Druckschrift 
17 (1845) Ned Myers : aus dem Leben eines Vorkastellmatrosen
Entstehung
Seite
162
Einzelbild herunterladen
 

162

für einen leibhaften Engel, oder ob er ihr sublimes Benehmenfür eine bloße Finte halten sollte so sehr ist die menschlicheNatur aus Widersprüchen zusammengesetzt!

Endlich fielen Betts Blicke auf das Tuch, welches Mlle. Henne-quin in der Hand hielt, um es von Zeit zu Zeit unbemerkt an dieAugen zu drücken, und das wie der Leser schon weiß keinanderes war, als meine Wenigkeit. Es war augenscheinlich, daßich unangenehme Erinnerungen in dem junge» Manne erweckte, wieschon aus dem unwillkührlichen Ausrufe hervorging, der seine Em-pfindungen genügend an den Tag legte.

Dieses Taschentuch!" rief die junge GouvernanteAch,cS ist Juliens Tuch; ich muß es aus Versehen mitgenommen haben.Aber wie in aller Welt kann dieses Tuch solchen Eindruck auf Siemachen, Monsieur? Ich hoffe doch, Sie sind kein Freiwerber wieder Mohr von Venedig?"

Diese Worte wurden mit einem süßen und zugleich schalkhaftenAusdrucke gesprochen, denn das arme Mädchen war froh, dem Ge-spräche eine weniger ergreifende und peinliche Wendung geben zukönnen. Aber Betts war keineswegs in scherzhafter Stimmung undsprach seine Gefühle aus eine Weise aus, welche seiner Geliebtenendlich einen Schlüssel zu seinem Gedankengange lieh.

Dieses verdammte Taschentuch" es ist in der That un-schicklich, wenn junge Leute sich einer solchen Sprache bedienen,aber in solchem Aufruhr der Gefühle achtet man nicht lange aufseine Worte"

Das verdammte Taschentuch hat mir nicht weniger Leid ver-ursacht, als es bei Ihnen verschuldet zu haben scheint. Ich möchteWohl wissen, in welcher Berührung es eigentlich mit Ihren Gefühlensteht; denn ich will nur gestehen, daß es, wie Desdemona'S Tuch,Mißtrauen in meine Seele geworfen hat, nur freilich aus ganzandern Gründen."

Mlle. HennequinS Wange entfärbte sich und ihre Stirn würde