361
zimpferlich. Aber die Freimüthigkcit ist im Grunde doch der besteEmpfehlungsbrief für Manu und Weib."
„Ja, das ist sie, das ist sie; aber ein gesundes Nrtheil auch."
„Ach, nach dem darf man bei einem jungen Geschöpf vonzwanzig Jahren nicht allzuviel fragen; aber es kommt mit derErfahrung. Ein Mißgriff von Euch oder mir znm Beispiel, dürftefreilich nicht so leicht übersehen werden; aber bei einem Mädchenvon Mabels Alter darf man nicht die Fliegen seihen, mau möchtesonst ein Kameel zu schlucken bekommen."
Der Leser möge nicht vergessen, daß Sergeant Dunhain nichteben ein Schristlnndiger war.
Die Muskeln in dem Gesicht des Zuhörers zuckten, als derSergeant seinen Gefühlen in dieser Weise den Lauf ließ, obgleichersterer nun wieder einen Theil jenes Stoicismus erlangt hatte,welcher ein hervorstechender Zug in seinem Charakter und wahr-scheinlich eine Folge seines langen Umgangs mit den Indianernwar. Seine Augen erhoben nnd senkten sich, und einmal schoß einStrahl über seine harten Züge, als ob er im Begriff seh, seinemcigenthümlichen Lachen Raum zu geben. Aber dieser Anffug vonHeiterkeit, wenn wirklich eine solche vorhanden war, verlor sichschnell in einen Blick der Bekninmerniß. Diese ungewöhnlicheMischung eines wilden und schmerzlichen Seelenkampfes mit dernatürlichen einfachen Heiterkeit hatte Mabel am meisten erschreckt.Wenn während der mitgetheilten Unterredung die Bilder des Glückesund der frohen Laune in einem Gemüthe auftauchten, welches inseiner Einfalt und Natürlichkeit beinahe kindlich erschien, so fühltesich das Mädchen oft zu der Annahme versucht, daß das Herzihres Verehrers nur leicht berührt seh; dieser Eindruck verwischtesich aber bald, als sie die schmerzlichen und tiefen Erregungenbemerkte, welche das Innerste seiner Seele zu zerschneiden schienen.Pfadfinder war in dieser Beziehung wirklich ein bloßes Kind.Unerfahren in der Weise der Welt, fiel cs ihm nicht ein, irgend