326
und edle Theilnahmc die Oberhand gewinnt. „Niemand, der Euchkennt, kann, oder wird an Eure Schuld glauben. Pfadfinder sagt,er stehe mit seinem Leben für Euch."
„So betrachten Sie mich also nicht als einen Verräther,Mabcl, wie dieß Ihr Vater zu thun scheint?" erwiederte der Jüng-ling mit glühenden Blicken.
„Mein lieber Vater ist ein Soldat, und muß als ein solcherhandeln. Bei meines Vaters Tochter ist das nicht so, und ich willvon Euch nicht anders denken, als ich von einem Manne denkenmuß, der mir bereits so viele Dienste erwiesen hat."
„Mabel, ich bin nicht gewöhnt, mit Ihres Gleichen zu reden,oder alles, was ich denke und fühle, auszusprechen. Ich habe nieeine Schwester gehabt, und meine Mutter starb als ich noch einKind war, so daß ich wenig davon weiß, was Ihr Geschlecht amliebsten hört —"
„Mabel hätte die ganze Welt darum geben mögen, wenn siegewußt hätte, was dem kreisenden Worte, bei welchem Jasperstecken blieb, folgen sollte; aber das wachsame Gefühl weiblicherSchüchternheit, welches sich nichtbeschreibenläßt,hieß sieihre Neugierdeunterdrücken. Sic erwartete daber schweigend die weitere Erklärung.
„Ich wollte sagen, Mabel," fuhr der jnnge Mann nach einerWeile der peinlichsten Verlegenheit fort, „daß ich nicht an die Weiseund die Ansichten von Ihres Gleichen gewohnt bin, und baß Siesich alles, was ich hinznfügen möchte, denken müssen."
Es fehlte nun allerdings Mabel nicht an Einbildungskraft:aber es gibt Gedanken und Gefühle, welche das weibliche Geschlechtgerne ausgedrückt wissen möchte, ehe es seine eigenen Sympathiendagegen gibt, und sie hatte ein dunkles Vorgefühl, daß JaspersGedanken gerade in diese Reihe gehören dürften. Sie zog es deß-halb vor, mit der ihrem Geschlechts eigcnthümlichen Gewandtheitdem Gespräche eine andere Wendung zu geben, als in dieser lästigenund unbefriedigenden Weise fortzufahren.