Würde geltend zu machen, welche eigentlich seinem Range zu gebühren schien. Er nahm den am Leben gebliebenen Corpora! bei Seite, und erklärte demselben unumwunden, daß er ihn für die Zukunft als einen Offizier im aetivcn Dienst betrachten müsse und diese Veränderung im Stande der Dinge seinen Untergebenen mittheilcn solle. Dieser Dynastienwechsel wurde ohne die gewöhnlichen revolutionären Erscheinungen bewerkstelligt; denn da Alle des Lieutenants gesetzliche Ansprüche an das Commando kannten, so fühlte sich Niemand geneigt, seinen Befehlen zu widersprechen. Lundic und der Quartiermeistcr hatten ursprünglich aus Gründen, die ihnen selbst am besten bekannt waren, eine andere Verfügung getroffen, und jetzt betrachtete es der Letztere aus eigenen Gründen für zweckmäßig, von derselben abzugehen. Dieß mußte den Soldaten genügen, obgleich die tödtliche Verwundung des Sergeanten Dunhain den Umstand hinreichend erklärt haben würde, wenn er einer Erklärung bedurft hätte. Diese ganze Zeit über beschäftigte sich Kapitän Sanglicr nur 349 mit seinem Frühstück, und zeigte dabei die Ergebung des Philosophen, die Rnhe eines alten Soldaten, die Freimüthigkeit und Kenntnisse eines Franzosen und die Gefräßigkeit eines Straußes. Dieser Mann befand sich schon an dreißig Jahre in den Kolonien und hatte Frankreich in ungefähr derselben Stellung bei der Armee verlassen, welche Muir bei dem Fünfundfünfzigsten einnahm. Eine eiserne Körperbeschaffenheit, vollkommene Abstumpfung der Gefühle, eine gewisse Gewandtheit mit den Wilden umzugehen und ein unbeugsamer Muth, hatten ihn früh dem Oberbefehlshaber als einen Mann bezeichnet, der sich als ein geschickter Leiter der militärischen Operationen unter den alliirten Indianern verwenden ließ. In dieser Eigenschaft hatte er sich den Titel eines Kapitäns erworben und mit dieser Rangescrhöhung sich zugleich einen Theil der Sitten und Ansichten seiner Verbündeten mit jener Leichtigkeit und Gefügigkeit angeeignet, welche in diesem Theil der Welt als Eigenthüm- lichkeiten seiner Landsleute betrachtet werden. Er hatte oft die Jndianerhordcn in ihren Raubzügen angeführt, und sein Benehmen entfaltete bei solchen Gelegenheiten gerade entgegengesetzte Ergebnisse, indem er das Elend solcher Kriegsfahrten erleichterte und eS zugleich wieder durch die ausgedehnteren Plane und größeren Hilfsquellen der Civilisation vermehrte. Mit andern Worten — er entwarf Unternehmungen, deren Wichtigkeit und Folgen die gewöhnliche Politik der Indianer weit überragten, und schritt dann ein, um die sclbstgeschaffenen Nebel zu mindern. Kurz er war ein Abenteurer, welchen die Umstände in eine Lage geworfen hatten, wo die rauhen Eigenschaften von Leuten seiner Klasse sich im Guten wie im Schlimmen entwickeln konnten; und er war nicht der Mann, das Glück durch nnzeitigc Gewissenhaftigkeit, etwa die Folge früherer Eindrücke —zn verscherzen, oder mit der Gunst desselben zu spielen, indem er nnnöthiger Weise durch muthwilligc Grausamkeit seinen Groll herausfordcrte. Doch da sein Name unvermeidlich mit viele» von seinen Horden begangenen Ausschweifungen in Verbindung 550 gebracht wurde, so betrachtete man ihn allgemein in den Amerikanischen Provinzen als einen Elenden, der seine Lust am Blutvergießen habe und sein größtes Glück in den Qualeu der Hilflosen und Unschuldigen finde; und der Name Sanglier,* welchen er sich beigelegt hatte, oder Kieselherz, wie man ihn gewöhnlich an den Gränzcn nannte, war den Weibern und Kinder» dieser Gegend so furchtbar geworden; wie später die von Butler und Brandt. Das Zusammentreffen zwischen Pfadfinder und Sanglier hatte einige Aehnlichkcit mit der berühmten Zusammenkunft Wellingtons und Blüchers, welche so oft und so bezeichnend erzählt worden ist. Es fand bei dem Feuer Statt, und beide Theile betrachteten sich eine Weile, ohne zu sprechen. Jeder suhlte, daß er in dem andern einen furchtbaren Feind hatte, und zugleich, daß — obschon sie sich gegenseitig mit der männlichen Frcimüthigkeit von Kriegern behandeln mußten, ein großer Unterschied zwischen ihren Charakteren und Interessen obwaltete. Der Eine diente um Gele und Beförderung, der Andere, weil ihn sein Schicksal in die Wälder geschleudert hatte und weil sein Geburtsland seines Armes und seiner Erfahrung bedurfte. Der Wunsch, sich über seine gegenwärtige Lage zu erheben, trübte Pfadfinders Ruhe nicht; auch hatte er nie einen ehrgeizige» Gedanken, im gewöhnlichen Sinne des Worts, gehegt, bis er mit Mabel bekannt wurde. Seit dieser Zeit aber hatte ihm allerdings win geringes Selbstvertrauen, Verehrung für seine Geliebte und der Wunsch, ihr eine bessere Stellung zu verschaffen, manche unbehagliche Augenblicke gemacht; deck) die Geradheit und Einfachheit seines Charakters gewährte ihm bald die erforderliche Beruhigung; und er begann zu fühlen, daß das Weib, welches keinen Anstand nahm, ihn zum Gatten zu wählen, auch kein Bedenken tragen würde, sein Loos, so gering es auch scpn mochte, zu thcilcn. Er achtete Sanglier als einen tapferen Krieger und besaß viel zu viel von jener Frcisinnigkcit, welche das Ergebniß durch ' Eber. Erfahrung erworbenen Wissens ist, um nur die Hälfte von dem zu glauben, was er zum Nachtheilc seines Gegners gehört hatte; denn gewöhnlich sind diejenigen, welche am wenigsten von einer Sache verstehen, die befangensten und unduldsamsten Beurtheiler derselben. Doch konnte er die Selbstsucht des Franzosen, seine kaltblütigen Berechnungen und die Beweise nicht billigen, mit welcher er seiner „weißen Gaben" vergessen und die rein „rothcn" sich angceignet hatte. Ans der andern Seite war Pfadstnder dem Kapitän Sanglier ein Räthscl, da Letzterer die Beweggründe des Andern nicht zu begreifen vermochte. Er hatte oft von der Geradheit, Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe des Wegweisers gehört, und diese hatten ihn schon zu großen Jrrthümern verleitet, nach demselben Grundsätze, nach welchem ein freimüthigcr und offener Diplomat sein Geheimniß weit besser bewahren soll, als der listige und verschlossene. Als sich die beiden Helden ans die erwähnte Weise betrachtet hatten, berührte ülonsieur Kanxlier seine Mütze, denn das wilde Gränzlebcn hatte die feineren Sitten seiner Jugend und den Anstrich von Bonhomic, welche den Franzosen angeboren scheint, nicht ganz zerstört. „ülonsiour Io ptaükinüoi'," sagte er mit sehr entschiedenem Tone, obgleich mit freundlichen Lächeln; „un militaiie ehren le oouraxe ot In Io)-nnIe. Sie sprechen Jrokesisch?" „Ja, ich verstehe die Sprache dieses Gewürms, und kann damit svrtkommen, wenn sich eine Gelegenheit dazu bietet," crwiederte der wahrhcitlicbende Wegweiser, „obgleich mir weder die Sprache noch der Stamm bchagt. Wo Sie immer ans Mingoblut stoßen, Meister Kieselhcrz, finden Sie einen Schurken. Nun, ich habe Sie oft gesehen, zwar nur in der Schlacht, aber ich muß gestehen — immer im Bordertreffen. Sie müssen die meisten unsrer Kugeln aus eigener Anschauung kennen?" „Nie, Herr, Ihre eigene; »nv balle aus Ihrer verehrten Hand seyn sicherer Tod. Sic tödten meine besten Krieger auf einer Insel." 352 „Das kan» seyn, das kann seyn; obgleich ich sagen darf, daß sie sich, wenn man's genauer betrachtet, als die größten Schurken ausweiscn werden. Nehmen Sic mir's nicht übel, Herr Kieselherz, Sie halten sich zu einer verzweifelt schlechten Gesellschaft." »Ja, Herr," antwortete der Franzose, welcher etwas Artiges «wieder» wollte, und da er den andern nur schwer verstehen konnte, seine Worte für ein Compliment gehalten hatte; „Sie seyn zn gütig. Aber un bravo immer oommo ya. Was das bedeuten? ha! was dieß sonne Iwinmo thnn?" Die Hand und das Auge Kapitän Sangliers leitete den Blick Pfadfinders auf die entgegengesetzte Seite des Feuers, wo Jasper in diesem Augenblicke von zwei Soldaten gepackt wurde, welche ihm ans Mnirs Befehl die Hände banden. „Was soll das heißen, he?" rief der Wegweiser, indem er vorwärts eilte und die zwei Untergebenen mit unwiderstehlicher Muskelkraft zurück drückte. „Wer wagt cs, so mit Jaspern umzugehcn? Und wer erkühnt sich, das vor meinen Augen zu thnn?" „Es geschieht ans meinen Befehl, Pfadfinder," antwortete der Quartiermeister; „und ich werde cs verantworten. Ihr werdet Euch doch nicht hcrausnehmen, die Gesetzlichkeit der Befehle, welche ein königlicher Offizier des Königs Soldaten gibt, zn bestreiken?" „Ich bestreite die Worte des Königs, wenn ich sie ans seinem eigenen Mund habe, so bald sie behaupten, daß Jasper eine solche Behandlung verdiene. Hat nicht der Junge eben die Skalpe von uns Allen gerettet? uns aus der Noth gerissen und uns zum Siege verhelfen? Nein, nein, Lieutenant; wenn das der erste Gebrauch ist, welchen Sic von Ihrem Ansehen machen wollen, so werde ich ein für allemal mich dagegen stemmen." „Das riecht ein wenig nach Insubordination," antwortete Muir; „aber wir lassen uns viel von Pfadfinder gefallen. Es ist wahr, daß uns Jasper in dieser Angelegenheit zu dienen schien; 553 wir dürfen aber die Vergangenheit nicht außer Acht lassen. Hat ihn nicht Major Dnncan selbst dem Sergeanten Dunham als verdächtig bezeichnet, ehe wir die Garnison verließen? Haben wir nicht genug mit unsern eigenen Angen gesehen, um überzeugt scyn zu dürfen, daß wir verrathen wurden? und ist es nicht natürlich, und fast nothwendig, diesen jungen Menschen für den Verräther zu halten? Ach, Pfadfinder, Ihr werdet nie ein großer Staatsmann, oder ein großer Feldherr werden, wenn Ihr so sehr dem Schein vertraut. Du lieber Himmel! die Heuchelei ist ein noch gewöhnlicheres Laster, als der Neid, der doch der Krebsschaden der menschlichen Natur ist." Kapitän Sanglier zuckte die Achsel; dann blickte er ernst von Jasper auf den Qnartiermeister, und von dem Quartiermeister wieder auf Jasper zurück. „Ich kümmere mich wenig um Ihren Neid, oder Ihre Heuchelei, oder um Ihre ganze menschliche Natur, erwicderte Pfadfinder. „Jasper Eau-douce ist mein Freund ; Jasper Eau-douce ist ein muthiger Bursche, ein ehrlicher Bursche und ein loyaler Bursche; und Niemand vom Fünfnndfünfzigsten soll Hand an ihn legen, so lange ich es verhindern kann — es sey denn aufLundie's eigenen Befehl. Sie mögen meinetwegen Macht über Ihre Soldaten haben; aber Sie haben keine über Jasper oder mich, Herr Mnir." „von!" rief Sanglier in einem Tone, an dessen Energie die Kehle und die Nase in gleicher Weise Thcil nahm. „Wollt Ihr der Vernunft kein Gehör geben, Pfadfinder? Bedenkt doch unsere Vcrmnthungen und unfern Argwohn; auch habe ich noch ein weiteres Indiz bereit, das alle andern vermehrt und erschwert. Betrachtet einmal dieses Stückchen Segeltuch; dieses fand Mabel Dunham, und noch obendrein an einem Banmast auf unserer Insel, kaum eine Stunde, ehe der Feind seinen Angriff machte. Wenn Ihr Euch nun die Mühe nehmen wollt, die Länge des Scudwimpels zu betrachten, so werdet Ihr selbst sagen müssen. dasi dieser Streifen davon abgeschnitten ist. Ein umständlicherer, augenscheinlicherer Beweis ist nie geliefert worden." „!>kn tu>, a'ost un pou trog, eeei," murmelte Sanglier zwischen den Zahnen. „Was schwatzen Sie mir da von Wimpeln und Signalen, wenn ich das Herz kenne!" fuhr Pfadfinder fort. „Jasper hat die Gabe der Ehrlichkeit, und die ist zn selten, um damit sein Spiel treiben zn dürfen, wie mit dem Gewissen eines Mingos. Nein, nein; die Hände weg, oder wir werden sehen, wer sich am wackersten im Kampfe hält — Sie und Ihre Leute vom Fünfundfünfzigsten, oder der Scrpent hier, der Hirschetödter und Jasper mit seinenBoots- leutcn. Lieutenant Muir, Sie überschätzen Ihre Macht eben so sehr, als Sic Jaspers Treue zu gering achten." „Drvs-bon!" „Nun, wenn ich offen sprechen muß, Pfadfinder, so muß ich's eben thun. Kapitän Sanglier hier und der brave Tuscarora da, haben mir mitgeihcilt, daß dieser unglückselige Jüngling der Ver- räther ist. Nach einem solchen Zengniß könnt Ihr mein Recht, ihn zn bestrafen, ebenso wenig länger bestreiten, als die Nothwcn- digkeit dieser Handlung." „Soelerat," brummte der Franzose. „Kapitän Sanglier ist ein wackerer Soldat, und wird nichts gegen das Benehmen eines ehrlichen Schiffers zu sagen wissen," warf Jasper ein. „Ist ein Bcrräther hier, Kapitän Kiesclhcrz?" „Ja," fügte Muir bei, „er soll sich anssprcchen, da Ihr selbst wünscht, unglücklicher Jüngling, dasi die Wahrheit bekannt werde; und ich kann Ench nur wünschen, daß Ihr mit dem Leben davon kommen möchtet, wenn ein Kriegsgericht über Eure Verbrechen aburtheilt. Wie ist cs, Kapitän? Sehen Sie einen Bcrräther unter uns, oder nicht?" „0»i — ja, Herr — bio» süre!" „Zuviel lügen!" rief Arrowhcad mit einer Donnerstimme, 555 indem er in hastiger Be.rcgung mit seinem Handrücken Muirs Brust berührte. „Wo meine Krieger? — wo Uengeese Skalp? Zuviel lügen!" Es fehlte Muir weder an persönlichem Muth, noch an einem gewissen persönlichen Ehrgefühl. Er nahm die Berührung des TuS- carora, welche nur die nnwillkührliche Folge einer raschen Gebcrde war, irrigerweise für einen Schlag: denn das Gewissen erwachte in ihm plötzlich, und mit einem Schritte zurück streckte er die Hand nach einem Gewehr ans. Sein Gesicht war bleich vor Wnth und seine Züge drückten die volle.Absicht seines Innern aus. Aber Arrowhead war schneller, als er. Der Tuscarora warf einen wilden Blick um sich, griff dann in seinen Gürtel, zog ein verborgenes Messer ans demselben hervor, und hatte es in einem Augenblick bis ans Heft in den Körper des Quarticrmcistcrs begraben. Sanglier nahm, als Muir zu seinen Füßen niederstürzte und ihm mit dem stieren Blicke des überraschten Todes ins Gesicht starrte, eine Prise Schnupstaback, und sagte mit ruhiger Stimme: — „V'oilü I'atlaire Ilnio; mai's," er zuckte die Achsel, „co n'ost g» u» seelerat üo mnins." Die That war zu rasch geschehen, um verhindert werden zu können, und als Arrowhead mit einem gellenden Schrei in das Gebüsch enteilte, waren die Weißen zu bestürzt, nm ihm zu folgen. Nur Chingachgook war gefaßter, und die Büsche hatten sich kaum hinter dem Körper des Tusearora geschlossen, als der des Delaware» ihm in rascher Verfolgung nachrauschtc. Jaöper sprach geläufig französisch, und die Worte, wie das Benehmen Sangliers waren ihm daher ausgefallen. „Sprechen Sic, Monsieur, sagte er englisch, „bin ich ein Verräther?" „b,e vuilä," antwortete der kaltblütige Franzose," das is unser espion — unser axent — unser Freund — nm — koi — e'etuit un xraixl seelerat voiei." 556 Bei diesen Worten beugte sich Sanglier über den tobten Körper, und griff mit der Hand in die Tasche des Quartiermcisters, aus welcher er eine Börse zog. Als er den Inhalt derselben auf die Erde leerte, rollten mehrere Doppcl-Lonisd'ors gegen die Soldaten hin, welche nicht säumten, sic aufznlcscn. Dann warf der Glücksritter die Börse verächtlich weg, wendete sich zu der Suppe, welche er mit so großer Sorgfalt bereitet hatte, und da er sie nach seinem Geschmack fand, so begann er sein Frühstück mit einer Gleichgiltigkeit, um welche ihn der stoischste indianische Krieger hätte beneiden können. Siebcmiiidzivanzigstes Kapitel. Die einzige unwelkbare Blüth auf Erden Ist Tugend; und ein Schatz, der nie versiegt, Die Treue. — Eowpcr. lüücr Leser möge sich einige der Begebenheiten, welche dem plötzlichen Tode des Quartiermeisters folgten, selbst ausmalcn. Während sein Körper in den Händen der Soldaten war, welche ihn anständig bei Seite brachten und mit einem Mantel bedeckten, nahm Chingach- gook schweigend wieder seinen Platz am Feuer ein, und Sanglier und Pfadfinder bemerkten, daß ein frischer, noch blutender Skalp an seinem Gürtel hing. Niemand machte eine Frage, und der Ersterc, obwohl er vollkommen überzeugt war, daß Arrowhead gefallen sey, zeigte keine Spur von Neugierde oder Theilnahme. Er aß ruhig seine Suppe fort, als ob sich nichts Ungewöhnliches während der Mahlzeit ereignet hätte. In all diesem lag etwas von dem Stolze und der angenommenen Gleichgiltigkeit, in welchen er die Indianer nachahmte; doch mochte es noch mehr das Ergebniß eines sturmvollen Lebens, gewohnter Selbstbeherrschung und der Härte seines Gemüthcs sepn. Pfadfinder fühlte etwas anders bei 557 der Sache, obgleich er sich im Aenßcr» fast ebenso benahm. Er liebte Mnir nicht, da dessen glatte Höflichkeit wenig mit seinem eigenen freimüthigcn nnd edlen Wesen im Einklang stand; aber der unerwartete und gewaltsame Tod desselben hatte ihn, obgleich er an ähnliche Sccnen gewöhnt war, ergriffen, und das Offcnbarwerden seines Verrathes mußte ihn überraschen. Um sich über die Ausdehnung des letzteren Gewißheit zu verschaffen, begann er, sobald die Leiche entfernt war, den Kapitän über die Sache ausznforschen, und da dieser nach dem Tode seines Agenten keinen besonder,! Grund hatte, sic geheim zu halten, so enthüllte er während des Frühstücks folgende Umstände, welche dazu dienen mögen, einige untergeordnete Zwischenvorfälle unserer Erzählung aufzuklären. Bald nach dem Aufzug des Fünfnndfünfzigsten an der Gränze hatte Mnir freiwillig dem Feinde seine Dienste angebotcn. In seinen Anträgen rühmte er sich der Freundschaft mit Lundie, welche ihm Mittel böte, ungewöhnlich genaue und wichtige Mittheilnngen zu machen. Seine Bedingungen wurden angenommen; Monsieur Sanglier hielt in der Nähe des Forts Oswcgo mehrere Zusammenkünfte mit ihm und brachte einmal eine ganze Nacht verborgen in der Garnison zu. Arrowhcad war der gewöhnliche Communi- cationskanal; der anonyme Brief an Major Duncan wurde von Mnir aufgesetzt, nach Frontenac geschickt, abgeschrieben, und durch den Tuscarora zurückgebracht, der eben von dieser Sendung zu- rückkehrtc, als ihn der Send abfing. Es ist kaum nöthig, beizufügen, daß Jasper geopfert werden sollte, um den Verrath des Qnartiermeisters zu verhüllen nnd allen Verdacht zu beseitigen, daß durch letzteren die Mitthcilnng der Lage der Insel an den Feind geschehen sey. Eine außerordentliche Belohnung, welche in seiner Börse gefunden wurde, hatte ihn veranlaßt, Sergeant Dun- hams Zug zu begleiten, um die Signale zum Angriff geben zu können. Die Vorliebe Mnirö für das andere Geschlecht war eine natürliche Schwäche, und er würde Mabel ebenso gut als irgend eine andere, welche sich geneigt gezeigt hätte, seine Hand anzu- nehmcn, geheirathet habe»; aber seine Bewunderung gegen sie war großenthcils geheuchelt, um einen Vorwand zur Theilnahine an dem Zuge zu haben, ohne sich bei dem Mißlingen desselben einer Verantwortlichkeit anszuschen oder Gefahr zu laufen, daß ihm die Begleitung wegen fehlender gewichtiger und hinreichender Gründe abgeschlagen würde. Hievon war vieles, namentlich der mit Mabel in Verbindung stehende Thcil, dem Kapitän Sanglier bekannt, und er ermangelte nicht, seine Zuhörer in das ganze Geheimniß einzn- weihcn, wobei er oft in seiner sarkastischen Weise lachte, als er die verschiedenen Kunstgriffe des unglücklichen QuartiermeistcrS enthüllte. „I'ouel,eü-Ia," sagte der kaltblütige Parteigänger, und hielt, als er mit seinen Erläuterungen zu Ende war, dein Pfadfinder seine sehnige Hand entgegen. „Sie sehn Iionneie, und das is bsaueoup. Wir nehmen den Spion, wie wir nehmen In meüooino, für gut, inais so Is üstesto! touoker-Ia!" „Ich nehme Ihre Hand, Kapitän, ja; denn Sie sind ein gesetzmäßiger, natürlicher Feind," erwiederte Pfadfinder, — „und ein mannhafter obendrein; aber der Körper des Quartiermeisters soll nie den englischen Boden entehren. Ich hatte im Sinn, ihn zu Lundie zurückzuführen, damit dieser seine Dudclsäckc über ihn pfeifen lasse; aber er soll nun hier liegen, an dem Ort, wo er seine Schurkerei geübt, und sein Verrath sch sein Grabstein. Kapitän Kieselherz, ich will glauben, daß die Gemeinschaft mit Verräthcrn zu den regelmäßigen Dienstpflichten eines Soldaten gehört; aber ich sage Ihnen ehrlich, daß sie mir nicht gefällt, und daß cs mir lieber ist, Sie haben diese Sache auf Ihrem Gewissen, als ich. Welch ein arger Sünder! Verrath zu spinnen, rechts und links, gegen Vaterland, Freunde und Gott! Jasper, Junge, ein Wort beiseits, nur eine Minute —" Pfadfinder führte nun den Jüngling auf die Seite, und 959 indem er ihm, mit Thränen in den Augen, die Hand drückte, fuhr er fort: „Ihr kennt mich, Ean-donce, und ich kenne Euch; diese Neuigkeiten haben meine Meinung von Euch nicht im Mindesten geändert. Ich habe ihrem Gerede nie Glauben geschenkt, obgleich es, ich gebe es zu, eine Minute bedenklich genug aussah; ja es sah bedenklich aus und machte auch mich bedenklich. Aber ich hatte keinen Augenblick Argwohn gegen Euch, denn ich weiß, daß Eure Gaben nicht auf diesem Wege liegen, obschon ich zugestehen muß, daß ich etwas der Art nicht hinter dem Quartiermelfter gesucht hätte." „Und er war sogar ein Offizier sciner Majestät, Pfadfinder!" „Es ist nicht so wohl deßwegen, Jasper Western, es ist nicht gerade das. Bestallung hin, Bestallung her; er war von Gott bestellt, recht zu handeln und mit seinen Mitgeschöpfen ehrlich zu Werke zu gehen, und hat sich schrecklich gegen diese Pflicht verfehlt." „Und dann noch seine vorgebliche Liebe zn Mabel, für die er auch nicht das Mindeste stählte!" „Gewiß, das war schlecht; der Kerl muß Mingoblut inseinen Adern gehabt haben. Ein Mensch, der gegen ein Weib unredlich ist, kann nur ein Mischling sehn, Junge; denn der Herr hat sie hilflos geschaffen, damit wir ihre Liebe durch Güte und Dienstleistungen gewinnen mögen. Da liegt der arme Mann, der Sergeant, auf seinem Sterbebette; und er hat mich mit sciner Tochter verlobt, und Mabel, das liebe Kind, hat ihre Zustimmung gegeben. Dieses läßt mich nun fühlen, daß ich auf die Wohlfahrt Zweier zu denken, für zwei Naturen zu sorgen und zwei Herzen zu erfreuen habe. Ach, Jasper, cs kömmt mir bisweilen vor, ich seh nicht gut genug für dieses süße Geschöpf!" Eau-dance schnappte nach Luft, als er znm erstenmal diese Nachricht vernahm, und obgleich es ihm gelang, einige äußere 560 Zeichen seines Scclenkampfes zu verbergen, so überflog doch seine Wangen die Blässe des Todes. Er faßte sich jedoch und antwortete nicht nur mit Festigkeit, sondern sogar mit Kraft: — „Sagt nicht so, Pfadfinder; Ihr sehd gut geiuig für eine Königin." „Ja, ja, Junge — nach Encrn Begriffen von meinen Vorzügen; das heißt, ich kann einen Hirsch tödten, oder im Nothfall auch einen Mingo, so gut, als irgend einer an der Gränzt; oder ich kann einen Waldpfad mit sicherem Auge verfolgen, und in den Sternen lesen, wenn andere das nicht vermögen. Kein Zweifel, kein Zweifel, Mabcl wird Wildpret und Fische genug haben; aber wird sic nicht Kenntnisse, Ideen und eine angenehme Unterhaltung vermissen, wenn das Leben sich ein wenig langweilig hin- schlcppt, und jedes von uns sich in seinem wahren Wcrthe zu zeigen beginnt?" „Wenn Ihr Euern Werth zeigt, Pfadfinder, so muß die größte Dame im Land mit Euch glücklich werden. In dieser Beziehung habt Ihr keinen Grund, besorgt zu sehn." „Nun, Jasper, ich glaube, daß es Euch Ernst ist — nein ich weiß es; denn es ist natürlich und der Freundschaft gemäß, daß man die, welche man liebt, in einem allzugünstigcn Lichte betrachtet. Ja, ja, wenn ich Ench heirathcn sollte, Junge, so würde ich mir keine Sorge machen, günstig benrthcilt zu werden, denn Ihr habt Ench immer geneigt gezeigt, mich und meine Handlungen mit wohlwollenden Blicken zu betrachten. Aber ein junges Mädchen muß im Grunde doch wünschen, einen Mann zu kriegen, der ihrem eigenen Alter nnd ihrer Denkweise näher steht, als einer, der seinen Jahren nach ihr Vater seyn könnte, und roh genug ist, um ihr Furcht cinznjagen. Es nimmt mich Wunder, Jasper, daß Mabcl nicht lieber ein Auge auf Euch geworfen hat, statt mir ihre Neigung znznwenden." „Ein Auge auf mich werfen, Pfadfinder?" erwicderte der 561 junge Manu, indem er die Bewegung in seiner Stimme zu verbergen suchte. „Was könnte an mir wohl einem Mädchen, wie Mabcl Dunham ist, gefallen? Ich habe alle die Mängel, welche Ihr an Euch selbst findet, und nichts von den Vorzügen, welche Euch sogar die Achtung von Generalen gewonnen haben." „Nun, nun, es ist alles Zufall, sage man, was man wolle. Ich habe ein Frauenzimmer nach dem andern durch die Wälder geführt, und mit ihnen in der Garnison verkehrt, ohne gegen irgend Eine Zuneigung zu empfinden, bis ich Mabel Dunham sah. Es ist wahr, der arme Sergeant hat zuerst meine Gedanken auf seine Tochter gelenkt, aber als wir ein wenig bekannt wurden, bedurfte es nicht vieler Worte, um mich Tag und Nacht an fie denken zu machen. Ich bin zähe, Jasper, ich bin sehr zähe und entschlossen genug, wie ihr alle wißt, und doch glaube ich, es würde mich erdrücken, wenn ich jetzt Mabel Dunham verlieren müßte." „Wir wollen nicht mehr davon reden, Pfadfinder," sagte Jasper, indem er den Händedruck seines Freundes erwiederte und sich wieder dem Feuer znkehrte, obgleich das Letztere nur langsam und in der Weise eines Menschen geschah, dem es gleichgültig ist, wohin er geht; — „wir wollen nicht mehr davon reden. Ihr sepd Mabcls, und Mabel ist Eurer würdig — Ihr liebt Mabcl, und Mabcl liebt Euch — Ihr Vater hat Euch zu ihrem Gatten bestimmt, und Niemand hat das Recht, sich darein zu legen. Was aber den Quartiermeister anbelangt, so war seine geheuchelte Liebe gegen Mabel ein noch weit schlechterer Streich, als sein Verrath gegen den König." Mittlerweile waren sie dem Feuer so nahe gekommen, daß es nöthig wurde, den Gegenstand der Unterhaltung zu wechseln. Zum Glück erschien in diesem Augenblick Cap, der in dem Blockhaus seinem sterbenden Schwager Gesellschaft geleistet, und von den Vorgängen seit der Capitulation nichts erfahren hatte, mit ernstem und traurigem Blicke unter der Gesellschaft. Ein großer Theil Der Pfadfinder. 3. Aufl. 36 562 jenes absprechenden Wesens, welches selbst seinem gewöhnlichen Benehmen den Anschein gab, als ob er alles um sich her verachte, war verschwunden, und sein Acnßeres erschien gedankenvoll, wenn nicht gedrückt. „Der Tod, meine Herren," begann er, als er nahe genug gekommen war, „ist, von der besten Seite betrachtet, ei» trauriges Ding. Da ist nun Sergeant Dunham — ohne Zweifel ein sehr guter Soldat — im Begriff, sein Kabel laufen zu lassen, und doch hält er sich an dem besseren Ende desselben, als ob er entschlossen seh, es für immer in der Klüse znrückzuhalten—und das nur aus Liebe zn seiner Tochter, wie mir scheint. Was mich aubelangt, so wünsche ich stets, wenn ein Freund in die Nothwcndigkeit versetzt wird, eine lange Reise anzntreten, daß er gut und glücklich fortkömmt." „Ihr werdet doch den Sergeanten nicht vor seiner Zeit unter der Erde haben wollen?" antwortete Pfadfinder vorwurfsvoll. „Das Leben ist süß, auch für den Betagten, und ich habe in dieser Hinficht Leute gekannt, welchen es am theucrste» zu sehn schien, wo es gerade am wenigsten Werth mehr hatte." Nichts war Caps Gedanken ferner gewesen, als der Wunsch, seines Schwagers Ende beschleunigt zu sehen. Er fühlte sich durch die Pflicht, die letzten Stunden des Sterbenden zn erleichtern, in Verlegenheit gesetzt und wollte einfach blos seine Sehnsucht aus- drücken, daß der Sergeant glücklich aller Zweifel und Leiden enthoben sehn möchte. Die falsche Deutung seiner Worte berührte ihn daher etwas unangenehm, und er erwiedertc mit einem Anflug seiner eigenthümlichen Rauheit, obgleich ihm sein Gewissen den Vorwurf machte, daß er seinen eigenen Wünschen kein Genüge g eleistct habe: — „Ihr sehd zu alt und zu verständig, Pfadfinder," sagte er, „Je- mandenmiteinerWelleeinznholen, wenn er, sozusagen, seineGedanken auf eine trübselige Weise auskramt. Sergeant Dunham ist mein Schwager und mein Freund — das heißt ein so inniger Freund, als ein Soldat gegen einen Seemann sehn kann — und ich achte 563 und ehre ihn demgemäß. Ich zweifle übrigens nicht, daß er gelebt hat, wie es einem Manne ziemt, »nd es kann daher nichts Unrechtes in dem Wunsche liegen, daß einem im Himmel gilt gebettet sehn möge. Nun, selbst die Besten von uns müssen sterben, Ihr werdet's mir nicht in Abrede ziehen; und das mag »ns zur Lehre dienen, damit wir uns unserer Fülle und Kraft nicht überheben. Wo ist der Quarticrmeister, Pfadfinder? Es wäre in der Ordnung, wenn er dem armen Sergeanten noch ein Lebewohl sagte, der uns nur um ein Kleines vorangeht." „Ihr habt wahrer gesprochen, Meister Cap, als Zhr derzeit selbst wißt; das darf uns jedoch nicht Wunder nehmen, denn der Mensch sagt zu Zeiten oft beißende Wahrheiten, wo er es am wenigsten beabsichtigt. Demungcachtet könnt Ihr aber noch Weiler gehen und sagen, daß auch die schlechtesten von uns sterben müssen, was ebenfalls ganz richtig ist, und eine noch heilsamere Wahrheit enthält, als wenn man sagt, daß auch die Besten sterblich sehen. Was des Quartiermeisters Abschied von dem Sergeanten betrifft, so kann davon keine Rede sehn, denn Ihr werdet sehen, daß er vvrangegangen ist, und zwar ohne daß ihm selbst oder irgend einem Andern seine Abreise angckündigt worden wäre." „Ihr sprecht Euch nicht so ganz deutlich ans, wie Ihr sonst zu thnn Pflegt, Pfadfinder. Ich weiß, daß wir alle bei solchen Gelegenheiten ernstere Gedanken fassen sollten; aber ich sehe nicht ein, was es für einen Nutzen hat, in Parabeln zu reden." „Wenn meine Worte nicht klar find, so ist's doch der Gedanke. Kurz, Meister Cap — während sich Sergeant Dunham zu einer langen Reise vorbereitet, langsam und bedächtlich wie es einem gewissenhaften, ehrlichen Manne ziemt, so ist der Quartiermeister vor ihm, in aller Hast abgefahren, und obgleich es eine Sache ist, über die mir ein bestimmter Ausspruch nicht zusteht, so muß ich doch die Vermuthung äußern, daß die Beiden zu verschiedene Wege gehen, um sich je wieder zu treffen." 564 „Erklärt Euch deutlicher, mein Freund," sagte der verwirrte Seemann und sah sich nach Muir um, dessen Abwesenheit anfing ihm verdächtig zu werden. „Ich sehe nichts von dem Quartiermeister, aber ich halte ihn doch nicht für feige genug, um jetzt, da der Sieg errungen ist, davon zu laufen. Wenn der Kampf crst anfingc, statt daß wir jetzt in seinem Kielwasser sind, so möchte das freilich die Sache ändern." „Alles, was von ihm übrig ist, liegt unter jenem Mantel dort," crwiederte der Wegweiser und erzählte dann in kurzen Worten die Geschichte von dem Tode des Lieutenants. „Der Stich des Tnscarora war so giftig, wie der der Klapperschlange, obgleich ihm das Warnungszeichcn fehlte," fuhr Pfadfinder fort. „Ich habe manchen verzweifelten Kampf und viele solche plötzlichen Ausbrüche wilden Temperaments gesehen, aber nie kam cs mir vor, daß eine Seele so unerwartet oder in einem für die Hoffnungen eines Sterbenden so ungünstigen Augenblicke ihren Körper verließ. Sein Athen, stockte mit einer Lüge auf den Lippen und sein Geist entschwand, so zu sagen, in der Gluthitze der Verworfenheit." Cap horchte mit offenem Munde auf und ließ zwei oder drei gewaltige Hems vernehmen, als ob er seinem eigenen Athen,nicht traute. „Ihr führt ein unsicheres und unbequemes Leben hier zwischen dem Frischwasscr und den Wilden, Meister Pfadfinder," sagte er; „und je früher ich cs in meinen Rücken kriege, eine desto bessere Meinung werde ich von mir selber hegen. Nun, Ihr habt der Sache erwähnt, und so muß ich denn auch sagen, daß der Mann, als der Feind zuerst auf uns abhiclt, mit einer Art Instinkt nach dem Fclsenneste eilte, der mich an einem Offizier überraschte; aber ich folgte ihm in zu großer Hast, um mir die ganze Sache zurecht zu legen. — Gott sch mit uns! Gott sep mit uns! Ein Verräther, sagt Ihr, und bereit, sein Vaterland zu verkaufen, und noch obendrein an einen schuftigen Franzosen?" „Alles zu verkaufen, Vaterland, Seele, Leib, Mabel und alle unsere Skalpe; und ich wette, er nahm es nicht genau damit, wer der Käufer sey. Diesmal waren die Landsleute des Kapitän Kieselherz die Zahlmeister." „Das sieht ihnen ganz gleich; immer bereit, zu kaufen, wenn sie nicht zuschlagen könne», und wenn Keines von Beiden angeht, davon zu laufen." Monsieur Sanglier lüpfte seine Mütze mit spöttischem Ernst und erkannte das Compliment mit einem Ausdruck höflicher Verachtung an, der jedoch bei einem so stnmpfsiunigen Gegner verloren ging. Aber Pfadfinder hatte zu viel angeborne Artigkeit und zu viel Gerechtigkeitssinn, um den Angriff unbeachtet vorübergehen zu lassen. „Nun, nun," warf er ein, „ich finde da im Grunde keinen großen Unterschied zwischen einem Engländer und einem Franzosen. Ich gebe zwar zu, sie sprechen eine verschiedene Sprache und leben unter verschiedenen Königen; aber Beide sind Menschen und fühlen wie Menschen, wenn sich eine Gelegenheit dazu bietet. Wenn der Franzose bisweilen scheu ist, so ist cs der Engländer auch, und was das Davonlaufen anbclangt — ei, das wird ein Mensch hin und wieder eben so gut thnn, als ein Pferd, mag er von was immer für einem Volke sehn." Kapitän Kieselherz, wie ihn Pfadfinder nannte, verbeugte sich wieder; aber dießmal war sein Lächeln freundlich und nicht spöttisch, denn er fühlte, daß die Absicht gut war, mochte auch die Art, wie sic ansgedrückt wurde, seyn, welche sie wollte. Da er aber zu sehr Philosoph war, um, was ein Mann wie Cap dachte oder sagte, zu beachten, so vollendete er sein Frühstück, ohne seine Aufmerksamkeit wieder von diesem wichtigen Geschäfte ablcnken zu lassen. „Ich bin hauptsächlich wegen des QnartiermeisterS hergekom- men," fuhr Cap fort, nachdem er das Benehmen des Gefangenen eine Weile betrachtet hatte. „Der Sergeant muß seinem Ende 566 nahe scyn, und ich vermnthete, er könnte wünschen, seinem Amtsnachfolger noch etwas vor seinem Hingang mitzutheilen. Es ist aber zu spät, wie es scheint: und wie ihr sagt, Pfadfinder, ist der Lieutenant in Wirklichkeit ihm vorausgegangen." „Das ist er, ja — obgleich auf einem ganz anderen Pfade. Was das Amt anbelangt, so hat jetzt, glaube ich, der Corpora! ein Recht auf das Commando der noch übrigen, kleinen, geplackten — um nicht zu sagen geschreckten — Mannschaft des Fünfundfünfzigsten. Doch wenn etwas gethan werden muß, so ist große Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß ich dazu berufen bin. Ich denke aber, wir haben nur unsere Todten zu begraben und das Blockhaus mit den Hütten in Brand zu stecken, da sic sich wenigstens ihrer Lage, wenn auch nicht dem Rechte nach auf dem feindlichen Gebiete befinden und nicht zum Dienste des Feindes stehen bleiben dürfen. Wir werden sie ohne Zweifel nicht wieder benützen, denn da die Franzosen die Insel anfzufindcn wissen, so hieße das mit offenen Augen in eine Wolfsfalle greifen. Für diesen Thcil unsrer Verrichtung will ich mit Serpent sorgen, denn wir find sowohl im Rückzug, als im Angriff geübt." „Alles das ist ganz rechr, mein guter Frennd; aber was meinen armen Schwager anbelangt — obgleich er ein Soldat ist — so können wir ihn, nach meiner Ansicht, doch nicht ohne ein Wort des Trostes und ohne Lebewohl hinüber gehen lassen. Es ist in jeder Hinsicht ein unglückseliger Handel gewesen, obgleich sich ein solches Ende voranssehen ließ, wenn man die Zeitverhältniffe und die Beschaffenheit dieser Schifffahrt ins Auge faßt. Doch, wir müssen's uns gefallen lassen und wollen nun den Versuch machen, dem würdigen Mann vom Ankergrunde wegznhelfen, ohne seine Gienen allzusehr anzuspanncn. Der Tod ist im Grunde eben ein Umstand, Meister Pfadfinder, und zwar ein Umstand von sehr allgemeinem Charakter, da wir Alle früher oder später ihm folgen müssen." 567 „Ihr habt Recht, Ihr habt Recht; ich halte es daher für weise, immer bereit zu sehn. Ich habe oft gedacht, Salzwasser, daß derjenige der Glücklichste sey, welcher am wenigsten zurückzu- laffen hat, wenn die Mahnung an ihn ergeht. So bin ich zum Beispiel ein Zager, Kundschafter und Wegweiser, und obgleich ich keinen Fuß breit Erde mein eigen nennen kann, so bin ich dock- froher und reicher, als der große Mbany-Patron. Der Himmel über meinem Haupte, um mich an die letzte große Jagd zu erinnern, und die dürren Blätter unter meinem Fuße, schreite ich über die Erde hin, als ob ich ihr Herr und Besitzer sey; und was bedarf das Herz weiter? Ich will damit nicht sagen, daß ich nichts liebe, was der Erde angehört; denn wie wenig es auch seyn mag, Mabel Dunham ausgenommen, so ist mir doch Manches theuer, was ich nicht mit mir nehmen kann. Ich habe einige Hunde auf dem ober» Fort, die ich sehr Werth halte, obgleich sie für die Kriegszüge zu laut und deshalb vor der Hand von mir getrennt sind; dann würde es mich, glaube ich, schwer ankommen, von dem Hirschetodter zu scheiden; aber ich sehe nicht ein, warum man ihn nicht mit mir sollte begraben können, da wir Beide auf eine Haarsbreite die gleiche Länge — nämlich sechs Fuß — haben; doch außer diesem und einer Pfeife, welche mir der Serpent gab, und einigen Andenken, welche ich von Reisenden erhielt, was man Alles in eine Tasche stecken und unter meinen Kopf legen kann — wenn die Reihe an mich kömmt, bin ich zu jeder Minute bereit: — und laßt Euch, sagen, Meister Cap, das ist so etwas, was ich auch einen Umstand nenne." „Gerade so geht es mir," entgcgncte der Seemann, während Beide dem Blockhause zugingen, dabei aber zu sehr mit ihren eigenen moralischen Betrachtungen beschäftigt waren, um in diesem Augenblicke des traurigen Auftritts zu gedenken, der ihnen bevorstand; — „das ist ganz meine Gefühls- und Denkweise. Wie oft ist mir, wenn ich nahe am Scheitern war, der Gedanke zum 568 Trost geworden, daß das Fahrzeug nicht mein Eigenthum sey. Ich sagte dann oft zu mir selbst, wenn es untcrgcht, je nun — so geht mein Leben mit verloren, aber nicht mein Eigenthum, und darin liegt eine große Beruhigung. Ich habe ans meinen Reisen durch alle Weltgegendcn, vom Cap Horn bis zum Nordcap, von der Fahrt ans diesem Frischwasserstreifcn gar nicht zu reden, die Entdeckung gemacht: ein Mann, der einige Dollars besitzt und sie im Kasten unter Schloß und Riegel verwahrt, darf sicher sehn, daß er sein Herz in derselben Truhe mit eingeschlossen hat; und so trage ich fast Alles, was ich mein eigen nennen darf, in einem Gürtel um meinen Leib herum, damit ich sagen kann, Alles znm Leben Dienliche seh an der rechten Stelle. Gott v—micki, Pfadfinder, wenn ich einen Menschen, der kein Herz hat, für besser halte, als einen Fisch mit einem Loch in seiner Schwimmblase." „Ich weiß nicht, wie sich das verhält, Meister Cap; aber verlaßt Euch drauf, ein Mensch ohne Gewissen ist nur ein armes Geschöpf, wie jeder zugcben wird, der mit den Mingos zu thun gehabt hat. Ich kümmere mich wenig um Dollars oder anderes Geld, wie man es in dieser Weltgcgend münzt; aber ich kann, demnach, was ich bei andern gesehen habe, leicht glauben, daß man von einem Menschen, welcher seinen Kasten damit angefüllt hat, sagen muß, er verschließe sein Herz mit in dieselbe Kiste. Ich war einmal wahrend des letzten Friedens zwei Sommer auf der Jagd, wo ich so viel Pelzwerk sammelte, daß ich endlich fand, die Begierde nach Besitz ersticke meine besten Gefühle; und ich fürchte, wenn ich Mabel heirathe, möchte mich die Gier nach solchen Dingen wieder nbermannen, damit ich ihr das Leben behaglicher machen könne." „Ihr sehd ein Philosoph, Pfadfinder, das ist klar, und ich glaube, daß Ihr auch ein Christ sehd." „Ich dürfte nicht gut ans ven Mann zu sprechen sehn, der mir das letztere in Abrede zöge, Meister Cap. Ich bin allerdings nicht von den Herrcnhutcrn bekehrt worden, wie so viele von den Delawaren, aber ich halte es mit dem Christcnthum und den weißen Gaben. Ich habe eben so wenig Vertrauen zu einem Weißen Mann, der kein Christ ist, als zu einer Rothhaut, welche nicht an ihre glücklichen Jagdgründe glaubt. In der That, wenn man einige Verschiedenheiten in den lleberlieferungcn und einige Abänderungen über die Art, wie sich der menschliche Geist nach dem Tode beschäftigt, abrechnet, so halte ich einen guten Delawaren für einen guten Christen, wenn er auch nie einen Herrenhuter sah, und einen guten Christen, was die Natur anbelangt, für einen guten Delawaren. Der Serpcnt und ich, wir sprechen oft über diese Gegenstände, denn er hat ein großes Verlangen nach dem Christenthume —" „Den Teufel hat er!" unterbrach ihn Cap. „Was will er denn in der Kirche mit all den Skalpen anfangen, die er nimmt?" „Nennt nicht mit einer falschen Idee durch, Freund Cap; rennt nicht mit einer falschen Idee durch. Diese Dinge gehen nicht tiefer, als die Haut ist, und hängen von der Erziehung und den natürlichen Gaben ab. Betrachtet die Menschen um Euch her, und sagt mir, warum Ihr hier einen rothen Krieger, dort einen schwarzen, an andern Orten Heere von weißen seht? Alles dieses und noch viel mehr derartiges, was ich namhaft machen könnte, ist zu besondern Zwecken so eingerichtet, und es ziemt uns nicht, Thatsachen zu widersprechen und die Wahrheit in Abrede zu ziehen. Nein, nein -— jede Farbe hat ihre Gaben, ihre Gesetze und ihre Neberliefernngen, und keine darf die andere verdammen, weil sie sie nicht ganz begreifen kann." „Ihr müßt viel gelesen haben, Pfadfinder, daß Ihr in diesen Dingen so deutlich seht;" erwiederte Cap, den das einfache Glau- bensbekenntniß seines Gefährten nicht wenig geheimnißvoll ansprach. „Es ist mir jetzt Alles so klar, wie der Tag, obgleich ich sagen muß, daß mir solche Ansichten noch nie zu Ohren gekommen sind. Wie heißen die, zu denen ihr gehört, mein Freund?" 570 „Wie?" „Zu welcher Sekte haltet Ihr Euch? Welcher besonder» Kirche gehört Ihr an?" „Seht um Euch, und urtheilt selbst. Ich bin gegenwärtig in meiner Kirche, ich esse in der Kirche, ich trinke in der Kirche und schlafe in der Kirche. Die Erde ist der Tempel des Herrn, und ich hoffe demüthig, daß ich ihm stündlich, täglich und ohne Unterlaß diene. Nein, nein, — ich will weder mein Blut noch meine Farbe verläugnen; ich bin als Christ geboren, und will in diesem Glauben sterben. Die Herrenhnter haben mir hart zugesetzt, und einer von des Königs Geistlichen hat mir auch sein Sprüchlein gesagt, obgleich das nicht gerade die Leute sind, welche sich mit derartigen Dingen besondere Mühe geben; außerdem sprach noch ein Missionär aus Rom viel mit mir, als ich ihn während des letzten Friedens durch die Wälder geleitete. Aber ich hatte für Alle nur eine Antwort: ich bin bereits ein Christ, und brauche weder ein Herren- hutcr, noch ein Hochkirchlicher, noch ein Papist zu seyn. Nein, nein, ich will meine Geburt und mein Blut nicht verläugnen." „Ich denke, ein Wort von Euch könnte den Sergeanten leichter über die Untiefen des Todes wegbringen, Meister Pfadfinder. Er hat Niemand um sich, als die arme Mabel, und die ist, obgleich seine Tochter, doch mir ein Mädchen und im Grunde noch ein Kind, wie Ihr selber wißt." „Mabel ist schwach au Körper, Freund Cap, aber ich glaube, daß sie in derartigen Dingen stärker ist, als die meisten Männer. Doch Sergeant Dunham ist mein Freund; er ist Euer Schwager — und so wird cs, da der Drang des Kampfes und die Wahrung unserer Rechte vorüber ist, geeignet seyn, daß wir beide zu ihm gehen und Zeugen seines Hinganges sind. — Ich bin bei manchem Sterbenden gewesen, Meister Cap," fuhr Pfadfinder fort, der sehr geneigt war, sich über Gegenstände aus seiner Erfahrung weitläufig ausznsprechen, wobei er anhielt und seinen Gefährten am Rockknopf faßte, „ich stand schon manchem 1 571 Sterbenden zur Leite und hörte seine» letzten Athemzng; denn wenn das Getümmel der Schlacht vorüber ist» so muß man der Unglücklichen gedenken» und es ist merkwürdig zn sehen» wie verschieden sich die Gefühle der menschlichen Natur in einem solchen feierlichen Augenblicke anssprcchen. Einige gehen diesen Weg so stumpf und dumm» als ob sie von Gott keine Vernunft und kein Gewissen erhalten hätten» indeß Andere uns freudig verlassen, als ob sie einer schweren Bürde los würden. Ich glaube, daß der Geist in solchen Augenblicken Helle sieht, mein Freund» und daß die Thaten der Vergangenheit lebhaft in der Erinnerung anftanchen." „Ich wette» cs ist so, Pfadfinder. Ich habe selbst etwas der Art bemerkt, und hoffe» dadurch nicht schlimmer geworden zn sehn. Ich erinnere mich» daß ich einmal glaubte, mein Stündlcin seh gekommen» und da überholte ich das Log mit einem Fleiße» dessen ich mich bis zu jenem Augenblick nie für fähig gehalten hätte. Ich bin kein besonders großer Sünder gewesen, Freund Pfadfinder» das heißt — nie in einem großen Maaßstabe» obgleich ich der Wahrheit zu Ehren sagen muß» daß eine beträchtliche Rechnung kleiner Dinge gegen mich so gut als gegen einen Andern aufgebracht werden könnte; aber nie habe ich Seeräuberei» Hochverrath» Mordbrennerei oder etwas der Art begangen. Was das Schmuggeln und Aehnliches anbelangt — ei, ich bin ein Seemann» und ich denke» jeder Stand hat seine schwachen Seiten. Ich wette» Euer Gewerbe ist auch nicht so ganz tadelfrei» so ehrbar und nützlich es auch aussehen mag?" „Viele von den Kundschaftern und Wegweisern sind ausgemachte Schurken, und einige lassen sich, wie der Quarticrmcister hier» von beiden Seiten bezahlen. Ich hoffe» ich bin keiner von diesen» obgleich alle Beschäftigungen ihre Versuchungen haben. Ich bin dreimal in meinem Leben ernstlich geprüft worden, und einmal gab ich ein wenig nach, wenn es sich schon nicht um einen Gegenstand handelte» der meiner Ansicht nach das Gewissen eines Mannes in 372 seiner letzten Stunde beunruhigen könnte. Das erstemal war cS, als ich in den Walkern ein Pack Felle fand, non denen ich wußte» daß sie einem Franzosen gehörten, der auf unserer Seite, wo er eigentlich nichts zu thnn hatte, auf der Jagd war — sechsnnd- zwanzig so schöne Biberhäutc, als nur je eine das menschliche Auge erfreute. Nun, das war eine schwere Anfechtung, denn ich glaubte, ich hätte fast ein Recht daran, obgleich es damals Friede war. Dann erinnerte ich mich aber, daß solche Gesetze nicht für uns Jäger gemacht setzen, und es kam mir der Gedanke, daß der Mann vielleicht große Erwartungen für den nächsten Winter auf das ans den Fellen gelöste Geld baute; und ich ließ sie, wo sie lagen. Die meisten von unfern Leuten sagten zwar, ich hätte Unrecht gcthan; aber die Art, wie ich die Nacht darauf schlief, überzeugte mich von dem Gegentheil. Die andere Anfechtung betraf eine Büchse, welche ich gefunden hatte, die einzige in diesem Welttheil, die sich an Sicherheit mit dem Hirschetödtcr vergleichen läßt. Wenn ich sie nahm und versteckte, so wußte ich gewiß, daß mir kein Schütze an der ganzen Gränze mehr die Spitze zu bieten vermochte. Ich war damals jung und keineswegs so geübt, als ich es seitdem geworden bin — und die Jugend ist ehrgeizig und hochstrebend: aber, Gott setz Dank, ich habe dieses Gefühl bemeistert, und, Frennd Cap, was fast eben so gut ist -— ich bcmeisterte später meinen Nebenbuhler in einem so schönen Wcttschießen, als nur je eines in der Garnison abgehalten wurde, er mit seiner Büchse, ich mit dem Hirschetödtcr, — und noch dazu in der Gegenwart des Generals!" Hier hielt der Pfadsinder an und lachte; in seinem Auge strahlte die Lust der Erinnerung, und eine Siegesfreude umzog seine sonnverbrannten, braunen Wangen. „Nun, der dritte Kampf mit dem Teufel war der schwerste von allen; ich stieß plötzlich auf ein Lager von sechs Mingos, welche in den Wäldern schliefen und ihre Gewehre und Pnlverhörner auf eine Stelle gehäuft hatten, so daß 573 ich mich derselben, ohne einen von den Schuften zn wecken, bemächtigen konnte. Was wäre das für eine Gelegenheit für den Serpent gewesen, einen nach dem andern mit seinem Messer abzu- thun, und die Sklape fast in kürzerer Zeit an seinem Gürtel zu haben, als ich zur Erzählung der Geschichte brauche. O, er ist ein wackerer Krieger, dieser Chingachgook, so ehrlich als tapfer, und so gut als ehrlich." „Und was habt Ihr in dieser Sache gethan, Meister Pfadfinder?" fragte Cap, der auf den Ausgang begierig wurde; „es scheint mir, Ihr habt entweder ein sehr gutes oder ein sehr schlimmes Land angethan?" „Es war gut und schlimm, wie Ihr es nehmen wollt; — schlimm, weil die Versuchung eine verzweifelte war, und, wenn man alle Umstände betrachtet, am Ende doch gut. Ich berührte kein Haar ihres Hauptes, denn es gehört nicht zn den Gaben eines Weißen Mannes, Skalpe zn nehmen, und bemächtigte mich nicht einer einzigen ihrer Büchsen. Ich traute mir selbst nicht, da ich wohl wußte, daß die Mingos nicht meine Lieblinge find." „Was die Skalpe anbelangt, so habt Ihr wohl recht gethan, mein würdiger Freund; aber Waffe» und Munition würde Euch jedes Priscngcricht in der Christenheit zngesprochen haben." „Das ist wohl richtig; aber dann würden die Mingos frei ausgegangen sehn, denn ein weißer Mann kann einen unbewaffneten Feind, eben so wenig, als einen Schlafenden angreifcn. Nein, nein, ich ließ mir, meiner Farbe und auch meiner Religion mehr Gerechtigkeit widerfahren. Ich wartete, bis sie ausgcschlafen hatten und wieder ans ihrem Kriegspfad waren, und pfefferte dann die Hallunsen tüchtig von hinten und von der Seite, so daß nur einer davon in sein Torf zurückkam, und auch dieser erreichte sein Wigwam hinkend. Glücklicher Weise war der große Delaware, wie sich später zeigte, nur zurückgeblieben, um einem Stück Wild nachzugehen, und folgte meiner Fährte; als er wieder zu mir traf, hingen die Skalpe der fünf Schurken an der Stelle, wo sie hin gehörten, und so -— seht Ihr — war bei dieser Handlungsweise nichts verloren, weder was die Ehre, noch was den Vorthcil anbelangt." Cap grunzte Beifall, obgleich man gestehen must, daß ihm die Unterscheidungen in der Moral seines Gefährten nicht so ganz klar vorkamen. Beide waren während ihrer Unterhaltung ans das Blockhaus zngegangen und gelegenheitlich wieder stehen geblieben, je nachdem ihnen ein Gegenstand von mehr als gewöhnlichem Interesse Halt gebot. Jetzt befanden sie sich aber so nahe an dem Gebäude, daß keiner daran dachte, das Gespräch weiter zu verfolgen, und jeder bereitete sich zu dem letzten Abschiede von dem Sergeanten vor. Nchtundzwanzigstos Kapitel. BceiStcS Feld, d» meines Lebens Bild! Wie heiter blicktest du im jungen Lenze; Wie duftete die Sommerluft so mild Im zarten Hauche deiner Litienkränze. Ei ist dabin — im Wintersturm verflogen — , Das Fcstgewand, das jüngst dich noch umzogen. Spenser. Obgleich der Soldat im Getümmel der Schlacht die Gefahr und selbst den Tod mit Gleichmut!) betrachtet, so bringt doch, wenn sich der Hingang der Seele verzögert und Augenblicke der Rühe und Betrachtung eintreten, der Wechsel gewöhnlich ernstere Gedanken, Neue über die Vergangenheit, Zweifel und Ahnungen über die Zukunft mit sich. Mancher ist schon mit dem Ausdrucke des Hel- denmuths auf seinen Lippen hcimgegaugen, während sein Herz schwer und trostlos war; denn wie verschieden auch unsere Glaubensbekenntnisse sehn mögen; ob unser Hoffen auf der Vermittelung 575 Christi, auf den Verheißungen Mahomeds, oder aus irgend einer andern ausgebildeten Allegorie des Ostens beruhe — cs gibt nur eine, allen Menschen gemeinsame Ueberzeugung, daß nämlich der Tod nnr eine Nebergangsstufe von diesem zu einem höheren Leben sep. Sergeant Dunhai» war ein tapferer Mann; aber er stand im Begriff, einem Lande entgegen zu gehen, in welchem ihm Entschlossenheit nichts nützen konnte; und da er sich immer mehr und mehr von der Erde losgerissen fühlte, so nahmen seine Gedanken und Betrachtungen die für seine Lage passende Richtung; denn wenn es wahr ist, daß der Tod Alles gleich macht, so ist nichts wahrer, als daß er Alle zu denselben Ansichten von der Eitelkeit des Lebens zurückführt. Pfadfinder war zwar ein Mann von sonderbaren und eigen- thümliche» Gewohnheiten unv Meinungen, aber auch zugleich nach- denksam und geneigt, Alles um sich mit einem gewissen Anstrich von Philosophie und Ernst zu betrachten.' Die Scene im Blockhaus erweckte daher in ihm nicht gerade neue Gefühle. Anders war es jedoch mit Cap. Rauh, eigensinnig, absprechend und heftig, war veralte Seemann wenig gewöhnt, selbst auf den Tod mit jenem Ernste zu blicken, den die Wichtigkeit eines solchen Augenblicks fordert: und ungeachtet alles dessen, was vorgegangen, und trotz der Achtung, welche er gegen seinen Schwager hegte, trat er jetzt an des Mannes Sterbebette mit einem großen Theil jener stumpfen Gleichgültigkeit welche die Frucht des langen Aufenthalts in einer Schule war, die, obgleich sic viele Lehren der erhabensten Wahrheit gibt, im Allgemeinen ihre Mahnungen an Schüler verschwendet, welche nur wenig geneigt sind, daraus Stutzen zu ziehen. Den ersten Beweis, daß er nicht ganz in die feierliche Stimmung eingieng, welche dieser Moment bei den klebrigen hervorbrachte, gab Cap dadurch, daß er eine Erzählung der Ereignisse begann, die den Tod Muirs und Arrowheads herbeigeführt hatten. „Beide lichteten ihre Anker in aller Eile, Bruder Dunham," 576 schloß er, „und du hast den Trost, daß Andere dir auf deiner großen Reise voransgcgangen sind, nnd noch obendrein solche, bei denen dn keinen besondcrn Grund hast, ste zn lieben, was nur in deiner Lage diel Vergnügen gewähren würde. Meister Pfadfinder, meine Mutter sagte mir immer, daß man den Geist eines Sterbenden nicht niederbeugen, sondern durch alle geeigneten nnd klugen Mittel anfrichtcn müsse; und diese Neuigkeiten werden dem armen Manne eine große Erleichterung verschaffen, wenn er anders gegen diese Wilden fühlt, wie ich." Bei diesen Nachrichten erhob sich June7 und schlich sich mit lautlosem Tritt aus dem Blockhause. Dunham horchte mit leerem starrem Blick zn, denn das Leben löste allmählig so viele seiner Bande, daß er Arrowheads ganz vergessen hatte und sich nicht inehr um Muir bekümmerte. Nur nach Eau-donee fragte er mit schwacher Stimme. Dieser trat auf die an ihn ergangene Aufforderung heran. Der Sergeant blickte ihn mit Wohlwollen an, nnd der Ausdruck seines Auges bewies, daß er das Unrecht, welches er dem jungen Manne in Gedanken zngefügt, bereue. Die Gesellschaft im Blockhaus bestand nun ans dem Pfadfinder, Cap, Mabel, Jasper und dem Sterbenden. Die Tochter ausgenommen, standen Alle um des Sergeanten Lager und harrten seiner letzten Athemzüge. Mabel kniete an seiner Seite, und drückte bald seine feuchte Hand an ihre Stirne, bald benetzte sie die vertrockneten Lippen ihres Vaters. „Euer Schicksal wird über ein Kurzes auch das nnsrige seyn, Sergeant;" sagte Pfadfinder, von dem man nicht gerade sagen konnte, daß ihn diese Seene ergreife, denn er war vorher zu oft Zeuge von der Annäherung nnd dem Siege des Todes gewesen, obgleich er den Unterschied zwischen dessen Triumph in der Aufregung des Schlachtgetümmels und der Ruhe des häuslichen Kreises ganz fühlte; — „nnd ich zweifle nicht daran, daß wir uns später wieder treffen werden. Es ist zwar wahr, Arrowhead ist seinen Weg gegangen; es kann aber nimmer der Weg eines guten 577 Indianers seyn. Ihr habt ihn zmn letztenmal gesehen, denn sein Pfad war nicht der Pfad eines Gerechten. Das Gegenthcil zu denken, wäre gegen alle Vernunft, was auch, meiner Ansicht nach, bezüglich des Lieutenants Muir der Fall ist. So lange Ihr lebtet, habt Ihr Eure Pflicht gethan, und wenn man das non einem Manne sagen kann, so mag er zur längsten Reise mit leichtem Herzen und rüstigen Füßen anfbrechen." „Ich hoffe so, mein Freund; ich^abe es wenigstens versucht, meine Pflicht zn thun." „Ja, ja/' warf Cap ein, „die gute Absicht gilt für eine halbe Schlacht; und obgleich du besser gethan hättest, ans dem See draußen zn bleiben, und ein Fahrzeug herein zu schicken, um zn sehen, wie das Land liege, was allem eine ganz andere Wendung hätte geben können — so zweifelt doch Niemand hier, daß du in der besten Absicht handeltest, und auch wohl Niemand anderswo, wenn ich das, was ich von dieser Welt gesehen und von einer andern gelesen habe, glauben darf." „Ja, cs ist so; ich habe alles in der besten Absicht gethan!" „Vater! o mein lieber Vater!" „Mabcl ist durch diesen Schlag back gelegt worden, Meister Pfadfinder, und kann nur wenig sagen oder thun, was ihren Vater über die Untiefen bringen könnte; wir müssen deshalb um so ernstlicher an den Versuch gehen, ihm einen freundlichen Abschied zn bereiten." „Hast du gesprochen, Mabel?" fragte Dnnham und richtete die Augen auf seine Tochter, da er bereits zu schwach war, seinen Körper zu wenden. „Ach Vater, verlaßt Euch nicht um Eurer Handlungen willen auf die göttliche Gnade und Erlösung, sondern vertraut allein auf die segensreiche Vermittlung unseres Heilandes!" Der Kapellan hat uns auch etwas derartiges gesagt, Bruder. Das liebe Kind kann wohl Recht haben." Der Pfadfinder. 3. Aufl. 37 578 „Ja, ja, das ist ein Glaubenssatz, ohne Zweifel. Er wird unser Richter seyn und hält das Logbuch unserer Thaten, auf denen er fußen wird am letzten Gerichte; dann wird Er sagen, wer recht und wer unrecht gehandelt hat. Ich glaube, Mabel hat Recht; aber dann darfst du unbesorgt seyn, da du ohne Zweifel mit deiner Rechnung im Reinen bist." „Onkel! — liebster Pater: Das ist ein eitles Blendwerk! Ach, setzt Eure ganze Hoffnung auf die Vermittelung unseres heiligen Erlösers! Habt Ihr nicht oft genug gefühlt, wie wenig Eure Kräfte auch nur zu Vollführung der gewöhnlichsten Dinge ausreichten, und wie könnt Ihr Euch cinbilden, Eure Handlungen sehen im Stande, eine gebrechliche und sündige Natur so weit zu heben daß sic würdig erfunden werde, der oollkommenstcn Reinheit zu nahen? Die einzige Hoffnung des Menschen beruht auf der Vermittelung Christi!" „Die Herrenhuter pflegten uns dasselbe zu sagen," sagte Pfadfinder leise zu Cap; „verlaßt Euch darauf, Mabel hat Recht." „Recht genug, Freund Pfadfinder, in den Entfernungen, aber Unrecht im Curs. Ich fürchte, das Kind macht den Sergeanten in dem Augenblick triftig, wo wir ihn in dem besten Fahrwasser hatten." „Uebcrlaßt das Mabel; überlaßt es Mabel; sie versteht sich besser darauf, als einer von uns, und in keinem Falle bringt es Schaden." „Ich habe das wohl früher gehört," crwiedcrte endlich Dnn- ham. „Ach, Mabel! es ist sonderbar, daß der Vater sich in einem solchen Augenblick auf sein Kind stützen muß." „Setzt Euer Vertrauen auf Gott, Vater; stützt Euch auf das Erbarmen Seines heiligen Sohnes. Betet, thcuerster — theuerster Vater; bittet um Seinen allmächtigen Beistand." „Ich bi» des Betens nicht gewöhnt, Bruder. Pfadfinder — Jasper, könnt Ihr mir zu Worten helfen?" 579 Cap wußte kaum, was Beten heißt, und konnte nichts darauf antworten. Pfadfinder betete oft, täglich, wo nicht stündlich, aber nur im Geiste und in seiner einfachen Denkweise, ohne Beihilfe von Woiten. Er war daher in dieser Noth eben so nutzlos, als der Seemann, und wußte nichts zu erwiedcrn. Jasper würde sich zwar mit Freuden bemüht haben, Berge in Bewegung z» setzen, um Mabcl zn unterstützen, aber der Beistand, welcher hier erbeten wurde, lag nicht in seinen Kräften, und er trat beschämt zurück, wie es wohl junge, kräftige Leute zu thnn pflegen, wenn man von ihnen Handlungen verlangt, bei welchen sie ihre Schwäche und Abhängigkeit von einer höhcrn Macht bekennen müssen. „Vater!" sagte Mabel, indem sie sich die Thränen aus den Angen wischte und sich zn fassen versuchte; denn sie war bleich und ihre Züge bebten von innerer Bewegung. „Ich will mit Euch, für Euch, für mich und für uns alle beten. Selbst das Gebet des Schwächsten und Niedrigsten bleibt nicht unbeachtet." Es lag etwas Erhabenes, etwas unendlich Rührendes in diesem Akt kindlicher Liebe. Die ernste, ruhige Weise, mit welcher das junge Wesen sich zu der Erfüllung ihrer Pflicht vorbereitete — die Selbstverläugnung, mit welcher sie der Furchtsamkeit nnd Schüchternheit ihres Geschlechtes vergaß, um ihren Vater in diesem Augenblick der Prüfung aufrecht zu erhalten — die Erhabenheit des Vorsatzes, welcher sie alle ihre Kräfte mit der Andacht nnd der geistigen Erhebung eines Weibes, dem die Liebe zum Sporne diente, auf das vor ihr liegende große Ziel verwenden ließ — und die heilige Rühe, in welche sich ihr Schmerz zusammcndrängte, machte sie für diesen Augenblick zu einem Gegenstand der Ehrfurcht nnd Verehrung ihrer Gefährten. Mabel war religiös nnd vernünftig, ohne lleberspannnng und ohne Selbstgenügsamkeit erzogen worden. Ihr Vertrauen ans Gott war freudig nnd voller Hoffnung, zugleich aber auch demü- thig und unterwürfig. Sie war v.n .Kindheit auf daran gewöhnt. 580 zu der Gottheit zu beten, indem sic ein Beispiel an der göttlichen Vorschrift Christi nahm, der seine Jünger vor eitlen Wiederholungen verwarnte, und selbst ein Gebet hinterließ, welches an Erhabenheit und Kürze des Ausdrucks nicht seines Gleichen hat, als ob es ausdrücklich die Neigung des Menschen, seine irren und zufälligen Gedanken als das annehmbarste Opfer zu betrachten, zurecht weisen sollte. Die Sekte, in welcher sie erzogeü worden, hatte ihre Anhänger mit einigen der schönsten Lieder, als den geeignetsten Anhaltspunkten für die Andacht und das Gebet, ausge- stattct. An diese Weise der öffentlichen und häuslichen Erbauung gewöhnt, nahm natürlich der Geist unserer Heldin einen erhabenen Gedankcnffug, wobei ihre Ansdrucksweisc durch die Nebnng verbessert, gehoben und verschönert wurde. Knrz, Mabel erschien in diesem Betracht als ein Beispiel, welchen großen Einfluß Vertrautheit mit geeigneten Gedanken, angemessener Sprache, und ein anständiges, würdevolles Benehmen ans die Gewohnheiten und die Redeweise selbst derjenigen hat, von denen man annchmcn kann, daß sie nicht immer für solche erhebenden Eindrücke empfänglich sind. Als sic an dem Bette ihres Vaters knieete, bereitete das Ehrfurchtsvolle ihrer Haltung und ihrer Geberden die Anwesenden auf das, was kommen sollte, vor; und da ihr liebevolles Herz die Zunge antrieb und das Gedächtnis? beiden zu Hilfe kam, so hätte das Opfer ihres brünstigen Gebetes wohl Engeln znm Vorbilde dienen können. Zwar waren die Worte nicht selavisch geborgt, doch trugen sie den einfachen würdigen Ausdruck des Gottesdienstes, dessen sic gewöhnt war, und erwiesen sich wahrscheinlich des Wesens, welchem sie galten, so würdig, als cs menschlichen Kräften möglich ist. Sie übten einen mächtigen Eindruck auf die Zuhörer; denn es ist merkwürdig, wie wahre Erhabenheit und Schönheit mit der Natur so enge verbunden sind, daß sic, trotz der nachthciligen Wirkungen lange gepflogener irriger Gewohnheiten, im Allgemeinen in jedem Herzen wicderhalle». 581 Als ober unsere Heldin die Lage des Sterbenden berührte, wurde sie ganz überzeugend, denn sie zeigte sich da in ihrem vollen Eifer und in ihrer ganzen Natürlichkeit. Die Schönheit der Sprache wurde beihaltcn, aber noch durch die einfache Gewalt der Liebe gehoben, und ihre Worte glühten von einem heiligen Feuer, welches sich der Größe wahrer Beredsamkeit näherte. Wir würde» einige ihrer Ausdrücke anführen, wenn wir es nicht für unpassend betrachteten, solche erhebende Gedanken einer all zu genauen Zergliederung zu nnterwerfen, weßhalb wir uns dessen enthalten. Die Wirkung dieses feierlichen Austritts äußerte sich bei den Anwesende» auf verschiedene Weise. Dunhain selbst war bald in den Gegenstand des Gebets verloren und fühlte jene Art von Erleichterung, welche ein Mensch empfindet, der unter einer übermäßig schweren Last an einem Abgrunds wankt, wenn er unerwartet seine Bürde sich entnommen und dieselbe ans den Schultern eines Andern sieht, der besser im Stande ist, sic zu tragen. Cap war sowohl überrascht, als von Ehrfurcht ergriffen, obgleich die Erregungen in seiner Seele weder besonders tief gingen, noch lange anhielten. Er wunderte sich ein wenig über seine Gefühle, und machte sich Zweifel darüber, ob sie auch so männlich und heroisch seyen, als sie seyn sollten; er war jedoch von den Eindrücken der Wahrheit, der Demnth, der religiösen Unterwerfung und der menschlichen Abhängigkeit zu ergriffen, um mit seinen rauhen Einwürfen dagegen anzukämpfen. Jasper knieete mit verhülltem Gesicht Mabel gegenüber und folgte ihren Worten mit dem ernstlichen Wunsch, ihre Bitten mit den scinigen zu unterstützen, wenn es schon zweifelhaft sepn mochte, ob seine Gedanken nicht ebenso viel bei den sanften, lieblichen Tönen der Beterin, als bei dem Gegenstand ihres Gebets verweilten. Die Wirkung auf Pfadfinder war augenfällig und ergreifend; augenfällig, weil er aufrecht und gerade Mabeln gegenüber stand: und die Bewegungen seiner Gcsichtszüge verricthe» wie gewöhnlich -.t 382 das Schaffen seines Innern. Er lehnte ans seiner Büchse, nnd seine sehnige» Finger schienen hin und wieder den Lauf derselben mit aller Gewalt zerdrücken zu wollen, während er cin- oder zweimal, wenn Mabels Gedanken sich in vollster Innigkeit änssprachen, seine Augen gegen die Decke des Gemachs erhob, als ob er erwartete, daß das gefürchtete Wesen, an welches die Worte gerichtet waren, sichtbar über ihm schweben werde. Dann kehrten seine Gefühle wieder zu dem zarten Geschöpfe zurück, welches in heißem, aber ruhigem Gebet für einen sterbenden Bater ihre Seele auSgoß; denn Mabels Wangen waren nicht mehr bleich, sondern glühten von heiliger Begeisterung, während ihre blauen Angen sich dem Lichte in einer Weise znkehrten, daß das Mädchen wie ein Bild von Guido Ncni erschien. In solchen Augenblicken glänzte die ganze ehrliche nnd männliche Zuneigung Pfadfinders in seinen lebendigen Zügen, und der Blick, welchen er auf unsere Heldin heftete, glich dem des zärtlichsten Vaters, gegenüber dem Kinde seiner Liebe. Sergeant Dnnham legte seine kraftlose Hand auf MabelS Haupt, als sie zu beten anfhörtc und ihr Gesicht in seiner Bettdecke verbarg. „Gott segne dich, mein liebes Kind; Gott segne dich!" flüsterte er. „Du hast mir einen wahren Trost verschafft. O, daß auch ich bete» könnte!" „Vater! Ihr kennt das Gebet des Herrn, denn Ihr habt's ja selbst mich gelehrt, als ich noch ein Kind war." Auf des Sergeanten Gesicht strahlte ein Lächeln; denn er erinnerte sich, daß er wenigstens diesen Theil der elterlichen Pflicht erfüllt hatte, und die Erinnerung daran gewährte ihm in diesem Augenblicke ein inniges Vergnügen. Er schwieg dann einige Minuten, nnd alle Anwesenden glaubten, er unterhalte sich mit seinem Schöpfer. „Mabcl, mein Kind," sprach er endlich mit einer Stimme, 583 welche neue Lebenskraft gewonnen zu haben schien — „Mabel, ich Verlasse dich jetzt." — Der Geist scheint bei seinem letzten großen Gange sogar den Körper als nichts zu betrachten. — „Ich verlasse dich jetzt, mein Kind! Wo ist deine Hand?" „Hier, liebster Vater — hier sind beide — o, nehmt beide!" „Pfadfinder," fuhr der Sergeant fort, und tastete nach der entgegengesetzten Seite des Bettes, wo Jasper knieetc, wobei er im Mißgriff eine der Hände des jungen Mannes faßte — „nimm sie — seh ihr Vater — wie ihrs für gut findet — Gotte segne dich — Gott segne Euch beide!" Niemand wollte in diesem ergreifenden Augenblick dem Sergeanten seinen Jrrthum benehmen, und so starb er, einige Minuten später, Jaspers und Mabcls Hände mit den seinigcn bedeckend. Unsere Heldin wußte nichts von diesen Vorgängen, bis ein Ausruf von Cap ihr den Tod ihres Vaters ankündigte. Als sie ihr Gesicht erhob, traf sic auf einen Blick aus Jaspers Augen und fühlte den warmen Druck seiner Hand. In diesem Augenblick war aber nur Ein Gefühl in ihr vorherrschend ; sie zog sich zurück, um zu weinen. Pfadfinder nahm Ean-douee am Arm und verließ mit ihm das Blockhaus. Die zwei Freunde gingen in tiefstem Schweigen an dem Feuer vorbei, durch den Baumgang fast bis znm entgegensetzten Ufer der Insel, wo sie anhielten. Pfadfinder ergriff das Wort. „Es ist alles vorbei, Jasper," sagte er: „es ist alles vorbei. Ach, der arme Sergeant Dnnham hat seine Laufbahn beendet; und noch dazu durch die Hand eines giftigen Mingowurms. Nun, wir wissen nie, was unsrer wartet, und sein Loos kann heute oder morgen das Eurige oder das mcinige seyn." „Und Mabel? was soll aus Mabel werden, Pfadfinder?" „Ihr habt die letzten Worte des sterbenden Dnnham gehört; er hat mir die Obhut über sein Kind gelassen, Jasper; und das ist ein feierliches Vermächtnis, ja, es ist ein sehr feierliches Vermächtnis." 584 „Ein Vermächtniß, das Euch jeder gerne abnchmen würde/' versetzte der Jüngling mit einem bittcrn Lächeln. „Ich habe oft gedacht, daß es nur in schlechte Hände gefallen ist. Ich bin nicht eingebildet, Jasper, und denke nicht daran, mir etwas darauf zu Gute zu thun; wenn Mabcl aber geneigt ist, alle meine Unvollkommenheiten und meine Unwissenheit zu überschu, so wäre es Unrecht von mir, etwas dagegen einzuwcndcn, so sehr ich auch von meiner Werthlosigkeit überzeugt sehn mag." „Niemand wird Euch tadeln, Pfadfinder, wenn Ihr Mabel Dunham heirathet, ebensowenig, als man es Euch verargen würde, wenn Ihr einen kostbaren Edelstein trüget, den Euch ein Freund geschenkt hätte." „Glaubt Ihr, daß man Mabeln tadeln würde, Junge? — Ich habe auch meine Bedenklichkeiten darüber gehabt, denn nicht alle Leute sind geneigt, mich mit Ellern und mit Mabels Augen zu betrachten." Jasper Eau-donce fuhr zusammen wie Jemand, den ein plötzlicher, körperlicher Schmerz überfällt, bewahrte sich übrigens seine Selbstbeherrschung. „Die Menschen sind neidisch und schlimm, besonders in den Garnisonen und ihrer Nachbarschaft. Ich wünsche bisweilen, Jasper , daß Mabel zu Euch hätte eine Neigung gewinnen können — ja, ja, und daß Ihr eine Neigung zu ihr gefaßt hättet; denn es kömmt mir oft vor, daß ein Bursche, wie Ihr, sie im Grunde doch glücklicher machen müßte, als ich cs je im Stande bin." „Reden wir nicht mehr davon, Pfadfinder," unterbrach ihn Jasper barsch und ungeduldig — „Ihr werdet Mabels Gatte sehn, und es ist nicht recht, von einem Andern in dieser Eigenschaft zu sprechen. Was mich anbelangt, so will ich Caps Rathe folgen und es versuchen, einen Mann aus mir zu bilden. Vielleicht kann bas ans dem Salzwasser geschehen." „Ihr, Jasper Western? — aber warum die Seen, die Wälder und die Gränzen verlassen? und noch dazu um der Städte, der öden Wege in den Ansiedelungen und des bischen Unterschieds willen 585 in dem Geschmack des Wassers? Haben wir denn nicht die Salzlicken, wenn Ihr Salz braucht? Und sollte nicht ein Mann mit dem zufrieden seyn, was andern Geschöpfen Gottes genügt? Ich habe aus Euch gerechnet, Jasper; ja, ich zählte auf Euch — und dachte, da nun Mabel und ich in unserer eigenen Hütte wohnen werden, daß Ihr Euch eines Tags auch versucht fühlen könntet, eine Gefährtin zu wählen, wo Ihr Euch dann in unserer Nachbarschaft niederlaffen solltet. Ich habe ein schönes Plätzchen, etwa fünfzig Meilen westlich von der Garnison, für -mich im Sinn, und etwa zehn Stunden seitwärts ist ein ausgezeichneter Hafen, wo Ihr mit dem Kutter in der größten Muße ein- und ausfahren könntet. Da habe ich mir denn gerade Euch und Euer Weib vvrgcstcllt, wie Ihr von diesem Platze Besitz nehmt, während ich und Mabel uns auf dem andern niederlaffen. Wir hätten eine hübsche, ge- gesunde Jagd dabei; und wenn der Herr überhaupt irgend eines seiner Geschöpfe auf Erden zu beglücken beabsichtigt, so könnte niemand glücklicher sepn, als wir vier." „Ihr vergeht, mein Freund," entgeguete Jasper, indem er mit erzwungenem Lächeln des Wegweisers Hand ergriff, „daß es an der vierten Person fehlt, welche mir lieb und theuer seyn könnte; und ich zweifle sehr, ob ich je irgend Jemand so lieben kann, wie ich Euch und Mabel liebe." „Ich danke Euch, Junge; ich danke Euch von ganzem Herzen; aber was Ihr in Beziehung auf Mabel Liebe nennt, ist bloß Freundschaft, und etwas ganz anderes, als was ich gegen sic fühle. Jetzt, statt wie früher so gesund zu schlafen, als die Natur um Mitternacht, träume ich jede Nacht von Mabel Dunham. DaS junge Wild spielt vor mir, und wenn ich den Hirschetödter erhebe, um mir einen Braten zu holen, blicken die Thiere zurück, und alle scheinen Mabels süße Züge zu tragen; dann lachen sie mir ins Gesicht und sehen dabei aus, als ob sie sagen wollten: ,Schieß mich, wenn du kannst? Oft höre ich den Klang ihrer süßen Stimme in dem Gesänge der Vögel: und erst in meinem letzten Schlummer kam es mir vor, ich wäre auf dem Niagara und hielte Madel in meinen Armen, mit welcher ich lieber über den Fall hinunterstürzte, ehe ich von ihr lassen wollte. Die bittersten Augenblicke, welche mir je vorkamen, waren die, wenn der Teufel oder vielleicht ein Mingo- zauberer meinen Träumen die Vorstellung bcimischte, daß Mabel für mich durch irgend ein unerklärliches Unglück — durch den Wechsel der Dinge oder Gewalt — verloren gegangen sey." „O Pfadfinder! wenn Euch das schon im Traume so bitter dünkt, wie muß es erst dem sehn, welcher es in Wirklichkeit fühlt und weiß, daß alles wahr, wahr, wahr ist? So wahr, um keinen Funken Hoffnung znrückznlassen — nichts zurückzulassen, aks die Verzweiflung!" Diese Worte entquollen Jasper wie die Flüßigkeit einem plötzlich geborstenen Gefäße. Sie entglitten seinen Lippen unwillkühr- lich, fast unbewußt, aber mit einer Wahrheit und einer Tiefe des Gefühls, daß sich die Aufrichtigkeit derselben nicht bezweifeln ließ. Pfadfinder blickte seinen Freund in wirrer Ueberraschung eine Minute lang an; dann tauchte ihm, ungeachtet seiner Einfachheit, «in Strahl der Wahrheit auf. Wir wissen, welche verstärkende Beweise sich in dem Geiste häufen, sobald er einen bestimmten Schlüssel zu einer unerwarteten Thatsachc gefunden hat: wie schnell unter solchen Umständen der Flug der Gedanken ist, und wie rasch den Vordersätzen die richtigen Folgerungen sich anrcihen. Unser Held war von Natur so zuversichtlich, so gerecht und so geneigt, zu glauben, daß alle seine Freunde ihm ein gleiches Glück gönnten, wie er eS ihnen wünschte, daß bis zu diesem unglücklichen Augenblick nie eine Ahnung von Jaspers Liebe zu Mabel in seiner Brust aufgctaucht war. Er war aber jetzt zu erfahren in den Regungen welche eine solche Leidenschaft bezeichnen; auch machten sich die Gefühle seines Gefährten zu heftig und zu natürlich Luft, um den braven Wegweiser länger im Zweifel zu lassen. Er fühlte sich durch diese Entdeckung miss schmerzlichste gedeiuüthigt. Jaspers Jugend, seine schmuckere Außenseite und alle die Hanptwahrschcin- lichkcitcn, welche einen solchen Freier dein Mädchen angenehmer machen mochten, traten ihm vor das Auge. Endlich aber machte die edle Geradheit seiner Seele, welche ihn so sehr zu seinem Vor- thcil auszeichncte, ihre Rechte geltend, und wurde noch unterstützt durch die männliche Bescheidenheit, mit welcher er sich selbst benr- thciltc, und durch seine gewohnte Nachgiebigkeit gegen die Rechte und Gefühle Anderer, welche einenTheil seines Wesens ausznmachen schien. Er ergriff Jaspers Arm und führte ihn zu einem Baumstrunk, auf welchen er den jungen Mann mit seiner unwiderstehlichen Muskelkraft nicdcrdrückte und dann neben ihm seinen Sitz einnahm. Sobald sich Jaspers innere Bewegung Lust gemacht hatte, fühlte er sich durch die Heftigkeit ihres Ausdruckes beunruhigt und beschämt. Er würde gerne alles, was er auf Erden sein nennen konnte, darum gegeben haben, hätte er die letzten drei Minuten wieder zurückrufen können; aber er war von Natur zu freimüthig und zn sehr daran gewöhnt, gegen seinen Frennd offen zu verfahren, um nur einen Augenblick zn versuchen, seine Gefühle zn verhehlen, oder die Erklärung, welche, wie er wußte, ihm nun abverlangt wurde, zn umgehen. Zwar zitterte er vor den Folgen, aber er konnte cs nicht über sich gewinnen, ein zweideutiges Benehmen einzuschlagen. „Jasper," begann Pfadsinder in einem so feierlichen Tone, daß jeder Nerve seines Zuhörers bebte, — „das kam sehr unverhofft. Ihr hegt zartere Gefühle für Mabel, als ich dachte, und wenn mich nicht ein Mißgriff meiner Eitelkeit und Einbildung gransam getäuscht hat, so bedanre ich Ench, Junge, von ganzer Seele. Ja, ich weiß — glaube ich — wie der zu beklagen ist, welcher sein Herz an ein Wesen, wie Mabel, gesetzt hat, ohne hoffen zu dürfen, daß sie ihn mit denselben Augen betrachte, wie er sie betrachtet. Diese Sache muß sich aufklärcn, bis keine Wolke mehr zwischen uns steht, wie die Delaware» sagen." 588 „Was bedarf cs da einer Aufklärung, Pfadfinder? Ich liebe Mabel Dunham, und Mabel Dnnham liebt mich nicht; sie will lieber Euch zum Gatten haben, und das Klügste, was ich thun kann, ist, fort und auf das Salzwaffer zu gehen und zu versuchen Euch Beide zu vergessen." „Mich zu vergessen, Jasper? — das wäre eine Strafe, welche ich nicht verdiene. Aber woher wißt Ihr, daß Mabel mich lieber hat? Wie wißt Ihr das, Junge? — Mir scheint das ja ganz unmöglich!" „Wird sie nicht Euer Weib werden? und würde Mabel einen Mann heirathcu, den sic nicht liebt?" „Der Sergeant hat Ihr hart zugesetzt — ja, so ists; und einem gehorsamen Kinde mag es wohl schwer werden, den Wünschen eines sterbenden Vaters zu widerstehen. Habt Ihr Mabel je gesagt, daß Ihr sic liebt, daß Ihr solche Gefühle gegen sie hegt?" „Nie, Pfadfinder! Wie konnte ich Euch ein solches Unrecht zufügen?" „Ich glaube Euch, Junge; ja, ich glaube Euch und glaube auch, daß Ihr im Stande wäret, spurlos zu verschwinden und aufs Salzwaffer zu gehen. Wer das ist nicht gerade nöthig. Mabel soll Alles erfahren und Ihren eigenen Weg haben; ja das soll sie, und wenn mir das Herz bei dem Versuche bräche. Ihr habt ihr also nie ein Wort davon gesagt, Jasper?" „Nichts von Belang, nichts Bestimmtes. Aber doch muß ich meine ganze Thorheit eingesteben, Pfadfinder, wie es meine Pflicht gegen einen so edeln Freund ist, und dann wird Alles zu Ende sepn. Ihr wißt, wie junge Leute sich verstehen, oder zu verstehen glauben, ohne sich gerade offen auszusprcchen, und wie sic auf hunderterlei Weise gegenseitig ihre Gedanken kennen lernen, oder kennen zu lernen glauben." „Nein, Jasper, das weiß ich nicht," antwortete der Wegweiser treuherzig; denn, die Wahrheit zu sagen, seine Huldigungen S89 hatten nie ans jene süße und köstliche Ermnthignng getroffen, welche das stumme Merkmal der zur Liebe fortschreitenden Zuneigung ist. „Nein, Jasper, ich weiß nichts von all diesem. Mabel hat mich immer freundlich behandelt und sagte mir, was sie zu sagen hatte, auf die unumwundenste Weise." „Ihr hattet aber die Wonne, sie sagen zu hören, daß sie Euch liebe, Pfadfinder?" „Ei nein, Jasper; nicht gerade mit Worten. Sie hat mir sogar gesagt, daß wir uns nie heirathen könnten, nie heirathcn sollten; daß sie nicht gut genug für mich .sey, obgleich sie versicherte, daß sie mich achte und ehre. Dann sagte mir aber der Sergeant, dieß sep die gewöhnliche Weise junger und schüchterner Mädchen: ihre Mutter habe es zu ihrer Zeit eben so gemacht und ebenso gesprochen; und ich müsse mich begnügen, wenn sie nur überhaupt einwillige, mich zuhcirathen. Ich habe daher auch geschloffen, daß Alles in Ordnung sep." Wir wären keine treuen Erzähler, wenn wir nicht zugeständcn, daß Jasper, ungeachtet seiner Freundschaft für den glücklichen Freier und trotz der aufrichtigsten Wünsche für sein Wohl, bei diesen Worten sein Herz in überschwenglicher Wonne klopfen fühlte. Nicht als ob er in diesem Umstand hätte eine Hoffnung für sich auftauchen sehen; es war nur das eifersüchtige Verlangen einer unbc- gränzten Liebe, welche sich bei der Kunde entzückt fühlte, daß kein anderes Ohr die süßen Geständnisse gehört habe, welche dem eigenen versagt blieben. „Erzählt mir mehr von dieser Weise, ohne Zunge zu sprechen," fuhr der Pfadfinder fort, dessen Gesichtszüge ernster wurden und der nun seinen Gefährten mit dem Tone eines Mannes fragte, welcher einer unangenehmen Antwort cntgegenfieht. „Ich kann mich mit Chingachgook auf eine solche Art unterhalten, und habe cs auch mit seinem Sohne Uncas gcthan, ehe er gefallen; ich wußte aber nicht, daß junge Mädchen auch in dieser Kunst bewandert 590 sind; und von Mabel Dunham versah ich michs cim allerwenigsten." „Es ist nichts, Pfadfinder. Zch meine nur einen Blick, ein Lächeln, einen Wink mit dem Auge, das Zittern eines Armes oder einer Hand, wenn mich das Mädchen gelegentlich berührte; und weil ich schwach genug gewesen bin, selbst zu zittern, wenn mich ihr Athem traf, oder ihre Kleider mich streiften, so führten mich meine thörichtcn Gedanken irre. Ich habe mich nie gegen Mabel offen ausgesprochen; und jetzt würde cS mich nichts mehr nützen, da nun doch alle Hoffnung vorbei ist." „Jasper," erwicderte Pfadfinder einfach, aber mit einer Würde, welche für den Augenblick alle weiteren Bemerkungen abschnitt, „wir wollen über des Sergeanten Leichcnbegängniß und über unsere Abreise von der Insel sprechen. Wenn hierüber die nöthigen Verfügungen getroffen find, werden wir hinlänglich Zeit haben, noch ein Wort über des Sergeanten Tochter zu reden. Die Sache bedarf einer reiflichen Erwägung, denn der Vater hat mir die Obhut über sein Kind hinterlafscn." Jasper war froh, von diesem Gegenstände abzukommen, und die Freunde trennten sich, um den ihrer Stellung und ihrem Berufe angemessenen Obliegenheiten nachzukommen. Am Nachmittag wurden die Todten beerdigt. Das Grab des Sergeanten befand sich im Mittelpunkte des Baumganges unter dem Schatten einer hohen Nüster. Mabel weinte bitterlich während der Bestattung und fand in ihren Thränen Erleichterung für ihr bekümmertes Herz. Die Nacht verging ruhig: ebenso der ganze folgende Tag: denn Jasper erklärte, daß der Wind viel zu heftig sey, um sich auf den Sec wagen zu können. Dieser Umstand hielt auch den Kapitän Sanglicr zurück, welcher die Insel erst am Morgen des dritten Tages nach Dunhams Tod verließ, da das Wetter milder und der Wind günstiger wurden. Ehe er abreiste, nahm er zum lctztcnmale von dem Pfadfinder in der Weise eines Mannes Abschied, welcher sich in der Gesellschaft eines ausgezeichneten Charakters befunden zu haben glaubt. Beide schieden unter Beweisen gegenseitiger Achtung, während Jeder fühlte, daß ihm der Andere ein Räthsel sey. NeunnnbzwanzigsteS Kapitel. Sie dreht sich neckisch, daß er sehe DaS süße Lächeln ihrer Wangen; Doch svrichk im Aug' ihm bittres Weh: — Da ist daS Lächeln ihr vergangen. Lalla Raokh. Die Ereignisse der letzten Tage waren zu aufregend gewesen und hatten die Kräfte unserer Heldin zu sehr in Anspruch genommen, als daß sie sich der Hilflosigkeit des Grames hätte hingeben können. Sie trauerte nm ihren Vater, und gelegentlich überlief sie ein Schauder, wenn sic sich Jennie'S plötzlichen Tod und alle die schrecklichen Scenen, deren Zeuge sie gewesen, ins Gedächtniß zurückrief: im Ganzen aber war sic gefaßter und weniger niedergedrückt, als dieß bei tiefem Schmerze gewöhnlich ist. Vielleicht half das übermächtige, betäubende Seelcnleidcn, welches die arme June beugte und sie beinahe vicrundzwanzig Stunden besinnungslos niedergeworfen hatte, Mabeln ihre eigenen Gefühle besiegen, da sie sich zur Trösterin des armen Jnvianerweibes berufen glaubte; auch erwies sie ihr diesen Dienst in der ruhigen, besänftigenden und einnehmenden Weise, mit welcher ihr ^Geschlecht bei solchen Gelegenheiten seinen Einsiuß geltend macht. Der Morgen des dritten Tages war für die Abfahrt des Scud bestimmt. Jasper hatte seine Vorbereitungen getroffen, die verschiedenen beweglichen Gegenstände waren cingeschifft, und Mabel hatte von June Abschied genommen — ein schmerzliches und zärtliches Lebewohl. Mit einem Worte, Alles war bereit, und mit Ausnahme der Indianerin, Pfadfinders, Jaspers und unsrer Heldin, 592 hatte die ganze Gesellschaft die Insel verlassen. Elftere war ins Gebüsch gegangen, um zn weinen, und die drei Letzteren näherten sich einer Stelle, wo drei Kähne lagen, von denen einer June's Eigenthnm war, während die beiden übrigen die Bestimmung hatte», die Zurückgebliebenen dem Send znznführen. Pfadfinder ging voraus; als er aber näher gegen das Ufer kam, forderte er, statt die Richtung nach den Booten einzuschlagcn, seine Gefährten auf, ihm zu folgen, worauf er sie zn einem nmgcstürztcn Baume führte, der am Rande der Lichtung und außer dem Gesichtskreise des Kutters lag. Hier ließ er sich nieder und hieß Mabel auf der einen und Jasper auf der andern Seite neben ihm Platz nehmeul. „Setzen Sie sich hiehcr, Mabel — und Ihr, Ean-donee, dahin," begann er, sobald er seinen Sitz eingenommen hatte. „Mir liegt Etwas schwer auf der Seele, und cS ist jetzt Zeit, es abzu- schüttcln, wenn es anders möglich ist. Setzen Sie sich, Mabel, und lassen Sie mich mein Herz, wenn nicht mein Gewissen, erleichtern, so lange ich noch die Kraft habe, cS zu thun." Es folgte nun eine Pause von zwei oder drei Minuten, und beide jungen Leute harrten verwundert dessen, was kommen sollte. Der Gedanke, daß Pfadfinder eine Last auf seinem Gewissen haben könne, schien Beiden gleich unwahrscheinlich. „Mabel," fuhr unser Held endlich fort, „wir müssen offen mit einander reden, ehe wir wieder mit Ihrem Onkel auf dem Scud zusammentreffen, wo Salzwasscr seit dem letzten Spaße jede Nacht geschlafen hat, weil dieser, wie er sagt, der einzige Platz sey, wo ein Man» versichert seyn dürfe, seine Haare auf dem Kopfe zu behalten. — Aber ach, was kümmern mich jetzt diese Thorheiten und albernen Worte! Ich versuche es, heiter und leichten Sinnes zu seyn; aber die Kraft des Menschen kann das Wasser nicht stromanfwärts fließen machen. Mabel, Sie wissen, daß der Sergeant vor seinem Scheiden die Bestimmung getroffen 593 hat, daß wir uns hcirathen, bei einander leben und uns gegenseitig lieben sollen, so lange es dein Herrn gefällt, uns ans Erde» zu lassen: — ja, und auch nachher?" Mabels Wangen hatten in der frischen Morgenluft wieder etwas von ihrem früheren rosigen Aussehen gewonnen; bei dieser unerwarteten Anrede aber erbleichten sie fast wieder wie zu der Stunde, wo der herbste Schmerz ihr Inneres erfaßt hatte. Doch blickte sie Pfadfinder mit freundlichem Ernste an und versuchte es, ein Lächeln zu erzwingen. „Sehr wahr, mein ausgezeichneter Freund," cntgcgnete sie; „das war der Wunsch meines armen Vaters, und ich fühle die tiefe llebcrzcugung, daß ein ganzes. Eurem Glücke und Eurem Wohlbehagen geweihtes Leben kaum im Stande ist, Euch für Alles, was Ihr an uns gcthan habt, zu belohnen." »Ich fürchte, Mabel, daß Mann und Weib durch ein kräftigeres Band an einander geknüpft scpn müssen, als durch solche Gefühle. Sic haben nichts, oder doch nichts von irgend einem Belang für mich gcthan, und doch neigt sich mein ganzes Herz zu Ihnen; cs dünkt mir daher wahrscheinlich, daß diese Zuneigung von etwas Anderem hcrkömmt, als von dem Schutze der Skalpe und dem Geleite durch die Wälder." Mabels Wangen fingen wieder an zu glühen, und obgleich sie sich alle Mühe gab, zu lächeln, so war doch in ihrer Antwort ein leichtes Beben der Stimme nicht zu verkennen. „Wäre es nicht besser, wenn wir diese Unterhaltung aufschöben, Pfadfinder?" sagte sie; „wir sind nicht allein, und cs heißt, es sey nichts Unangenehmeres für einen Dritten, als Familienangelegenheiten besprechen zu hören, welche für ihn kein Interesse haben." „Gerade, weil wir nicht allein sind, oder vielmehr, wei Jasper bei uns ist, Mabel, möchte ich diese Sache zur Sprache bringen. Der Sergeant glaubte, daß ich ein geeigneter Lebens- Dcr Pfadfinder. 3. Aust. 38 594 geführte für Sie sehn dürfte, und obgleich ich meine Bedenklichkeiten dabei hatte — ja, ja, ich hatte viele Bedenklichkeiten — ließ ich mich doch zuletzt bereden, und die Dinge nahmen die Ihnen bekannte Wendung. Als sie aber Ihrem Vater versprachen, mich zu hcirathcn, Mabel, und Sie mir so bescheiden, so anmnthig Ihre Hand gaben, war ein Umstand, wie es ihr Onkel nennt, vorhanden, von dem Sic nichts wußten, und ich halte es für billig. Ihnen denselben mitzutheilen, ehe die Sachen ganz ins Neine gebracht sind. Ich habe mich oft mit einem mageren Hirsch für meine Mahlzeit begnügt, wenn ich kein gutes Wildpret haben konnte, aber es ist natürlich, daß man nicht nach dem Schlechtesten greift, wenn das Beste zu finden ist." „Ihr sprecht in einer Weise, Pfadfinder, welche ich nicht verstehen kann. Wenn diese Unterhaltung wirklich so nothwcndig ist, so hoffe ich doch, daß Ihr Euch deutlicher ausdrückt." „Gut also. — Mabel, ich habe mir Gedanken darüber gemacht, daß Sie, als Sie sich in die Wünsche des Sergeanten fügten, wahrscheinlich die Natur von Jasper Westerns Gefühlen gegen Sic nicht kannten?" „Pfadfinder!" Mabels Wangen erbleichten nun zur Bläffe des Todes und erglühten wieder purpurn; ihr ganzer Körper bebte. Pfadfinder hatte jedoch zu sehr seinen Zweck im Auge, um diesen schnellen Wechsel zu bemerken, und Eau-donce bedeckte sein Gesicht mit den Händen. „Ich habe mit dem Jungen gesprochen, und wenn ich seine Träume, seine Gefühle und seine Wünsche mit den meinigen vergleiche, so fürchte ich, wir denken über Sie zu gleich, als daß wir beide glücklich seyn konnten." „Pfadfinder, Ihr vergeht —- Ihr solltet Euch erinnern, daß wir verlobt find," sagte Mabel hastig und mit so leiser Stimme, daß von Seiten der Zuhörer große Aufmerksamkeit erfordert wnrde. 595 um ihre Worte zu verstehen. In der That waren auch die paar letzten Silben dem Wegweiser völlig entgangen und er gab dieß zu verstehen durch sein gewöhnliches: „Wie?" „Ihr vergeht, daß wir uns heirathcn solle», und solche Anspielungen sind eben so ungeeignet, als schmerzlich." „Alles was recht ist, istgeiguet, Mabel; und alles ist recht, was zu einer billigen Ausgleichung und zu einem offenen Verständnis führt, obgleich es, wie mir meine eigene Erfahrung sagt, schmerzlich genug ist, wie Sie sich ausdrücken. Nun, Mabel, wenn Sie gewußt hätten, daß Jasper in solcher Weise an Sie denkt, so hätten Sie vielleicht nie eiugewilligt, einen so alten und unansehnlichen Mann wie ich bin, zu heirathcn?" „Warum diese grausame Prüfung, Pfadfinder? Wozu kann das alles führen? Jasper denkt nicht an so etwas; er sagt nichts, er suhlt nichts." „Mabel!" entfuhr cs den Lippen des Jünglings auf eine Weise, welche die unbezwingliche Natnr seiner Gefühle verrietst, obgleich er keine Silbe weiter hinzufügte. Mabel bedeckte ihr Antlitz mit den Händen, und die Beiden saßen da wie ein Paar Schuldige, die plötzlich auf einem Verbrechen ertappt wurden, bei welchem es sich um das ganze Glück eines gemeinschaftlichen Gönners handelte. In diesem Augenblick war Jasper vielleicht selbst geneigt, seine Leidenschaft in Abrede zu ziehen, da er weit entfernt war, seinem Freunde einen Gram bereiten zu wollen, während für Mabel die nnvcrholcne Mittheilnng einer Thatsache, die sie eher im Stillen gehofft, als geglaubt hatte, so unerwartet kam, daß sich auf einen Augenblick ihre Sinne verwirrten und sie nicht wußte, ob sie weinen oder sich freuen sollte. Doch mußte sie zuerst sprechen, da Jasper nicht im Stande war, etwas hcrvorzubringen, was unredlich oder für seinen Freund schmerzlich erscheinen konnte." 596 „Pfadfinder/' sagte sic, „Ihr sprecht rauh. Weßhalb erwähnt Ihr solcher Dinge?" „Nun, Mabel, wenn ich ranh spreche, so wissen Sie wohl, daß ich von Statur sowohl, als auch, wie ich fürchte, aus Gewohnheit ein halber Wilder bin." Als er dies; sagte, suchte er in seiner gewöhnlichen lautlosen Weise zu lachen, aber es gelang nicht und der Versuch gestaltete sich zu einem seltsamen Mißton, der ihn fast zu ersticken drohte. „Ja, ich muß wohl wild sepn; ich will nicht unternehmen, cS in Abrede zu ziehen." „Thcncrster Pfadfinder! mein bester, fast mein einziger Freund, Ihr könnt und werdet nicht glauben, daß ich etwas der Art zu sagen beabsichtigte!" unterbrach ihn Mabel, indem ihr die Eile, womit sie ihre unbeabsichtigte Kränkung wieder gut machen wollte, fast den Athem versagte. „Wenn Muth, Treue, Adel der Seele und des Charakters, Festigkeit der Grundsätze und hundert andere ausgezeichnete Eigenschaften einem Manne Achtung, Verehrung und Liebe gewinnen können, so steht Ihr mit Euer» Ansprüchen keinem andern menschlichen Wesen nach." „Was für zarte und bezaubernde Stimmen sie haben, Jasper!" nahm der Wegweiser, nun mit einem offenen und natürlichen Lachen, wieder auf. Ja, die Natur scheint sie geschaffen zu haben, «ns in die Ohren zu singen, wenn die Melodien der Wälder schweigen. Aber wir müssen zu einem vollen Verständnis; kommen, — ja, das müssen wir. Ich frage sie noch einmal, Mabel — wenn Sie gewußt hätten, daß Jasper Western Sie eben so sehr liebt, wie ich, oder vielleicht noch mehr, obgleich dieses kaum möglich ist -— daß er mit Ihnen und von Ihnen in seinen Träumen spricht — daß er sich vorstcllt, alles was schön und gut und tugendhaft ist, gleiche Mabel Dnnham — daß er glaubt, nie ein Glück gekannt zu haben, ehe er Sie gesehen—-daß er den Boden küssen möchte, den Ihr Fuß betreten — daß er alle Freuden seines Berufes vergißt, um an Sie zu denken, mit Entzücken Ihre Schönheit zu bewundern und nick 597 Ähre Stimme zu horchen — würden Sie dann cingewilligt haben, mich zn heirathcn?" Mabel hätte diese Frage nicht beantworten könne», selbst wenn sie gewollt hätte; aber obgleich sic ihr Gesicht mit ihren Händen verhüllte, so war doch die Glut des Blntsiromes zwischen ihren Fingern sichtbar und selbst diese schienen an dem Roth Thcil zu nehmen. Die Natur behauptete jedoch ihre Macht; denn einen Augenblick lang warfdas bestürzte, säst erschreckte Mädchen einen verstohlenen Blick auf Jasper, als ob sie Pfadfinders Erzählung von der Art der Gefühle des jungen Mannes mißtraute, und dieser Blick schloß ihr die ganze Wahrheit auf; flc verbarg schnell das Gesicht wieder, als ob sic es für immer der Beobachtung entziehen wolle. „Nehmen Sie sich Zeit, nachzudenkcn," fuhr der Wegweiser fort, „denn es ist eine ernste Sache, einen Mann zum Gatten anzunehmen, wenn die Gedanken und Wünsche auf einen Andern gerichtet sind. Jasper und ich haben über diesen Gegenstand offen, wie zwei alte Freunde gesprochen, und obgleich ich stets wußte, daß wir die meisten Dinge so ziemlich mit gleichem Auge betrachten, so wäre es doch mir nie eingefallen, daß unsere Gedanken über einen Gegenstand so gar die gleichen wären, bis wir uns gegenseitig unsere Gefühle über Sie mittheilten. Jasper gesteht ein, daß er Sie von der Zeit an, als er Sie das erstemal erblickte, für das süßeste und gewinnendste Wesen hielt, welches er je getroffen, daß der Ton ihrer Stimme wie das Brausen der Wasser in seinen Ohren klinge, daß ihm seine Segel wie Ihre im Winde flatternden Gewänder vorkamen, daß er Ihr Lächeln in seinen Träumen sehe, und daß er wieder und wieder erschreckt aufführe, weil es ihm bünkte, es wolle Sie jemand mit Gewalt dem Send entführen, wohin seine Einbildungskraft Ihren Aufenthalt verlegt hatte. Ja, der Junge hat sogar zngestandcn, daß ihm oft die Thränen ins Auge getreten sepen, wenn er dachte, daß Sie 598 Ihre Tage wahrscheinlich mit einem Andern und nicht mit ihm hinbringcn würden." „Jasper?" „Es ist feierliche Wahrheit, Mabel, und es ist recht, daß Sie sie erfahren. Nun stehen Sie auf und wählen Sie zwischen uns beiden. Ich glaube, Jasper liebt Sie eben so sehr als ich. — Er wollte mich zwar bereden, daß seine Liebe heißer sey; ich kann dieß aber nicht zugeben, weil es unmöglich ist; ich glaube aber, daß der Junge Sie von ganzem Herzen und von ganzer Seele liebt, und er hat daher das Recht, gehört zu werden. Der Sergeant hat mich zu Ihrem Beschützer, nicht zu Ihrem Tyrannen bestellt. Ich habe ihm versprochen, daß ich Ihnen Vater und Gatte seyn wolle, und es scheint mir, daß kein gefühlvoller Vater seinem Kinde dieses kleine Vorrecht versagen würde. Stehen Sie daher ans, Mabel, und sprechen Sic Ihre Gedanken so unverholen aus, als ob ich der Sergeant selbst wäre, der nichts anderes als Ihr Bestes beabsichtigt." Mabel ließ die Hände sinken, erhob sich und stand, Angesicht gegen Angesicht, ihren beiden Freiern gegenüber, obgleich eine ficbcrische Glut ihre Wangen bedeckte — eher eine Wirkung der Aufregung, als der Scham. „Was wollt Ihr von mir, Pfadfinder?" fragte sie; „habe ich nicht bereits meinem armen Vater versprochen, ganz nach Euren Wünschen zu handeln?" „Dann wünsche ich folgendes. Hier stehe ich, ei» Mann der Wälder und von wenig Wissen, obgleich ich fürchte, daß mein Ehrgeiz vielleicht meine Verdienste übersteigt, und ich will mir Mühe geben, beiden Thcilen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Für's Erste ist es hinsichtlich unserer Gesinnungen für Sie zngcstandcn, daß wir beide Sie mit gleicher Innigkeit lieben; Jasper meint zwar, daß seine Gefühle die tieferen seyn müßten, aber ich kann das als ehrlicher Mann nicht zugcbcn, weil es mir vorkömmt, als 599 könne es unmöglich wahr sehn, sonst würde ich mich frei und offen darüber anssprechen. In dieser Beziehung, Mabel, wären also unsere beiderseitigen Verhältnisse die gleichen. WaS mich anbelangt, so steht es mir als dem ältesten zuerst zu, das Bischen, was zu meinen Gunsten spricht, ebenso gut als das Gegeutheil vorzubringen. An der ganzen Gränze, glaube ich, gibt es keinen, welcher mich als Jäger übcrtrifft. Wenn also Wildpret und Bärensteisch, oder selbst Vögel und Fische in unserer Hütte selten sehn sollten, so müßte die Schuld davon wahrscheinlich eher der Natur und der Vorsehung zugeschrieben werden, als mir. Kurz, es kömmt mir vor, daß das Weib, welches mir folgt, sich nie über Mangel an Nahrung zu beklagen haben wird. Aber ich bin schrecklich unwissend! Es ist zwar wahr, ich spreche mehrere Sprachen, wie sie eben sind, aber ich bin weit entfernt, auch nur in meiner eigenen gründlich bewandert zu sehn. Dann bin ich älter als Sie, Mabel, und der Nmstanv, daß ich so lange der Kamerad Ihres Vaters gewesen, mag gerade kein großes Verdienst in Ihren Augen sehn. Auch wollte ich, ich wäre hübscher: aber wir sind eben, wie uns die Natur gemacht hat, nnd, besondere Anlässe ausgenommen, sollte sich der Mensch am allerletzten über sein Aussehen beklagen. Wenn ich mm Alles, Alter, Aussehen, Kenntnisse und Gewohnheiten in Betracht ziehe, Mabel, so sagt mir mein Gewissen, daß ich durchaus nicht für Sie paffe, wenn ich nicht etwa gar Ihrer ganz unwürdig bin, nnd ich würve zur Stunde meine Hoffnung schwinden lassen, wenn nicht etwas in meinem Herzen klopfte, was sich schwer loswerden läßt!" „Pfadfinder! edler, großmnthiger Pfadfinder!" rief unsere Heldin, indem sie seine Hand faßte und mit einer Art heiliger Verehrung küßte: „Ihr thut Euch selbst Unrecht—Ihr vergesst meines arme» Vaters nnd Eures Versprechens — Ihr kennt mich nicht!" „Nun — da ist Jasper," fuhr der Wegweiser fort, ohne sich durch die Liebkosungen des Mädchens von seinem Vorsatze abbringen 600 zu lassen; „bei ihm ist der Fall anders. Hinsichtlich der Versorgung und der Liebe findet kein großer Unterschied zwischen uns statt, denn der Junge ist mäßig, fleißig und sorgsam. Auch ist er sehr unterrichtet, kann französisch, liest viele Bücher, darunter auch einige, die Sic wie ich weiß, selbst gerne lesen, und kann Sie allezeit verstehen, was vielleicht mehr ist, als ich von mir selbst sagen kann." „Wozu dieß Alles," unterbrach ihn Mabcl ungeduldig — „warum sprecht Ihr jetzt, warum sprecht Ihr überhaupt davon?" „Dann hat der Junge eine Art, seine Gedanken auszudrücken, in der ich es, wie ich fürchte, ihm nie gleich thnn kann. Wenn es etwas auf Erden gibt, was meine Zunge kühn und beredt machen kann, Mabel, so sind Sie es, und doch hat Jasper bei unfern letzten Gesprächen auch in diesem Punkte mich übertroffen, so daß ich mich vor mir selbst schämen muß. Er sagte mir, wie einfach, wie redlich und gütig Sie wären, und wie wenig Sie der Eitelkeiten der Welt achteten; denn obgleich Sie die Gattin von mehr als einem Offizier werden könnten, wie er meint, so hielten Sic doch fest an Ihrem Gefühle, und zögen es vor, sich selbst und der Natur treu zu bleiben, als nach dem Rang einer Obristenfrau zu trachten. Er hat mir in der That das Blut ordentlich warm gemacht, als er von Ihrer Schönheit sprach, auf die Sic gar nicht einmal zu sehen schienen, und wie Sie so natürlich und aumuthsvoll gleich einem jungen Reh dahin schritten, ohne es selbst zu wissen; dann von der Richtigkeit und Gerechtigkeit Ihrer Gedanken und der Wärme und dem Edelmuth Ihres Herzens —" „Jasper!" unterbrach ihn Mabel und ließ nun ihren Gefühlen, die um so unbezwinglicher zum Ansbruch kamen, je länger sie niedergedrückt worden waren, den Zügel schießen; sic fiel in die offenen Arme des jungen Mannes und weinte wie ein Kind nnd fast eben so hilflos an seiner Brust. — Jasper! Jasper! warum habt Ihr mir das verborgen?" 601 Eau-douccs Antwort war nicht sehr verständlich nnd auch die nun folgende flüsternde Zwiesprache nicht besonders zusammenhängend; aber die Sprache der Liebe versteht sich leicht. Die nächste Stunde entschwand den beiden wie sonst einige Minuten, so weit nämlich die Berechnung der Zeit in Betracht kommt; und als Mabel sich wieder faßte und sich besann, daß es auch noch andere Leute gebe, maß bereits ihr Onkel das Deck des Schiffes mit ungeduldigen Schritten nnd wunderte sich, warum Jasper den günstigen Wind zu benützen säume. Zuerst gedachte sie jedoch des Mannes, der wahrscheinlich diese unerwartete Aeußerung ihrer wahren Gefühle am schmerzlichsten empfand. „O Jasper!" rief sie im Tone des plötzlich austauchcnden Schuldbewußtsepns — „der Pfadfinder!" Eau-douce erzitterte —- nicht aus unmännlicher Furcht, wohl aber in der schmerzlichen Ueberzeugung, seinen Freund tief gekränkt zu haben, und sah nach allen Richtungen aus, ihn zu erblicken. Aber Pfadfinder hatte sich mit einem Zartgefühl, welches dem Takte und der Bildung eines Hofmanns Ehre gemacht hätte, zurückgezogen. Die beiden Liebenden saßen noch einige Minuten beisammen und harrten seiner Rückkehr, ohne zu wissen, was sie unter so bezeichnenden nnd eigenthümlichen Umständen am geeignetsten thun könnten. Endlich sahen sie ihren Freund langsam und nachdenklich auf sie zukommen. „Ich weiß nun, was Ihr unter dem Sprechen ohne Zunge nnd dem Hören ohne Ohren verstandet, Jasper," sagte er, als er dem Baume nahe genug war, um verstanden zu werden. „Ja, ja, ich weiß cs jetzt; nnd es ist eine sehr angenehme Art von Unterredung, wenn man sie mit Mabel Dunham halten kann. Ach! ich habe es ja dem Sergeanten gesagt, daß ich nicht für Sie paffe — daß ich zu alt, zu unwissend und zu wild sch; aber er wollte es anders wissen." Jasper und Mabel saßen da, Miltons Gemälde von unser» Stamm-Eltern ähnlich, als das Bewußtseyn der Sünde zuerst sein Bleigewicht auf ihre Seelen legte. Sie sprachen nicht, sic bewegten sich nicht einmal, obgleich beide sich in diesem Augenblick einbildeten, sie könnten sich Non ihrem eben erst gefundenen Glücke trennen, um den Seelenfrieden ihres Freundes wieder hcrznstellen. Jasper war blaß wie der Tod; Mabcl hatte aber die jungfräuliche Scham das Blut auf die Wangen getrieben, die in einem Rothe strahlten, welches sie kaum mit dem ihrer heitersten und glücklichsten Stunden vergleichen ließ. Da das Gefühl, welches bei ihrem Geschlechts stets die Gewißheit der erwiederten Liebe begleitet, seinen weichen und zarten Schatten über ihr Antlitz warf, so erschien sie ungemein liebenswürdig. Pfadfinder blickte sie mit einer Innigkeit an, die er nicht zu verbergen suchte, und brach dann mit einem wilden Entzücken in sein gewohntes Lachen aus, wie Wohl Leute von geringer Bildung ihre Lustigkeit anszudrückcn Pflegen. Diese augenblickliche Heiterkeit erstarb aber schnell in den Schmerze des Bewußtscpns, daß dieses herrliche junge Wesen ihm für immer verloren sey. Es bedurfte einer vollen Minute, bis sich der einfache edle Mann von dieser erschütternden Neberzengung erholte; dann gewann er seine frühere würdevolle Haltung wieder und sprach mit Ernst, ja beinahe mit Feierlichkeit: „Es war mir immer bekannt, Mabel, daß die Menschen ihre Gaben haben, obschon ich vergaß, daß es nicht zu den meinigen gehöre, den Jungen, Schönen und Unterrichteten zu gefallen. Ich hoffe, daß der Mißgriff keine allzuschwere Sünde gewesen ist, und wenn er cs war, so bin ich wahrlich schmerzlich genug dafür gestraft worden. Ich weiß, was Sie sagen wollen, Mabcl, aber cs ist nicht nöthig. Ich fühle es ganz, und das ist so gut, als ob ich es ganz hörte. Ich habe eine bittere Stunde gehabt, Mabel; ich habe eine sehr bittere Stunde gehabt, Junge —" „Eine Stunde?" wiederholte Mabel, als der Wegweiser sich dieses Wortes zum erstenmal bediente, und das verräthcrische Blut, 603 welches ihrem Herzen zuzuströmcn angcfangen hatte, fluthctc wieder ungestüm gegen ihre Schläfe; „gewiß, es kan» keine Stunde gewesen seyn, Pfadfinder?" , „Eine Stunde?" rief Jasper gleichzeitig; „nein, nein, mein würdiger Freund; cs find noch keine zehn Minuten, seit Ihr uns verlassen habt!" „Nun, es mag so sehn, obgleich cs mir wie ein T ag vorkam. Ich fange übrigens an zu glauben, daß der Glückliche seine Zeit nach Minuten und der Elende nach Monaten zählt. Doch, reden wir nichts mehr davon; es ist nun Alles vorbei, und viele Worte darüber machen euch nicht glücklicher, während sie mir nur sagen, was ich verloren habe, und wahrscheinlich auch, wie sehr ich verdiente, es zu verlieren. Nein, nein, Mabcl, Sie brauchen mich nicht zu unterbrechen; ich gebe Alles zu, und Ihre Gegenrede, so gut sie auch gemeint sepn mag, wird meinen Sinn nicht ändern. Nun, Jasper, sie ist die Eure, und obgleich es mich schwer ankommt, daran zu denken, so will ich doch glauben, daß Ihr sie glücklicher machen werdet, als ich es vermocht hätte, denn Eure Gaben sind besser dazu geeignet, obgleich ich, so weit ich mich kenne, mir alle Mühe gegeben haben würde, das Gleiche zu thun. Ich hätte wohl besser gcthan, dem Sergeanten nicht zu glauben, und mich au das halten sollen, was mir Mabel am See sagte; denn Verminst und Nrtheilskraft mußten mir sagen, daß sie Recht hatte; aber es ist so angenehm, das zu denken, was wir wünschen, und man läßt sich so leicht beschwatzen, wenn man sich selbst gern überreden möchte. Aber ich habe es schon gesagt, was nützt all das Gerede? Es ist zwar wahr, Mabel schien einzuwilligen, aber sie that es ja nur ihrem Vater zu Gefallen — und weil sie sich wegen der Wilden fürchtete —" „Pfadfinder!" „Ich verstehe Sie, Mabel; aber ich habe Sic nicht kränken wolle»-- gewiß nicht. Bisweilen ist's mir, als möchte ich gerne 604 in eurer Nachbarschaft leben, damit ich euer Glück mit ansehcn könnte; es ist aber im Grunde doch besser, wenn ich das Fünfnnd- fünszigste ganz verlasse und zum Scchszigstcn zurückkchre, welches so zu sagen mein angebornes ist. Vielleicht wäre es auch besser gewesen, wenn ich cs nie verlassen hätte, obgleich man meiner Dienste in dieser Gegend mehr benöthigt war und ich einige vom Fünfnndsünfzigstcn ans früheren Jahren kannte — den Sergeant Dunham zum Beispiel, da er vordem bei einem andern Corps stand. Doch, Jasper, es reut mich nicht. Euch kennen gelernt zu haben —" „Und mich, Pfadfinder?" unterbrach ihn Mabcl ungestüm: „bereut Ihr es, mich gekannt zu haben? Wenn ich das glauben müßte, so könnte ich nimmer zum Frieden mit mir selbst kommen." „Sic, Mabel?" erwiederte der Wegweiser, indem er die Hand unserer Heldin ergriff und ihr mit argloser Einfalt und inniger Liebe ins Antlitz blickte — „wie könnte eö mir leid thun, daß ein Strahl der Sonne das Dunkel eines freudelosen Tages einen Augenblick erleuchtete? Ich schmeichle mir nicht, daß ich in der nächsten Zeit so leichten Herzens dahin wandern, oder so gesund schlafen kann, wie ich es sonst gewohnt war; aber ich werde mich stets erinnern, wie nahe mir ein unverdientes Glück stand. Weit entfernt, Ihnen Vorwürfe zu machen, Mabel, tadle ich vielmehr nur mich selbst, weil ich eitel genug war, auch nur einen Augenblick an die Möglichkeit zu denken, daß ich einem so holden Wesen gefallen könne; denn gewiß, Sie haben mir Alles gesagt, als wir aus der Anhöhe am See darüber sprachen, und ich hätte Ihnen damals glauben sollen. Es ist ja auch ganz natürlich, daß junge Mädchen ihre Neigungen besser kennen, als die Väter. Ach — 's ist jetzt im Reinen — und mir bleibt nichts mehr übrig, als Euch Lebewohl zu sagen, damit Ihr abreisen könnt. Ich denke, Meister Cap wird ungeduldig sepn, und cs ist zu befürchten, daß er ans Ufer kommt, nm sich nach uns allen umzusehen." 603 „Lebewohl zu sagen?" rief Mabel. „Lebewohl?" wiederholte Jasper; — es wird doch nicht Eure Absicht sehn, uns zu verlassen?" „Es ist das Beste, Mabel: es ist gewiß das Beste, Eau-douce, und auch das Klügste. Wen» ich blos meinen Gefühlen folgen wollte, so konnte ich in eurer Gesellschaft leben und sterben; wenn ich aber der Vernunft Gehör gebe; so muß ich euch hier verlassen. Ihr geht nach Oswego zurück und laßt euch, sobald ihr dort ankommt, zusammengeben! denn alles das ist bereits mit Meister Cap abgemacht, der sich wieder nach dem Meere sehnt; er weiß, was geschehen muß. Ich für meinen Theil aber will wieder in meine Wälder und zu meinem Schöpfer znrückkehrcn. Kommen Sic, Mabel," fuhr der Pfadfinder fort, indem er sich erhob und unserer Heldin mit ernstem Anstand näher trat — „Küssen Sie mich; Jasper wird mir diesen Kuß nicht mißgönnen, denn cs gilt den Llbschied." „O Pfadfinder!" rief Mabel, warf sich in die Arme des Wegweisers und küßte seine Wangen wieder und wieder mit einer Unbefangenheit und Wärme, welche sic nicht an den Tag gelegt hatte, als sie an Jaspers Brust ruhte. „Gott segne Euch, theuerster -Pfadfinder. Ihr werdet uns später besuchen? Wir werden Euch wieder sehen? Wenn Ihr alt seyd, so werdet Ihr zu unserer Wohnung kommen, und ich darf daun Eure Tochter sepn?" „Ja, das ist's," erwiedcrtc der Wegweiser, nach Lust schnappend; ich will es versuchen, die Sache in diesem Licht zu betrachten. Sie sind geeigneter, meine Tochter, als mein Weib zu sehn — ja, so ist es.. Lebt wohl, Jasper! Wir wollen nun zu dem Kahn gehen; es ist Zeit, daß Ihr an Bord kommt." Pfadfinder ging ernst und ruhig voraus, dem Ufer zu. Sobald sic den Kahn erreicht hatten, faßte er noch einmal Mabels Hände, hielt sie auf Armes Länge von sich, und blickte ihr aufmerksam ins Antlitz, bis die ungebetxncn Thräncn aus seinen Augen quollen und über, seine rauhen Wangen in Strömen niedersioßen. 606 „Segnet mich, Pfadfinder," sagte Mabel, indem sie ehrfurchtsvoll sich auf die Kniee niedcrließ; „segnet mich wenigstens, ehe wir scheiden!" Der einfache, hochherzige Mann that, wie sie wünschte, half ihr in den Kahn und riß sich dann mit schwerem Herzen los. Ehe er sich jedoch znrückzog, nahm er noch Jaspern ein wenig auf die Seite und sprach Folgendes: „Euer Herz ist gut und Ihr seyd von Natur edel, Jasper; aber wir sind beide rauh und wild in Vergleichung mit diesem holden Geschöpfe. Gebt auf sic Acht und laßt ihren zarte» Charakter nie die Rauhheit der männlichen Natur fühlen. Ihr werdet sie bald auskennen, und der Herr, der in gleicher Weise über dem See und den Wäldern thront, der mit Lächeln auf die Tugend und mit Zürnen auf das Laster blickt, erhalte euch glücklich und des Glückes würdig!" Pfadfinder winkte seinem Freund zum Abschied und blieb, auf seine Büchse gelehnt, stehen, bis der Kahn die Seite des Send erreicht hatte. Mabel weinte, als ob ihr das Herz brechen wollte, und verwendete kein Auge von der offenen Stelle des Baumgangs, wo die Gestalt des Pfadfinders sichtbar war, bis der Kutter um eine Spitze beugte, welche die Aussicht nach der Insel schloß. Bei diesem letzten Blicke war die sehnige Figur dieses außerordentlichen Mannes so bewegungslos, wie eine Statue, an diesem einsamen Orte als Denkstein der kürzlich hier vorgefallenen Ereignisse ausgestellt. 607 Dreißigstes Kapitel. O laß mich aihmen bloß die Lüste, Die deinen holden Mund umschweben — So süß mir, wie der Rose Düste. Ob Tod sie bringen oder Leben. Moore. Pfadfinder war an die Einsamkeit gewöhnt; aber als der Send völlig verschwunden war, umdüsterte das Gefühl des Allcinsepns seine Seele. Nie vorher war er sich seiner vereinzelten Stellung in der Welt bewußt geworden; denn erst, jetzt hatten sich seine Gefühle allmählig in die Annehmlichkeiten und Bedürfnisse res geselligen Lebens, besonders wenn diese mit häuslichen Freuden in Verbindung standen, gefügt. Nun aber war alles, so zu sagen in einem Nu, verschwunden, und er blieb ohne Gefährten und ohne Hoffnung zurück. Selbst Chingachgvok hatte ihn, freilich nur für eine Weile, verlassen, und so fehlte des Freundes Nähe gerade in einem Augenblick, welchen wir den entscheidendsten in dem Leben unseres Helden nennen könnten. Pfadfinder stand noch in der zu Ende des vorigen Kapitels beschriebenen Stellung, als der Scud schon längst verschwunden war. Seine Glieder schienen erstarrt, und nur ein Mann, rer gewöhnt war, seine Muskeln den härtesten Nebungen zu unterwerfen, vermochte so lange in einem derartigen, marmorgleichen Zustande zu verharren. Endlich verließ er den Ort; doch ehe er seinen Körper bewegte, stieß er einen Seufzer aus, welcher sich aus den tiefsten Tiefen seiner Brust zu heben schien. Es war eine Eigcnthümlichkeit dieses außerordentlichen Mannes, daß ihm seine Sinne und seine Glieder nie ihre Dienste versagten, mochte der Geist auch noch so sehr von anderweitigen Interessen befangen seyn. Auch bei der gegenwärtigen Gelegenheit blieben ihm diese wichtigen Hilfsmutel treu, und obgleich sich seine Gedanken 608 ausschließlich mit Mabcl, ihrer Schönheit, dem Vorzüge, welchen sie Jasper gegeben, ihren Thräncn und ihrem Abschiede beschäftigten, bewegte er sich doch in gerader Linie der Stelle zu, wo June noch an dem Grabe ihres Gatten weilte. Die nun folgende llntcrhal- tnng wurde in der Sprache der Tnscaroras geführt, welche Pfadfinder geläufig war; da aber diese Zunge nur von außerordentlich gelehrten Leuten verstanden wird, so geben wir eine freie Neber- sctzung derselben, wobei wir, so weit es möglich ist, den Gedankenausdruck sowohl, als die cigenthümlichen Wendungen der sprechenden Personen bcibchalten wollen. June saß, ohne die Gegenwart des Andern zu bemerken, mit aufgelösten Haaren ans einem Stein, der bei dem Nusschaufeln des Grabes in der Erde gefunden worden war und nun an der Stelle lag, wo Nrrowhead's Körper ruhte. Sie glaubte in der That, Alle, außer ihr, hätten die Insel verlassen, und der Tritt von des Pfadfinders Moeeafin war zu leise, um sie auf eine rauhe Weise zu enttäuschen. Pfadfinder betrachtete das Weib einige Minuten mit stummer Aufmerksamkeit. Der Anblick ihres Schmerzes, die Erinnerung an ihren unersetzlichen Verlust und der sichtliche Ausdruck ihrer Trostlosigkeit übten einen heilsamen Einfluß auf seine eigenen Gefühle. Sein Verstand sagte ihm, nm wie viel tiefer, als bei ihm selbst, die Quellen des Kummers bei einem jungen Weibe lägen, welche ihres Gatten so plötzlich- und gewaltsam beraubt worden war. „Dcw-of-Jnnc," sagte er feierlich und mit einem Ernste, welcher die Innigkeit seiner Thcilnahme bezeichnet«:; —„du bist nicht allein in deinem Schmerze. Wende dich, und laß dein Auge ans einen Freund blicken." „June hat keinen Frennd mehr!" antwortete die Indianerin. „Arrowhcad ist zu den glücklichen Jagdgründen gegangen, und niemand ist übrig, der für June Sorge trägt. Die Tnscaroras werden sie aus ihren Wigwams jagen; die Irokesen sind ihren Augen 609 verhaßt und sie mag sie nicht ansehen. Stein! laß Jnne sterben über dem Grabe ihres Gatten/' „Das geht nicht — das darf nicht sehn. Es ist gegen Vernunft und Recht. Tu glaubst an den Manitou, June?" „Er hat sein Gesicht vvr Jnne verbergen, weil er zornig ist. Er bat sie allein gelassen, nm zu sterben." „Höre auf einen Mann, der seit lange die Natur der Roth- häute kennt, obgleich er von Geburt ein Weißer ist und weiße Gaben besitzt. Wenn der Manitou eines Blaßgcsichts etwas Gutes in dem Herzen eines Blaßgesichts hervorbringcn will, so schickt er ihm Leiden; denn in unsrem Kummer, June, blicken wir mit scharfen Augen in unser Inneres — mit den schärfsten, wenn cs sich nm Unterscheidung von Recht oder Unrecht handelt. Der große Geist will dir wohl und hat den Häuptling hinweggenommen, damit dich seine listige Zunge nicht irre leite und dein Charakter nicht der einer Mingv werde, wie du bereits schon in ihrer Gesellschaft warst." „Arrowhead war ein großer Häuptling," crwiederte die Indianerin mit Stolz. „Er hatte seine Verdienste — gewiß; doch hatte er auch seine Fehler. Aber June, du bist nicht verlassen und wirst es auch nicht so bald sehn. Laß deinen Schmerz austoben, laß ihn der Natur gemäß austobcn, und wenn die geeignete Zeit kömmt, will ich dir mehr sagen." Pfadfinder ging nun zu seinem Kahne und verließ die Insel. Im Verlauf des Tages vernahm June ein- oder zweimal den Knall seine. Büchse, und beim Untergang der Sonne erschien er wieder mit Vögeln, die bereits mit einem Wohlgeschmack zubereitet waren, welcher den Appetit eines Epicuräers hätte in Versuchung führen können. Diese Art von Verkehr dauerte eine» Monat, während welcher Zeit June es hartnäckig verweigerte, das Grab ihres Gatten zu verlassen, obgleich sie die freundlichen Gaben ihres Beschützers schweigend hinnahm. Hin und wieder sprachen sie mit Der Pfadfinder. 3. Aufl. 39 einander, bei welchen Gelegenheiten Pfadfinder ihren Gemüths- znstand untersuchte! die Unterredungen waren aber stets kurz und selten. June schlief in einer der Hütten, wo sie ihr Haupt sicher nicderlcgen konnte, denn sie war sich des Schutzes eines Freundes bewußt, obgleich Pfadfinder sich jede Nacht auf eine anliegende Insel, auf der er sich selbst eine Wohnung gebaut hatte, zu- rückzog. Mit dem Ablaufe des Monats war jedoch die Jahreszeit zu weit vorgerückt, um Junc's Lage angenehm zu machen. Die Bäume hatten ihre Blätter verloren und die Nächte wurden kalt und winterlich. Es war Zeit zur Abreise. Da erschien auf einmal Chingachgook wieder. Er hielt mit seinem Freunde eine lange und vertrauliche Unterredung auf der Insel. June war Zeuge ihrer Bewegungen und sah, daß ihr Beschützer sehr betrübt war. Sie schmiegte sich an seine Seite und suchte mit weiblicher Zartheit und weiblichem Instinkt seinen Kummer zu lindern. „Ich danke dir, June, ich danke dir!" sagte er; „du meinst es gut, aber es ist umsonst. Doch es ist Zeit, daß wir diesen Ort verlassen. Morgen wollen wir abreiscn. Du gehst mit uns, denn du bist jetzt wieder zur Vernunft gekommen." June gab in dtr demüthigen Weise einer Indianerin ihre Zustimmung und zog sich zurück, um die ihr noch übrige Zeit bei Arrowhead's Grabe zuzubringen. Ohne Rücksicht auf Stunde und Jahreszeit, brachte sic die ganze Herbstnacht ihr Haupt auf keinen Pfuhl. Sic saß in der Nähe der Stelle, welche die irdischen Reste ihres Gatten barg, und betete in der Weise ihres Volkes für sein Glück auf dem endlosen Pfade, den er erst jüngst angetreten hatte, und für ihre Wiedervereinigung in dem Lande der Gerechten. So demüthig und niedergedrückt sie auch in den Augen des Gedankenlosen erscheinen mochte — das Bild Gottes war in ihrer Seele, nnd sie verkündete ihren göttlichen Ursprung durch die sehusuchts- »ollen Gefühle, welche die Stumpfsinnigen, die nur den äußern Anstrich des Gemüthes tragen, überrascht haben würden. Sie reisten am Morgen mit einander ab — Pfadfinder ernst und nmsichtig in Allem, was er that — Big Scrpent dem Beispiele des Gefährten in tiefem Schweigen folgend, und June demüthig, entsagend, aber von Kummer gebeugt. Sie fuhren in zwei Kähnen; der des Weibes blieb zurück. Chiugachgook ruderte stromaufwärts voraus, und Pfadfinder folgte. Sic steuerten zwei Tage westwärts und schlugen eben so oft ihr Nachtlager auf den Inseln auf. Zum Glück wurde das Wetter milder und als sie in den See gelangten, fanden sie ihn so glatt und ruhig, wie einen Teich. Es war der Sommer der Indianer, die Zeit der Windstillen; die dunstige Atmosphäre hatte fast die Milde des Juni. Am Morgen des dritten Tages kamen sie au der Mündung des Oswego vorbei, wo das Fort und die ruhige Flagge sie vergeblich zum Landen einlnd. Ohne einen Blick seitwärts zu werfen, ruderte Chiugachgook über die dunkeln Wasser des Stromes und Pfadfinder folgte in schweigender Emsigkeit. Die Wälle waren mit Zuschauern angefüllt; aber Lundie, welcher in ihnen seine alte» Freunde erkannte, gestattete es nicht, sie anzurufen. Gegen Mittag fuhr Chiugachgook in eine kleine Bai ein, wo der Send in einer Art Rhede vor Anker war. An dem Ufer befand sich eine kleine, vor Alters entstandene Lichtung und am Rande des Sees lag ein etwas roh behauenes, neues nnd vollständig ausgebautes Blockhaus. Der ganze Platz trug das Gepräge der Wohnlichkeit und des Ueberflusses der Gränze, obgleich er etwas wild nnd einsam war. Jasper stand am User, und als Pfadfinder landete, bot er ihm zuerst die Hand. Die Begrüßung war einfach, aber sehr herzlich. Es wurden keine Fragen gestellt, denn augenscheinlich hatte Chingachgook die nöthigen Erklärungen gegeben. Pfadfinder hatte die Hand seines Freundes nie mit mehr Wärme gedrückt, als 612 bei dieser Zusammenkunft, und lachte sogar von ganzem Herzen, als er ihm sagte, wie er so recht im Glücke zu sitzen scheine. „Wo ist sic, Jasper, wo ist sie?" siüsterte endlich der Wegweiser, denn anfangs schien er selbst vor der Frage zn bangen. „Sie erwartet uns im Hanse, mein lieber Freunde, wohin, wie Ihr seht, Jnne bereits voransgeeilt ist." „Mag auch ein leichter Fuß June Mabeln entgegen führen, ihr Herz wird nicht leichter dadurch. Ihr habt also den Geistlichen in der Garnison gefunden, und die Sache ist nun ganz im Reinen?" „Wir ließen »ns eine Woche, nachdem wir Euch verlassen hatten, trauen, und Meister Cap reiste des andern Tages ab. Ihr habt vergessen, nach Eurem Freund Salzwasser zu fragen." „Nicht doch, nicht doch; der Serpent hat mir Alles erzählt; und dann höre ich lieber von Mabel und ihrem Glücke sprechen. Lachte das Kind, oder weinte sic, als die Feierlichkeit vorüber war?" „Sie that Beides, mein Freund; aber — —" „Ja, das ist so ihre Art — Thronen und Heiterkeit. Ach -— sie erscheinen uns Leuten aus den Wäldern so gar liebenswürdig und ich glaube, ich würde Alles für Recht halten, was Mabel thäte. Und glaubt Ihr, Jasper, daß sie meiner überhaupt bei diesem freudevollen Anlaß gedachte?" „Gewiß, Pfadfinder! — Sie denkt an Euch und spricht von Euch täglich, fast stündlich. Niemand liebt Euch so, wie wir." „Ich weiß, daß mich wenige mehr lieben, als Ihr, Jasper. Chingachgook ist vielleicht jetzt noch das einzige Geschöpf, von welchem ich das sagen kann. Nun — es führt zu nichts, länger zu zögern; es muß geschehen, und so kann es denn eben so gut gleich geschehen. So zeigt mir den Weg, Jasper, ich will's versuchen, noch einmal in ihr süßes Auge zn blicken." Jasper ging voran unv bald trafen sic mit Mabel zusammen. Letztere empfing ihren ehemaligen Verlobten mit hohem Erröthen, 613 und ihre Glieder zitterten, so daß sie sich kaum aufrecht zu halten vermochte. Doch war die Art, wie sie ihm entgegenkam, liebevoll und offen. Bei diesem Besuche Pfadsinders, der, obgleich letzterer in der Wohnung seiner Freunde speiste, nicht länger als eine Stunde dauerte, hätte ein geübter Seelenkenner ein treues Bild von Mabels Gefühlen, wie auch von ihrem Benehmen gegen Pfadsinder und ihren Gatten erhalten können. Gegen den letzteren zeigte sie, wie es bei Neuvermählten gewöhnlich ist, noch etwas Zurückhaltung, aber der Ton ihrer Stimme war sogar noch sanfter als gewöhnlich : ihre Blicke waren zärtlich und sie sah ihn selten an, ohne daß die Glut ihrer Wangen Gefühle verrietst, welchen Zeit nnd Gewohnheit noch nicht den Stempel der vollkommenen Rnhe aufgedrückt hatten. Gegen Pfadfinder war sie ernst, aufrichtig, sogar ängstlich; aber ihre Stimme bebte nie; das Auge senkte sich nicht, und wenn die Wangen errötheten, so geschah dieß in Folge von Regungen, welche sich mit der Besorgniß verbinden. Endlich kam der Augenblick, wo Pfadfinder aufbrechen mußte. Chingachgovk hatte bereits die Kähne verlassen und sich am Saume des Waldes ausgestellt, wo ein Pfad ins Innere führte. Hier erwartete er ruhig die Ankunft seines Freundes. Sobald letzterer dieses bemerkte, erhob er sich feierlich und nahm Abschied. „Ich habe bisweilen gedacht, daß das Schicksal ein wenig zu hart mit mir umgegangen sey," sagte er; „aber dieses Weib, Möbel, hat mich beschämt und zur Vernunft gebracht." „June wird bei mir bleiben," unterbrach ihn rasch unsere Heldin. „Ich habe mir das auch so vorgcstellt. Wenn irgend jemand ihren Schmerz heilen und ihr das Leben wieder Werth machen kann, so sind Sie es, Mabel, obgleich ich zweifle, daß es Ihnen gelingen wird. Das arme Geschöpf ist eben so sehr ohne Stamm, als ohne Gatten, und es ist nicht leicht, sich mit dem Gefühle aus- znsöhnen, beide verloren zu haben. — Ach ! warum kümmere ich mich 614 aber um anderer Leute Elend und Heirathen, als ob ich nicht selber genug Leides auf dem Herzen trüge! Sagen Sie mir nichts, Mabel, — sagt mir nichts, Jasper!— Laßt mich im Frieden und wie ein Mann meinen Weg ziehen. Ich habe euer Glück gesehen, und das ist schon etwas Namhaftes; ich werde um so eher im Stande sehn, meinen Kummer zu tragen. Nein — ich will Sie nicht wieder küssen, Mabel; ich will Sic nie wieder küssen. — Hier ist meine Hand, Jasper; drückt ste, Junge, drückt ste — ohne Umstände; 's ist die Hand eines Mannes, — und nun, Mabel — da haben Sie ste auch; — nein, nicht so" — Mabel wollte sie küssen und in Thränen baden — „Sie müssen das nicht thun —" „Pfadfinder," fragte die junge Frau; „wann werden wir Euch wieder sehen?" „Ich habe auch schon daran gedacht — ja, ich habe daran gedacht. Wenn einmal die Zeit kömmt, wo ich Sie ganz als eine Schwester betrachten kann, Mabel, oder als mein Kind — es ist besser, wenn ich sage, als ein Kind — denn Sie sind jung genug, um meine Tochter sehn zu können; dann, verlaßt Euch darauf, — dann will ich wieder kommen, denn es würde mir das Herz erleichtern, Zeuge eures Glücks zu sehn. Aber wenn ich nicht kann,— lebt wohl — lebt wohl, — der Sergeant hatte Unrecht, — ja, der Sergeant hatte Unrecht!" Dieß waren die letzten Worte, welche Jasper Western und Mabel Dunham je von Pfadfinder hörten. Er entfernte sich, da die Macht der Gefühle ihn überwältigte und befand sich schnell an der Seite seines Freundes. Als letzterer ihn kommen sah, lud er sich seinen Pack auf und schlüpfte unter die Bäume, ohne zu warten, bis er angesproche» wurde. Mabel, ihr Gatte und June, sahen noch lange der Gestalt des Pfadfinders nach, in der Hoffnung, daß er ihnen noch einen Wink oder einen Scheideblick zuwerfen werde; aber er schaute nicht zurück. Ein- oder zweimal kam es ihnen vor, als ob er den Kopf schüttelte, wie einer, der im Schmerze 615 seiner Seele erzitterte: dann fuhr er mit der Hand in die Höhe, als ob er wisse, daß man ihm nachsehe: aber ein Schritt, dessen Kraft kein Kummer beugen konnte, entführte ihn bald ihren Blicken und er verlor sich in den Tiefen des Urwaldes. Weder Jasper, noch seine Gattin, sahen Pfadfinder je wieder. Sie blieben noch ein Jahr an den Usern des Ontario; dann ließen sie sich durch Caps dringende Bitten veranlassen, zu ihm nach Newyork zu ziehen, wo Jasper ein bemittelter und geachteter Kaufmann wurde. Im Verlaufe der Zeit erhielt Mabel dreimal werthvolle Geschenke von Pelzwerk, und ihre Gefühle sagten ihr, woher sie kämen, obgleich kein Name die Gaben begleitete. In späterer Zeit jedoch, als sie bereits Mutter mehrerer Kinder war, gab sich ihr eine Veranlassung, das Innere des Landes zu besuchen, und sie befand sich an den Ufern des Mohawks, von ihren Söhnen begleitet, deren ältester bereits fähig war, ihr Beschützer zu seyn. Bei dieser Gelegenheit bemerkte sie einen Mann in sonderbarer Tracht, welcher sie aus der Entfernung mit einer Aufmerksamkeit betrachtete, daß sie dadurch veranlaßt wurde, über sein Gewerbe und seinen Charakter Erkundigung einzuziehen. Sic erfuhr, daß er der berühmteste Jäger in diesem Theil des Staates — es war nach der Revolution — und ein Mann von großer Sittenreinhcit und bezeichnenden Eigenthümlichkeiten sep, und daß man ihn in diesem Landstrich unter dem Namen Lederstrumpf kenne. Etwas weiteres konnte Frau Western nicht erfahren: aber jener Blick aus der Ferne und das eigenthümliche Benehmen des unbekannten Jägers machten ihr eine schlaflose Nacht und warfen einen weh- müthigen Schatten über ihre immer noch lieblichen Züge, welcher mehrere Tage lang nicht verschwand. Auf June hatte der doppelte Verlust ihres Gatten und ihres Stammes den von Pfadfinder vorauSgesehcnen Einfluß geübt. Sie starb in Mabels Hütte an den Ufern des Sees, und Jasper 616 führte ihre Leiche nach der Insel, wo er sie an Arrowhead's Seite beerdigte. Lundie erlebte es, seine alte Liebe heimzuführen, und nahm als ein gebeugter, schlächtenmüder Veteran seinen Abschied; aber sein Name wurde in unseren Tagen durch die Thaten eines jüngern Bruders berühmt, der dem älter» in seinem Lairdstitel nachfvlgte, diese Würde aber bald mit der eines großen Seehelden vertauschte.